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Donnerstag, 14. Mai 2026

[Im Fokus] Waste Management: Müll dich doch einfach reich

In diesem Kurzportrait geht um Waste Management, einen führenden Anbieter von umfassenden Umweltlösungen in Nordamerika. Das 1968 gegründete Unternehmen erbringt über seine Tochtergesellschaften Dienstleistungen für Privat-, Gewerbe-, Industrie- und kommunale Kunden und bietet dabei eine breite Palette von Dienstleistungen an, darunter die Sammlung, den Transport, die Entsorgung und das Recycling von Materialien wie Pappe, Papier, Glas, Metallen und Kunststoffen. Und wächst unaufhörlich - wie die Müllberge...

"Pecunia non olet" sagte einst der römische Kaiser Vespasian zu seinem Sohn, als dieser ihn naserümpfend fragte, weshalb er eine Urin-Steuer in öffentlichen Latrinen eingeführt habe. Geld stinkt nicht, man kann es sogar mit mehr oder weniger stinkendem Abfall machen. Und als Anleger damit fetten Renditen einfahren.

Waste Management ist vor allem in den USA, Kanada und Westeuropa tätig und verwaltet 257 Deponien und 342 Umschlagstationen. Diese Anlagen spielen eine entscheidende Rolle bei der effizienten Konsolidierung, Verdichtung und dem Transport von Abfällen. Über seinen Geschäftsbereich Waste Management Renewable Energy entwickelt und betreibt das Unternehmen Deponiegas-zu-Energie-Anlagen, die erneuerbaren Strom und Erdgas produzieren, mit dem die Erdgasflotte des Unternehmens betrieben wird.

Darüber hinaus bietet der Bereich Healthcare Solutions, der durch die Übernahme von Stericycle im Jahr 2024 gestärkt wurde, Dienstleistungen im Bereich der Entsorgung von Sonderabfällen und der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sowie sichere Dienstleistungen zur Vernichtung von Informationen an.

Der neue Bereich ist noch vergleichsweise klein und weniger profitabel. 2025 erzielte Waste Management im klassischen Entsorgungsbereich ein operatives Ergebnis von 6,8 Milliarden Dollar bei einer Marge von 30,1 % und in der Healthcare-Sparte 338 Millionen Dollar bei einer Marge von 13,5 %. Zudem wurde Stericycle für 7,2 Milliarden Dollar teuer eingekauft und das Ganze voll über neue Schulden finanziert. Der Verschuldungsgrad schoss auf 3,6 hoch und das Management richtete seinen Fokus vorübergehend auf Schuldenabbau aus. Daher wurde im Jahr 2025 die Dividende nur moderat angehoben und Aktienrückkäufe ausgesetzt. Mit Erfolg, denn die Verschuldung ist signifikant zurückgegangen und nun spielt der Shareholder Value wieder eine größere Rolle in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen.

Solides erstes Quartal

Waste Management erzielte im 1. Quartal 2026 trotz rückläufiger Mengen ein äußerst profitables Ergebnis. Während die Gesamtmengen bei Sammlung und Entsorgung aufgrund widriger Wetterbedingungen, schwieriger Vergleichswerte im Zusammenhang mit Waldbränden und der strategischen Abgabe von margenschwachen Verträgen im Privatkundenbereich um 1,5% zurückgingen, gelang es dem Management, dies durch eine Preiserhöhung im Kerngeschäft um 6,3% und strenge Kostenoptimierungsmaßnahmen erfolgreich auszugleichen.

Man verzichtet also bewusst auf margenschwächeres Geschäft, um die Profitabilität auszubauen – mit einem landesweiten Marktanteil von 24% in den USA kann man sich diesen "Luxus" locker leisten. Die Strategie führte zu einer Steigerung der bereinigten operativen EBITDA-Marge um 70 Basispunkte auf 29,8%. Die wichtigste Entwicklung ist der Anstieg des freien Cashflows um fast 94% auf 920 Millionen Dollar, wodurch das Unternehmen seine Verschuldungsziele vorzeitig erreichen konnte.

Nachdem man die Aktienrückkäufe im Jahr 2025 ausgesetzt hatte, um die Übernahme von Stericycle zu verdauen und Schulden abzubauen, feiern Aktienrückkäufe nun ein aggressives Comeback; Ende 2025 wurde ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 3 Milliarden Dollar aufgelegt. Und so wurden im letzten Quartal Aktien im Wert von 344 Millionen Dollar zurückgekauft und darüber hinaus auch Dividenden in Höhe von 385 Millionen Dollar ausgeschüttet.

Die Integration von Stericycle (jetzt Healthcare Solutions) trägt zudem weiterhin Früchte. Das bereinigte operative EBITDA des Segments stieg um 11,6% auf 106 Millionen Dollar und die Marge stieg von 15,3% im Vorjahr auf 17,3% an. Das Segment ist noch relativ klein im Konzern und dürfte daher in den nächsten Jahren auch durch weitere Übernahmen ausgebaut werden.

Mein Fazit: Müll verleiht Flügel

Müllsammeln und -verwerten ist ein Business mit hohen Eintrittsbarrieren. Größe schafft Skalierungsvorteile und der neue Rohstoffboom lässt Recycling zunehmend zum "Urban Mining" werden.

Waste Management wächst auch durch Übernahmen, die anschließend auf Profitabilität getrimmt werden. Künstliche Intelligenz kann dem Business wenig anhaben, aber es wird positive Einflüsse nehmen durch Senkung von Personalkosten und (noch) bessere Routenplanung. Autonomes Fahren und Robotik bieten zudem erhebliche künftige Einsparpotenziale, so dass Waste Management sich hervorragend für den langfristigen Investor eignet. Zweitgrößter Aktionär ist übrigens Microsoft-Gründer Bill Gates mit knapp 7,2% der Anteile. Und das schon seit vielen Jahren und aus guten Gründen.

Denn Waste Management belegt eindrucksvoll und ständig aufs Neue, dass sein Geschäftsmodell weitgehend rezessionsresistent ist. Es gelingt, geringwertige Müllmengen gegen hochwertige Erträge einzutauschen, was zu einer strukturellen Margenausweitung und einer massiven Beschleunigung der Generierung von freiem Cashflow führt. Und damit mehr Raum bietet für Aktienrückkäufe, Dividenden und Firmenzukäufe.

Echt (kein) Trash!

Disclaimer: Habe Waste Management auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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