Freitag, 18. Mai 2018

Quality Investing: Buffett setzt auf Qualität und kauft lieber hervorragende Unternehmen zu guten Preisen als gute Unternehmen zu hervorragenden Preisen

Quality Investing ist eine Anlagestrategie, bei der die Qualität des Investitionsobjekts im Vordergrund steht, nicht so sehr der Preis oder die Wachstumsaussichten. Es stellt eigentlich eine Weiterentwicklung des klassischen Value Investings dar, denn es wendet viele von dessen Kriterien an. Value Investoren setzen anhand von Kennzahlen die Bewertung des Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Aktienkurs und ermitteln so eine Unter- oder Überbewertung als Grundlage für ihre Investitionsentscheidung.

An diesem Punkt setzt das Quality Investing an und selektiert die Aktien, die darüber hinaus über besondere Qualitätsmerkmale verfügen. Nur in diese Unternehmen wird dann auch investiert. Denn schon der Urvater der Fundamentalanalyse, Warren Buffetts Lehrer Benjamin Graham, hatte die Qualitätsproblematik bereits in den 1930er Jahren erkannt und eine Unterscheidung zwischen Quality- und Low-Quality-Aktien vorgenommen. Besonders in den Fokus kam Quality Investing nach dem Blatzen der Börsenblase im Jahr 2000 und den darauf folgenden spektakulären Pleiten von WorldCom, Enron, Parmalat oder Comroad, wo Bilanzmanipulation und das Fälschen der Bücher zum normalen Tagesgeschäft zu gehören schien.


Der Burggraben, der Burggraben, der... Burggraben!
Neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen wird beim Quality Investing besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt. Ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil stellt nämlich einen ökonomischen Burggraben dar, sog. "Moat", und Warren Buffett rät Anlegern dazu, nach solchen Festungen Ausschau zu halten. Denn eine starke Marke kann der Garant dafür sein, dass das Unternehmen eine Preissetzungsmacht hat, die es ihm ermöglicht, höhere Preise - und damit höhere Margen - zu erzielen als seine Wettbewerber. Und in der Folge auch Krisenzeiten besser durchzustehen.

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett startete als Value Investor nach Benjamin Grahams Grundsätzen und nachdem er Charlie Munger traf und dieser ihm den Wert der Qualität in Bezug auf Investmententscheidungen beibrachte, wandelte sich Buffett immer mehr hin zu einem Quality Investor. Seine legendären Investments in See's Candies oder Coca Cola sind Ergebnisse diese Lernprozesses. Und für Anleger hat er einen weiteren wertvollen Tipp auf Lager:

»Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden als heute.«
(Warren Buffett)

Der Grundgedanke ist, dass vor allem Unternehmen von hoher Qualität und mit einem starken Moat "nahezu sicher" auch künftig deutlich steigende Gewinne erzielen werden können. Dabei hat Qualität natürlich ihren Preis, aber den ist Buffett bereit zu zahlen. Weil er langfristig mehr Sicherheit und bessere Ergebnisse bringt, als das Suchen nach dem günstigsten Schnäppchen. Oder frei nach Benjamin Graham: "Sicherheit geht vor Rendite".

Kommentare:

  1. Danke für den Artikel!
    Würde mich sehr interessieren, was sie von der Aussage Musks bzgl. Moats halten:

    If your only defense against invading armies is a moat, you will not last long, What matters is the pace of innovation — that is the fundamental determinant of competitiveness.”

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    1. Die Aussage von Musk zeigt mir nur, dass er das Konzept des ökonomischen Burggrabens nicht verstanden hat und nur mit einer platten Replik auftrumpfen wollte.

      Buffett hat nie gesagt, dass es nur eines Burggrabens bedarf und dann wäre das Unternehmen für alle Zeit unangreifbar. Aber genau das suggeriert Musk. Warren Buffett hat das Konzept des Moats einmal so beschrieben: "Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird".

      Laut Buffett kommt es also darauf an, dass der Burggraben stets auf Tiefe gehalten wird, dass er stets mit Wasser gefüllt ist und dass stets hungrige Krokodile und Piranhas darin herum schwimmen. Übersetzt heißt das, dass Unternehmen sich stets ihrer starken Wettbewerbsvorteile bewusst sein und stetig daran arbeiten müssen, diese zu erhalten oder sogar zu vergrößern.

      Beispiel? Walmart. Der größte Einzelhändler der Welt, das Unternehmen schien kaum aufzuhalten, hat massiv expandiert und seine Gewinne Jahr um Jahr gesteigert. Ich übersehe jetzt mal die gescheiterte Expansion nach Deutschland und die unzureichende Verteidigungsstrategie gegen die in die USA einfallenden Horden aus Deutschland von Aldi und Lidl. Ich zeige nur auf Amazon. Das Einkaufsverhalten der Menschen ändert sich und was ist der Burggraben von Walmart noch wert? Wenig! Sie kommen kaum klar gegen Aldi und Lidl, aber im Onlinebereich versuchen sie sich nun endlich gegen Amazon zu wehren. Durchaus mit beachtlichen Erfolgen. Walmart hat (noch) die Kunden und wenn sie ihr Angebot an deren neue Einkaufsvorlieben anpassen, können sie bestehen. Sie müssen ihren Burggraben anpassen und das schnell. Bevor die Kunden gewechselt sind...

      Das Konzept der ökonomischen Burggrabens funktioniert: wenn man ihn in Schuss hält und ihn stets für die neuen Herausforderungen anpasst.

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