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Donnerstag, 24. September 2026

2G Energy goes USA - mit dezentraler Stromversorgung für KI-Rechenzentren und mächtig Dampf unterm Kessel

Den deutschen Blockheizkraft- und Biogasanlagenspezialisten 2G Energy habe ich schon öfter präsentiert, aber so richtig habe ich mich nie für ein Investment erwärmen können. Auch nicht, als das Management vollmundig die großen Chancen in bunten Farben ausmalte, die man in den USA wittert im Bereich der dezentralen Stromversorgung für KI-Rechenzentren. Klang für mich erstmal wie ein "me too", um sich attraktiver dazustellen als man ist. Bis vor einigen Wochen...

Denn 2G Energy zieht's wirklich durch und hat einige Großaufträge zur Energieversorgung von Rechenzentren in Nordamerika erhalten und damit die größten Einzelaufträge der Unternehmensgeschichte. Geliefert werden containerisierte Energieversorgungsanlagen und das über mehrere Jahre hinweg. Und mit der Stromversorgung moderner Rechenzentren positioniert sich 2G Energy direkt im Flaschenhals der KI-Revolution.

Während ständig neue KI-Rechenzentrumsprojekte verkündet werden und alle Welt über die Finanzierung und den Cashflow aus diesen Investitionen spricht, ist die größte Herausforderung die Stromversorgung. Denn die Stromnetze sind gar nicht für solche Höchstleistungen ausgelegt und die Stromerzeugung kann die benötigte Leistung gar nicht liefern. Zwei Widerstände, die nicht einfach zu überwinden sind. Zumal die Kosten auch auf die privaten Stromkunden abgewälzt werden, die höhere Netzentgelte, deutliche steigende Stromkosten und immer öfter auch Stromrationierungen zu beklagen haben. Der Widerstand gegen KI-Rechenzentren wächst also und ist längst zu einem politischen Brandthema geworden.

Dabei betrifft der Rechenzentrumsboom vor allem die USA, obwohl Deutschland weltweit das Land mit den zweitmeisten Rechenzentren ist. Allerdings nur, wenn man die herkömmlichen Rechenzentren in die Rechnung mit einbezieht. In Sachen KI hinkt Deutschland - wie so oft - hinterher.

Energieversorgung, oder genauer gesagt Stromversorgung, ist ein weltweites Problem geworden, nicht zuletzt durch den KI-Boom. Denn die großen Hyperscaler benötigen für KI-Cluster immer größere Energiemengen, gleichzeitig dauert der Ausbau klassischer Stromnetze oft viele Jahre. Gasturbinen sind vielfach ausverkauft und Netzanschlüsse fehlen. Deshalb entstehen zunehmend Übergangslösungen auf Basis modularer dezentraler Stromsysteme - und genau hier setzt 2G Energy nun an.

2G liefert containerisierte modulare Energieversorgungssysteme. Diese lassen sich deutlich schneller installieren als klassische Großkraftwerke oder neue Netzanschlüsse. Während Nvidia die GPUs liefert, braucht die Branche gleichzeitig Unternehmen, die überhaupt genug Strom bereitstellen können. Genau deshalb entstehen aktuell neue Märkte für dezentrale Energieversorgung modulare Kraftwerkslösungen und private Übergangs-Stromnetze.

Mit dem (ersten) Großauftrag aus Nordamerika hat sich 2G Energy mitten in diesem neuen Milliardenmarkt. Doch die eigentliche Überraschung liegt dabei weniger in dem Auftrag selbst als in den deutlich angehobenen Wachstumsperspektiven für 2027. Für 2026 wurde die Prognose bestätigt, aber "am oberen Rand". Und für 2027 erwartet der Vorstand nun ein 20-prozentiges Wachstum auf 570 bis 620 Mio. Euro Umsatz (bisher 537 Mio.) bei einer EBIT-Marge von 11%.

Aus dem "klassischen Maschinenbauer" wird auf einmal ein echtes Wachstumsunternehmen. Und dabei dürfte es sich nicht um meine Eintagsfliege handeln. In den USA ist man noch in weiteren finalen Ausschreibungen für dezentrale Rechenzenten-Stromversorgungsauträge engagiert und das Management erwartet kurzfristig weitere große Aufträge.

Einen davon konnte man soeben verbuchen: 2G Energy AG hat von Energy Vault Holdings einen Auftrag über 275 MW zur Lieferung von Stromerzeugungsanlagen für seine Energieinfrastrukturlösungen "Powered Land" und "Powered Shell" in den USA erhalten, die von 2G speziell für KI- und Rechenzentrumskunden, einschließlich Hyperscaler, konzipiert wurden.

2G-Vorstand Pablo Hofelich zeigte sich entsprechend erfreut: "Dieser Auftrag zeigt, dass unsere Technologie und unser Ansatz für standardisierte, leistungsstarke und schnell einsetzbare Stromerzeugungslösungen den Anforderungen des stark wachsenden Rechenzentrumsmarktes gerecht werden".

Als grobe Faustformel gilt, dass ein Megawatt installierte Leistung ungefähr einer Million Euro Anlagenumsatz für 2G entspricht. Doch das ist nicht alles, denn daran schließt sich das Servicegeschäft mit stetigen Erlösen an, weil die Anlagen gewartet, instandgehalten und nötigenfalls repariert werden müssen.

Dem entsprechend ergänzte Firmenchef Hofelich: "Für uns geht es dabei um mehr als die Lieferung der Anlagen. Mit unseren langfristigen Serviceleistungen unterstützen wir auch deren zuverlässigen Betrieb über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Die Kombination aus leistungsstarker Stromerzeugung, einem hohen Grad an Systemintegration und dauerhaft hoher Verfügbarkeit gehört zu den bewährten Stärken von 2G".

Allerdings wirken sich die Großaufträge nicht sofort positiv aus, denn die Kosten fallen zeitnah an, während die Lieferung zwar noch in 2026 startet, aber dann über mehrere Jahre erfolgt; beim Energy Vault-Auftrag startet die Auslieferung im vierten Quartal 2027 und wird bis ins dritte Quartal 2028 anhalten. Die Margen werden also ab 2027 wieder steigen und wenn noch mehr Aufträge in diesem neuen Bereich an Land gezogen werden können, greifen die Skalierungsmechanismen und erhöhen damit Margen und Gewinne weiter. Der (zu) kurzfristige Blick verschleiert also die mittelfristige Perspektiven bei Margen und Gewinnen.

Mehr als dezentrale KI-Rechenzentrumsbestromung

Aber 2G Energy hat noch viel mehr zu bieten: Das Produktportfolio von trifft den Nerv der globalen Dekarbonisierung. Die Motoren können flexibel mit Erdgas, Biogas oder reinem Wasserstoff betrieben werden. Diese technologische Agilität macht das Unternehmen unabhängig von regulatorischen Einbrüchen einzelner Gastypen und positioniert es perfekt für die dezentrale Energiewende.
  • Wärmepumpen und Wasserstoff als strategische Erweiterungen: Seit 2023 ergänzt ein neues Segment das Portfolio. Großwärmepumpen sowie steuerbare Reserveaggregate zur Abdeckung von Spitzenlasten. Ein Meilenstein war die Übernahme des Wärmepumpenspezialisten NrgTec. Parallel investierte 2G massiv in die Weiterentwicklung wasserstofftauglicher Anlagen. Mehr als 30 Systeme wurden weltweit bereits mit reinem Wasserstoff erfolgreich betrieben – ein wichtiger technologischer Vorsprung im Wettbewerb.
     
  • BHKW-Anlagen punkten durch kurze Genehmigungszeiten und schnelle Errichtung – ein deutlicher Vorteil gegenüber Großkraftwerken. Der Wärmepumpenmarkt hingegen hat nach dem politischen Hype der Vorjahre an Dynamik verloren. Während Kommunen an Wärmeplänen arbeiten, entpuppt sich der Netzausbau zunehmend als kostspielige Hürde.
     
  • Digitale Services als Schlüssel zum Betriebserfolg: Neben Hardwarelösungen bietet 2G ein umfangreiches Servicepaket. Fernwartung, Ersatzteilmanagement, KI-basierte Zustandsüberwachung ("Predictive Maintenance") sowie digitale Netzintegration. Diese Dienste erhöhen Verfügbarkeit und Effizienz der Anlagen und erleichtern die Einbindung in hybride Energiesysteme.
Insbesondere die positiven Auswirkungen des deutschen Biomassepakets und den regulatorischen Rückenwind sollte man nicht unterschätzen, denn die politischen Weichenstellungen in Deutschland haben die Planungssicherheit für Betreiber massiv erhöht. Neue Fördermechanismen, vereinfachte Genehmigungsverfahren und die politische Priorisierung flexibler Energieerzeugung haben zu einem massiven Nachfrageschub geführt. Das schlug sich unter anderem in einem sprunghaften Anstieg des deutschen Auftragseingangs (teilweise um 145% im Vorjahresvergleich) nieder. Als führender Anbieter hält 2G Energy im deutschen Biogas-KWK-Segment einen Marktanteil von rund 30% und profitiert daher überproportional von jeder staatlichen Modernisierungswelle.

Der deutsche Biogasmarkt wächst derzeit weniger durch den Neubau von Anlagen, sondern primär durch die Modernisierung und Flexibilisierung des Bestands. Betreiber rüsten ihre Anlagen auf eine deutlich höhere installierte Leistung auf, um flexibel dann Strom zu produzieren, wenn Wind- und Solarenergie pausieren (Abdeckung von Dunkelflauten). Zudem steigt der Strombedarf in Deutschland durch die Sektorenkopplung an und so sind hocheffiziente Blockheizkraftwerke (BHKW) als steuerbare Backups extrem gefragt.

Und dann ist da noch das Servicegeschäft. Jede neu installierte oder modernisierte Biogasanlage vergrößert die weltweite Basis von 2G Energy, die inzwischen über 10.000 Anlagen umfasst. Treiber für die Gewinnmarge, denn das Servicegeschäft ist deutlich profitabler als der reine Verkauf von Neuanlagen. Bereits rund 42% des Gesamtumsatzes entfallen bei 2G Energy auf Serviceleistungen, Wartungsverträge und digitale Optimierung (wie Predictive Maintenance). Dieser wachsende Block an wiederkehrenden Einnahmen stabilisiert die Ertragskraft und treibt die Profitabilität (EBIT-Marge) systematisch nach oben - und das wird auch bei den Stromlösungen für KI-Rechenzentren der Fall sein.

Meine Einschätzung

Der weitere weitere fette Rechenzentrumsauftrag zeigt, dass die dezentralen Energieerzeugungssysteme von 2G (nicht nur) in den USA zum echten Kassenschlager werden angesichts immer größerer Widerstände gegen stromnetzbasierte Rechenzentren. Auch und gerade in Texas, wo der Ausbau jüngst vom Gouverneur auf Halde gelegt wurde, solange die Unternehmen nicht ihre Unbedenklichkeit hinsichtlich der Strompreise und der Netzkosten nachweisen. Und so präsentiert sich 2G als relevante und quasi sofort verfügbar Lösung. Weitere Aufträge wären also keine Überraschung und für 2030 scheint die Umsatzmilliarde greifbar zu werden. Wobei 2G für 2027 mit 570 bis 620 Mio. Euro Umsatz rechnet.

Steigende Margen bei stark steigenden Umsätzen befeuert die Ergebnisse – und das sollte auch den Aktienkurs nicht kalt lassen. Zumal es sich erkennbar nicht um Eintagsfliegen handelt…

Doch trotz einer Marktkapitalisierung von inzwischen rund 1 Mrd. Euro handelt es sich bei 2G Energy noch immer um einen Nebenwert mit überschaubaren Aktienumsätzen - und ein deutsches Unternehmen. Dem entsprechend sorgen positive News schnell mal für Dampf unterm Kessel, aber ansonsten müssen Anleger auch bröckelnde Kurse in der nachrichtenlosen Zeit verdauen können. Geduld ist hier eine notwendige Anlegertugend!
Sollte sich die Euphorie in den nächsten Tagen wieder beruhigen, könnten durchaus nochmal attraktive(re) Einstiegskurse winken. Doch nicht vergessen: am 1. Oktober findet der Kapitalmarkttag statt und da könnten neue Prognosen veröffentlicht werden, die dann ggf. Analystenlob und einen neuen Kursschub auslösen könnten. Möglicherweise auch ein erneutes weiteres Hochsetzen des Kursniveaus, wie wir das seit Anfang 2025 bereits mehrfach erlebt haben.

Disclaimer: Habe 2G Energy auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot.

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