Mittwoch, 21. Februar 2018

Halte nach Festungen Ausschau, finde den unüberwindbaren ökonomischen Burggraben!

Hier ist nicht zuvorderst Beton gemeint und Investments in Bau, Steine, Erden. Vielmehr geht es um die Markteintrittshürden, den ökonomischen Burggraben (Moat), den die Wettbewerber zu überwinden haben - und auch die eigenen Kunden, sollten sie sich vom Unternehmen trennen wollen. Es geht also um Wettbewerbsvorteile von Marken und Produkten, um Unternehmen, die ihren Markt beherrschen und die somit die Preissetzungsmacht haben. Diese Unternehmen bezeichnet Warren Buffett als Festungen.

Derartige wirtschaftliche Trutzburgen sind Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen

  • in den Augen der Verbraucher konkurrenz- und alternativlos sind,
  • benötigt und gewünscht werden,
  • nicht übermäßig kapitalintensiv sind,
  • nicht staatlich beaufsichtigt werden.

Unternehmen mit diesen Eigenschaften haben den großen Vorteil, dass ihre Produkte nicht einfach kopiert werden, dass Wettbewerber mit aggressiven Preissenkungen ihnen nicht einfach Marktanteile abnehmen können. Im Gegenteil: Burggraben-Unternehmen können in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld sogar ihre Preise erhöhen, ohne dass sie hierdurch Kunden verlieren. Weil sie eine Marke sind, die Marktmacht haben, ein Standing, weil sie ein Lebensgefühl vermitteln, dass den Kunden mehr bietet als ein Schnäppchenerlebnis in ihrer "Geiz-ist-geil-Mentalität".


Beispiele sind Microsoft, die 20 Jahre lang mit Windows und Office zwei Produkte im Angebot hatten, an denen sich so gut wie jeder Konkurrent die Zähne ausgebissen hat. Oder Alphabet, das mit Google den Suchmaschinenmarkt dominiert und quasi ein Monopol im Online-Werbeanzeigenmarkt einnimmt. Oder Starbucks, die trotz sinkender Rohkaffeepreise die Preise ihres Kaffee-Sortiments deutlich angehoben haben - und die Kunden strömen sogar noch vermehrt in die Filialen, weil Starbucks ein besonderes Erlebnis bietet und längst kein einfacher Kaffeeröster mehr ist. Starbucks ist zum "Third Place" geworden, dem dritten Platz, an dem man sich aufhält, wenn man nicht zuhause oder am Arbeitsplatz ist. Oder auch Amazon. Der Internetriese ist längst nicht mehr nur der dominierende Onlinehändler, sondern wird immer mehr zum Logistikkonzern und dringt in immer neue Geschäftsbereiche vor. "Disruption" ist das Zauberwort, Amazon verändert unsere Lebensweise und zerstört damit die Geschäftsmodelle ganzer Branchen. Ob mit den neuen Lebensmittellieferungen ("Amazon fresh") oder mittels des intelligenten Sprachassistenten "Alexa" oder mit dem weltweit erfolgreichsten Cloud-Angebot AWS, Amazon investiert seine Cashflows in immer neue Bereiche und wird dort zum Dominator. "Deine Marge ist meine Chance" ist Jeff Bezos' Credo. Und bisher ist niemand Amazon gewachsen, selbst der weltgrößte Einzelhandelsgigant Walmart nicht...

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Buffett sucht Unternehmen mit einem hohen "Goodwill", also einem starken Markennamen und einem quasi unantastbaren Geschäftsmodell. Deshalb hat er sich bei Coca Cola engagiert, bei See's Candies - und kauft sich immer stärker bei Apple ein, trotz seiner Tech-Abneigung. Denn Apple verkauft nicht nur unglaublich teure Geräte, sondern hat es verstanden, sein eigenes Mikrokosmos zu bauen: iPhone, iPad, MacBook, AppleWatch, AppleTV und auch der Streamingdienst lassen kaum Medien von außerhalb zu und wer Bücher oder Musik virtuell über iTunes erworben hat, kann diese nicht auf andere Geräte außerhalb der Apple-Welt verlagern. Damit hat Apple eine hohe Hürde aufgebaut und kann so seine Kunden bei der Stange halten. Und dank des (noch immer) hohen Markenwerts von Apple, des enormen Images, sind die Kunden auch bisher bereit, viel höhere Preise zu bezahlen als bei der Konkurrenz. Diese langfristigen Kundenbeziehungen sind der Grund, weshalb Buffett Auf Apple setzt. Buffett betrachtet Apple als Konsumwert, nicht als Technologieunternehmen.

Es ist also für Konkurrenten nicht so einfach, den ökonomischen Burggraben zu überwinden und in diese Festungen einzudringen. Durch ihre starke Marktstellung haben sie die Preissetzungsmacht und starke Kundenbindungen, die sie auch Krisenzeiten besser überstehen lassen. Und sie erzielen die attraktiveren Margen und damit die höheren Renditen. Die Kernelemente der Quality Investing Strategie. Daher ist Buffett auch bereit, für diesen Moat höhere Kaufpreises für seine Investments zu akzeptieren.

Kommentare:

  1. Hallo Michael

    Du hast auf deiner Empfehlungsliste und in deinem Depot ja auch deutsche Nebenwerte. Inwiefern kann man bei solchen Positionen ebenfalls von einem ökonomischen Burggraben sprechen? Immerhin werden solche Unternehmungen ja kaum ein Quasi-Monopol aufweisen können, wie dies bei den grossen Player wie Alphabet, Amazon oder Apple der Fall ist. Was mich ausserdem Wunder nimmt: Gibt es denn Kennzahlen, welche ein Indiz darstellen, dass ein ökonomischer Burggraben vorliegt?

    Liebe Grüsse
    David

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    1. Eine Burggraben-Kennzahl gibt es nicht. Man kann aber aufgrund einiger Kennzahlen auf einen Burggraben schließen. Eine hohe Kapitalrendite, eine hohe Marge, Preissetzungsmacht (höhere Preise als die Konkurrenz ohne Umsatzverluste), treue Kundenbeziehungen.

      Nicht nur große Konzerne wie Apple oder Google können einen Burggraben aufweisen, sondern auch typische Mittelstandsunternehmen. Man nehme nur mal die deutsche Ringmetall, die ist absoluter Dominator in ihrer Sparte. Allerdings ist der Markt an sich auch von eher begrenzter Größe und nicht der globale Smartphonemarkt. Daher wird Ringmetall wohl kaum ein 100-Milliarden-Dollar-Unternehmen werden. Aber das bedeutet nicht, dass sie in ihrem Bereich nicht weiter stark wachsen dürften. Auch Villeroy & Boch mit ihrem starken Markennamen oder WashTec mit ihrer Dominanz im Markt der Auto-Waschanlagen weisen auf einen starken ökonomischen Burggraben hin: es ist für Konkurrenten eben nicht einfach (und billig), ihnen diesen Markt streitig zu machen. Bei Fintechs oder Softwarefirmen ist dies oft weniger schwierig, da muss man genauer hinsehen.

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    2. Villeroy & Boch würde ich nicht als Burggraben sehen, der Markt für Sanitärtechnik ist stark umkämpft. Wir haben allein in DE mindestens 10 Hersteller, die Badausstattung machen (Hansgrohe, Grohe, Keuco, Ideal Standard, Duravit...). Ich kenne die Branche gut, öffentliche Kunden sind sehr preissensibel, dann sind Villeroy & Boch Ausstattungen auch nicht unbedingt einfach zu montieren ==> hohe Kosten für Montage. Die Baubranche kann man ebenfalls als zyklisch betrachten. Risiken gibt es aus meiner Sicht einige.

      Grüße
      Moritz

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    3. Ach ja, gerade auch die EK-Quote 2016 gesehen - 27%...

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  2. Hallo, vlt kann ich vorgreifen auf die Frage mit den Kennzahlen.

    Für mich ist ein Indiz für einen Burggraben, wenn die Umsatz Margen sehr hoch sind.

    Schau mal bei Apple, den großen Tabak Konzernen, Disney usw.
    vom Umsatz bleibt einfach dermaßen viel hängen das ist für mich DAS Indiz für Marktmacht und Preissetzungsmacht.

    Grüße
    -M

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