Donnerstag, 20. Dezember 2018

Charlie Munger steht auf Focus Investing. Ziel des Investierens sei, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.

Benjamin Graham war ein großer Befürworter des Diversifizierens. Seiner Überzeugung nach kann eine möglichst breite Streuung im Portfolio das Risiko deutlich reduzieren, Opfer von hochemotionalen Kurseinbrüchen zu werden.

Und Peter Lynch kaufte für seinen Fonds immer mehrere Werte eines ganzen Sektors, wenn er bei einem Unternehmen auf eine Perle gestoßen war. Allerdings war dies vor allem dem enormen Investitionsvolumen des Magellan-Fonds geschuldet, für den die Börsenkapitalisierungen vieler Einzelwerte einfach zu klein waren und darüber hinaus hatte er hier strikte zu befolgen, die eine stärkere Fokussierung auf einige wenige Titel erschwerten.

Warren Buffett und Charlie Munger hingegen lehnen die Strategie des Diversifizierens ab und sind klare Verfechter des "Focus Investing". Einige wenige sehr gute Werte sollen das Portfolio beherrschen und weitere Titel allenfalls Beimischungen sein. Sie sind der Überzeugung, dass man nur die besten Unternehmen auswählen und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen sollte.

»Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich die beste haben kann?«
(Warren Buffett)

Sie spekulieren nicht mit Aktien, sie investieren in Unternehmen, sie beteiligen sich, werden Partner. Diese qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio ihrer Investmentholding Berkshire Hathaway hatten sich die vier größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert. Bis Bank of America und Apple ganz schnell ganz groß in die Spitze drängten. In Summe stehen die sechs größten Werte für gut 70% des Berkshire-Depotvolumens.


»Anleger sollten peinlich genau darauf achten, nicht die meisten, sondern die besten Aktien zu halten. Bei Aktien kann Masse niemals mehr als schwacher Ersatz für Klasse sein.«
(Philip A. Fisher)

Ebenso sieht es Börsenlegende Philip A. Fisher, der ebenfalls dazu rät, sich auf einige wenige Aktien zu  konzentrieren: die besten. Für ihn stellt breite Diversifikation weniger einen zusätzlichen Schutz vor Risiken dar, als viel mehr einen (zu) starke Verwässerung der Chancen. Klasse statt Masse ist auch hier sein Credo und das fußt natürlich darauf, dass man sich zuvor intensiv mit "seinen" Unternehmen auseinandergesetzt und diese gründlich analysiert hat, bevor man sich ihre Aktien ins Depot legte. In seinem Buch "Die Profi-Investment-Strategie" hat Fisher hierzu konkrete Ausführungen gemachte und die aus seiner Sicht optimale Aufstellung eines Depots dargelegt.

»Eine Politik der Portfoliokonzentration kann das Risiko verringern, wenn sie sowohl die Intensität, mit der ein Anleger über ein Unternehmen nachdenkt, als auch das Komfortniveau erhöht, das er vor dem Kauf empfinden muss.«
(Warren Buffett)

Ich bevorzuge den Ansatz von Buffett, Mungers und Fisher, denn wenn man nicht davon überzeugt ist, die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld doch eher in Investmentfonds oder ETFs anlegen. Ein zu breit gestreutes Portfolio, bei dem einzelne Werte jeweils nur wenige Prozente des Gesamtbestands ausmachen, ist letztlich ein eigener Fonds im Kleinen. Und zu viele Werte verwässern auch die mögliche außergewöhnliche Performance, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Kurs an der Börse entsprechend gestiegen ist.

»Diversifikation ist bis zu einem gewissen Punkt sinnvoll. Wenn man nicht weiß, was man tut, ist es sinnvoll, seine Investitionen zu streuen. Bei Berkshire versuchen wir, weniger zu tun. Wir konzentrieren uns nur auf die wenigen Dinge, die wir gut kennen. (...) Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Mein Fazit

Für mich heißt es Konzentration statt (zu) breiter Diversifikation. Etwa die Hälfte meines Depots besteht aus höher gewichteten Werten und zusätzlich halte ich einige kleinere Positionen, die sich in Sondersituationen befinden oder bei denen trotz eines überdurchschnittlichen Chance-Risiko-Verhältnisses ein höheres Risiko vorhanden ist.

Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark
▶ "Die Profi-Investment-Strategie" von Philip A. Fisher

Kommentare:

  1. Viele Wege führen nach Rom, wie Peter Lynch mit teilweise über 1400 Aktien bewiesen hat. Ich habe nicht die Genialität eines Buffets oder Bill Ackmans um die wenigen Unternehmen mit einem „moat“ herauspicken zu können. Deshalb setze ich persönlich auf das einzig konstante und berechenbare an der Börse. Die Psychologie des Menschen. Denn diese hat sich in den letzten 100000 Jahren nicht verändert und wird sich bis zum Ende der Menschheit nicht ändern. Deshalb setzte ich auf die unbeliebtesten Unternehmen oder ganzen Branchen, weil ich weiß dass im Durchschnitt diese etwas besser abschneiden werden, als von den meisten erwartet. Und einige wenige werden total überraschen und viel besser laufen als so einige der „besten“.

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    1. Und welche wären dies derzeit (Branchen und Unternehmen)?
      LG
      Djerun

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  2. Ich bin mir nicht so sicher, dass es immer sinnvoll ist auf die "unbeliebten hässlichen Entlein" zu setzen. In der Realität werden sich die wenigsten davon zu einem strahlenden Adler entwickeln. Aber ich verstehe den Gedankengang und die psychologische Grundlage.

    LG
    P. Steffens

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  3. Wenn man so in die Zukunft blicken könnte, um eindeutig und objektiv die beste von der zweitbesten Aktie zu unterscheiden, wäre es leicht. Wer ist in den nächsten 10 Jahren besser: Apple oder Microsoft oder doch Google? Theorie bzw. Statements und Praxis klaffen i.a. doch etwas auseinander.

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    1. Investieren ist keine Wissenschaft, sondern es geht um Wahrscheinlichkeiten. Nehmen wir also mal an, man hätte eine interessante Branche ausfindig gemacht und dort gäbe es fünf börsennotierte Unternehmen. Kauft man nun alle fünf, um zu diversifizieren? Oder sucht man sich das aussichtsreichste von denen heraus? Also das, was in der Vergangenheit die besten Ergebnisse gebracht hat, oder welches die besten Zukunftsaussichten aufweist, oder das am niedrigsten bewertete? Ergibt diese Bewertung, diese Analyse am Ende, dass eines der fünf Unternehmen besser dasteht als die anderen, warum sollte man dann alle fünf kaufen? Sollte man nicht lieber alleine auf das beste der Unternehmen setzen? Zumal ja erwiesenermaßen selbst die besten Investoren nur bei etwas mehr als der Hälfte ihrer Anlageentscheidungen richtig liegen? Daher macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, einfach nur breit zu streuen (dann kann man gleich den Index kaufen). Man sollte sich auf die besten Unternehmen konzentrieren. Und wenn man falsch liegt, konsequent sein, seine Verluste begrenzen, und woanders investieren. Und auch da wieder fokussiert auf die aussichtsreichsten Werte setzen.

      Wenn ich Tomaten kaufe, suche ich mir auch die beste bzw. besten heraus und nehme nicht möglichst viele, um das Risiko zu verringern, evtl. doch ein paar Faule dabei zu haben. Ne, ich schaue mir die Tomaten genau an und picke mir die heraus, bei denen ich mir sicher bin, keine faule zu erwischen, sondern die knackigsten und frischesten. Warum sollte ich bei Aktien anders vorgehen?

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