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Samstag, 4. Juli 2026

Wochenrückblick 27/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Rocket Lab, Rheinmetall, LandBridge, Vincorion, 2G Energy - mit Kurssprung in die zweite Jahreshälfte

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Rocket Lab +19,9%
📈 Rheinmetall +16,2%
📈 LandBridge +14,8%
📈 Vincorion +9,5%
📈 2G Energy +7,0%
📈 Alphabet +6,2
📈 KKR & Co. +3,7%
📈 Frequency Electronics +3,2%
📉 Quanta Services -2,6%
📉 Comfort Systems -4,8% 

Es war eine heftige Börsenwoche, in der die Märkte sich weiter vom bisher heißgeliebten "AI-Trade" entwöhnten und Chipwerte und andere Profiteure des KI-Booms aus den Depots warfen. Insbesondere in Südkorea ging das Chip-Blutbad weiter - wohl auch, weil so stark wie nie zuvor Aktien auf Kredit gekauft worden waren und diese nun teilweise Margin Calls der Wertpapierbanken auslösten. Mit entsprechenden weiteren Verkäufen. Da sich die europäischen Börsen deutlich besser schlugen als ihre US-Pendants, und hierzulande traditionelle Branchen höher gewichtet sind als in Amiland, könnte man auch von einem "Revival der Old Economy" sprechen.

Zudem übernimmt KI auch beim Trading immer mehr das  Ruder und das wirkt wie ein Brandbeschleuniger, also trendverstärkend. Die Volatilität wird also weiter zunehmen und zum normalen Begleiter auch an entspannten Börsentagen. Mr. Market, reibt sich die Hände, zockende Spekulanten stehen unter Daueradrenalinmaximum und langfristig orientierte Anleger - schauen einfach zu. Und nutzen die sich bietenden Chancen.

Die in den Vorwochen eingedampften Rüstungswerte feierten ebenso einen Comeback wie die Raumfahrtaktien und Energiewerte - das hat meinem Depot entsprechend gut getan, nachdem es zuvor dank meiner Übergewichtung dieser Sektoren besonders stark gerupft worden war.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 25 auf 32 Punkte gestiegen und hat damit das Terrain extremer Angst" wieder verlassen - fürs erste...


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche kräftig zulegen konnte nach dem Rückschlägen der letzten Wochen.

Mein Weltraumabenteuer Rocket Lab ist seit 14 Tagen Mitglied im NASDAQ 100, aber das ist nicht der Grund für die starke Kursentwicklung. Neben dem Raketenbusiness strebt Rocket Lab zunehmend in den Bereich der Verteidigung und hat mehrere Deals mit dem US-Verteidigungsministerium abgeschlossen. Und, ganz frisch auf dem Tisch, hat man die Übernahme von Iridium Communications im Rahmen einer Bar- und Aktientransaktion im Wert von 8 Mrd. Dollar angekündigt, die voraussichtlich Mitte 2027 abgeschlossen wird. Iridium-Aktionäre erhalten für jede ihrer Iridium-Aktien 27 Dollar in bar sowie Rocket-Lab-Aktien.

Iridium betreibt ein weltumspannendes Satellitenkommunikationssystem, das aus insgesamt 66 aktiven und 6 Reservesatelliten besteht, also insgesamt 72 Satelliten. Damit geht Rocket Lab weiteren Schritt von einem vorwiegend auf Weltrauminfrastruktur spezialisierten Unternehmen hin zu einem vertikal integrierten Raumfahrt- und Kommunikationsunternehmen mit wiederkehrenden Cashflows.

Rocket Lab erweitert das globale Satellitennetzwerk und schafft wiederkehrende, margenstarke Umsätze, denn Iridium generiert abonnementbasierte Umsätze. Zudem beschleunigt Rocket Lab die Direktverbindung zu seinen Endgeräten und erhöht seine Weltraumkonnektivität.

Rocket Lab ist (m)ein spekulatives Weltraumabenteuer, das nicht so groß ist wie SpaceX, (noch) nicht ganz so erfolgreich, aber vor allem nicht ansatzweise so hoch bewertet. Günstig ist die Aktie allerdings auch nicht gerade, dass da keine Missverständnisse aufkommen. Aber Anleger, die auf den Megatrend Raumfahrt setzen möchten, könnte sich hier eine interessante Option bieten – mit Frühbucherrabatt, denn die Aktie notiert deutlich unter ihrem kürzlich markierten Allzeithoch.

Rheinmetall ist und bleibt mein Favorit im Defense-Spektrum und die Aktie eine Kernposition in meinem Depot. Der heftige Kurseinbruch der letzten Wochen hat ordentlich Rendite gekostet, vor allem der letzte Kursrutsch, nachdem Verteidigungsminister Pistorius das Fregattenprojekt F126 abgeschossen hat. Stand heute war das wohl sowas wie der finale Sell-off, die Kapitulation der letzten Rheinmetall-Bullen (außer mir).

Donnerstagabend gab es den sogenannten "Pre-Close-Call" von Rheinmetall zu den Q2-Zahlen und natürlich war die Einschätzung zum Fregatten-Desaster von höchsten Interesse. Welche Auswirkungen das F-126-Aus auf die Gesamtjahresprognose hat, prüft Rheinmetall noch. Details dazu sollen mit den Quartalszahlen am 6. August veröffentlicht werden. Sicher ist allerdings heute schon, dass Rheinmetall das erwartete Ziel einer Nomination von 20 Mrd. Euro in 2026 jetzt nicht mehr erreicht werde. Zwar sei die Auftragsdynamik in allen anderen Segmenten stark und für das Gesamtvolumen im zweiten Quartal wird ein niedriges zweistelliges Milliarden-Euro-Niveau erwartet. Und so wurde allerdings das Ziel für das Umsatzwachstum im zweiten Quartal mit eine, Plus von über 60% bestätigt.

Das Umsatzminus durch das Aus der F126 dürfte im laufenden Jahr bis zu 300 Mio. Euro betragen. Der Anteil an der mittelfristigen Umsatzprognose für 2030 hätte aber unter 3% gelegen. Hier ist Rheinmetall zuversichtlich, den Effekt durch weitere Auftragsabschlüsse in der Zukunft abfedern zu können. Die jüngsten Auftragseingänge für Skynex-Systeme, Artilleriemunition für die Ukraine oder Feldlazarette für Marokko wirken jedenfalls vertrauensstiftend.

Mein Fazit: Rheinmetall hat eine Breitseite kassiert, aber die kann der Rüstungschampion wegstecken. An vielen anderen Fronten laufen die Entwicklungen und Geschäfte hervorragend und das bisher schon ambitionierte Wachstumstempo dürfte in den nächsten Jahren noch weiter zulegen – und ebenso die Umsätze und Gewinne. Rheinmetall bleibt der Top-Pick im Rüstungssektor.

Nicht wirklich Neues gab es bei Vincorion; die Aktie war zuvor im Sektortrend nachrichtenlos eingebrochen und erholte sich nun entsprechend.

Der starke Rücksetzer der Rohstoff- und Energiewerte der letzten drei Wochen fand ein jähes Ende und die Kurse setzten zu einer Erholungsrallye an. LandBridge stieg deutlich, Texas Pacific Land ordentlich und 2G Energy punkte mit weiteren fetten dezentralen Rechenzentrums-Versorgungsaufträgen in den USA, die zusammen noch einmal mehr als 100 Mio. Euro an Umsatz auf die Waage bringen. Und man ist noch in Gesprächen bzgl. zweier weiter potenzieller Aufträge.

Bei KKR drehte sich zuletzt viel um OHB, denn der Bremer Satellitenspezialist drängt zurück an die Börse. Erst vor zwei Jahren war KKR hier im Wege eines "Going Private" eingestiegen und hält seitdem mit der Gründerfamilie Fuchs die Mehrheit; KKR bezahlte damals 44 Euro je Aktie und hält seitdem 28,6% der Anteile. 
Doch auch in anderen Bereichen legt KKR ein weiterhin hohes Tempo vor und wird die Geschäftsbereiche und Vermögenswerte von EDF Power Solutions in den USA und Kanada für 4,2 Mrd. Dollar von der EDF-Gruppe zu erwerben. Insgesamt umfassen diese Geschäftsbereiche die nordamerikanischen Aktivitäten von EDF Power Solutions im Bereich erneuerbare Energien. EDF Power Solutions North America zählt zu den zehn größten Betreibern von Anlagen für erneuerbare Energien in den USA. Das Unternehmen besitzt und betreibt ein diversifiziertes Portfolio an Solar-, Wind- und Batteriespeicheranlagen in verschiedenen Regionen und verwaltet eine integrierte Plattform, die Projektentwicklung, Bau, langfristigen Betrieb und Wartung sowie die Vermögensverwaltung umfasst. KKR wird diese Transaktion aus seiner globalen Infrastrukturstrategie zu finanzieren. KKR hat bisher weltweit mehr als 26 Mrd. Dollar an Investitionen in erneuerbare Energien und die Energiewende investiert und näher sich nun der Marke von 30 Mrd. Dollar. 

Cecilio Velasco, Managing Director bei KKR, kommentierte den Deal: "Angesichts des erwarteten Anstiegs des Strombedarfs in den Vereinigten Staaten aufgrund des raschen Ausbaus von Rechenzentren, der Rückverlagerung der Produktion und der zunehmenden Elektrifizierung unterstützt die Investition von KKR in EDF Power Solutions North America den dringenden Bedarf an bezahlbarem Strom."

KKR ist mein absoluter Sektorfavorit und aus meiner Sicht klar unterbewertet. Seit 2020 wurden die Assets under Management verdreifacht, die Management Provisionen verdreifacht, die provisionsabhängigen Gebühren verdreifacht und der Kurs hat sich... nur etwas mehr als verdoppelt. 

Die Aktie notiert rund 50% unter ihrem Allzeithoch, obwohl die Geschäfte weiterhin überwiegend rund laufen. Also sollte auch der Aktienkurs irgendwann wieder die Kurve kriegen. Doch momentan überwiegen die negativen Schlagzeilen und die (auch daraus resultierende) negative Stimmung das Geschehen, so dass mit der KKR-Aktie schon seit einiger Zeit kein Blumentopf zu gewinnen war. Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und meine Position nochmals etwas aufgestockt.

Keine großen Sprünge hat mein Dividenden ETF gemacht, der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF. Halbjährlich wird die Gewichtung neu austariert anhand der vorgegebenen Kriterien und am 30. Juni war es wieder mal soweit: Moningstar sortierte ExxonMobil aus und stockte dafür Novo Nordisk kräftig auf. Zudem wurde der Finanzsektor von 31,6% auf 41,6% aufgewichtet, während Energiewerte von 19,3% auf 11,1% reduziert wurden. Kommunikationsdienste liegen mit 8,1% weiterhin solide im Mittelfeld, während Technologiewerte mit 0,3% Gewichtung weiterhin kaum eine Rolle spielen - nicht sooo überraschen, da der Fokus des ETF ja auch üppigen und steigenden Dividendeneinnahmen liegt. Ein tolles Investment für Renditejäger - und fester Bestandteil meines Dividendendepots.


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach vier starken Wochen im April zeigt sich der Mai eher durchwachsen bis launisch und der Juni kostet bisher ordentlich Rendite - nach mehreren moderaten Rückgängen gab es in der vorletzten Woche den flächendeckend Einbruch um -6,75% und damit drehte meine Jahresperformance wieder ins negative Terrain ab - wie schon Ende des ersten Quartals. Déjà-vu?! Doch der Juli-Auftakt holte einiges an verlorenem Terrain wieder auf mit einem Wochenplus von +5,0%.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +3,25% (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.


Mein Investor-Update zum Q2/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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