Der Energie-Superzyklus gibt weiter Gas und gibt sich keine Blöße. Denn Energie ist das Rückgrat jeder Zivilisation. Wo der Energieverbrauch steigt, steigt der Wohl-stand. Und Energie ist auch die entscheidende Triebfeder hinter den beiden Megatrends E-Mobilität und Künstliche Intelligenz. Beide benötigen bisher ungeahnte Mengen an Energie, vor allem Strom, und das in einem rasanten Wachstumstempo.
Der Wettlauf um das beste Large Language Modell, die Führerschaft bei den LLMs, erfordert immer mehr Rechenkapazität und dabei immer schnellere Chips und immer größere Mengen an Speicherplatz.
KI-Rechenzentren schießen wie Pilze aus dem Boden – könnte man meinen. Jedenfalls, wenn man nur auf die Schlagzeilen achtet, die ständig neue und gewaltigere KI-Rechenzentren ankündigen.
Doch hinter der Fassade stottert die Entwicklung inzwischen ganz schön. Denn der Energiehunger der Rechenzentren prallt auf den Energiebedarf normaler Unternehmen und Bürger, die entweder nicht mehr ausreichend versorgt werden können oder aber deutlich höhere Preise schlucken müssen. Es regt sich daher Widerstand, der in einigen US-Bundesstaaten bereits zu mehrjährigen Moratorien geführt hat, in denen keine neuen KI-Rechenzentren mehr errichtet werden dürfen.
Doch stoppen kann dies den Zug nicht. Und auch für die KI-Schaufelverkäufer, die an dieser Entwicklung beteiligt sind und daran so prächtig verdienen, ergeben sich keine unüberwindbaren Hürden.
Einfach, weil die Nachfrage viel zu groß ist und daher einzelne Verschiebungen nur dazu führen, dass sich die Reihenfolge in den auf Jahren ausgebuchten Auftragsbüchern verschiebt. Wenn das nächste Rechenzentrum in New Jersey sich verzögert, wird eben das in Kalifornien oder das in Texas vorgezogen. Kein Problem. Oder?
Die jüngst vorgelegten Geschäftszahlen sprechen eine eindeutige Sprache.
Vertiv Holdings
Vertiv hat am Mittwoch seine Zahlen zum 1. Quartal vorgelegt: das Unternehmen ist ein unverzichtbarer Anbieter im Bereich der KI-Infrastruktur, denn man stellt die Kühl- und Energiemanagementsysteme her, die für einen reibungslosen Betrieb von KI-Rechenzentren sorgen.
In der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen brachte es CEO Giordano Albertazzi auf den Punkt: Die Dringlichkeit seitens der Kunden hat zugenommen, der Umfang der Implementierungen ist größer und die technische Komplexität ist höher als noch vor sechs Monaten.
Und die Zahlen untermauern dies: Vertiv verzeichnete im ersten Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 23%. In Nord- und Südamerika – wo sich der Ausbau der Hyperscaler am stärksten konzentriert – stieg der Umsatz organisch sogar um 44%.
Der freie Cashflow hat sich mehr als verdoppelt und stieg im Jahresvergleich um 147% auf 653 Millionen Dollar. Und mit 1,17 Dollar stieg der Gewinn je Aktie gegenüber dem Vorjahr um 83% und lag um satte 19 Cents über der Prognose.
Die Zahlen sind stark, aber die Aussichten werden noch besser: Vertiv hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 6,35 Dollar je Aktie an, was ein Anstieg von 51% gegenüber 2025 darstellt, und seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 13,75 Milliarden Dollar und damit 34% mehr als im Vorjahr. Der bereinigte Betriebsgewinn soll nun um 53% auf 3,2 Milliarden Dollar steigen.
Der Kurs hat entsprechend erfreut reagiert – und das trifft auch Pfisterer zu.
Pfisterer Holding
Die Pfisterer Holding bietet Lösungen von der Erzeugung und der Übertragung bis zur Verteilung elektrischer Energie und zwar zu Land, zu Wasser und in der Luft. Dabei deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab und positioniert sich als unabhängiger Anbieter für Netzbetreiber, Energieversorger und Kabelhersteller.
Und nun hat Pfisterer abschließende Zahlen für 2025 vorgelegt: Der Umsatz erhöhte sich im Geschäftsjahr 2025 um 17,4% auf knapp 450 Millionen Euro und lag damit deutlich über dem erwarteten Marktwachstum.
Das um IPO-bedingte Personalaufwendungen bereinigte EBITDA stieg überproportional um 24,0% auf 80 Millionen Euro und damit die bereinigte EBITDA-Marge auf 17,8% nach 16,9% im Vorjahr. Das Ergebnis nach Steuern verzeichnete ein nochmals stärkeres Wachstum und erhöhte sich um 53,2% auf 51,7 Millionen Euro.
Auch die Auftragslage entwickelte sich sehr positiv: Der Auftragseingang stieg um 29,6% auf 548,6 Millionen Euro, während der Auftragsbestand um 42,4% auf 334,4 Millionen Euro zunahm. Damit verfügt Pfisterer über eine solide Basis für weiteres Wachstum in den kommenden Jahren und belegt eindrucksvoll, dass man zu den "versteckten" Profiteuren des Megatrends Ausbau der Energieinfrastruktur gehört.
Die Eigenkapitalbasis wurde durch das positive Konzernergebnis sowie die Erlöse aus dem Börsengang im Mai 2025 signifikant gestärkt und stieg von 83,7 auf 205,2 Millionen Euro, wobei sich die Eigenkapitalquote entsprechend von 34,5% auf 57,8% erhöhte. Die Nettoliquidität belief sich zum Jahresende 2025 auf 19,2 Millionen Euro und damit ist Pfisterer sehr solide finanziert für organisches Wachstum und auch mögliche Zukäufe.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Pfisterer ein Umsatzwachstum von mindestens 12% sowie eine Book-to-Bill-Ratio von über 1 - es sollen also noch mehr Aufträge reinkommen, als abgearbeitet werden, wobei die Auftragseingänge auf dem hohen Vorjahresniveau erwartet werden.
Vor dem Hintergrund eines strukturell attraktiven Marktumfelds geht das Unternehmen davon aus, auch künftig stärker als der Gesamtmarkt zu wachsen. Bis zum Jahr 2030 sollen die Umsätze auf 800 bis 900 Millionen Euro steigen. Für die bereinigte EBITDA-Marge wird weiterhin ein Niveau im hohen Zehner- bis niedrigen Zwanzigerprozentbereich angestrebt.
Es soll rund 30% des Konzernergebnisses ausgeschüttet werden, so dass der Hauptversammlung am 11. Juni eine um 5 Cent erhöhte Dividende von 0,85 Euro je Aktie vorgeschlagen werden soll.
Comfort Systems USA
Die Aktie des Kühlungsspezialisten Comfort Systems ist ein echter Top-Performer der letzten Jahre.
Das Kursfeuerwerk hat natürlich Gründe: das Geschäft brummt und zeigt keine Bremsspuren. Das belegen die eindrucksvollen Zahlen zum 1. Quartal 2026 einmal mehr.
Zum Verständnis: Comfort Systems ist kein Technologiewert, auch wenn die Wachstumszahlen es vermuten lassen. Das Unternehmen installiert und wartet Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Sanitär- und Elektroanlagen in Gewerbe- und Industriegebäuden.
Bekannte Marken und starke Vor-Ort-Präsenz
Comfort Systems ist über ein Netzwerk lokaler Tochtergesellschaften an 197 Standorten in 143 US-Städten tätig.
Zu den regionalen Marken des Unternehmens gehören bekannte Spezialunternehmen wie TDIndustries, J&S Mechanical, Mesa Energy Systems, ShoffnerKalthoff MES so-wie weitere lokale Maschinenbau- und Elektrodienstleister, die geschäftskritische Projekte wie Krankenhäuser, Produktionsstätten und Rechenzentren betreuen.
Die globale Erwärmung sorgt für reichlich Nachfrage, aber so richtig auf Touren kam der Motor durch die explodierende Nachfrage nach KI-Rechenzentren und die hierfür erforderlichen Kühlsysteme. Das starke und weiter zunehmende Wachstum befeuert die Geschäfte bereits seit mehreren Jahren und hielt auch im 1. Quartal weiter an: der Umsatz stieg um knapp 58% auf 2,87 Milliarden Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung der Analysten von 2,39 Milliar-den Dollar deutlich.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) schnellte um 116% auf 524,4 Millionen Dollar hoch und die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich dabei von 13,3% auf 18,3%. Das Betriebsergebnis stieg sogar um mehr als 132% auf 485,7 Millionen Dollar, wobei sich die Margen deutlich ausweiteten, weil das Unternehmen höhere Umsätze in ein über-durchschnittliches Gewinnwachstum umwandelte. Und so stieg der Nettogewinn um fast 119% auf 370,4 Millionen Dollar bzw. 10,51 Dollar je Aktie und auch dieser übertraf die Analystenschätzungen von 6,81 Dollar je Aktie bei Weitem.
CEO Brian Lane zeigte sich sichtlich erfreut über die Geschäftsergebnisse und kommentierte: „Unsere wachsenden Teams erzielen weiterhin hervorragende Ergebnisse in den gesamten Ver-einigten Staaten.“ Er ergänzte, dass das Unternehmen im Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 51% verzeichnet und den Gewinn je Aktie gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt habe.
Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn der Auftragsbestand erreichte zum 31. März 12,45 Milliarden Dollar, verglichen mit 11,94 Milliarden Dollar Ende Dezember 2025 und 6,89 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Auf vergleichbarer Basis, also ohne die Auswirkung von Akquisitionen, stieg der Auftragsbestand auf 12,21 Milliarden Dollar und belegt, dass die M&A-Pipeline gegenüber der massiven organischen Nachfrage nur eine untergeordnete Rolle spielt. Akquisitionen zahlen sich aus, aber die meiste Power bringt das organische Wachstum!
Diese steigende Nachfrage steht in direktem Zusammenhang mit dem Technologiebereich. Das Unternehmen schließt mehrjährige Infrastrukturverträge mit großen Cloud-Anbietern ab, wodurch sich die Laufzeit des Auftragsbestands des Unternehmens strukturell von kurzfristigen Industrieaufträgen hin zu langfristigen Technologieaufträgen verlagert.
Lane erklärte hierzu, dass die jüngsten Auftragseingänge sowie die anhaltende Nachfrage und eine starke Projektpipeline Anlass zu Optimismus für die nächsten Quartale geben.
Auf der anderen Seite birgt dies auch ein Risiko, denn das beispiellose Wachstum hängt stark vom Technologiesektor ab, also von KI-Rechenzentren und den Hyperscaler, auf die Ende 2025 fast 45% des Gesamtumsatzes entfielen. Jede Verlangsamung der Investitionen in KI-Infrastruktur würde zu einem kräftigen Rückgang des Auftragsbestands führen und daher muss diese Entwicklung im Blick behalten werden. Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen für ein Nachlassen der Nachfrage.
Und obwohl sich der Boom auf viele Anbieter erstreckt, ist Comfort Systems als eine der größten und überregionalen Player klar im Vorteil: Ein entscheidender Faktor für den Ausbau der Rechenzentren ist die Kapazität des Unternehmens im Bereich der modularen Vorfertigung, die die Unternehmensleitung bis Ende 2026 auf 4 Millionen Quadratfuß ausbauen will. Dadurch kann Comfort Systems Engpässe bei Arbeitskräften vor Ort umgehen und komplexe Bauprojekte schneller umsetzen – und dadurch seine hohen Margen sichern.
Optimistischer Ausblick auf die nächsten Quartale
Das Unternehmen gab keine konkreten Zahlenprognosen für das 2. Quartal 2026 ab, äußerte sich jedoch ausdrücklich optimistisch aufgrund der anhaltenden Nachfrage und des hohen Auftragsbestands von 12,45 Milliarden Dollar. Zudem geht das Management davon aus, dass die hohen Margen gehalten werden können – Umsatzwachstum wird also in Gewinnwachstum umgemünzt.
Angesichts der starken Kurszuwächse spielt die Dividendenrendite eine untergeordnete Rolle. Und doch kann Comfort Systems hier durchaus punkten, denn das Unternehmen ist ein echter Dividendenwachstumswert.
Im August 2024 wurde eine Quartalsdividende von 0,30 Dollar je Aktie gezahlt, im folgenden Quartal waren es bereits 0,35 Dollar, dann 0,40 Dollar gefolgt von 0,45 Dollar, 0,50 Dollar und dann einem Sprung auf 0,60 Dollar. Zuletzt wurden 0,70 Dollar je Aktie ausgeschüttet und nun wird die Zahlung um weitere 14% auf 0,80 Dollar angehoben. In den letzten anderthalb Jahren lag der Zuwachs bei 166%. Die Zahlungen sind also vergleichsweise niedrig, steigen aber schnell an.
Mein Fazit
Pfisterer präsentiert sich damit, wie Vertiv, als ein aussichtsreiches Investment, um am Megatrend KI und dem zugrundeliegenden Ausbau der Energieinfrastruktur teilzuhaben. Wobei Vertiv mit einer Marktkapitalisierung von 177 Milliarden Dollar natürlich in einer ganz anderen Dimension spielt, als der schwäbische Nebenwert Pfisterer, der es mal gerade auf 1,8 Milliarden Euro bringt.
Und mit Comfort Systems USA bietet sich Anlegern ein herausragend positioniertes Unternehmen in einem Wachstumsmarkt, das seine Umsätze organisch und durch Zukäufe steigert und dabei seine Margen stetig ausbaut. Die Gesamtrendite von Kursgewinnen und Dividendenzahlungen ist in jeder Hinsicht überzeugend und die Aktie daher schon länger einer meiner Favoriten.
Auch wenn die Kurse nach den Kurssprüngen zunächst erstmal etwas ausgereizt aussehen, sollte sich ein Einstieg bei einem Kursrücksetzer auf mittlere und lange Sicht ordentlich auszahlen.
Disclaimer: Habe Comfort Systems, Pfisterer, Vertiv auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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