Freitag, 21. Februar 2020

Focus Investing: Philip Fisher rät, sich nur auf die besten Investments zu konzentrieren

Benjamin Graham war ein großer Befürworter des Diversifizierens. Seiner Überzeugung nach kann eine möglichst breite Streuung im Portfolio das Risiko deutlich reduzieren, Opfer von hochemotionalen Kurseinbrüchen zu werden. Und Peter Lynch kaufte für seinen Fonds immer mehrere Werte eines ganzen Sektors, wenn er bei einem Unternehmen auf eine Perle gestoßen war. Allerdings war dies vor allem dem enormen Investitionsvolumen des Magellan-Fonds geschuldet, für den die Börsenkapitalisierungen vieler Einzelwerte einfach zu klein waren und darüber hinaus hatte er hier strikte zu befolgen, die eine stärkere Fokussierung auf einige wenige Titel erschwerten.

Börsenlegende Philip A. Fisher rät Anlegern, sich auf einige wenige Aktien zu konzentrieren: die besten.
»Anleger sollten peinlich genau darauf achten, nicht die meisten, sondern die besten Aktien zu halten. Bei Aktien kann Masse niemals mehr als schwacher Ersatz für Klasse sein.«
(Philip A. Fisher)
Für Fisher stellt eine breite Diversifikation weniger einen zusätzlichen Schutz vor Risiken dar, als viel mehr eine (zu) starke Verwässerung der Chancen. Klasse statt Masse ist auch hier sein Credo und das fußt natürlich darauf, dass man sich zuvor intensiv mit "seinen" Unternehmen auseinandergesetzt und diese gründlich analysiert hat, bevor man sich ihre Aktien ins Depot legte. In seinem Buch "Die Profi-Investment-Strategie" hat Fisher hierzu konkrete Ausführungen gemachte und die aus seiner Sicht optimale Aufstellung eines Depots dargelegt.

»Fokussieren ist die Kunst, zu wissen, was man ignorieren sollte.«
(James Clear)
Warren Buffett und Charlie Munger lehnen ebenfalls die Strategie des Diversifizierens ab und sind klare Verfechter des "Focus Investing": einige wenige sehr gute Werte sollen das Portfolio beherrschen. Sie sind der Überzeugung, dass man nur die besten Unternehmen auswählen und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen sollte.
»Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich die beste haben kann?«
(Warren Buffett)
Sie spekulieren nicht mit Aktien, sie investieren in Unternehmen, sie beteiligen sich, werden Partner. Diese qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio ihrer Investmentholding Berkshire Hathaway hatten sich die vier größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert. Bis Bank of America und Apple ganz schnell ganz groß in die Spitze drängten. In Summe stehen die sechs größten Werte für gut 70% des Berkshire-Depotvolumens.
»Eine Politik der Portfoliokonzentration kann das Risiko verringern, wenn sie sowohl die Intensität, mit der ein Anleger über ein Unternehmen nachdenkt, als auch das Komfortniveau erhöht, das er vor dem Kauf empfinden muss.«
(Warren Buffett)
Ich bevorzuge den Ansatz von Fisher, Buffett und Munger, denn wenn man nicht davon überzeugt ist, die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld doch eher in Investmentfonds oder ETFs anlegen. Ein zu breit gestreutes Portfolio, bei dem einzelne Werte jeweils nur wenige Prozente des Gesamtbestands ausmachen, ist letztlich ein eigener Fonds im Kleinen. Und zu viele Werte verwässern auch die mögliche außergewöhnliche Performance, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Kurs an der Börse entsprechend gestiegen ist.
»Diversifikation ist bis zu einem gewissen Punkt sinnvoll. Wenn man nicht weiß, was man tut, ist es sinnvoll, seine Investitionen zu streuen. Bei Berkshire versuchen wir, weniger zu tun. Wir konzentrieren uns nur auf die wenigen Dinge, die wir gut kennen. (...) Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Mein Fazit

Für mich heißt es Konzentration statt (zu) breiter Diversifikation. Meine fünf Top-Positionen machen knapp die Hälfte meines Depots aus und die Top 10 mehr als zwei Drittel. Neben diesen höher gewichteten Werten und halte ich zusätzlich einige kleinere Positionen, die sich in Sondersituationen befinden oder bei denen trotz eines überdurchschnittlichen Chance-Risiko-Verhältnisses ein höheres Risiko vorhanden ist. Über die Entwicklung meines Investmentdepots gebe ich vierteljährlich Auskunft in Form meiner "Investor-Updates".


Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark
▶ "Die Profi-Investment-Strategie" von Philip A. Fisher

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    ist fast genau mein Ansatz. Ich habe immer nur wenige Aktien (Unternehmen) im Depot. Ich konzentriere mich dabei auf verständliche Branchen (trinken, Chips, rauchen) und besitze mit diesen wenigen Aktien einen großen Teil des Weltmarkts ... das sichert auch ab ...
    Schöne Grüße
    Mr.FinanzMinimalist
    .. und mache so weiter mit deinem Blog ..ganz toll

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  2. Ja, ich halte auch nicht viel von grosser Diversifikation... in meinen Augen gleicht das immer einer Wette darauf, dass das ganze Feld durch's Ziel kommt. Aber wäre es nicht viel gescheiter, gleich auf das (oder die wenigen) Siegerpferdchen zu setzen?
    Die muss man sich dann natürlich bemühen zu suchen - wobei einem fähige Analysten auch viel Arbeit abnehmen können (und dabei meine ich ausdrücklich auch Dich, Michael ;-)).
    Dein Blog und deine Beiträge hier finde ich super. Als (relativer) Neueinsteiger lese ich viel - aber man hat auch gar nicht die Zeit, alles zu lesen, was so über Aktien gibt. Oder sich mit allem zu beschäftigen, womit man sich vielleicht beschäftigen könnte... Das hab' ich dann auch bald gemerkt...
    Aber Deine Artikel hier lohnen praktisch immer, finde ich!

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  3. Ich finde den Fokus-Investing Ansatz die riskanteste Anlagestrategie welche im Umlauf ist. Der Mensch ist nun mal extrem anfällig für Selbstüberschätzung und wer als Privatanleger daran glaubt die besten Unternehmen auswählen zu können, der leidet meiner Meinung nach zu 99,9% an Selbstüberschätzung. Niemand von uns ist Warren Buffet oder Charlie Munger.

    Man müsste mal recherchieren, wieviele Menschen durch Fokus-Investing Ihr Vermögen verloren haben. Leider stellen sich diese Menschen nicht ins Rampenlicht und man kann keine Bücher oder Artikel über diese Menschen lesen. Unsere Wahrnehmung über den Erfolg des Fokus-Investing ist extrem verzerrt, weil wir nur über die wenigen erfolgreichen Menschen lesen und die vielen damit gescheiterten Menschen im Verborgenen bleiben.

    Meiner Meinung heißt das aber nicht, dass man deswegen nur noch in ETFs investieren sollte. Ein Depot mit 50-100 Aktien bei der jede Aktie 1-2% Anteil hat, ist bei den heutigen günstigen Transaktionskosten auch für kleinere Depots kein Problem mehr. Klar kann man bei soviel Positionen nicht so viel über die Unternehmen recherchieren, aber das bringt meiner Meinung bei dem heute extrem effizienten Markt auch gar keinen Vorteil.

    Ich habe z.B. selbst ein Aktiendepot von 73 Titeln und meine Investmentansatz ist eine Mischung aus quantitativen Merkmalen und einer Bildung einer eigenen Meinung über die qualitativen Eigenschaften des Unternehmens, das nimmt nicht viel Zeit in Anspruch.

    Welche Beweise gibt es den, dass hohe Diversifikation schädlich ist, außer dass einige wenige Ausnahme-Talente durch Konzentration den Markt dauerhaft schlagen konnten?
    Und welche Beweise gibt es, dass man mit hoher Diversifikation den Markt schlagen kann?

    Peter Lynch wäre ja z.B. eine Beispiel, wo man sieht, dass hohe Diversifikation nicht schädlich ist.

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    1. Naja, gerade Peter Lynch ist ein großer Befürworter des Focus Investings. Dass er als Fonds Manager so breit gestreut hat, lag zuvorderst daran, dass er nur eine sehr begrenzten Teil des Fondsvermögens in einzelne Aktien stecken durfte. Er hat deshalb, wenn er von einem Geschäftsmodell überzeugt war, notgedrungen auch das zweitbeste und das drittbeste Unternehmen gekauft.

      Wer meint, er müsse mehr als 100 verschiedene Aktien im Depot haben, kann kaum tief in diese Unternehmen hineinblicken. Bei dieser Zahl dürfte es sogar schon schwer fallen, von allen den jährlichen Geschäftsbericht durchzugehen, geschweige denn die ganzen Quartalsmeldungen. Es kann also nur bei einer oberflächlichen "Analyse" bleiben, also nachrichten- und headlinegetrieben. Kann man ja machen, aber das mein Investmentansatz ist das nicht.

      Des Weiteren beschreibst Du es so, als würde jeder, der nur in eine oder zwei Aktien investiert, Focus Investing betreiben. Ne, das stimmt so nicht. Focus Investing bedeutet, sich die besten Aktien herauszupicken und nur diese zu kaufen. Alles auf Wirecard zu setzen, ist Gier und Dummheit. Und wer alles auf Tesla setzt, macht es ebenso verkehrt. Focus Investing ist nicht das Ignorieren von Risiken, sondern das Ausschalten von Risiken - weil man sich gründlich informiert über die Unternehmen, in die man investiert. Das schließt Fehler und Totalverluste nicht aus, aber es reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass man von ihnen getroffen wird. Wer hingegen "blind" breit streut, wird auch viele Pleiten in seinem Depot wiederfinden. Und dann... würde ich doch lieber zu Indexfonds raten. So wie Buffett.

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    2. Peter Lynch hatte in seinem Fonds 200-300 Aktien und hat trotzdem damit über 10 Jahre hinaus den Markt geschlagen. Selbst wenn er ein Befürworter von Focus-Investing ist, ist er mit Überdiversifikation doch ganz gut gefahren?

      Meiner Meinung siehst Du das Ganz zu schwarz/weiß. Entweder Fokus-Investing oder Indexfonds. Aber es gibt auch einen Weg dazwischen und der ist viel weniger riskanter als Fokus-Investing und Überrenditen über dem Gesamtmarkt sind damit trotzdem möglich.

      Man kann sich auch einfach ein gut diversifiziertes Aktiendepot aus 50-100 Aktien bauen. Natürlich soll man diese Aktien nicht "blind" auswählen. Man sollte schon ein Unternehmen und deren Kennzahlen analysieren können.
      Wenn ich das also kann, warum soll ich mir stattdessen einen S&P 500 kaufen, wo auch lauter Bleienten und Slow-Grower mit drin sind?

      Meiner Meinung reduziert man nicht das Risiko, wenn man sich wochen- oder gar monatelang mit einem Unternehmen beschäftigt. Das einzige was man damit bewirkt ist, dass man ein falsches Gefühl von Sicherheit und Kontrolle hat. Diese Sicherheit und Kontrolle existiert aber nicht. Auf Unternehmen wirken auch so viele Einflüsse von außen. Niemand kann diese kontrollieren oder vorhersagen. Auch die Unternehmen selbst nicht.

      Wie gesagt wäre es mal interessant zu recherchieren, wie viele Menschen mit Konzentration statt Diversifikation gescheitert sind. Ich würde wetten es sind viel mehr, als solche die damit Erfolg hatten.

      Leider ist dies aber vermutlich gar nicht möglich, da man über solche Menschen nichts erfährt, weil diese sich schämen und nicht öffentlich bekannt werden wollen.

      Man sollte sich bewusst sein, dass wenn man immer nur Bücher, Artikel und Zitate von Menschen liest, welche mit Fokus-Investing erfolgreich sind, sich selbst einer Gehirnwäsche unterzieht und ein Zerrbild von der Realität bekommt.

      Natürlich ist es richtig, dass mit Konzentration die Chancen höher sind den Markt zu schlagen. Allerdings sind damit die Chancen, dass man den Markt nicht schlägt, auch höher. Das vergessen viele Anleger und unterliegen der eigenen Selbstüberschätzung.

      Und natürlich ist es richtig, wenn man sagt, dass *wenn* man 6 gute Unternehmen identifiziert hat, dass es dann keinen Sinn macht in die Nummer 7 oder in die Nummer 10 zu investieren. Wenn nur das von mir markierte *wenn* nicht in dem Satz wäre.

      Mir fehlt hier einfach die Betrachtungsweise, was passiert *wenn* man sich bei den 6 Unternehmen geirrt hat. Man kann noch so viel sich mit diesen 6 Unternehmen beschäftigen, dass einige was man dabei bekommt ist ein falsches Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Unser Gehirn spielt uns da leider einen Streich.

      Wenn ich dagegen in 50-100 Unternehmen investiere, dann sind da vielleicht ein paar Looser dabei, aber der Impact dieser Looser auf mein Gesamtrendite ist viel geringer und leichter wieder aufzuholen, als bei einer konzentrieren Strategie. Außerdem sind bei 50+ Unternehmen die Chancen viel höher, dass hier ein herausragendes Unternehmen dabei ist, welches mir die Looser mehr als wett macht.

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    3. Das ist nun extrem einseitig. Natürlich ist quantitativ (!) gesehen das Risiko bei 100 Werten besser verteilt als bei 10. Die Chancen aber entsprechend geringer. Denn haste mal nen Tenbagger im Depot, dann zieht der bei 10 Werten das ganze Depot mit. Bei 100 Werten oder noch mehr fällt er fast nicht ins Gewicht.

      Qualitativ ist das Risiko bei lediglich 10 Werten ggü. 100 Aktien nicht unbedingt höher - wenn man viel mehr Sorgfalt an die Auswahl der Aktien legt, wenn man sich viel intensiver mit dem Unternehmen, dem Markt, dem Wettbewerber, den Chancen, den Risiken beschäftigt, bevor man die Aktie kauft. Darum geht es beim Focus Investing. Scheint aber nicht durchzudringen...

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  4. Außerdem, ich habe nicht behauptet, dass man mehr als 100 Aktien im Depot haben soll, die rede ist von 50-100 Aktien. In Deiner Watchliste verfolgt Du auch ca. 70 Aktien. Da schaffst Du es ja auch die Jahresberichte zu lesen.

    Letztendlich muss jeder den Grad der Diversifikation finden, welche zu einem am besten passt. Jeder ist verschieden und hat hier Stärken und dort Schwächen.

    Trotzdem finde ich wie gesagt Focus-Investing extrem gefährlich. Ich würde diese Strategie niemals jemandem normal Sterblichen empfehlen, es sei den er ein "Guru", wie Warren Buffett oder Charlie Munger, etc...

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    1. In meinem Depot habe ich selten mehr als 25 Unternehmen. Die habe ich dann auch genau im Blick, schaue mir zeitnah Geschäftsberichte, Quartalsberichte, News, Branchennews usw. an. Die Werte auf meiner Watchlist covere ich nicht so intensiv, sondern oberflächlicher. Ich schaue auf die News und lese die PMs zu Quartalsmeldungen und wenn mir etwas besonders interessant vorkommt, schaue ich es mir genauer an (positiv oder negativ). Aber es sind eben auch "nur" die Werte auf der Watchlist, nicht meine Depotwerte. Hier bin ich an Unternehmen beteiligt, bin Mitinhaber, Partner. Das ist mein Verständnis von Investieren. Bei 75 Werten wären das alles nur noch austauschbare Aktienschnipsel. Das mag anderen ja reichen als Anspruch, aber mir nicht. Und wenn ich diesen erhöhten Anspruch nicht habe, dann erkenne ich nicht den Zusatznutzen ggü. Indexfonds. Kannste drehen und wenden wie Du willst.

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  5. Ob mit 15 oder 75 Werten, in beiden Fällen ist man Mitinhaber, Partner von Unternehmen. Ich finde es nicht schlimm, dass meine Aktien austauschbar sind. Um mal wieder Peter Lynch zu zitieren "Verliebe dich nie in eine Aktie. Bleibe immer aufgeschlossen.".

    Ich finde es z.B. auch viel leichter bei kleinen Positionen die Emotionen bei einer Aktie unter Kontrolle zu halten. Aber wie gesagt, jeder sollte seine Anlagestrategie auf seine persönlichen Stärken und Schwächen anpassen.

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