Donnerstag, 2. April 2026

Pfisterer Holding im Fokus: Der Herr der Ströme

In diesem Kurzportrait geht um die Pfisterer Holding SE, einem deutschen Spezialisten für Bauteile und Systeme für Stromnetze und andere Wege der Energieübertragung. Die Schwaben präsentieren sich damit als einer der großen Profiteure beim Ausbau der Strominfrastruktur – dem "Place to be" in der gerade erst beginnenden KI-Ära. Als Nebenwert fliegt die Aktie bisher noch völlig unterm Radar, aber das dürfte sich bald ändern, denn der Investitionsbedarf in Stromnetze ist gewaltig...

Das Unternehmen ging erst im Mai 2025 an die Börse und weiß (nicht erst) seitdem zu überzeugen.  Pfisterer bietet Lösungen von der Erzeugung und der Übertragung bis zur Verteilung elektrischer Energie und zwar zu Land, zu Wasser und in der Luft. Dabei deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab und positioniert sich als unabhängiger Anbieter für Netzbetreiber, Energieversorger und Kabelhersteller.

Mit einer Marktkapitalisierung von 1,35 Mrd. Euro ist das Unternehmen zwar noch ein Nebenwert, aber kein Microcap mehr. Nach dem IPO stieg der Kurs steil an, dann verkauften Insider nach Ablauf der Lockup-Frist Mitte Januar. Der Kurs knickte kurz ein, aber kompensierte die Delle dann schnell wieder. Seitdem konsolidierte er in Erwartung der Geschäftszahlen. Und die liegen inzwischen vor.

Kräftiges Wachstum und Auftragsplus

Nach vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 erzielte Pfisterer ein Wachstum der Umsatzerlöse in Höhe von 17,5% auf rund 450 Mio. Euro sowie einen überproportionalen Anstieg des bereinigten EBITDA um 23,8% auf rund 80 Mio. Euro. Damit dürfte auf Umsatzebene im 4. Quartal 2025 ein Anstieg von 25,9% über 123 Mio. Euro gelungen sein.

Der adjustierte operative Cashflow stieg um 36% auf 58 Mio. Euro; dem stehen allerdings Investitionen in Kapazitätserweiterungen und den Bau des HVDC-Labors sowie Liquiditätsabflüsse für den Erwerb der CSL-Gruppe entgegen, was zu einer Verdopplung des Investitionscashflows auf über 38 Mio. Euro führte. All diese Investitionen erweitern das Spektrum von Pfisterer und werden sich mittel- und langfristig auszahlen, auch wenn sie erstmal kurzfristig die Ergebnisse belasten.

Der Auftragseingang legte 2025 deutlich um rund 30% auf knapp 550 Mio. Euro zu, wobei alleine im 4. Quartal etwa 117 Mio. Euro und damit fast 17% höhere Auftragseingänge als im Vergleichsquartal des Vorjahres verbucht wurden. Der Auftragsbestand belief sich zum Jahresende daher auf fast 335 Mio. Euro (+40%) und bildet eine ausgezeichnete Grundlage für das künftige Umsatzwachstum.

Vorstandssprecher Johannes Linden kommentierte die Zahlen entsprechend erfreut: "Unsere strategischen Schwerpunkte liegen auf der weiteren Stärkung der Kapazitäten des Kerngeschäfts in bestehenden Märkten, der gezielten Erweiterung der Präsenz in ausgewählten Regionen sowie dem konsequenten Vorantreiben technologischer Innovationen, wie zum Beispiel im Bereich der Hochspannungs-Gleichstrom-Technologie (HVDC)."

Meine Einschätzung

Infrastruktur wurde jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt und galt als "unsexy". Sie bindet große Mengen an Kapital und nicht nur die Entwicklung der Zinsen kann hier zum Stolperstein werden. Da das Kapital zumeist für Jahrzehnte investiert ist, besteht nur eine bedingte Flexibilität bei sich ändernden Rahmenbedingungen. Diese mangelhafte Anpassungsfähigkeit war stets ein Hemmschuh und sorgte für gedämpfte Bewertungen.

Doch der Wind hat gedreht; spätestens seitdem KI damit begonnen hat, viele Branchen zu disruptieren, wendet sich der Investitionsschwerpunkt sich von Asset-light-Businessmodellen ab. Die Bewertungsimplosion bei Softwareaktien ist ein Paradebeispiel, denn dem SaaS-Sektor wurden jahrelang Bewertungsmultiplikatoren von 70 zugebilligt und nun ist niemand mehr bereit, das 20-fache des Gewinns für die Aktien zu bezahlen. Dabei laufen die Geschäfte noch rund - noch. Geändert hat sich das Sentiment und die Zukunftsperspektiven.

Seit einiger zeit und in deutlich zunehmendem Maße wandert das Anlegerkapital in HALO-Trades (Heavy Assets, low Obsolescence), also Unternehmen mit greifbarer Infrastruktur, beständiger Nachfrage und geringerem Risiko durch technologische Umbrüche. Dazu zählen Sektoren wie Industrie, Energie, Immobilien und systemrelevante Dienstleistungen.

Da der Siegeszug der KI nicht ohne Datenzentren sowie Energie- und Wasserversorgung (zwecks Kühlung) auskommt, muss die Energieinfrastruktur massiv ausgebaut werden, um die Versorgung sicherzustellen. Hier tut sich ein Flaschenhals auf, der die Entwicklung ausbremsen könnte - und genau dort entstehen große Gelegenheiten für die gut positionierten Akteure. Denn die Not des Einen treibt die Margen des Anderen hoch - und damit seine Gewinne.

Doch damit nicht genug: der Nahost-Krieg zeigt auf brutale Weise, wie anfällig Lieferketten und Versorgung sein können. Sich auf günstige Lieferungen aus weit entfernten Regionen der Welt zu verlassen, ist unter Sicherheitsaspekten keine gute Entscheidung. Wenn Versorgung physisch ausfällt, wäre ein höherer Preis das geringere Übel gewesen. Auch deshalb muss Infrastruktur auf- und ausgebaut werden. Und hierbei ist Pfisterer mit seinen Produkten einfach unverzichtbar.

Disclaimer: Habe Pfisterer auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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