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Montag, 4. Juli 2022

Kissigs Investor-Update Q2/22 mit Costco, Blackstone, Energiekontor, Vermilion Energy, FS KKR Capital, Funkwerk, Apollo Global Management, Hercules Capital, KKR, PNE

Mein Investor-Update zum Ende des 2. Quartals 2022

In meinen Investor-Updates blicke ich jeweils zum Ende eines Quartals auf die vergangenen Monate zurück und präsentiere die Top-Werte meines Investmentdepots; es ist in gewisser Weise mein persönliches 13F. Des Weiteren beschäftige ich mich gegebenenfalls auch mal mit Unternehmen, die ich hier im Blog noch nicht vorgestellt habe, die jedoch bereits den Weg in mein Depot gefunden haben.

"Investor-Update reloaded" - Ausgabe 16

Meine Investor-Updates zum Quartalsende machen mir jedes Mal viel Arbeit, aber auch eine Menge Spaß, wie ich gerne zugebe. Und sie sind für mich auch immer ein willkommener Anlass, die letzten drei Monate Revue passieren zu lassen.

Ich fahre ja einen gemischten Bottom-Up-Top-Down-Ansatz, bei dem ich einerseits auf Makroökonomische Trends setze, andererseits mir innerhalb dieser Trends dann die am besten positionierten und/oder bewerteten Unternehmen herauspicke.

Tendenzielle mittel- und langfristige Krisenprofiteure sind Unternehmen aus den Bereichen Cloud-Computing, Green Energy/ Dekarbonisierung, Digital Payments/ Fintech, Software-as-a-Service (SaaS), (Netz-) Infrastruktur, Cyber-Security, Medizintechnik und dort liegt auch der grundsätzliche Schwerpunkt meiner Depotausrichtung. Seit Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine finden gleich mehreren Zeitenwenden statt: das Ende der Globalisierung, eine neu Blockbildung, wobei die NATO eine ganz neue Wertschätzung erfährt und der Niedergang Europas/Deutschland - sofern wir unsere Energiekrise nicht nachhaltig lösen. Gleichzeitig sind die USA in der westlichen Hemisphäre der große Gewinner den Entwicklung, da sie energieautark sind und den Wandel aus einer Position der Stärke heraus angehen können. Derweil wird der Klimawandel nicht stoppen und eine enorme Herausforderung bleiben. Der Rüstungs- sowie der Luft- und Raumfahrtsektor wird dauerhaft profitieren. Und dann ist da noch die Energiekrise in Europa. Die Abkehr von russischen Energiequellen, die für bis zu 40 % der importierten fossilen Brennstoffe stehen, ist sehr kostspielig und treibt die Nachfrage nach alternativen Energien an, sowohl grüner Energie als auch fossiler Energieträger. Derweil notieren Öl und Gas rund 15 % unter ihren Höchstständen und ihr Preis wird durch wachsende Konjunktursorgen gedämpft. Dies betrifft auch andere Commodities; so sind Kupfer, Weizen und andere Priese ebenfalls teilweise deutlich gefallen, was die Inflation demnächst merklich bremsen wird - und damit Druck von den Notenbanken nimmt, die Zinsen (zu) stark anheben zu müssen. Die EU importiert jedenfalls knapp ein Viertel ihres Erdgas-Bedarfs aus Russland und da der Verbrauch nicht schnell gesenkt werden kann, treibt der Bann russischen Erdgases den Preis für Gas in der EU mächtig an. Das dürfte sich in absehbarer Zeit auch nicht maßgeblich ändern (können), unabhängig davon, was die Weltmarktpreise sonst so machen. Unternehmen, die in Europa Öl und Gas fördern, bleiben daher besonders interessant.

Ich bin gerne voll investiert, weil nach meiner Erfahrung sich eine hohe Cashquote nur in der Theorie auszahlt (für günstige Nachkäufe), in der Praxis aber auf lange Sicht Rendite kostet (weil man die Nachkaufchancen dann doch nicht nutzt und somit Geld unnötig unrentabel auf dem Konto verschimmelt). Dem entsprechend habe ich den Absturz, aber auch die anschließende Erholungsrallye voll mitgemacht. Und dank meiner Aktienauswahl auch überwiegend Gewinneraktien im Depot.

»Ich halte niemals Barmittel, denn Barmittel aufzubauen würde bedeuten, aus dem Markt auszusteigen. Meine Vorstellung ist es, für immer im Markt zu bleiben und Aktien abhängig von der fundamentalen Lage umzuschichten.«
(Peter Lynch)

Allerdings haben sich die Parameter zum Ende des Quartals deutlich verschoben und ich habe mein Depot an die neuen Herausforderungen angepasst. Dabei habe ich vor allem die zunehmenden Risiken im Blick. Aber dazu später mehr.

▶ Zur Marktlage

Das 2. Quartal liegt hinter uns und auch dieses Investor-Update steht noch einmal maßgeblich unter dem Einfluss der Corona-Pandemie, die uns alle, die Bürger, die Unternehmen und die Börsen vor große Herausforderungen stellt. Das größte Problem ist zurzeit wohl die schwindende Angst vor der Pandemie, weil die neueren Virusvarianten sich durchsetzen und mildere Verläufe auslösen mit weniger Toten. Daher schwindet die Akzeptanz von Anti-Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung. "Genug gelitten" ist die Einstellung, aber so funktioniert es leider nicht. Die Erfahrung aus 2021 zeigt, dass die neue große Sorglosigkeit die Inzidenzzahlen bald wieder in die Höhe katapultieren wird und auch die Todesfallzahlen steigen werden, sobald die Krankenhäuser wieder überlastet sind. BioNTech und Moderna haben angepasste Wirkstoffe in der Prüfung, die den neuen Virusvarianten besser zu Leibe rücken sollen. Aber sie wirken nur, wenn wieder weite Teile der Bevölkerung sich impfen lassen. Daran habe ich noch meine Zweifel. Aber nicht daran, dass ich mich impfen lasse, sobald die neuen Wirkstoffe verfügbar sind!

BioNTech könnte im Herbst zu einem der aussichtsreichsten Aktien avancieren, je nachdem, ob und wie stark die Impfkampagne ausfällt.

Corona ist längst aus den Schlagzeilen verdrängt, der Ukrainekrieg bestimmt seit Mitte Februar die Agenda. Die Folgen sind noch immer nicht nicht absehbar, aber es kristallisieren sich einige Entwicklungen heraus:
  1. Die Sanktionen des Westens (vor allem der USA und der EU) gegen Russland und das Putin-Regime bringen Russland an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds und das wird sich auch nicht so schnell wieder ändern. Die Sanktionen werden selbst bei einem baldigen Ende beibehalten und die russischen Gegenmaßnahmen ebenso. Energie bleibt teuer, Getreide ebenfalls, die Lieferketten sind und bleiben gestört.
  2. Die EU muss sich schnell und konsequent nach neuen Energien umsehen. Nicht nur Russland als Energielieferanten ersetzen, sondern ihre Abhängigkeit von Gas und Öl (und Kohle) massiv verringern. Das geht mit hohen Kosten und Belastungen einher für Wirtschaft und Bürger. Es bietet aber andererseits auch Chancen.
  3. China wird als "lachender Dritter" profitieren. Vom billigen Öl und Gas aus Russland und als der neue wahre Gegenpol zur "allmächtigen" USA. Europa sitzt - wieder einmal - zwischen den Stühlen.
  4. Larry Fink, Gründer und Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, hat es auf den Punkt gebracht: Der Ukrainekrieg hat die Globalisierung beendet. Es wird wieder Blöcke geben und die Unternehmen werden wieder lokaler produzieren. Rohstoffe werden wieder zu einem viel strategischeren Thema - und Europa hat wenig Rohstoffe zu bieten. Deutschland rohstoffarme als Exportnation ist gleich mehrfach gekniffen und wird sich teilweise neu erfinden müssen. Insgesamt denke ich, dass man bald von einer Art Glokalisierung sprechen können wird. Also globalem Handel, aber lokaler Produktion. Asien und auch Afrika als Werkbank Europas (und der USA) haben perspektivisch ausgedient. Der Süden und Osten Europas dürfte diese Rolle (wieder) übernehmen und dabei bevorzugt EU-Mitglieder. Der positive Nebeneffekt wird sein, dass sich die Verhältnisse dadurch in der EU schneller angleichen werden.
  5. Verteidigung, Rüstung, Cybersicherheit erfahren einen neuen Stellenwert und insbesondere das Thema Rüstung und Abschreckung ist kein "Pfui-Thema" mehr, sondern schlichte Notwendigkeit.
  6. Die USA sind ein großer Gewinner der Lage. Sie verfügen über große Öl- und Gasvorkommen und können Europa mitversorgen. Die NATO-Länder werden viel mehr Geld für Rüstung ausgeben und dabei werden vor allem die US-Rüstungsfirmen profitieren.
Momentan herrscht maximale Unsicherheit über die künftige Börsenentwicklung; es gibt so viele einzelne Einflussfaktoren, die alle für sich und auch gemeinsam das Zeug haben, die Börsen maßgeblich in die eine oder andere Richtung zu treiben, so dass man kaum prognostizieren kann, welcher wohl der entscheidende sein wird.

Die ganzen Weltuntergangsszenarien erspare ich mir und euch; die könnt ihr seit Monaten auf allen Kanälen und bis zum Erbrechen konsumieren, das sollte genug sein. Der überbordende und einseitig dominierende Pessimismus wird es zunehmend schwerer haben, noch weiter Nahrung für sein Buschfeuer zu finden - und sich damit zwangsläufig totlaufen.

Positiv gestimmt ist inzwischen wieder "Mr. Big Short" Michael Burry und verweist auf den Bullwhip-Effekt. Die US-Bürger haben in der Pandemie ihren Konsum nicht eingeschränkt und bis zuletzt trotz deutlich gestiegener Preise weiter ordentlich eingekauft. Dem entsprechend hätten die Unternehmen nachfragegerecht immer größere Lagerbestände aufgebaut - und nun bricht die Konsumnachfrage ein, die der größte Wachstumstreiber beim US-BIP ist. Die Unternehmen sitzen auf ihren Lagerbeständen, die durch die Inflation auch noch 8 % pro Jahr an Wert verlieren, und würden quasi dazu gezwungen, die Waren in den Markt zu drücken - und das dann zu immer niedrigeren Preisen bzw. immer größeren Preisnachlässen. Und sinkende Preise bedeuten eine sinkende Inflationsrate. Zudem haben sich die Energiepreise zuletzt merklich abgekühlt, zumindest außerhalb Europas, wo der Gaspreis auf neue Höchstmarken geschossen ist. Das liegt aber an der Unterversorgung des Kontinents mit Energie; die USA haben dieses Problem nicht. Dort wirken sich die gesunkenen Energiepreise ebenfalls bald inflationssenkend aus. Burry kommt daher zu dem Schluss, dass die US-Notenbank ihr Zinssteigerungstempo eher drosseln als forcieren und bald sogar wieder zu Stützungsmaßnahmen greifen wird, um die einbrechende Wirtschaft abzufedern.

Eine interessante Sichtweise, die auch in der Eurozone und für die EZB gelten könnte. Hier erreicht die Inflationsrate zwar mit 8,6 % neue 40-Jahresspitzenwerte, aber die Kerninflationsrate fällt bereits wieder und liegt "nur" noch bei 3,7 %. Da die hohen Preissteigerungen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2021 begonnen haben, erhöht sich in den folgenden Monaten die Vergleichsbasis kräftig, so dass der Zuwachs bei der Inflation abflaut. Im Ergebnis bleiben zwar hohe Preise, aber keine hohe Preissteigerung mehr. Doch genau diese Preissteigerung, die ja die Geldentwertung darstellt, soll und muss von den Notenbanken für ihr Ziel der Geldwertstabilität bekämpft werden - u.a. mit hohen Zinsen. Bleibt die Geldentwertung aus, sind auch keine hohen Zinsen nötig und damit keine Zinssteigerungen. Wir könnten bereits "Peak Inflation" hinter uns haben...

Ken Fisher ist ebenfalls sehr optimistisch für die zweite Jahreshälfte. Er meint, Bärenmärkte hätten eine durchschnittliche Lebenszeit von 8 Monaten und die hätten wir nun erreicht. Des Weiteren stünden in den USA Zwischenwahlen, bei der die Regierung ihre Mehrheit im Senat verlieren wird - und das seien immer kursbefeuernde Zeiten und Aussichten. Und auch das äußerst pessimistische Sentiment reizt geradezu neuem Kursoptimismus, meint Fisher: "Indem er die Erwartungen torpediert, macht der Pessimismus des Unglaubens jede Realität, die keine Katastrophe ist, zum Treibstoff für die Hausse". Er erinnert uns daran, dass es hierfür keine guten Nachrichten brauche, sondern einfach "nur" der völlig übertriebene Pessimismus aus dem Markt und den Kursen weiche. Wie im 2. Quartal 2020, als das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) um sagenhafte 31,2 % einbrach, also nachdem die Erholungsrally an den Börsen begonnen hatte. Die Börse läuft der Realität eben immer ein deutliches Stück voraus und heute wird so viel Negatives eingepreist und zwar ausschließlich Negatives, dass die Stimmung kaum noch schlechter werden kann. Eine annähernd perfekte Basis für den Beginn einer neuen Hausse!

Allerdings geht Fisher vor allem von einer starken Rally der Wachstumswerte aus und meint, die beste Phase der Value-Aktien liege hinter ihnen. Er verweist darauf, dass die seit Monaten anhaltende Outperformance der Value-Aktien aus einer Besonderheit resultiere: an schlechten Börsentagen verlören Value-Aktien viel weniger als Growth-Werte. An starken Börsentagen hingegen hätten Growth-Aktien viel stärker zugelegt als Value-Aktien. Da wir in der 1. Jahreshälfte deutlich mehr schlechte Börsentage als gut erlebt hätten, hätte sich hieraus die deutlich bessere Rendite der Value-Aktien ergeben. Zudem seien die Energiereise explodiert und die Kurse der Energieaktien, die dem Value-Lager zuzurechnen sind, ebenso.

Schwächt sich nun die Inflation ab und damit das Zinssteigerungsszenario und ziehen die Börsenkursen wieder an, dann sprechen die Faktoren damit für Wachstumsaktien. Ebenfalls sehr interessant.

Stock-Picking bleibt der Schlüssel zum nachhaltigen Börsenerfolg. Jedenfalls in meiner Welt jenseits der ETFs und Kryptowährungen - aber auch diese Assetklassen haben sich ja nicht gerade als Alternativen oder sichere Häfen für den Bärenmarkt erwiesen. Also konzentriere ich mich lieber auf die Unternehmen, nicht auf ihren Aktienkurs oder gar den Gesamtmarkt. Oder wie Warren Buffett es ausdrückte: man sollte lieber auf das Spielfeld achten und nicht so sehr auf die Anzeigentafel.

Dennoch werfe ich jetzt mal einen Blick auf meine persönliche Anzeigentafel: In diesem Umfeld hat sich mein Depot mehr als achtbar geschlagen; die ganz großen Umwälzungen habe ich nicht vorgenommen, denn mit meinen Depotschwergewichten fühlte und fühle ich mich grundsätzlich weiterhin wohl. Die meisten Top-Werte sind alte Bekannte, aber an der Gewichtung hat sich einiges verändert.

Ende März waren die größten Positionen in meinem Investmentdepot Costco, Blackstone, Energiekontor, Vermilion Energy, FS KKR Capital, Funkwerk, Apollo Global Management, Hercules Capital, KKR, PNE. Damit gibt es erneut nur drei neue Werte in meiner Top 10 aber einige Verschiebungen bei der Gewichtung.

▶ Mein Investmentdepot

Investmentdepot inkl. Cash per 30.06.2022
Ich folge dem Ansatz des Focus Investing und setze nur auf die besten Unternehmen. Des Weiteren halte ich eine signifikante Cash-Quote für renditevernichtend und bin damit stets zu mehr als 95% investiert (bezogen auf mein Investmentkapital).

Dabei setze ich vor allem auf ausgesuchte Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben und das führt zu soliden und meistens überdurchschnittlichen Ergebnissen.

Neben den Quality Investments liegt mein Interessenschwerpunkt weiterhin auf Deutschen Nebenwerten und abgerundet wird das Ganze mit einigen aussichtsreichen Turnaround-Spekulationen. Wenngleich mit den "heißen Wetten" natürlich größere Kursgewinne eingefahren werden können, jedenfalls für eine gewisse Zeit und durch ein viel höheres Risiko erkauft. Daher nehmen solche spekulativeren Werte nur kleine Positionen in meinem Depot ein; dazu zählen Turnaround-Spekulationen wie auch potenzielle Tenbagger - für beide braucht man viel Geduld.

Nun aber konkret zu den wesentlichen Veränderungen in meinem Investmentportfolio: Die Gewichtung meiner Top 10-Werte hat sich nicht wesentlich verändert; sie liegt nun bei 70 % nach zuvor 69 % und bei den Top 5-Werten sind es 47 % gegenüber zuvor 42 %.



Die Gewichtungen der Einzelwerte haben sich allerdings teilweise deutlicher verschoben und es gibt auch eine Reihe Zu- und Abgänge in den Top 10. Diese basieren sowohl auf Kursveränderungen, aber vor allem habe ich mich in den letzten 14 Tagen auf die drohende Gasmangellage in Deutschland vorbereitet. Dem entsprechend habe ich deutsche Industriewerte verkauft und bei deutschen Nebenwerten die Positionsgröße verringert. Es ist schlicht nicht absehbar, wie katastrophal die Auswirkungen sein werden, wenn Putin den Gashahn nach Deutschland wirklich komplett abdreht. Ich stelle in dieser Lage Risikoverminderung ganz klar über Chancenergreifen.

Das zeigt sich auch an einer Position, die nicht in der Übersicht zu finden ist. Ich habe mir für mein Depot zusätzlich eine Versicherung gekauft: einen endlos laufenden DAX-Knock-Out-Put von der Citibank, der es mit einer Gewichtung von 5,18 % eigentlich auf Platz 5 im Depot geschafft hätte (Citi TurboBear OpenEnd DAX, Basis 15.967, WKN: KE9F7S). Aber das ist eine vorübergehende Maßnahme und kein grundsätzlich negative Einstellung gegenüber Unternehmen und Aktien. Daher zeigt meine Übersicht lediglich meine Unternehmensbeteiligungen an.

Der Anteil des Langzeitspitzenreiters Funkwerk hat sich aufgrund der negativen Kursentwicklung und eines Teilverkaufs deutlich reduziert. Bei PNE habe ich den starken Kursanstieg, der aus der Sondersituation um Großaktionär MSIP herrührt, für einen Teilverkauf genutzt. SBF, Netfonds und Nynomic sind dem erwähnten Positionsreduzierung zum Opfer und damit aus der Top 10 gefallen. Gleiches gilt für Mutares, wobei hier in den letzten Tagen gleich mehrere schlechte Nachrichten zusätzlich deutlich kursbelastend wirkten. Energiekontor hat deutlich im Kurs nachgegeben und ich habe hier meine Position etwas aufgestockt.

Auffällig ist bestimmt, dass ich wieder bei den Alternativen Asset Managern zugeschlagen habe. Ich hatte sie ja Ende letzten Jahres als besonders aussichtsreich positioniert eingestuft im damaligen herausfordernden Umfeld, dann aber nach Ausbruch des Ukrainekriegs und dem starken Börseneinbruch im 1. Quartal reduziert. Meine Erwartung, dass sich der Börsenabschwung signifikant auf die operativen Ergebnisse der Asset Manager auswirken würden, hat sich als überzogen erwiesen. Sie haben tolle Ergebnisse vorgelegt, weil sie große Teile ihres "Dry Powder" investiert haben und diese dreistelligen Milliardenbeträge an neuen AuM (Assets under Management) schöne Managementprovisionen in die Kasse spülen.

Hatte ich zuvor vor allem auf Apollo Global Management und KKR gesetzt, habe ich mich nun für ein Dreierpack entschieden. Dabei habe ich mit Blackstone den größten und erfolgreichsten Alternativen Asset Manager ergänzt und das mit dem doppelten Gewicht. Blackstone ist der größte Immobilienbesitzer der Welt und hat rund ein Drittel seiner mehr als 900 Mrd. USD umfassenden AuM in Immobilien investiert; genauer gesagt stammen 34 % seiner provisionsgenerierenden Einnahmen aus Immobilien, 31 % aus Credit and Insurance, 24 % aus Private Equity und 11 % steuern Hedge Fund Solutions bei. Im 1. Quartal kamen 49,9 Mrd. USD an neuen AuM und in den letzten 12 Monaten 288 Mrd. hinzu. Sie stiegen im Jahresvergleich um 41 % auf nun 915,5 Mrd. USD und erzielten damit das stärkste Wachstum seit 10 Jahren. Und an "Dry Powder", also Geld, das noch auf seinen Einsatz wartet, stehen Blackstone 139,3 Mrd. USD zur Verfügung.

Blackstone ist eine der gewaltigsten Cashflow-Maschinen, die man sich vorstellen kann. Die gebührenbezogenen Erträge betrugen im 2022er Auftaktquartal 1,15 Mrd. USD bzw. 0,95 USD je Aktie (Q1/21: 740,8 Mio. USD bzw. 0,62 USD je Aktie). Gleichzeitig hat sich der freie Cashflow im letzten Jahr auf 3,9 Mrd. USD verdoppelt.

Jeder spricht über den abflauenden Immobilienmarkt und steigende Zinsen. Aber Blackstone hat die Immobilien bereits im Portfolio und die starken Preissteigerungen der letzten Jahre und Monate haben zu enormen stillen Reserven geführt, die Blackstone mit der Zeit realisieren kann. Aber nicht muss.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Alternativen Asset Manager die großen Gewinner dieser Wirtschafts- und Börsenlage werden und habe ihnen damit mit 21 % das höchste Branchengewicht in meinem Portfolio gegeben. Mit "meiner alten Liebe" Blackstone als meinem neuen Favoriten.

Erst jetzt komme ich zu meiner größten Einzelposition: Costco Wholesale. Das Unternehmen erweist sich mit seinem fast einzigartigen Geschäftsmodell als weitestgehend resilient in jeder Lebenslage und bleibt der Top-Pick im Einzelhandel - online wie offline. Zuletzt hatte ich Ende April ausführlich über das Unternehmen berichtet und an meiner positiven Einschätzung hat sich seitdem nichts verändert.

Auf Platz 4 findet sich mit Vermilion Energy ein weitgehend unbekanntes und unbeachtetes Unternehmen aus Kanada. Ich werde es noch ausführlich vorstellen; an dieser Stelle nur soviel: VET hat eine Börsenkapitalisierung von 3,15 USD und erzielt in 2022 einen Free Cashflow von 1,4 Mrd. USD und für 2023 könnte dieser auf 2,0 Mrd. USD steigen. Mit anderen Worten: der erwartete Free Cashflow zweier Jahre reicht aus, um die gesamte Börsenkapitalisierung des Unternehmen zu bezahlen! Die Nettoverschuldung liegt bei rund 1,4 Mrd. USD und sobald sie im 2. Halbjahr unter die Marke von 1 Mrd. USD gefallen ist, will das Unternehmen das überschüssige Kapital an die Aktionäre auskehren: über Dividendenerhöhungen, Sonderdividenden oder Aktienrückkäufe. Oder eine Kombination aus den Maßnahmen.

Hinsichtlich der Aktienrückkäufe macht Vermilion jedenfalls schon mal Nägel mit Köpfen und hat den Rückkauf von bis zu 16.076.666 Stammaktien und damit etwa 10 % des Streubesitzes über einen Zeitraum von 12 Monaten angekündigt.

Und wo stammt das viele Geld her? 40 % des Cashflows erzielt VET in Nordamerika, 60 % in Europa. Klingelt's? Während sich die Energiepreise angesichts steigender Konjunktursorgen zuletzt wieder etwas reduziert haben, explodieren die Gaspreise in Europa ungebrochen weiter. Sollte demnächst die Notfallstufe im Notfallplan Gas ausgerufen werden müssen, also die Gasmangellage, rechnet Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller mit einer nochmaligen (!) Verdreifachung der Gaspreise in Deutschland.

Damit ist Vermilion Energy nicht nur eine aussichtsreiche Wette auf hohe und steigende Energiepreise, sondern auch ein Hedge gegen die drohende Gasmangellage und die damit verbundenen katastrophalen Auswirkungen auf deutsche und europäische Unternehmen. Also neben meinem DAX-Put die zweite Absicherung für den Ernstfall, aber eben auch mit einer unternehmerisch optimistischen Prognose.

Die BDC FS KKR Capital hatte ich bereits in meinem letzten Investor-Update ausführlich vorgestellt und mit Hercules Capital habe ich eine zweite Business Development Company hoch im Depot gewichtet. Ich halte BDCs für Gewinner im anstehenden Zinserhöhungszyklus in den USA und die beiden Unternehmen für besonders aussichtsreich; bei Hercules Capital kommt der massive Kurseinbruch hinzu, der dem NAV-Absturz folgte. Dieser wiederum wurde dadurch ausgelöst, dass HTGC eine Reihe von Equity-Investments im Bestand hat und nicht nur Kredite an Technologiefirmen vergibt. Erst vor wenigen Tagen habe ich in einem BDC-Spezial die Lage ausführlich vorgestellt und bin dabei auf FS KKR Capital, Hercules Capital und Main Street Capital genauer eingegangen.
Der Aktienfinder führt inzwischen auch eine ganze Reihe von BDCs mit aktuellen Daten in seiner Datenbank; reinschauen lohnt sich!


▶ Meine Wikifolios

Inzwischen können Anleger nun neben "Kissigs Quality Investments" und "Kissigs Nebenwerte Champions" auch in "Kissigs Turnaround-Spekulationen" investieren. 

In meinem Format "Performance-Update" halte ich euch jeweils zum Monatsende über die Entwicklung der Börsenindizes und meiner Wikis auf dem Laufenden.

Bei Interesse an meinen Wikis einfach hier mal hier reinschauen: Mein Wikifolio-Profil.

▶ Meine Cash-Quote

Wie ich vor einiger Zeit ausführlich erläutert habe, bin ich inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass eine hohe Cash-Quote langfristig mehr Rendite kostet, als wenn man annähernd voll investiert ist und dann auch bei Kursstürzen voll aufs Brett kriegt. Man muss dann eben "nur" die Ruhe bewahren. Meine Cash-Quote lag Ende des 2. Quartals bei rund 5 %. Ich halte etwas Pulver trocken, um bei einer möglichen Kehrtwende bei den Wachstumswerten einsatzbereit zu sein. Das Cashpolster stammt aus noch nicht wieder vollständig reinvestierten Teilverkäufen und aus üppigen Dividendenzahlungen, die ich zuletzt kassiert habe: Blackstone, FS KKR Capital, Hercules Capital steuern spülen mir inzwischen fette Beträge aufs Konto, die ich unter normalen Umständen umgehend reinvestieren würde. Doch momentan warte ich damit etwas ab.

Des Weiteren ist auch der DAX-Put eigentlich Cash. Denn er soll ja nur vorübergehend das Depot (gegen die Gasmangellage) absichern und sobald die Lage hier "klar" ist, hat er ausgedient und sein Verkaufserlös steht mir für neue Investments zur Verfügung. So gesehen könnte man meine Cashquote mit 10 % angeben.

▶ Mein 'operativer Net Worth'

"Das Endergebnis aller Investitionen ist die Rendite" schrieb Value Investor Chuck Akre uns Anlegern ins Stammbuch. Ende Juni lag mein 'operativer Net Worth' bei -15,5%. Während der heftige Auftaktverlust im 1. Quartal durch den starken März, meinen in absoluten Zahlen besten Börsenmonat aller Zeiten, weitgehend ausgeglichen wurde, gab es im 2. Quartal drei Verlustmonate, die das Depot tief ins Minus gedrückt haben; der Juni war (in absoluten Zahlen) mit Abstand mein schlechtester Börsenmonat aller Zeiten. Zwischenzeitlich hatte ich schon zwei Drittel der starken Vorjahresgewinne eingebüßt - das schmerzt, aber es zeigt eben auch, dass es sich noch immer nur um eine Korrektur handelt und keine existenziell bedrohliche Lage.

Anmerkung: Bei meine 'Operativen Net Worth' ist zu berücksichtigen, dass in diesen Wert auch meine unternehmerischen Aktivitäten mit einfließen und es deshalb auch zu größeren Abweichungen insbesondere gegenüber den Wikis kommen kann. Vor allem die Performancegebühr für die erfolgreiche Entwicklung der Wikis fließt aus diesen ab, aber in meinen 'operativen' Net Worth als Zufluss mit ein. Je besser die Wikis laufen und je mehr Geld in die Wikis investiert ist, desto größer ist dieser Effekt. Darüber hinaus ergibt sich durch die Inanspruchnahme des Wertpapierkredits ein Hebeleffekt (in beide Richtungen), der die Vergleichbarkeit nochmals zusätzlich einschränkt.

Meine angepeilte durchschnittliche Jahresperformance liegt bei 15% und die wird in diesem Jahr kaum noch zu erreichen sein. In den letzten acht Jahren habe ich sechs Jahre mit Renditen zwischen 22 % und 37 % angeschlossen, während 2018 knapp 10 % Verlust einspielte. Und 2022 toppt dies mit bisher -15,5 %. Würde sich der Trend fortsetzen, dass jedes vierte Jahr ein Einbruch stattfindet, während die drei anderen jeweils satte Gewinne einspielen, bliebe alles mehr als im Plan. Denn dann läge die durchschnittliche Rendite weiterhin deutlich über 15 % p.a. Nur... die drei guten Jahre müssen auch erstmal gemeistert werden. Und angesichts der stattfindenden Zeitenwende mit Rückschritten bei der Globalisierung, neuer Blockbildung samt Rüstungswettrennen und einer Energiewende im Schnellvorlauf, um dem Klimawandel und der Energiemangelversorgung in Europa Herr zu werden, sowie der Wiederkehr von Inflation und Zinsen dürfte es wohl weniger "low hanging fruits" geben als in früheren Jahren, als die Notenbanken die Liquiditätsschleusen maximal geöffnet hatten. "Dieser Weg wird kein leichter sein", sang Xavier Naidoo. Aber es ist der Weg...

»Bullenmärkte steigen den Menschen zu Kopf. Wenn Sie eine Ente in einem Teich sind und der Teich aufgrund eines Regengusses ansteigt, steigen Sie in der Welt auf. Aber Sie denken, dass es an Ihnen liegt und nicht am Teich.«
(Charlie Munger)

Unbestritten, auch ich bin die letzten Jahre mit dem Pegelstand im Teich aufgestiegen. Aber ich hoffe, dass es nicht nur daran lag, sondern auch an meinem eigenen Können. Vielleicht war es aber auch nur Glück. Oder alles zusammen.

Mir macht mein Lieblingshobby noch immer viel Spaß und ich schreibe auch immer noch gerne darüber. Auch wenn ich inzwischen doch viel Arbeit in bezahlte Börsenartikel stecke und mir dabei meine Themen nicht immer so frei aussuchen kann, wie das früher der Fall war, als ich ausschließlich dieses Blog bespielt habe. Aber ich will mich nicht beschweren, sondern bin sogar dankbar, dass ich als "ungelernter" (Redakteur) einen so tollen Job gefunden habe, der mir nach wie vor viel Freude bereitet.

So, nun muss ich aber langsam (oder lieber schnell!) wirklich das Ende finden. Geschafft. Ich bin - wie immer - gespannt auf eure Anmerkungen und eure Kritik zu meinem Quartalsbericht...

Möge die Rendite mit euch sein! ツ

Disclaimer: Die meisten der genannten Werte befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wikifolio.

17 Kommentare:

  1. Da je fur das Update.
    Lustig, dass du vermilon Energy nennst... Die hatte ich in der Krise mal für 2,5 Euro eingesammelt... Sind aber schon lange wieder weg

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  2. Danke für das Update 👍 immer sehr informativ und lehrreich wie man mit den verschiedenen Positionen im Depo einschätzt, bewertet und kauft oder verkauft.

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  3. Konstantin04.07.22, 13:01

    Zu Vermilion Energy sollte man vielleicht auch wissen, dass zum 31.3.2022 ein "accumulated deficit" von ca -1,56 Mrd USD in der Bilanz stand.

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  4. Vielen Dank für das Update. Immer wieder eine Freude Ihre mit Börsenweisheiten garnierten Beiträge zu lesen.

    Neben Verbio (Investitionen in USA/Indien begrüßenswert aufgrund des schwierigen politischen Umfeldes in D.), Shell ("Coronakauf" ~12€) habe ich noch 2 riskantere Positionen (Meyer-Burger/Cloudberry Clean Energy) im Depot um das Thema Energie abzudecken. Meine noch vorhandenen Gazprom ADRs werden vermutlich keine Rolle mehr spielen. :-)
    Lehrgeld, aber da ich kein stark konzentriertes Portifolio besitze zu verschmerzen.

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    1. "Sie müssen wissen, wenn Sie schief liegen. Dann müssen Sie verkaufen."
      (Peter Lynch)

      Frank, ich hoffe dass dies die Lehre ist, die Du aus Deinem Gazprom-Engagement gezogen hast. Als der Westen die Sanktionen gen Russland, Putin, Gazprom verhängt hat, war eigentlich klar, dass Gazprom als Investment verbrannt ist. Zu diesem Zeitpunkt hätte man unbedingt die Reißleine ziehen sollen/müssen - egal, ob man 100 % im Plus oder 90 % im Minus stand. Und das gilt für alle russischen Aktien.

      Natürlich ist es emotional nicht leicht, sich das Scheitern einzugestehen und einen heftigen Verlust, vielleicht nahe am Totalverlust, zu realisieren. Und man denkt dann, man lässt die Aktie einfach im Depot rumgammeln, die könnte sich ja auch irgendwann mal wieder erholen. Ja, könnte sie, vielleicht. Aber das ist kein Investmentcase.

      Man muss sein Geld nicht derselben Aktie zurückgewinnen. Liegt man falsch, Kasse machen. Und woanders und aussichtsreich(er) investieren. Das ist wesentlich erfolgversprechender. Das ist jedenfalls meine mit teurem Lehrgeld bezahlte Erfahrung aus Neuer Markt-Zeiten. ;-)

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  5. Kalle 04.07.22,
    heute in wallstreet online: Michael Burry: "Markteinbruch ist erst zur Hälfte vorbei"

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    1. Wenn sich die Inflationsrate nicht bald deutlich abschwächt und die Fed (deshalb) bei den Zinsanhebungen völlig überreißt, ist das durchaus denkbar. Allerdings sehe ich eher inflationsbremsende Entwicklungen bei den Preisen (Holz, Kupfer, Weizen, Öl), eine Entspannung bei den Lieferkettenstörungen (nicht nur in China/Shanghai) und dann kommt noch der Basiseffekt hinzu, weil die Preise ja in H2/21 so stark zu steigen begonnen haben. Ebenso möglich ist daher, dass wir "Peak Inflation" bereits hinter uns haben und bei sinkenden Inflationsraten wird die Fed eher zurückhaltend agieren, um die Konjunktur nicht vollends abzuwürgen. Michael Burry hat das mit dem Bullwhip-Effekt ja akkurat beschrieben; und auch, dass dieser im Lauf des H2/22 Wirkung entfaltet. Auch unter diesem Gesichtspunkt kann es also erstmal noch weiter ruckeln, bevor die Trendumkehr stattfindet. Es bleibt spannend...

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    2. Es soll tatsächlich so etwas wie Service-Inflation geben. Hinzu kommt die OER, die weiterhin massiv unterschätzt wird. Warum wird hier so geschrieben, als würde die Infaltionsrate maßgeblich von Gütern/produzierendem Gewerbe bestimmt?

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  6. Vielen Dank für das Update zu den Investitionsentscheidungen, was in weiten Teilen auch meiner Meinung entspricht.
    Welche WKN hat das DAX-Knock-out-Put und mich würde deine Einschätzung zu Brookfield Asset Management interessieren?

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    1. Moin Rainer,
      ich habe mich für ein endlos laufendes Knock-Out-Zertifikat auf den DAX entschieden mit einem Basiswert von 15.967 Punkten, also ganz weit "aus dem Geld". Es ist der Citi TurboBear OpenEnd DAX mit der WKN: KE9F7S.

      Brookfield Asset Management hat sich über viele Jahre hinweg schlechter entwickelt als die Peer Group (Blackstone, Apollo Global Management, KKR) und fährt die Strategie, Thementöchter an die Börse zu bringen. Das läuft nicht immer so toll für deren Aktionäre und manchmal werden diese Töchter dann wieder zurückgekauft und reintegriert. Dass sich durch dieses Hin- und Her irgendwie ein Mehrwert für die Aktionäre ergeben hätte, kann ich bisher nicht feststellen. Und nun soll die Asset Management-Sparte separat an die Börse gehen. Euphorie bricht da bei mir nicht aus. Apollo Global hat ähnliches mal mit seiner Rentenversicherungssparte (Athene Holdings) gemacht. Man hat für einen Minderheitsanteil ordentlich Geld kassiert und der Kurs hat sich in den nächsten Jahren halbiert. Ende 2021 hat man Athene dann wieder vollständig übernommen - gut für Apollo (und seine Aktionäre), denn man hat viel weniger bezahlt als man für die selben Aktien ein Jahre früher mal eingenommen hat.

      Ich fürchte, BAM wird durch diese Struktur und seine vielen separat gelisteten Töchter noch unübersichtlicher und daher (weiterhin) dauerhaft mit einem Abschlag gehandelt. Operativ erkenne ich ebenfalls keine Vorteile hieraus. Warren Buffett fragte mal, weshalb solle man die zweitbeste Aktie kaufen, wenn man auch die besten kaufen könne. Ich habe mich für die beste(n) entschieden und denke, dass ich mit APO, BX und KKR bestmöglich im Sektor positioniert habe. BAM und/oder seine Töchter wären für mich allenfalls zweite Wahl. Und da habe ich mich dann als Ergänzung für die BDCs FS KKR Capital und Hercules Capital entschieden, um den Finanzsektor nochmal höher zu gewichten (wenn auch mit Fokus auf Dividenden-Cashflow und damit unter anderen Vorzeichen als bei den Asset Managern).

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  7. Also so perfekt sind jetzt FS KKR Capital und Hercules Capital in letzter Zeit kursmäßig auch nicht gerade gelaufen. Und ansonsten sind Sie doch auch nicht gerade ein Fan von Dividenden gewesen, die Ihrer Ansicht nach doch besser in den Unternehmen selber aufgehoben sind, oder liege ich da jetzt völlig falsch?

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    1. Richtig, auch die Kurse von BDCs sind unter Druck geraten; ein Grund mehr, sie jetzt zu kaufen. Und was die Dividenden angeht: ich investiere nicht ausschließlich und nicht bevorzugt in Aktie mit hoher Dividendenrendite. Aber den einen oder anderen Dividendenwert habe ich schon im Depot, um den Cashflow für neue Investments nutzen zu können. FSK, HTCG und BX gehören für mich an Bord.

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  8. Hallo Michael, vielen Dank für die Rückinfo

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  9. Was ist Deine Meinung zu Mutares? Die hattest Du ja hoch gewichtet.

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    1. Ja, Mutares hatte ich hoch gewichtet und habe kurz vor der Dividendenzahlung meine Position reduziert. Angesichts der heftigen Börsenturbulenzen hatte ich meinen Bestand noch nicht wieder aufgestockt, dann kam die drohende Gasmangellage hinzu und ich habe alle deutschen Werte, die entsprechend negativ getroffen werden könnten weiter reduziert, auch Mutares. Dass nun zuletzt zwei negative Meldungen den Kurs nochmals kräftig unter Druck gesetzt haben, hatte ich so auch nicht auf dem Schirm. Ich stehe bei Mutares aber Gewehr bei Fuß, um meine Position wieder deutlich auszubauen - sobald ich hinsichtlich der Gasmangellage klar sehe, vorher nicht. Es ist jetzt für alle europäischen Industriewerte eine extrem herausfordernde Zeit und da Mutares genau hier seine Beteiligungen hat und zukauft, sind die Risiken momentan nur schwer einzuschätzen.

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  10. Das Gleiche gilt dann auch für MBB - oder?

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    1. Grundsätzlich gilt das auch für MBB. Die haben mit Friedrich Vorwerk als deutlich größter Beteiligung natürlich ein Unternehmen an Bord, das von der aktuellen Lage besonders profitiert. Dennoch bleibt die Lage insgesamt erstmal angespannt.

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