Mittwoch, 8. März 2017

Mutares kommt bei der Formung eines globalen Nutzfahrzeugzulieferes voran

Die Beteiligungsgesellschaft Mutares macht Meter und kommt bei ihrem Turnaround prächtig voran. Nachdem man zwei von Mecaplast erworbene Werke bereits in die Mutares-Tochter STS integriert, konnte man heute weitere positive Nachrichten verkünden. Denn Mutares hatte ebenfalls ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme des Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäfts der Plastic Omnium Gruppe abgegeben und heute wurde nun der Kaufvertrag unterschrieben.

Das Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäft der Plastic Omnium Gruppe verfügt über fünf Werke in Frankreich, zwei Werke in China und jeweils ein Werk in Deutschland und Mexiko mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern. Im Jahr 2015 wurde ein Umsatz von €190 Mio. mit Außenverkleidungsteilen für die Kabine von LKW erwirtschaftet. Alle großen europäischen LKW-Hersteller zählen zum Kundenkreis. Die Werke befinden sich in direkter Kundennähe.

Zusammen mit STS und der Akquisition der beiden Werke der Mecaplast Gruppe formt mutares einen global führenden Nutzfahrzeugzulieferer für Innen- und Außenteile mit einem Umsatz von €400 Mio. und 2.700 Mitarbeiten in 15 Werken. Die neue Gruppe wird über Standorte in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, China und Mexiko verfügen. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling- Möglichkeiten.

Meine Einschätzung
Mutares hat dank des Kurswechsels wieder kräftig Rückenwind und dürfte damit bald zu alter Stärke auflaufen. Die neue Strategie klingt viel versprechend und auch wenn die nächsten Zahlen bei Mutares noch nicht den großen Ergebnis-Effekt bringen werden, dürften die Zukäufe für neue Energie sorgen - das Ziel von €1 Mrd. Umsatz des Beteiligungs-Portfolios ist jedenfalls in Reichweite. Das dürfte auch dem Aktienkurs analog zum Voranschreiten des operativen Geschäft wieder Leben einhauchen.

 mutares AG (Quelle: finanzen.net
Ob der Sonderertrag aus dem EUPEC Deutschland Verkauf als Sonderdividenden ausgeschüttet oder lieber für weitere Zukäufe verwendet wird, bleibt abzuwarten - und betrifft sowieso erst das Geschäftsjahr 2017 und somit die Ausschüttung im Kalenderjahr 2018. Die diesjährige Dividende, die nach der Hauptversammlung am 19. Mai ausgeschüttet wird, dürfte jedenfalls deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr. Sofern es überhaupt eine Dividende gibt. Wobei mich eine vollständige Streichung nicht weiter stören würde, denn mir ist es lieber, dass Mutares das Geld für seinen Turnaround und lukrative Zukäufe steckt. Dennoch glaube ich, dass man die Aktionäre nicht mit einer vollständigen Streichung zu sehr verärgern will und alleine deshalb schon eine Grunddividende ausschütten wird.

Ich denke, bei Mutares wird gerade der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Investment-Story à la Bavaria Industries oder Aurelius und für geduldige und risikobereite Anleger bietet sich hier ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Daher befindet sich Mutares auf meiner Empfehlungsliste und ich bin Mitte Dezember bei €11 mit einer ersten Position eingestiegen. Seitdem habe ich in den Kursanstieg hinein bei zwischenzeitlichen Rücksetzern meine Position weiter ausgebaut.


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ERGÄNZUNG VOM 04.04.2017, 11:41

▸ mutares schließt die Übernahme von Aperam Stainless Services & Solutions Tubes Europe ab

Mutares hat Aperams Stahlrohrgeschäft übernommen. Das Unternehmen betreibt ein Werk in Ancerville und ein Distributionszentrum in Annecy, Frankreich und erwirtschaftete einen Umsatz von 64 Mio. Euro in 2016.

Auf Grund des starken Synergiepotentials, das auf der Komplementarität des Produktportfolios und der Kunden sowie auf der geographischen Nähe basiert, stellt die Akquisition eine perfekte Ergänzung zu BSL, mutares' französischem Pipelinehersteller, dar.

Kommentare:

  1. Wo siehst du realistisch gesehen Mutares in einem Jahr? Hast du eine Prognose?

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    1. Ich arbeite nicht mit Kurszielen. Ich bin der Meinung, dass Mutares mit der neuen Cluster-Strategie vieles richtig macht und sich dies auszahlen wird. Die Unternehmensentwicklung zeigt, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden, das Unternehmen künftig wertvoller zu machen. Allerdings muss man auch die nötige Geduld mitbringen, denn die jetzt günstig eingekauften neuen Töchter müssen umstrukturiert und auf Marge/Rendite getrimmt werden. Das wird Zeit in Anspruch nehmen. Und am Ende des Prozesses steht entweder eine solide Tochter in den Büchern, die üppige Gewinne an Mutares abliefert, oder aber ein Exit, der einen einmaligen, hohen Gewinn abwirft. Das wird aber noch nicht morgen der Fall sein. In der Zwischenzeit wird die Börse bereits diese absehbaren Erfolge honorieren und der Kurs wird ansteigen. So lautet mein Investmentcase. Und daher sehe ich Mutares perspektivisch bei deutlich höheren Kursen als die aktuell aufgerufenen €15. Wenn Mutares einige Jahre lang die angedachten Erfolge wirklich abliefern kann, kann ich mir eine Kursentwicklung wie bei Aurelius durchaus vorstellen. Also eine Kursvervielfachung über einen Zeitraum von mehreren Jahren gesehen.

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  2. Martin Kellermann23. März 2017 um 12:39

    Lieber Herr Kissig,
    seit Tagen fällt der Kurs der Mutares AG. Haben Sie (oder ein Mitleser) eine Vermutung, woran dies liegen könnte? Ich stoße zum einen auf den Hinweis auf einen Insiderverkauf: Ein Vorstandsmitglied hat offenbar 10.000 Aktien zu €15,048 verkauft (https://www.researchpool.com/provider/directors-deals/mutares-ag-mux-a-director-sold-10000-shares-at-15048eur-and). Zum anderen läuft wohl noch ein Fusionskontrollverfahren. Aber erklärt das den doch argen Kursverfall der letzten Tage? Oder vermuten Sie eher Gewinnmitnahmen nach dem schnellen Anstieg der letzten Wochen?
    Herzliche Grüße,
    M.K.

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    1. Mutares ist stark in Frankreich aktiv, hier vermute ich eher Zurückhaltung wegen der anstehenden Präsidentenwahlen - und einem möglichen Wahlsieg von Le Pen. Des Weiteren dürften die 2016er Zahlen eher nicht positiv überraschen, denn der Strategieumschwung hat ja erst Ende 2016 stattgefunden. 2016 stand eher unter dem Zeichen der Bereinigung und Neuausrichtung. Für 2017 bin ich da sehr viel optimistischer, das sollte sich auch am Ausblick von Mutares zeigen.

      Das Kontrollverfahren ist eher kein Hemmschuh, das passiert auch anderen Beteiligungsgesellschaften bei Übernahmen. Und auch den Verkauf eines AR-Mitglieds sollte man nicht überbewerten, denn Mutares entlohnt die Führungsriege teilweise auch mit Aktienoptionen und daher stehen dann ab und zu mal Verkäufe von Aktien an. Dass der starke Anstieg dazu genutzt wurde, finde ich nachvollziehbar, denn der Kurs hat ja eine ganze lange zeit nicht gerade Freude bereitet.

      Für mich ist Mutares weiterhin ein Kauf, wenn man die neue Strategie für erfolgversprechend hält und damit auf den Turnaround setzen will. Ich tue das...

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    2. Martin Kellermann23. März 2017 um 13:49

      Vielen Dank, das leuchtet ein!

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  3. Mutares schließt die Übernahme von Aperam Stainless Services & Solutions Tubes Europe ab und hat damit Aperams Stahlrohrgeschäft übernommen. Das Unternehmen betreibt ein Werk in Ancerville und ein Distributionszentrum in Annecy, Frankreich und erwirtschaftete einen Umsatz von 64 Mio. Euro in 2016. Auf Grund des starken Synergiepotentials, das auf der Komplementarität des Produktportfolios und der Kunden sowie auf der geographischen Nähe basiert, stellt die Akquisition eine perfekte Ergänzung zu BSL, mutares' französischem Pipelinehersteller, dar.

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  4. Hallo Michael,

    wie siehst du den Jahresabschluss 2016?

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    1. Tiefrot, wie erwartet. Die bilanziellen und operativen Aufräumarbeiten werden sich erst nach und nach bemerkbar machen. Insbesondere die Neuausrichtung (Clusterbildung) hat erst in der zweiten Jahreshälfte Gestalt angenommen und braucht Zeit, ihre Wirkung zu erzielen. Insofern bleibt Mutares in 2017 weiterhin im Turnaround und die Auswirkungen werden wird vermutlich ab 2018 sehen. Bei 11 Euro war Mutares für mich ein Kaufkandidat, bei 15 Euro hatte ich Mutares dann auf Halten zurückgestuft, weil der Kurs mir da schon zu schnell und zu viel vorweggenommen hatte. Der Turnaround erfolgt ja nicht über Nacht. Und es liegen auch nicht nur Perlen im Mutares-Portfolio, sondern Beteiligungen, die noch eine Menge Arbeit machen werden. Der Schritt Richtung Expansion nach Italien klingt viel versprechend; allerdings dürfte Mutares für die Expansion weiteres Geld benötigen. Also durch einen lukrativen Exit oder durch eine Kapitalerhöhung (was ich für 2017 eher vermute).

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