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Montag, 9. Januar 2017

Berentzen pimpt sein Finanzergebnis und sorgt für zusätzliche Gewinne

Die Berentzen-Gruppe ist längst nicht mehr (nur) das angestaubte Spirituosen-Business alter Tage, die Neuausrichtung durch Finanzinvestor Aurelius trägt spürbar Früchte. Und hat dazu geführt, dass Aurelius sich im letzten Jahr sukzessive von allen seinen Anteilen an Berentzen getrennt hat, so dass Berentzen künftig auf eigenen Füßen stehen muss.

Zuletzt hatte die Meldung verunsichert, dass CEO Frank Schübel seinen im Oktober auslaufenden Vertrag wider Erwarten nicht verlängern wird. Er führt hierfür private Gründe an und den Wunsch, wieder mehr Privatleben zu haben. Zugleich erklärte er seine Bereitschaft, sich künftig im Aufsichtsrat einbringen zu wollen, sofern dies von den Aktionären und dem Aufsichtsrat gewünscht sei. Und Plätze dürften hier frei werden, denn bisher nehmen Aurelius-Vertreter vier der Aufsichtsratsmandate wahr und nach dem vollständigen Ausstieg des Finanzinvestors dürften diese, wenn vielleicht auch nicht gleich alle, neu besetzt werden.

Heute kommt eine sehr positive Nachricht und sie betrifft die Finanzen. Im Oktober 2017 wird eine fünfjährige Unternehmensanleihe im Volumen von €50 Mio. fällig, die mit vergleichsweise teuren 6,5% verzinst wird. Knapp zehn Monate vor deren Rückzahlung sicherte sich Berentzen nun seinen Finanzierungsbedarf durch einen fünf Jahre laufenden Konsortialkredit mit einem Volumen von €25,5 Mio., den ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutsche Postbank zur Verfügung stellt.

 Berentzen-Gruppe (Quelle: finanzen.net) 
Aufgrund seiner guten Liquiditätssituation braucht das Unternehmen nur etwa die Hälfte des ursprünglichen Nominalbetrages der Anleihe durch eine externe Refinanzierung abzudecken und tilgt die andere Hälfte wird aus vorhandenen Eigenmitteln. Den Liquiditätszufluss aus der Anleiheemission im Jahr 2012 hatte die Berentzen-Gruppe zur Finanzierung von Unternehmenskäufen und der Ausweitung des eigenen Geschäftsumfangs verwendet, jedoch nicht in vollem Umfang. So betrug die Nettoauszahlung für den Erwerb des österreichischen Frischsaftsystem-Spezialisten TMP im Herbst 2014 nur rund €15,5 Mio. Durch die neue Finanzierung senkt Berentzen seine jährlichen Finanzierungskosten ab Oktober um mehr als €2 Mio., die sich damit mehr als halbieren. Dies wird deutliche positive Effekte haben auf Cashflow, Ertragslage und Eigenkapital mit einem Effekt von annähernd €0,18 beim Gewinn je Aktie. Und Spekulationen anheizen, ob sich Berentzen nicht bei der Dividende großzügiger zeigen könnte als bisher.

Meine Einschätzung
Ich war im vergangenen März zu €6 bei Berentzen erstmals eingestiegen, als es infolge des angekündigten Aurelius-Ausstiegs zu einem deutlichen Kursrücksetzer gekommen war und den "Flash-Crash" am letzten Dienstag habe bei €7,63 ich zum Aufstocken meiner Position genutzt.

Berentzen hat sich einem zusätzlichen Geschäftsfeld zugewandt, dem frisch gepressten Orangensaft. Mit der Übernahme des österreichischen Maschinenbauer Technic-Marketing-Products, stellt man nun unter der Marke Citrocasa sogenannte Frischsaftsysteme her, also beispielsweise Orangenpressen, die mittlerweile vielfach in den Obst- und Gemüseabteilungen von Supermärkten zu finden sind. Und zunehmend auch in der Gastronomie. Dieser Markt bietet ein enormes Potenzial und ein wachstumsstarkes und profitables zweites Standbein neben dem Lizenzgetränkegeschäft (Sinalco) und dem Stammgeschäft Spirituosen (Pushkin, Bommerlunder, Doornkaat, Hansen, Springer Urvater). Die neue Finanzierung entspannt das Zahlenwerk enorm und schafft zusätzliche Potenziale für den Ausbau des operativen Geschäfts aus eigener Kraft. Und auch für kleinere Zukäufe, sollte man hier günstig fündig werden.

Aurelius befindet sich als eine meiner ältesten Empfehlungen auf meiner Empfehlungsliste und Berentzen nehme ich nun neu mit drauf. Beide Werte habe ich seit Längerem auch in meinem Depot; Aurelius als eines meiner Ankerinvestments und eine der größten Positionen.

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