Montag, 21. August 2017

Investments konzentrieren oder diversifizieren?

Benjamin Graham war ein großer Befürworter des Diversifizierens. Seiner Überzeugung nach kann eine möglichst breite Streuung im Portfolio das Risiko deutlich reduzieren, Opfer von hochemotionalen Kurseinbrüchen zu werden.

Und Peter Lynch kaufte für seinen Fonds immer mehrere Werte eines ganzen Sektors, wenn er bei einem Unternehmen auf eine Perle gestoßen war - allerdings war dies natürlich auch dem enormen Investitionsvolumen des Magellan-Fonds geschuldet, für den die Börsenkapitalisierungen vieler Einzelwerte einfach zu klein waren.

»Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich die beste haben kann?«
(Warren Buffett)

Warren Buffett hingegen lehnt diese Strategie ab und ist ein klarer Verfechter des "Focus Investing". Einige wenige sehr gute Werte sollen das Portfolio beherrschen und weitere Titel allenfalls Beimischungen sein. Er ist der Überzeugung, dass man nur die besten Unternehmen auswählen und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen sollte. Buffett spekuliert nicht mit Aktien, er investiert in Unternehmen, er beteiligt sich, wird Partner. Diese von ihm bevorzugte qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway hatte er die vier größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert.

»Breite Diversifikation ist nur dann nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen.«
(Warren Buffett)

Ich bevorzuge Buffetts Ansatz, denn wenn man nicht davon überzeugt ist, die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld doch eher in Investmentfonds oder ETFs anlegen. Ein zu breit gestreutes Portfolio, bei dem einzelne Werte jeweils vielleicht nur 5 Prozent des Gesamtbestands ausmachen, ist letztlich ein eigener Fonds im Kleinen. Und zu viele Werte verwässern auch die mögliche außergewöhnliche Performance, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Kurs an der Börse entsprechend gestiegen ist.

»Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Fazit
Für mich heißt es Konzentration statt (zu) breiter Diversifikation. Etwa die Hälfte meines Depots besteht aus höher gewichteten Werte, an denen ich als Ankerinvestments langfristig festhalte. Und zusätzlich halte ich eine Reihe von kleinen Positionen, die sich in Sondersituationen befinden oder bei denen trotz eines überdurchschnittlichen Chance-Risiko-Verhältnisses ein höheres Risiko vorhanden ist.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    sehr schöner Artikel. Mich als regelmäßigen Leser würde an dieser Stelle interessieren was denn deine Ankerinvestments derzeit sind?

    VG

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    1. Meine vier größten Positionen sind Corestate Capital, Blue Cap, Deutsche Beteiligung und MBB. Übergewichtet und in den Top 10 sind dann noch u.a. Amazon, Aurelius, Steico, Technotrans mit dabei.

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    2. Das ist doch ein Top Portfolio.
      Hast du denn auch mal deine persönliche Performance gegenüber z.B. dem S-Dax M-Dax oder MSCI World gegenübergestellt (über einen längeren Zeitraum)?

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    3. @Michael Wie ich dich mittlerweile kenne, bist du kein großer Freund von kleineren Werten, welche in erfolgreichen Wikis eine hohe Gewichtung haben (siehe dein Kommetar zu Eyemaxx Real AG). Nun hat aber DBAG genau im gleichen Wiki eine Gewichtung von knapp 10%, was ein gehöriger Anteil des Streubesitzes von DBAG ist.

      Grüße, Eric

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    4. Genau so ist es. Wenn ein großes Wiki Anteile an Small- oder gar Microcaps hält, ist das unverantwortlich! Denn das Wiki alleine bestimmt den Kurs - rauf und runter. Das Levermann-Wiki beschreibt seit zwei Wochen "seine" Problematik: eigentlich ist nach der Levermann-Strategie mindestens einer der Werte zu verkaufen. Aber da das Wiki einen erheblichen Anteil des Freefloats in diesem Wert hält, kommt es da gar nicht mehr kursschonend raus. Es wird also nicht, wie üblich, montags mitgeteilt, was ge- oder verkauft wird. Sondern die Anleger werden hingehalten. Und das, obwohl Wikifolio ja gerade mit maximaler Transparenz wirbt! Hier sind aber wieder mal nicht alle gleich und für einige werden die Regeln zurecht gebogen.

      Man schaue jetzt mal einfach auf den Kurs von Accenture Real Estate - und man sieht, was für Auswirkungen ich meine. Und man kann ja einfach mal auf die anderen Depotwerte im Wiki schauen und dann sieht man schon, welche Klein- und Kleinstwerte da enthalten sind. Die durch die Käufe und die Mittelzuflüsse in das Wiki enorm nach oben getrieben wurden. Und denen entsprechend beim Ausstieg (oder nur bei stärkeren Mittelabflüssen und damit nötigen Teilverkäufen) des Wikis dann ein Kursmassaker droht.

      Zum Unterschied Eyemaxx / DBAG: Eyemaxx hat eine Marktkapitalisierung von 60 Mio. Euro, die DBAG liegt bei 600 Mio. Bei Eyemaxx würde das Wiki beim Glattstellen der Position ebenfalls einen erheblichen Kursabsturz verursachen, weil so viele Aktien gar nicht vom Markt aufgenommen werden können. Selbst über einen gestreckten Zeitraum hinweg nicht. Bei der DBAG würde der Kurs auch keine Jubelsprünge vollführen, aber der Markt könnte die Aktien aufnehmen ohne quasi zusammenzubrechen. Deshalb sehe ich das Wiki-Engagement bei der DBAG als nicht ganz so problematisch an.

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    5. Alles klar - danke für diese fundierte Analyse. Ich habe meine Eyemaxx-Werte trotz der positiven Entwicklung wegen dieser Problematik abgestoßen.

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  2. Peter Lynch ist der Meinung, dass 5 Aktien mehr als genug sind. Er selber war ein Freund der Konzentration, leider durfte er max. 5% nur in eine Aktie stecken, deshalb hat er auch, mehrere Werte eines ganzen Sektors gekauft, wenn er die Chance sah.

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  3. Hallo, ich sehe es etwas differenziert wie Sie. Sind Sie sich sicher das sie immer die besten Unternehmen auswählen? Warum sollte ich aus einer Branche immer nur die beste Firma kaufen, wenn ich doch auch die zweitbeste haben kann. Wer seine Investments so gut wie ein Leben lang halten kann und möchte, der wird feststellen, dass oftmals aus einer Branche zehn Jahre lang die eine Firma ein bisschen besser war die nächsten zehn Jahre war es wieder der zuvor zweitplatzierte.... Also gleich beide ins Depot und ruhig schlafen, dann spar ich mir das hin und her... Halte ich zehn Jahre die bessere und danach wird der zweitplatzierte der bessere und verkaufe dann, hab ich einen enormen Steuerverlust.. Aber gut Jeder hat seine eigenen Ansichten.

    Herr Kissig was ist schlecht daran seinen eigenen Fond zu besitzen??? Entschuldigen Sie, aber diesen Artikel kann ich von Ihnen nicht nachvollziehen.. Klar sind zu viele Werte schwierig, aber lieber hab ich doch sehr viele Werte und zahle keine laufenden Kosten und habe sowas wie einen kleinen ETF bevor ich einen ETF halte wecher definitv auch schlechte Werte enthält und laufende Kosten generiert, ab einer gewissen Anlagesumme sind selbst diese hoch. Von Aktiven Fonds ganz zu schweigen...

    Ich muss zugeben bin enttäuscht von diesem sehr oberflächlich gehaltenen Artikel...

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    1. Wenn Sie einen Fonds bevorzugen, dann können Sie doch einen kaufen? Und sich die viele Zeit mit der selbständigen Auswahl einzelner Aktien sparen? Und ja, ich glaube, dass ich die besten Aktien auswählen kann - zumindest dass meine Auswahl besser abschneidet als der Durchschnitt. Sonst würde ich kein Stock-Picking betreiben, sondern dies Fondsmanagern für mich überlassen. Ein Blick auf eine Empfehlungsliste genügt wohl, um zu zeigen, dass ich viele außergewöhnlich gut performende Aktien im Blick habe. Mein Problem ist eher, dass ich leider immer noch viel zu ungeduldig bin und nicht alle dieser Aktien ständig und die ganze Zeit im Depot habe. Und ggf. nicht in der besten Gewichtung.

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    2. Das ich einen Fond bevorzuge hab ich in keinster Weise erwähnt..?? Wo steht das bitte? Will ich ja aufgrund der Gebühren nicht! Denke habe meine Gründe dargestellt. Ich glaube sie haben meine Ansicht nicht verstanden

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    3. Doch, ich habe Sie sehr wohl verstanden. Sie bevorzugen eine möglichst breite Streuung im Depot. Sie sagten: "Was ist schlecht daran seinen eigenen Fond zu besitzen?". Ist ja okay, ich frage mich nur, weshalb man das anstreben sollte? Wenn man so breit diversifiziert, kann man sich nicht adäquat mit den einzelnen Unternehmen beschäftigen, sondern kann allenfalls oberflächlich informiert bleiben. Und man muss eine enorme Zeit aufwenden für diese eher oberflächliche Betrachtung. Wozu? Für - dann - vergleichsweise geringe Gebühren kann man auch auf EFTs/Fonds setzen. Und spart sich eine menge Zeit, die ist ja auch etwas wert. Das ist der Gedanke hinter meinen Äußerungen. Persönlich wollte ich Ihnen damit nicht zu nahe treten. Sie können selbstverständlich so agieren, wie sie es bevorzugen. Ich tue das ebenso nach meinem Gusto.

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  4. @Michael: Deine Ankerinvestments verändern sich ja teilweise immer mal wieder ein bisschen... Von was genau machst du deine Gewichtung denn abhängig? Eher von den kurzfristigeren Chancen auf dem Markt oder orientierst du dich auch bei der Gewichtung mehr auf die langfristigen Chancen?

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    1. Meine Ankerinvestments sind die übergewichteten Langfristpositionen. Innerhalb dieser Gruppe finden aber durchaus mal andere Gewichtungen statt. So wie Aurelius mal deutlich größer war (nicht nur wegen des Kurseinbruchs) oder ich Blue Cap-Position extra ausgebaut hatte vor den Zahlen und nun diese Extra-Aktien wieder reduziert habe, nachdem meine Überlegungen so wunderschön aufgegangen sind. Der Kurs konsolidiert und Blue Cap ist weiter/wieder eine meiner größten Positionen. Aber nicht mehr die mit Abstand größte. Die übrigen, kleineren Positionen stelle ich ggf. auch mal glatt, wenn ich gerade Cash benötige für eine neue Idee. Denn leider habe ich immer zu wenig Geld für die vielen interessanten Investmentideen, da muss ich mich noch viel stärker disziplinieren...

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  5. Hallo Herr Kissig,

    mal eine Frage: Vor kurzem haben Sie erwähnt, dass ein Aktienkauf von ca. 500 € sinnlos sei aufgrund der Ordergebühren. Das verstehe ich nicht, weil:

    Mein Depot ist ca. 30T € klein. Ich finde aber viele Ihrer Turnaround-Kandidaten oder Small Caps sehr interesseant. Warum also nicht für 500 € kaufen, bei ca. 3 % Kaufs- und Verkaufsgebühren (onvista).
    Gerade bei diesen Aktien geht es entweder in die Hose, oder über die Jahre sind Vervielfachungen drin - da interessieren doch letztendlich die Ordergebühren überhaupt nicht und man kann trotz kleinem Depot breit diversifizieren.

    Vielen Dank für eine Rückmeldung und den tollen Block.:)


    PS: Auch wenn Sie kein Freund von Wikifolio sind, warum kein eigenes? Zu fairen Gebühren würden sicher viele bei Ihnen investieren, da deren Kapital nicht ausreicht um sich mit den meisten Ihrer Ideen zu beschäftigen (was ich im Detail gar nicht tu).

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    1. 3% Ordergebühren muss man ja erst einmal wieder verdienen mit seinen Investments/Spekulationen, bevor man die Gewinnzone erreicht. Und wenn man mit Kleinstorders agiert, greifen oft Mindestordergebühren, die prozentual noch viel höher sind. Diese senken also die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann ins Plus läuft, enorm. Sie gehen jetzt davon aus, dass man mit den gekauften Wertpapieren nach einigen Jahren hohe Renditen erzielt - dann wären die Ordergebühren wirklich zu vernachlässigen. Aber auch diese Renditen sind ja nicht in Stein gemeißelt, auch die müssen sich erst einstellen. Und dabei wird man auch immer wieder mal Flops erwischen, mit denen man ein Minus einfährt. Auch hier bezahlt man dann die Ordergebühren und letztlich muss die Performance des Gesamtdepots stimmen, nicht die eines einzelnen Wertes. Daher rate ich von zu kleinen Ordergrößen ab.

      Das Thema Wikifolio habe ich schon öfter auf der Agenda gehabt, mich aber bisher nicht dazu durchringen können. Mit ein Grund ist, dass ich viele der sehr kleinen, marktengen Werte, die ich hier im Blog vorstelle, gar nicht aufnehmen könnte, weil ich damit selbst den Kurs stark beeinflussen und den Markt leerfegen könnte/würde (je nachdem, wie viel AuM denn zusammenkommen). Insofern würde ein Wiki nur einen Teilbereich meiner Empfehlungen abdecken können und hier ringe ich noch mit mir, ob ich das möchte. Aber vielen Dank für das freundliche Feedback!

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  6. Hallo Michael,

    schöner Artikel der die unterschiedlichen Positionen der großen Investoren darlegt.
    Ich selber bevorzuge eine Konzentration und halte momentan nur 3 Positionen.
    Mein Ziel ist es ja ein sehr hohen Gewinn zu erzielen, bzw. ein sehr starkes Invest zu halten.

    Mehr als 5 Positionen sehe ich aus meiner Sicht schon eher kritisch! Heißt ich habe mich nicht genug mit den Unternehmen auseinander gesetzt.
    Einen ETF als kostenintensiv zu betrachten, wie manch einer der Kommentatoren es schreibt, finde ich ehrlich gesagt falsch.
    Aus meiner Sicht ist es günstiger ein konzentriertes Portfolio (maximal 5) zu betreiben mit, aus meiner Sicht, hohen Gewinnen und als Beilage in einen ETF zu investieren, als kostengünstiger. Denn meine Zeit ist der größte Kostenfaktor!

    Gruß
    Hans

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  7. Viele der o.g. erscheinen mir zwar nicht mehr günstig, aber reizvoll. Nur traue ich mich irgendwie nie. Ich bin der typische "auf den Crash"-Warter. Und jetzt sind mir eben die Kurse davon gelaufen.

    Jetzt heisst es nur abwarten, schätze ich.

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  8. Wenn man sich gut informiert, dann ist ein konzentriertes Portfolio besser als ein breit gestreutes. Das sehe ich genauso, wobei ich für den Privatanleger 10 - 15 Werte als ausreichend erachte. Fünf Werte könnten für die meisten Anleger knapp bemessen sein. Warum habe ich dann einen kleinen Dividendenfonds mit fast 50 Werten gebastelt? Weil es mir Spass macht, viele Dividendenzahlungen zu erhalten. Andererseits habe ich damit kaum Aufwand, da ich die Einzelwerte kaum verfolge. Solange die Kurse halbwegs mit dem Markt gehen, muss ich nicht groß schauen.Ab und an ein Blick ins Depot langt da.

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