Sonntag, 6. August 2017

Was ist... ein ökonomischer Burggraben?

Unter einem ökonomischen Burggraben ("Economic Moat") versteht man kein Bauwerk und keine Investments in Bau, Steine, Erden. Vielmehr geht es um die Markteintrittshürden, den die Wettbewerber zu überwinden haben - und auch die eigenen Kunden, sollten sie sich vom Unternehmen trennen wollen. Es geht also um Wettbewerbsvorteile von Marken und Produkten, um Unternehmen, die ihren Markt beherrschen. Diese Unternehmen bezeichnet Warren Buffett als Festungen.

Derartige wirtschaftliche Trutzburgen sind Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen

  • in den Augen der Verbraucher konkurrenz- und alternativlos sind,
  • benötigt und gewünscht werden,
  • nicht übermäßig kapitalintensiv sind,
  • nicht staatlich beaufsichtigt werden.

Beispiele sind Microsoft, die 20 Jahre lang mit Windows und Office zwei Produkte im Angebot hatten, an die sich so gut wie jeder Konkurrent die Zähne ausgebissen hat. Oder Alphabet, das mit seiner Suchmaschine Google den Suchmaschinenmarkt dominiert und quasi ein Monopol im Online-Werbeanzeigenmarkt einnimmt.

»Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird
(Warren Buffett)


Buffett sucht Unternehmen mit einem hohen "Goodwill", also einem quasi unantastbaren Markennamen und -standing. Deshalb hat er sich bei Coca Cola engagiert, bei See's Candies - und zuletzt massiv bei Apple, trotz seiner Tech-Abneigung. Denn Apple verfügt über hohe und stetige Erträge und langfristige Kundenbeziehungen, weil sich die Kunden nur unter erheblichem Aufwand aus dem Apple-Universum trennen können. Es ist also für Konkurrenten nicht so einfach, in diese Festungen einzudringen.

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis
(Warren Buffett)

Und Buffett ist bereit, für den Moat höhere Kaufpreises für seine Investments zu akzeptieren, denn durch ihre starke Marktstellung haben sie die Preissetzungsmacht und starke Kundenbindungen, die sie auch Krisenzeiten besser überstehen lassen. Und sie erzielen die attraktiveren Margen und damit die höheren Renditen. Die Kernelemente der Quality Investing Strategie...

Kommentare:

  1. Müßte dann nicht Warren Buffett Colgate-Palmolive "lieben"?

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    1. Er war bei Procter & Gamble investiert (weil die Buffetts Ursprungsinvestment Gilette geschluckt hatten) und er ist in Kraft Heinz investiert. Passive Investments mit Burggraben sind also durchaus in seinem Portfolio. Und mal sehen, was er - oder Kraft Heinz - noch im Sucher haben...

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  2. Ich als Techi, der in der Branche zu Hause ist, kann Apple nicht ganz nachvollziehen, sich zum jetzigen Zeitpunkt einzukaufen. Anfang der 2000er ja. Heute aber nicht mehr.
    Das Apple universum beginnt zu bröckeln.
    Ich weiss, dass er letztes Jahr dort eingestiegen ist. Aber es wird keine langfristige Position werden.

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