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Freitag, 13. Oktober 2023

Kissigs Börsentheater: Warren Buffett warnt vor zu hohen Kaufpreisen, denn damit könne man jede Investition in ein schlechtes Geschäft verwandeln

Erfolg an der Börse hat, wer Aktien kauft, die weniger kosten als sie wert sind. Das kann heute der Fall sein, so dass man nur 50 Cent für eine Aktie bezahlt, die eigentliche einen Dollar wert ist. Oder aber man kauft eine Aktie, deren Wert in Zukunft beinahe sicher deutlich höher liegen wird, weil ihre Cashflows und Gewinne in Zukunft kräftig zulegen werden.

So oder so: bezahlt man zu viel kann auch der größte Unternehmenserfolg das Investment nicht retten – weil dann schon zu viel im Kaufpreis eingepreist war. Genau diese Frage stellt sich gerade bei KI-Aktien, aber nicht nur dort und auch nicht zum ersten Mal. Der beinahe grenzenlose KI-Hype hat eine Berechtigung, denn 'generative Künstliche Intelligenz' wird unser aller Leben verändern, die Arbeitsabläufe, die Geschäftsmodelle, den Ressourceneinsatz, den Energieaufwand, unser soziales Miteinander. Einfach alles. Doch das ist nicht neu...

"Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich", heißt es. Die Erfindung des Buchdrucks, des Schießpulvers, der Dampfmaschine, der Eisenbahn, der Elektrizität, des Telefons, des Automobils, des Internets - sie alle haben die Gesellschaft geprägt und völlig umgekrempelt. Aber nicht von heute auf morgen, sondern über Jahrzehnte hinweg. Und auch das zweite Muster ist und bleibt gleich: viele Pioniere scheitern, viele Menschen stecken ihr Geld in diese neuen Ideen und glauben/hoffen, schnell reich zu werden. Die meisten schaffen es nicht. Denn nur wenige Geschäftsmodell erweisen sich als nachhaltig erfolgreich und werden zu den Giganten des neuen Zeitalters. Die anderen verenden leise oder werden übernommen. Es gab hunderte Eisenbahngesellschaften, tausende Autohersteller, zigtausende Banken. Aber heute? Die Pleite- und Konzentrationswelle hat nur wenige von ihnen zu den großen Playern gemacht, trotz und wegen des rasanten Booms ihrer Branche.

Das Problem für Anleger besteht darin, dass die angesagten und gehypten Branchen mit Geld überschwemmt werden und die Aktienkurse dem entsprechend irrsinnig hoch sind. Hier finden sich dann wahre 'Kurs-Umsatz-Monster', die mit dem 25- oder 50-fachen ihres Umsatzes bewertet werden. Die besseren unter ihnen wachsen auch im Rekordtempo, doch wenn der Umsatz in einem Jahr verdoppelt wird, reduziert sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 50 auch nur auf 25. Solche Bewertungsrelationen sind kaum zu rechtfertigen. Und wenn, dann nur, wenn man sicher davon ausgehen kann, dass dieses enormen Wachstum über viele Jahre anhält. Was nur wenigen gelingt. Wer 10 Mio. USD Umsatz macht und diesen verdoppelt, macht 20 Mio. Die nächste Verdopplung sind dann nicht mehr 10 Mio. zusätzlich, sondern schon 20 Mio. auf dann 40 Mio. Die dritte Verdopplung wären dann 40 Mio. USD auf insgesamt 80 Mio. USD. Ein dreimaliges Verdoppeln entspricht also einer Verachtfachung in drei Jahren. Uff. Je größer das Unternehmen, desto weniger wahrscheinlich ist, dass derartige Wachstumsraten erzielt werden können.

NVIDIA ist so eine Hype-Aktie. Sehr starkes Wachstum, überproportional steigender Gewinn, extrem hohe Margen. Klar, NVIDIA hat die besten KI-Chips im Angebot und der Marktanteil beträgt rund 80 %. Manche Chips werden für 30.000 USD je Stück verkauft. Wahnsinn. Und das lockt natürlich Nachahmer an. Amazon-Gründer Jeff Bezos brachte sein Geschäftsmodell mal so auf den Punkt: "Deine Marge ist meine Chance". Es gibt immer eine Kehrseite. Bei der Kosten-Nutzen-Betrachtung schneidet der Chip, der nur 80 % der vergleichbaren Leistung bringt, aber auch nur 10 % des Top-Performers kostet, vermutlich besser ab. Also wird der gekauft und das erzeugt Druck auf die Margen des Premium-Anbieters. Er muss die Preise senken, um sich zu wehren. trotzdem verliert er Marktanteile - die Margen erodieren, das Umsatz- und Gewinnwachstum geht zurück. Und das Kurs-Umsatz-Verhältnis fällt nicht mehr so schnell wie gedacht, was die Aktie dann eben in der Bewertung noch überteuerter erscheinen lässt.
"Man kann jede Investition in ein schlechtes Geschäft verwandeln, indem man zu viel bezahlt."
NVIDIA-Bullen führen an, dass das Unternehmen Marktführer ist und sein 'adressable Market' ebenfalls deutlich zulegt. Richtig. Daran ist nicht zu rütteln. Heute. Aber Übermorgen? Und genau darum geht es beim Investieren: man kauft nicht die Erfolge der Vergangenheit, nicht die starke Positionierung von heute, sondern die Erfolge von morgen und übermorgen. Und die scheinen bei vielen KI-Aktien schon auf viele Jahre eingepreist zu sein. Mit anderen Worten: diese Unternehmen gehen ihren Erfolgsweg weiter, aber die Aktionäre haben ihre Party schon hinter sich. Und es droht ein mächtiger Kater. Anleger sollten also auch die Kehrseite im Blick behalten und damit speziell das Chance-Risiko-Verhältnis. Das spricht eindeutig für das Unternehmen NVIDIA, aber auch für die Aktie? Da scheinen Zweifel angebracht...

Disclaimer: Habe Amazon, NVIDIA auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

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