Montag, 1. Mai 2017

Halte nach Festungen Ausschau, finde den unüberwindbaren ökonomischen Burggraben!

Hier ist nicht zuvorderst Beton gemeint und Investments in Bau, Steine, Erden. Vielmehr geht es um die Markteintrittshürden, den ökonomischen Burggraben (Moat), den die Wettbewerber zu überwinden haben - und auch die eigenen Kunden, sollten sie sich vom Unternehmen trennen wollen. Es geht also um Wettbewerbsvorteile von Marken und Produkten, um Unternehmen, die ihren Markt beherrschen und die somit die Preissetzungsmacht haben. Diese Unternehmen bezeichnet Warren Buffett als Festungen.

Derartige wirtschaftliche Trutzburgen sind Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen

  • in den Augen der Verbraucher konkurrenz- und alternativlos sind,
  • benötigt und gewünscht werden,
  • nicht übermäßig kapitalintensiv sind,
  • nicht staatlich beaufsichtigt werden.

Unternehmen mit diesen Eigenschaften haben den großen Vorteil, dass ihre Produkte nicht einfach kopiert werden, dass Wettbewerber mit aggressiven Preissenkungen ihnen nicht einfach Marktanteile abnehmen können. Im Gegenteil: Burggraben-Unternehmen können in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld sogar ihre Preise erhöhen, ohne dass sie hierdurch Kunden verlieren. Weil sie eine Marke sind, die Marktmacht haben, ein Standing, weil sie ein Lebensgefühl vermitteln, dass den Kunden mehr bietet als ein Schnäppchenerlebnis in ihrer "Geiz-ist-geil-Mentalität".


Beispiele sind Microsoft, die 20 Jahre lang mit Windows und Office zwei Produkte im Angebot hatten, an denen sich so gut wie jeder Konkurrent die Zähne ausgebissen hat. Oder Alphabet, das mit Google den Suchmaschinenmarkt dominiert und quasi ein Monopol im Online-Werbeanzeigenmarkt einnimmt. Oder Starbucks, die trotz sinkender Rohkaffeepreise die Preise ihres Kaffee-Sortiments deutlich angehoben haben - und die Kunden strömen sogar noch vermehrt in die Filialen, weil Starbucks ein besonderes Erlebnis bietet und längst kein einfacher Kaffeeröster mehr ist. Starbucks ist zum "Third Place" geworden, dem dritten Platz, an dem man sich aufhält, wenn man nicht zuhause oder am Arbeitsplatz ist. Oder auch Amazon. Der Internetriese ist längst nicht mehr nur der dominierende Onlinehändler, sondern wird immer mehr zum Logistikkonzern und dringt in immer neue Geschäftsbereiche vor. "Disruption" ist das Zauberwort, Amazon verändert unsere Lebensweise und zerstört damit die Geschäftsmodelle ganzer Branchen. Ob mit den neuen Lebensmittellieferungen ("Amazon fresh") oder mittels des intelligenten Sprachassistenten "Alexa" oder mit dem weltweit erfolgreichsten Cloud-Angebot AWS, Amazon investiert seine Cashflows in immer neue Bereiche und wird dort zum Dominator. "Deine Marge ist meine Chance" ist Jeff Bezos' Credo. Und bisher ist niemand Amazon gewachsen, selbst der weltgrößte Einzelhandelsgigant Walmart nicht...

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Buffett sucht Unternehmen mit einem hohen "Goodwill", also einem starken Markennamen und einem quasi unantastbaren Geschäftsmodell. Deshalb hat er sich bei Coca Cola engagiert, bei See's Candies - und bei IBM, trotz seiner Tech-Abneigung. Denn IBM verfügt über hohe und stetige Erträge und langfristige Kundenbeziehungen, weil sich die Kunden nur unter erheblichem Aufwand von IBM und seinen Produkten und Dienstleistungen trennen können. Es ist also für Konkurrenten nicht so einfach, den Burggraben zu überwinden und in diese Festungen einzudringen. Durch ihre starke Marktstellung haben sie die Preissetzungsmacht und starke Kundenbindungen, die sie auch Krisenzeiten besser überstehen lassen. Und sie erzielen die attraktiveren Margen und damit die höheren Renditen. Die Kernelemente der Quality Investing Strategie. Daher ist Buffett auch bereit, für diesen Moat höhere Kaufpreises für seine Investments zu akzeptieren.

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