Dienstag, 11. August 2015

Value Investing ist simpel...

...aber nicht einfach. Dieses Bonmot stammt von Investorenlegende Warren Buffett und bringt das Dilemma auf den Punkt: das Grundprinzip des Value Investings ist nicht schwer zu verstehen, aber es anzuwenden, seine Elemente richtig umzusetzen, hingegen schon. Denn sie prallen auf das menschliche Verhalten und das ist (leider) völlig anders konditioniert, als es für Langfristanleger gut ist. Und Value Investing ist nichts anderes, als langfristige Investitionen in beständige, ertragsstarke Unternehmen, die zu einem attraktiven Aktienkurs zu kaufen sind.

»Aktien sind einfach. Man kauft bloß Anteile an einem großartigen Unternehmen mit höchst integrem und fähigem Management für weniger als seinen inneren Wert. Dann behält man diese Anteile für immer.«
(Warren Buffett)

Dies sind die drei Kernelemente, die passen müssen für ein gutes Investment. Im Prinzip ist das schon alles:

»Good business, good management, good price.«
(Warren Buffett)

Good Business
Als Aktionär erwirbt man nicht bloß Aktien, man beteiligt sich an einem Unternehmen. Daher ist es entscheidend, dass dieses über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügt, am besten über eine monopolartige Marktstellung und/oder eine Wettbewerbsposition, die Konkurrenten nicht oder nur schwer einnehmen könnten. Und es muss damit gute Geschäfte machen, also eine anständige Eigenkapitalrendite aufweisen, wobei stetig steigende Dividendenausschüttungen ebenfalls positiv zu werten sind.

»Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden, als heute.«
(Warren Buffett)

Value Investoren setzen auf Fakten, auf Unternehmenszahlen, nicht auf Stimmungen und Meinungen, die an der Börse kursieren. Die Psychologie treibt die Kurse kurzfristig, aber langfristig machen die unternehmerischen Erfolge den Kurs(anstieg). Denn der innere, der faire Wert des Unternehmens liegt in seiner Substanz und seiner Ertragskraft begründet, nicht in seinen PR-Meldungen. Daher ziehen Value Investoren Bewertungskennziffern zu Rate, um ein Unternehmen zu bewerten: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote.


Good Management
Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte! Wenn ein Unternehmen von windigen Leuten geführt wird, kann es durchaus erfolgreich sein. Aber wenn diese Manager bereit sind, Kunden über den Tisch zu ziehen, haben sie wohl auch keine Skrupel, dies mit ihren Aktionären zu machen. Die Presse ist voll von Abzockgeschichten an der Börse. Daher ist es unerlässlich, nur auf Unternehmen zu setzen, die von ehrlichen und fähigen Managern geführt werden.

»Man braucht 20 Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, und nur fünf Minuten, um ihn zu verlieren. Wer das beherzigt, handelt bewusster.«
(Warren Buffett)

Good Price
Und zu guter Letzt muss der Preis stimmen, zu dem man die Aktien erwerben kann. Denn nur wenn man die Aktien deutlich unterhalb ihres fairen Werts kaufen kann, wird daraus ein gutes Investment. Manchmal muss man viele Monate warten, bis der Aktienkurs eines Unternehmens auf das gewünschte Niveau fällt, bevor man einsteigen kann. Dies kann durch eine vorübergehende Unternehmenskrise, eine schlechte Meldung, verhagelte Quartalszahlen oder eine allgemeine Marktpanik eintreten - wichtig ist, dass man geduldig auf den richtigen Moment zum Einstieg. wartet. Zuschlagen, wenn die "Sicherheitsmarge" zum fairen Wert groß genug ist, und das Risiko eines Fehlgriffs entsprechend gering. Denn Buffetts Regel Nummer eins lautet: "Niemals Geld verlieren!".

»Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten: kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cents dafür.«
(Warren Buffett)

Und immer etwas Cash in der Hinterhand halten!
Und sollten die Aktienkurse dennoch einmal spürbar nachgeben, freuen sich Value Investoren. Da sie nicht auf die Börsenkurse achten, sondern auf den Wert ihres Unternehmens, ergeben sich so für sie Chancen, weitere Aktien günstig einzusammeln. Deshalb ist es wichtig, nicht immer voll investiert zu sein und schon gar nicht auf Kredit zu spekulieren. Ein ausreichendes Liquiditätspolster ist eine Call-Option für die richtig guten Investitionschancen und sollte zwischen 10 und 15 Prozent der zur Verfügung stehenden Anlagesumme ausmachen. Und auch wenn es scheinbar keine Zinsen abwirft auf dem Tagesgeldkonto, so ist es doch elementar wichtig für den nachhaltigen Erfolg an der Börse. Denn es steht genau dann zur Verfügung, wenn es gebraucht wird: wenn die Kurse taumeln. Anstatt mit der Masse zu verkaufen, stehen Value Investoren dann auf der Käuferseite.

»Cash ist immer eine wichtige Reserve, um investieren zu können, wenn andere verkaufen müssen.«
(Warren Buffett)

Denn langfristig bringen Aktien durchschnittlich 9 Prozent Rendite. Pro Jahr! Und die Phasen von Kurssteigerungen sind etwa dreimal so lang wie die von Kursschwächen. Daher sollte man beherzt zugreifen, wenn andere panisch werden und so überdurchschnittlich von der langfristig steigenden Tendenz der Aktienmärkte profitieren. So stand der Dow Jones Index im Jahr 1900 bei 66 Punkten und im Jahr 2015 bei 18.000. Selbst wer jeweils am Vortag der großen Crashs in Aktien investierte, hätte nicht verhindern können, Milliardär zu werden. Sofern er nicht ständig seine Aktien kauft und verkauft und meint, er können den günstigsten Zeitpunkt erwischen. Das erzeugt nur enorme Kosten und lässt die besten Chancen liegen. Denn bei den meisten Aktien werden die Kursgewinne in nur 8 Prozent der Handelstage erzielt. Wenn man dann gerade nicht investiert ist, bleibt die Rendite auf der Strecke.

»Die Disziplin eines Value Investors liegt darin, ein hervorragendes Unternehmen mit einem fähigen Management und guten Perspektiven zu finden – und auf den richtigen Einstiegskurs warten zu können.«
(Warren Buffett)

Daher sollte man Aktien gewissenhaft aussuchen, kaufen und möglichst nicht wieder anfassen. Solange die Bedingungen von dem Unternehmen noch erfüllt werden, die zum Kauf geführt haben. Also gute Marktstellung, steigende Gewinne, fähiges Management und zumindest faire Bewertung von Aktienkurs zum Wert des Unternehmensanteils. So lässt man den Zinseszinseffekt für sich arbeiten und kann dabei zusehen, wie das eigene Vermögen stetig wächst. Geh den Weg des Warren Buffett - mit Buy & Hold.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Artikel. Kaufen, wenn die Kanonen donnern, fällt mir dazu noch spontan ein. Ich finde es gut, dass hier so viele Zitate von den erfolgreichsten Investoren eingebunden werden. Letztlich sollten wir nur von den Besten der Besten lernen.

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    1. Tobi, ich halte es gerne mit Theodor Fontane: "Ein guter Spruch ist die Wahrheit eines ganzen Buches in einem einzigen Satz". Und da Börsenweisheiten zumeist sinnvolle Zuspitzungen sind, die sich in dieser Form leichter merken lassen als lange Abhandlungen, verwende ich sie gerne und regelmäßig.

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  2. Guten Tag Herr Kissig,

    auch ich bin vorwiegend Valueanleger und war mit dieser Strategie
    und meiner Einschätzung von Value in den Jahren bis 2008 sehr erolgreich.
    Seit einigen Jahren und insbesondere aktuell muss ich aber feststellen,
    dass sich für mich persönlich die Spielregeln an der Börse verändert haben.
    Nehme ich all die Regeln der Value Anlageidee zusammen,
    so müsste man als Anleger jetzt bei vielen Unternehmen massiv (zu)-kaufen.
    Beipiele können sich im Chip Bereich finden, wo viele Unternehmen unterhalb
    ihres Buchwerts notieren, obwohl sie ihre Kapitalkosten deutlich verdienen.
    Weiter geht es über Airlines, manche Biotechunternehmen, die entweder
    deutlich unter KGV 10 notieren oder bei denen die Bewertung fair erscheint,
    der Anleger aber die gesamte Pipeline umsonst dazu erhält, manches Finanzunternehmen usw.

    Haben Sie ebenfalls den Eindruck, dass sich die Spielregeln für den
    Value-Anleger verändert haben?

    MfG

    Dieter Stüttgen

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    1. Moin Herr Stüttgen,

      ich denke nicht, dass sich die Spielregeln grundlegend verändert haben. Die Börsen sind volatiler geworden, schwanken stärker und häufiger. Das ist vor allem dem immer stärker zunehmenden Algorithmenhandel geschuldet, wo Computer in Sekundenbruchteilen Aktien kaufen und verkaufen. Die durchschnittliche Haltedauer von Aktien liegt inzwischen bei 22 Sekunden, habe ich neulich irgendwo gehört. 22 Sekunden - für eine Unternehmensbeteiligung! Das ist, gelinde gesagt, schizophrener Schwachsinn und hat mit Investieren nichts mehr zu tun.

      Die Grundregel für Value-Investoren haben sich dennoch nicht wirklich verändert. Eigentlich bietet die erhöhte Volatilität sogar eher Chancen, denn wenn es häufiger zu Übertreibungen kommt, und auch stärkeren, dann gilt dies in beide Richtungen, für Kurssteigerungen wie - einbrüche. Und hier schlägt ja die Stunde der Value-Investoren, wenn sie Kursübertreibungen gnadenlos ausnutzen und Aktien weit unterhalb ihres fairen Werts kaufen.

      Wovon man sich mehr und mehr lösen muss, ist das Starren auf die Börsenkurse. Sie sind immer seltener der Gradmesser für eine faire Unternehmensbewertung, weil sie immer mehr zum Spielball von Zockern und/der Computerhandelssystemen werden. Man muss dem Drang widerstehen, die Kursschwankungen für kurzfristige Trades ausnutzen zu wollen. Das widerspricht den Grundsätzen des Investierens und insbesondere denen des Value Investings. Man sollte sich an Warren Buffetts weise Worte erinnern: "Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt".

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  3. Hallo lieber Michael,

    ich habe ein Tool zur einfachen ungefähren Inneren Wert Berechnung entwickelt. Vielleicht möchtest du dir das mal anschaun! www.fair-value-calculator.com Es würde mich freuen wenn du den Fair Value Calculator testen könntest! Lieben Gruß, Peter.

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  4. Hallo Michael,
    ich bin erst jetzt auf diesen Artikel gestoßen, doch er ist zeitlos. Bei dem Punkt Good Management fällt mir nur Ulf Mark Schneider ein der jetzt inzwischen bei Nestle ist. Er war eine wahre Bereicherung für Fresenius.

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