Almonty Industries hat heute mit einer Kapitalerhöhung die Märkte verschreckt. Der Wolfram-Spezialist will über die Emission von vorrangigen Wandelanleihen mit Fälligkeit im Jahr 2031 satte 700 Millionen Dollar aufzubringen, mit der Option auf eine Aufstockung um weitere 100 Millionen Dollar.
Die Struktur ermöglicht die Umwandlung der Schulden in Eigenkapital, was eine mögliche zukünftige Verwässerung der Anteile für bestehende Aktionäre bedeuten würde - und daher nicht gut an der Börse ankommt. Der Emissionserlös soll zur Refinanzierung bestehender Schulden, zur Stärkung des Betriebskapitals sowie zur Finanzierung potenzieller Akquisitionen und des allgemeinen Betriebs verwendet werden. Ein Teil des Erlöses wird dabei für finanzielle Absicherungsgeschäfte (Capped-Call-Deals) verwendet, um das Verwässerungsrisiko durch eine zukünftige Umwandlung der Anteile zu verringern. Es fließt also nicht alles Geld ins Business. Auch das stößt einigen Anlegern wohl sauer auf.
Doch was steckt dahinter? Denn eigentlich war Almonty durch die Kapitalmaßnahmen von vor einem halben Jahr gut durchfinanziert. Also, was soll das? Und was eine "Black Box" damit zu tun?
Almonty-CEO Lewis Black hatte kürzlich von einer "Mistery Box" gesprochen, einer noch geheimen Entwicklung. Und die scheint nun sehr konkrete Formen anzunehmen. Dabei ist das Volumen von 700 bzw. 800 Mio. Dollar schon gewaltig - zur Einordnung: für die Finanzierung des Ausbaus der Sangdong-Mine hatte Almonty ein Darlehen der deutschen Förderbank kfw von 75 Mio. Euro erhalten.
Wenn man nun rund 30% des Emissionsvolumens abzieht für die Capped Calls verbleiben etwa 5050 Mio. Dollar zur freien Verwendung übrig. Das klingt nach einer größeren Übernahme.
Möglich, dass ein weiterer Rohstoff-Produzent zugekauft werden soll, um das eigene Angebotsspektrum zu erweitern. Wahrscheinlicher erscheint aber, Almonty einen Rohstoff-Verarbeiter übernehmen will, um so seine Fertigungstiefe zu verbessern. Und nicht nur das: China produziert ja einen Großteil der "Seltenen Erden" oder "kritischen Mineralien", wie auch immer. In vielen Bereichen streben die westlichen Nationen daher nach Alternativen und werden dabei durchaus fündig - auch bei Almonty.
Doch der entscheidende Flaschenhals bleibt bestehen: die Verarbeitung. Denn die "seltenen" Metalle sind eigentlich gar nicht selten, aber sie kommen zumeist nicht in konzentrierter Form oder gar Adern vor, sondern sind im Gestein und an andere Mineralien gebunden. Sie können daher nur in aufwändigen, energieintensiven und zumeist umweltschädlichen Verfahren aus dem Gestein herausgelöst werden. Ein Prozess, der kaum mit den hohen Umweltstandards in westlichen Ländern konform geht - und daher hat China hier ein De facto-Monopol.
Gelingt es Almonty also, hier einen Fuß in die Tür zu bekommen, würde man sich selbst noch unabhängiger von China machen und sich als wirkliche Alternative präsentieren für die Zukunftsbranchen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Elektrifizierung.
Bezeichnend ist, dass der Wandlungspreis bei 27,40 Dollar liegt und damit rund 45% über dem aktuellen Börsenkurs von 18,85 Dollar. Das wären rund 29 Mio. Aktien und durchaus verkraftbar im Hinblick auf die Verwässerung - zumal, wenn hier eine Wertsteigerung des Unternehmens durch einen attraktive Zukauf entgegenwirkt.
Die Emission ist bereits überzeichnet und vollständig platziert. Dabei bietet die Anleihe nur eine Verzinsung von gerade einmal 2,25% und läuft bis Ende Juni 2031 - kein Investor schielt auf die Zinsen angesichts einer Inflationsrate von 4% in den USA, sondern alleine auf die zu ergatternden Aktien im Zuge der Wandlung.
Meine Einschätzung
Almonty nutzt die Gunst der Stunde und den üppig bewerteten Aktienkurs, um weitere Finanzmittel aufzutreiben - und dabei einen nochmal deutlich höheren Referenzkurs anzubieten, der von den Investoren klaglos akzeptiert wird. Nachfrageschwäche sieht anders aus!
Ich bin schon gespannt, was sich in Lewis Blacks "Black Box" befindet. Der Deal ist mit Sicherheit schon "so gut wie eingetütet" und wartet nur noch auf die Finanzierung - die nun gesichert ist. Die reguläre Hauptversammlung steht am 9. Juni an. Da wird es also schon mal spannend...
Und ich gebe keine meiner Aktien an meiner Wolfram-Spekulation aus der Hand. Auch wenn die Gewichtung im Depot doch schon recht üppig ist. Aber wenn der Aktienkurs erfolgreicher Unternehmen stark steigt, dann konzentriert sich das Depot von selbst. Kein Grund, seine Gewinner zu rasieren und auf den nächsten Multibagger zu hoffen. Einfach am Erfolg festhalten, solange die Erfolgsspur nicht verlassen wird...
P.S.: Die Deutsche Rohstoff AG hält noch rund 4,9% an Almonty Industries. Ich bin über die DRAG also auch noch zusätzlich indirekt an Almonty beteiligt. ツ
Disclaimer: Habe Almonty, Deutsche Rohstoff auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot.

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