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Samstag, 23. Dezember 2023

Kissigs Kloogschieterei: Zinssenkungsfantasie als Börsenaphrodisiakum?!

Ich hatte mir echt vorgenommen, nicht schon wieder über Inflation und Zinsen zu schreiben, wirklich, aber die bestimmen nun mal die Agenda. Fed-Chef Powell erklärte, man werde die Zinspause beibehalten, aber dann… deutete er konkret drei Zinssenkungen für 2024 an. Eine beachtliche Kehrtwende, nachdem er bis zuletzt verbal immer wieder 'hawkish' mit weiteren Zinsanhebungen gedroht hatte.

Die Wirkung blieb nicht aus: die Hypothekenzinsen begaben sich auf Talfahrt und sanken in den USA unter die Marke von 6,5 % und in Deutschland unter 3,5 %. Und auch die Zinsen auf Kreditkartenschulden haben kräftig nachgegeben – alleine hieraus speist sich ein gehöriges Potenzial an zusätzlicher Konsumentennachfrage, dem wichtigsten Wirtschaftsfaktor für die US-Wirtschaft.

"Das hebt die Stimmung, ja da kommt Freude auf…" sang einst Schlagerbarde Gottlieb Wendehals und die Börsen folgten seinem Ententanz Richtung neuer Allzeithochs. Der DAX hat es geschafft, der Dow Jones und der NASDAQ auch, der S&P 500 liegt nur einen Wimpernschlag darunter. Doch es sind nicht mehr die großen Technologiewerte, die 'Magnificent Seven', die die Börsen antreiben, sondern es sind vor allem zinssensitive Werte wie Immobilien und REITs. Dabei werden die Kursschübe auch dadurch angefeuert, dass viel Geld an der Seitenlinie geparkt war, das nun mit Macht zurück in den Markt drängt. FOMO, die Angst etwas zu verpassen, spielt hier eine Rolle und auch die Gier – der Fear-and-Greed-Index ist wieder im Bereich 'extremer Gier' angelangt, was durchaus als Warnsignal zu verstehen ist.

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Bald startet die Earnings Season zum 4. Quartal und da dürfte es allerorts noch Tristesse zu verkünden geben. Andererseits spielt der Ausblick auf die nächsten Monate eine immer größere Rolle und der dürfte im nächsten Jahr von zunehmendem Optimismus geprägt sein. Auf seinen Schwingen können auch die Aktienkurse weiter zulegen, denn die inzwischen schon recht üppigen Bewertungen werden dann durch wieder steigende Unternehmensgewinne unterfüttert.

Es bleibt unruhig – unter geänderten Vorzeichen. Aber war es jemals wirklich anders? ツ

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

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