Montag, 6. Juni 2016

Value Investing nach Benjamin Graham

Benjamin Graham war ein legendärer Investor und gilt als Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse, der Basis für das Value-Investing. Der Lehrer und Mentor Warren Buffetts veröffentlichte 1934 gemeinsam mit David Dodd das Buch "Die Geheimnisse der Wertpapier Analyse" (orig.: "Security Analysis"), welches noch heute als Bibel für Value-Investoren gilt. 1949 erschien die Erstausgabe von "Intelligent investieren" (orig.: "The Intelligent Investor"), einer etwas populärwissenschaftlicheren Version von "Security Analysis". Hierin benannte Graham für den privaten Investor die 7 Kriterien für Value-Investments.

Kriterium 1: ausreichend hoher Umsatz
Unternehmen mit einer bestimmten Mindestgröße versprechen ein höheres Maß an Sicherheit. Daher legte Graham den Mindestumsatz für Industrieunternehmen auf $100 Mio. fest, was heute etwa $1 Mrd. entspräche.

Kriterium 2: niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Günstig ist in Grahams Augen, wenn das KGV nicht über 15 liegt, als  nicht oberhalb des Fünfzehnfachen des Jahresgewinns.

Kriterium 3: niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Wichtig ist für Graham das Verhältnis zwischen Vermögen und Kurs und dieses KBV sollte nach seiner Meinung nicht über 1,5 liegen.


Kriterium 4: stabile Gewinne
Unter stabilen Gewinnen versteht "der Dekan der Wall Street", dass das Unternehmen in den letzten 10 Jahren einen Überschuss erzielt hat, also in keinem Jahr einen Verlust ausweisen musste.

Kriterium 5: Gewinnwachstum
Zusätzlich soll sich der Gewinn je Aktie in den vergangenen 10 Jahren mindestens um ein Drittel erhöht haben. Die "neumodische Sitte" vieler Unternehmen, starken Gebrauch von Aktienrückkäufen zu machen und so den Gewinn je Aktie künstlich in die Höhe zu treiben, hat dieses einst harte Kriterium doch etwas aufgeweicht.

Kriterium 6: regelmäßige Dividendenausschüttungen
Regelmäßige Gewinnausschüttungen deutet auf eine nachhaltige Finanzkraft hin und Graham fordert an dieser Stelle eine stabile oder steigende Ausschüttung in den letzten 10 Jahren.

Kriterium 7: gesunde Balance zwischen Vermögen und Schulden
Eine solide Finanzlage ist für Graham das A und O und so fordert er, dass der Wert des gegenwärtigen Vermögens mindestens doppelt so hoch ist, wie der Wert der Schulden. Darüber hinaus sollen die langfristigen Schulden das aktuelle Nettovermögen nicht übersteigen.

»Kaufe eine Aktie, als würdest du das ganze Unternehmen kaufen. Strebe nicht nach dem schnellen Dollar. Suche nach Unternehmen, deren Aktien du ein ganzes Leben lang halten kannst.«
(Benjamin Graham)

Alle Kriterien bzw. Kennzahlen haben für sich betrachtet ihre Stärken und Schwächen. Die Ermittlung des Gewinns liegt in der Hand des Vorstands und kann von ihm maßgeblich beeinflusst werden, ebenso der Wert des Unternehmens, wenn hier z.B. hohe immaterielle Vermögenswerte, wie Firmen- oder Markenwerte enthalten sind. Daher setzte Benjamin Graham auf eine Kombination verschiedener Bewertungskriterien, um so die Spreu vom Weizen zu trennen. Auf diese Weise fallen krisenanfällige Unternehmen schnell raus aus der Betrachtung und es bleiben die beständigen und soliden Unternehmen übrig. Wer sich an diesen Kriterien orientiert, sollte daher auf der sicheren Seite sein und zugleich in Werte investieren, die auch einiges an Chancen zu bieten haben. Wenn er nun noch die nach Graham oberste Tugend des Investors an den Tag legt, nämlich Geduld, kann auf lange Sicht an der Börse eigentlich nichts mehr schief gehen...

Kommentare:

  1. Interessante Kriterien. Ich habe mir kürzlich Benjamin Grahams Buch "The Intelligent Investor" besorgt und will es demnächst mal lesen. Doch mir scheint, dass Du Dich auch nicht immer an all diese Kriterien hälst. Ein ausreichend hoher Umsatz: da würden wohl viele Nebenwerte hintenüber fallen. Ich bin ja neu in Aktien, doch scheint mir dass, auch in Anbetracht sich ändernder Zeiten, Grahams Leitsprüche vielleicht eher als eine Art Kompass zur Orientierung anstelle direkter Handlungs-Anweisungen aufgefaßt werden sollten?

    Lukas

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    1. Moin Lukas,
      Benjamin Graham hat ja grundlegende Bücher geschrieben zum Value Investing und dort viele Aspekte zur Bewertung herausgearbeitet. Du siehst das richtig, dass sie das grundlegende Gerüst für die Aktienanalyse darstellen oder wie Du es nennst, einen Kompass.

      Graham kommt aber auch zu dem Schluss, dass nicht jeder Normalanleger das notwendige Research leisten kann, um die Neben- und Spezialwerte genau zu analysieren, und gibt daher eine Empfehlung ab, nach welchen Kriterien Otto Normalanleger intelligent investieren kann, um ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis zu erzielen. Spezialwerte oder Unternehmen in Sondersituation (z.B. Turnarounds) sind hierbei natürlich ausgeschlossen.

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  2. Danke für die Auflistung!
    Die Liste ist aufjedenfall Gold Wert und mach Lust auf das Buch von Benjamin.

    Beste Grüße,
    Daniel

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  3. Habe mir mal die Mühe gemacht und die zentralen Inhalte seines Buches auf meinem Blog zusammengefasst. Wer einen Einblick ins Buch bekommen möchte, darf gerne mal vorbeischauen:

    https://danielbusinessblog.wordpress.com/2016/12/18/the-intelligent-investor/

    Rationale Grüße !

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