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Dienstag, 19. Mai 2026

[Earnings Quickcheck Q1/26] Pfisterer steht sowas von unter Strom

Der Energie-Superzyklus gibt weiter Gas und gibt sich keine Blöße. Denn Energie ist das Rückgrat jeder Zivilisation. Wo der Energieverbrauch steigt, steigt der Wohlstand. Und Energie ist auch die entscheidende Triebfeder hinter den beiden Megatrends E-Mobilität und Künstliche Intelligenz. Beide benötigen bisher ungeahnte Mengen an Energie, vor allem Strom, und das in einem rasanten Wachstumstempo.

Hiervon profitiert auch die Pfisterer Holding, die nun ihre Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt hat und damit erneut echt überzeugen konnte. Denn man startete nicht nur erfolgreich in das Geschäftsjahr 2026, sondern Umsatz und Ergebnis entwickelten sich deutlich dynamischer als im Vorjahreszeitraum.

So stieg der Konzernumsatz im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,7% auf 126,9 Mio. Euro. Wachstumstreiber waren alle Produktsegmente, die jeweils zum Umsatzanstieg beitrugen. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich überproportional um 32,1% auf 27,7 Mio. Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich auf 21,8% nach 20,9% im Vorjahresquartal. Noch stärker entwickelte sich das Periodenergebnis, das um 57,7% auf 18,5 Mio. Euro zulegte.

Der Auftragseingang erreichte im ersten Quartal 131,1 Mio. Euro und lag damit erwartungsgemäß leicht unter dem hohen Vorjahreswert von 144,2 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Pfisterer weiterhin mit Auftragseingängen in etwa auf Vorjahresniveau und einer Book-to-Bill-Ratio von über 1. Der Auftragsbestand erhöhte sich zum 31. März 2026 um 17,7% auf 335,8 Mio. Euro und unterstreicht die anhaltend hohe Nachfrage nach Lösungen des Unternehmens.

Erfolgreich bei Großprojekten

Im Berichtszeitraum konnte Pfisterer mehrere strategisch bedeutende Projekte vorantreiben. So erhielt das Unternehmen den Zuschlag zur Lieferung elektrischer Anschlusstechnik für die Offshore-Windparks Nordlicht I und Nordlicht II - die derzeit größten Offshore-Windparkprojekte Deutschlands. Pfisterer verantwortet dabei die sichere elektrische Verbindung zwischen den Windturbinen und dem Seekabelnetz.

Darüber hinaus eröffnete das Unternehmen in Riad ein neues Trainings- und Installationszentrum. Mit dem Ausbau seiner Präsenz in Saudi-Arabien unterstützt Pfisterer die Umsetzung der staatlichen Initiative "Saudi Vision 2030", die den Ausbau einer nachhaltigen Energieinfrastruktur vorsieht.

Ein weiterer Meilenstein war das Richtfest für das neue Qualifizierungs- und Testzentrum für Hochspannungs-Gleichstromtechnologie (HVDC) am Unternehmenssitz in Winterbach. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2027 geplant.

Bestätigung von Ausblick und Mittelfristzielen

Vor dem Hintergrund der positiven Geschäftsentwicklung, stabiler Marktbedingungen und des hohen Auftragsbestands bestätigt Pfisterer sowohl den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 wie auch die mittelfristigen Ziele. Das Unternehmen erwartet für 2026 ein Umsatzwachstum von mindestens 12% sowie eine Book-to-Bill-Ratio von über 1. Mittelfristig strebt Pfisterer weiterhin eine bereinigte EBITDA-Marge im hohen Zehner- bis niedrigen Zwanzigerprozentbereich an.

Johannes Linden, Sprecher und Mitglied des Vorstands der Pfisterer Holding SE, kommentierte: "Pfisterer ist erfolgreich in das Geschäftsjahr 2026 gestartet. Besonders erfreulich ist, dass alle Produktsegmente zum Wachstum beitragen und wir sowohl Umsatz als auch Ergebnis deutlich steigern konnten. Mit unserem hohen Auftragsbestand und unserer starken Marktposition sehen wir uns für die Fortsetzung unseres profitablen Wachstumskurses hervorragend aufgestellt."

Mein Fazit

Infrastruktur wurde jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt und galt als "unsexy". Sie bindet große Mengen an Kapital und nicht nur die Entwicklung der Zinsen kann hier zum Stolperstein werden. Da das Kapital zumeist für Jahrzehnte investiert ist, besteht nur eine bedingte Flexibilität bei sich ändernden Rahmenbedingungen. Diese mangelhafte Anpassungsfähigkeit war stets ein Hemmschuh und sorgte für gedämpfte Bewertungen.

Doch der Wind hat gedreht: spätestens seitdem KI damit begonnen hat, viele Branchen zu disruptieren, wendet sich der Investitionsschwerpunkt sich von Asset-light-Businessmodellen ab und wendet sich "soliden" Investitionen zu, die das Rückgrat des KI-Zeitalters bilden und aufbauen.

Da der Siegeszug der KI nicht ohne Datenzentren sowie Energie- und Wasserversorgung (zwecks Kühlung) auskommt, muss die Energieinfrastruktur massiv ausgebaut werden, um die Versorgung sicherzustellen. Hier tut sich ein Flaschenhals auf, der die Entwicklung ausbremsen könnte - und genau dort entstehen große Gelegenheiten für die gut positionierten Akteure. Denn die Not des Einen treibt die Margen des Anderen hoch - und damit seine Gewinne.
Pfisterer präsentiert sich in diesem Superzyklus als ein aussichtsreiches Investment, um am Megatrend KI und dem zugrundeliegenden Ausbau der Energieinfrastruktur teilzuhaben. (Nicht nur) die starken Quartalszahlen untermauern meinen Investmentcase.

Disclaimer: Habe Pfisterer auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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