Freitag, 2. Oktober 2026

[Kissigs 13F] Mein Investor-Update Q3/26 mit Quanta Services, KKR, Almonty, Deutsche Rohstoff AG, Costco, 2G Energy, Comfort Systems, Rheinmetall, Rocket Lab und Vincorion

Mein Investor-Update zum Ende des 2. Quartals '26

In meinen Investor-Updates blicke ich jeweils zum Ende eines Quartals auf die vergangenen Monate zurück und präsentiere euch die Top-Werte in meinem Investmentdepot; es ist in gewisser Weise "mein persönliches 13F". Des Weiteren beschäftige ich mich gegebenenfalls auch mit Unternehmen, die ich hier im Blog noch nicht vorgestellt habe, die jedoch bereits den Weg in mein Depot gefunden haben.

Investor-Update reloaded | Ausgabe 33

Meine Investor-Updates zum Quartalsende sind für mich immer ein willkommener Anlass, auf die vergangenen drei Monate zurückzublicken und meine Einschätzung zu meinen gewichtigsten Depotwerten zu aktualisieren.

▶ Mr. Market & The Fairy Tale of Fear and Greed

Das 3. Quartal 2026 liegt nun hinter uns und die vergangenen drei Monate waren an den Finanzmärkten vor allem von Geopolitik, Energiepreisen, Handelspolitik und der Rückkehr der Inflationssorgen geprägt. In den USA blieb Donald Trumps Wirtschaftspolitik ein zentraler Faktor. Seine protektionistische Handelspolitik sorgte für anhaltende Unsicherheit für Unternehmen und internationale Lieferketten. Gegenüber Europa gilt seit dem 1. Juli ein Handelsabkommen mit einem Zollsatz von grundsätzlich bis zu 15% auf viele EU-Exporte in die USA, während die EU  ihre eigenen Ausgleichsmaßnahmen zunächst weiter ausgesetzt hat. Das hindert Trump selbstverständlich nicht, bei jeder unliebsamen Bewegung der Europäer sofort mit neuen Strafzöllen zu drohen.

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist wieder hochgekocht. Nachdem die Kampfhandlungen Anfang Juli wieder aufgenommen worden waren, blieb insbesondere die Sicherheit der Energieversorgung ein wichtiger Unsicherheitsfaktor, denn der Anstieg der Ölpreise wirkt sich unmittelbar auf die Inflationsentwicklung aus. Für Europa ist dies besonders problematisch, weil die Region stark von Energieimporten abhängig ist.
In den USA zeigte sich die Wirtschaft trotz der kräftig gestiegenen Energiepreise und insgesamt anziehender Preise erstaunlich robust. Konsum, Bruttoinlandsprodukt und Investitionen, insbesondere in die Infrastruktur rund um künstliche Intelligenz, entwickelten sich vergleichsweise dynamisch. Der amerikanische Warenhandelsbilanzsaldo weitete sich im August allerdings auf 132,6 Mrd. Dollar aus, wobei vor allem höhere Importe von industriellen Vorprodukten und Investitionsgütern ins Gewicht fielen. Die Kombination aus robustem Wachstum und wieder höheren Inflationsrisiken erschwerte der Federal Reserve die Geldpolitik, doch im September erhöhte die Fed schließlich doch den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75% bis 4,00%.

Auch Europa musste sich auf ein schwierigeres Zinsumfeld einstellen. Die EZB erhöhte im September ihre drei Leitzinsen um 25 Basispunkte und verwies insbesondere auf die durch den Nahostkonflikt ausgelösten Energiepreissteigerungen. Gleichzeitig erwies sich die Eurozone konjunkturell als widerstandsfähiger als zunächst erwartet. Die EZB rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 0,9% und für 2027 mit 1,4%. Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und KI stützen dabei zunehmend die Wirtschaft, während die hohen Energiepreise sich immer mehr zum Standortbelastungsfaktor entwickeln; nicht nur die Chemie-, Stahl- und Autobranche haben mir gewaltigem Gegenwind zu kämpfen.
An den Börsen prallten diese Entwicklungen aufeinander. Der KI-Boom sorgte weiterhin für hohe Investitionen und stützte insbesondere US-Technologieaktien. Gleichzeitig belasteten steigende Anleiherenditen die Bewertungen. Im September stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen besonders stark, während auch europäische Staatsanleihen unter Druck gerieten. Der S&P 500 und der Nasdaq beendeten das dritte Quartal dennoch mit Gewinnen, während der Dow Jones im Quartal nachgab. Allerdings können vor allem Chipwerte Gewinne vorweisen und zuletzt auch wieder die Magnificent 7, während der Rest eher vor sich hinsiecht oder ordentliche Kursrückgänge zu verzeichnen hat.

Die vergangenen drei Monate waren damit vor allem ein Wechselspiel zwischen KI-Euphorie, geopolitischen Risiken, steigenden Energiepreisen und der Erkenntnis, dass die erhoffte schnelle Rückkehr zu deutlich niedrigeren Zinsen schwieriger werden könnte. Ängste vor einem "neuen 2022" werden lauter und auch mein Depot gab deutlich nach.
"Sell in May" wäre in diesem Jahr zur Abwechslung mal ein finanziell lohnender Move gewesen. Aber, wie Ken Fisher schon Anfang des Jahres erklärte, Midterm-Wahljahre in den USA schließen fast immer mit satten Kurszuwächsen ab - mit einer Rallye unmittelbar nach dem Wahltermin im November. Zudem ist am 1. Oktober die renditestärkere Börsenjahreshälfte gestartet. Es kann also noch ein erfolgreiches Börsenjahr werden...

▶ Meine Investmentstrategie: Focused Quality Growth Investing

Stock-Picking bleibt der Schlüssel zum nachhaltigen Börsenerfolg. Jedenfalls in meiner Welt abseits der ETFs, Edelmetalle und Kryptowährungen. Ich konzentriere mich auf die Unternehmen, nicht auf ihren Aktienkurs und ich messe auch dem Gesamtmarkt nicht allzu viel Bedeutung bei.

»Spiele werden von denen gewonnen, die auf das Spielfeld achten und nicht auf die Anzeigetafel.« 

Ich verfolge einen gemischten Bottom-Up-Top-Down-Ansatz, bei dem ich einerseits auf makroökonomische Trends setze, andererseits mir innerhalb dieser Trends dann die am besten positionierten und/oder bewerteten Unternehmen herauspicke. Ich versuche also, mich nicht gegen den Markt zu stellen, sondern von seinen (irrationalen) Eskapaden gegebenenfalls zu profitieren. Soweit der Plan...

»In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Praxis schon.«
(Yogi Berra)

Die sechs Säulen meiner Investmentstrategie:

1. Qualitätsunternehmen mit Burggraben
Bei meinen Investments setze ich vor allem auf Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben und das führt zu soliden und meistens überdurchschnittlichen Ergebnissen.

»Wir denken über zwei Dinge nach: Qualität und Preis. Aber wir denken über Qualität nach, bevor wir über den Preis nachdenken. Wir versuchen, hervorragende Unternehmen zu kaufen, die von hervorragenden Managern geführt werden.«
(Chris Bloomstran)
2. Growth at a reasonable Price (GARP)
Ich bevorzuge Unternehmen mit Umsatz- und Gewinnwachstum, wobei ich den Schwerpunkt auf den Cashflow lege. Unternehmen, die wachsen und ihre Margen verbessern, spielen auch für ihre Aktionäre überdurchschnittliche Ergebnisse ein. Man muss "nur" geduldig sein und den Unternehmen Zeit geben, ihre Stärken ausspielen zu können.

»Wenn Sie über die großen Wachstumsunternehmen von heute sprechen, ist der Ansatz "günstig einkaufen, ein Kursziel festlegen, verkaufen, wenn es steigt, und vollständig aussteigen, wenn es das Ziel erreicht" völlig falsch. Ein leidenschaftsloser Blick auf die Geschichte macht deutlich, dass es oft ein Fehler war, in einem schnell wachsenden Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen Gewinne mitzunehmen. Angesichts der Eigenschaften der heute führenden Unternehmen kann es jetzt noch falscher sein. Stattdessen müssen Sie sich vom Verkauf abhalten.«
(Howard Stanley Marks)
Das Pareto-Prinzip hat sich bewährt, auch beim Investieren. Es gibt keine absoluten Gewissheiten, nur Wahrscheinlichkeiten. Wer nur dann investiert, wenn jeder Zweifel beseitigt und jedes Risiko ausgeschlossen ist, investiert... nie. Irgendwas ist immer. Das sollte muss man akzeptieren. Aber nicht ignorieren. Man muss die Schwachpunkte eines Unternehmens, seines Investmentcases identifizieren und analysieren. Und entscheiden, ob man damit leben kann und ob es eine Rolle spielt für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens und damit des Investments. Das gilt sowohl für neue Ideen wie auch für liebgewonnene Langfristpositionen im Depot. Vor allem bei diesen muss man ab und zu mal einen "Realitätscheck" machen, damit sich um ein früheres Top-Investment nicht schleichend zum Flop-Investment entwickelt.
 
»Die Zukunft ist niemals klar: Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen. Unsicherheit ist deshalb der Freund von Langfristinvestoren.«
(Warren Buffett)
4. Focus Investing
Daneben folge ich dem Ansatz des Focus Investing und setze nur auf die besten Unternehmen, anstatt blind breit zu streuen. Bei jeder neuen Idee überlege ich, ob diese Aktie besser ist als die in meinem Depot. Und sie muss schon viel aussichtsreicher sein, denn das Unternehmen ist neu (für mich), ich kenne es noch nicht so gut und weiß nicht, ob mein Investmentcase valide ist. Und ob ich wirklich auf das Management setzen kann. Das zeigt erst die Zeit und das bedeutet, dass jede neue Investmentidee ein höheres Risiko darstellt als meine Bestandsinvestments. Also muss sie auch viel höhere Chancen bieten, um Einlass ins Depot zu finden. Dass ich kein/kaum Cash halte, ist hierbei ein (weitere) Vorteil, denn ich muss noch die zusätzliche Hürde überwinden, eines meiner Depotunternehmen zu verkaufen oder zumindest zu reduzieren, um mir das nötige Geld für den Neukauf zu besorgen. Das hilft mir, mich nicht (zu sehr) zu verzetteln.

»Diversifikation in großem Stil ist ein Fehler. Wenn Sie sich wirklich mit Unternehmen auskennen, sollten Sie wahrscheinlich nicht mehr als sechs davon besitzen. Wenn Sie sechs wunderbare Unternehmen ausfindig machen können, ist das alles, was Sie an Diversifikation brauchen. (...) Eine Politik der Portfoliokonzentration kann das Risiko verringern, wenn sie sowohl die Intensität, mit der ein Anleger über ein Unternehmen nachdenkt, als auch das Komfortniveau erhöht, das er vor dem Kauf empfinden muss.«
(Warren Buffett)
5. Buy & Hold
Es gibt sie, die High Quality-Unternehmen. Aber nicht so viele, wie man annimmt. Und sie entwickeln sich nicht zu jeder Zeit herausragend, auch sie haben mal Durststrecken und müssen Rückschläge verkraften. Das gilt auch für Kursentwicklung. Es ist eine Herausforderung, sie zu finden und in sie zu investieren (weil sie meistens teuer sind aussehen), aber der wirklich schwierige Teil kommt nach dem Kauf: das Behalten. Denn es gibt bereits beim Kauf auch negative Aspekte, die gegen das Unternehmen und das Investment sprechen. Und auch während die Aktie im Depot liegt, gibt es Gegenwind, mal schwächer, mal stärker. Es kommt entscheidend darauf an, sich nicht beirren und aus der Aktie vertreiben zu lassen, so lange sich das Unternehmen grundsätzlich in die richtige Richtung entwickelt und der ursprüngliche Investmentcase nicht über den Haufen geworfen wurde.

»Um einen Multibagger im Portfolio zu bekommen, muss man einen Multibagger im Portfolio halten. Halten kann qualvoll sein. Besonders Gewinner. (...) Für einen Multi-Bagger im Depot müssen Sie an einer Aktie festhalten, die billig, teuer, gehasst und geliebt sein wird.«
6. Cash is Trash!
Ich bin gerne voll investiert, weil sich nach meiner Erfahrung eine hohe Cash-Quote nur in der Theorie auszahlt (für günstige Nachkäufe), in der Praxis aber auf lange Sicht Rendite kostet. Denn die sich bietenden Nachkaufchancen nutzt man dann doch nicht und somit verschimmelt das Geld dauerhaft und unnötig unrentabel auf dem Konto. Folglich habe ich die Abstürze 2018, 2020, 2022 sowie den "Flash-Crash" im August 2024 und den "Tromp-Zollkriegs-Crash" im April 2025 voll mitgemacht - dann aber auch bei den anschließenden Erholungsrallyes nicht nur von der Seitenlinie aus zugeschaut.
 
»Ich halte niemals Barmittel, denn Barmittel aufzubauen würde bedeuten, aus dem Markt auszusteigen. Meine Vorstellung ist es, für immer im Markt zu bleiben und Aktien abhängig von der fundamentalen Lage umzuschichten.«
(Peter Lynch)
Opportunitätskosten machen den einen Unterschied!
Charlie Munger sagte einst: "Intelligente Menschen treffen Entscheidungen auf der Basis von Opportunitätskosten". Kein sofort eingänglicher Gedanke, sondern vielmehr vertieftes Nachdenken erfordert. Instinktiv wende ich ihn jedoch bereits seit einigen Jahren und zunehmend an. Opportunitätskosten sind die Renditenerwartungen, die man mit einer alternativen Geldanlage hätte verdienen können. Erzielt man 10% Rendite, klingt das toll. Hätte man aber mit seiner zweitbesten Idee 15% eingefahren, waren die 10% kein gutes Geschäft.

Und wie macht das bei mir den einen Unterschied? Nun, bei jeder neuen Idee für ein Investment wäge ich dies gegen meine bereits bestehenden Positionen ab. Da ich stets voll investiert bin, muss ich ohnehin erstmal Geld freischaufeln, um etwas Neues kaufen zu können. Und das tue ich nur (noch), wenn die neue Idee, das neue Unternehmen ein deutlich besseres Chance-Risiko-Verhältnis aufweist. Ansonsten gibt es keinen Grund, meine Beteiligungen anzufassen - ggf. stocke ich sie sogar weiter auf.

Positiver Nebeneffekt des Opportunitätskosten-Ansatzes ist, dass ich so laufend meine Bestandspositionen und den ihnen zugrundeliegenden Investmentcase überprüfe und auf Lücken, Fehler, negative Entwicklungen abklopfe. Im Ergebnis haben sich meine Transaktionen in den letzten Jahren immer weiter reduziert, während sich die Ergebnisse verbessert haben. Eine sehr erfreuliche Entwicklung, die ich aber im Blick behalten werde, ob und in wie weit sie sich auf längere Sicht schlägt.

Und noch ein bisschen mehr...
Neben den Quality Investments liegt mein Interessenschwerpunkt auf Deutschen Nebenwerten und abgerundet wird das Ganze mit einigen aussichtsreichen Turnaround-Spekulationen. Wenngleich mit den "heißen Wetten" natürlich größere Kursgewinne eingefahren werden können, jedenfalls für eine gewisse Zeit und durch ein viel höheres Risiko erkauft. Daher nehmen solche spekulativeren Werte nur kleine Positionen in meinem Depot ein, denn man braucht viel Geduld und muss auch zwischenzeitliche Rückschläge durchstehen.

▶ Mein Investmentdepot

Investmentdepot inkl. Cash per 30.09.2026
Nun kommen wir aber zu den wesentlichen Veränderungen und Positionen in meinem Investmentportfolio: Am Ende des Quartals waren meine größten Positionen Quanta Services, KKR, Almonty, Deutsche Rohstoff AG, Costco, 2G Energy, Comfort Systems, Rheinmetall, Rocket Lab und Vincorion.  Damit gibt es keine neuen Werte in meiner Top 10, aber drei Abgänge sowie einige Verschiebungen bei der Gewichtung. Mit jetzt nur noch 10 Werten ist mein Depot nochmal stärker fokussiert.

Meine 3 Top-Performer waren Vincorion (+2,25%), Deutsche Rohstoff (+0,25%) und Costco (-0,75).
Meine 3 Flop-Performer waren Rocket Lab (-28%), Almonty (-15,5%) und 2G Energy (-1,45%).


Mein Depot ist nicht nur hinsichtlich der Einzelwerte stark fokussiert, sondern ich habe in manchen Branchen "Cluster" gebildet und meine Investments auf die zwei oder drei am besten positionierten Unternehmen verteilt.

Cluster  Alternative Asset Manager: KKR (15%)

Alternative Asset Manager stehen bei mir schon viele Jahre und auch weiterhin hoch im Kurs; doch nach den zwei Boomjahren 2023 und 2024 musste der Kurs in 2025 den vorherigen Erfolgen Tribut zollen und gab kräftig nach. Dabei war 2025 ein sehr starkes Jahr für KKR. Und damit nicht genug, denn der Rückgang setzte sich in den Anfangsmonaten 2026 unbeirrt fort. Allerdings ist  "Private Credit" vom Boom-Sektor zum Problemfall mutiert, jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. Monatelange negative Schlagzeilen zeigen Wirkung und verunsicherte Anleger fordern ihr Kapital zurück - aus Anlageformen, die dazu nicht gedacht/gemacht sind. Also werden die Rückforderungswünsche nur teilweise (und entsprechend der zugrundeliegenden Regularien) erfüllt, aber das generiert neue Schlagzeilen und verunsichert noch mehr Anleger, die dann auch lieber ihr Geld abziehen wollen. Im 1. Quartal sollen es insgesamt rund 20 Mrd. Dollar gewesen sein, die Anleger aus Private Credit-Fonds abziehen wollten. Doch inzwischen glätten sich die Wogen und in anderen Bereichen fließen den führenden Finanzinvestoren weiterhin enorme Milliardenbeträge als frisches Investitionekspaital zu.

KKR & Co. halte ich für am besten positionierten Finanzinvestor. Insgesamt hatte ich mein Exposure in Finanzsektor vor einiger Zeit heruntergefahren, weil ich ja von rezessiven Entwicklungen für die nächsten mindestens sechs Monate ausgehe und Finanzwerte hier traditionell als erste angeknockt werden. Welche Werte und wie stark ich später wieder aufstockte, wird sich zu gegebener Zeit herausstellen, meinte ich Ende des 2. Quartals. Und einige Wochen später habe ich zugegriffen: bei KKR. ツ

Denn operativ liefert KKR weiterhin unbeeindruckt ab und investiert aktuell wieder mit vollen Händen in die Bereiche Infrastruktur und regenerative Energieparks. Allein für Europa geht KKR von 800 Mrd. Euro an jährlichem Investitionsbedarf in Infrastruktur aus, um die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen und neuen Entwicklungen gerecht zu werden. Dem entsprechend hat KKR kürzlich seinen neusten Europa-Infrastrukturfonds im Volumen von 19 Mrd. Euro aufgelegt bzw. nach erfolgreicher Investoreneinwerbung geschlossen.

Zudem fuhr KKR mit dem USI Insurance-Verkauf einen Rekordgewinn ein: Aon übernimmt von KKR die USI Insurance und zahlt dafür 17 Mrd. Dollar in bar. Der Clou ist, dass USI zu KKRs "Stategic Holdings" zählt und damit zum überwiegenden Teil nicht mit Investorengeldern, sondern KKRs eigenem Kapital finanziert wurde.

Bei USI Insurance hatte KKR erstmals 2017 zugegriffen und den Versicherungsmakler gemeinsam mit Co-Investoren für 4,3 Mrd. Dollar übernommen. Anschließend hat KKR in 2020, 2023 und 2025 weitere Anteile übernommen und zusätzliches Kapital ins Unternehmen gesteckt. Mit dem nun erfolgten Verkauf zu 17 Mrd. Dollar hat KKR den Kapitaleinsatz auf das Ursprungsinvestment aus 2017 versechsfacht und bezogen auf seine Gesamtinvestitionen erzielt man nun den 3,4-fachen Wert.

KKR rechnet mit einem Erlös nach Steuern in Höhe von rund 3,3 Mrd. Dollar, woraus sich ein bereinigtes Nettoergebnis von etwa. 2,0 Mrd. Dollar ergeben wird. Zur Einordnung: KKRs gesamter Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2025 belief sich auf 2,25 Mrd. Dollar. Hinzu gesellt sich der Nettogewinn von 1,02 Mrd. Dollar, den KKR im ersten Halbjahr 2626 erzielt hat.

KKR bezeichnet die Strategic Holdings als seine Wachstumsmaschine. Inzwischen summieren sich diese Investitionen auf 15 Mrd. Dollar – bei einer Marktkapitalisierung von KKR von 97,5 Mrd. Dollar. Die Strategic Holdings sind also kein Beiwerk mehr, sondern ein Heavy Asset in der KKR-Bilanz. Nach Herausrechnen des USI-Verkaufs hält KKR noch 18 weitere Beteiligungen an Unternehmen in seinem umfangreichen und diversifizierten Portfolio. KKRs Anteil an deren bereinigten Umsatz der letzten 12 Monate lag Ende März 2026 bei 3,5 Mrd. Dollar und am bereinigten EBITDA der letzten 12 Monate bei rund 800 Mio. Dollar.

▶ Hier nochmal meine Einschätzung zu den "Strategic Holdings"
Bei den "Strategic Holdings" geht es KKR um Wertschöpfung, nicht um Wertabschöpfung. Man kauft sich mit KKR-Eigenkapital in kleine, wachstumsstarke Unternehmen mit großen Potenzial ein und diese mit frischem Geld und Know-how beim Wachstum zu unterstützen. Der Verkauf ist nicht das Ziel; es ist also kein richtiges PE-Geschäft.

USI Insurance war die erste Beteiligung bei den "Strategic Holdings" und ist nun auch die erste, die versilbert wird. Aber nicht aus Zwang, sondern der Exit erfolgt wohl (nur), weil KKR eine erhebliche Wertsteigerung hinlegen konnte und Aon sich die Übernahme ordentlich was kosten lässt. Und wenn die künftige Wertschöpfung mehrerer Jahre auf einen Schlag bezahlt wird, dann kann man schon mal seinen Gewinn einstreichen. Insbesondere dann, wenn man weitere Targets im Blick hat, in die man investieren und das Spiel von Neuem starten kann.

Ich würde mich also nicht wundern, wenn wir in nächster Zeit die eine andere Meldung über neue "Strategic Holdings" hören würden. Weitere Exits erwarte ich allerdings erstmal nicht - sofern KKR nicht einen außergewöhnlich hohen Preis erzielen würde. Aber mein Investmentcase basiert nicht auf solchen Exits; die können und sollen nur on top sein. Mir reicht es völlig aus, wenn die Wertschöpfung im Unternehmen stattfindet und damit für KKR (und mich als KKR-Aktionär) Werte schafft. Der Exit bei USI Insurance zeigt jedenfalls, welche Werte KKR hier schaffen kann. Wie Gold im Boden - bis es irgendwann ausgegraben und verkauft wird... ;-)

Bei KKR läuft es, auch wenn das inzwischen über 5% angelangte Zinsniveau in den USA zu Sorgefalten führt. Nicht nur bei den Finanzinvestoren, sondern insgesamt. Und doch habe ich meine Position ganz bewusst wieder deutlich aufgestockt, denn das Kursniveau liegt noch immer rund 45% unter dem Allzeithoch, das der Kurs Anfang 2025 bei über 160 Dollar markiert hatte.

Cluster Energie: 2G Energy, Quanta Services (23%)

Im Energiesektor setze ich auf 2G Energy und ich hatte bereits vor drei Monaten Quanta Services von "KI-Infrastruktur" zu "Energie" umgewidmet, weil dies seinem Geschäftsbetrieb gerechter wird.

Den Blockheizkraft- und Biogasanlagenspezialisten 2G Energy habe ich erst im 2. Quartal ins Depot geholt, nachdem die ersten beiden KI-Rechenzentrumsaufträge in den USA eingetütet worden waren. Und damit habe ich zunächst zu viel bezahlt. Enttäuscht hat 2G Energy aber keinesfalls, denn die Halbjahresergebnisse lagen im Rahmen der Erwartungen und nachdem ein weiterer fetter KI-Deal eingetrudelt war und mehrere Geschäftsfelder deutlich zulegen konnten, hob der Vorstand die Prognosen für 2027 an und ist auch für 2028 optimistisch. Das Wachstum beschleunigt sich über fast alle Geschäftsfelder und 2G steht vor einer (weiteren) Neubewertung.
Quanta Services ist Marktführer beim Planen und Bauen von Energienetzen. Man bietet Infrastrukturlösungen für die Strom- und Gasversorgungs-, erneuerbare Energien-, Kommunikations-, Pipeline- und Energiebranche, vor allem in den USA, aber auch in Kanada und Australien. Damit ist weiteres Wachstum vorprogrammiert, denn die Nachfrage nach Strom wird weiter deutlich steigen. Schließlich ist Energie der Schlüsselfaktor für die KI-Revolution, weil ohne Strom kein KI-Rechenzentrum läuft.

Entgegen aller Befürchtungen über eine Abkühlung des Booms lieferte Quanta Services ein herausragendes 2. Quartal ab, das die These vom Infrastruktur-Superzyklus wieder mit Leben erfüllt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 41% auf 9,56 Mrd. Dollar, während der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) um 71% auf 4,24 Dollar zulegte. Der Haupttreiber bleibt die stark steigende Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren, Elektrifizierung und Netzmodernisierung und die große Nachfrage ließ den Auftragsbestand auf ein Rekordhoch von 53,4 Mrd. Dollar anschwellen.

Das Management reagierte mit einer deutlichen Anhebung der Jahresprognose: Der Mittelwert der Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde um rund 4,5 Mrd. Dollar angehoben, was ein beeindruckendes Wachstum von 39% im Vergleich zum Vorjahr ergäbe.

Aber es kommt noch besser, denn dies ist ein Beispiel für die zunehmende operative Hebelwirkung, bei der das stark wachsende Volumen auf weiter deutlich steigende Margen (Strom +130 Basispunkte auf 11,5%) prallt und damit alle Bedenken hinsichtlich der Kosten für die Mitarbeitergewinnung auf den Friedhof der Sorgen verbannen.

Meine Einschätzung: Der exponentiell steigende Strombedarf, getrieben durch KI-Rechenzentren sowie die allgemeine Elektrifizierung und der damit verbundene Auf- und Ausbau der Stromnetze führt zu einem jahrzehntelangen Investitionszyklus. Quanta Services ist optimal positioniert an der Schnittstelle von Energieerzeugung und Technologiezentren und konnte so im zweiten Quartal ein Umsatzwachstum von 41% gegenüber dem Vorjahr und einen Auftragsbestand von 53,4 Mrd. Dollar verzeichnen.

Der Energienetzprofi profitiert nicht nur vom Boom der Energiewende und der KI-Infrastruktur, sondern löst auch die Engpässe in bestehenden und veralteten Netzen. Das gewaltige Ausmaß der Prognoseanhebung und des Auftragsbestandswachstums deuten darauf hin, dass die Nachfrage die allgemeine Konjunkturdynamik übertrifft. Und das bei weiter steigenden Margen. Ein echtes Powerhouse in meinem Depot!

:: Perfomance 2G Energy: Q3/26: -14,5% | Q2/26: 86,5% % | 2025: +39%
:: Performance Quanta Services: Q3/26: -5,5% | Q2/26: 29,5% | Q1/26: +30% | 2025: +19% 

Cluster Rohstoffe (25%)

Der Energiesektor war der Superstar des ersten Quartals und die Entwicklung ging zunächst so weiter. Doch spätestens ab Juni sorgte der Pseudo-Frieden im Nahen Osten für heftige Gewinnmitnahmen beim Ölpreis und dessen Einbruch um rund 30% zog auch viele Sektorwerte mit in den Keller. Das traf mein Depot doch recht stark, weil ich bereits vor dem Einbruch mein Engagement im Rohstoffsektor ausgebaut hatte.

Meine Wolfram-Spekulation Almonty Industries zeigt zwei gegenläufige Entwicklungen: der Kurs hat in den letzten Wochen deutlich nachgegeben, während es operativ signifikante Fortschritte gibt. Es ist also spekulativ aufgeladene Luft aus dem Kurs entwichen, während sich die Potenziale nun materialisieren.
Die anstehenden Ergebnisse zum 3. Quartal werden noch nicht besonders stark von den neuen positiven Entwicklungen beeinflusst sein und möglicherweise fürchten sich einige Anleger vor einer entsprechenden negativen Kursreaktion nach Vorlage der Zahlen. Aber ab dem 4. Quartal werden Umsatz- und Gewinnzuwächse voll im Zahlenwerk aufschlagen und dürften dem Kurs wieder reichlich frische Luft einhauchen.

Daher habe ich meine Position in Almonty mehr als verdoppelt!

Als Ergänzung habe ich mich vor einigen Monaten mit der Deutschen Rohstoff AG dann noch auf eine alte Bekannte eingelassen. Das Unternehmen fördert Öl und Gas in den USA und verdient damit ordentlich Geld. Die Deutsche Rohstoff AG einen Rekordgewinn eingefahren. Der Konzern erzielte im ersten Halbjahr 2026 Umsatzerlöse von 110,0 Mio. Euro (Vorjahr: 102,3 Mio.) bei einem durchschnittlich realisierten Ölpreis von 78,4 Dollar je Barrel (+18%). Unterstützend wirkte der höhere Öl-Anteil an der Gesamtproduktion von 66% (Vorjahr: 64%), während sich gegenläufig der schwächere Dollar (-7%) sowie Verluste in Höhe von rund 5 Mio. Euro aus Ölpreissicherungsgeschäften auswirkten, die mehrheitlich noch vor dem starken Anstieg der Rohölpreise ab Anfang März abgeschlossen worden waren.

Bis zum 30. Juni 2026 realisierte die Deutsche Rohstoff zudem aus Teilveräußerungen von 11,6 Mio. Almonty-Aktien einen Gewinn vor Steuern von rund 128 Mio. Euro. Insgesamt wurden 2026 14,3 Mio. Almonty-Aktien veräußert, davon 2,7 Mio. Aktien aber erst nach dem 30. Juni 2026 - deren Gewinn fließt also ins dritte Quartal ein. Der zweite Teilverkauf der Almonty-Position von rund 5 Mio. Anteilen erfolgte zu 16 Dollar und damit wurde ein weiterer außerordentlicher Gewinn von rund 65 Mio. Euro erzielt. Folgerichtig hob die DRAG ihre Gewinnprognose für 2026 an und erwartet nun im  Basisszenario ein EBITDA von 355 bis 375 Mio. Euro statt zuvor 290 bis 310 Mio. Euro. 

Die DRAG fährt seit einiger Zeit mit den Mitteln aus dem Almonty-Verkauf ihr Bohrprogramm hoch wegen der positiven Produktionsentwicklung und des anhaltend attraktiven Ölpreisumfelds: Anfang August wurde es um sechs auf insgesamt 32 Bruttobohrungen erweitert. Sie wird daher im zweiten Halbjahr und damit auch im Gesamtjahr 2026 sehr viel mehr Öl und Gas fördern, als in 2025. Im Basisszenario erwartet der Vorstand für 2026 einen Umsatz von 300 bis 320 Mio. Euro und ein EBITDA von 380 bis 400 Mio. Euro. 2025 lag der durchschnittliche Öl-Preis (WTI) bei 65 Dollar nach 75 Dollar in 2024. Für 2026 wurde bisher wieder von 75 Dollar ausgegangen, also prallen Mengen- und Preiswachstum aufeinander. Aktuell dürfte die DRAG bereits deutlich über 30.000 BOEPD produzieren, so dass die Planung mengenseitig deutlich übertroffen werden dürfte. Zudem liegt WTI ja schon länger bei über 90 Dollar und damit 15 Dollar über dem DRAG-Base-Szenario; die Zahlen sollten auch von dieser Seite her noch mal deutlich besser ausfallen als bisher gedacht.

Für 2027 ist die Ölpreisentwicklung nicht wirklich absehbar. Die Produktionsmengen sollten ggü. 2025 weiterhin deutlich höher liegen, auch wenn beim Fracking ja die stärkste Produktion in den ersten beiden Jahren erfolgt und sich die Mengenkurve dann deutlich abflacht.

Das Nettoergebnis wird in 2027 auf jeden Fall deutlich niedriger ausfallen als in 2026, weil im laufenden Jahr ja zwei Teilverkäufe von Almonty-Aktien stattgefunden haben, die hohe Gewinne erzeugten. Diese Gewinne sind Einmaleffekte und entfallen für 2027 dem entsprechend. Also sollte man lieber das operative Ergebnis betrachten (Ähnliches haben wir auch schon 2021 und 2022 gesehen, weil die DRAG während des Corona-Crashs für viele Millionen Dollar Aktien von ausgebombten US-Energiekonzernen gekauft und später dann in mehreren Tranchen mit viel Gewinn wieder verkauft hat).

Vor diesem "Gewinneinbruch" in 2027 muss man also keine Angst haben, der ist ganz natürlich. Allerdings wird bei allen Vergleichen mit dem Vorjahr (2026) immer ein Rückgang ausgewiesen werden, so dass es um die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse herum zu deutlichen Kursausschlägen kommen dürfte, da nicht alle Anleger informiert sind und der Kurs den Kurs bestimmt. Solche "Irritationen" sollten sich aber schnell wieder beruhigen und bieten ggf. Chancen für die Informierten. Vergleichen sollte man 2027 immer mit den operativen Ergebnissen aus 2026. Und da wird es bei der Produktionsmenge deutliche Zuwächse geben, das ist heute schon absehbar, während der Ölpreis die große Unbekannte bleibt.

Im Grunde verhält sich die DRAG weiterhin unternehmerisch sehr klug: wenn die Preise günstig sind, erwirbt man Stahlrohre, Equipment, Flächen, Rechte usw. und sichert sich Kapazitäten. Wenn die Preise attraktiv sind, fährt man das Bohrprogramm und/oder die Produktion hoch. Zudem glänzt man mit der Kapitalallokation: 2014 legte der Tekton-Deal den Grundstein für die heutigen breit ausgestellten US-Öl-Aktivitäten, dann erzielte man enorme Gewinne mit den US-Energieaktienpaketen, die man extrem günstig im Corona-Crash eingekauft hatte, und nun, nach vielen Jahren des geduldigen Durchhaltens, versilbert man seine Almonty-Position mit einem satten dreistelligen Millionengewinn - und hält noch weitere Aktien und Optionen an dem Wolfram-Produzenten.

Meine Einschätzung: Bei der DRAG gibt es wenig zu sehen, was mir nicht gefällt. Und das gilt auch für Bewertung und Perspektiven. Dennoch halte ich einen Gipfelsturm mit einer weiteren Kursvervielfachung für wenig wahrscheinlich. Dafür setze ich auf ein nachhaltiges Vordringen in dreistellige Kursregionen - sofern der WTI-Öl-Preis nicht deutlich und dauerhaft unter 60 Dollar fällt. Die DRAG verdient ab etwa 40 Dollar Geld, aber der aktuelle Kurs preist einen durchschnittlichen Öl-Preis von mindestens 70 Dollar ein. Der Gewinn entsteht eben durch Menge und Preis. Gewinne satt, nicht nur dank der hohen Ölpreise.

Und der Aktienkurs? Weshalb der nicht mitzieht, kann ich nicht erklären. Fundierte Gründe gibt es dafür nicht. Aus den US-Töchtern wird man in nächster Zeit wohl kein Geld Richtung Deutschland transferieren, weil man dort ohnehin auf einem riesigen Cashberg sitzt. Denn der hohe Verkaufsgewinn aus der Almonty-Beteiligung liegt in der deutschen Konzernmutter und steht damit tendenziell für Firmenkäufe, Aktienrückkäufe oder Dividenden zur Verfügung. Allerdings ist die DRAG für US-Anleger nicht so interessant, weil es sich um ein deutsches Unternehmen handelt und die Amis eine große Auswahl an heimischen Öl-Produzenten vorfinden. Ein Bewertungsabschlag ggü. den US-Werten ist daher nachvollziehbar, aber nicht eine solche krasse Unterbewertung, wie die DRAG-Aktie aufweist.

Und man streckt die Fühler auch in weitere Geschäftsbereiche aus: zuletzt in Richtung Gold, indem man 14,66% an der kanadischen Stuve Gold erworben hat. Großartiges ist hier auf Sicht nicht zu erwarten, denn das Ganze sieht eher wie ein Almonty-Move aus, also Frühphaseninvestment, aus dem dann irgendwann mal was Großes - und Einträgliches - entstehen könnte. In der Zwischenzeit ist aber Warten angesagt und eventuell die eine oder andere zusätzliche Kapitalspritze.

Ich habe den Kursrücksetzer bei der DRAG zum Aufstocken genutzt. Ob bzw. wann sich das auszahlt, bleibt abzuwarten.
Die Gewichtung des Rohstoffsektors ist in meinem Depot dennoch deutlich zurückgegangen und das liegt nicht nur an der negativen Performance von Almonty. Vielmehr habe ich die Aufstockungen bei Almonty und der DRAG durch den Verkauf meiner Positionen an Texas Pacific Land und LandBridge finanziert. Die ins Stocken geratene KI-Datacenter-Entwicklung in Texas war dafür mit ausschlaggebend.

:: Performance Almonty Industries: Q3/26: -15,5% | Q2/26: +11,5% | Q1/26: +58% | 2025: +1.145%
:: Performance Deutsche Rohstoff: Q3/26: +0,25% | Q2/26: -10% | 2025: +52%

Cluster Retail: Costco (11%)

Costco, der drittgrößte Einzelhändler der Welt, hat in den letzten Jahren schon öfter mein Depot als Spitzenreiter angeführt. Das fast einzigartige Geschäftsmodell erweist sich als weitestgehend resilient in jeder Wirtschaftslage und bleibt der Top-Pick im Einzelhandel - online wie offline. Die "Subscriber Renewal Rate" liegt bei über 90%; es erneuern also so viele Mitglieder ihre Mitgliedschaft wie nie zuvor und weitere werden laufend hinzugewonnen. Dadurch erhöhen sich Costcos Kosten kaum, während seine stetigen Einnahmen hingegen steigen. Also steigen die Margen und die zusätzlichen Einnahmen werden in ein beschleunigtes Expansionstempo gesteckt.

In seinem viertem Geschäftsquartal, das am 30. August beendet wurde, steigerte Costco den Gesamtumsatz um 12% auf 95,72 Mrd. Dollar und das führte zu einem Gewinn von 6,57 Dollar je Aktie (+15% im Jahresvergleich). Diese Ergebnisse enthielten allerdings auch einen einmaligen positiven Effekt von 0,15 Dollar je Aktie aus im vierten Geschäftsquartal erhaltenen IEEPA-Zollerstattungen, die Costco an seine Mitglieder zurückgeben will. Die vergleichbaren Umsätze in den USA stiegen bereinigt um 7,2%, in Kanada um 4,6% und in den übrigen internationalen Märkten um 6,2%, was zu einem Anstieg der vergleichbaren Filialumsätze auf Konzernebene um 9,4% führte. Ohne Kraftstoffverkäufe stiegen die vergleichbaren Umsätze des Gesamtkonzerns um 6,7% und übertrafen damit die Schätzungen von 6,44%. Sämtliche Werte übertrafen die Erwartungen!

Costco betreibt derzeit 939 Warenhäuser, acht mehr als im dritten Geschäftsquartal, darunter 647 in den Vereinigten Staaten und Puerto Rico sowie 115 in Kanada. Allerdings befindet sich Costco in einer Phase beschleunigtem Filialwachstums. Anfang dieses Jahres hatte CEO Ron Vachris erklärt, das Unternehmen strebe an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren jährlich 30 oder mehr Warenhäuser zu eröffnen. Und nun sollen allein in den kommenden zwei Monaten 14 neue Filialen eröffnet werden, wobei einige kleinere Standorte durch größere ersetzt werden sollen. Im Geschäftsjahr 2027 will Costco weitere 33 Lagerhäuser zu eröffnen, darunter fünf Verlagerungen, während man weiter auf die Zielmarke hinarbeitet, jährlich 30 Lagerhäuser netto neu zu eröffnen.

Da Costco einen Großteil seiner Gewinne direkt aus den Mitgliedsbeiträgen erzielt, ist dies die wichtigste Kennzahl. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen ohne Währungseffekte stiegen mit 7,7% etwa doppelt so schnell wie das Mitgliederwachstum. Dabei nahm die Zahl der Mitglieder im vierten Quartal im Jahresvergleich um 3,8% auf 84,1 Mio. zu, wobei die "Executive"-Mitgliedschaftsstufe mit höheren Beiträgen weiterhin mehr als doppelt so schnell wie die Mitgliederzahl insgesamt wächst. Unterm Strich verbuchte Costo im vierten Geschäftsquartal Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen in Höhe von 1,85 Mrd. Dollar.

Die Umsätze über digitale Vertriebswege legen auch bei Costco besonders stark zu. Und so baut Costco sein Netzwerk für Same-Day-Delivery durch Kooperationen mit DoorDash und Uber Eats aus, um Online-Bestellungen in US-Filialen abzuholen und bis zur Haustür des Kunden zu liefern. Durch diese Vereinbarungen erhält Costco weitere Vertriebskanäle, um Kunden über ultraschnelle Lieferungen zu erreichen und so Einzelhändlern wie Walmart und Target Paroli bieten zu können – ohne dafür gewaltige Investitionssummen für eigene Logistik aufbringen zu müssen. Und ohne dabei seine DNA zu verwässern, weil Voraussetzung für eine Bestellung bzw. Lieferung noch immer eine Mitgliedschaft bei Costco ist.

Meine Einschätzung: Auch Costco sieht sich mit höheren Einkaufspreisen konfrontiert, die vor allem aus den massiv gestiegenen Ölpreisen aufgrund des Iran-Kriegs resultieren. Costco gibt diese Kosten an seine Mitglieder weiter, aber dank seiner enormen und weiterwachsenden Einkaufsmacht kann es branchenweit führende niedrige Einkaufspreise realisieren. 

Dennoch konnte die Aktie in den letzten drei Monaten erneut nicht zulegen. Dabei hat sich an den langfristig hervorragenden Aussichten nichts geändert; operativ läuft es stark und dank der unterbliebenen Kurszuwächse reduziert sich die Bewertung. Ich bleibe ein Costco-Dauerbulle. Wie 2022 gezeigt hat, kommt Costco auch mit einem Inflationsszenario sehr gut klar. Auch deshalb ist das Unternehmen eine sichere Bank für die anstehenden stürmischen Zeiten. Und dann halten sich auch noch die Gerüchte um einen bevorstehende fette Sonderdividende...
:: Performance Costco: Q3/26: -0,75% | Q2/26: -5% | Q1/26: +17,25% | 2025: -17%

Cluster KI-Infrastruktur: Comfort Systems (8%)

Der KI-Hype wird weiterlaufen, es werden ständig neue Investitionen in weitere KI-Rechenzentren verkündet; waren es zunächst eher hohe zweistellige Milliarden-Dollar-Ankündigungen, sind es sogar bereits mehrfach auch dreistellige Investitionssummen gewesen. Allerdings werden wohl nicht alle Projekte umgesetzt, was auch am wachsenden lokalen Widerstand liegt, weil der enorme Strombedarf zulasten der Unternehmen und Bürger geht, die sich mit Stromausfällen, verweigerten Genehmigungen für Solaranlagen und Wärmepumpen und/oder massiv steigenden Strompreisen konfrontiert sehen.
Comfort Systems hat auch im 2. Quartal wieder saustarke Geschäftszahlen vorgelegt: Der Konzernumsatz stieg um 50% gegenüber dem Vorjahr auf 3,27 Mrd. Dollar und wurde von organischem Wachstum und Zukäufen gleichermaßen getragen. Das Nettoergebnis verdoppelt sich nahezu auf 441,6 Mio. Dollar und der verwässerte Gewinn je Aktie kletterte entsprechend von 6,53 auf 12,53 Dollar. Die operative Marge verbessert sich spürbar von 13,8 % auf 17,1 %. Das (vor allem um Akquisitionskosten) bereinigte EBITDA kletterte von 334,1 Mio. auf 600,5 Mio. Dollar und die entsprechende Marge von 15,4% auf 18,4%. Dies belegt erneut, dass die Skalierung des Geschäfts Früchte trägt und Comfort Systems sein starkes Wachstum nicht auf Kosten der Profitabilität erkaufen muss.

Doch das wirkliche Highlight ist der Cashflow! Denn der operative Cashflow erreichte 1,14 Mrd. Dollar nach 252,5 Mio. im Vorjahresquartal und der freie Cashflow lag mit 999,3 Mio. Dollar nur hauchdünn unter der Milliardenschwelle.

Bei solchen Sprüngen lohnt ein Blick unter die Motorhaube. Und der offenbart, dass der massive Anstieg des Cashflows auch auf eine signifikante Ausweitung der Kundenanzahlungen zurückgeht, die im letzten halben Jahr von 2,12 Mrd. Dollar auf 3,23 Mrd. Dollar per Ende Juni 2026 angewachsen sind. Das ist beachtenswert und kein Warnzeichen. Vielmehr zeigt sich hier eine hohe Auftragsqualität, weil die Kunden bereit sind, üppige Anzahlungen zu leisten, die sich in künftigen Quartalen in Umsatz und Kosten verwandeln werden.

Was uns zum Auftragsbestand führt, der zum 30. Juni 2026 einen Wert von 14,06 Mrd. Dollar erreichte nach 12,45 Mrd. zum Ende des ersten Quartals und 8,12 Mrd. ein Jahr zuvor. Auf vergleichbarer Basis, also ohne den Beitrag von Akquisitionen, stieg der Auftragsbestand von 8,12 Mrd. auf 13,70 Mrd. Dollar an und dieser operative Zuwachs von fast 70% in zwölf Monaten belegt, dass die Nachfrage nach HVAC- und Elektroinstallationsleistungen, insbesondere aus dem Industrie- und Rechenzentrumsbereich, unvermindert stark ist. Ein Auftragsbestand dieser Größe sichert die Auslastung weit in das Jahr 2027 hinein und das bei steigenden Margen. Einfach herausragend!

Meine Einschätzung: Ein weiteres Hammer-Quartal mit einem Umsatzwachstum von 50%, einer auf 17,1% ausgeweiteten operativen Marge, einem freien Cashflow von annähernd 1 Mrd. Dollar und einem auf 14,1 Mrd. Dollar angewachsenen Auftragsbestand, der das operative Geschäft bis weit in 2027 hinein "visibel" macht.

Einziger Wermutstropfen ist und bleibt die hohe Bewertung. Die Aktie eilte von Allzeithoch zu Allzeithoch und hat sogar der starken Korrektur im KI-Sektor getrotzt - weitgehend. Während die Hyperscaler ihr Wachstum mit einbrechenden Freien Cashflows erkaufen, schnellt er bei Comfort Systems in die Höhe. Hier entwickeln sich alle Kennzahlen in die positive Richtung und die starken Fundamentaldaten sollten bald auch wieder die Kursentwicklung unterstützen.

Mit anderen Worten: die hohe Bewertung wird durch das starke und zunehmende profitable Wachstum flankiert und ist daher gerechtfertigt. Eine erhöhte Volatilität muss man als Anleger allerdings Kauf nehmen, doch die ist nicht mit Risiko gleichzusetzen. Volatilität ist "nur" der Preis für die erzielbare Rendite. Und die stimmt bei Comfort Systems einfach…

:: Performance Comfort Systems: Q3/26: -9,0% | Q2/26: +41% | Q1/26: +46% | 2025: +95%

Cluster Verteidigung: Rheinmetall, Vincorion (12%)

Rheinmetall ist und bleibt mein Favorit im Defense-Spektrum. CEO Armin Papperger entwickelt das DAX-Mitglied zum umfassenden Systemhaus im Rüstungsbereich. Rheinmetall rüstet Deutschland und Europa auf und bedient damit einen Megatrend, der gerade erst noch Fahrt aufnimmt. Hier ist auch in den nächsten Jahren absehbar starkes Wachstum zu verzeichnen, sowohl organisch als auch anorganisch, und dabei dürften die Gewinne überproportional steigern.
"Nach der Friedensdividende ist der Wiederaufbau der Lagerbestände ein Prozess, der mehr als ein Jahrzehnt anhalten wird."
(Davide Vidotto, Geschäftsführer bei Bain Capital)
Allerdings hatte der Kurs mit einer Rally bis über 2.000 Euro schon kräftig vorgefeiert und zollt dieser Euphorie inzwischen sehr deutlich Tribut mit einem Kursrückgang um mehr als 50%. Die grundsätzlichen Trends bleiben intakt, insbesondere im Bereich Munition legt Europas Marktführer weiter nach. Die Rheinmetall-Aktie bleibt langfristig aussichtsreich und eine Kernposition in meinem Depot.

Nicht mehr neu an Bord bin ich bei Vincorion, einem führenden Entwickler und Hersteller von Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme. Konkret produziert man Generatoren und Elektromotoren für unterschiedliche Einsatzgebiete und Komponenten das Patriot-Luftabwehrsystem, das in der Ukraine und im Nahen Osten große Erfolge feiert. Zudem liefert man Stabilisierungssysteme, die in Kampfpanzern dafür sorgen, dass diese während der Fahrt treffsicher feuern können - und zwar u.a. für den Leopard II von KNDS und Rheinmetall.

Ich stufe den Nebenwert als interessante Ergänzung zu Platzhirsch Rheinmetall ein und möchte die Entwicklung mit "Skin in the Game" verfolgen.
:: Performance Rheinmetall: Q3/26: -10,6% | Q2/26: -36% | Q1/26: -10% | 2025: +435%
:: Performance Vincorion: Q3/26: +2,25% | Q2/26: -2% | Q1/26: -2% (IPO am 20.02.2026 zu 17,00 Euro)

Cluster Luft-und Raumfahrt: Rocket Lab (5%)

Rocket Lab ist ein Raumfahrtunternehmen, das Startdienste und Lösungen für Raumfahrtsysteme anbietet. Das Unternehmen bietet Startdienste, Dienstleistungen im Bereich der Raumfahrzeugkonstruktion, Raumfahrzeugkomponenten, die Fertigung von Raumfahrzeugen, optische Systeme sowie weitere Lösungen für das Management von Raumfahrzeugen und im Orbit sowie Dienstleistungen im Bereich des Konstellationsmanagements an. Darüber hinaus entwirft und fertigt das Unternehmen Raketen der kleinen und mittleren Klasse und entwickelt Flug- und Bodensoftware.

Zudem entwickelt, fertigt und betreibt es "Electron", eine kleine Trägerrakete für den Start kleiner Raumfahrzeuge, und entwickelt "Neutron"-Trägerraketen für den Einsatz in großen Konstellationen, für interplanetare Missionen und potenziell für die bemannte Raumfahrt. Darüber hinaus entwickelt und fertigt man eine Reihe von Komponenten und Subsystemen für seine Trägerraketen und Raumfahrzeuge. Zu seinen Kunden zählen kommerzielle Unternehmen, Hauptauftragnehmer der Luft- und Raumfahrt sowie staatliche Auftraggeber.

Doch neben dem Raketenbusiness strebt Rocket Lab zunehmend in den Bereich der Verteidigung und hat mehrere Deals mit dem US-Verteidigungsministerium abgeschlossen. Und hat die Übernahme von Iridium Communications im Rahmen einer Bar- und Aktientransaktion im Wert von 8 Mrd. Dollar angekündigt, die voraussichtlich Mitte 2027 abgeschlossen wird. Iridium betreibt ein weltumspannendes Satellitenkommunikationssystem, das aus insgesamt 66 aktiven und 6 Reservesatelliten besteht, also insgesamt 72 Satelliten. Damit geht Rocket Lab weiteren Schritt von einem vorwiegend auf Weltrauminfrastruktur spezialisierten Unternehmen hin zu einem vertikal integrierten Raumfahrt- und Kommunikationsunternehmen mit wiederkehrenden Cashflows.

Rocket Lab erweitert das globale Satellitennetzwerk und schafft wiederkehrende, margenstarke Umsätze, denn Iridium generiert abonnementbasierte Umsätze. Zudem beschleunigt Rocket Lab die Direktverbindung zu seinen Endgeräten und erhöht seine Weltraumkonnektivität. Erfreulich ist soeben erfolgte die Zustimmung der Iridium-Aktionäre zur Übernahme durch RocketLab, womit eine weitere Hürde aus dem Weg geräumt ist.

Und dann ging unmittelbar nach dem 97sten Start einer Electron-Rakete der größte Electron-Startauftrag der Unternehmensgeschichte ein über 20 Missionen mit dem japanischen Erdbeobachtungsunternehmen Synspective. Die mehrjährige Vereinbarung sieht vor, dass zwischen 2028 und 2031 von Rocket Lab 20 StriX-Satelliten von Synspective mit Synthetic-Aperture-Radar  gestartet werden. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der von Synspective gebuchten Electron-Missionen auf 47, womit das in Tokio ansässige Unternehmen gemessen an der Missionsanzahl zum größten Startkunden von Rocket Lab wird. Die Satelliten sollen vom Launch Complex 1 von Rocket Lab in Neuseeland in eine sonnensynchrone Umlaufbahn gebracht werden.

Meine Einschätzung: Rocket Lab ist (m)ein spekulatives Weltraumabenteuer, das nicht so groß ist wie SpaceX, (noch) nicht ganz so erfolgreich, aber vor allem nicht ansatzweise so hoch bewertet. Günstig ist die Aktie allerdings mit einer Bewertung mit dem 55-fachen Umsatz auch nicht gerade, dass da keine Missverständnisse aufkommen. Aber Anleger, die auf den Megatrend Raumfahrt setzen möchten, könnte sich hier eine interessante Option bieten – mit Frühbucherrabatt, denn die Aktie hat in den letzten Wochen deutlich korrigiert.

:: Performance Rocket Lab: Q3/26: -28,0% | Q2/26: +53,5% | Q1/26: -8% | 2025: +135% 

Cluster FinTechs: LendingClub, SoFi Technologies (0%)

Meine FinTech-Spekulationen hate ich bereits im ersten Quartal ausgemustert - vorübergehend. Ich werde mich gegebenenfalls neu positionieren, wenn ich die Entwicklungen wieder klarer absehen kann.

Magnificent 7 / Hyperscaler: Alphabet (0%)

Zudem habe ich im Laufe des Quartals mit Alphabet auch meinen letzten Mag 7-Wert aussortiert. Das Geschäftsmodell gefällt mir weiterhin sehr gut, aber das Abtauchen der Freien Cashflows ins negative Terrain aufgrund der gewaltigen, dreistellige Milliardeninvestitionen in KI und KI-Rechenzentren gefällt mir gar nicht (mehr). Der Free Cashflow ist weitergewandert zu den Chipherstellern und bei den Hyperscalern türmen sich nun verbindliche KI-Aufträge samt Zahlungsverpflichtungen der Auftragnehmer in den Büchern auf - was gut klingt. Aber ab 2027 und noch viel stärker ab 2028 müssen diese ganzen Rechnungen beglichen werden, es muss Geld fließen - das die Kunden erstmal verdient haben müssen. Und hier kann man durchaus Zweifel haben, denn (1.) verfallen die Preise für Remote sehr schnell (wie bei jedem technologischen Quantensprung in der Vergangenheit auch) und (2.) muss irgendwann irgendwer frisches Geld in den Kreislauf pumpen, sonst verliert der schnell an Schwung. Und genau das ist das Problem: Es werden dauerhaft hohe Wachstumsraten eingepreist, die in dieser Höhe nicht aufrecht zu erhalten sind. Und das könnte dürfte sich dann negativ auf die Gewinne und die Bewertungsmultiplen auswirken.

Wann dies in den Börsenkursen ankommt, weiß ich nicht. Und natürlich auch nicht, wie die Entwicklung sich konkret ausgestalten wird. Bei vielen transformativen Entwicklungen waren es aber nicht die First Mover, die am Ende das große (und dauerhafte) Geld verdient haben. Auch die heutigen Mag7 bzw. Hyperscaler waren nicht die Pioniere des Internetzeitalters, sondern die zweite Welle, die aus den Trümmern der Pioniere die Zukunft erschaffen haben. Vor 30 Jahren galten Telekomunternehmen als der heißeste Scheiß, weil sie die Infrastruktur für das Internetzeitalter schufen - doch nicht die Deutsche Telekom oder Vodafone haben die wirklichen Renditen eingefahren, sondern ihre Kunden, wie Amazon, Google, Microsoft oder Apple. Und aktuell spielt der Markt die Karte, dass diese Unternehmen diesmal auf beiden Seiten der Gleichung stehen werden. Das kann man durchaus anzweifeln, aber ausgeschlossen ist das nicht, weil diese Unternehmen weiterhin enorme operative Cashflows einfahren, die bei einem Abflauen der Investitionen wieder zu hohen Free Cashflows werden können.

Das Rennen ist eröffnet, der Ausgang ist völlig offen. Aber ich fühle mich hier nicht (mehr) richtig wohl und habe daher mein Geld lieber in die Depotwerte umgeschichtet, bei denen ich eine stärke Überzeugung vom Erfolg habe.

▶ Schlussbetrachtung zum Risikomanagement

Mein Depot hat erneut einige heftige Kurseinbrüche zu verkraften und verzeichnet durch die Bank Rückgänge. Die Deutsche Rohstoff AG hat innerhalb weniger Tage 20% eingebüßt, während KKR und Rheinmetall rund 50% unter ihren Allzeithochs notieren. Das hat Spuren in der Performance hinterlassen. Und so wird mir manchmal die Frage gestellt, ob ich nicht lieber mit Stopp-Loss arbeiten und/oder ggf. bei Kurseinbrüchen nach 10% oder 20% rigoros Verluste begrenzen sollte.

Meine Antwort ist und bleibt dieselbe: nein! Meine fast 40-jährige Börsenerfahrung hat mir immer wieder gezeigt, dass man damit unterm Strich mehr verliert, als man vermeintlich gewinnt. Weil man sich so automatisch aus Erfolgsunternehmen vertreiben lässt und dann später den Wiedereinstieg verpasst. Ich verkaufe, wenn mein Investmentcase nicht mehr fliegt. Ob das nach einem Kursplus von 15% oder einem Kursminus von 30% stattfindet, spielt dabei keine Rolle. Ich bleibe "Meinen" Erfolgsunternehmen treu und trenne mich von jenen, die keine Erfolge mehr versprechen. So sieht mein Risiko- und Erfolgsmanagement aus.

▶ Meine Cash-Quote

Ich habe vor einiger Zeit (endlich) erkannt, dass eine hohe Cashquote langfristig mehr Rendite kostet, als wenn man annähernd voll investiert ist - auch wenn man dann bei Kursabstürzen voll aufs Brett kriegt. Man muss dann eben "nur" die Ruhe bewahren. Meine Cashquote lag Ende des Quartals bei für mich üblichen 1 %.

Mein Ausflug in eine erhöhte Cashquote zwecks Risikoabsicherung ist damit beendet - und hat sich nicht als Erfolg erwiesen.

Anmerkungen zu meinem Wertpapierkredit: Bei voller Inanspruchnahme macht er inzwischen "nur noch" rund 15% meines Investmentkapitals aus (Mitte 2022 zum Start waren es exakt 20%). In 2022 war wegen des Börseneinbruchs die kreditgenerierte Hebelwirkung kostspielig, in 2023 hat sie sich sehr positiv ausgezahlt und auch 2024 rechnet sich das Ganze noch (obwohl anstelle der ursprünglichen 3% inzwischen knapp 7,5% 5,6% p.a. an Zinsen anfallen). Ich werde den Kreditrahmen nicht erhöhen; sollte das Depot weiter zulegen, verringert sich damit der Kreditanteil an meinem verfügbaren Kapital entsprechend. Und selbstverständlich weiß ich, was Warren Buffett davon hält:
»Geliehenes Geld hat keinen Platz im Investoren-Werkzeugkasten. An den Märkten kann jederzeit alles passieren. (...) Kredit ist wie Sauerstoff. Ist er vorhanden, bleibt seine Anwesenheit unbemerkt. Fehlt er, ist das alles, was bemerkt wird. (...) Wenn du schlau bist, musst du keinen Kredithebel für deine Investments nutzen und wenn du dumm bist, solltest du keinen nutzen.«
Stimmt schon. Der Wertpapierkredit bleibt "under review" - und ich frage mich immer mal wieder, ob ich "nicht schlau" bin oder "dumm" und ob ich das rausfinden kann, ohne dabei Pleite zu gehen. Mein Wertpapierkredit und ich haben ja keine ganz unkomplizierte Vorgeschichte...

▶ Mein "operativer Net Worth"

"Das Endergebnis aller Investitionen ist die Rendite" schrieb Value Investor Chuck Akre uns Anlegern ins Stammbuch. In 2024 war mein "operativer Net Worth" um +61,0 % gestiegen - ein neuer Rekordwert nach dem bereits extrem starken Jahr 2023. Insbesondere die saustarke Entwicklung im 4. Quartal 2024 hatte die Messlatte sehr hoch gelegt und so musste das durchwachsene Jahr 2025 dem Tribut zollen und ging am Ende mit +7,5% aus dem Rennen.

Das 1. Quartal 2026 startete wieder verheißungsvoll mit einem Plus von 10% nach wenigen Tagen, doch der KI-Tsunami und Trumps Nahost-Krieg stampften die erreichten Zuwächse zweimal wieder ein. Nachdem das 1. Quartal mit -1,5% aus dem Rennen ging, setzte bald eine üppige Erholung auf in der Spitze +12% ein - bis es im Juni wieder kräftig abwärts ging und zuletzt sogar zurück ins negative Terrain, doch die letzten beiden Tage gab es einen kräftigen Rebound und das 2. Quartal schloss bei +5,0% ab. Das wars dann aber mit den positiven Entwicklungen, denn der Juli brachte einen massiven Absturz mit sich, der im August und September nicht wieder aufgeholt werden konnte - beide Monate gleichen sich unterm Strich weitgehend aus. Das Sommerquartal ergab einen Rückgang von -9,75% und so schloss das 3. Quartal 2026 bei -4,75% ab.

Da mehr als die Hälfte meines Depots in US-Werten investiert ist, wirkt sich der Dollar (-12% in 2025) entsprechend aus; auch wenn er in 2026 bisher eher Stärke zeigt.

Anmerkung: Mein 'operativer Net Worth' ist der variable Teil meines Vermögens (Cash, Fonds/ETFs, Wertpapiere), den ich durch Investieren oder Arbeitsleistung aktiv beeinflussen kann. Die ausgewiesene Rendite stellt also nicht alleine die Entwicklung meiner Investmenttätigkeit dar, aber sie liegt nahe dran, da mein Investmentdepot rund 95% meines Gesamtvermögens ausmacht. Des Weiteren erzeugt die Inanspruchnahme eines Wertpapierkredits einen Hebeleffekt - positiv oder negativ. Mein Verschuldungsgrad ("Loan-to-Value Ratio"), also der in Anspruch genommene WP-Kredit im Verhältnis zum Depotwert zzgl. Cash, lag Ende des 1. Quartals bei 9,9% (Q1/26: 0,0% | Q4/25: 10,0%).




Meine angepeilte durchschnittliche Jahresperformance liegt bei +15% und die hatte ich 2022 deutlich verfehlt. 2023 habe ich voll zurück in die Erfolgsspur gefunden mit einem Zuwachs von +56% und dieses Ergebnis in 2024 mit +61% sogar nochmals toppen können. In den letzten 10 Jahren habe ich 8 Jahre mit Renditen zwischen 22% und 61% abgeschlossen, während ich mir 2018 ein sattes Minus von -10% einhandelte und 2022 sogar fast -17%. In 2025 reicht es dann lediglich für ein überschaubares Plus von +7,5% und zum Start in das 2026er Schlussquartal sind es nun -4,75%.

Doch wie man der Tabelle entnehmen kann, sind selbst bei einer nur quartalsweisen Betrachtung die teilweise heftigen Schwankungen kaum zu sehen. Angefühlt hat sich das zwischendurch allerdings anders...

Und noch ein Aspekt ist bedenkenswert: der Ankereffekt, an dem ich ja selten ein gutes Haar lasse. Wie man sieht, war das 4. Quartal 2024 saustark mit einem Renditezuwachs von 25%. Der legte die Messlatte entsprechend hoch. Verglichen mit dem 2022er Schlussstand liegt mein Vermögen um 133% höher und damit war der Zuwachs auf Sicht der letzten vier Jahre mehr als doppelt so hoch wie meine Zielperformance von +15% pro Jahr. Das klingt nicht danach, Trübsal blasen zu müssen. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass ich in den letzten beiden Jahren und insbesondere im laufenden deutlich unterdurchschnittlich erfolgreich investiert habe/war.

Trotz der zwischenzeitlichen Rücksetzer zeigt die grundsätzliche Entwicklung weiter in die gewünschte Richtung. Seit ich 2014 mein Vermögen in meine GmbH überführt habe, hat es um durchschnittlich 19% pro Jahr zugelegt. Die letzten 21 Monate verliefen allerdings deutlich unterdurchschnittlich...

Mein Lieblingshobby Börse macht mir immer noch viel Spaß und ich schreibe auch immer noch gerne darüber. Auch wenn ich inzwischen doch viel Arbeit in bezahlte Börsenartikel stecke und mir dabei meine Themen nicht immer so frei aussuchen kann, wie das früher der Fall war, als ich ausschließlich dieses Blog bespielt habe. Aber ich will mich nicht beschweren, sondern bin sogar dankbar, dass ich als 'ungelernter' Schreiberling eine so tolle Beschäftigung gefunden habe, die mir viel Freude bereitet - fast so viel wie das Investieren selbst. Fast...

So, geschafft. Und nun bin ich gespannt auf eure Anmerkungen und eure Kritik zu meinem Quartalsbericht.

Möge die Rendite mit euch sein! ツ

Disclaimer: Die meisten Werte befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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