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Sonntag, 3. Mai 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Capex Diem - Investiere was da wolle...

Die Earnings Season hat ihren Höhepunkt überschritten, nachdem mit Alphabet, Amazon, Apple, Meta und Microsoft gleich fünf der wertvollsten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt ihre Quartalszahlen vorgelegt haben. Und alle Augen richte(te)n sich auf… Capex.

Die Hyperscaler halten ihre KI-Investitionen auf Rekordhöhe und steigern sie noch. Doch bei der Frage, ob sie diese Investitionen auch in klingende Münzen umwandeln und daraus trag- und ausbaufähige Geschäftsmodelle formen können, trennt sich die Spreu vom Weizen? Dabei entscheidet sich hier das Auf oder Ab der Börsen in den nächsten Tagen, Wochen  und vielleicht sogar Jahren...

Beachtenswert ist auch ein massives Umdenken und Umsteuern: Denn alle Vergleiche aus den vergangenen 15 Jahren zeigen, dass die Börse vor allem Asset-light-Businessmodelle klar favorisiert hat.  Doch seit Monaten ist zu beobachten, wie das Pendel massiv zur anderen Seite ausschlägt und die enormen Investitionen in KI an der Börse abgefeiert werden. Die bisher so streng beäugte Entwicklung des Free Cashflows spielt aktuell keine so große Rolle mehr - denn durch die gewaltigen Investitionen rauscht bei den Hyperscalern dieser Free Cashflow in den Keller.

Doch, der Free Cashflow zählt, gestern, heute und morgen. Aber alleine macht der auch nicht glücklich. Amazon ist dafür das beste Beispiel, heute wie vor 10 Jahren. Damals war der Free Cashflow schwach, weil Amazon massiv in die Cloudsparte AWS investiert hat und dann in den Aufbau der eigenen Logistik. Heute zwei der größten Gewinnmaschine des Konzerns - will irgendwer Bezos oder Jassy heute für diese visionären Entscheidungen kritisieren? Oder wird sich irgendein Aktionär, der die Amazon-Aktie seit damals im Depot hat, sich beschweren? Ich glaube kaum…

Neben den direkten KI-Plays sind da ja noch die Unternehmen, die direkt oder indirekt vom KI-Investitionsboom profitieren, weil sie Energienetze, Strom oder Kühlsysteme beisteuern. Auch die boomen und ihre Aktienkurse feiern kräftig mit.

Bisher läuft es jedenfalls ziemlich gut für die Börsen; sie wurden auf neue Allzeithochs getrieben, zumindest in den USA. Insbesondere dort gibt es einen Liquiditätsschub, da Lockerungen für die US-Banken bei den Eigenkapitalvorschriften eine Menge an bisher gebundenem Kapital freisetzen, das sich sofort auf die Suche nach Rendite macht. Diese Liquidität pumpt die Märkte auf, ob die Wirtschafts- und/oder Unternehmensdaten nun glänzen oder krächzen.

Doch auf Dauer können sich die Börsen nicht von der Realität abkoppeln, denn auch die Liquidität fließt nicht nur in eine Richtung. Die Warnungen vor dem absehbaren Energieschock werden lauter, wenngleich die energieautarken USA glimpflicher dabei wegkommen werden als Europa und Asien, die von Energieimporten abhängig sind. Hier steht jeweils das ganze Geschäftsmodell der Staaten auf dem Prüfstand, während in den USA nur eine normale preisgetriebene Rezession droht. Und doch… Europa und Asien kaufen viel in den USA ein und wenn diese Nachfrage in die Knie geht, kriegen das auch die US-Unternehmen zu spüren.

Aber das ist Zukunftsmusik und wird uns erst in den nächsten Monaten beschäftigen – dann aber in Dauerschleife und in enervierenden Molltönen. Bis dahin sind die Börsen in Partystimmung und feiern, als gäbe es kein Morgen. Und wenn die Hyperscaler es heute nicht verderben mit ihrem Zahlenreigen, könnte es noch einige Zeit so weitergehen.

Sich für die Zeit nach der Party zu wappnen, dürfte sich dennoch auszahlen. (Nur) so kann man den drohenden Kater ohne allzu viele Schmerzen überstehen.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki

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