Am 09.01.2007 betrat Steve Jobs die Bühne der Macworld Conference & Expo in San Francisco und leitete mit einem einzigen Satz eine der größten Umwälzungen der Technikgeschichte ein. Er kündigte drei Produkte an: einen iPod mit großem Bildschirm und Touch-Bedienung, ein revolutionäres Mobiltelefon und ein bahnbrechendes Internet-Kommunikationsgerät. Nach einer kurzen Pause folgte die Pointe: Es handelte sich nicht um drei Geräte, sondern um eines – das iPhone. Dieser Moment markierte den Beginn einer neuen Ära der mobilen Kommunikation. Innerhalb weniger Jahre sollte das Smartphone mit kapazitivem Touchscreen nicht nur den Mobiltelefonmarkt grundlegend verändern, sondern auch den Alltag von Milliarden Menschen weltweit neu strukturieren. Und der Begriff "iPhone-Moment" wurde zum Synonym für einen absoluten Game Changer.
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Freitag, 9. Januar 2026
Freitag, 24. Mai 2024
Kissigs Aktien Report: Meme-Mania - Die einfachste und dümmste Art, reich zu werden. Oder Pleite zu gehen...

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem 'Aktien Report' von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen und Themen vor. Die Ausgaben des 'Aktien Reports' und/oder 'Geld Anlage Reports' erreichen ihre Leser samstags kostenlos und 'druckfrisch' per Email und man kann sich ▶ hier beim 'Geld Anlage Report' anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tage später darf ich die Artikel dann auch hier veröffentlichen.
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Dienstag, 19. März 2024
Kissigs Portfoliocheck: Rekordjahr für Prem Watsa. Nun holt er sich Gold ins Depot, aber dort glänzt nicht alles…
In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.
In meinem 249. Portfoliocheck schaue ich erstmals in das Depot von Prem Watsa, einem der erfolgreichsten Value Investoren der Welt, von dem die meisten Menschen noch nie gehört haben. Er gilt als der 'kanadische Warren Buffett' und kann auf spektakuläre Renditen verweisen: auf Sicht von 35 Jahren erzielte Watsa durchschnittlich 15,7 % pro Jahr.
Seit 1985 leitet Prem Watsa bei Fairfax Financial die Geschicke und hält beinahe die Hälfte des Aktienkapitals. Damals lernte Watsa auch Francis Chou kennen, der ihm von Warren Buffetts außerordentlichen Erfolgen durch Investitionen auf Basis des 'Floats' der Versicherungsunternehmen von Berkshire Hathaway erzählte. Diesem überzeugenden Konzept folgte Watsa und baute die Strategie von Fairfax Financial auf dieser Praxis auf. Neben einem diszipliniertem 'Underwriting' in der Versicherungssparte legt er bei der Anlage von deren Vermögenswerten den Schwerpunkt auf einer konservativen Value-Investment-Philosophie; er investiert also auf einer Total-Return-Basis und auf lange Sicht
Fairfax Financial ist eine Holdinggesellschaft, die über ihre Tochtergesellschaften im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung und Rückversicherung sowie der damit verbundenen Anlageverwaltung tätig ist. Die vierteljährlich über das 13F-Formular an die US-Börsenaufsicht SEC zu meldenden US-Aktienpositionen geben dabei nur einen kleinen Teil der gesamten Vermögenswerte von Fairfax Financial wider. Der Gesamtwert belief sich Ende 2023 auf rund 60 Mrd. USD, wovon knapp 6,5 Mrd. USD auf Barmittel und kurzfristige Positionen entfielen. Das Aktienportfolio stand lediglich für 1,5 Mrd. USD. Zu den bedeutenden Anlagen, die nicht im 13F-Bericht enthalten sind, gehören Investitionen in Griechenland und Indien, wobei die griechischen Investments hauptsächlich aus einer 32%igen Beteiligung an der Eurobank bestehen. Weitere wichtige Beteiligungen sind ein 27%iger Anteil an Thomas Cook India, 54 % an Bangalore International Airport Limited und 31 % an Quess Corp Limited.
Doch auch der Blick in sein Aktien-Portfolio im 4. Quartal 2023 ist interessant: Hier dominieren weiterhin Technologiewerte mit 35,6 % (Q3: 34,4 %) vor Energieunternehmen mit 26,1 % (Q3: 27,3 %) und Immobilienwerten mit 11,4 % (Q3: 13 %). Die drei größten Positionen stehen für rund 60 % von Watsas Portfolio. Occidental Petroleum bleibt mit 23 % Gewichtung der Spitzenreiter, dahinter folgen in unveränderter Reihenfolge BlackBerry und Micron Technology, wobei der Kurs des Chipproduzenten dank der Chip-Hausse kräftig zugelegt hat.
Von Kursgewinnen ist bei BlackBerry wenig zu vermelden und Watsa äußerte sich in seinem Investorenbrief ausführlich und sehr selbstkritisch zu diesem Langzeitengagement. Er bezeichnete es als "eine weitere horrende Investition ihres Vorsitzenden" - und stockte dennoch kürzlich seine Position weiter auf. Und dann hat es ihm Gold angetan. Prem Watsa etablierte eine neue Position in Franco-Nevada Corp und baute vor allem seinen Anteil an Orla Mining aus, an der er Ende 2023 bereits knapp 12 % hielt – und er hat auch in den letzten Wochen weitere Anteile erworben. Orla Mining sucht nach Gold-, Silber-, Zink-, Blei- und Kupferlagerstätten und erschließt sie. Orla Mining erwirtschafte dabei einen attraktiven freien Cashflow und verfüge über ausreichend Liquidität, um seine Erschließungs- und Explorationsaktivitäten zu finanzieren. Aussichtsreich, findet Watsa...
Von Kursgewinnen ist bei BlackBerry wenig zu vermelden und Watsa äußerte sich in seinem Investorenbrief ausführlich und sehr selbstkritisch zu diesem Langzeitengagement. Er bezeichnete es als "eine weitere horrende Investition ihres Vorsitzenden" - und stockte dennoch kürzlich seine Position weiter auf. Und dann hat es ihm Gold angetan. Prem Watsa etablierte eine neue Position in Franco-Nevada Corp und baute vor allem seinen Anteil an Orla Mining aus, an der er Ende 2023 bereits knapp 12 % hielt – und er hat auch in den letzten Wochen weitere Anteile erworben. Orla Mining sucht nach Gold-, Silber-, Zink-, Blei- und Kupferlagerstätten und erschließt sie. Orla Mining erwirtschafte dabei einen attraktiven freien Cashflow und verfüge über ausreichend Liquidität, um seine Erschließungs- und Explorationsaktivitäten zu finanzieren. Aussichtsreich, findet Watsa...
-▶ zum Artikel auf aktien-mag.de
Disclaimer: Habe Berkshire Hathaway, Fairfax Financial auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.
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Dienstag, 1. Dezember 2020
Einfach gedacht: Amazon punktet in der Cloud - oder Kleinvieh macht auch Mist
Amazon kann mit Cloudaufträgen auch in Deutschland punkten. Während das Augenmerk eher auf Großaufträgen liegt, wie dem des Pentagon im Volumen von $10 Mrd., bei dem sich Amazon Web Service (AWS) und Microsoft (Azure) erbittert um den an Microsoft erteilten Zuschlag streiten, entscheiden sich auch kleinere Kunden für AWS.
Der Kampf um die Cloud wird härter und schneller...
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Donnerstag, 8. Februar 2018
BlackBerry ist wieder smart und das ganz ohne Phone…
BlackBerry ist Weltmeister, mal wieder. Genauer gesagt, als einer der Hauptsponsoren des Mercedes-Formel 1-Teams konnte sich der kanadische Technologiekonzern endlich mal wieder über einen Sieg freuen. Erfolge waren in den letzten Jahren rar gesät, dabei hatte man den Handykrieg gewonnen und den allmächtigen Platzhirschen in die Bedeutungslosigkeit gerammt.
Ja, BlackBerry hat das Smartphone erfunden. Vor 20 Jahren war Nokia der Weltmarktführer bei Handys und schien nicht aufzuhalten. Die Konkurrenz, zu denen Großkonzerne wie Siemens, Sony, Motorola und Ericsson gehörten, kam nicht gegen Nokia an, die zeitweilig fast 90 Prozent des Handymarktes dominierten. Und dann kam Research in Motion, selbst eine Abspaltung von Palm, die als erste einen elektronischen und mit dem PC synchronisierbaren Kalender auf den Markt gebracht hatten. Und während die Welt noch mit zwei dieser Geräte durch die Gegend lief, schuf RIM mit dem BlackBerry das erste Smartphone, das diese Geräte in einem zusammenführte. Und fegte die gesamte Konkurrenz vom Markt. Vor allem im Bereich der Geschäftsleute wurde ein BlackBerry schnell zu dem Statussymbol – wer keines hatte, war auch nicht wichtig. Selbstverständlich hatte ich auch eines und fühlte mich entsprechend wichtig.
Was dann folgte, ist bekannt. Steve Jobs erfand vor 15 Jahren Apple neu und führte es mit innovativen neuen Produkten aus der Existenzkrise. Mit dem iPod, dem iMac und vor allem mit dem iPhone. Letztlich ein BlackBerry mit Touch-Display und ohne die obligatorische BlackBerry-Tastatur. Und Bei RIM ignorierte man Apple, denn RIM stand nicht nur für ein schickes Smartphone, sondern man ließ alle Emails und den gesamten Datenverkehr seiner Kunden über die eigenen Server laufen und diese waren und sind es bis heute mit die sichersten weltweit. Man fühlte sich also schier unangreifbar, da man sich seiner vielen Geschäftskunden und der vielen Behörden, die auf BlackBerrys setzen, sicher war. Das iPhone zielte vor allem auf die Privatkundschaft und war so teuer, dass es eigentlich keine Konkurrenz für BlackBerry hätte darstellen dürfen. Eigentlich...
Ja, BlackBerry hat das Smartphone erfunden. Vor 20 Jahren war Nokia der Weltmarktführer bei Handys und schien nicht aufzuhalten. Die Konkurrenz, zu denen Großkonzerne wie Siemens, Sony, Motorola und Ericsson gehörten, kam nicht gegen Nokia an, die zeitweilig fast 90 Prozent des Handymarktes dominierten. Und dann kam Research in Motion, selbst eine Abspaltung von Palm, die als erste einen elektronischen und mit dem PC synchronisierbaren Kalender auf den Markt gebracht hatten. Und während die Welt noch mit zwei dieser Geräte durch die Gegend lief, schuf RIM mit dem BlackBerry das erste Smartphone, das diese Geräte in einem zusammenführte. Und fegte die gesamte Konkurrenz vom Markt. Vor allem im Bereich der Geschäftsleute wurde ein BlackBerry schnell zu dem Statussymbol – wer keines hatte, war auch nicht wichtig. Selbstverständlich hatte ich auch eines und fühlte mich entsprechend wichtig.
Was dann folgte, ist bekannt. Steve Jobs erfand vor 15 Jahren Apple neu und führte es mit innovativen neuen Produkten aus der Existenzkrise. Mit dem iPod, dem iMac und vor allem mit dem iPhone. Letztlich ein BlackBerry mit Touch-Display und ohne die obligatorische BlackBerry-Tastatur. Und Bei RIM ignorierte man Apple, denn RIM stand nicht nur für ein schickes Smartphone, sondern man ließ alle Emails und den gesamten Datenverkehr seiner Kunden über die eigenen Server laufen und diese waren und sind es bis heute mit die sichersten weltweit. Man fühlte sich also schier unangreifbar, da man sich seiner vielen Geschäftskunden und der vielen Behörden, die auf BlackBerrys setzen, sicher war. Das iPhone zielte vor allem auf die Privatkundschaft und war so teuer, dass es eigentlich keine Konkurrenz für BlackBerry hätte darstellen dürfen. Eigentlich...
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Dienstag, 21. März 2017
Fairfax Financial: Erfolgreiche Kanadier auf Buffetts Spuren
Kanada findet sich eher selten sehr weit oben auf der Investorenlandkarte, aber bei so manchem Unternehmen lohnt sich ein genauerer Blick. Bei Fairfax Financial Holdings Ltd. könnte dies so sein, denn das Geschäftsmodell erinnert stark an das von Warren Buffets Berkshire Hathaway. Und die über lange Jahre erzielte Rendite ebenso.
Buffett hat sich ein Imperium an Versicherungswerten zusammengekauft. Darunter finden sich Lebensversicherer, Rückversicherer und Sachversicherer. Die gesamte Branche steht seit einigen Jahren unter Druck, weil die immer weiter fallenden Zinsen ihr die Möglichkeiten rauben, die von Kunden eingenommenen Prämienzahlungen gewinnbringend anzulegen, bevor sie diese im Schadenfall oder ggf. bei Ablauf der Versicherung an die Versicherten auskehren müssen. Das Versicherungsbusiness ist an sich eine einträgliche Branche, jedenfalls solange man nicht um der Marktanteile wegen Policen mit Unterdeckung verkauft, und daher am Ende draufzahlt. Der eigentliche Reiz für Warren Buffett sich hier so stark zu engagieren, lag und liegt allerdings noch mehr in den enormen Cashflows des Versicherungsgeschäfts. Der Kunde zahlt regelmäßig seine Prämien und bis zum Leistungszeitpunkt der Versicherung kann diese mit dem Geld, dem sog. "Float" arbeiten. Sie kann es aufs Tagesgeldkonto legen, in Anleihen stecken oder in Aktien. Und genau das ist das Metier von Warren Buffett: Aktieninvestments.
Nun kann Otto Normalanleger natürlich nicht einfach eine Allianz-Aktie kaufen und dann auf die Prämieneinnahmen dieses Versicherungskonzerns zugreifen. Das kann Buffett auch nicht. Aber er kauft ja auch selten einzelne Versicherungsaktien als reine Geldanlage, sondern er sichert sich die Mehrheit an dem Unternehmen. Und kann es so kontrollieren und dann auf seinen Cash-Bestand zugreifen. Im Grunde stellen ihm die Versicherungskunden somit ein zinsloses Darlehen für seine Aktieninvestments zur Verfügung. Und bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von knapp 20 Prozent besteht hier für Buffett ein großes Sicherheitspolster. Auch in den Jahren, wo viele Versicherungsschäden anfallen und somit die Prämien am Ende nicht auskömmlich waren. Selbst dann kann Buffett entspannt sein, denn dann werden die Prämien für das nächste Jahr angehoben und der Cashflow erhöht sich. Und somit sein Volumen für weitere Aktieninvestments.
Dieses Verfahren funktioniert nicht nur mit Versicherungen, sondern eigentlich mit jedem Geschäft, das hohe Cashflows erzeugt und wo diese nicht für Investitionen benötigt werden. Aber die Versicherungsbranche hat es Buffett auch deshalb so angetan, weil sie ziemlich einfach gestrickt ist. Anhand von Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungswerten berechnet man die anzunehmenden Schäden und lässt sich diese über das Jahr gesehen von den Kunden vorab in Raten bezahlen. Buffett liebt mathematische Modelle, weil hier Emotionen keine Rolle spielen. Alles ist klar kalkulierbar und wenn etwas nicht hinhaut, kann man den Fehler rational ermitteln. Und für die Zukunft besser werden.
Nun ist Buffett zwar überdurchschnittlich schlau und gewieft, aber er ist nicht der einzige schlaue Mensch, der auf dieses Geschäftsmodell gekommen ist. Der in Richmond, Virgina beheimatete Versicherungskonzern Markel Corp. schwimmt erfolgreich auf diese Welle und auch das kanadische Unternehmen Fairfax Financial Holdings Ltd. mit Sitz in Toronto. Das sogar auf eben diese Familie Markel aus Virgina zurückgeht. Denn Fairfax Financial wurde ursprünglich 1951 als Markel Service of Canada gegründet und 1985 von Prem Watsa übernommen, einem in Indien geborenen Investor. Damals hieß das Unternehmen Markel Financial und war ein Spezialist für LKW-Versicherungen, stand aber kurz vor dem Konkurs. Den heutigen Namen nahm die Firma im Mai 1987 an und wird geführt von Chairman und CEO Prem Watsa, der auch fast die Hälfte der Firma besitzt. Er strukturierte die Firma um und änderte den Namen von Markel in Fairfax, was als Abkürzung für „fair, friendly acquisitions“ steht, also faire, freundliche Übernahmen. Und der Name ist Programm.
Buffett hat sich ein Imperium an Versicherungswerten zusammengekauft. Darunter finden sich Lebensversicherer, Rückversicherer und Sachversicherer. Die gesamte Branche steht seit einigen Jahren unter Druck, weil die immer weiter fallenden Zinsen ihr die Möglichkeiten rauben, die von Kunden eingenommenen Prämienzahlungen gewinnbringend anzulegen, bevor sie diese im Schadenfall oder ggf. bei Ablauf der Versicherung an die Versicherten auskehren müssen. Das Versicherungsbusiness ist an sich eine einträgliche Branche, jedenfalls solange man nicht um der Marktanteile wegen Policen mit Unterdeckung verkauft, und daher am Ende draufzahlt. Der eigentliche Reiz für Warren Buffett sich hier so stark zu engagieren, lag und liegt allerdings noch mehr in den enormen Cashflows des Versicherungsgeschäfts. Der Kunde zahlt regelmäßig seine Prämien und bis zum Leistungszeitpunkt der Versicherung kann diese mit dem Geld, dem sog. "Float" arbeiten. Sie kann es aufs Tagesgeldkonto legen, in Anleihen stecken oder in Aktien. Und genau das ist das Metier von Warren Buffett: Aktieninvestments.
Nun kann Otto Normalanleger natürlich nicht einfach eine Allianz-Aktie kaufen und dann auf die Prämieneinnahmen dieses Versicherungskonzerns zugreifen. Das kann Buffett auch nicht. Aber er kauft ja auch selten einzelne Versicherungsaktien als reine Geldanlage, sondern er sichert sich die Mehrheit an dem Unternehmen. Und kann es so kontrollieren und dann auf seinen Cash-Bestand zugreifen. Im Grunde stellen ihm die Versicherungskunden somit ein zinsloses Darlehen für seine Aktieninvestments zur Verfügung. Und bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von knapp 20 Prozent besteht hier für Buffett ein großes Sicherheitspolster. Auch in den Jahren, wo viele Versicherungsschäden anfallen und somit die Prämien am Ende nicht auskömmlich waren. Selbst dann kann Buffett entspannt sein, denn dann werden die Prämien für das nächste Jahr angehoben und der Cashflow erhöht sich. Und somit sein Volumen für weitere Aktieninvestments.
Dieses Verfahren funktioniert nicht nur mit Versicherungen, sondern eigentlich mit jedem Geschäft, das hohe Cashflows erzeugt und wo diese nicht für Investitionen benötigt werden. Aber die Versicherungsbranche hat es Buffett auch deshalb so angetan, weil sie ziemlich einfach gestrickt ist. Anhand von Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungswerten berechnet man die anzunehmenden Schäden und lässt sich diese über das Jahr gesehen von den Kunden vorab in Raten bezahlen. Buffett liebt mathematische Modelle, weil hier Emotionen keine Rolle spielen. Alles ist klar kalkulierbar und wenn etwas nicht hinhaut, kann man den Fehler rational ermitteln. Und für die Zukunft besser werden.
Nun ist Buffett zwar überdurchschnittlich schlau und gewieft, aber er ist nicht der einzige schlaue Mensch, der auf dieses Geschäftsmodell gekommen ist. Der in Richmond, Virgina beheimatete Versicherungskonzern Markel Corp. schwimmt erfolgreich auf diese Welle und auch das kanadische Unternehmen Fairfax Financial Holdings Ltd. mit Sitz in Toronto. Das sogar auf eben diese Familie Markel aus Virgina zurückgeht. Denn Fairfax Financial wurde ursprünglich 1951 als Markel Service of Canada gegründet und 1985 von Prem Watsa übernommen, einem in Indien geborenen Investor. Damals hieß das Unternehmen Markel Financial und war ein Spezialist für LKW-Versicherungen, stand aber kurz vor dem Konkurs. Den heutigen Namen nahm die Firma im Mai 1987 an und wird geführt von Chairman und CEO Prem Watsa, der auch fast die Hälfte der Firma besitzt. Er strukturierte die Firma um und änderte den Namen von Markel in Fairfax, was als Abkürzung für „fair, friendly acquisitions“ steht, also faire, freundliche Übernahmen. Und der Name ist Programm.
Montag, 11. Januar 2016
Turnaround-Spekulation: Wenn Totgesagte länger leben
Vor drei Jahren habe ich mich bereits einmal mit Turnaround-Spekulationen beschäftigt und anhand einiger interessanter Werte das Prinzip dargelegt. Und grundsätzlich bleibt es immer das selbe "Spiel", abgestürzte Aktien von schlingernden Unternehmen möglichst am Tiefstpunkt einzusammeln, um dann von ihrer operativen Gesundung zu profitieren.
Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten. Da ist zunächst das enorme Risiko, dass das Unternehmen den angepeilten Turnaround nicht schafft und am Ende in die Insolvenz schlittert. Wie Praktiker oder Schlecker. Dann steht man als Aktionär vor dem Totalverlust und daher sind Turnaround-Spekulationen eben keine Buy & Hold-Investments, die man kauft und liegen lässt, sondern sie bedürfen erhöhter und regelmäßiger Aufmerksamkeit. Und dann ziehen sich Turnarounds meistens lange hin, so dass man als Anleger eine seeeeehr langen Atem braucht und auch zunächst weitere Kursverluste in Kauf nehmen muss. Und man muss unterscheiden lernen zwischen Fakten, die auf eine Erholung hindeuten, und bloßen Wünschen und Vermutungen, mit denen manche sich die Aktien schön reden. Letztere kosten Geld, erste bringen Geld.
Und leider bleibt am Ende die Erkenntnis, dass die meisten Turnarounds nicht klappen. Jedenfalls nicht für die Aktionäre, denn selbst wenn das Unternehmen am Ende gerettet ist, bleibt seinen Aktionären nicht selten nur der Totalverlust ihres Geldes. So wie bei Pfleiderer oder jetzt aktuell bei der Deutschen Forfait, wo letztlich Anleihegläubiger ihr Fremdkapital in neues Eigenkapital umgewandelt bekommen, während die Altaktionäre zuvor einen Kapitalschnitt hinnehmen mussten. Die neuen Eigentümer sind am Ende die ehemaligen Fremdkapitalgeber, während die alten Eigentümer enteignet sind. Auch das ist ein Risiko, das mit Aktien einhergeht, denn man ist Miteigentümer und damit voll im Risiko.
Das Entscheidende bei einer Turnaround-Spekulation ist also nicht der Preis der Aktien, sondern ihr Wert. Denn nur weil eine Aktie um 50 oder 80 Prozent gefallen ist, ist sie noch keine günstige Kaufgelegenheit. Denn wer nach einem 80-prozentigen Kurssturz von 100 auf 20 EUR kauft, erleidet bei einem weiteren Abrutschen auf 10 EUR einen Verlust von 50 Prozent - auch wenn dieser Rückgang aus Sicht der 100 EUR "nur" weitere 10 Prozent ausmacht. Um also nicht nur zocken zu müssen und darauf zu hoffen, dass sich die Aktie schon irgendwie und irgendwann wieder erholen würde, sollte man auf ihren Wert achten. Denn wenn unsere 20 EUR-Aktie zum Zeitpunkt des Kaufs 30 EUR Wert ist, ist die Aussicht mit ihr Geld zu verdienen wesentlich größer, als wenn ihr Wert nur 10 EUR ausmacht. Klingt wie eine Binsenweisheit, aber da sie (zu) selten beachtet wird und Anleger deshalb sehr viel Geld verlieren, ist sie durchaus ein weiteres Mal erwähnenswert. Und vor allem beachtenswert!
Werfen wir also mal ein Blick auf die Werte, die ich vor zwei Jahren vorgestellt habe: BlackBerry, IBM und TwinTec.
BlackBerry
Noch immer kämpft der einstige Handy-Pionier mit operativen Problemen, seine Handys haben inzwischen nur noch einen Marktanteil von weniger als 1 Prozent. Man hatte den Trend hin zu Touchscreens völlig verschlafen und ist als Anbieter inzwischen in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
Der neue CEO Chen richtet das Unternehmen zunehmend auf Software und Sicherheitstechnik aus und immerhin verbrennt BlackBerry kein Geld mehr. Zuletzt wagte man sich sogar wieder an die Handy-Produktion und da man nun auch auf Android setzt als Betriebssystem, dürfte man mit seinem innovativen Konzept - die Telefone haben optional eine ausfahrbare Tastatur - insbesondere im Businessbereich punkten können. Der Turnaround ist also noch im Gang, inzwischen jedoch auf einer unternehmerischen soliden Basis.
IBM
Der Großkonzern zieht sich immer mehr aus dem Bereich Hardware zurück und setzt zunehmend auf Software und cloudbasierte Anwendungen. Hinzu kommt das kognitive System Watson, mit dem viele Hoffnungen verbunden sind. Nachdem IBM das vierzehnte Quartal infolge Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatte und beim Gewinn sogar die pessimistischte aller Analystenprognosen unterboten hatte, scheint sich hier wenig zum Besseren zu wenden. Allerdings verdient IBM noch immer kräftig und kauft eigene Aktien zurück, so dass sich der Gewinn je Aktie sowie die Dividenden ständig erhöhen. IBM wird daher von vielen Value-Anlegern, ganz vorne mit dabei Warren Buffett, als tolles Investment angesehen, auch wenn der Kurs seit Jahren nur eine Richtung kennt: nach unten. Immerhin... IBM war im Jahr 2015 nicht mehr der schlechteste Dow Jones-Wert, einen Titel, den man 2013 und 2014 unangefochten "erobert" hatte. Der Turnaroud ist hier vielmehr eine tiefgreifende Veränderung des Geschäftsmodells und es scheint nur wenig Gefahr zu bestehen, dass IBM grundlegend straucheln wird. Denn immerhin bedient man fast alle der Top 100-Unternehmen der USA und hat somit eine solide Basis. Ob IBM sich irgendwann doch noch als gutes Investment erweisen wird, bleibt abzuwarten. Und ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass man sich mit einem Einstieg noch Zeit lassen kann, bis die Wandlung auch wirklich Früchte trägt.
TwinTec
Dass es TwinTec noch gibt, ist schon ein Erfolg, denn man stand nur Tage vor dem Exitus. Seitdem gab es zwei Eigentümerwechsel und man hat einen neue CEO, der von der übernommenen Tochter Beaumot stammt und man kann durchaus Erfolge vorweisen. So sind die neuen Abgasreinigungssysteme ziemlich überzeugend und man setzt künftig nicht mehr nur auf Landwirtschaftliche und Industriefahrzeuge, sondern möchte auch im Pkw-Bereich Tritt fassen. Und zwar nicht nur bei der Nachrüstung, sondern möchte auch Erstausrüster für die Abgasnachbehandlung werden. Sich immer weiter verschärfende Abgasnormen, der stärkere Fokus auf der Feinstaubproblematik, auch in China, und natürlich der VW-Abgasskandal bzgl. der Dieselmotoren bieten hier enorme Chancen. Auf der Risikoseite bleibt, dass TwinTec nach wie vor rote Zahlen schreibt, wenn man dem positiven Bereich auch stetig näher kommt. Bisher ist jeder Kurserholungsversuch nach kurzer Zeit wieder abverkauft worden, so dass die Marke von 1 EUR kaum länger als für ein paar Wochen überschritten werden konnte. Nur für Anleger mit erhöhter Risikobereitschaft und langem Atem.
Doch nicht nur zurück möchte ich blicken, sondern auch verprügelte Unternehmen der Gegenwart mal einer kurzen Betrachtung unterziehen. Denn auch hier finden sich recht interessante Werte.
Drägerwerk Vz.
Drägerwerk ist Marktführer in einem lukrativen und wachsenden Markt, der Schutz- und Sicherheitstechnik. Ob Rettungswesten, Atemmasken, medizinische Geräte oder Anwendungen für den Bergbau, die Lübecker sind mit ihren 13.000 Mitarbeitern immer vorne mit dabei. Und doch gelang es dem TecDax-Unternehmen im letzten Jahr nicht (mehr), Umsatz und Ergebnisse auf die Schiene zu bringen. Insbesondere die aussichtsreichen Auslandsmärkte USA, China und Brasilien machten Probleme, so dass sich unterm Strich der Jahresgewinn auf etwa 2,36 EUR je Aktie knapp halbierte. Als wenn das nicht schon schlecht genug wäre, verschreckte man die Anleger mit immer wieder neuem Verfehlen der eigene Prognosen und verspielte so zusätzlich Vertrauen an der Börse. Neben den Bekundungen, man wolle wieder profitabel(er) werden, lässt man allerdings auch Taten sprechen. So will man die Produktivität deutlich steigern, indem Verwaltung und Produktion gestrafft werden und so soll denn in 2016 ein Gewinn von 4,74 und 2017 von 5,73 EUR je Aktie erreicht werden. Da an Drägerwerk-Produkten eigentlich kaum ein Weg vorbeiführt, können Anleger auf einen erfolgreichen Turnaround setzen und sich ein paar Aktien ins Depot legen. Eine schnelle Rückkehr zu Kursen von über 120 EUR, wie sie im Frühjahr 2015 noch aufgerufen wurden, sollte man jedoch nicht erwarten. So schnell und so hoch dürften die Bäumen nicht (wieder) in den Himmel wachsen.
Eon
Warren Buffett sagte einmal, mit Energieversorgern würde man nicht reich, aber man bleibe es. Nun, da hatte er noch nicht von der deutschen Energiewende gehört, die zum Großteil für den desaströsen Kursverlauf der Eon-Aktie verantwortlich ist. Der deutsche Energieversorger bietet so ziemlich alles, was momentan nicht angesagt ist: Atomkraftwerke, Kohlekraftwerke, Öl- und Gaskraftwerke und dazu noch die Beteiligung kommunaler Körperschaften, von Städten und Gemeinden, sowie eine immer stärker zunehmende staatliche Regulierung bei Preisen, Investitionen und Kosten. Einerseits werden die Netzentgelte durch die Bundesnetzagentur diktatorisch festgeschrieben und dann für einen 5-Jahreszeitraum inkl. linearer Abschmelzung festgeschrieben, andererseits macht der Vorrang erneuerbarer Energien samt subventionierter Festpreise fossile Kraftwerke immer unrentabler, so dass Stilllegen billiger als Betreiben ist - trotz hoher Milliardenabschreibungen. Ein Markt zum Weglaufen! Und das haben die Anleger seit 2008, als die Eon-Papier noch über 50 EUR kosteten, scharenweise getan. Und die Aussichten sind bei aktuell 8 EUR auch nicht rosiger geworden, denn die Gaskraftwerke (selbst die modernsten Europas!) können nicht wirtschaftlich betrieben werden, obwohl der Gaspreis auf Rekordtief notiert. Und der Atomausstieg wird Eon (und EnBW, RWE und Vattenfall) Milliarden kosten - hierfür haben die vier insgesamt 39 Milliarden EUR an Rückstellungen gebildet, die aber pessimistischen Gutachten zufolge evtl. nicht ausreichen werden. Und dann liegen sie auch nicht in Cashform vor, sondern sind in Form von Kraftwerken und Anlagen kapitalgebunden, so dass diese erst verkauft werden müssten, um sie zu monetarisieren. Es können durchaus Zweifel angebracht sein, ob sich er Papierwert dann auch wirklich erzielen lässt und sich hier nicht eine weitere Lücke auftut.
Eon selbst möchte sich aufspalten und hat hierzu zum Jahreswechsel seine konventionellen Parts in die neue Tochter "Uniper" eingebracht und hier noch als Aufhübschung die Wasserkraftsparte sowie den Gasgroßhandel hinzugefügt. Die "alte" Eon soll die neue Ausrichtung zeigen, das Zukunftsgeschäft. Also die erneuerbaren Energien, sie Stromnetze, den Vertrieb. Und auf Druck der Politik auch die Atomsparte. In diesem Jahr soll Uniper als Spin-off abgespalten werden und Eon stünde dann weitgehend "sauber" da.
Das große Risiko bleibt allerdings der Atomausstieg, die Kosten sind schlicht nicht kalkulierbar. Nach der Rechtslage sind die Energieversorger für die Entsorgung zuständig und für Ende Februar ist der Abschlussbericht der Atomkommission vorgesehen, der Klarheit über die Finanzierbarkeit bringen soll. Es scheint ausgeschlossen, dass die Energieversorger über die 39 Mrd. EUR an Rückstellungen hinaus zur Kasse gebeten werden, denn wenn man sich die Eigentümerstruktur von Eon und RWE ansieht, stehen hinter ihnen eben auch zahlreiche deutsche Kommunen und Städte. Und anders als der Bund, der mit Milliardenüberschüssen rechnen kann, stehen die Kommunen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und das nicht seit der unbezahlbaren Flüchtlingswelle. Die Kommunen sind schlichtweg auf die Dividendenzahlungen der Energieversorger angewiesen, weil sie ansonsten Kindergärten, Bibliotheken und Schwimmbäder schließen müssen. Es dürfte also auf einen Kompromiss hinauslaufen, der den Energieversorgern eine Überlebenschance bietet. Und genau dies ist die Chance für mutige und risikobereite Anleger. Sie legen sich jetzt einige Eon-Aktien ins Depot und setzen darauf, dass die Neuausrichtung gelingt, die Abschreibungen auf Kraftwerke sich künftig reduzieren und sich mit den neuen Geschäftsfeldern wieder gutes Geld verdienen lassen wird.
Hierbei ist Eon seinem Rivalen RWE vorzuziehen, denn der geht dem umgekehrten Weg bei der Aufspaltung: RWE bleibt das Schmuddelkind, während die Zukunftsgeschäftsfelder mittels einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden sollen.
H&R
Die Spezialchemiefirma erzeugt chemisch-pharmazeutische Spezialprodukte auf Rohölbasis, wie Weichmacher, Weißöle, Paraffine, Druckfarbenöle und Bindemittel und betreibt in Deutschland zwei Raffinerien. Und damit ließ sich in den vergangenen Jahren immer weniger verdienen, vor allem der starke Einbruch beim Ölpreis hatte für zusätzlichen hohen Abwertungsbedarf gesorgt. Doch inzwischen zeichnet sich eine Wende beim operativen Geschäft ab und H&R und obwohl aufgrund der niedrigeren Rohölpreise der Umsatz deutlich zurückging, erzielt das Unternehmen wieder satte Gewinne; die um Sondereffekte bereinigte EBITDA-Marge schnellte wieder auf 8 Prozent hoch und Unternehmenslenker Hansen deutete an, dass H&R das Jahr am oberen Ende der eigenen Prognosen abschließen könne. Evtl. könne die Ergebniserwartung sogar um bis zu 15 Prozent übertroffen werden.
In den nächsten Jahren will Hansen den Internationalisierungskurs mit Fokus auf das stark wachsende Spezialitätengeschäft in Asien deutlich vorantreiben. Zu diesem Zweck hatte der Konzern Ende 2014 bereits 51 Prozent der chinesischen Geschäftsaktivitäten der Hansen & Rosenthal Gruppe übernommen und baute damit sein margenstärkeres Spezialitätengeschäft in Asien ausgebaut. Der Kurs Richtung Asien bringt zwar einerseits Konkurrenz und Margendruck, andererseits aber große Wachstumsmöglichkeiten, so dass der Konzern unterm Strich auf dem richtigen Weg sein dürfte und ab 2017 die Gewinne noch stärker ansteigen sollten.
Einschätzung
Von den drei genannten Werten dürfte H&R die sicherste Spekulation auf einen nachhaltigen Turnaround sein, weil er schon weiter fortgeschritten ist und sichtbare Erfolge zeigt. Eon bietet langfristig das größte Erholungspotenzial, wenn die genannten Entwicklungen denn auch so eintreffen. Auch das Risiko ist bei Eon vergleichsweise hoch. Und bei Drägerwerk bleibt abzuwarten, ob es dem Management gelingt, die (eigenen) Erwartungen wieder zu erfüllen. Dann winken neben starken operativen Verbesserungen auch hier Kursgewinne.
Bei allen positiven Lichtblicken und Hoffnungsschimmern, die man am Horizont erblicken mag, bleibt jedoch immer der Blick auf das Risiko die grundlegendste Tugend. Erst danach sollte man sich den Chancen zuwenden.
"Turnarounds seldom turn."
Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten. Da ist zunächst das enorme Risiko, dass das Unternehmen den angepeilten Turnaround nicht schafft und am Ende in die Insolvenz schlittert. Wie Praktiker oder Schlecker. Dann steht man als Aktionär vor dem Totalverlust und daher sind Turnaround-Spekulationen eben keine Buy & Hold-Investments, die man kauft und liegen lässt, sondern sie bedürfen erhöhter und regelmäßiger Aufmerksamkeit. Und dann ziehen sich Turnarounds meistens lange hin, so dass man als Anleger eine seeeeehr langen Atem braucht und auch zunächst weitere Kursverluste in Kauf nehmen muss. Und man muss unterscheiden lernen zwischen Fakten, die auf eine Erholung hindeuten, und bloßen Wünschen und Vermutungen, mit denen manche sich die Aktien schön reden. Letztere kosten Geld, erste bringen Geld.
"Nur weil eine Aktie fällt heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann."
Und leider bleibt am Ende die Erkenntnis, dass die meisten Turnarounds nicht klappen. Jedenfalls nicht für die Aktionäre, denn selbst wenn das Unternehmen am Ende gerettet ist, bleibt seinen Aktionären nicht selten nur der Totalverlust ihres Geldes. So wie bei Pfleiderer oder jetzt aktuell bei der Deutschen Forfait, wo letztlich Anleihegläubiger ihr Fremdkapital in neues Eigenkapital umgewandelt bekommen, während die Altaktionäre zuvor einen Kapitalschnitt hinnehmen mussten. Die neuen Eigentümer sind am Ende die ehemaligen Fremdkapitalgeber, während die alten Eigentümer enteignet sind. Auch das ist ein Risiko, das mit Aktien einhergeht, denn man ist Miteigentümer und damit voll im Risiko.
"Die meisten Anleger glauben, Qualität und nicht etwa der Preis sei der Maßstab dafür, ob eine
Geldanlage riskant ist. Doch qualitativ hochwertige Aktiva können riskant und Vermögenswerte
niedriger Qualität können sicher sein. Es ist alleine eine Frage des Preises, den man für sie bezahlt."
Geldanlage riskant ist. Doch qualitativ hochwertige Aktiva können riskant und Vermögenswerte
niedriger Qualität können sicher sein. Es ist alleine eine Frage des Preises, den man für sie bezahlt."
Das Entscheidende bei einer Turnaround-Spekulation ist also nicht der Preis der Aktien, sondern ihr Wert. Denn nur weil eine Aktie um 50 oder 80 Prozent gefallen ist, ist sie noch keine günstige Kaufgelegenheit. Denn wer nach einem 80-prozentigen Kurssturz von 100 auf 20 EUR kauft, erleidet bei einem weiteren Abrutschen auf 10 EUR einen Verlust von 50 Prozent - auch wenn dieser Rückgang aus Sicht der 100 EUR "nur" weitere 10 Prozent ausmacht. Um also nicht nur zocken zu müssen und darauf zu hoffen, dass sich die Aktie schon irgendwie und irgendwann wieder erholen würde, sollte man auf ihren Wert achten. Denn wenn unsere 20 EUR-Aktie zum Zeitpunkt des Kaufs 30 EUR Wert ist, ist die Aussicht mit ihr Geld zu verdienen wesentlich größer, als wenn ihr Wert nur 10 EUR ausmacht. Klingt wie eine Binsenweisheit, aber da sie (zu) selten beachtet wird und Anleger deshalb sehr viel Geld verlieren, ist sie durchaus ein weiteres Mal erwähnenswert. Und vor allem beachtenswert!
Werfen wir also mal ein Blick auf die Werte, die ich vor zwei Jahren vorgestellt habe: BlackBerry, IBM und TwinTec.
BlackBerry
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| BlackBerry (Quelle: comdirect.de) |
Der neue CEO Chen richtet das Unternehmen zunehmend auf Software und Sicherheitstechnik aus und immerhin verbrennt BlackBerry kein Geld mehr. Zuletzt wagte man sich sogar wieder an die Handy-Produktion und da man nun auch auf Android setzt als Betriebssystem, dürfte man mit seinem innovativen Konzept - die Telefone haben optional eine ausfahrbare Tastatur - insbesondere im Businessbereich punkten können. Der Turnaround ist also noch im Gang, inzwischen jedoch auf einer unternehmerischen soliden Basis.
IBM
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| IBM (Quelle: comdirect.de) |
TwinTec
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| TwinTec (Quelle: comdirect.de) |
"Value-Investoren sollten bei den hässlichen, versteckten und unbeliebten Aktien suchen."
Doch nicht nur zurück möchte ich blicken, sondern auch verprügelte Unternehmen der Gegenwart mal einer kurzen Betrachtung unterziehen. Denn auch hier finden sich recht interessante Werte.
Drägerwerk Vz.
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| Drägerwerk Vz. (Quelle: comdirect.de) |
Eon
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| Eon (Quelle: comdirect.de) |
Eon selbst möchte sich aufspalten und hat hierzu zum Jahreswechsel seine konventionellen Parts in die neue Tochter "Uniper" eingebracht und hier noch als Aufhübschung die Wasserkraftsparte sowie den Gasgroßhandel hinzugefügt. Die "alte" Eon soll die neue Ausrichtung zeigen, das Zukunftsgeschäft. Also die erneuerbaren Energien, sie Stromnetze, den Vertrieb. Und auf Druck der Politik auch die Atomsparte. In diesem Jahr soll Uniper als Spin-off abgespalten werden und Eon stünde dann weitgehend "sauber" da.
Das große Risiko bleibt allerdings der Atomausstieg, die Kosten sind schlicht nicht kalkulierbar. Nach der Rechtslage sind die Energieversorger für die Entsorgung zuständig und für Ende Februar ist der Abschlussbericht der Atomkommission vorgesehen, der Klarheit über die Finanzierbarkeit bringen soll. Es scheint ausgeschlossen, dass die Energieversorger über die 39 Mrd. EUR an Rückstellungen hinaus zur Kasse gebeten werden, denn wenn man sich die Eigentümerstruktur von Eon und RWE ansieht, stehen hinter ihnen eben auch zahlreiche deutsche Kommunen und Städte. Und anders als der Bund, der mit Milliardenüberschüssen rechnen kann, stehen die Kommunen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und das nicht seit der unbezahlbaren Flüchtlingswelle. Die Kommunen sind schlichtweg auf die Dividendenzahlungen der Energieversorger angewiesen, weil sie ansonsten Kindergärten, Bibliotheken und Schwimmbäder schließen müssen. Es dürfte also auf einen Kompromiss hinauslaufen, der den Energieversorgern eine Überlebenschance bietet. Und genau dies ist die Chance für mutige und risikobereite Anleger. Sie legen sich jetzt einige Eon-Aktien ins Depot und setzen darauf, dass die Neuausrichtung gelingt, die Abschreibungen auf Kraftwerke sich künftig reduzieren und sich mit den neuen Geschäftsfeldern wieder gutes Geld verdienen lassen wird.
Hierbei ist Eon seinem Rivalen RWE vorzuziehen, denn der geht dem umgekehrten Weg bei der Aufspaltung: RWE bleibt das Schmuddelkind, während die Zukunftsgeschäftsfelder mittels einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden sollen.
H&R
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| H&R (Quelle: comdirect.de) |
In den nächsten Jahren will Hansen den Internationalisierungskurs mit Fokus auf das stark wachsende Spezialitätengeschäft in Asien deutlich vorantreiben. Zu diesem Zweck hatte der Konzern Ende 2014 bereits 51 Prozent der chinesischen Geschäftsaktivitäten der Hansen & Rosenthal Gruppe übernommen und baute damit sein margenstärkeres Spezialitätengeschäft in Asien ausgebaut. Der Kurs Richtung Asien bringt zwar einerseits Konkurrenz und Margendruck, andererseits aber große Wachstumsmöglichkeiten, so dass der Konzern unterm Strich auf dem richtigen Weg sein dürfte und ab 2017 die Gewinne noch stärker ansteigen sollten.
Einschätzung
Von den drei genannten Werten dürfte H&R die sicherste Spekulation auf einen nachhaltigen Turnaround sein, weil er schon weiter fortgeschritten ist und sichtbare Erfolge zeigt. Eon bietet langfristig das größte Erholungspotenzial, wenn die genannten Entwicklungen denn auch so eintreffen. Auch das Risiko ist bei Eon vergleichsweise hoch. Und bei Drägerwerk bleibt abzuwarten, ob es dem Management gelingt, die (eigenen) Erwartungen wieder zu erfüllen. Dann winken neben starken operativen Verbesserungen auch hier Kursgewinne.
Bei allen positiven Lichtblicken und Hoffnungsschimmern, die man am Horizont erblicken mag, bleibt jedoch immer der Blick auf das Risiko die grundlegendste Tugend. Erst danach sollte man sich den Chancen zuwenden.
"Ein Kurs kann auch auf Null fallen."
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Mittwoch, 25. September 2013
BlackBerry: Das war's dann wohl...
Die Aktien des Smartphoneherstellers BlackBerry (vormals RIM) habe ich mal als Turnaroundspekulation auf meine Empfehlungsliste genommen und bisher ist diese Spekulation nicht aufgegangen. Operativ läuft es bei BlackBerry noch immer schlecht und das Unternehmen hat sich selbst zum Verkauf gestellt, zudem werden weitere tausende von Mitarbeitern entlassen. In dieser Situation will der kanadische Finanzdienstleister Fairfax Financial 9 USD pro Aktie zahlen, um Black Berry anschließend von der Börse zu nehmen. Bis zum 4. November hat BlackBerry nun Zeit, einen anderen Investor zu finden, sonst wird man sich in dieses Schicksal ergeben.
Für Aktionäre wird es nun kritisch. 9 USD entsprechen knapp weniger als 7 EUR, der aktuelle Börsenkurs liegt bei 6,30 EUR, also um diesen Wert herum. Sollte Fairfax Financial BlackBerry schlucken, können Aktionäre das Abfindungsangebot annehmen - ansonsten bleiben sie Anteilseigner des Unternehmens, auch wenn es von der Börse genommen wird. Die Anteile allerdings dann noch loszuwerden, dürfte schwierig sein und mit einigen Kosten verbunden, da sie ja nicht mehr an einer Börse gehandelt würden. Vergleichbar wären sie also mit einer Beteiligung an einer deutschen GmbH oder einem geschlossenen Fonds. Selbstredend wird der Informationsfluss deutlich abnehmen und man wenig bis gar nichts von den (operativen) Erfolgen hören, jedenfalls im Vergleich zu heute.
Zu überlegen ist, ob jemand anderes bis zum 4. November ein höheres Gebot abgeben wird. Das ist selbstverständlich möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn Fairfax Financial ist bereits seit langem Großaktionär bei BlackBerry und potenzielle Übernehmer aus der Branche sind bereits positioniert (Google hat Motorola gekauft, Microsoft Nokia, Apple und Samsung haben kaum Bedarf, die BlackBerrys ihrem Produktsortiment hinzuzufügen). Der einfach(st)e Weg für Aktionäre dürfte es also sein, lieber jetzt die Reißleine zu ziehen, die Aktien zu verkaufen und die Verluste hinzunehmen. Diese Spekulation hat sich nicht ausgezahlt.
Für Aktionäre wird es nun kritisch. 9 USD entsprechen knapp weniger als 7 EUR, der aktuelle Börsenkurs liegt bei 6,30 EUR, also um diesen Wert herum. Sollte Fairfax Financial BlackBerry schlucken, können Aktionäre das Abfindungsangebot annehmen - ansonsten bleiben sie Anteilseigner des Unternehmens, auch wenn es von der Börse genommen wird. Die Anteile allerdings dann noch loszuwerden, dürfte schwierig sein und mit einigen Kosten verbunden, da sie ja nicht mehr an einer Börse gehandelt würden. Vergleichbar wären sie also mit einer Beteiligung an einer deutschen GmbH oder einem geschlossenen Fonds. Selbstredend wird der Informationsfluss deutlich abnehmen und man wenig bis gar nichts von den (operativen) Erfolgen hören, jedenfalls im Vergleich zu heute.
Zu überlegen ist, ob jemand anderes bis zum 4. November ein höheres Gebot abgeben wird. Das ist selbstverständlich möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn Fairfax Financial ist bereits seit langem Großaktionär bei BlackBerry und potenzielle Übernehmer aus der Branche sind bereits positioniert (Google hat Motorola gekauft, Microsoft Nokia, Apple und Samsung haben kaum Bedarf, die BlackBerrys ihrem Produktsortiment hinzuzufügen). Der einfach(st)e Weg für Aktionäre dürfte es also sein, lieber jetzt die Reißleine zu ziehen, die Aktien zu verkaufen und die Verluste hinzunehmen. Diese Spekulation hat sich nicht ausgezahlt.
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Freitag, 25. Januar 2013
Turnaround: Profitieren, wenn gefallene Engel wiederauferstehen
Die Wirtschaft ist kein Streichelzoo, es wird hart um Aufträge gerungen und um Gewinn gekämpft. Und neben den strahlenden Gewinnern gibt es natürlich auch Verlierer, Unternehmen, die nicht oder nicht mehr die richtigen Produkte oder Dienstleistungen anbieten oder aber schlicht dem Konkurrenzdruck nicht gewachsen sind. Dabei geht es nicht nur um Branchen, die ihren Zenit überschritten haben, wie Kutscherpeitschen, Walkmen oder Autohupen, sondern auch um Bereiche, in denen ein harter Wettbewerb herrscht. Dabei kommen auch ehemalige Weltkonzerne und Weltmarktführer unter die Räder, wie AEG, Grundig, Sony, Nokia, Palm, Volvo oder Atari.
Nicht alle von ihnen verschwinden von der Bildfläche, einige werden übernommen und fristen ein Schattendasein als Abteilung eines größeren Konzerns oder werden als Sparte ausgeschlachtet. AOL, Kodak, Compaq oder Motorola seien hier genannt. Allen gemein ist, dass es zumeist kein schneller und einmaliger Absturz war, sondern sich der Niedergang über einen längeren Zeitraum angebahnt hat. Die Kunden- und Anlegerlieblinge zehrten noch eine Weile von ihrer Marktstellung und von ihrem Image, doch mach und nach setzt neben dem unternehmerischen Niedergang auch der Imageverlust ein, die einstige Trendmarke wird zum alten und angestaubten Problemfall, dessen Produkte niemand mehr haben will. Doch so mancher ehemalige Star kriegt auch die Kurve und bietet das Potenzial, (s)eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte noch einmal zu schreiben. Wie IBM oder Apple. Unter bestimmten Voraussetzungen können Turnaroundspekulationen auch für Value-Investoren interessant sein.
So erging es auch Nokia, dem einstigen Weltmarktführer bei Mobiltelefonen, oder Research in Motion (RIM), dem Hersteller der BlackBerry-Smartphones. Einige Jahre lang waren die der Inbegriff der "Hippness", in jedem amerikanischen Film waren die attraktiven Hauptdarsteller damit zugange, BlackBerrys waren völlig in den (cineastischen) Tagesablauf integriert. Dann kam Apple mit dem Iphone und Touchscreens, während BlackBerry auf das bewährte Tastentelefon setzte. Und auch weiterhin zulegte, doch im rasant wachsenden Smartphonemarkt verlor RIM stark an Marktanteilen, von in der Spitze 20 auf 4 Prozent - der Aktienkurs kannte fortan nur noch eine Richtung: nach unten. Und Ende 2012 musste RIM nicht nur seine neuen Gerätegenration samt neuem Betriebssystem verschieben und seinen Chef vor die Tür setzen, es machte auch noch große Verluste.
Und dennoch... RIM hat noch immer 80 Mio. Kunden und das neue Smartphone findet bei den Vorabtestern großen Anklang ("geilstes Smartphone"). Ebenso das neue Betriebssystem BB10, das sogar besser als die der Konkurrenz von Apple oder Microsoft sein soll. In wenigen Wochen kommt es auf den Markt und wird die Zukunft von RIM entscheiden. Der Aktienkurs hat sich jedenfalls von seinen Tiefstständen bereits kräftig erholt und da RIM ein drastisches Sparprogramm fährt, liegt man wieder in der Gewinnzone und die liquiden Mittel wachsen weiter an. Derweil prüft das Unternehmen weiterhin verschiedene Optionen, wie den Verkauf seiner Handyproduktion oder die Lizensierung seiner neuen Handysoftware, doch aufgrund der jüngsten unternehmerischen Erfolge und des zu erwartenden Hypes um die neuen Telefone inzwischen aus einer Position der Stärke heraus. Hierzu passt auch die Meldung, Walmart würde das neue BB10 in Canada in seinen Märkten anbieten und man verhandle auch über die Märkte in den USA. Wenn das neue BB10, das in 6 Varianten auf den Markt kommen soll, so einschlägt, wie es zu erwarten ist, hat der Aktienkurs noch erhebliches Potenzial. Mutige Anleger setzen auf den Turnaround und legen sich einige Aktien ins Depot und spekulieren auf ein nachhaltiges Erholen des einstigen Trendsetters.
Eine andere interessante Turnaround-Story schreibt TwinTec, ein kleines Unternehmen, das sich auf Abgasreinigung spezialisiert hat. Im März war das Unternehmen am Ende, die Insolvenz war sicher und der Aktienkurs dümpelte um Ein-Euro-Marke. Doch auf den letzten Drücker übernahm der amerikanische Finanzinvestor Perseus die Aktienmehrheit an der TwinTec im Wege einer Kapitalerhöhung - und der Kurs rutschte auf unter 50 Cents ab. Große Meldungen blieben aus und der Markt für Abgasreinigungssysteme zum Nachrüsten dürfte in Deutschland bald abgegrast sein. Wenig verheißungsvoll, sollte man meinen. Doch Perseus ist keine Heuschrecke, sondern investiert langfristig in Unternehmen aus genau dieser Branche. Und so gehört auch eine der Mitbewerber TwinTecs, die schweizerische Baumot AG zur Perseus-Gruppe. Deren Chef Marcus Hausser übernahm Mitte 2012 den Vorstandsvorsitz bei TwinTec und machte erst einmal Tabularasa. Es folgte eine neue Internetseite und eine neue Kommunikationsstrategie, also bis dato nichts Handfestes, was auf einen Erfolg hindeuten würde. Doch inzwischen mehren sich die positiven Nachrichten, denn Ende 2012 übernahm TwinTec die Alleinvertretung für die Baumot in Deutschland und weitet so das eigene Produktportfolio deutlich aus. Und jüngst wurde eine Kooperation in China bekanntgegeben, eine Land, das unter giftigem Smog ächzt wie kein zweites - und enormen Bedarf an nachrüstbaren Abgasreinigungssystemen hat. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Landwirtschaft sein, wo alte Traktoren Unmengen an schädlichen und oft noch weitgehend ungefilterten Abgasen in die Luft rauchen.
Ob sich die Entwicklungen auch in barer Münze auszahlen, wird man erst sehen können, wenn die Geschäftszahlen vorliegen. Aber Perseus unternimmt große Anstrengungen, TwinTec wieder auf Kurs zu bringen und die letzten Meldungen sind sehr verheißungsvoll. TwinTec hat wieder eine unternehmerische Perspektive und wird aktuell mit etwa 9 Mio. EUR bewertet. Also ein echter MicroCap, auch wenn das vor einigen Jahren bei Kursen um 25 EUR noch anders war. Zunächst wird sich TwinTec jedoch Anfang Februar auf der Small- und Mid-Cap-Conference von Close Brothers Seydler in Frankfurt präsentieren und damit dürfte auch der Fokus der (Börsen-)Öffentlichkeit wieder zunehmend auf den Wert gerichtet werden. Bei einem so marktengen und niedrig börsenkapitalisierten Unternehmen kann das zu deutlichen Kursschwankungen führen, wie zuletzt gesehen, als die Meldung zum China-Engagement rauskam und die Aktien an einem Tag um mehr als 40% in die Höhe schossen. Aktuell notieren sie noch unter 1 EUR, doch wenn der Turnaround Erfolg hat, sollten schnell deutlich höhere Kurse aufgerufen werden - und in einigen Jahren vielleicht auch wieder zweistellige Börsenkurse, wenn die Unternehmenszahlen entsprechend mitspielen.
Nicht alle von ihnen verschwinden von der Bildfläche, einige werden übernommen und fristen ein Schattendasein als Abteilung eines größeren Konzerns oder werden als Sparte ausgeschlachtet. AOL, Kodak, Compaq oder Motorola seien hier genannt. Allen gemein ist, dass es zumeist kein schneller und einmaliger Absturz war, sondern sich der Niedergang über einen längeren Zeitraum angebahnt hat. Die Kunden- und Anlegerlieblinge zehrten noch eine Weile von ihrer Marktstellung und von ihrem Image, doch mach und nach setzt neben dem unternehmerischen Niedergang auch der Imageverlust ein, die einstige Trendmarke wird zum alten und angestaubten Problemfall, dessen Produkte niemand mehr haben will. Doch so mancher ehemalige Star kriegt auch die Kurve und bietet das Potenzial, (s)eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte noch einmal zu schreiben. Wie IBM oder Apple. Unter bestimmten Voraussetzungen können Turnaroundspekulationen auch für Value-Investoren interessant sein.
Und dennoch... RIM hat noch immer 80 Mio. Kunden und das neue Smartphone findet bei den Vorabtestern großen Anklang ("geilstes Smartphone"). Ebenso das neue Betriebssystem BB10, das sogar besser als die der Konkurrenz von Apple oder Microsoft sein soll. In wenigen Wochen kommt es auf den Markt und wird die Zukunft von RIM entscheiden. Der Aktienkurs hat sich jedenfalls von seinen Tiefstständen bereits kräftig erholt und da RIM ein drastisches Sparprogramm fährt, liegt man wieder in der Gewinnzone und die liquiden Mittel wachsen weiter an. Derweil prüft das Unternehmen weiterhin verschiedene Optionen, wie den Verkauf seiner Handyproduktion oder die Lizensierung seiner neuen Handysoftware, doch aufgrund der jüngsten unternehmerischen Erfolge und des zu erwartenden Hypes um die neuen Telefone inzwischen aus einer Position der Stärke heraus. Hierzu passt auch die Meldung, Walmart würde das neue BB10 in Canada in seinen Märkten anbieten und man verhandle auch über die Märkte in den USA. Wenn das neue BB10, das in 6 Varianten auf den Markt kommen soll, so einschlägt, wie es zu erwarten ist, hat der Aktienkurs noch erhebliches Potenzial. Mutige Anleger setzen auf den Turnaround und legen sich einige Aktien ins Depot und spekulieren auf ein nachhaltiges Erholen des einstigen Trendsetters.
Ob sich die Entwicklungen auch in barer Münze auszahlen, wird man erst sehen können, wenn die Geschäftszahlen vorliegen. Aber Perseus unternimmt große Anstrengungen, TwinTec wieder auf Kurs zu bringen und die letzten Meldungen sind sehr verheißungsvoll. TwinTec hat wieder eine unternehmerische Perspektive und wird aktuell mit etwa 9 Mio. EUR bewertet. Also ein echter MicroCap, auch wenn das vor einigen Jahren bei Kursen um 25 EUR noch anders war. Zunächst wird sich TwinTec jedoch Anfang Februar auf der Small- und Mid-Cap-Conference von Close Brothers Seydler in Frankfurt präsentieren und damit dürfte auch der Fokus der (Börsen-)Öffentlichkeit wieder zunehmend auf den Wert gerichtet werden. Bei einem so marktengen und niedrig börsenkapitalisierten Unternehmen kann das zu deutlichen Kursschwankungen führen, wie zuletzt gesehen, als die Meldung zum China-Engagement rauskam und die Aktien an einem Tag um mehr als 40% in die Höhe schossen. Aktuell notieren sie noch unter 1 EUR, doch wenn der Turnaround Erfolg hat, sollten schnell deutlich höhere Kurse aufgerufen werden - und in einigen Jahren vielleicht auch wieder zweistellige Börsenkurse, wenn die Unternehmenszahlen entsprechend mitspielen.
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