Rheinmetall hat seine Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt und damit die Erwartungen erfüllt und enttäuscht.
Wie bitte? Was? Ja, die Zahlen waren nicht der große Bringer im Vergleich zu den im Vorjahr rasant angestiegenen Umsätzen, und das kommt an der Börse nicht gut an. Doch überraschend kommt das nicht und so war der Kurs schon seit Wochen auf Konsolidierungskurs. Die entscheidende Frage ist aber nun, wie die Entwicklung in den nächsten Monaten und Jahren weitergehen wird. Und ob Rheinmetall den hohen Ansprüchen gerecht werden kann, die irgendwie alle an Deutschlands führende Rüstungsschmiede und Europas größten Munitionsproduzenten stellen...
Der Sicherheits- und Verteidigungssektor boomt, seit Putin seine Truppen in die Ukraine hat einmarschieren lassen. Das ist nun schon vier Jahre her und man hat sich inzwischen an die ständigen Meldungen und Bilder gewöhnt. Erschreckend, in mehrerer Hinsicht.
Die Welt rüstet massiv auf. Inzwischen hat die NATO das von Trump (und auch schon von dessen Vorgängern) geforderte 5-Prozent-Ziel beim BIP für Rüstungsausgaben akzeptiert und strengt sich zunehmend an, von den bisherigen mageren 2% Richtung neuer Zielsetzung zu marschieren. Und man kommt dabei voran, insbesondere Deutschland hat seine Verteidigungsausgaben deutlich hochgefahren.
Dank Trumps Anti-NATO- und Anti-Partnerkurs wenden sich die Europäer (und Kanada!) verstärkt eigenen Rüstungsfirmen zu und das sorgt dort gleich für doppelt steigende Nachfrage. Zudem brüskiert Trump auch immer mehr andere Alliierte (und Kunden) der USA, die ebenfalls ihre Abhängigkeit von den USA und insbesondere von deren Waffensystemen überdenken und gegebenenfalls bereits umsteuern. Auch das sorgt in Europas Rüstungsschmieden für immer vollere Auftragsbücher. Und so auch bei Rheinmetall...
The Good
Im ersten Quartal 2026 kletterte der Konzernumsatz um 8% auf 1,94 Milliarden Euro. Was auf den ersten Blick nach lediglich solidem Wachstum aussieht, birgt beim genaueren Hinsehen durchaus positive Überraschungen, denn das Vorjahresquartal war durch Vorzieheffekte extrem stark und damit die Vergleichsbasis entsprechend hoch. Konzernchef Armin Papperger erwartet zudem bereits im laufenden zweiten Quartal eine deutliche Beschleunigung des Wachstums.
"Wir konnten uns gegenüber dem sehr erfolgreichen Vorjahresquartal weiter steigern. Insbesondere für das zweite Quartal 2026 erwarten wir ein stärkeres Wachstum beim Umsatz und beim Auftragseingang, wo wir mit großvolumigen Beauftragungen im Marine- sowie im Fahrzeugbereich rechnen."(Armin Papperger)
Wachstum ist das Eine, Profitabilität das Andere. Und auch hier kann Rheinmetall punkten: Das operative Ergebnis kletterte im ersten Quartal um 17% auf 224 Millionen Euro, während sich die operative Marge deutlich von 10,6% auf 11,6% erhöhte. CEO Papperger erläuterte, die planmäßige Ausweitung der Auslastung der Kapazitäten ermögliche es Rheinmetall, die Profitabilität weiter zu steigern. Und mit der erfolgreichen Übernahme der Naval Systems sei man in ein neues Marktsegment eingetreten und schaffen auch dort profitables Wachstum.
Das neue Segment Naval Systems entstand durch die Übernahme der Marine-Sparte von Lürssen; damit ist Rheinmetall nun auch auf den Weltmeeren ein Schwergewicht. Dazu gehört ein Start-Auftragsbestand von 5,5 Milliarden Euro im maritimen Bereich und nach nur einem Monat Konsolidierung bereits erste operative Gewinne. Daher zeigte sich Papperger mit dem Stand der Integration der neuen Geschäftssparte "sehr zufrieden".
Der Auftragsbestand inklusive Rahmenverträgen erreichte zum 31. März die Marke von 73 Milliarden Euro nach 56 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht etwa dem Fünffachen des für 2026 geplanten Jahresumsatzes und bietet damit eine sehr gute Visibilität auf die Umsätze und das Wachstum der nächsten Jahre.
Für das Gesamtjahr bleibt Rheinmetall ziemlich optimistisch und bestätigte die bisherige Jahresprognosen. Der Umsatz soll demnach 14 bis 14,5 Milliarden Euro betragen und die operative Marge soll dabei 19% erreichen. Damit würde der Konzern gegenüber 2025 erneut einen kräftigen Wachstumssprung hinlegen, denn 2025 erzielte der Rüstungskonzern Erlöse von 9,9 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 18,5%.
"Insgesamt sind wir auf gutem Kurs zur Erreichung unserer anspruchsvollen Jahresziele. Auch im Drohnenbereich haben wir uns erfolgreich positioniert und vor wenigen Tagen mit Loitering Munition einen strategisch bedeutenden Auftrag gewonnen, der noch viel Potenzial beinhaltet. Wir sind nun in allen wichtigen Bereichen ein relevanter Akteur – zu Lande, zu Wasser, in der Luft, im Cyber-Bereich und im Weltraum – und damit auf unserem Weg zum globalen Rüstungschampion."(Armin Papperger)
The Bad
Es gab einige Auftragsverschiebungen bzw. verspätete Abnahmen, was den Umsatz im ersten Quartal drückte. Die Abnahme bereits fertiggestellter Lkw durch die Bundeswehr soll nun im zweiten Jahresviertel stattfinden.
Der Cashflow entwickelte sich auch nicht so stark wie erwartet; hier gab es sogar einen negativen freien Barmittelzufluss infolge niedrigerer Anzahlungen von Kunden und höherer Investitionen. Diese Investitionen sind nötig, um die vielen Joint Ventures und Kooperationen, die Rheinmetall in den letzten Monaten abgeschlossen hat, "ans Arbeiten zu bringen". Das kostet erstmal Geld, während Umsatz und Gewinn dann später folgen - dafür aber über Jahre.
The Ugly
Einen kräftigen Einbruch gab es im Bereich der Munitionsproduktion, nachdem am spanischen Standort Murcia eine Explosion in der dortigen Munitionsfabrik zu erheblichen Einschränkungen geführt hat.
Im zweiten Quartal soll die Produktion aber wieder "vollumfänglich aufgenommen" werden, was die Auslieferungen im Segment Waffe und Munition weiter anschieben dürfte.
The Fazit
Rheinmetall bleibt auf der Überholspur, hat aber einen Gang runtergeschaltet. Das klingt auf den ersten Blick nicht wirklich schlau, aber wenn Papperger und seine Truppe das Gaspedal nun wie erwartet durchdrücken können, rennt die Kiste erst so richtig los.
Die starken (Kurs-) Zuwächse der vergangenen Jahre sind dabei nicht mehr zu erwarten. Zu einen war der Rüstungsbereich jahrelang von der Börse sträflich vernachlässigt worden und auch die Rahmenbedingungen waren bis vor einigen Jahren weitgehend trostlos. Beides hat sich geändert und die Rheinmetall-Aktie dadurch eine starke Erholungs- und Erleichterungsrally hingelegt. Und ein bisschen vorgefeiert wurde auch schon, so dass die Erwartungshaltung der Anleger inzwischen ähnlich ambitioniert ist wie die Bewertung.
Dem steht der Rüstungs-Superzyklus gegenüber, bei dem Rheinmetall zu den größten Profiteuren gehört. Und das ist keine Eintagsfliege mit bloßen Nachholeffekten, sondern wird für Jahre und Jahrzehnte für steigende Nachfrage sorgen.
Der Rüstungssektor in Europa und vor allem in Deutschland ist stark zersplittert und so bieten sich Rheinmetall durch weitere Zukäufe auch erhebliche anorganische Wachstumsmöglichkeiten.
Kein Wunder, dass die Analystenziele (fast) alle jenseits der 2.000 Euro liegen und damit von mindestens 40% Kurspotenzial ausgehen. Und auch ich erkenne bei Rheinmetall weiter enormes Potenzial und stufe das Unternehmen als Basisinvestment für jedes gut positionierte und langfristig orientierte Depot ein.
Disclaimer: Habe Rheinmetall auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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