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Sonntag, 15. März 2026

Wochenrückblick 11/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Comfort Systems, Almonty, SoFi, KKR, Quanta Services, TransDigm. Alles weitgehend auf Kurs, (fast) nur die Finanzwerte taumeln (weiter)...

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich...

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Comfort Systems +8,5%
📈 Almonty Industries +7,1%
📈 Quanta Services +5,1%
📈 Texas Pacific Land +2,8% 
📈 Costco +2,6%
📉 Palantir -2,6%
📉 Pfisterer Holding -2,7%
📉 KKR & Co. -4,1%
📉 TransDigm -4,7%
📉 SoFi Technologies -5,9%

Es war eine weitere sehr volatile Börsenwoche, in der der Iran-Krieg die Schlagzeilen bestimmte. Dabei ist die Sperrung der Straße von Hormus das neuste und am heißesten geliebte Horrorszenario für die Crash-Propheten. Sie heben die enorme Bedeutung dieser Route für die globale Wirtschaft hervor und malen ein Bild in den blutrünstigsten Farben , wie stark die Sperrung uns alle treffen wird. Und ja, die Sperrung ist eine ökonomische Giftpille, unbestritten. Aber, und hier wiederhole ich mich (gern und ständig), es geht nicht nur um Risiken, sondern vor allem um die Eintrittswahrscheinlichkeiten. Die liegt bzgl. der Sperrung nun bei 100%, klar. Aber wie hoch ist bei einer Sperrung von einer Woche, einem Monat, einem Jahr, dauerhaft? Das ist die entscheidende Frage und die fällt aktuell unter den Tisch. Denn es wird nur von einem Dauerzustand gesprochen, der aber sehr unwahrscheinlich ist. Denn alle Beteiligten haben dabei viel zu viel zu verlieren. Und deshalb gibt es Druck von allen Seiten, zu einer Lösung zu kommen.

Klar ist, dass die ökonomischen Folgen umso größer sind, je länger die Sperrung anhält. Am besten kommen dann - wieder einmal - die Amerikaner weg, denn die USA produzieren inzwischen mehr heimisches Öl und Gas als sie benötigen. Sie sind damit energieautark und abgesehen von hohen Preisen sind sie kaum tangiert. Allerdings stehen in einem halben Jahr die Midterm-Elections an, wo Trumps Republikaner auf eine Vollkatastrophe zusteuern und ihnen diverse Sitzverluste drohen - und damit die Mehrheit im Kongress. Und nichts drückt die Stimmung der US-Bürger so sehr wie (zu) hohe Spritpreise an den Zapfsäulen. Also hat auch Trump einen enormen Anreiz, den Iran-Krieg und vor allem die Sperrung der Straße von Hormus möglichst schnell zu beenden. Mal sehen, wie das weitergeht.

Aktuelle sowie mittel- und langfristige Folgen sind jedenfalls erkennbar und daraus lassen sich Schlüsse ableiten - und Investmententscheidungen:
  • Energie bleibt zentrales Schlüsselthema,
  • Öl und Gas bleiben auf absehbare Zeit die wichtigsten Energiequellen, aber...
  • ...je schneller Alternativen/Ergänzungen gefunden werden, umso besser für die strategische, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung,
  • die USA haben alle Trümpfe in der Hand, während Europa das Heute und Morgen schon verloren hat - und sich auf das Übermorgen fokussieren sollte, ohne das Heute und Morgen auszublenden oder verloren zu geben,
  • Landesverteidigung gewinnt weiter an Bedeutung, doch zunehmend rückt der Schutz kritischer Infrastruktur in den Fokus (wie Energie- und Datennetze, Cyberattacken, Trinkwasser). Zudem wächst die Erkenntnis, dass man sich nicht nur vor Gebietsverlusten schützen muss, sondern oft einzelne Attacken (mit Drohnen, Raketen und/oder Cyberangriffen) ausreichen, um ein Land zu entkräften. Asymmetrische Kriegsführung gewinnt an Bedeutung und Redundanzen werden noch essenzieller.
Natürlich gibt es noch viel mehr zu lernen, aber für den Anfang reicht das. Learnings für die Ausrichtung des Depots kann man hieraus auch bereits ziehen: nach Jahr(zehnt)en der Bevorzugung von Asset-light-Businessmodellen gewinnen heavy Assets schnell an Bedeutung. Infrastruktur, wie Brücken, Straßen, Versorgungsnetze sind kostspielig, aber notwendig. Und wir werden uns diese Notwendigkeiten künftig wieder mehr Geld kosten lassen und viel mehr Geld in die Instandhaltung und den Ausbau dieser Infrastruktur stecken (müssen). Profitieren werden
  • die Eigentümer der Infrastruktur,
  • die Instandhalter bestehender sowie die Planer und Errichter zusätzlicher Infrastruktur,
  • die Beschützer dieser Infrastruktur und
  • die Finanzierer der enormen Investitionen.
Darüber hinaus wird uns das Thema KI weiterhin und zunehmend begleiten, nicht nur im Hinblick auf die dafür nötige Infrastruktur, sondern natürlich auch hinsichtlich des Einflusses auf unsere Gesellschaft, die Unternehmen und unsere Lebensweise. KI wird von der Anwendung zum Rückgrat moderner Unternehmen und wird immer mehr und immer schneller Tätigkeiten und ganze Tätigkeitsfelder ersetzen, die bisher von Menschen verrichtet wurden.

So hat Meta Platforms gerade angekündigt, weitere 20% seiner Arbeitskräfte zu entlassen, weil KI Aufgaben inzwischen viel schneller, besser und effizienter erledigen kann. Ein KI-Agent leistet inzwischen mehr als bisher ganze Entwickler-Teams.

Daraus kann man schlussfolgern, dass die großen KI-Unternehmen weiterhin gute Geschäfte machen werden. In doppelter Hinsicht. Denn sie nutzen KI selbst und sie bieten sie anderen Unternehmen und Nutzern an. Ihre Cashflows und Gewinne dürften damit weiter steigen, aber ebenso auch ihre Investitionen in KI, Rechenzentren, Cloud.

Aber auch andere werden profitieren und hierin liegt vielleicht die größte Chance für Anleger: denn "normale Unternehmen, auch kleine und mittlere, werden immer stärker KI einsetzen. Und die KI wird nicht nur ans Telefon gehen oder Kundenanfragen beantworten, sondern sie wird immer mehr Workloads übernehmen und selbständig Arbeitsabläufe organisieren und abarbeiten. Hier steckt ein gewaltiger Effizienzhebel für die Unternehmen und das befeuert diese selbst und natürlich die Quellen der KI, die hierfür nötig ist.

KI ist eine industrielle Revolution - in Echzeit und in Höchstgeschwindigkeit!

Anleger sollten also ihr Depot einem Realitätscheck unterziehen - sofort und dann ständig wiederkehrend. Und konsequent nur auf die Gewinner der Entwicklungen setzen. Verlierer wird es genug geben und deren Aktienkurse werden es künftig schwer haben. Genauso wie ihr Geschäftsmodell.

Ich schaue mir mein Depot bereits seit einiger Zeit prüfend an und checke die Zukunftsfähigkeit "meiner" Unternehmen ab. Was nicht bedeutet, dass ich jeweils immer die von der Börse geliebtesten Werte im Depot habe. Aber eben (nur noch) solche, die sich absehbar auch künftig gut entwickeln und vermutlich zu den größten Profiteuren der Entwicklung(en) zählen werden. Irrtümer sind dabei vorprogrammiert und deshalb wird der Realitätscheck zum ständigen Kontrollmechanismus.

So, anderes Thema: Die Netfonds AG soll übernommen werden. Der Private-Equity-Investor Warburg Pincus hat mit Netfonds ein Investment-Agreement geschlossen und bietet den Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zu 78,25 Euro je Aktie. Das Angebot entspricht einer Prämie von rund 64% auf den Schlusskurs vom 6. März 2026 und wird von Vorstand und Aufsichtsrat unterstützt; beide sehen darin eine attraktive Möglichkeit für Aktionäre, den Wert ihrer Beteiligung vor einem geplanten Delisting zu realisieren, das die knapp achtjährige Börsennotierung beenden wird.

Meine Einschätzung zu Netfonds: Das Übernahmeangebot entspricht in etwa den Kurszielen der Analysten. Der fette Aufschlag auf das bisherige Kursniveau ist ein schöner Effekt, allerdings gibt man mit der Annahme des Angebots auch die künftigen Potenziale aus der Hand. Die Frage ist jedoch, ob diese sich auch künftig im Kurs widerspiegeln werden - und man muss natürlich bereit sein, die Aktien nach dem angekündigten Delisting im Depot zu behalten. Vermutlich wird die Börse Hamburg die Notierung fortsetzen, aber das Restrisiko bleibt, dass es keine Notierung mehr gibt. Und natürlich werden die Publizitätspflichten massiv eingeschränkt und man erhält als Aktionär nur noch selten Informationen.

Auf der anderen Seite ist es gut möglich, dass auf das Delisting das "komplette Endspiel" folgt und man Richtung Squeeze-out strebt. Dann wird es vermutlich weitere Rückkaufangebote geben, ggf. auch zu höheren Kursen. Beim Squeeze-out selbst würde man dann seine Aktien verlieren, aber ggf. einen Anspruch auf Nachbesserung behalten. (Sehr) viele Jahre später kann das zu einem weiteren kleinen Geldregen führen, wenn gerichtlich ein höherer Wert je Aktie festgestellt wurde. Ob man für dieses Endspiel die Nerven und die Geduld hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Alternativ kann man jetzt die Ernte einfahren und einfach seine Aktien über die Börse verkaufen - und woanders investieren. 

Ich streiche Netfonds von meiner Beobachtungsliste. Seit Ende 2020 ist inkl. Dividenden eine Gesamtrendite von 149% zu verbuchen bzw. 19,2% p.a.

Der Fear-and-Greed-Index ist von 27 auf 20 weiter eingebrochen und signalisiert wieder "extreme Angst".


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche weiter leicht zulegen konnte. Viele Werte leiden unter dem stark gestiegenen Ölpreis und der daraus resultierenden Angst eines Ölpreisschocks für die Wirtschaft. Aber einzelne Werte gleichen das - bisher - aus.

Rheinmetall, mein Favorit im Defense-Spektrum, hat Zahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2025 vorgelegt und auch einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr gegeben. Soviel vorweg: 2025 war ein weiteres Rekordjahr! Der Umsatz stieg um 29% rund 9,9 Mrd. Euro und das das operative Ergebnis (EBIT) vor Sondereffekten) sogar um 33% auf 1,84 Mrd. Euro. Vor allem das margenstarke Geschäft mit Waffen und Munition trug dazu bei und obwohl Rheinmetall bereits Europas führende Munitionshersteller ist, wird die Produktion hier weiter stark ausgebaut. Zudem trennt man sich von der margenschwachen Automotive-Sparte, so dass die Margen künftig deutlich höher ausfallen werden. Auch die Aufträge sprudeln nur so herein und so wuchs der Auftragsbestand um 36% auf den neuen Rekordwert von 63,8 Mrd. Euro. Selbst bezogen auf die Mittelfristplanung, die in 3 Jahren einen Umsatz bis zu 25 Mrd. Euro veranschlagt, beträgt der Auftragsbestand damit deutlich mehr als den zweifachen Jahresumsatz! Der profitable Wachstumskurs ist also fundamental äußerst solide unterfüttert.

Die Aktionäre sollen über die Dividende ebenfalls am Rekordergebnis partizipieren, die von bisher 8,10 auf nun 11,50 Euro je Aktie angehoben wird. Und auch für 2026 stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstumskurs: Der Konzernumsatz soll um 40% bis 45% auf 14,0 bis 14,5 Mrd. Euro zulegen, wovon 28% bis 31% auf organisches Wachstum zurückgehen sollen, und die Ergebnismarge soll von 18,5% auf 19% weiter ansteigen.

Zum Jahresbeginn 2026 hat Rheinmetall seine Struktur neu geordnet. Die zivile Sparte Power Systems wird verkauft und der operative Bereich umfasst künftig fünf Divisionen:
  1. Vehicle Systems bleibt die umsatzstärkste Division und stellt militärische Rad- und Kettenfahrzeuge her. Zum Portfolio gehören logistische Lkw HX2 sowie Anteile am GTK Boxer, Schützenpanzer Puma und Kampfpanzer Leopard.
  2. Die Division Weapon and Ammunition stellt Waffenanlagen in Kalibern von 20mm bis 155mm her und die Munition dazu. Aktuell wird die Produktion von 155mm-Artilleriemuitnion stark ausgeweitet.
  3. Die Division Electronic Solutions wurde entsprechend der schon bestehenden Clustern aufgeteilt. Die neue Division Air Defence umfasst den stark wachsenden Bereich Luftverteidigung mit unter anderem den Produkten Skyranger und Skynex.
  4. Die neue Division Digital Systems befasst sich mit dem Infanteristen der Zukunft und mit digitalen Systemen wie der D-LBO, mit Drohnen und Systemen der Drohnenabwehr, mit Satellitensystemen und nicht zuletzt mit dem Bau des F-35-Airframes.
  5. Und schließlich wird die am 2. März von Rheinmetall übernommene NVL-Werftengruppe als Division Naval Systems in den Konzern eingegliedert.
Mit den fünf Divisionen stellt sich Rheinmetall als universelles Unternehmen auf, das Produkte für alle Dimensionen Land, Luft, See, Space und Cyber anbietet.

An der Börse wurde Rheinmetall - mal wieder - für seine Zahlen abgestraft, denn trotz der Rekordwerte waren die Erwartungen des Marktes - mal wieder - noch höher, sowohl was den Umsatz und das operative Ergebnis für 2025 angeht, als auch den Ausblick auf 2026. Daher steht der Kurs unter Druck. Dabei gibt es keinen Grund, enttäuscht zu sein, oder die Aktie zu verkaufen. Rheinmetall läuft auf allen Zylindern und obwohl man Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen ist, legen Umsatz und Gewinn zu wie bei einem Startup. Zudem wird die Produktivität gesteigert und die zahlreichen Kooperationen und Joint Ventures, die in der Aufbauphase erstmal Geld verschlingen, werden mittel- und langfristig ebenfalls deutliche Umsatz- und Ergebnisbeiträge in die Bilanz zaubern.

Dabei geht Rheinmetall auch neue Wege. So will man nach der Übernahme der NVL-Werft dort künftig auch Seedrohnen herstellen und sich ohnehin durch Zukäufe im neuen maritimen Geschäftsfeld verstärken. Zum anderen gründet man in einem Joint Venture mit dem Bremer Satellitenhersteller OHB im Bereich Satellitenkommunikation und baut dazu im Neusser Werk gegenwärtig eine Satellitenproduktion sowohl für die SAR-Aufklärung als auch für den Kommunikationsbereich auf. Rheinmetall will perspektivisch auf am Transport ins All beteiligt sein. Der erste Satellit aus dem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und IcEye soll bereits im 3. Quartal ins All geschossen werden, kündigte CEO Papperger an. Momentan wird das von SpaceX übernommen. Und die Bundeswehr hat hier großen und schnellen Bedarf angemeldet und Rheinmetall lotet mit Partner OHB gerade eine diesbezügliche Zusammenarbeit mit Airbus aus.

Meine Einschätzung zu Rheinmetall: Die Reaktion des Marktes ist kurzsichtig. CEO Armin Papperger betonte, dass sich die Entwicklung zum umfassenden Systemhaus im Rüstungsbereich bereits heute auszahle. Durch den stark gestiegenen freien Barmittelzufluss stellt der Manager außerdem weitere Zukäufe in Aussicht. Zudem profitiert Rheinmetall neben dem massiven Rückenwind durch den Ukraine-Krieg nun auch von der Eskalation im Iran. Der Rüstungskonzern versorgt die USA und dessen Verbündete unter anderem mit Raketen und Luftverteidigungssystemen. Konzernchef Papperger sprach von einem erheblichen Wachstumsschub durch den Konflikt und erklärte "die Telefone standen übers Wochenende nicht still, man will unsere Systeme".

Rheinmetall rüstet Deutschland und Europa auf und bedient damit einen Megatrend, der gerade erst noch Fahrt aufnimmt. Hier ist auch in den nächsten Jahren absehbar starkes Wachstum zu verzeichnen, sowohl organisch als auch anorganisch, und dabei dürften die Gewinne überproportional steigern. Die Aktie bleibt eine Kernposition in meinem Depot.

Die Panik im Finanzsektor hält an. Jede noch so kleine Meldung über irgendeinen Kreditausfall, eine Wertberichtigung oder eine negative Einschätzung eines (vermeintlichen oder wirklichen Experten) wird als weiterer Sargnagel mit dramatischen Auswirkungen verkauft und wahrgenommen - das ist geradezu absurd. Es handelt sich beim Kreditbusiness um ein zyklisches Geschäft, bei dem Schwankungen völlig normal sind. In guten Wirtschaftsphasen werden mehr Kredite vergeben, weil die Nachfrage hoch ist und weil es sich viele Unternehmen leisten können, sich zu verschulden. Irgendwann kippt die Konjunktur und die Geschäfte der Firmen laufen nicht mehr ganz so gut. Buffett sagte einmal, wenn sich die Flut zurückziehe, könne man klar erkennen, wer ohne Badehose schwimmen gegangen ist. Und genauso ist ein Kreditbusiness. Denn nun steigen die Kreditausfälle und die Banken greifen auf zuvor gebildete Rückstellungen zurück, um die Ausfälle zu kompensieren. Die Ausfallraten steigen, die Kreditvergabe sinkt, die Erträge der Kreditgeber sinken. Bis sich die Lage wieder beruhigt, die kriselnden Unternehmen entweder pleite sind oder die Kurve gekriegt haben und die Banken in die beginnende neue Wachstumsphase hinein wieder mehr Kredite vergeben.

Insolvenzen gehören dazu! Schlechte Businessmodelle scheitern und hier verlieren Eigentümer und Kreditgeber Geld. Doch diese Pleite schafft kein Vakuum, sondern ein freies Feld, in das bessere Unternehmen vorstoßen - und diese schaffen Werte für ihre Eigentümer und die Kreditgeber. Einzelne Pleiten von Unternehmen tun zwar weh, aber sie sind keine Katastrophe - solche treten nur dann auf, wenn es die Wirtschaft flächendeckend trifft, wie 1929 ff. oder 2007 ff. In den anderen Fällen geht es um stinknormale Rezessionen, also um zyklische Wirtschaftsabschwünge.

Auch jetzt sehen wir einen stinknormalen Downturn im Kreditbusiness. Allerdings sind durch das starke Wachsen von "Private Credit" diesmal nicht nur Banken betroffen, sondern auch andere Kreditgeber. Dabei wird "Private Credit" inzwischen als Schattenbankensystem und/oder Graumarkt dargestellt - Blödsinn! Zu "Private Credit" gehört jegliche Kreditfinanzierung, die nicht von klassischen Banken vorgenommen wird. Wenn also eine Universität Microsoft einen Kredit gewährt, oder wenn Nvidia einem Startup Geld leiht, oder wenn Apollo Global Management Deutschlands größtem Immobilienunternehmen Vonovia eine Finanzierung gewährt - das ist "Private Credit". Und auch der gesamte Bereich der Business Development Companies zählt zum Bereich Private Credit. Die BDCs gehen übrigens auf den Investment Company Act von 1940 zurück und sind eine Antwort auf die Weltwirtschaftskrise 1929, als kleine und mittlere US-Unternehmen kaum noch Zugang zu Geld/Liquidität hatten und reihenweise pleite gingen. BDCs sind als nicht wirklich eine neue Erfindung, auch wenn sie heute so wahrgenommen werden, weil sich zuvor niemand mit ihnen beschäftigt hat.

Meine Einschätzung zu KKR: Ich halte die aktuellen Panikreaktionen auf eher normale zyklische Entwicklungen im Kreditmarkt für maßlos übertrieben und KKR (und andere Alt. Manager) auf diesem Niveau für äußerst attraktive Investments. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich dies bereits bei Kursen so eingeschätzt habe, die 30% höher standen. Aber auf die Kurse habe ich keinen Einfluss, ich kann mir nur die fundamentale Entwicklung und die Perspektiven ansehen. Und die existierenden Probleme sind zwar nicht von der Hand zu weisen, aber sie haben weder das Business von KKR noch seine Provisionseinnahmen um 50% entwertet. Sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis!


Mein Vermögen hatte nach den beiden ersten vollen Handelswochen des Jahres ein sattes Plus von 10,0% verbucht. Anschließend ging es sukzessive abwärts und alle Gewinne wurden bis Mitte Februar wieder weggefressen. Seitdem geht es wieder sukzessive aufwärts und die letzte Woche sattelte weitere +0,75% obendrauf. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +6,5 (YTD).

Die von Trump bewusst lancierte Dollarschwäche belastet US-Werte auf Euro-Basis im Jahr 2025 mit rund 12 %. Ich gehe davon aus, dass diese Tendenz auch in 2026 anhalten wird, wenngleich nicht derselben Größenordnung. Da ich einen hohen Anteil an US-Werten im Depot halte (knapp 75%), wirkt sich die Dollarschwäche natürlich entsprechend negativ auf meine Performance aus.


Mein Investor-Update zum Q4/2025 - nicht mehr ganz brandneu, aber in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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