▶ ÜBERSICHT | THEMENSCHWERPUNKTE

▼

Sonntag, 1. November 2026

Kissigs Wochenrückblick 44/2026: Die Kurstreiber in meinem Depot waren Quanta Services, Comfort Systems, GE Aerospace, Rocket Lab und 2G Energy. Während BigTech strauchelte, versuchten sich meine KI-Schaufelverkäufer am Rebound- und auch mein alter neuer Luft - und Raumfahrtkonzern trumpfte mächtig auf

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung sowie altkluge Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Quanta Services +14,1 %
📈 Comfort Systems +6,1 %
📈 GE Areospace +5,9 %
📈 Rocket Lab +4,5 %
📈 2G Energy +4,2 %
📈 Vincorion +4,1 %
📈 KKR & Co. +3,6 %
📈 Deutsche Rohstoff +2,0 %
📈 Costco +1,7 %
📉 Almonty Industries -0,8 %

Die letzte Börsenwoche hatte es in sich. Während der DAX zeitweise über die Marke von 26.000 Punkten kletterte und auf Wochensicht deutlich zulegte, gerieten die US-Technologiewerte zum Wochenschluss kräftig unter Druck. Im Mittelpunkt standen die Zinsentscheidungen von Fed und EZB, die Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne und die wachsende Nervosität rund um die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz. Hinzu kam ein kräftiger Anstieg des Ölpreises, der die Inflationssorgen erneut anheizte.

KI: Under pressure

Die mit Abstand wichtigste Entwicklung an der Wall Street war die zunehmende Skepsis gegenüber der Wirtschaftlichkeit des KI-Booms. Die Milliardeninvestitionen werden zum Problem. Microsoft, Alphabet und Amazon legten ihre Quartalszahlen vor und bestätigten zwar die enorme Nachfrage nach Cloud- und KI-Dienstleistungen, zugleich rückten aber die gewaltigen Investitionssummen und der damit verbundene Mittelabfluss in den Vordergrund.

Insbesondere Alphabet und Amazon sorgten mit ihren Cashflow-Zahlen für Diskussionen. Anleger wollen nicht länger nur hören, wie viel Geld die Konzerne in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur stecken. Sie erwarten zunehmend einen Nachweis, dass sich diese Investitionen auch in entsprechend hohen Erträgen niederschlagen. Die Reaktion zeigt, dass der Markt bei den bisherigen KI-Gewinnern inzwischen sehr viel anspruchsvoller geworden ist.

Besonders dramatisch wurde es am Freitag bei Intel. Die Aktie brach um rund 29 % ein, nachdem der Konzern mit seinem Ausblick enttäuscht und vor einem erheblichen Mittelabfluss gewarnt hatte. Der Kurssturz zog weitere Chip- und Hardwarewerte nach unten und verdeutlichte, wie schnell sich die Stimmung im Technologiesektor drehen kann. Der Nasdaq verlor auf Wochensicht rund 2 %, der S&P 500 etwa 0,6 %. 

Fed und EZB halten still – doch die Inflationssorgen bleiben

Die US-Notenbank Fed beließ ihren Leitzins am Mittwoch bei 3,75 % bis 4,00 %. Das war weitgehend erwartet worden. Bemerkenswert war allerdings, dass zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses sogar für eine Zinserhöhung votierten. Die Fed machte deutlich, dass die Inflation weiterhin erhöht sei und sie sich deshalb nicht auf einen baldigen Lockerungskurs festlegen wolle. Das ist keine besonders gute Nachricht für hoch bewertete Wachstumsaktien, die besonders empfindlich auf steigende Finanzierungskosten und höhere Anleiherenditen reagieren.

Auch die EZB ließ am Donnerstag die Zinsen unverändert. Der Einlagensatz blieb bei 2,50 %. Christine Lagarde warnte vor den Risiken steigender Energiepreise und vermied eine Festlegung auf den weiteren Zinspfad. Für eine Überraschung sorgte allerdings ihre Ankündigung, bereits zum 7. Februar 2027 als EZB-Präsidentin zurückzutreten. Damit kommt auf die europäischen Währungshüter früher als erwartet eine wichtige Personalentscheidung zu.

Die Botschaft beider Notenbanken war ähnlich: Angesichts der geopolitischen Risiken und der hartnäckigen Inflation ist für vorschnelle Zinssenkungen kein Platz.

US-Konjunktur überrascht positiv – Deutschland kommt nur langsam voran

Die amerikanische Wirtschaft zeigte sich weiterhin erstaunlich robust. Das BIP wuchs im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 3,4 % und damit stärker als die erwarteten 3,0 %. Besonders der private Konsum und die Investitionen entwickelten sich dynamisch. Die PCE-Kerninflation, das von der Fed besonders aufmerksam beobachtete Inflationsmaß, stieg allerdings auf 3,1 %. Damit bleibt die Geldpolitik in einem schwierigen Spannungsfeld: Die Konjunktur benötigt keine unmittelbare Unterstützung, während die Inflation weiterhin gegen schnelle Zinssenkungen spricht.

In Deutschland fiel das Bild deutlich ernüchternder aus. Das Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal lediglich um 0,2 % zu. Immerhin wurde das Ergebnis des Vorquartals auf plus 0,3 % nach oben korrigiert. Das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich leicht auf 90,2 Punkte, doch die Geschäftserwartungen bleiben schwach. Eine nachhaltige wirtschaftliche Trendwende lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Etwas Entlastung kam von der Inflationsfront: Die deutsche Teuerungsrate sank im Oktober auf 2,8 %, nach 3,3 %im September. Allerdings verteuerte sich Energie weiterhin deutlich. 

Ölpreis steigt auf den höchsten Stand seit April

Die geopolitische Lage am Persischen Golf entwickelte sich erneut zu einem erheblichen Belastungsfaktor. Die Spannungen rund um den Iran und die Straße von Hormus verschärften sich. Meldungen über Angriffe auf Tanker und die Bedrohung der wichtigen Schifffahrtsroute schürten die Angst vor einer weiteren Einschränkung der globalen Ölversorgung.

Der Brent-Ölpreis kletterte zum Wochenschluss auf 117,64 Dollar je Barrel und erreichte damit den höchsten Schlussstand seit April. Das ist vor allem für Europa eine unangenehme Entwicklung: Höhere Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher, treiben die Produktionskosten und erschweren es den Notenbanken, die Inflation einzudämmen.

Damit wird der Ölpreis zunehmend zu einem eigenständigen Risikofaktor für die Aktienmärkte. Besonders energieintensive Branchen und konjunktursensible Unternehmen geraten dadurch unter Druck, während Ölproduzenten und Teile des Energiesektors profitieren. 

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 21 auf 26 Punkte weiter leicht angestiegen und signalisiert nun wieder "Angst", nachdem er zuvor "extreme Angst" war.


Nun der Blick in mein Depot, das in der letzten Woche eine starke Erholung zeigte, nachdem es zuvor wochenlang immer weiternachgegeben hatte.

Stark, stärker, Quanta Services 

Quanta Services kümmert sich um die Energieinfrastruktur. Der US-Konzern plant, baut und wartet Stromnetze, Übertragungsleitungen und weitere kritische Infrastruktur. Er profitiert damit sowohl vom wachsenden Strombedarf der Rechenzentren als auch vom all-gemeinen Modernisierungsbedarf der amerikanischen Energieversorgung.

Die Zahlen für das dritte Quartal 2026 fallen entsprechend kräftig aus. Der Umsatz sprang gegenüber dem Vorjahr um rund 57 % auf 12,01 Mrd. Dollar, der Nettogewinn stieg von 339,4 auf 694,9 Mio. Dollar und das bereinigte Ergebnis je Aktie erhöhte sich von 3,33 auf 6,06 Dollar. Besonders eindrucksvoll ist der Auftragsbestand: Die gesamten Aufträge und vertraglich vereinbarten Leistungen erreichten den Rekordwert von 63,7 Mrd. Dollar.

Der Zusammenhang mit dem KI-Boom ist nicht unmittelbar, aber dennoch bedeutend. Große Rechenzentren benötigen gewaltige Mengen an Strom. Die Betreiber müssen deshalb nicht nur Gebäude errichten und Server installieren, sondern auch neue Anschlüsse schaffen, Umspannwerke bauen und die Kapazität der Stromnetze erweitern. In vielen Regionen der USA wird der Netzausbau zunehmend zu einem Engpass für neue Rechenzentrumsprojekte.

Genau hier setzt Quanta an. Das Unternehmen verfügt über spezialisierte Arbeitskräfte, technische Erfahrung und die Fähigkeit, komplexe Infrastrukturprojekte in großem Maßstab umzusetzen. Solche Kapazitäten lassen sich nicht kurzfristig beliebig vervielfachen. Qualifizierte Fachkräfte, Genehmigungen, Material und Planungskapazitäten sind knapp. Das stärkt die Marktposition etablierter Anbieter.

Zudem ist Quanta nicht ausschließlich vom Bau neuer KI-Rechenzentren abhängig. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung der Wirtschaft, die Modernisierung veralteter Stromnetze und der steigende Energiebedarf anderer Industrien sorgen für zusätzliche Nachfrage. Diese Diversifizierung macht das Geschäftsmodell robuster, als es eine reine Wette auf den KI-Boom wäre.

Das Management hat nach dem starken Quartal seine Jahresprognose erneut angehoben. Für 2026 werden nun 41,3 bis 41,6 Mrd. Dollar Umsatz (+4,9 %) sowie ein bereinigter Gewinn je Aktie von 17,90 bis 18,30 Dollar (+9,4 %) erwartet. Für 2027 sieht das Unternehmen weiterhin die Chance auf ein deutlich zweistelliges Wachstum des bereinigten Gewinns je Aktie.

Mein Fazit: Quanta Services profitiert damit nicht nur von den heutigen Investitionen in Rechenzentren. Das Unternehmen verdient auch an den infrastrukturellen Konsequenzen, die der wachsende Strombedarf langfristig nach sich zieht.

Ich bin hier schon länger investiert und sehe keinen Grund, weshalb ich das nicht noch einen lange Zeit bleiben sollte. Der zugrundeliegende Megatrend Ausbau der Energieinfrastruktur wird noch lange anhalten und Quanta wird profitieren. Lediglich die zuweilen etwas vorauseilende Bewertung ist und bleibt ein Hemmschuh. Aber dank des starken und profitablen Wachstums, wächst Quanta schnell wieder in höhere Bewertungen hinein.

Wieder an Bord bei GE Aerospace

GE Aerospace
hat die Lizenz zum Gelddrucken. Wer ein Verkehrsflugzeug besteigt, denkt meist an die Fluggesellschaft, den Flugzeughersteller oder den Ticketpreis. Aus Anlegersicht lohnt sich jedoch ein Blick auf den Akteur hinter den Fluggesellschaften: den Triebwerkshersteller. Denn während Airlines im Wettbewerb um Passagiere häufig unter erheblichem Kostendruck stehen, verdient ein Unternehmen wie GE Aerospace nicht nur am Verkauf seiner Triebwerke, sondern über Jahrzehnte hinweg an deren Wartung, Reparatur und Ersatzteilen. Genau darin liegt die besondere Qualität dieses Geschäftsmodells.

Ein Schlüsselspieler der globalen Luftfahrt

GE Aerospace ist seit April 2024 ein eigenständiges Unternehmen, nachdem der frühere Mischkonzern General Electric seine Aufspaltung abgeschlossen hatte. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Flugzeugtriebwerken und ist sowohl in der zivilen Luftfahrt als auch im Verteidigungsgeschäft tätig. Seine wichtigsten Wettbewerber sind der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce und Pratt & Whitney, eine Tochter des US-Konzerns RTX. Im Gemeinschaftsunternehmen CFM International arbeitet GE Aerospace zudem mit dem französischen Triebwerkshersteller Safran zusammen.
Das Geschäft ruht im Wesentlichen auf zwei Säulen. Der Bereich Commercial Engines & Services entwickelt und produziert Triebwerke für Verkehrsflugzeuge und kümmert sich anschließend um deren Wartung und Instandhaltung. Zu den bedeutenden Programmen gehören die LEAP-Triebwerke für moderne Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge sowie die GEnx-Triebwerke für Langstreckenmaschinen. Hinzu kommen leistungsstarke Triebwerke für militärische Anwendungen, darunter das F414, das unter anderem Kampfflugzeuge antreibt.

Die zweite Säule, Defense & Propulsion Technologies, umfasst militärische Triebwerke, Antriebstechnologien und weitere Komponenten. Damit profitiert GE Aerospace nicht nur vom weltweiten Flugverkehr, sondern auch von steigenden Verteidigungsausgaben und der Modernisierung militärischer Flugzeugflotten. Die Kombination aus ziviler Luftfahrt, langfristigen Wartungsverträgen und Verteidigungsgeschäft sorgt für eine vergleichsweise breite Nachfragebasis. 

Der Moat: Wer einmal drin ist, bleibt oft jahrzehntelang dabei

Der Wettbewerbsvorteil von GE Aerospace ist außergewöhnlich stark, weil sich in dieser Branche technologische Komplexität, hohe Entwicklungskosten, strenge Zulassungsverfahren und langfristige Kundenbeziehungen gegenseitig verstärken. Ein modernes Flugzeugtriebwerk besteht aus Tausenden hochpräziser Komponenten, die unter extremen Temperaturen, Drücken und mechanischen Belastungen zuverlässig funktionieren müssen. Schon kleinste Verbesserun-gen bei Verbrauch, Gewicht, Lebensdauer oder Wartungsintervallen können für Fluggesellschaften erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Neue Triebwerke zu entwickeln, kostet Milliardenbeträge und nimmt viele Jahre in Anspruch. Hinzu kommen umfangreiche Sicherheitsprüfungen und behördliche Zulassungen. Wer einen neuen Wettbewerber aufbauen möchte, braucht deshalb nicht nur Kapital und Ingenieurwissen, sondern auch eine langjährige Erfolgsbilanz und das Vertrauen der Flugzeughersteller, Airlines und Aufsichtsbehörden. Diese Hürden lassen sich nicht einfach durch niedrigere Preise überwinden.

Besonders wertvoll ist die enge Verzahnung zwischen Triebwerk und Flugzeug. Flugzeughersteller stimmen ihre Konstruktionen auf bestimmte Triebwerke ab, während Airlines ihre Flotten, Ersatzteilbestände, Wartungsprozesse und das Training ihrer Techniker darauf ausrichten. Ein Wechsel zu einem anderen Triebwerk ist daher nicht mit dem Austausch eines gewöhnlichen Zulieferers vergleichbar. Er kann eine völlig neue Flugzeugkonfiguration voraussetzen und hohe zusätzliche Kosten verursachen.

Dieser sogenannte Lock-in-Effekt verschafft GE Aerospace einen strukturellen Vorteil. Der Moat ist zwar nicht unangreifbar im wörtlichen Sinne: Rolls-Royce, Pratt & Whitney und Safran sind ebenfalls leistungsfähige Wettbewerber, und technische Probleme können teuer werden. Doch die Kombination aus Technologie, Zulassungen, installierter Basis und Kundenbindung macht es außerordentlich schwer, GE Aerospace in seinen Kernmärkten zu verdrängen.

Das eigentliche Gold liegt im Aftermarket

Für langfristig orientierte Anleger ist das Wartungs- und Servicegeschäft besonders interessant. Ein neu verkauftes Triebwerk ist nämlich nicht das Ende der Kundenbeziehung, sondern häufig erst deren Anfang. Über die gesamte Lebensdauer eines Triebwerks fallen regelmäßig Inspektionen, Reparaturen, Überholungen und der Austausch verschlissener Bauteile an. Hinzu kommen Ersatzteile und technische Dienstleistungen.

Diese Arbeiten sind sicherheitskritisch und erfordern spezialisiertes Personal, umfangreiche Dokumentation sowie zertifizierte Verfahren. Fluggesellschaften können es sich kaum leisten, Wartungsintervalle beliebig zu verlängern oder bei sicherheitsrelevanten Komponenten auf ungeprüfte Alternativen auszuweichen. Gleichzeitig bedeutet jedes Flugzeug, das im Einsatz bleibt, potenziellen Servicebedarf für den Hersteller.

Der entscheidende Unterschied zum Neugeschäft liegt in der Planbarkeit. Der Verkauf neuer Triebwerke hängt stark von Flugzeugbestellungen, Produktionskapazitäten der Flugzeugbauer und dem Investitionsverhalten der Airlines ab. Das Servicegeschäft profitiert dagegen vom bereits vorhandenen Triebwerksbestand. Selbst wenn weniger neue Flugzeuge ausgeliefert werden, müssen die bestehenden Maschinen weiter gewartet werden.

GE Aerospace verfügt über eine riesige installierte Basis von Triebwerken und langfristige Serviceverträge. Zum Ende des dritten Quartals 2026 bezifferte das Unternehmen seinen Auftrags-bestand im kommerziellen Servicegeschäft auf mehr als 170 Mrd. Dollar. Für 2027 erwartet das Management ein Wachstum der kommerziellen Serviceerlöse im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. 

Das ist die besondere Qualität des Geschäftsmodells: Ein heute ausgeliefertes Triebwerk kann über viele Jahre hinweg Folgeumsätze generieren. Die Kundenbeziehung ist langfristig, die technischen Anforderungen sind hoch und die Wechselbereitschaft entsprechend gering. Mit wachsender installierter Basis wächst damit auch das Potenzial für künftige Wartungs- und Ersatzteilumsätze.

Allerdings ist auch dieses Geschäft nicht völlig frei von Risiken. Wartungsarbeiten können sich zeitlich verschieben, wenn Flugzeuge stillstehen oder Airlines ihre Flotten anders einsetzen als erwartet. Engpässe bei Ersatzteilen und Werkstattkapazitäten können zudem verhindern, dass die Nachfrage unmittelbar in Umsatz und Gewinn umgesetzt wird. Gerade deshalb investiert GE Aerospace in zusätzliche Kapazitäten und die Verbesserung seiner Lieferketten.

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen die operative Stärke

Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 unterstrichen die positive Geschäftsentwicklung. Der Auftragseingang stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 49 % auf 19,0 Mrd. Dollar. Der ausgewiesene Umsatz erhöhte sich um 16 % auf 14,1 Mrd. Dollar, während der bereinigte Umsatz um 18 % auf 13,3 Mrd. Dollar zulegte.

Besonders überzeugend entwickelte sich das operative Ergebnis: Der bereinigte operative Gewinn kletterte um 30 % auf rund 3,0 Mrd. Dollar und die entsprechende Marge verbesserte sich von 20,3 % auf 22,5 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich sogar um 36 % auf  2,25 Dollar.

Im Segment Commercial Engines & Services legte der Umsatz um 21 % auf 10,3 Mrd. Dollar zu. Das Servicegeschäft profitierte von höheren Wartungsvolumina und steigenden Ersatzteilumsätzen; zugleich wuchs der Umsatz mit neuer Triebwerkstechnik. Das Verteidigungs- und Antriebsgeschäft steigerte seinen Umsatz um sieben Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar.

Allerdings entwickelten sich nicht alle Kennzahlen entwickelten positiv. Der operative Cashflow sank gegenüber dem Vorjahreswert um 14 % auf 2,2 Mrd. Dollar und auch der freie Cashflow ging um 14 % auf rund 2,0 Mrd. Dollar zurück. Das zeigt, dass starkes Gewinnwachstum nicht automatisch einen höheren Zahlungsmittelzufluss bedeutet. Für Anleger bleibt deshalb wichtig, ob GE Aerospace seine steigenden Gewinne nachhaltig in freien Cashflow umwandeln kann.

Also blicken wir mal genauer auf die Cashflow-Entwicklung. Das Management erklärte den Rückgang mit temporären Effekten im Betriebskapital (Working Capital) durch Produktionshochlauf und zur Abdeckung von Lieferkettenengpässen. Zudem habe es einen Anstieg der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen durch zeitliche Verschiebungen bei der Rechnungsstellung bei Wartung und Reparatur gegeben und höhere Außenstände von Flugzeugbauern.

Alles plausible Erklärungen und keine Warnsignale. Da die Leistung in den ersten neun Monaten insgesamt stark blieb (+13 % beim freien Cashflow), hob der Konzern seine Prognosen für das Gesamtjahr 2026 an. Rückenwind kommt dabei nicht nur aus dem Servicegeschäft, sondern auch aus einer hohen Nachfrage nach neuen Triebwerken. Zusätzlich vereinbarte GE Aerospace die Übernahme des Präzisionsgussspezialisten Consolidated Precision Products für rund 11,75 Mrd. Dollar. Damit will der Konzern seine Fertigungskapazitäten für besonders anspruchsvolle Triebwerkskomponenten ausbauen und Engpässe in der Lieferkette verringern. 

Ein Qualitätsunternehmen mit langfristigem Wachstumspotenzial

GE Aerospace vereint mehrere Eigenschaften, die langfristig orientierte Anleger schätzen: technologische Eintrittsbarrieren, eine starke Marktposition, hohe Wechselkosten und ein lukratives Aftermarketgeschäft. Die installierte Basis schafft wiederkehrende Erlöse, während neue Triebwerksgenerationen und steigende Flugverkehrsnachfrage zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. Das Verteidigungsgeschäft ergänzt dieses solide Fundament.

Die entscheidende Stärke liegt darin, dass GE Aerospace nicht bei jedem Kundenkontakt erneut um einen Auftrag kämpfen muss. Ist ein Triebwerk erst einmal im Einsatz, entstehen über viele Jahre hinweg weitere Umsatzmöglichkeiten. Dieser Mechanismus macht das Geschäftsmodell widerstandsfähiger und verleiht ihm eine besondere wirtschaftliche Qualität.

Genau auf diesen Aspekt, den gewaltigen und kaum zu überwindenden ökonomischen Burggraben fokussiert sich Starinvestor Chris Hohn bei seinen Investments. Sein Hedgefonds TCI schnitt seit Auflegung 2003 knapp doppelt so gut ab wie der S&P 500 Index und Ende Juni wies Hohn GE Aerospace als seine größte Beteiligung mit einer Gewichtung von mehr als einem Drittel aus. Dabei ist er noch gar nicht so lange an Bord, denn er kaufte sich erst Anfang 2023 ein, als der Turnaround unter Larry Culp absehbar wurde. Seitdem hat sich der Aktienkurs annähernd vervierfacht und diese Kurssteigerungen trugen maßgeblich dazu bei, dass GE Aerospace so dominant an die Spitze seines Portfolios strebte.
Mein Fazit: Das Unternehmen ist kaum zu bezwingen und wird absehbar in den nächsten Jahren hervorragende Geschäfte machen. Die Aktie ist aber deshalb nicht zwangsläufig ein Selbstläufer. Denn die starke Marktstellung und die solide operative Entwicklung sind der Börse natürlich nicht verborgen geblieben und daher preist der Aktienkurs schon einiges an Vorschusslorbeeren ein. Daher stellen (zu) hohe Erwartungen, Produktionsengpässe, technische Probleme und die hohen Investitionen in neue Technologien relevante Risiken da, die den Kurs drücken können.

Darüber hinaus muss sich der jüngste milliardenschwere Zukauf sich wirtschaftlich auszahlen. Larry Culp hat bewiesen, dass er ein herausragender Manager ist, und es dürfte sich auch hier lohnen, seinem Urteil zu vertrauen. Die nächsten Quartale werden Zeugnis über den Erfolg ab-legen - oder den Misserfolg.

Positiv schlägt zubuche, dass GE Aerospace über einen der strukturell attraktivsten Wettbewerbsvorteile der industriellen Luftfahrt verfügt, weil man nicht nur an Bau neuer Flugzeuge profitiert, sondern vor allem daran, dass sie über Jahrzehnte zuverlässig fliegen müssen und die staatlichen Kontrollreglements für GE Aerospace quasi eine Lizenz zum Gelddrucken sind. Und das sollte sich langfristig auch für die Aktionäre weiter ordentlich auszahlen. Also jetzt auch (wieder) für mich, denn ich habe den Kursrücksetzer wieder zum Einstieg in dieses hervorragende Qualitätsunternehmen genutzt. Endlich...


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10 % zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5 %. Nach einem starken Start ins 2. Quartal kosteten der Juni wieder kräftig Rendite und so schloss das 1. Halbjahr am Ende mit einem moderatem Plus ab. Nachdem das 3. Quartal bei -4,75 % aus dem Rennen ging, folgte zum Start ins 4. Quartal eine deutliche Erholung, aber dann ging es heftig abwärts. Die letzte Woche brachte nun eine deutliche Erholung um +4,0 %. Happy Halloween! 

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei -8,75 % (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.


Mein Investor-Update zum Q3/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.

Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen