▶ ÜBERSICHT | THEMENSCHWERPUNKTE

Samstag, 5. September 2026

Kissigs Wochenrückblick 36/2026: Die Kurstreiber in meinem Depot waren Rheinmetall, Comfort Systems, 2G Energy, Vincorion und Quanta Services. Der AI-Trade und Energiewerte zeigten sich erholt, während Rüstungswerte in die Defensive gingen

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung sowie altkluge Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Comfort Systems +5,8%
📈 2G Energy +5,4%
📈 Quanta Services +3,4%
📈 BioTech ETF +1,4%
📈 Deutsche Rohstoff +0,9%
📉 KKR & Co. -1,1%
📉 Almonty Industries -2,8%
📉 Costco -3,4%
📉 Vincorion -4,8%
📉 Rheinmetall -10,1%

Es war eine vergleichsweise ruhige Börsenwoche, in der das Ringen um die künftige Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve die Agenda bestimmte. Zur Wochenmitte sorgten Kommentare von Fed-Gouverneur Christopher Waller für spürbare Erleichterung, als er die Bereitschaft zu einer Zinspolitik ohne weitere Erhöhungen signalisierte, sofern sich die Inflation weiter abkühle. Das ließ die Anleiherenditen sinken und die Aktienkurse kräftig steigen. Doch diese Gewinne wurden vor dem Wochenende teilweise wieder ausradiert, als der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht unerwartet stark ausfiel und die Sorgen vor anhaltendem Inflationsdruck befeuerte.  Infolgedessen stiegen die Marktprognosen für eine baldige Zinserhöhung am 16. September wieder auf über 50% ansteigen und das drückte auf die Stimmung - und Kurse. 

Darüber hinaus blieben die Spannungen und offene Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten wieder zu und rückte die von beiden Seiten für sich reklamierte Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder in den Fokus. Dies trieb den Preis für Rohöl der Sorte Brent auf rund 96 Dollar pro Barrel nach oben. Die dadurch geschürten Inflationsrisiken setzten den weltweiten Anleihemarkt unter Druck, ließen die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen steigen und lenkten beträchtliche Kapitalströme in vermeintlich sichere Häfen wie Gold.

Auf Unternehmensebene sorgte die deutsche Automobilindustrie für Aufsehen: Der Vorstand von Volkswagen kündigte im Zuge eines umfassenden Reorganisationsplans eine Verdopplung des Stellenabbaus auf bis zu 100.000 Arbeitsplätze sowie eine Halbierung des Modellportfolios an, um auf den massiven Wettbewerbsdruck aus China und US-Zölle zu reagieren; die Marke SEAT soll gleich ganz eingestellt werden.

In den USA zeigte sich im Technologiebereich ein gemischtes Bild: Während der Softwarekonzern Snowflake nach exzellenten KI-Quartalszahlen und einer angehobenen Umsatzprognose an der Börse um über 15% explodierte, enttäuschte der Halbleiterriese Broadcom mit seinem Ausblick trotz starker KI-Nachfrage und verbuchte Kursabschläge.

Amphenol

Der massive Kurseinbruch bei Amphenol hingegen ging nicht auf enttäuschte Erwartungen oder schlechte Geschäfte zurück, sondern auf einen Aktiensplit 2:1 - Anleger haben nun doppelt so viele Aktien im Depot, die dafür auch nur noch die Hälfte wert sind.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 54 auf 42 Punkte wieder deutlich gefallen und hat damit das "neutrale Terrain" verlassen, um nun wieder die Angst der Märkte anzuzegen.


Nun der Blick in mein Depot, das sich nach dem heftigen Einbruch der Vorwoche weitgehend stabil hielt. Dabei konnten sich alle Werte rund um den "AI-Trade" etwas erholen und meine Energiewerte legten deutlicher zu. Abwärtsdruck gab es vor allem im Rüstungssektor, wo - mal wieder - über einen angeblichen Frieden in der Ukraine fabuliert wurde.

KI makes the World go round

Bei 2G Energy wirkten die positiven Einschätzungen von der letztwöchigen Hauptversammlung statt noch nach und die Erkenntnis, dass das Stottern und Stolpern beim weiteren Ausbau der KI-Rechenzentrumskapazitäten in den USA ohne dezentrale und netzunabhängige Stromversorgung nicht zu stemmen ist. Aber er wird kommen, das zeigten die Zahlen und Aussagen von Nvidia-CEO Jensen Huang deutlich und so stiegen auch Comfort Systems und Quanta Services deutlich an.

Costco

Bei Costco gab es Zahlen zu den Warenumsätzen im August. Der Nettoumsatz stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,9% auf 23,7 Mrd. Dollar und im gesamten Geschäftsjahr, das am 30. August endete, stieg der Nettoumsatz um 10,2% auf 297,3 Mrd. Dollar.

Die flächenbereinigten Einzelhandelsumsätze  stiegen im August über den 4-Wochen-Zeitraum um 8,4%. Darin enthalten waren ein Anstieg der flächenbereinigten Filialumsätze in den USA um 9%, in Kanada um 4,0% und an anderen internationalen Standorten um 9,5%. Im Gesamtjahr stiegen die flächenbereinigten Filialumsätze in den USA um 8,2%, in Kanada um 7,8% und in anderen internationalen Märkten um 9,8%.

Ohne Berücksichtigung von Benzinpreisen und Wechselkursen stiegen die flächenbereinigten Filialumsätze in den USA im August um 5,6%, in Kanada um 2,8% und auf den internationalen Märkten um 6,8%. Die Benzinpreisinflation wirkte sich mit etwa 2,9% positiv auf die vergleichbaren Umsätze aus; ohne Benzinpreisinflation und Wechselkurse stieg der durchschnittliche Transaktionswert um 2,8%. Umsatzbremsend wirkte sich aus, dass der diesjährige Labor Day in diesem Jahr in den USA und Kanada eine Woche später stattfand und damit die Umsätze in den September verschoben wurden;  die gesamten und vergleichbaren August-Umsätze fielen gegenüber dem Vorjahr daher um knapp 75 Basispunkte niedriger aus.

Meine Einschätzung zu Costco: Hier gibt es nichts zu sehen. Costco läuft wie ein Uhrwerk und in der Erfolgsspur. In den nächsten Wochen könnten allerdings Spekulationen um eine weitere Sonderdividende die Stimmung anheizen: Costco zahlt alle zwei bis drei Jahre einen fetten Dividendenbonus und den letzten gab es Ende 2023. Also würde eine Zahlung Ende 2026 nicht überraschen und nach 15 Dollar 2023 könnten es nun bis zu 20 Dollar werden.
  • 27.12.2023: 15 Dollar je Aktie
  • 01.12.2020: 10 Dollar je Aktie
  • 08.05.2017: 7 Dollar je Aktie
  • 05.02.2015: 5 Dollar je Aktie
  • 06.12.2012: 7 Dollar je Aktie
Warten wir's einfach ab...
 

KKR & Co.

USI Insurance-Verkauf: KKR hat echt den Vogel abgeschossen: Aon übernimmt von KKR die USI Insurance und zahlt dafür 17 Mrd. Dollar in bar. Der Clou ist, dass USI zu KKRs "Stategic Holdings" zählt und damit zum überwiegenden Teil nicht mit Investorengeldern, sondern KKRs eigenem Kapital finanziert wurde.

Bei USI Insurance hatte KKR erstmals 2017 zugegriffen und den Versicherungsmakler gemeinsam mit Co-Investoren für 4,3 Mrd. Dollar übernommen. Anschließend hat KKR in 2020, 2023 und 2025 weitere Anteile übernommen und zusätzliches Kapital ins Unternehmen gesteckt. Mit dem nun erfolgten Verkauf zu 17 Mrd. Dollar hat KKR den Kapitaleinsatz auf das Ursprungsinvestment aus 2017 versechsfacht und bezogen auf seine Gesamtinvestitionen erzielt man nun den 3,4-fachen Wert.

KKR rechnet mit einem Erlös nach Steuern in Höhe von rund 3,3 Mrd. Dollar, woraus sich ein bereinigtes Nettoergebnis von etwa. 2,0 Mrd. Dollar ergeben wird. Zur Einordnung: KKRs gesamter Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2025 belief sich auf 2,25 Mrd. Dollar. Hinzu gesellt sich der Nettogewinn von 1,02 Mrd. Dollar, den KKR im ersten Halbjahr 2626 erzielt hat.

KKR bezeichnet die Strategic Holdings als seine Wachstumsmaschine. Inzwischen summieren sich diese Investitionen auf 15 Mrd. Dollar – bei einer Marktkapitalisierung von KKR von 97,5 Mrd. Dollar. Die Strategic Holdings sind also kein Beiwerk mehr, sondern ein Heavy Asset in der KKR-Bilanz. Nach Herausrechnen des USI-Verkaufs hält KKR noch 18 weitere Beteiligungen an Unternehmen in seinem umfangreichen und diversifizierten Portfolio. KKRs Anteil an deren bereinigten Umsatz der letzten 12 Monate lag Ende März 2026 bei 3,5 Mrd. Dollar und am bereinigten EBITDA der letzten 12 Monate bei rund 800 Mio. Dollar.

Bei Atlantic Aviation kommt Apollo an Bord: KKR hatte Atlantic Aviation im Jahr 2021 für rund 4,475 Mrd. Dollar von Macquarie Infrastructure erworben. Nun steigt mit ein bei einer Bewertung von fast 10 Mrd. Dollar, wodurch sich KKRs Investment in den letzten fünf Jahren glatt verdoppelt hätte. Aber KKR macht nicht etwa Kasse, sondern investiert ebenfalls frisches Geld, um bedeutender Anteilseigner zu bleiben. Frühere Berichte von Bloomberg deuteten darauf hin, dass Apollo eine Partnerschaft mit dem singapurischen Staatsfonds GIC einging, um eine Kontrollbeteiligung zu erwerben.

Atlantic Aviation betreibt eines der größten Netzwerke von Fixed-Base-Operators in Nordamerika – das sind Einrichtungen, die an Flughäfen Betankungs-, Hangar-, Enteisungs- und Bodendienste für Privat- und Geschäftsflugzeuge anbieten. Diese Betriebe basieren auf langfristigen Flughafenkonzessionsverträgen an stark frequentierten Flugplätzen. Das Unternehmen hat auf über 100 Standorte in den USA expandiert und ist in die Karibik vorgedrungen.

Der Gesamtmarkt konsolidiert sich derzeit um zwei dominierende Plattformen, Atlantic und Signature Aviation, wobei letztere im Jahr 2021 von Blackstone, Global Infrastructure Partners und Cascade privatisiert wurde.

Ein bisschen Strafe muss sein: Ein bisschen was Negatives ließ sich auch finden: KKR erklärte sich bereit, 250 Mio. Dollar Strafe zu zahlen, um die Vorwürfe des Justizministeriums beizulegen, wonach das Unternehmen wiederholt die Meldepflichten vor Unternehmenszusammenschlüssen missachtet habe. Es geht aber nicht um Betrug, sondern um eine abweichende Rechtsauffassung – KKRs Position wird branchenweit geteilt und angewandt. Daher kann KKR die Strafe weiterreichen an seine Rechtsberater und muss davon keinen Cent selbst tragen.

Meine Einschätzung zu KKR: KKR wird überwiegend als Finanzinvestor wahrgenommen und die negativen Schlagzeilen aus dem grundsätzlich prosperierenden Segment Private Credit drücken seit längerem auf die Stimmung. Doch unter der Haube läuft KKRs Businessmaschine auf Hochtouren. KKR ist ein verkanntes Value-Investment und wer auf der Such nach dem nächsten Warren Buffett ist, findet es vielleicht in dessen Nachfolger Greg Abel bei Berkshire Hathaway. Oder eben bei KKR.

Rheinmetall

Rheinmetall investiert 260 Mio. Euro in den Standort Kassel, um dort das modernste Panzerwerk Europas zu errichten sowie am Flughafen seine Logistikdrehscheibe zu erweitern, sowie ein Drohnentestzentrum zu etablieren.

Die Bundeswehr plant im Projekt "Arminius" umfassende Bestellung von Radpanzern des Typs Boxer in verschiedenen Fahrzeugvarianten, die von Rheinmetall und KNDS produziert werden. Es dürfte um bis zu 3.000 Fahrzeuge gehen und CEO Papperger erklärte, mit dem Auftrag könne das Werk in Kassel bis ins Jahr 2040 ausgelastet werden.

Meine Einschätzung zu Rheinmetall: Deutschlands führende Rüstungsschmiede bleibt eine unserer Kernpositionen im Dividendendepot.

Rocket Lab

Bei meinem Weltraumabenteuer Rocket Lab diskutieren nervöse Anleger einen möglichen weiteren Zeitverzug bei den Neutron-Starts. CEO Peter Beck hat sich dazu kürzlich geäußert und interessante Einblick preisgegeben: "Der Plan ist, sie bis Ende des Jahres auf dem Startplatz zu haben und zu starten. Neutron ist superwichtig für uns, aber es ist nicht das Einzige. Was die Leute an Neutron nicht verstehen, ist, dass es ein Schlüsselaktivator ist. Wenn Sie sich unsere Übernahme von Iridium und unseren Einstieg in Raumfahrtanwendungen ansehen, beträgt der gesamte adressierbare Markt für Raumfahrtanwendungen etwa 320 Mrd. Dollar, während der Startmarkt etwa 10 Mrd. Dollar umfasst. Der Startmarkt selbst ist nicht riesig, aber was wirklich wichtig ist, dass er die Fähigkeit schafft, Dinge in die Umlaufbahn zu bringen und maximalen Wert aus diesen Anwendungen zu extrahieren. Als Unternehmen kommen wir außerhalb von Neutron extrem gut voran. Aber Neutron ist wichtig, nicht nur um der Welt dringend benötigte Startkapazitäten bereitzustellen, sondern auch um unsere eigenen Systeme zu starten und unsere eigenen Anwendungen aufzubauen".

Schenkt man den Aussagen von Peter Beck Glauben, dann wäre jeder Kursrücksetzer wegen einer möglichen Neutron-Start-Verzögerung eine echte Nachkaufchance. Und wer Peter Beck nicht glaubt, der sollte sowieso nicht in Rocket Lab investieren...


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach einem starken Start ins 2. Quartal kosteten der Juni wieder kräftig Rendite und so schloss das 1. Halbjahr am Ende mit einem moderatem Plus ab. Und der Juli war sehr volatil und am Ende schloss er tiefrot ab bei -4,75% ab. Der August startete hingegen mit starkem Aufwärtsdrang und zwei Sprüngen von 3,0% und 4,5%, doch nach einem erneuten Absacker brachte die letzte Woche mit -0,25% kaum Veränderung.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +0,0% (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.


Mein Investor-Update zum Q2/2026 - (nicht mehr ganz) brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.

Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen