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Samstag, 2. Mai 2026

Wochenrückblick 18/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Vincorion, Quanta Services, Alphabet, Comfort Systems, Deutsche Rohstoff AG - mit echt satten Zuwächsen

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich...

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Vincorion +25,5%
📈 Quanta Services +16,3%
📈 Alphabet +11,6%
📈 Comfort Systems +6,8%
📈 Deutsche Rohstoff AG +4,4%
📈 Pfisterer Holding +4,4%
📈 Rocket Lab +3,4%
📈 KKR & Co. +2,3%
📈 VanEck Dividend Leaders ETF +1,2%
📉 Almonty Industries -1,3%

Es war eine weitere volatile Börsenwoche, in der der S&P 500 und NASDAQ am Ende starke Kurszuwächse verzeichneten und neue Allzeithochs markierten - die NASDAQ konnte sogar erstmals in der Geschichte die Marke von 25.000 Punkten überwinden.

Es war die Woche der Wahrheit, denn die führenden Unternehmen der Welt legten ihre Bücher offen. Und so präsentierten u.a. Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia, Coca-Cola, Visa, Mastercard, Linde, ExxonMobil, Chevron, Corning, Caterpillar, Eli Lilly, Seagate, Hilton, Verizon, Qualcomm, Mondelez, Amphenol, Western Digital, Amgen, Colgate-Palmolive, SoFi und LendingClub ihre Zahlen - und wussten echt zu überzeugen!

Quelle: MarketMaestro/X
In dieser Earnings Season erleben wir einen geradezu historischen Gewinnboom. Die aktuelle durchschnittliche Gewinnwachstumsrate des S&P 500 im Jahresvergleich liegt bei satten +27,1% und ist damit mehr als doppelt so hoch wie die erwarteten +13,1%. Und nachdem bislang etwa 63% der S&P-500-Unternehmen ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt haben, sind wir auf dem besten Weg zur höchsten Gewinnwachstumsrate seit dem vierten Quartal 2021. Ich weiß, ich weiß, es will niemand hören, aber...

2022 folgte dann eines der schlechtesten Börsenjahre aller Zeiten - weil die Inflation hochschoss, vor allem wegen der Energiepreise, dann die Notenbanken die Zinsen massiv und so schnell wie noch niemals zuvor in der Geschichte hochgesetzt haben und die Unternehmensgewinne sowie die Wirtschaft einbrachen. Klar, alles Geschichten von gestern. Oder doch von morgen? Wir werden sehen...

Ein Bärenmarkt... Ich möchte noch mal kurz veranschaulichen, wie sich sowas anfühlt. Links sieht man die Entwicklung meines Vermögens bis Ende März 2026. Sieht auf den ersten Blick wie eine immerwährend Party und entspannte Reise aus - aber beim genaueren Hinsehen erkennt man rechts der Mitte eine längere Phase, die nicht wirklich nach Spaß aussieht. Und das war auch keiner! Es war ein 15 Monate andauernder Bärenmarkt, der sehr viel Nerven gekostet hat. Es gab zwischenzeitlich immer wieder Bärenmarktrallys, wo man dachte, dass es das mit den Kursverlusten nun gewesen sei. Doch weit gefehlt, jeder Anstieg wurde anschließend umso stärker wieder abverkauft. "Buy the Dip" funktionierte nicht, sondern hat ordentlich Geld verbrannt. Am Ende schloss 2022 als eines der schlechtesten Börsenjahre überhaupt ab. Und daraus kann man einiges lernen: (1.) 2026 könnte wie 2022 werden, (2.) wenn die Zinsen steigen und die Liquidität aus dem Markt gezogen wird, brechen die Aktienkurse ein, aber (3.) wer diese Phasen aussitzt, trifft nicht die schlechteste Entscheidung. Denn auch solche hässlichen Bärenmärkte gehen vorüber und langfristig steigen die Börsen um rund 10% pro Jahr - inklusive aller Korrekturen und Crashs.

Zurück bleibt erstmal die schnellste Markerholung aller Zeiten: gerade einmal 11 Tage hat der S&P 500 benötigt, um seinen mehr als 10-prozentigen Einbruch wieder vollständig auszugleichen. Das ist echt beeindruckend.

Dabei spielt die Liquidität die entscheidende Rolle, aber das Thema habe ich ja bereits letzte Woche scheintotgeritten, daher ignoriere ich es heute einfach.

Wie ihr wisst, sind die Börsenentwicklung und die reale Wirtschaft zwei Paar Schuhe. Während ich also weiterhin ruppige Zeiten für den Sommer und vor allem den Herbst erwarte, planen allein die Magnificent 7 für das Jahr 2026 Investitionsausgaben in Höhe von über 700 Mrd. Dollar. Sie zeigen keine Bremsspuren und fahren ihr Capex sogar noch weiter hoch.

Dabei verdienen sie ordentlich Geld, auch wenn natürlich ihr Free Cashflow in die Knie geht. Daran beißen sich die Mahner fest, denn die Kennzahl Kurs zu Free Cashflow ist durchaus eine beachtenswerte. Doch es gibt ja Gründe, weshalb die Hyperscaler ihr Capex so hochschrauben und die liegen nicht in einer Schwäche, sondern darin begründet, dass sie die Infrastruktur des KI-Zeitalters aufbauen. Free Cashflow ist also nur eine Stellschraube des Unternehmenserfolgs, wenn auch eine, die man immer im Blick behalten sollte.

Und auch wenn die Vergleiche aus den vergangenen 15 Jahren zeigen, dass die Börse vor allem Asset-light-Businessmodelle klar favorisiert hat, kann man seit Monaten beobachten, wie das Pendel massiv zur anderen Seite ausschlägt: historisch gesehen gab es noch nie einen günstigeren Zeitpunkt, um Vermögenswerte zu besitzen, als jetzt. Vermögenseigentümer sind die Gewinner. Das kann - und sollte - man bei seiner eigenen Asset-Allokation berücksichtigen...

Und dann sind da ja noch die Unternehmen, die direkt oder indirekt vom KI-Investitionsboom profitieren, weil sie Energienetze, Strom oder Kühlsysteme beisteuern. Auch die boomen und ihre Aktienkurse feiern kräftig mit.

Das sieht bei den einstigen Börsenlieblingen aus dem Bereich defensiver Konsumaktien ganz anders aus. Die kennen seit Jahren nur den Niedergang, was an schleppenden Umsatz- und Gewinnentwicklungen liegt, Preiskämpfen und vor allem an einer "Bewertungsimplosion". Der Glanz früherer Tage mit stetig steigenden Gewinnen ist ab und die Börse ist immer weniger bereit, dafür Bewertungsaufschläge zu bezahlen. Defensive Konsumwerte befinden sich vor allem in der Defensive!

In den Industriestaaten kommt noch der Demografiefaktor hinzu, denn ohne Bevölkerungswachstum steigt die Nachfrage nach Basiskonsumgütern nicht oder nur kaum. Wachstum findet nur zulasten der Wettbewerber statt, also über Preisnachlässe oder durch das Erhöhen der Strahlkraft der eigenen Marke. Und gerade dies wird zunehmend schwerer, denn die Bürger leiden unter hohen Kosten und Arbeitsplatzverlustängsten. In den USA geben aktuell bereits 70% der Befragten an, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre täglichen Ausgaben zu bestreiten, also Miete oder Einkäufe für den täglichen Bedarf. Das ist erschreckend und gleichzeitig ein Warnsignal für die Aktionäre der betroffenen Unternehmen.

Die Lösung heißt Costco. "Natürlich Costco" werdet ihr sagen, "Kissigs Antwort auf alle Probleme". Und damit liegt ihr gar nicht mal so falsch. Denn Costcos Businessmodell der geteilten Skaleneffizienz macht es so erfolgreich und resilient in so gut wie jeder Lebens- und Wirtschaftslage.

Costco verkauft nur an seine Mitglieder. Das Unternehmen wächst und steigert damit seine Einkaufsmacht gegenüber seinen Vorlieferanten und setzt damit günstigere Einkaufspreise durch. Die gibt es dann fast vollständig an seine Mitglieder weiter, indem es nur max. 15% als Marge obendrauf schlägt. Daher bekommen Mitglieder bei Costco immer "beste Preis". Der Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft ist nach drei oder vier Einkäufen wieder rausgeholt, aber die Niedrigpreise bleiben. Das hat sich auch in der Hochinflationszeit 2022 erneut beweisen, als Costco weitere Marktanteile gewinnen konnte. Denn Costco kann durch das Mitgliedschaftsmodell auf stetige Einnahmen setzen und mit diesen planen und agieren.

Costco ist "the one to rule them all" und gehört daher einfach in jedes Depot!

Noch ein Nachtritt Richtung Inflation. Die ist so schädlich, weil sie uns wie ein stiller Dieb schröpft. So hat der Dollar in den letzten 30 Jahren seinen Wert halbiert; er bringt also nur noch die halbe Kaufkraft auf die Ladentheke wie 1996. Aber ein Dollar, der damals in den S&P 500 investiert wurde, wurde zu beinahe neun Dollar - und zwar nach Berücksichtigung der Inflation! Das ist die Kraft des Eigentumszuwachses durch Aktieninvestments. Unternehmen können sich gegen Inflation wehren durch Kosteneinsparungen und/oder Preisanhebungen. Und wer auf Unternehmen mit echter Preissetzungsmacht setzt, verdient noch viel mehr.
Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 66 auf 67 nur moderat gestiegen und signalisiert damit weiterhin "Gier". Der Zinsauftrieb dämpft die Stimmung und trotz Haussesegen trauen einige Anleger dem Braten nicht so richtig. Die totale Euphorie ist also noch (?) nicht ausgebrochen.


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche weiter zulegen konnte, wenn auch deutlich weniger enthusiastisch als in der Vorwoche.

Mein Wiedereinstieg bei der Deutschen Rohstoff AG zahlt sich schon aus

Die Deutsche Rohstoff AG hatte ich mir ja vorletzte Woche während des kräftigen Rücksetzers wieder ins Depot geholt und sie hat es mir mit einem starken Rebound gedankt; sie liegt damit schon relativ weit oben in meinem Depot und ich habe ernsthaft überlegt, ob ich die Position trotzdem etwas weiter aufstocken sollte. Ausführlich hatte ich mich ja vor einer Woche zur DRAG geäußert und meinen Investmentcase dargelegt - und nun den Worten Taten folgen lassen und meine Position um ein Fünftel aufgestockt. Damit ist sie nun deutlich meine größte Depotposition vor Texas Pacific Land, die zuletzt kaum vom Fleck kamen. Ölwerte reißen zuletzt nicht wirklich was, auch wenn Chevron oder Shell gerade sehr starke Zahlen vorgelegt haben. Ich denke, der weitere Kurszuwachs bei der DRAG ist ihrer krassen Unterbewertung geschuldet.

Alphabet geht steil

Quelle: CtheLightTrading/X
Alphabet hat im 1. Quartal ein besonders starkes Gesamtbild geliefert. Der Umsatz lag bei 109,9 Mrd. Dollar und übertraf die Erwartungen deutlich. Noch wichtiger war die Margenentwicklung: Die operative Marge stieg auf 36%, obwohl die Investitionen massiv erhöht wurden. Das zeigt, dass Alphabet seine enormen Investitionen in klingende Münze umwandeln kann!

So erzielte man im letzten Quartal einen Gewinn von rund 39,7 Mrd. Dollar und das sind etwa 440 Mio. Dollar pro Tag! Google verfügt über Chips, Cloud-Lösungen, Modelle, Endgeräte, eine Anzeigenplattform und eine Unternehmensplattform und ist damit eines der wenigen Unternehmen, das den gesamten KI-Stack gleichzeitig monetarisiert.

Und so ist Cloud-Business besonders hervorzuheben, das um 63% auf 20 Mrd. Dollar wuchs. Gleichzeitig blieb auch die Google-Suche mit einem Wachstum von 19% auf einem soliden Wachstumspfad. Damit entkräftet Alphabet eine der größten Sorgen des Marktes, nämlich dass KI die klassische Suche kannibalisieren könnte. Zudem konnte die Cloud-Sparte viel stärker zulegen als die der Wettbewerber AWS (Amazon) oder Azure (Microsoft) und das bei steigender Profitabilität. Aus dem einstigen Cashburner ist ein kraftstrotzendes Profitcenter geworden!

Die Investitionen sind allerdings enorm. Mit 35,7 Mrd. Dollar im Quartal und geplanten 180 bis 190 Mrd. Dollar für das Gesamtjahr zeigt sich die hohe und zunehmende Kapitalintensität deutlich. Doch die starke operative Entwicklung zerstreut die damit einhergehenden Sorgen der Anleger.

Zudem baut Alphabet seine "Wertschöpfungstiefe" weiter aus: Alphabet kontrolliert den gesamten KI-Stack von eigenen Chips über Infrastruktur bis hin zu Modellen und Endprodukten. Diese vertikale Integration ermöglicht eine effizientere Skalierung und bessere Kostenkontrolle. Alphabet erklärt, dass sein eigener Code inzwischen zu 70% aus der Hand von KI stammt. Auch deshalb kann und will man hier Personal einsparen und damit Kosten senken.

Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten der Monetarisierung, etwa durch bessere Werbeintegration, Agentic Commerce und potenzielle KI-Abonnementmodelle. Beim Umgang mit KI-Agenten fragen Nutzer häufiger nach und verfeinern damit die Antworten. Das schafft Möglichkeiten, ihnen zielgerichtet mehrfach Werbung unterzujubeln - je nach Bedarf und Möglichkeit. Das klassische Werbegeschäft dürfte also einen Wandel durchleben im Zeitalter der KI-Agenten, aber keinen Einbruch.

Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn Auftragseingang und -bestand explodieren geradezu. Der Auftragsbestand wuchs innerhalb von nur drei Monaten von 242,2 Mrd. Dollar auf 460,0 Mrd. Dollar an und das sind nicht weit entfernte Umsätze, sondern sie werden sich in den nächsten 24 Monaten monetarisieren! Dazu kommentierte der Alphabet-Finanzvorstand: "Unser Auftragsbestand hat sich im Vergleich zum Vorquartal auf über 460 Mrd. Dollar fast verdoppelt (...) Der Auftragsbestand, also die TPU-Hardware-Verträge, spiegelt sich also in unserem Cloud-Auftragsbestand von 460 Mrd. Dollar wider. Der Großteil des Auftragsbestands entfällt jedoch weiterhin auf GCP-Verträge. Wenn man sich nun den gesamten Auftragsbestand ansieht, wird etwas mehr als die Hälfte davon in den nächsten 24 Monaten in Umsatz umgewandelt werden. Was die TPU-Hardware-Verkäufe betrifft, erwarten wir, dass ein kleiner Prozentsatz davon noch in diesem Jahr als Umsatz verbucht wird. Der Großteil wird dann im Jahr 2027 als Umsatz realisiert werden".

Die TPU-Chips wird Alphabet zunehmend auch an externe Kunden verkaufen - man spart also nicht nur massiv Geld durch den Einsatz in den eigenen Rechenzentren, sondern verdient durch den Verkauf an externe Kunden auch noch zusätzlich Geld damit. Das nennt man Skalierung und dieses Vorgehen entspricht genau dem Amazon-Playbook für Unternehmenserfolg, das dort mit AWS vorgemacht wurde und dem Aufbau der eigenen Logistik und was aktuell ebenfalls mit "Customer-KI-Chips" hochgefahren wird.

Die Börse honorierte die Zahlen und katapultierte die Alphabet-Aktie auf ein neues Allzeithoch. Und meinem Depot half der Kurssprung meines größten (und neben Amazon einzigen) Mag7-Unternehmens ebenfalls kräftig auf die Sprünge.

Amazon zeigt Stärke(n)

Amazon konnte bei den Anlegern hingegen nicht wirklich punkten und ging beinahe unverändert aus der Rekordwoche. Dabei konnten die Quartalszahlen durchaus überzeugen, denn Amazon hat im 1. Quartal klar über den Erwartungen abgeliefert. So lag der Umsatz mit 181,5 Mrd. Dollar gegenüber erwarteten 177,2 Mrd. deutlich höher. Und auch der Gewinn je Aktie übertraf mit 2,78 Dollar die Erwartungen des Marktes von 1,65 Dollar massiv.

Besonders bemerkenswert war die operative Entwicklung: Die operative Marge erreichte mit 13,1% einen neuen Höchstwert. Der zentrale Treiber ist dabei weiterhin AWS. Die Cloud-Sparte wuchs um 28% auf 37,6 Mrd. Dollar und verzeichnete damit das stärkste Wachstum seit mehreren Jahren. Noch wichtiger ist der massive Anstieg des Auftragsbestands auf 364 Mrd. Dollar, was eine außergewöhnlich hohe Visibilität für zukünftige Umsätze schafft.

Funfact: Der Umsatz von AWS in den letzten 12 Monaten lag mit 137 Mrd. Dollar über dem Umsatz von 472 Unternehmen im S&P 500.

Hinzu kommt mit Amazons eigenen KI-Chips ein oft unterschätzter Faktor: Das Trainium-Geschäft entwickelt sich zum Schlüsselelement der Amazon-Story, denn mit Zusagen in Höhe von über 225 Mrd. Dollar ist Trainium2 ausverkauft und Trainium3 fast vollständig gezeichnet, während der noch gar nicht ausgerollte Trainium4 ebenfalls schon weitgehend reserviert ist. Die größere Veränderung besteht darin, dass AWS nun pro Einheit mehr Trainium-Chips als Nvidia-Chips einsetzt, wodurch Amazon mehr Kontrolle über die Kosten für die Inferenz erhält und seine Margen in der Cloud-Sparte ausweiten kann. Und man verkauft diese Chips zunehmend auch an externe Kunden, was das Chip-Business in neue Größenordnungen expandieren lässt.

Amazon entwickelt sich damit zunehmend vom reinen Nutzer zum Anbieter von KI-Infrastruktur. Dabei kann Amazon überzeugend darstellen, wie Investitionen in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur in zukünftige Umsätze und Margen übergehen sollen. Genau diese Glaubwürdigkeit sorgt dafür, dass der Markt die aktuell stark belasteten freien Cashflows zu akzeptieren bereit ist. Der Kursauftrieb sollte damit tendenziell weitergehen können und solide untermauert sein.

Quanta Services

Auch Energiespezialist Quanta Services hat stark abgeliefert und wurde von der Börse entsprechend abgefeiert. Soviel vorweg: die Erwartungen für das 1. Quartal 2026 hat Quanta Services weit übertroffen und damit die Prognose des Managements von einem "mehrjährigen Infrastruktur-Superzyklus" voll und ganz bestätigt, der sowohl die Umsätze und Ergebnisse treibt als auch zu einer massiven Beschleunigung des Auftragsbestands führt. Und damit die künftige positive Geschäfteentwicklung zementiert.

Im 1. Quartal steig der Umsatz im Jahresvergleich um 26% auf 7,87 Mrd. Dollar, und das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) sprang um 51% auf 2,68 Dollar. Das Wichtigste ist jedoch der Ausblick: Der Gesamtauftragsbestand explodierte auf atemberaubende 48,5 Mrd. Dollar, ein Anstieg von 37% im Jahresvergleich. Der Hammer! Dabei wurde der Anstieg maßgeblich vom Segment "Elektric Infrastructure" getragen, das um 31% wuchs, da die Nachfrage nach Rechenzentren, KI und Netzmodernisierung die Kapazitäten der Branche überstieg. Dieses Segment ist der unbestrittene Wachstumsmotor und zeigte eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem Wachstum von rund 19% im vierten Quartal 2025.

Der Auftragsbestand des Segments stieg auf 40,1 Mrd. Dollar und spiegelt die erfolgreiche Neuausrichtung von Quanta auf langfristige, programmatische Partnerschaften mit Energieversorgern wider, die verzweifelt versuchen, 765-kV-Übertragungsleitungen auszubauen und die enorme Last von Rechenzentren zu bewältigen. Und trotz vorheriger Warnungen seitens des Managements vor Margendruck durch die Einstellung Tausender Facharbeiter erzielte Quanta Services in seinen beiden Kernsegmenten eine Steigerung der operativen Marge. Der massive Stellenaufbau von alleine 6.000 Mitarbeitern im ersten Quartal hatte Bedenken ausgelöst, das Unternehmen würde kurzfristig einen Wachstumsschub mit einer verminderten Profitabilität erkaufen. Aber das Gegenteil ist der Fall: die Margen wurden trotz hoher Einarbeitungskosten weiter gesteigert. Im Segment "Electric" verbesserten sie sich im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr von 8,3% auf 8,7%, und im Segment "Underground" stiegen sie dramatisch von 6,0% auf 7,5%.

Quantas Übergang zu einem Anbieter von "Gesamtlösungen" führt zu einer starken Preisgestaltungsmacht, die die Kosten für die Neueinstellung problemlos auffängt. Und das macht auch den stark wachsenden Auftragsbestand noch einmal werthaltiger.

Gestützt auf die starken Entwicklungen hob das Management die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 deutlich an. Der Umsatz soll schneller steigen als gedacht und im Mittelwert 34,95 Mrd. Dollar erreichen, was ein Wachstum von 22,7% im Jahresvergleich darstellen würde. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll sogar um 29,3% steigen auf 13,50 bis 14,25 Dollar und signalisiert die Erwartung von weiter steigenden Margen. Der freie Cashflow soll hingegen mit 1,8 Mrd. USD nur leicht über den 1,7 Mrd. von 2025 liegen, was eine direkte Folge der deutlich ansteigenden Investitionen ist, der für den Aufbau vertikaler Fertigungskapazitäten erforderlich sind.

Mein Fazit: Das Zusammentreffen von Strombedarf in Rechenzentren und der Modernisierung des Stromnetzes schafft eine beispiellose, deutlich erkennbare Nachfrage. Der Auftragseingang nimmt zu, was eine mehrjährige Ausführungssicherheit signalisiert. Trotz der Kosten für umfangreiche interne Neueinstellungen und die Integration der Lieferkette konnte Quanta Services die operativen Margen in beiden Segmenten steigern und damit eine außergewöhnliche Preisgestaltungsmacht und operative Hebelwirkung unter Beweis stellen.

Strategische Investitionen in die vertikale Integration (wie die Transformatorenherstellung) führen dazu, dass Quanta Services sich von einem reinen Asset-Light-Modell entfernt und sich auch kapitalintensivere Bereiche erschließt. Die Investitionsausgaben (CapEx) stiegen auch deshalb im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 65%, was zu einem vergleichsweise langsameren Wachstum des freien Cashflows im Verhältnis zum explosionsartigen Anstieg des Nettogewinns führte. Da Quanta Services mit seinen Investitionen jedoch mehr Marge generiert und die Gewinne hochschraubt, ist eine vorübergehende Verlangsamung des Free Cashflow-Wachstums nicht besorgniserregend.

Das Zusammenspiel von Netzmodernisierung, Reshoring und der durch KI getriebenen Nachfrage nach Rechenzentren stellt einen Gesamtmarkt dar, den Quanta Services bis 2030 auf über 2,4 Billionen Dollar schätzt. Die einzigartige Fähigkeit des Unternehmens, das gesamte Spekt-rum der Stromerzeugung und -versorgung selbst abzudecken, versetzt es in den Mittelpunkt dieses Megatrends.

Das Zahlenwerk zum ersten Quartal lässt kaum Wünsche offen und das Kursfeuerwerk, das die Börsianer abbrannten, nur allzu verständlich. Quanta Services wächst noch stärker und kann dabei trotz massiv erhöhter Investitionen und Personalaufstockungen seine Profitabilität noch weiter steigern. Das ist beeindruckend - und mehr als ein Grund. hier investiert zu sein und zu bleiben.

Vincorion

Nach dem Börsengang bröckelte der Aktienkurs von Vincorion erstmal ab - der Glanz des neuen war schnell verblasst. Aber die Patina erwies sich als wenig zähleibig, wie die letzte Woche zeigte. Denn Vincorion hat Zahlen vorgelegt und damit stark Punkten können.

Auf Basis vorläufiger Zahlen zum 31. März 2026 erzielte die Vincorion im 1. Quartal einen Konzernumsatz von 69,0 Mio. Euro, was einem Anstieg von 40,1% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Diese positive Entwicklung sei in erster Linie auf eine gleichmäßigere Verteilung der Umsätze im Jahresverlauf sowie Ramp-Up Maßnahmen zurückzuführen, erklärte das Unternehmen.

Der Vorstand bestätigt die Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2026 mit einem Konzernumsatz zwischen 280 Mio. und 320 Mio. Euro sowie einer bereinigten EBIT-Marge zwischen 18% und 19%.

JPMorgan nimmt die Coverage auf mit "Overweight" und Kursziel 23,50 Euro. Berenberg startet mit "Buy" und Kursziel 26 Euro.

Die Anleger folgten den Empfehlungen (oder den Geschäftszahlen) und machten die Vincorion-Aktie zum Wochengewinner in meinem Depot. Meine kleine Position zahlt sich inzwischen aus und ich betrachte sie ja als hervorragende Ergänzung zu meinem Sektorfavoriten Rheinmetall. Der DAX-Wert konsolidiert schon länger, wie auch andere Rüstungswerte, und kommt so langsam wieder in einen Bereich, wo man ich über ein Aufstocken nachdenken kann sollte. Bei den ungeliebten Werten staut sich das große Zukunftspotenzial auf, wie Peter Lynch immer zu sagen pflegt...

Apropos ungeliebt: KKR wird seine Zahlen am 5. Mai vor US-Börsenstart vorlegen, aber wir können durchaus schon orakeln, wohin die Reise geht, denn Blackstone und Ares Management haben bereits vorgelegt: deutlich steigende AuM erzeugen signifikant anwachsende Managementprovisionen, aber auf der Exit-Seite und damit bei den Erfolgsprovisionen herrscht Ebbe. Und darauf fokussiert sich die Börse neben der Sorge um Kreditausfälle im Bereich "Private Credit". Ein Bereich, der übrigens den KI-Investitionsboom der Hyperscaler (mit-) finanziert! Hier verdienen sich die Finanzinvestoren eine goldene Nase, aber die wird von der Börse bisher nicht erkannt anerkannt. Doch das wird sich irgendwann ändern - ich habe jedenfalls meine Position wieder etwas aufgestockt, auch wenn das vom Timing vielleicht nicht die schlauste Idee war. Aber Timing ist ohnehin nicht mein Spiel, sondern das finden, kaufen und behalten von unterbewerteten Assets. Was oft, aber nicht immer, ziemlich gut funktioniert. Mal sehen, ob es bald bei KKR auch wieder so ist.

Ich bin hier ja zum zweiten Mal investiert und seit Frühjahr 2018 ergab sich hieraus inkl. Dividenden einen jährliche Durchschnittsrendite von 22,5% - und das, obwohl der Kurs seit Ende 2024 um rund 50% in die Knie gegangen ist. Würde er sich also "nur" wieder sein alten Hochs nähern, sich also de facto verdoppeln, läge KKR mit weitem Abstand auf dem Spitzenplatz in meinem Depot. Aber soweit ist es noch (?) nicht...


Mein Vermögen hatte nach den beiden ersten vollen Handelswochen des Jahres ein sattes Plus von 10% verbucht, doch nach zwei heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. verhaltenen Start in den April gab es nun drei starke Wochen in Folge mit zuletzt einem saustarken Wochenplus von +4,5%. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +12% (YTD).

Meine Cashquote liegt bei für mich unüblichen 20% 10% 7,5% und meine Gründe dafür habe ich inzwischen ja mehrfach erläutert. Zuletzt und sehr ausführlich in meinem aktuellen Investor-Update.

Mein Investor-Update zum Q1/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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