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Dienstag, 26. Mai 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 26.05.1896 wurde erstmals der Dow Jones Industrial Average Index veröffentlicht. Es war die Geburtsstunde des modernen Börsenbarometers

Am 26.05.1896 wurde an der New Yorker Börse ein Index veröffentlicht, der die Finanzwelt dauerhaft verändern sollte: der Dow Jones Industrial Average, kurz Dow Jones oder schlicht "Dow". Was damals mit lediglich zwölf Industrieunternehmen begann, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Aktienindizes der Welt. Über mehr als ein Jahrhundert hinweg wurde der Dow Jones zum Symbol für die Kraft der amerikanischen Wirtschaft. Seine Bewegungen spiegelten Wirtschaftskrisen, technologische Revolutionen, Kriege, Börsenblasen und globale Umbrüche wider.

Der Index gilt bis heute als eines der wichtigsten Börsenbarometer überhaupt. Obwohl moderne Indizes wie der S&P 500 in vielerlei Hinsicht repräsentativer sind, besitzt der Dow Jones einen historischen und psychologischen Stellenwert, der weit über seine mathematische Konstruktion hinausgeht. Wenn Nachrichtensprecher verkünden, "der Dow steigt um 500 Punkte" oder "der Dow stürzt ab", dann ist damit oft ein Signal verbunden, das weltweit Aufmerksamkeit erzeugt.
 
Die Geschichte des Dow Jones ist eng mit zwei Männern verbunden: dem Journalisten und Finanzanalysten Charles Dow und dem Statistiker Edward Jones. Gemeinsam legten sie nicht nur den Grundstein für einen der berühmtesten Indizes der Welt, sondern prägten auch den modernen Finanzjournalismus...

Dienstag, 12. Mai 2026

[Einfach gedacht] RELOADED: Wie hoch sind die Risiken bei "Private Credit" wirklich?

"Die Risiken bei Private Credit steigen" lautete mein Intro, als ich mir die Situation vor einem halben Jahr angesehen habe. Und ich lag mit meiner Einschätzung relativ gut im Wind, auch wenn sich die Gründe für die stürmische See teilweise verändert haben. Die Folgen sind gleich geblieben und so haben die Anleger mit Schlagseiten und Wassereinbrüchen zu kämpfen. Aussicht auf Besserung besteht nicht - noch nicht. Erst dürfte es noch schlimmer werden, bevor es wieder besser wird. Aber das muss keine wirklich schlechte Nachricht sein...

Freitag, 8. Mai 2026

[Kissigs Börsentheater] Ex-Bundesbank-Präsident Pöhl warnt vor Inflation - und vergleicht sie mit... Zahnpasta?!

Inflation ist schon ein echtes Miststück. Stanley Druckenmiller nannte sie "eine Steuer, die die Armen sich weder leisten noch vermeiden können". Inflation ist Geldentwertung und sorgt dafür, dass man für den gleichen Betrag morgen weniger kaufen kann. Millionäre kratzt das nicht so sehr wie Otto Normalbürger, für den aus Preissteigerungen schnell Konsumverzicht wird. Nötigenfalls auch bei den Dingen des täglichen Bedarfs. Und dann geht es an Eingemachte...

Samstag, 2. Mai 2026

Einfach Rekordverdächtig: Die schnellste Kurserholung aller Zeiten

Die Börsen haussieren auf neue Rekordstände und das angesichts sich zusammenbrauender makroökonomischer Stürme. Doch erstmal blicken wir auf die schnellste Markerholung aller Zeiten: gerade einmal 11 Tage hat der S&P 500 benötigt, um seinen mehr als 10-prozentigen Einbruch wieder vollständig auszugleichen. Das ist echt beeindruckend und war so nicht zu erwarten.

Dabei spielt die Liquidität die entscheidende Rolle, denn die Notenbanken versorgen die Wirtschaft und die Märkte mit reichlich Geld. Und auch die US-Banken steuern ihren Teil dazu bei: einerseits haben sie ihre Kreditvergaben (noch) nicht deutlich runtergefahren, andererseits gab es kürzlich eine Änderung bei den US-Eigenkapitalvorschriften für Banken, die erhebliche bisher gebundene Geldmittel freimacht. Und zwar für die Kreditvergabe und/oder für Investitionen in Assets...

Samstag, 25. April 2026

Kissigs Wochenrückblick 17/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Rheinmetall, Deutsche Rohstoff, Almonty, Amazon, Rocket Lab - Energie und KI hui, Rüstung pfui

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich...

Samstag, 11. April 2026

[Marks Memos] Starinvestor Howard Marks beruhigt: Private Credit steuert nicht auf eine bedrohliche Schieflage zu. Und doch müssen einige Investoren eine alte Lektion neu lernen

Howard Stanley Marks ist einer der besten Investoren der Welt. Regelmäßig veröffentlicht er seine "Marks Memos", über die Warren Buffett sagt, er würde sofort alles stehen und liegen lassen, sobald sich eine neue Ausgabe in seinem Posteingang fände. Zu Recht!

In seinem Memo "What’s Going on in Private Credit?" widmete sich Marks jüngst der Frage, ob die seit Wochen durch die Schlagzeilen geprügelten Befürchtungen über drohende Kreditausfälle und darauf folgende systemische Risiken im Bereich Private Credit Substanz haben, oder ob es sich um ein normales Boom & Bust-Szenario in einer zyklischen Branche handelt. Einfach lesenswert...

Freitag, 20. März 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 20.03.1602 gab die Niederländische Ostindien-Kompanie die ersten Aktien der Welt aus - und zündete damit den Turbo für den Kapitalismus

Am 20.03.1602 wurde mit der Gründung der Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) ein Meilenstein in der Wirtschaftsgeschichte gesetzt. Erstmals wurde ein Unternehmen geschaffen, das Kapital von einer breiten Öffentlichkeit einsammelte und dieses in handelbare Anteilscheine überführte - die ersten modernen Aktien.

Dieses Modell revolutionierte nicht nur den Handel, sondern legte den Grundstein für das heutige globale Finanzsystem.

Sonntag, 15. März 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 15.03.1924 wurde der letzte 5-Billionen-Mark-Schein gedruckt. Die Hyperinflation ruinierte (fast) alle - und ist bis heute ein deutsches Trauma

Am 15.03.1924 wurden in Deutschland die letzten Geldscheine mit dem gewaltigen Nennwert von fünf Billionen Mark gedruckt. Diese groteske Zahl steht symbolisch für eine der dramatischsten Währungskrisen der modernen Wirtschaftsgeschichte: die deutsche Hyperinflation der Jahre 1922 und 1923. Innerhalb weniger Monate verlor die deutsche Mark nahezu vollständig ihren Wert. Ersparnisse verdampften, Preise explodierten und das Vertrauen in Staat, Wirtschaft und gesellschaftliche Institutionen wurde nachhaltig erschüttert...

Kissigs Wochenrückblick 11/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Comfort Systems, Almonty, SoFi, KKR, Quanta Services, TransDigm. Alles weitgehend auf Kurs, (fast) nur die Finanzwerte taumeln (weiter)...

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich...

Donnerstag, 26. Februar 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 26.02.1995 ging die Barings Bank Bankrott, nachdem der Derivatehändler Nick Leeson 1,4 Milliarden Dollar der "Bank der Queen" verzockt hatte

Am 26.02.1995 ging die traditionsreiche britische Investmentbank Barings Bank spektakulär bankrott. Ursache waren massive Fehlspekulationen und systematische Manipulationen ihres Derivatehändlers Nick Leeson in Singapur. Der Zusammenbruch gilt bis heute als einer der folgenreichsten Fälle von Kontrollversagen in der modernen Finanzgeschichte. Er offenbarte nicht nur die Risiken des damals expandierenden Derivatehandels, sondern auch gravierende Schwächen in der internen Governance selbst renommierter Finanzinstitute.

Dass es gerade die altehrwürdige Barings Bank traf, die den inoffiziellen Titel "die Bank der Queen" trug, birgt dabei schon Züge von Ironie...

Dienstag, 24. Februar 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Back to Value

In früheren Zeiten haben sich Technologieaktien und Valuewerte in mehrjährigen Zyklen abgewechselt und wenn die eine Gruppe einige Jahre lang outperformt hatte, wechselten die Favoriten. Ein weitgehend vorhersagbares Muster.

Doch nach der Globalen Finanzkrise 2008/09 änderte sich das Spiel: Technologieaktien zogen schier unaufhaltsam davon, während klassische Unternehmen kaum von der Stelle kamen. Und so fuhren viele erfolgreiche Value Investoren schlechte(re) Ergebnisse ein und auch wenn sie durchaus Gewinne erzielten, blieben sie doch zumeist weit hinter ihren technologieaffinen Wettbewerbern zurück.

"Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich", heißt es. Und so wurde immer wieder eine bevorstehende Trendumkehr ausgerufen, wann immer die Börsen einen neuen Höchststand markierten und die Technologieaktien neue Bewertungsmaßstäbe setzten. Zuletzt war die immer stärker zunehmende Konzentration der Magnificent 7 im S&P 500 der Grund für den Abgesang auf die endlose Technologie-Hausse – und nun scheint es wirklich soweit zu sein. Dank KI.

Sicher, Künstliche Intelligenz ist ein Technologiethema und viele Technologiefirmen profitieren. Aber auch die Anwender von KI werden zunehmend zu Gewinnern, weil sie rationalisieren können, mit weniger Personal auskommen, schlanker, effizienter werden. Sie bauen ihre Margen aus und damit ihre Gewinne. Jedenfalls die Unternehmen, die nicht von KI disruptiert werden.
Und so erleben wir seit einiger Zeit ein Umdenken: Geld wird aus Technologiewerten abgezogen und in klassische Value-Branchen investiert. Seit dem Jahresstart liegt der Energiesektor mit einem Zuwachs von +20% klar vorne, gefolgt von Rohstoffen mit +17%, defensiven Konsumwerten mit +15% und Industrieunternehmen mit +11%. Die Informationstechnologie hinkt mit -3% klar hinterher und (beinahe) nur die Finanzwerte mit -6 % schneiden noch schlechter ab. Und der Absturz vieler geliebter und gehypter Technologiewerte geht ungebremst weiter, weil Anthropic mit seinem Claude Opus KI-Tool - gefühlt - an jedem neuen Tag ein weiteres Geschäftsmodell killt.

Folge einfach dem Geld

Anleger sollten dem neuen Narrativ aber nicht blind hinterherlaufen. Es gilt, wie immer: erst denken, dann handeln! Man sollte (nur) die Werte im Depot haben, die auf mittlere und lange Sicht absehbar Umsatz und Gewinne steigern können. Also nicht dem Hype hinterherlaufen oder dem neusten Trend, sondern den erkennbaren Profiteuren. Egal, ob sie dem Technologiesektor oder einer klassischen Branche angehören. Qualität gewinnt auf lange Sicht immer und überall. Man muss diesen Unternehmen - und ihren Aktien - nur auch die Gelegenheit geben, ihre Qualitäten auszuspielen. Geduld ist ein wesentlicher Schlüssel in der Börsenerfolsgleichung.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Donnerstag, 1. Januar 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 01.01.2002 wurde der Euro eingeführt und löste damit viele nationale Währungen ab. Die Geschichte eines Ungeliebten und Missverstandenen...

Am 01.01.2002 wurde der Euro in zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Union als Bargeld eingeführt – ein historischer Schritt in der europäischen Integration. Seitdem prägt die gemeinsame Währung nicht nur den Alltag von mehr als 340 Millionen Menschen, sondern auch die ökonomischen und politischen Strukturen Europas.

Der Euro ist mehr als ein Zahlungsmittel; er ist ein Projekt der Zusammenarbeit und des Friedens, zugleich aber auch ein permanentes Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Chancen und politischen Herausforderungen. Insbesondere aus deutscher Sicht gab und gibt es immer wieder Kritik und es herrscht ein latentes Gefühl, für die selbstverschuldeten Krisen anderer Länder (finanziell) den Kopf hinhalten zu müssen. Zudem konnte der Euro den Traum von einer dritten Weltleitwährung neben dem amerikanischen Dollar und dem chinesischen Yuan (bisher) nicht erfüllen. Daher wird der Euro mancherorts als Flop abgestempelt und manche träumen gar von einer Rückkehr zur D-Mark. Echt jetzt!?

Dienstag, 23. Dezember 2025

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 23.12.1913 wurde die Fed gegründet und rettet seitdem immer mal wieder das globale Finanzsystem - mehr oder weniger

Am 23.12.1913 unterzeichnete der damalige US-Präsident Woodrow Wilson den Federal Reserve Act. Mit diesem Gesetz wurde das Federal Reserve System geschaffen und damit die erste dauerhaft institutionalisierte Zentralbank der USA - die Fed. Die Gründung der Fed markierte einen tiefgreifenden Einschnitt in der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte und hatte weitreichende Auswirkungen, nicht nur auf die Vereinigten Staaten, sondern auf das internationale Finanzsystem insgesamt.

Die Etablierung der Fed war das Ergebnis jahrzehntelanger wirtschaftlicher Instabilitäten, politischer Auseinandersetzungen und theoretischer Debatten über Geldschöpfung, Kreditsteuerung und staatliche Eingriffe in Märkte. Gleichzeitig entwickelte sich die Fed im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem der einflussreichsten wirtschaftspolitischen Akteure weltweit. Ihre Rolle während der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1932, aber auch in späteren Krisen – etwa der Finanzkrise 2007/08 oder der COVID-19-Pandemie – wird bis heute kontrovers diskutiert.

Grund genug, die historischen Hintergründe der Fed-Gründung, die politischen und ökonomischen Motive, ihre institutionelle Ausgestaltung sowie ihre kurz-, mittel- und langfristigen Wirkungen auf Wirtschaftskrisen und das globale Finanzsystem zu beleuchten...

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 11.12.2008 deckte die Verhaftung von Berni Madoff den größten Finanzbetrug der Geschichte auf

Am 11.12.2008 erschütterte ein gewaltiger Finanzskandal die USA: mitten im Strudel der globalen Finanzkrise wurde Bernard "Bernie" Madoff in seinem luxuriösen Penthouse in Manhattan festgenommen. Die Verhaftung eines Mannes, der jahrzehntelang als Ikone der Wall Street, als Finanzpionier und als respektierter Philanthrop galt, erschütterte nicht nur die USA, sondern die gesamte Finanzwelt. Es stellte sich heraus, dass Madoff ein gigantisches Ponzi-System betrieben hatte – vermutlich das größte, das die Welt je gesehen hat. Der Schaden umfasste rund 65 Mrd. USD laut der manipulierten Kontoauszüge; das tatsächlich verlorene Kapital der Investoren lag bei rund 20 Mrd. zuzüglich der von Madoff ausgewiesenen fiktiven Gewinne.

Was diesen Fall so besonders machte, waren nicht nur die astronomischen Beträge, sondern auch die Mechanismen, mit denen Madoff sein Betrugssystem tarnte, die sozialen Strukturen, die er ausnutze, und das massive Versagen der staatlichen Aufsichtsbehörden...

Dienstag, 11. November 2025

[Einfach gedacht] Wie hoch sind die Risiken von "Private Credit" wirklich?

Die Risiken bei "Private Credit" steigen und wachsen sich zu einer systemischen Gefahr aus - so muss man schlussfolgern, wenn man den Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate glaubt. Und JPMorgan-Chef Jamie Dimon warnte bereits von "Kakerlaken" in den Bankbilanzen, nachdem Abschreibungen auf Kreditausfälle zunahmen. Dimon wird auch nicht müde, auf die Alternativen Asset Manager einzuprügeln - nachvollziehbar, denn die nehmen den Banken seit Jahren lukratives Geschäft weg.

Inzwischen nimmt das allerdings absurde Züge an, denn Dimons eigene Bank JPMorgan Chase hat sich bei der Kreditvergabe an Private-Equity-Sponsoren mit 47 Mrd. Dollar an Kreditfazilitäten für Fondsmanager sogar an die Spitze der Bewegung gesetzt. Nicht ganz überraschend, denn die Ratingagentur Moody's hat festgestellt, dass sich die US-Banken zu einer wichtigen Triebkraft von Private Credit entwickelt haben und im ersten Halbjahr 2025 rund 300 Mrd. Dollar an Darlehen für private Kreditfonds bereitstellten. Dabei leiten die Banken zunehmend Finanzierungen an private Kreditgeber weiter, anstatt sie direkt an hochverzinsliche oder nicht geratete Kreditnehmer zu vergeben, da sie dies als sichereren Weg ansehen, um am Wachstum der Anlageklasse teilzuhaben und gleichzeitig ein direktes Risiko zu vermeiden.

Wie es aussieht, hat Jamie Dimon Recht. Er spielt ja auch auf beiden Seiten des Netzes und kann damit irgendwie gar nicht falschliegen. Also blicken wir einfach mal darauf, wie führende Private Credit-Profis die aktuelle Lage einschätzen - und die Risiken...

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Börsenweisheit des Tages | 22.10.2025

"Die bei den immobiliengläubigen Deutschen weit verbreitete Ansicht, Immobilien würden im Preis ständig steigen, ist Unsinn. Sie können ebenso fallen. Der Besitzer nimmt es nur nicht wahr wie bei seinen Aktien, da der Preis für seine Wohnung, sein Haus oder sein Bürogebäude nicht jeden Tag in der Zeitung steht oder über den Börsenticker läuft. Natürlich haben sich die Immobilienpreise langfristig nach oben entwickelt. Doch im Bundesdurchschnitt sind sie nicht schneller gestiegen als die Inflationsrate, so dass ihre Besitzer nur nominal, real jedoch keinen Gewinn gemacht haben."
(André Kostolany)

Freitag, 3. Oktober 2025

Under Pressure: Business Development Companies im Stresstest

Business Development Companies haben sich seit ihrer Einführung als wichtiges Bindeglied zwischen privatwirtschaftlicher Mittelvergabe und öffentlichen Kapitalmärkten etabliert. Sie finanzieren kleine und mittelgroße Unternehmen, Buyouts, Wachstumsunternehmen oder restrukturierungsbedürftige Firmen und nutzen dabei meist nachrangige Darlehen, Unitranche- oder Mezzanine-Finanzierungen. Für Anleger sind sie vor allem wegen ihrer regelmäßigen Ausschüttungen interessant, da sie hohe Dividendenrenditen versprechen.
Doch das Umfeld, in dem BDCs agieren, hat sich spürbar verändert. Zwei Faktoren stehen dabei besonders im Vordergrund: das Risiko sinkender Zinsen und die Gefahr steigender Kreditausfälle. Beide wirken nicht isoliert, sondern können sich gegenseitig verstärken. Die Folgen reichen von Abschreibungen auf Kreditportfolios über rückläufige Ergebnisse bis hin zu möglichen Dividendenkürzungen, die das Vertrauen der Investoren erschüttern können. Grund genug, sich die Lage einmal genauer anzusehen...

Sonntag, 28. September 2025

Kissigs Kloogschieterei: Zölle vs. Freihandel - Choose your Fighter

Der US-Präsident ist der mächtigste Mann der Welt. Spätestens seit Donald Trump (wieder) im Amt ist, ist diese Aussage wohl unbestreitbar. Ob eine Andeutung, ein Fingerzeig oder ein Dekret, wann immer Don Trump sich äußert, reagiert die Börse und erzittert die Welt. Mal ein bisschen, mal kräftig schlotternd.

Um das gewaltige Haushaltsdefizit der USA zu reduzieren, setzt Trump auf Strafzölle gegen alles und jeden. Er behauptet, die anderen Länder würden die USA unfair behandeln, weil sie mehr in die USA exportieren würden, als sie selbst aus den USA importieren und aus diesem Handelsdefizit leitet Trump seinen Anspruch ab. Die meisten Handelspartner der USA fügen sich unter das Joch der Strafzölle, weil die Alternative sie noch mehr kosten würde. Kriminalermittler bezeichnen dieses Vorgehen als Schutzgelderpressung.

Kurzfristig hat Trump Erfolg, denn die Strafzölle spülen hunderte Milliarden an Dollar in den US-Haushalt. Bezahlen müssen ihn unterm Strich vor allem die US-Bürger und die ausländischen Firmen, die sie nicht über Preiserhöhungen an die US-Konsumenten weitergeben (können).
"Die Trump-Zölle sind die schlechteste Wirtschaftspolitik der USA seit 95 Jahren. Gegen ein Handelsdefizit ist nichts einzuwenden. Es verschafft anderen Ländern das Kapital, um unsere Anleihen zu kaufen. Selbst wenn die Zölle in naher Zukunft zurückgenommen werden, sind das weltweite Vertrauen in die USA und die für die Unternehmensplanung erforderliche Sicherheit zerstört. Selbst wenn alle Zölle aus allen Ländern auf null sinken würden, hätten die USA immer noch ein Handelsdefizit."
(Jeremy Siegel im April 2025)
Langfristig verspielen die USA ihre Handelsmacht, denn jenseits des wilden Trumpistan formieren sich neue Bündnisse, die auf das bewährte Freihandelsprinzip setzen, das den Beteiligten über viele Jahrzehnte einen unvergleichlichen globalen Wohlstandszuwachs beschert hat. Wie die Europäische Union und Indonesien, die sich nach neun Jahren des Verhandelns auf ein Freihandelsabkommen geeinigt haben, bei dem 98 % der Zölle entfallen. Kurz zuvor war bereits nach 25-jährigen Verhandlungen mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) eine Einigung über eine große Freihandelszone geschlossen worden und das Freihandelsabkommen mit Mexiko wurde modernisiert. Und auch mit Großbritannien nähert man sich wieder an, nachdem der Brexit die Insel aus der EU herausgebrochen hatte.
Die USA bleiben auf absehbare Zeit der Wirtschaftsnabel der Welt. Aber Trumps America first-Politik könnte sich zum America alone-Problem auswachsen. Mal sehen, wem Trump dann daran die Schuld gibt…

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Sonntag, 14. September 2025

Kissigs Kloogschieterei: Zinssenkungen ante portas. Und da kommt Freude auf!?

Während die US-Börsen weiter fleißig neue Allzeithochs erklimmen, trüben sich die Aussichten in der US-Wirtschaft zunehmend ein. Zuletzt hat der Arbeitsmarkt kräftig enttäuscht und auch wenn Donald Trump dies auf fehlerhafte Statistiken zurückführt und deshalb die Behördenchefin rauswarf, verfestigt sich der Eindruck, dass die goldenen Zeiten erstmal vorbei sind.

Das liegt vor allem an Trumps Zoll-Politik, denn die lässt die Einfuhren in die USA und damit den Welthandel kräftig stottern. Und die kräftig erhöhten Staatseinnahmen durch die Strafzölle werden vor Gericht überprüft – es drohen Rückerstattungen in Billionenhöhe und damit erhebliche Turbulenzen an den Bondmärkten. Und in der Folge dann auch an den Aktienbörsen...

Sonntag, 31. August 2025

Kissigs Kloogschieterei: (Can you see) The Writings on the Wall

Die US-Börsen markieren neue Allzeithochs, aber immer weniger Aktien tragen dazu bei – wer nicht in der Handvoll Gewinner investiert ist, hat es schwer, Rendite zu erzielen. Selbst von den "Magnificent 7" ziehen nicht mehr alle mit. Und auch in der Wirtschaft mehren sich die Sorgenfalten angesichts einer wieder anziehenden Inflation, zurückgehender Wachstumsraten, Unternehmensinsolvenzen auf Höchststand seit 2010 und eines inzwischen ebenfalls schwächelnden Arbeitsmarkts. Das sind allesamt Rezessionsvorboten.

Noch ist nichts passiert – könnte man meinen. Doch auch andere Rahmenbedingungen senden durchaus Warnzeichen. So ist nicht nur das Defizit des US-Staatshaushalts auf ein neues Maximum angestiegen, sondern auch die Zinslast wächst rasant und hat die Verteidigungsausgaben bereits übertroffen. Dem entsprechend teuer ist es für die Regierung, neue Schulden aufzunehmen – deshalb sinken die Zinsen für die US-Staatsanleihen nicht. Zu allem Überfluss ist der Anteil des Staates am Bruttoinlandsprodukt auf den höchsten Stand seit der Roosevelt-Ära angestiegen – das war während des 2. Weltkriegs.

Aber was blüht uns, wenn die Wirtschaft kippt, wenn es eine Pleitewelle gibt, wenn der Arbeitsmarkt massiv einbricht und der private Konsum deutlich schrumpft?