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Donnerstag, 15. Oktober 2026

[Kissigs Nebenwerte-Analyse] 2G Energy: (Nicht nur) das Data-Center-Geschäft sorgt für den nächsten Wachstumsschub

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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 22/2026 vom 06.10.2026

Aktien in dieser Ausgabe: 2G Energy, Secunet Security Networks, Tonies

2G Energy: (Nicht nur) das Data-Center-Geschäft sorgt für den nächsten Wachstumsschub

Bei Energiewendeprofiteuren denken viele Anleger zunächst an Wind- und Solarunternehmen, Netzbetreiber oder Hersteller von Batterien. Dabei lohnt gerade bei 2G Energy ein genauerer Blick, denn das Unternehmen aus Heek im Münsterland produziert Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Großwärmepumpen und Spitzenlastaggregate und positioniert sich damit an einer Schnittstelle, die im Zuge der Elektrifizierung immer wichtiger wird.

Schließlich muss Strom nicht nur möglichst sauber produziert werden, sondern auch dann verfügbar sein, wenn Wind und Sonne gerade nicht ausreichend Energie liefern.

Genau hier liegt die Besonderheit des Geschäftsmodells. 2G verkauft nicht einfach Maschinen, sondern zunehmend komplette Lösungen für eine dezentrale Energieversorgung. Die Anlagen können Strom und Wärme erzeugen, Lastspitzen abfangen, Netze entlasten und sich digital in Energiesysteme integrieren. Hinzu kommt ein Servicegeschäft, das die installierte Basis über viele Jahre begleitet.

Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und ist heute in mehr als 60 Ländern aktiv. Weltweit sind inzwischen mehr als 10.000 2G-Anlagen installiert. Beschäftigt werden mehr als 1.000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 375,6 Mio. Euro und eine EBIT-Marge von 8,9%.

Noch interessanter ist allerdings der Blick nach vorne. 2026 entwickelt sich bei 2G Energy zunehmend zu einem Übergangsjahr: Die Umsätze und Gewinne werden noch von Verzögerungen und einem schwierigen Produktionshochlauf geprägt, gleichzeitig explodiert der Auftragseingang. Vor allem das Geschäft mit Rechenzentren eröffnet eine neue Dimension.

Kraft-Wärme-Kopplung als Kern des Geschäftsmodells

Das klassische Kerngeschäft von 2G sind Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, kurz KWK oder BHKW. Dabei wird ein Motor mit einem Gas betrieben und gleichzeitig zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt. Während bei einem konventionellen Kraftwerk ein großer Teil der eingesetzten Energie als Abwärme verloren geht, wird diese bei der Kraft-Wärme-Kopplung nutzbar gemacht.

Das macht die Technologie insbesondere dort interessant, wo neben Strom auch kontinuierlich Wärme benötigt wird. Typische Kunden finden sich in der Landwirtschaft, bei Stadtwerken, in Industrieunternehmen, Hotels, Krankenhäusern, Schwimmbädern, Gewächshäusern, der Wohnungswirtschaft und zunehmend auch in Rechenzentren.

2G deckt dabei einen sehr breiten Leistungsbereich ab. Die KWK-Anlagen reichen von 20 Kilowatt bis 4.500 Kilowatt elektrischer Leistung. Sie können unter anderem mit Erdgas, Biogas, Wasserstoff und anderen Schwachgasen betrieben werden. Nach Angaben des Unternehmens erreichen die Anlagen Gesamtwirkungsgrade von 90% und mehr.

Damit ist 2G nicht ausschließlich von einer bestimmten Gasart abhängig. Erdgas kann als Übergangslösung dienen, während Biogas, Biomethan und perspektivisch Wasserstoff den Weg zu einer CO₂-ärmeren beziehungsweise klimaneutralen Energieversorgung eröffnen.

Und so kann sich die Technologie an unterschiedliche energiepolitische Rahmenbedingungen anpassen. Diese Flexibilität ist wichtig, weil die Energiewende in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich schnell voranschreitet. Und bei wechselnden Regierungskonstellationen auch schon mal ruppig auf andere Wege geschubst wird.

Service: Das wiederkehrende Geschäft hinter den Anlagen

Mindestens ebenso wichtig wie der Verkauf neuer Anlagen ist das Servicegeschäft. Eine KWK-Anlage ist eine komplexe Maschine, die regelmäßig gewartet werden muss. Für 2G entsteht daraus ein langfristiger Kundenkontakt und eine zusätzliche Einnahmequelle.

Das Unternehmen bietet Wartung, Reparaturen, Ersatzteile, digitale Überwachung und Serviceverträge an. Dabei reicht das Angebot bis zur vorausschauenden Wartung. Die eigene Software I.R.I.S. überwacht Betriebsparameter und kann Störungen erkennen, bevor sie zu einem ungeplanten Ausfall führen. 2G bietet seine Serviceleistungen zudem auch für Anlagen anderer Hersteller an.

Aus Anlegerperspektive besitzt dieses Geschäft einen besonderen Charme. Während der Verkauf einer neuen Anlage naturgemäß von Investitionszyklen abhängt, kann eine installierte Anlage über viele Jahre Serviceumsätze generieren. Mit einer wachsenden installierten Basis wächst somit auch das potenzielle Servicegeschäft.

2024 erzielte 2G im Servicegeschäft 168,3 Mio. Euro Umsatz, während das BHKW-Neuanlagengeschäft auf 207,3 Mio. Euro kam. Der Servicebereich mit seinen stetigen und langfristig gesicherten Erträgen war damit bereits für knapp 45% des Konzernumsatzes verantwortlich. Seitdem hat sich der Anteil weiter erhöht und diese Mischung macht das Geschäftsmodell robuster, als es auf den ersten Blick erscheint.

Großwärmepumpen erweitern den adressierbaren Markt

Ein zweites Standbein baut 2G mit Großwärmepumpen auf. Dabei handelt es sich nicht um klassische Wärmepumpen für Einfamilienhäuser, sondern um industrielle und gewerbliche Systeme mit Leistungen von 100 bis 2.600 Kilowatt.

Die Logik dahinter ist einfach: Wenn erneuerbarer Strom reichlich vorhanden und entsprechend günstig ist, kann er über Wärmepumpen in Wärme umgewandelt werden. Damit wird die Wärmepumpe zum Bindeglied zwischen Strom- und Wärmesektor.

2G hat diesen Bereich in den vergangenen Jahren systematisch ausgebaut. Anfang 2026 nahm das Unternehmen eine eigene Produktionshalle für Wärmepumpen in Betrieb. Auf rund 880 Quadratmetern werden dort 32 verschiedene Wasser-Wasser-Wärmepumpenmodule gefertigt. Zum Einsatz kommen vier unterschiedliche Kältemittel, darunter Ammoniak und Isobutan.

Damit wird aus dem ursprünglichen KWK-Spezialisten zunehmend ein Anbieter verschiedener dezentraler Energieerzeuger. Und diese Kombination besitzt einen entscheidenden Vorteil, da sich Wärmepumpe und KWK-Anlage ergänzen können.

Bei niedrigen Strompreisen kann die Wärmepumpe Wärme erzeugen. Steigt der Strompreis, kann eine KWK-Anlage Strom produzieren und gleichzeitig Wärme bereitstellen. Genau diese Fähigkeit, unterschiedliche Energiequellen und Erzeuger abhängig von den Marktbedingungen einzusetzen, könnte in einem zunehmend volatilen Stromsystem an Bedeutung gewinnen.

Spitzenlastaggregate und digitale Steuerung

Als drittes Standbein kommen Spitzenlastaggregate hinzu. Sie sollen nicht dauerhaft laufen, sondern dann einspringen, wenn kurzfristig besonders viel Strom benötigt wird oder das Stromnetz an seine Grenzen kommt.

Das Unternehmen vermarktet unter anderem ein Demand-Response-Aggregat mit bis zu 650 Kilowatt elektrischer Leistung. Einsatzmöglichkeiten sieht 2G beispielsweise bei Stadtwerken, Energieversorgern, Microgrids, Universitäten, Industriequartieren und Rechenzentren. 2G verkauft nicht mehr nur einen Motor, sondern Bausteine für ein flexibles Energiesystem.

Besonders interessant wird dies durch die Digitalisierung. Gemeinsam mit der RWTH Aachen entwickelt 2G den sogenannten „2G Conductor“. Er soll verschiedene Energieanlagen – beispielsweise KWK-Anlage, Wärmepumpe, Speicher und Power-to-Heat-Systeme – abhängig von Wetter, Strompreis und anderen Parametern koordinieren. Auch künstliche Intelligenz soll dabei eine Rolle spielen.

Für 2G könnte daraus langfristig ein zusätzlicher Wettbewerbsvorteil entstehen. Je stärker die einzelnen Anlagen digital miteinander verbunden werden, desto wichtiger wird die Steuerungssoftware. Und Software kann im Vergleich zum reinen Maschinenbau höhere Margen und eine stärkere Kundenbindung ermöglichen.

Der neue Wachstumstreiber: Rechenzentren

Der wohl spannendste Wandel bei 2G findet derzeit allerdings im Rechenzentrumsgeschäft statt.

Künstliche Intelligenz sorgt weltweit für einen enormen Ausbau von Rechenzentren. Das Problem besteht nicht nur darin, die Gebäude und Server zu errichten. Es muss auch genügend Strom zur Verfügung stehen. In vielen Regionen der USA und zunehmend auch Europas können die öffentlichen Stromnetze die zusätzliche Nachfrage nicht schnell genug bedienen.

Genau hier kommt 2G ins Spiel. Gasbetriebene Kraftwerke können vergleichsweise schnell installiert werden und Strom direkt am Standort eines Rechenzentrums erzeugen. Sie fungieren damit als Brücke, bis ein dauerhafter Netzanschluss zur Verfügung steht.

Im Mai meldete 2G einen Großauftrag aus dem Data-Center-Geschäft im unteren dreistelligen Megawattbereich. Die Auslieferung sollte bereits in der zweiten Jahreshälfte beginnen.

Noch spektakulärer war der Auftragseingang im zweiten Quartal. Allein im zweiten Quartal 2026 erreichte dieser 422,4 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr summierten sich die Auftragseingänge auf 479,4 Mio. Euro – mehr als das Doppelte des Vorjahreszeitraums. Besonders stark war Nordamerika mit einem Anteil von 74% am Auftragseingang des ersten Halbjahres.

Damit wird deutlich, warum die Börse bei 2G Energy inzwischen nicht mehr ausschließlich auf den klassischen KWK-Markt schaut.

Die Zahlen zeigen einen ungewöhnlichen Spagat

Die aktuellen Geschäftszahlen erzählen allerdings eine zunächst widersprüchliche Geschichte. Einerseits boomt der Auftragseingang, andererseits sind Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 zurückgegangen.

2G erzielte im ersten Halbjahr 2026 eine Gesamtleistung von 184,0 Mio. Euro nach 193,0 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die EBIT-Marge sank von 3,3% auf lediglich 0,6%. Bereits im ersten Quartal hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 54,2 Mio. Euro eine negative EBIT-Marge von 7,6% ausgewiesen.

Das klingt wenig beeindruckend und könnte sogar als Warnsignal (miss-)interpretiert werden. Betrachtet man die Zahlen allerdings im Kontext, lichtet sich der Nebel. Die starke Nachfrage schlägt sich mit zeitlicher Verzögerung im Umsatz nieder, weil zwischen Auftragseingang, Produktion, Auslieferung und Umsatzrealisierung Zeit vergeht.

Hinzu kamen Verzögerungen bei der Umstellung auf ein neues ERP-System. Diese belasteten 2025 beziehungsweise den Übergang ins Jahr 2026 und beeinträchtigten unter anderem das Servicegeschäft. Für 2025 meldete 2G schließlich eine Gesamtleistung von 409,2 Mio. Euro, 12,1% mehr als im Vorjahr, bei einer EBIT-Marge von 6,6%. Erfreulicherweise hat 2G inzwischen diese Installationswehen weitgehend hinter sich lassen können und die Systeme laufen stabil.

Dennoch muss die operative Entwicklung im Jahr 2026 aufgrund dieser Faktoren mit etwas Geduld betrachtet werden. Der entscheidende Indikator ist momentan weniger der Halbjahresumsatz als vielmehr der außergewöhnlich hohe Auftragseingang.

Der Auftragseingang explodiert

Besonders bemerkenswert ist, dass die Dynamik nicht ausschließlich aus einem einzigen Großauftrag besteht. Im zweiten Quartal wurde zwar ein bereits reservierter Auftrag für dezentrale Gaskraftwerke zur Stromversorgung von US-Rechenzentren im Wert von mehr als 100 Mio. Euro endgültig fixiert. Gleichzeitig entwickelte sich aber auch das übrige Geschäft positiv.

Ende September meldete 2G dann erneut einen Auftragseingang von mehr als 400 Mio. Euro im dritten Quartal. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, dass neben dem Rechenzentrumsgeschäft nahezu alle Regionen und Segmente deutlich zulegen. Auch das Wärmepumpengeschäft entwickelt sich positiv; für 2026 wird hier ein Auftragseingang von bis zu 30 Mio. Euro erwartet.

Damit entsteht eine interessante Lage: Der Rechenzentrumsboom ist der große zusätzliche Wachstumstreiber und erhält entsprechend viel Aufmerksamkeit, aber er ist nicht die einzige Säule der Expansion.

Das reduziert ein wichtiges Risiko. Würde 2G ausschließlich von einigen wenigen Großprojekten für Rechenzentren abhängen, wäre die Abhängigkeit von einzelnen Kunden und Projekten erheblich. Die zunehmende Breite des Auftragseingangs spricht dagegen für eine strukturellere Entwicklung.

Neue Prognosen zeigen die Wachstumsdimensionen

Die Prognoseentwicklung verdeutlicht, wie stark sich die Perspektive innerhalb weniger Monate verändert hat.

Für 2026 hält das Unternehmen weiterhin einen Umsatz von 490 Mio. Euro und eine EBIT-Marge von 9,5% bis 10,5% für erreichbar. Für 2027 wurde die Umsatzprognose Ende September allerdings auf 600 bis 650 Mio. Euro angehoben. Zuvor hatte die Spanne noch bei 570 bis 620 Mio. Euro gelegen. Für 2028 erwartet 2G dann erstmals einen Umsatz von 750 bis 850 Mio. Euro.

Wir sprechen hier gegenüber dem Umsatz aus 2025 mit 409,2 Mio. Euro von einer annähernden Verdoppelung innerhalb von drei Jahren!

Um dieses Wachstum überhaupt bewältigen zu können, errichtet 2G eine neue Montagehalle am Standort Heek. Ab Anfang 2028 sollen dort containerisierte Kraftwerke erstmals in einer Fließfertigung montiert werden. Nach Unternehmensangaben soll die zusätzliche Kapazität Umsätze von mindestens 300 Mio. Euro ermöglichen.

Das ist ein bemerkenswerter Schritt für ein Unternehmen dieser Größenordnung. Gleichzeitig zeigt er, dass 2G das derzeitige Wachstum nicht als kurzfristigen Hype betrachtet, sondern offenbar von einer längerfristig hohen Nachfrage ausgeht.

Bullcase vs. Bearcase

Die zunehmende Elektrifizierung der Welt ist der große Wachstumstreiber. Mehr Elektroautos, Wärmepumpen, industrielle Elektrifizierung und vor allem Rechenzentren erhöhen den Strombedarf. Gleichzeitig wächst der Anteil von Wind- und Solarstrom.

Das klingt zunächst widersprüchlich: Einerseits wird Strom sauberer, andererseits braucht das System zusätzliche flexible Kraftwerke. Doch genau darin liegt die Chance für 2G, denn Wind- und Solaranlagen produzieren nicht kontinuierlich. Flexible Gaskraftwerke können in solchen Situationen einspringen.

Die dezentrale Erzeugung besitzt einen weiteren Vorteil, weil sie dort installiert werden kann, wo Strom benötigt wird. Für Rechenzentren ist das besonders wertvoll, weil ein fehlender Netzanschluss den Bau neuer Kapazitäten ausbremsen kann. Und das kommt inzwischen immer häufiger vor, vor allem im KI-Boomland USA, wo immer mehr Bundesstaaten wegen massiv steigender Netzentgelte und Strompreis die Errichtung neuer Rechenzentren „entschleunigt“ haben.

2G könnte hier einer der großen Profiteure werden, denn je stärker das Stromsystem wächst und je stärker die Netze belastet werden, desto wertvoller werden flexible dezentrale Erzeuger. Da 2G seine Umsatzprognosen für 2027 und 2028 zunehmend mit Großaufträgen aus Rechenzentren unterfüttert, steigt auch die Abhängigkeit von diesem Markt. Fehlkalkulation oder Stornierung von Aufträgen ist ein großes Risiko, zumal sich die hohen Investitionen für die neuen Produktionskapazitäten erstmal amortisieren müssen.

Doch 2G betreibt auch ein Wärmepumpengeschäft, das ebenfalls erhebliches Potenzial bietet. Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist eine der großen Herausforderungen der Energiewende. Während die Diskussion in Deutschland häufig auf Einfamilienhäuser fokussiert, liegt für 2G der interessante Markt im industriellen und gewerblichen Bereich. Dort sind die benötigten Leistungen deutlich größer und die Anforderungen an Temperatur, Verfügbarkeit und Integration komplexer. Genau hier kann ein Anbieter mit eigener Systemtechnik punkten.

Die Kombination mit KWK-Anlagen könnte dabei zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden. 2G kann Kunden nicht nur eine Wärmepumpe verkaufen, sondern ein Energiesystem, das je nach Strompreis, Gaspreis und Wärmebedarf unterschiedlich arbeitet.

Verstetigend für die Geschäftsentwicklung wirkt das Servicegeschäft. Die installierte Basis von mehr als 10.000 Anlagen schafft eine langfristige Kundenbeziehung und eine wichtige Wissensbasis. Je größer die Flotte wird, desto wertvoller werden digitale Überwachung und Predictive Maintenance. Und mit Auslieferung der ersten Data-Center-Module beginnt auch hier der langlebige Servicezyklus aus Wartung, Instandhaltung und Reparatur.

Das größte Risiko bleibt die Regulierung. Denn so attraktiv die Perspektiven auch sind hängt ein erheblicher Teil des Geschäfts von 2G von energiepolitischen Rahmenbedingungen ab. Das gilt insbesondere für KWK und Biogas, wo Förderprogramme, Einspeiseregelungen, Netzentgelte, Emissionsvorschriften und Genehmigungsverfahren die Wirtschaftlichkeit der Kundeninvestitionen beeinflussen.

Auch technologisch darf sich das Unternehmen nicht ausruhen. Wasserstoff, Batterien, Speicher, Brennstoffzellen und andere Technologien könnten in bestimmten Anwendungen mit KWK-Anlagen konkurrieren. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Verbrennungsmotoren grundsätzlich verschwinden, sondern wo flexible gasbasierte Stromerzeugung auch in einer zunehmend erneuerbaren Energiewelt wirtschaftlich überlegen bleibt.

Mein Fazit: Eine ungewöhnliche Energiewende-Aktie

Aus einem Hersteller von Blockheizkraftwerken wird ein Anbieter dezentraler Energiesysteme. KWK, Wärmepumpen, Spitzenlastaggregate, Speicher und digitale Steuerung sollen zunehmend zusammen gedacht werden.

Das ist mehr als eine Erweiterung des Produktkatalogs. Es verändert auch die wirtschaftliche Positionierung. Wer dem Kunden eine komplette Lösung verkauft, konkurriert weniger über den Preis einer einzelnen Maschine und stärker über Effizienz, Verfügbarkeit und die Gesamtkosten des Energiesystems. Hinzu kommt der Service.

Die aktuellen Zahlen zeigen dabei einen bemerkenswerten Übergang. Das erste Halbjahr 2026 war ergebnis- und umsatzseitig schwach, doch der Auftragseingang erreichte mit 479,4 Mio. Euro bereits nach sechs Monaten ein historisches Niveau. Im dritten Quartal kamen erneut mehr als 400 Mio. Euro hinzu. Gleichzeitig wurde die Umsatzprognose für 2027 angehoben und erstmals eine konkrete Umsatzperspektive für 2028 genannt.

Entscheidend wird nun sein, ob 2G diesen Auftragseingang tatsächlich mit steigenden Umsätzen und Margen in Gewinne verwandeln kann. Die Zahlen zum dritten Quartal werden hier erste Antworten liefern, der Blick richtet sich aber vor allem auf das Schlussquartal, wo die ersten Auslieferungen im Data-Center-Segment beginnen.

Sollte 2G hier wie erwartet abliefern können, dürfte auch der Kurs kräftig Rückenwind bekommen. Das Hoch aus dem Sommer bei gut 70 Euro könnte sich dann als reine Zwischenhürde erweisen auf dem Weg zu dreistelligen Kursregionen. Jedenfalls wenn alles glatt läuft. Und danach sieht es momentan aus.

Die 4 wichtigsten Dinge, die man über 2G Energy wissen muss

  1. 2G Energy entwickelt sich vom BHKW-Hersteller zum Systemanbieter für dezentrale Energieversorgung mit KWK-Anlagen, Großwärmepumpen, Spitzenlastaggregaten und digitaler Steuerung.
  2. Der größte neue Wachstumstreiber sind Rechenzentren, deren steigender Strombedarf und fehlende Netzkapazitäten für 2G insbesondere in Nordamerika ein enormes Marktpotenzial eröffnen.
  3. Die aktuellen Ergebnisse hinken dem Auftragseingang noch deutlich hinterher, doch mit 479,4 Mio. Euro Auftragseingang im ersten Halbjahr und erneut mehr als 400 Mio. Euro im dritten Quartal ist die Visibilität für das künftige Umsatzwachstum sehr hoch.
  4. Die größte Chance liegt in der zunehmenden Nachfrage nach flexibler dezentraler Energie, während politische Regulierung, die erfolgreiche Skalierung der Produktion und eine mögliche Überhitzung des Rechenzentrumsbooms die wichtigsten Risiken darstellen.
Disclaimer: Habe 2G Energy auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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