Donnerstag, 17. Januar 2019

Charlie Munger kauft nur Unternehmen mit dauerhaften, starken Wettbewerbsvorteilen

Charlie Munger rät, nach Festungen Ausschau zu halten und dabei geht es ihm nicht wirklich um Stahlbeton und Investments in Bau, Steine, Erden. Vielmehr haben es ihm die Markteintrittshürden angetan, der ökonomische Burggraben (Moat), den Wettbewerber zu überwinden haben - und auch die eigenen Kunden, sollten sie sich vom Unternehmen trennen wollen. Es geht also um Wettbewerbsvorteile von Marken und Produkten, um Unternehmen, die ihren Markt beherrschen und die somit die Preissetzungsmacht haben.
»Wir versuchen, Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen zu einem günstigen oder zumindest fairen Preis zu kaufen.«
(Charlie Munger)
Derartige wirtschaftliche Trutzburgen sind Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen
  • in den Augen der Verbraucher konkurrenz- und alternativlos sind,
  • benötigt und gewünscht werden,
  • nicht übermäßig kapitalintensiv sind,
  • nicht staatlich beaufsichtigt werden.
Unternehmen mit diesen Eigenschaften haben den großen Vorteil, dass ihre Produkte nicht einfach kopiert werden, dass Wettbewerber mit aggressiven Preissenkungen ihnen nicht einfach Marktanteile abnehmen können. Im Gegenteil: Burggraben-Unternehmen können in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld sogar ihre Preise erhöhen, ohne dass sie hierdurch Kunden verlieren. Weil sie eine Marke sind, die Marktmacht haben, ein Standing, weil sie ein Lebensgefühl vermitteln, dass den Kunden mehr bietet als ein Schnäppchenerlebnis in ihrer "Geiz-ist-geil-Mentalität".


Beispiele sind Microsoft, die seit 30 Jahren mit Windows und Office zwei Produkte im Angebot haben, an denen sich so gut wie jeder Konkurrent die Zähne ausgebissen hat. Oder Alphabet, das mit Google den Suchmaschinenmarkt dominiert und quasi ein Monopol im Online-Werbeanzeigenmarkt einnimmt. Oder Starbucks, die trotz sinkender Rohkaffeepreise die Preise ihres Kaffee-Sortiments mal wieder deutlich angehoben haben - und die Kunden strömen sogar noch vermehrt in die Filialen, weil Starbucks ein besonderes Erlebnis bietet und längst kein einfacher Kaffeeröster mehr ist. Starbucks ist zum "Third Place" geworden, dem dritten Platz, an dem man sich aufhält, wenn man nicht zuhause oder am Arbeitsplatz ist.

Oder auch Amazon. Der Internetriese ist längst nicht mehr nur der dominierende Onlinehändler, sondern wird immer mehr zum Logistikkonzern und dringt in immer neue Geschäftsbereiche vor. "Disruption" ist das Zauberwort, Amazon verändert unsere Lebensweise und zerstört damit die Geschäftsmodelle ganzer Branchen. Ob mit den neuen Lebensmittellieferungen ("Amazon fresh") oder mittels des intelligenten Sprachassistenten "Alexa" oder mit dem weltweit erfolgreichsten Cloud-Angebot AWS, Amazon investiert seine Cashflows in immer neue Bereiche und wird dort zum Dominator. "Deine Marge ist meine Chance" ist Jeff Bezos' Credo. Und bisher ist niemand Amazon gewachsen, selbst der weltgrößte Einzelhandelsgigant Walmart kommt kaum hinterher...

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett sucht, wie Munger, Unternehmen mit einem hohen "Goodwill", also einem starken Markennamen und einem quasi unantastbaren Geschäftsmodell. Deshalb hat er sich bei Coca Cola engagiert, bei See's Candies - und kauft sich immer stärker bei Apple ein, trotz seiner Tech-Abneigung. Denn Apple verkauft nicht nur unglaublich teure Geräte, sondern hat es verstanden, sein eigenes Mikrokosmos zu bauen: iPhone, iPad, MacBook, die Apple Watch und auch der Streamingdienst lassen kaum Medien von außerhalb zu und wer Bücher oder Musik virtuell über iTunes erworben hat, kann diese nicht auf andere Geräte außerhalb der Apple-Welt verlagern. Damit hat Apple eine enorme Hürde aufgebaut und kann so seine Kunden im eigenen Ökosystem halten. Und dank des (noch immer) hohen Markenwerts von Apple, des enormen Images, sind die Kunden auch bisher bereit, viel höhere Preise zu bezahlen als bei der Konkurrenz. Diese langfristigen Kundenbeziehungen sind der Grund, weshalb Buffett Auf Apple setzt. Buffett betrachtet Apple als Konsumwert, nicht als Technologieunternehmen.

Es ist also für Konkurrenten nicht so einfach, diesen ökonomischen Burggraben zu überwinden und in diese Festungen einzudringen. Durch ihre starke Marktstellung haben sie die Preissetzungsmacht und starke Kundenbindungen, die sie auch Krisenzeiten besser überstehen lassen. Und sie erzielen die attraktiveren Margen und damit die höheren Renditen. Die Kernelemente der Quality Investing Strategie.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du einige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Daher sind Charlie Munger und Warren Buffett auch bereit, für diesen Moat höhere Kaufpreises für ihre Investments zu akzeptieren. Aber eben auch nicht zu hohe. Zur Not warten sie eben einfach ab, bis sich die richtige Gelegenheit zur Schnäppchenjagd ergibt.

Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark

Kommentare:

  1. Moin,

    ein paar Gedanken von mir dazu:
    "der Verbraucher" ist keine homogene Masse. Was "gewünscht" wird, und was als "alternativlos" erachtet wird, ist sicherlich von Investor zu Investor unterschiedlich.
    Ein stark übergewichtiger, täglich Cola trinkender Diabetiker wird Cola als alternativlos betrachten. Ich empfinde das Produkt nicht nur persönlich als fies (Geschmäcker sind verschieden, sondern auch als ungesund für so viele andere Menschen und sogar als schlecht für die Gesellschaft (Folgekosten Gesundheitsystem mit Belastung für jeden einzelnen Leistungsträger, etc pp). Deshalb möchte ich über ein Investment kein Teil davon werden.
    Dieser Aspekt eines Investments wird gefühlt von anderen Investoren nicht beachtet.
    "Amazon füllt meine Taschen", ja, aber es behandelt seine Mitarbeiter wie Dreck. In den USA müssen die für Lebensmittelmarken anstehen, und hier in Deutschland sieht es auch nicht viel besser aus. Apple ist mir zu elitär, was andere feiern "mikrokosmos", schreckt mich ab. Ich will meine Musik auch auf meinem Drittgerät genießen können.
    Alphabet nimmt mich als Verbraucher als Produkt und verkauft mich und meine Daten.
    Und so weiter und so fort.

    Findet man bei jedem Unternehmen was zu meckern? Ja, bestimmt. Aber manche haben eben etwas, was ich als schlecht empfinde, als Geschäftsmodell verinnerlicht. In so einem Fall mag ich persönlich da einfach kein Geld reinstecken.

    Soll nicht oberlehrerhaft moralisierend klingen, ist einfach nur Teil meiner Investmentphilosophie.

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    1. Das sind ehrenwerte Gedanken meines Vorschreibers. Allerdings frage ich mich, welche Werte er/sie denn für investierbar hält? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Unternehmen gibt welche sich vorbildlich verhalten, und deren Produkte ausschließlich einen positiven Nutzen für die Bevölkerung ohne Nebenwirkungen (Müll, Energieverbrauch, Korruption usw.) haben.

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    2. Steico ;)

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  2. Moin,

    ich sagte ja, meckern kann man überall. Wenn aber das Unternehmen selbst kriminell oder korrupt ist, oder das Produkt schädlich für die Menschen und Umwelt, dann ist es nichts für mich. Diese Unternehmen sind aber in der Minderheit. Steico hat schon jemand genannt, wenn die aktuell nicht so ~teuer bewertet wären, auf jeden Fall eine Überlegung wert.

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  3. Hallo, ich halte Quality Investing oder auch Focus Investing für einen tollen Investitionsstil. Aber das ist die alte Diskussion zwischen Diversifikation und Konzentration des Aktienportfolios. Letztlich muss jeder das machen, womit er sich am wohlsten fühlt. Hauptsache es wird in solide Aktien investiert mit langfristigen positiven Geschäftszahlen und einem verständlichen Geschäftsmodell.

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