▶ ÜBERSICHT | THEMENSCHWERPUNKTE

Samstag, 12. September 2026

Kissigs Wochenrückblick 37/2026: Die Kurstreiber in meinem Depot waren Almonty, 2G Energy, KKR, Comfort Systems und Quanta Services. Der AI-Trade und Energiewerte legten erneut zu, der Rest bekam weiter ordentlich auf die Mütze

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung sowie altkluge Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Comfort Systems +5,2%
📈 Quanta Services +4,4%
📈 Deutsche Rohstoff +2,0%
📉 Costco -1,1%
📉 Rocket Lab -2,0%
📉 Vincorion -2,7%
📉 Rheinmetall -4,2%
📉 KKR & Co. -6,1%
📉 2G Energy -7,2%
📉 Almonty Industries -11,7%

Es war eine vergleichsweise ruppige Börsenwoche, in der die geopolitischen Konflikte und in ihrer Folge der Ölpreis-Schock die zentrale Rolle spielten. Neue militärische Eskalationen im Nahen Osten trieben den Ölpreis für die Sorte Brent über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel. Nun haben die vom Iran unterstützen jemenitischen Huthi-Rebellen auch noch eine zentral gelegene Insel erobert und damit de facto die Kontrolle über die Meerenge von Bab al-Mandab übernommen. Damit haben sie eine der weltweit wichtigsten Versorgungsrouten im Würgegriff und die Öl-Tanker aus der Goldregion können nicht den Suez-Kanal nutzen. Längere und damit teurere Routen erhöhen die Spannungen an der Energieversorgungslage in Europa und Asien. Und diese Gemengelage schürt Ängste vor einer neuen Inflationswelle und bremste die Aktienindizes weltweit  aus. 

Die Europäische Zentralbank reagierte als erste und setzte mit einer weiteren Leitzinsanhebung ihren restriktiven Kurs fort. Die falkenhaften Töne der Notenbanker ließen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen auf Mehrjahreshöchststände klettern, was die ohnehin zähe Stimmung am deutschen Aktienmarkt weiter belastete, da festverzinsliche Wertpapiere zunehmend als Konkurrenz zu Aktien angesehen werden. Und auch hinsichtlich der Aktienbewertungen sind steigende Zinsen ein Problem, weil weiter in der Zukunft liegende Unternehmensgewinne höher abgezinst und damit aktuell weniger Wert sind. Die Folge sind niedrigere Kursbewertungen. Im Gegenzug gewinnen heutige Gewinne an Wert.

An der Wall Street warteten Anleger gebannt auf die neuesten US-Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten. Die Sorge vor steigenden Energiepreisen durch teures Benzin und die daraus resultierende Befürchtung, dass (auch) die Fed die Zinsen länger hoch halten oder gar weiter anheben könnte, sorgte für Verluste bei vielen Tech-Werten.

Im Technologiesektor standen zudem die Quartalsberichte von Tech-Schwergewichten wie Adobe und Oracle im Fokus. Während Adobe zwar ein starkes KI-Umsatzwachstum auswies, enttäuschte der Ausblick auf das Folgequartal die Investoren, was die allgemeine Sorge nährte, dass die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz sich kurzfristig nicht schnell genug in den Profiten niederschlagen; Adobe-Aktionäre haben in den letzten 12 Monaten knapp 30% an Kursverlusten eingefahren. Oracle konnte bessere Gewinne vorlegen, als erwartet worden war, aber die massiven Investitionen in KI-Rechenzentren belasten die Cashflows zunehmend und das Unternehmen gilt als als das wackeligste der Hyperscaler und am anfälligsten, wenn sich die hohe Investitionen nicht auszahlen sollten. Der kleine Freudenhüpfer direkt nach der Zahlenvorlage verpuffte dann auch schnell und die Aktie ging wieder in ihren schon länger anhaltenden Sinkflug über, der ihren Aktionären in den letzten 12 Monaten mehr als 50% an Kursverlusten eingebracht hat.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 42 auf 33 Punkte wieder deutlich gefallen und hat sich damit im "Angst-Terrain" festgesetzt.


Nun der Blick in mein Depot, das nach der stabilen Vorwoche nun wieder deutlich Federn lassen musste. Dabei konnten sich alle Werte rund um den "AI-Trade" weiter erholen und auch die Energiewerte legten erneut zu. Abwärtsdruck gab es vor allem im Rüstungssektor, wo - mal wieder - über einen angeblichen Frieden in der Ukraine fabuliert wurde, was sich nach dem AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nochmals beschleunigt hat, aber auch der Finanzsektor geriet stärker unter Druck. Und das hat natürlich in meinem Depot stärkere Auswirkungen...

KI makes the World go round

Meine beiden Ai-Trades Comfort Systems und Quanta Services konnten weiter Boden gutmachen, während sich die Deutsche Rohstoff AG trotz bester Aussichten mit einem vergleichsweise mageren Kursplus begnügen musste - erneut. Dabei spült der wieder deutlich erhöhte Ölpreis die Gewinne nur so in die Kassen der DRAG.
Und weshalb 2G Energy ordentlich abverkauft wurde, ist angesichts der hohen Ölpreise ebenfalls nicht wirklich nachvollziehbar.

Almonty Industries

Meine Wolfram-Spekulation Almonty kann weiter Pluspunkte verbuchen. Nachdem China seine Exportkontrollen für Seltene Erden und kritische Mineralien ja schon vor einiger Zeit deutlich verschärft hat, will nun auch Vietnam nachziehen. Rohstoffen, insbesondere Wolfram, soll für die inländische Raffination Vorrang eingeräumt werden, um die höherwertigen Wolframprodukte des Landes zu sichern. Damit würde das Angebot auf dem Weltmarkt nochmals deutlich verknappt werden, so dass bei dem hohen und steigenden Bedarf im Westen die Weltmarktpreise weiter Auftrieb bekommen dürften. Weshalb der Aktienkurs am Ende dann deutlicher ins Minus gerutscht ist, ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber das ist im Rohstoffbereich selten der Fall, weil es meistens nicht um Angebot von Produzenten und Nachfrage von Verarbeitern bzw. Kunden geht, sondern die Kurse überwiegend von Rohstoff-Händlern und -Spekulanten gemacht werden.

Wolfram bleibt kritisch knapp, die Preise damit tendenziell unter Hochdruck und Almonty wird durch das Hochfahren der Produktion in Sangdong künftig mehr Wolframerz produzieren - der Gewinn wird absehbar über die nächsten Quartale massiv zulegen, während die Kosten kaum zulegen dürften. Ich bin und bleibe hier sehr optimistisch.


Costco

Costco befindet sich einiger Zeit in einer Phase beschleunigtem Filialwachstums. Anfang dieses Jahres hatte CEO Ron Vachris erklärt, das Unternehmen strebe an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren jährlich 30 oder mehr Warenhäuser zu eröffnen. Das Filialwachstum könnte Standorte in Mexiko, Kanada, Asien, Europa, Australien und Neuseeland für künftige Warenhäuser umfassen. Und nun sollen allein in den kommenden zwei Monaten 14 neue Filialen eröffnet werden, wobei einige kleinere Standorte durch größere ersetzt werden sollen. Zu den Eröffnungen im November zählen auch vier kanadische Warenhäuser in Alberta und Ontario, die übrigen betreffen die USA.

Meine Einschätzung zu Costco: Costco läuft wie ein Uhrwerk und in der Erfolgsspur. Der Kurs bröckelte zuletzt fast täglich etwas ab und läuft damit der operativen Entwicklung entgegen. Hier zuzugreifen, sollte sich langfristig auszahlen...


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach einem starken Start ins 2. Quartal kosteten der Juni wieder kräftig Rendite und so schloss das 1. Halbjahr am Ende mit einem moderatem Plus ab. Seitdem schwankt meine Depot weiterhin deutlich, kann sich aber von der Nullmarke nicht wirklich deutlich absetzen. Die letzte Woche brachte wieder einen Rücksetzer um -2,75%.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei -2,75% (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.


Mein Investor-Update zum Q2/2026 - (nicht mehr ganz) brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.

Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

1 Kommentar: