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Freitag, 2. August 2013

Squeeze-out: wenn die Kasse zweimal klingelt

Wie sich mit Squeeze-outs sicher Geld verdienen lässt, habe ich ja bereits mehrfach angesprochen. Doch den dafür notwendige lange Atem - man muss die Aktien erwerben und so lange behalten, bis der Großaktionär die Entscheidung trifft, alle Aktien einsammeln zu wollen und das kann bisweilen mehrere Jahre dauern - haben nicht alle Anleger. Zumeist gibt es bei den entsprechenden Werten zwar eine satte Dividende, aber Geduld ist nicht jedermanns Sache.

Man kann sich den ganzen Aufwand, die lukrativen und wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Übernahme durch den Großaktionär allerdings auch sparen, indem man andere Leute die Arbeit verrichten lässt. Und das ist ganz einfach und die machen es sogar freiwillig: man muss lediglich Aktien einer börsennotierten Gesellschaft erwerben, die sich auf derartige Geschäfte spezialisiert hat. Und auf dem deutschen Kurszettel finden sich mehrere Werte, die das sehr transparent und überwiegend erfolgreich machen: die Allerthal-Werke AG, die Scherzer & Co. AG (die auch ein großes Paket von 24,99% an der Allerthal hält), die Shareholder Value Beteiligungen AG oder die Sparta AG. Zu erwähnen ist hier auch noch die Deutsche Balaton AG, allerdings empfinde ich deren Kommunikation mit dem Kapitalmarkt und deren Methoden als gelinde gesagt deutlich ausbaufähig und das Unternehmen für den Normalanleger daher nur bedingt investitionswürdig.

Alle drei genannten Unternehmen sind Beteiligungsgesellschaften, die sich überwiegend an börsennotierten Unternehmen aus Deutschland beteiligen und dabei gerne auf Sondersituationen setzen, wie eben Squeeze-outs. Als kürzlich der italienische Großaktionär den Squeeze-out für die Generali Deutschland verkündete, haben alle drei Beteiligungsgesellschaften davon profitiert, denn alle haben sie Generali seit Jahren in ihren Depots liegen (und in der Zwischenzeit satte Dividenden eingefahren). Und nun kommt die Zeit zum Ernten, denn nachdem die Scherzer & Co. AG sich mit der Mutter auf die Aktienübernahme geeinigt hatte, überschritt diese mit ihrem Anteil die nötige 95%-Marke und gab umgehend den Squeeze-out für die ausstehenden Aktien bekannt. Nun wird der Durchschnittskurs der letzten drei Monate als Abfindung gezahlt und vermutlich wird einer der Beteiligten dann ein Sprungstellenverfahren verlangen, um eine zusätzliche Abfindung zu erstreiten. Das Gute hieran ist, dass die Entscheidung der Spruchstelle allen betroffenen Minderheitsaktionären, die vom Squeeze-out betroffen waren, zugutekommt und das man die Aktien nicht mehr im Depot haben muss. Denn mit dem Squeeze-out werden diese vom übernehmenden Unternehmen eingezogen und man erhält im Gegenzug die Abfindung. Für die Nachbesserung wird also kein Kapital gebunden; dieses kann bereits woanders gewinnbringend investiert werden.

Sowohl die Shareholder Value AG als auch die Scherzer & Co. AG informieren monatlich über den fairen Wert bzw. Nettoinventarwert oder Net-Asset-Value ihrer Aktien. So gab die Scherzer & Co. AG für Juni einen NAV von 1,51 EUR an zzgl. einem Andienungsvolumen von 88 Mio. EUR oder 2,94 EUR je Aktie bekannt, wohingegen der aktuelle Aktienkurs bei 1,29 EUR liegt. Die zehn größten Aktienpositionen der Gesellschaft per 30. Juni 2013 waren (geordnet nach Positionsgröße auf Basis der aktuellen Kurse): MAN SE (Stämme), Generali Deutschland Holding AG, IBS AG, GK Software AG, WMF AG (Vorzüge), Allerthal-Werke AG, Biotest AG (Stämme), MAN SE (Vorzüge), InVision AG, Tipp24 SE und machen zusammen gut 46,5% des Portfolios der Scherzer & Co. AG aus.

Man bekommt also den Wert von 1,51 EUR für den Preis von 1,29 EUR, also mit einem Abschlag von 15%. Hinzu kommt das Andienungsvolumen von 2,94 EUR je Aktie - allerdings sind das nicht mögliche zusätzliche Einnahmen, sondern das gesamte Volumen von bereits erhaltenen Abfindungen, deren Höhe derzeit gerichtlich auf Angemessenheit überprüft wird. Wenn man hier die durchschnittlich erzielten Erträge von gut 15% ansetzt, ergäbe das über den Daumen gepeilt weitere 0,45 EUR je Aktie an Potenzial. Damit dürfte die Scherzer & Co. AG auf dem aktuellen Kursniveau eine attraktive Investitionsmöglichkeit sein, um von künftigen Squeeze-outs profitieren zu können, ohne selbst größeren Arbeitsaufwand hineinstecken zu müssen. Und der soeben erfolgte Generali-Deal hat der Scherzer & Co. AG einen Gewinn von rund 1,5 Mio. EUR eingebracht - in etwa die Hälfte des gesamten Jahresgewinns 2012. Und vor einigen Tagen hat das Unternehmen einen operativen Gewinn von 0,99 Mio. EUR (1,83 Mio. EUR) für das erste Halbjahr vermeldet, so dass der Gewinn je Aktie von 0,13 EUR aus 2012 im laufenden Jahr vermutlich deutlich übertroffen werden dürfte. Vorausgesetzt es kommt im weiteren Jahresverlauf nicht zu stärkeren Verwerfungen an den Aktienmärkten, denn einen erheblichen Teil seiner Gewinne erzielt Scherzer mit der Veräußerung seiner zuvor günstig(er) eingekauften Aktienpositionen. Bei einem EPS von 0,13 EUR beträgt das KGV knapp unter 10, bei einem EPS von 0,16 EUR (wie von Börse Online für 2014 erwartet) sogar nur noch 8.

Fazit
Scherzer ist eine interessante Spekulation und sollte langfristig ein einträgliches Investment sein.

1 Kommentar:

  1. Da wäre noch die Sparta AG zu nennen, allerdings eher undurchsichtig in den Transaktionrn, aber keinesfalls unseriös.

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