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Montag, 8. Juni 2026

[Im Fokus] Service Corp.: Einfach tödlich gute Geschäfte

In diesem Kurzportrait geht um Service Corp.  Der Anbieter von Bestattungs- und Friedhofsdienstleistungen betreibt ein Netzwerk aus knapp 1.500 Bestattungshäusern und rund 500 Friedhöfen in den USA, Kanada und Puerto Rico. Damit ist man Marktführer in Nordamerika.

Die marktbeherrschende Stellung wird durch einen fragmentierten Markt und die demografische Entwicklung der kommenden Jahrzehnte mit einer alternden Gesellschaft weiter gestärkt und bietet dennoch auch künftig attraktive Wachstumschancen.

Das Geschäft mit dem Tod: Ein Burggraben mit Grabstätten

Der Markt für Bestattungsdienstleistungen ist in den USA stark fragmentiert. Auf unabhängige Betreiber entfallen etwa 74% Marktanteil, Marktführer Service Corp. bringt es auf 18% und der nächstgrößte Wettbewerber auf gerade mal 2%. Dies birgt auch künftig erhebliches Konsolidierungspotenzial und allein im vierten Quartal 2025 wendete Service Corp. für strategische Zukäufe 37 Millionen Dollar auf.

Einer der vielen Wettbewerbsvorteile von SCI, und wohl der entscheidende, ist das Eigentum an Grund und Boden. Während jeder ein Bestattungshaus eröffnen kann, ist es in Metropolen wie New York oder Los Angeles inzwischen nahezu unmöglich, eine Genehmigung für einen neuen Friedhof zu erhalten. Das macht die bestehenden Friedhöfe von SCI zu Goldgruben. Aufgrund der begrenzten Grabplätze steigt die Preissetzungsmacht über die Jahre, während der Investitionsbedarf für SCI gering ist.

Neben dem individuellen Bestattungsangebot (für jegliche Glaubensrichtung und jedes Budget) stärkt ein wachsendes Vorsorgegeschäft SCIs Geschäfte. Immer häufiger bestimmen und bezahlen Menschen ihre Beisetzung bereits Jahre im Voraus, wodurch SCI planbare Erträge erzielt und ein massives Guthaben anhäuft. Dieser Bereich ist mit dem von Warren Buffett so geliebten Versicherungsfloat vergleichbar, der ihm jahrzehntelang stolze Überrenditen erwirtschaftet hat. Neben Umsatzstabilität bietet das Vorsorgegeschäft auch Schutz vor Wettbewerbern, denn das Geschäft von morgen ist ja bereits heute eingetütet. Der aktuelle Auftragsbestand von SCI beläuft sich auf rund 16,8 Milliarden Dollar.

Die Synergien aus Grabstätte, Bestattungsdienstleistung und Skalenvorteilen resultieren in einem Schwungrad-Effekt ("Flywheel"): Der Einkauf von größeren Mengen an Särgen, Urnen und Material ermöglicht bessere Einkaufskonditionen und hieraus ergeben sich höhere Margen.

Doch SCI wächst auch in neue Geschäftsmöglichkeiten hinein und will so sein Wachstum beschleunigen. So verkauft SCI nun zunehmend Vorsorgeversicherungen über einen neuen Partner und kassiert damit sofort attraktive Provisionen. Zudem steckt SCI einen größeren Teil der Gelder in eigene Treuhand-Fonds. Diese werfen Renditen von rund 15% ab und da dieses Geld SCI gehört (der „Float“), steigt der Gewinn pro Bestattung in der Zukunft kräftig an. 2025 waren dafür Personalumschulungen erforderlich, weshalb es zu einem kurzzeitigen Absatzrückgang kam, doch bereits ab 2026 soll sich der Vertragswert auf 3.000 Dollar verdoppeln. SCI optimiert seine Abläufe damit so konsequent, dass das Geschäftsmodell im nächsten Jahrzehnt nahezu automatisch hohe Renditen abwerfen dürfte.

Das Risiko Feuerbestattung birgt auch Chancen

Der anhaltende Trend zur Feuerbestattung ist eine Herausforderung für die Branche, da hier traditionell geringere Umsätze pro Beerdigung generiert werden als bei klassischen Erdbestattungen. SCI begegnet dieser Entwicklung jedoch offensiv und bietet erfolgreich Zusatzleistungen an. Der Umsatz pro Kremationsdienstleistung lässt sich durch Investitionen in spezialisierte Gedenkgärten und digitale Erinnerungsplattformen teilweise verdoppeln oder gar verdreifachen. Und so wird moderates Mengenwachstum zusammen mit höherwertigen Zusatzangeboten zum Margentreiber.

Gewinnwachstum füttert zweistelliges Dividendenwachstum

Im ersten Quartal 2026 legte SCI trotz eines starken Rückgangs des vergleichbaren Bestattungsvolumens um 6% ein robustes Ergebnis vor. Der schwierige Vergleich mit der starken Grippesaison des Vorjahres drückte zwar auf die Margen im Bestattungsgeschäft, doch das Friedhofssegment glich diesen Rückgang mehr als aus. Die Friedhofsumsätze legten zu, angetrieben von einem Anstieg der hochprofitablen Vorausverkäufe um 10%. Diese unterschiedliche Entwicklung der Segmente ließ den Gesamtumsatz um 2% auf 1,09 Mrd. Dollar steigen und hielt das bereinigte Ergebnis je Aktie stabil bei 0,97 Dollar.

Das Management hielt an der Prognose für das Geschäftsjahr 2026 fest und erwartet einen Gewinn je Aktie zwischen 4,05 und 4,35 Dollar. Es signalisiert damit Zuversicht, dass die Preissetzungsmacht und der Auftragsbestand bei Vorausverkäufen die anhaltende Normalisierung der Sterblichkeitsrate ausgleichen werden.

Diese Zuversicht gründet auf der Babyboomer Generation, die nun auf die 80 zugeht, sowie einer weiteren Margenexpansion. Der starke Cashflow ermöglicht zudem eine konstante Dividendenerhöhung. Alleine in den letzten 10 Jahren wurde die Dividende im Schnitt um über 10% pro Jahr angehoben (über 20 Jahre sogar um durchschnittlich 15%). Aktuell beläuft sich die Dividendenrendite auf 2,1% bei einer Ausschüttungsquote von 34%. Des Weiteren profitieren Anleger von Aktienrückkaufprogrammen, denn in den letzten 20 Jahren wurden fast 60% der Aktien zurückgekauft. Für Starinvestor Mohnish Pabrai sind solche "Kannibalen" besonders reizvoll.

Mein Fazit: Dividende mit einem sicheren Geschäft

Der Aktienkurs hat zuletzt Schwäche gezeigt. Auf Sicht von 12 Monaten liegt er nach dem jüngsten Kursrutsch über 10% im Minus und die 5 Jahres-Performance ist auf rund 33% geschrumpft.

Dabei bietet Service Corp. konjunkturelle Resilienz und ist ein Paradebeispiel für ein defensives Investment mit eingebautem Wachstumsmotor. Growth und Value ergänzen sich hier hervorragend: Die Kombination aus demografischer Unausweichlichkeit, einer starken Marktposition, die durch Akquisitionen ausgebaut wird, sowie der Fähigkeit zur Margenausweitung durch moderne Gedenkkonzepte bildet ein solides Fundament auch für die kommenden Jahre. Irgendwie doch recht tolle Aussichten, oder?!

Disclaimer: Habe Service Corp. weder auf meiner Beobachtungsliste noch im Depot/Wiki.

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