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Mittwoch, 26. Juli 2017

Chemikaliengroßhändler Brenntag schmiert die Weltkonjunktur

Mit den Produkten der Brenntag AG kommen Verbraucher kaum in Berührung, jedenfalls nicht, bevor diese weiterverarbeitet wurden. Denn Brenntag ist kein Produzent, sondern ein Händler. Ein Chemikalienhändler genauer gesagt und zwar der Weltmarktführer. Das klingt allerdings gewaltiger als es ist, denn Brenntags Weltmarktanteil liegt bei gerade einmal 6 Prozent. Denn der Markt ist sehr fragmentiert. Und hart umkämpft.

Gesteuert wird Brenntag seit 2011 von Steven Holland und zwar von London aus. Dennoch ist und bleibt Brenntag ein urdeutsches Unternehmen, das in seinen Ursprüngen bis ins Jahr 1874 zurückreicht. Inzwischen ist man Weltmarktführer im Markt für Chemikalien und dieser ist etwa 165 Milliarden Euro schwer. Dabei ist man als global agierendes Unternehmen von der weltweiten Konjunkturlage abhängig und zählt zu den sogenannten zyklischen Werten. Was sich auch am Kursverlauf der letzten Jahre ablesen lässt, denn nach der Finanzkrise konnte sich der Aktienkurs in den letzten sieben Jahren gut verdreifachen. Diese stolze Bilanz darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aktienkurs seit zwei Jahren in einer Seitwärtsbewegung gefangen ist, und Anlegern somit zuletzt eher wenig Freude bereitet hat angesichts steigender Aktienmärkte.

 Brenntag AG (Quelle: finanzen.net) 
Als Großhändler ist Brenntag weniger anfällig für die Konjunkturzyklen als die Chemieproduzenten selbst, kann sich aber nicht völlig von diesen abkoppeln. Der Chemiegroßhandel konnte in den letzten Jahren um durchschnittlich neun Prozent zulegen, wobei zwischen 2008 und 2012 auch außergewöhnlich starke Jahre dabei waren. Seit 2015 schwächelt man aber, was vor allem am Ölpreis liegt. Denn das Nordamerikageschäft der Brenntag ist stark von der dortigen Frackingindustrie geprägt und die durchlebte in den letzten zwei Jahren ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst stürzte der Ölpreis um weit mehr als die Hälfte ab, bevor er sich dann um die 50 Dollar stabilisieren konnte. Gleichzeitig sanken die Zahlen neuer und aktiver Bohrlöcher immer weiter ab, was auch zu geringerer Nachfrage und sinkenden Preisen für die für das Fracking benötigten Chemikalien führte. Aber es gibt gerade hier einen Hoffnungsschimmer, denn nachdem die OPEC eine Förderkürzung beschlossen hatte, nahmen die Zahlen der neuen Bohrlöcher in den USA wieder zu.