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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 23/2026 vom 21.10.2026
Aktien in dieser Ausgabe: Carl Zeiss Meditec, Redcare Pharmacy, SGL Carbon
Redcare Pharmacy: Europas Online-Apotheke zwischen Wachstum, E-Rezept und Preiskampf
Der Arzneimittelhandel gehört zu jenen Branchen, in denen sich der digitale Wandel besonders deutlich bemerkbar macht. Während viele Menschen Medikamente und Gesundheitsprodukte noch immer in der Apotheke vor Ort kaufen, verlagert sich ein wachsender Teil des Geschäfts ins Internet. Und davon profitiert Redcare Pharmacy ganz besonders.
Das Unternehmen firmierte früher als Shop Apotheke Europe und hat sich von einem vergleichsweise einfachen Onlineversandhändler zu einer europäischen Plattform für Arzneimittel, Gesundheitsprodukte und digitale Dienstleistungen entwickelt.
Die Investmentgeschichte erscheint auf den ersten Blick attraktiv: Medikamente werden unabhängig von Konjunkturzyklen benötigt, chronische Erkrankungen sorgen für eine kontinuierliche Nachfrage, und eine alternde Bevölkerung erhöht langfristig den Bedarf an Gesundheitsleistungen. Doch gleichzeitig ist der Markt hart umkämpft und so setzen niedrige Margen, hohe Logistikanforderungen, strenge regulatorische Vorgaben und der Wettbewerb mit stationären Apotheken dem Geschäftsmodell Grenzen.
Redcare Pharmacy muss deshalb beweisen, dass es nicht nur möglichst viele Kunden gewinnen, sondern diese auch dauerhaft profitabel bedienen kann. Entscheidend sind dabei die Entwicklung des rezeptpflichtigen Geschäfts, die Bindung der Kunden und die Fähigkeit, die Kosten mit zunehmendem Umsatz unter Kontrolle zu halten.
Eine digitale Plattform für Medikamente und Gesundheit
Redcare Pharmacy wurde 2001 gegründet und hat seinen Hauptsitz im niederländischen Sevenum. Die Aktiengesellschaft ist an der Frankfurter Börse notiert und im SDAX vertreten. Das Unternehmen ist in sieben europäischen Ländern aktiv: Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Italien. Ende 2025 zählte Redcare rund 13,9 Millionen aktive Kunden und erzielte einen Jahresumsatz von knapp 2,94 Milliarden Euro.
Das Grundprinzip ist einfach: Kunden bestellen Arzneimittel und Gesundheitsprodukte online, Redcare beschafft beziehungsweise lagert die Waren, verarbeitet die Bestellungen und liefert sie aus. Der wirtschaftliche Vorteil liegt in der Verbindung eines breiten Sortiments mit einer digitalen Bestellplattform und einer zentralisierten Logistik. Anders als eine einzelne stationäre Apotheke kann das Unternehmen seine Infrastruktur über große Kundenzahlen und mehrere Länder hinweg nutzen.
Allerdings ist Redcare keine reine Softwareplattform. Das Unternehmen muss Waren einkaufen, Lagerbestände finanzieren, pharmazeutische Qualitätsanforderungen erfüllen und die Lieferung zuverlässig organisieren. Hinzu kommen Ausgaben für Marketing, Kundenservice und IT. Das Geschäftsmodell ist deshalb trotz seiner digitalen Ausrichtung kapital- und kostenintensiv. Die entscheidende Frage lautet, ob sich mit steigenden Bestellvolumina ausreichend Skaleneffekte erzielen lassen, um aus dem hohen Umsatzwachstum dauerhaft attraktive Gewinne zu machen.
Zwei Geschäftsbereiche: DACH und International
Redcare gliedert sein Geschäft in die beiden Segmente DACH und International. Die DACH-Region umfasst Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zum internationalen Segment gehören die Niederlande, Belgien, Frankreich und Italien. Diese Aufteilung ist wichtig, weil sich die einzelnen Länder hinsichtlich der Regulierung, der Bedeutung von Onlineapotheken und der Nachfrage nach rezeptpflichtigen Medikamenten deutlich unterscheiden.
Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf DACH. 2025 entfielen rund 82 Prozent des Konzernumsatzes auf diese Region, während das internationale Geschäft etwa 18 Prozent beisteuerte. Die Größe des Heimatmarktes Deutschland und die zunehmende Bedeutung elektronischer Rezepte machen DACH zum wichtigsten Wachstumstreiber. Gleichzeitig birgt die Konzentration auf diese Region das Risiko, dass regulatorische Veränderungen oder ein intensiver Wettbewerb in Deutschland die gesamte Unternehmensentwicklung beeinflussen.
DACH: Das Kerngeschäft mit rezeptfreien und rezeptpflichtigen Medikamenten
Im DACH-Segment verkauft Redcare sowohl rezeptfreie Produkte als auch verschreibungspflichtige Arzneimittel. Zum rezeptfreien Geschäft gehören klassische Apothekenprodukte, etwa Erkältungsmittel, Schmerzmittel und Präparate für die Selbstmedikation. Hinzu kommen Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel, Körperpflege, Kosmetik und weitere Gesundheitsprodukte.
Dieses Geschäft wird häufig als Non-Rx bezeichnet. Es ist für Redcare besonders wichtig, weil das Unternehmen hier ein breites Sortiment anbieten und Kunden mit vergleichsweise häufig wiederkehrenden Bestellungen an seine Plattform binden kann. Wer regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel, Hautpflegeprodukte oder rezeptfreie Medikamente benötigt, kann mehrere Artikel in einer Bestellung zusammenfassen. Das erhöht den Warenkorb und verteilt die Versandkosten auf mehr Produkte.
Allerdings ist der Wettbewerb in diesem Bereich erheblich. Neben anderen Onlineapotheken konkurriert Redcare mit Drogeriemärkten, Versandhändlern und stationären Apotheken. Viele Produkte sind vergleichbar, Preise lassen sich leicht online gegenüberstellen. Redcare muss deshalb mit attraktiven Preisen, einer unkomplizierten Bestellung, einem zuverlässigen Lieferservice und einem überzeugenden Sortiment punkten.
Ein zweites, strategisch besonders bedeutendes Standbein ist das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, dem Rx-Segment. Hier hat sich die Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland als wichtiger Impuls erwiesen. Patienten können ihr Rezept digital übermitteln und die Medikamente anschließend nach Hause liefern lassen. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die regelmäßig dieselben Präparate benötigen, kann das ein erheblicher Komfortgewinn sein.
Der wirtschaftliche Reiz liegt nicht allein im Umsatzwachstum. Rezeptpflichtige Medikamente können Kunden langfristig an eine Apotheke binden, weil sie regelmäßig Nachschub benötigen. Redcare kann diese Kundenbeziehung nutzen, um auch rezeptfreie Produkte und weitere Gesundheitsartikel anzubieten. Das Unternehmen versucht damit, aus einer einzelnen Medikamentenbestellung eine dauerhafte Kundenbeziehung zu entwickeln.
Allerdings ist Rx nicht automatisch das profitablere Geschäft. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind die Spielräume für die Preisgestaltung begrenzt, während Einkauf, Versand und pharmazeutische Betreuung Kosten verursachen. Hinzu kommen mögliche Rabatte und andere Anreize zur Kundengewinnung. Entscheidend ist daher nicht nur, wie stark der Rx-Umsatz wächst, sondern welcher Deckungsbeitrag nach allen relevanten Kosten übrigbleibt.
International: Wachstum außerhalb des deutschen Kernmarktes
Das internationale Segment erweitert das Geschäftsmodell über Deutschland hinaus. Redcare verkauft in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Italien vor allem rezeptfreie Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik und andere Gesundheitsprodukte. Hinzu kommen je nach Land weitere Angebote und unterschiedliche lokale Sortimente.
Die Internationalisierung bietet mehrere Vorteile. Redcare kann seine Technologie, seine Einkaufsstrukturen und Teile seiner Logistik für zusätzliche Märkte einsetzen. Je mehr Bestellungen über die Plattform laufen, desto besser lassen sich potenziell Fixkosten verteilen. Außerdem reduziert eine stärkere geografische Diversifikation die Abhängigkeit vom deutschen Markt.
Doch die Expansion ist kein Selbstläufer. Arzneimittelrecht, Erstattungsmodelle, Verbrauchergewohnheiten und die Stellung stationärer Apotheken unterscheiden sich von Land zu Land. Ein Konzept, das in Deutschland gut funktioniert, lässt sich deshalb nicht zwangsläufig mit denselben Kosten und derselben Geschwindigkeit in Frankreich oder Italien übertragen.
Das zeigt sich auch in der Profitabilität: Das internationale Geschäft wuchs 2025 deutlich, blieb aber selbst auf bereinigter EBITDA-Basis noch defizitär. Immerhin verringerte sich der Verlust gegenüber dem Vorjahr. Damit wird das Segment zu einer wichtigen Bewährungsprobe für die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells: Redcare muss zeigen, dass zusätzliches Volumen nicht nur mehr Umsatz, sondern auch bessere Ergebnisse bringt.
MediService und die Bedeutung des Schweizer Marktes
Eine Besonderheit ist das Schweizer Geschäft über MediService, an dem Redcare über eine strategische Partnerschaft mit dem Schweizer Gesundheitsdienstleister Galenica beteiligt ist. MediService ist auf die Versorgung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und damit verbundene pharmazeutische Dienstleistungen ausgerichtet.
Die Schweiz ergänzt das Geschäftsmodell um einen Markt, in dem die Betreuung von Patienten mit längerfristigem Medikamentenbedarf eine wichtige Rolle spielt. Wiederkehrende Bestellungen können die Planbarkeit verbessern und die Kundenbindung stärken. Zugleich zeigt das Beispiel, dass Redcare nicht überall ausschließlich auf eine selbst aufgebaute Onlineplattform setzt, sondern auch Partnerschaften nutzen kann, um Zugang zu Märkten und Kompetenzen zu gewinnen.
Logistik, Sortiment und eigene Marken als Wettbewerbsvorteile
Hinter dem Onlineauftritt steht ein aufwendiges Logistiknetzwerk. Der Hauptstandort und zentrale Logistikknoten befinden sich in Sevenum in den Niederlanden. Mit zusätzlichen Standorten, darunter einer erweiterten Infrastruktur in Pilsen in Tschechien und dem Verteilzentrum in Mailand, baut Redcare Kapazitäten und Lieferfähigkeit aus. Das kann helfen, größere Bestellmengen zu bewältigen und die Versorgung in den einzelnen Märkten robuster zu organisieren.
Ein weiteres Element ist die Breite des Angebots. Neben bekannten Marken kann Redcare eigene Sortimente und Marken entwickeln beziehungsweise ausbauen. Eigene Produkte können höhere Margen ermöglichen, weil der Händler weniger unmittelbar mit identischen Angeboten anderer Händler konkurriert. Sie bieten außerdem die Möglichkeit, Kunden gezielt innerhalb des eigenen Sortiments zu halten.
Hinzu kommen digitale Services, pharmazeutische Beratung und unterschiedliche Lieferoptionen. Je einfacher Kunden Rezepte einlösen, Bestellungen wiederholen und Informationen zu ihren Produkten finden können, desto größer ist die Chance, dass sie bei Redcare bleiben. Die Plattform wird damit nicht nur zum Vertriebskanal, sondern zunehmend zum digitalen Zugangspunkt für alltägliche Gesundheitsbedürfnisse.
E-Rezept wird zum Wachstumsmotor
Die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre zeigen, wie schnell Redcare Pharmacy gewachsen ist. 2025 stieg der Konzernumsatz um rund 24 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro. Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten überschritt erstmals die Marke von einer Milliarde Euro und erreichte rund 1,07 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von etwa 36 Prozent am Gesamtumsatz. Gleichzeitig erhöhte sich das bereinigte EBITDA um 72 Prozent auf 57,4 Millionen Euro. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 1,4 auf 2,0 Prozent.
Auch 2026 setzte sich das Wachstum fort. Im ersten Quartal erhöhte Redcare den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18,4 Prozent auf 849 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA stieg um 58 Prozent auf 14,4 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 1,7 Prozent. Vor allem das deutsche Rx-Geschäft entwickelte sich dynamisch und legte um 55 Prozent zu.
Im Juni hob das Unternehmen seine Jahresprognose bereits an und Ende September folgte die nächste Erhöhung. Für 2026 erwartet Redcare nun ein Umsatzwachstum von 16 bis 18 Prozent nach zuvor 15 bis 17 Prozent gelegen. Für das deutsche Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten rechnet das Management inzwischen mit Erlösen von 730 bis 760 Millionen Euro, nachdem zuvor 680 bis 720 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden waren. Die Prognose für die bereinigte EBITDA-Marge blieb dagegen unverändert bei 2,5 bis 3,0 Prozent.
Das ist eine wichtige Unterscheidung: Redcare wächst schneller, ohne gleichzeitig seine Margenerwartung nach oben zu setzen. Der Umsatzschub muss sich also erst noch nachhaltig in höhere Gewinne übersetzen. Gerade bei einem Unternehmen mit einer bislang niedrigen operativen Marge ist das ein entscheidender Punkt.
Die vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal unterstrichen die Dynamik. Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland wuchs im Quartal um 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im September lag das Plus bei 51 Prozent. Die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal sollen am 29. Oktober 2026 veröffentlicht werden.
Auch personell gab es eine entscheidende Veränderung: Peter Schmid von Linstow übernahm am 14. Oktober 2026 den Vorstandsvorsitz. Der Führungswechsel fällt damit in eine Phase, in der Redcare das starke Wachstum im Rx-Geschäft in belastbare Profitabilität umwandeln muss. Für den neuen CEO wird es darauf ankommen, die Marktposition weiter auszubauen und gleichzeitig Kosten, Investitionen und operative Effizienz im Blick zu behalten.
Bullcase vs. Bearcase
Die wichtigste Chance liegt in der weiteren Digitalisierung des Arzneimittelhandels. Das E-Rezept senkt die Hürden für die Bestellung verschreibungspflichtiger Medikamente im Internet. Während der Onlinehandel bei rezeptfreien Arzneimitteln bereits stärker etabliert ist, ist der digitale Vertrieb von Rx-Produkten in Deutschland noch längst nicht ausgeschöpft. Gelingt es Redcare, weitere Patienten für seine Plattform zu gewinnen, kann daraus ein langfristiger Wachstumstreiber werden.
Ein weiterer struktureller Vorteil ist die demografische Entwicklung. In vielen europäischen Ländern nimmt der Anteil älterer Menschen zu. Damit wächst tendenziell der Bedarf an Medikamenten und Gesundheitsprodukten. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder in Regionen mit längeren Wegen zur nächsten Apotheke kann die Lieferung nach Hause besonders attraktiv sein.
Auch die Skalierung bietet Chancen. Wenn die Zahl der Bestellungen schneller wächst als die fixen Kosten für Technologie, Verwaltung und Logistik, sollte die operative Marge steigen. Die bereits verbesserte Profitabilität zeigt, dass dieser Effekt grundsätzlich möglich ist. Hinzu kommen mögliche Margenvorteile durch eigene Marken, eine effizientere Warenbeschaffung und eine bessere Auslastung der Logistikstandorte.
Schließlich besitzt Redcare mit seiner Präsenz in sieben Ländern eine Plattform, auf der sich neue Dienstleistungen und Sortimente aufbauen lassen. Das Unternehmen muss dafür nicht in jedem Markt ein vollständig neues Geschäftsmodell entwickeln. Wenn sich bewährte Konzepte übertragen lassen, könnte die internationale Expansion langfristig zusätzliche Erträge liefern.
Das größte wirtschaftliche Risiko ist die geringe Profitabilität. Trotz eines Milliardenumsatzes lag die bereinigte EBITDA-Marge 2025 bei lediglich 2,0 Prozent. Schon relativ kleine Veränderungen bei Einkaufspreisen, Versandkosten, Retouren, Marketingausgaben oder Rabatten können deshalb einen spürbaren Einfluss auf das Ergebnis haben. Umsatzwachstum allein reicht nicht aus, um den Unternehmenswert dauerhaft zu steigern.
Hinzu kommt der intensive Wettbewerb. Andere Onlineapotheken, Drogeriemärkte und stationäre Anbieter versuchen ebenfalls, Kunden zu gewinnen. Gerade bei rezeptfreien Produkten können Verbraucher Preise schnell vergleichen. Redcare muss daher immer wieder entscheiden, wie viel Geld es für Werbung, Preisaktionen und Neukundengewinnung ausgeben will. Werden Kunden vor allem über Rabatte angelockt, kann das Wachstum teuer erkauft sein. Und über allem schwebt die latente Gefahr, dass Amazon im Bereich des Pharma-Onlinevertriebs irgendwann doch noch so richtig in die Vollen gehen könnte und damit die ohnehin schwachen Margen der übrigen Anbieter nochmals kannibalisieren dürfte.
Ein weiteres Risiko liegt in der Regulierung. Arzneimittel sind keine gewöhnlichen Konsumgüter. Der Versand, die Preisgestaltung, die Beratung und die Erstattung durch Krankenkassen unterliegen besonderen Regeln. Änderungen bei gesetzlichen Vorgaben oder bei der wirtschaftlichen Attraktivität des Versandhandels könnten die Wachstumschancen beeinflussen. Auch die politischen Rahmenbedingungen für das E-Rezept und die Vergütung verschreibungspflichtiger Medikamente bleiben wichtige Faktoren.
Mein Fazit
Redcare muss aus Wachstum nachhaltige Gewinne machen
Redcare Pharmacy hat sich in einem wachsenden Markt gut positioniert. Das Unternehmen verbindet den Onlinehandel mit pharmazeutischer Kompetenz, einer breiten Produktpalette und einer europäischen Logistikinfrastruktur. Besonders das deutsche Rx-Geschäft bietet erhebliches Potenzial, weil das E-Rezept den Zugang zum digitalen Medikamentenhandel erleichtert und wiederkehrende Kundenbeziehungen ermöglicht.
Die jüngsten Prognoseanhebungen zeigen, dass die Nachfrage derzeit stimmt. Gleichzeitig bleibt die Gewinnmarge niedrig. Die entscheidende Bewährungsprobe besteht darin, das Wachstum in dauerhaft höhere operative Ergebnisse umzuwandeln, ohne dafür unverhältnismäßig viel Geld für Marketing und Kundenrabatte ausgeben zu müssen. Die internationalen Märkte bieten zusätzliche Chancen, sind aber noch nicht überall profitabel.
Die zuletzt wieder deutlich gestiegenen Zinsen könnten zudem zum Belastungsfaktor werden, da das Geschäftsmodell von Redcare vergleichsweise kapitalintensiv ist und daher die Zinslast bei eher niedrigen Margen über rote oder schwarze Zahlen entscheiden kann.
Für Anleger ist Redcare Pharmacy deshalb vor allem eine Wachstumsstory mit klaren operativen Chancen, aber auch mit erheblichen Ausführungs- und Bewertungsrisiken. Vom Kursgipfel Ende 2024 bei 160 Euro brach die Notierung bis zum Frühjahr 2026 auf 30 Euro ein. Seitdem arbeitet die Aktie an einer Erholung und hat sich in mehreren Schüben auf zuletzt wieder rund 80 Euro berappelt. Aus überverkauft wurde überkauft.
Die nächsten Quartalsberichte sollten zeigen, ob die starke Nachfrage nach verschreibungspflichtigen Medikamenten tatsächlich zu einer nachhaltigen Verbesserung der Ertragskraft führt. Dann könnte der Kurs mittelfristig auch wieder das Allzeithoch in Angriff nehmen, was einer Kursverdopplung vom heutigen Niveau aus gleichkäme. Ein Selbstgänger ist das aber nicht und interessierte Anleger sollten die Risiken unbedingt im Blick behalten, damit sie nicht in größerem Umfang Kopfschmerztabletten ordern müssen…
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Redcare wissen muss
- Redcare Pharmacy verkauft verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente sowie Gesundheits-, Pflege- und Kosmetikprodukte online und ist in sieben europäischen Ländern aktiv.
- Das deutsche E-Rezept-Geschäft entwickelt sich besonders dynamisch und ist ein wesentlicher Grund für die jüngsten Anhebungen der Umsatzprognose.
- Trotz eines Konzernumsatzes von knapp 2,94 Milliarden Euro im Jahr 2025 bleibt die bereinigte EBITDA-Marge niedrig; nachhaltige Skaleneffekte sind daher entscheidend.
- Digitalisierung, demografischer Wandel und wiederkehrende Medikamentenbestellungen eröffnen Wachstumspotenzial, während Preiskampf, Regulierung, hohe Kosten und mögliche Bewertungsrückschläge die größten Risiken darstellen.
Disclaimer: Habe Redcare Pharmacy auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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