Freitag, 14. April 2017

Was ist... Quality Investing?

Quality Investing ist eine Anlagestrategie, bei der die Qualität des Investitionsobjekts im Vordergrund steht, nicht so sehr der Preis oder die Wachstumsaussichten. Es stellt eigentlich eine Weiterentwicklung des klassischen Value Investings dar, denn es wendet viele von dessen Kriterien an. Value Investoren setzen anhand von Kennzahlen die Bewertung des Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Aktienkurs und ermitteln so eine Unter- oder Überbewertung als Grundlage für ihre Investitionsentscheidung.

An diesem Punkt setzt das Quality Investing an und selektiert die Aktien, die darüber hinaus über besondere Qualitätsmerkmale verfügen. Nur in diese Unternehmen wird dann auch investiert. Denn schon der Urvater der Fundamentalanalyse, Warren Buffetts Lehrer Benjamin Graham, hatte die Qualitätsproblematik bereits in den 1930er Jahren erkannt und eine Unterscheidung zwischen Quality- und Low-Quality-Aktien vorgenommen. Besonders in den Fokus kam Quality Investing nach dem Blatzen der Börsenblase im Jahr 2000 und den darauf folgenden spektakulären Pleiten von WorldCom, Enron, Parmalat oder Comroad, wo Bilanzmanipulation und das Fälschen der Bücher zum normalen Tagesgeschäft zu gehören schien.

Neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen wird beim Quality Investing besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt. Ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil stellt nämlich einen ökonomischen Burggraben dar, sog. "Moat", und Warren Buffett rät Anlegern dazu, nach solchen Festungen Ausschau zu halten. Denn eine starke Marke kann der Garant dafür sein, dass das Unternehmen eine Preissetzungsmacht hat, die es ihm ermöglicht, höhere Preise - und damit höhere Margen - zu erzielen als seine Wettbewerber. Und in der Folge auch Krisenzeiten besser durchzustehen.

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett startete als Value Investor nach Benjamin Grahams Grundsätzen und nachdem er Charlie Munger traf und dieser ihm den Wert der Qualität in Bezug auf Investmententscheidungen beibrachte, wandelte sich Buffett immer mehr hin zu einem Quality Investor. Seine legendären Investments in See's Candies oder Coca Cola sind Ergebnisse diese Lernprozesses. Und für Anleger hat er einen weiteren wertvollen Tipp auf Lager:

»Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden als heute.«
(Warren Buffett)

Der Grundgedanke ist, dass vor allem Unternehmen von hoher Qualität und mit einem starken Moat "nahezu sicher" auch künftig deutlich steigende Gewinne erzielen werden können. Dabei hat Qualität natürlich ihren Preis, aber den ist Buffett bereit zu zahlen. Weil er langfristig mehr Sicherheit und bessere Ergebnisse bringt, als das Suchen nach dem günstigsten Schnäppchen. Oder frei nach Benjamin Graham: "Sicherheit geht vor Rendite".

Kommentare:

  1. »Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«

    Das Zitat lautet im Englischen so:
    "it's far better to buy a wonderful company at a fair price than a fair company at a wonderful price"

    Ich würde deshalb "fair price" nicht mit gutem Preis übesetzen.

    Ich hab es so übersetzt:
    Es ist bei weitem besser eine wunderbare Firma zu einem fairen (angemessenen) Preis zu kaufen, als eine durchschnittliche Firma zu einem wunderbaren Preis.

    Die Frage ist jedoch: Was ist ein fairer Preis und wie ergibt sich dieser?
    Ist das der aktuelle Marktpreis?
    Ist das der intrinsische Wert?
    Oder der intrinsischer Wert abzüglich einer Sicherheitsmarge?
    Oder was ganz anders?

    AntwortenLöschen
  2. Fair meint irgendwas Mittelmäßiges: Angemessen, nett, hübsch, passabel; Wonderful ist dagegen ein klares Superlativ. Und der Superlativ ist bei der Firma, also beim Fundamentalen, entschieden wichtiger als beim Marktpreis. Von daher interessiert der faire Preis dann auch gar nicht so sehr: Irgendwas Mittleres, Passables, nichts Gehyptes halt, Hauptsache das Unternehmen ist toll, super ... Nix von wegen der Gewinn liegt im Einkauf, Sicherheitsmarge (auch wenn Buffett selbst oft anders redet) ... Sonst müsste man in der Tat eine Wissenschaft aus dem "fair price" machen.

    AntwortenLöschen