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Donnerstag, 17. September 2026

[Kissigs Kloogschieterei] The Day after...

Nun ist es also passiert: die erste Zinsanhebung der Fed seit 2023. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat seinen Worten Taten folgen lassen, nachdem er immer wieder betont hatte, Preisstabilität sei der zentrale Auftrag der US-Notenbank neben einem robusten Arbeitsmarkt. Und der Arbeitsmarkt steht ziemlich gut da, während die Inflation wieder und immer stärker zulegt.

US-Präsident Trump hat dann auch nicht lange auf sich warten lassen und eine Schimpfkannonade gegen die Fed losgelassen. Der von ihm selbst ernannte Warsh sei ein "guter Mann", aber er sei umgeben von inkompetenten Wirrköpfen. Die Fed muss (!) die Zinsen auf 1% senken, so Wüterich Trump. Und weiter behauptet er, die Zinserhöhung sei politisch motiviert und alleine gegen ihn persönlich gerichtet. Selbstüberschätzende Irrlichterei!

In der Realität hat die Fed ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 3,75% bis 4,00% angehoben. Damit folgt sie nur der Inflation, denn die Preisentwicklung zieht gewaltig an. Die Gründe dafür liegen in
  1. Trumps Strafzöllen, die wie eine Steuer für US-Verbraucher und -Unternehmen wirken,
  2. Trumps Krieg gegen den Iran, der den Ölpreis über 100 Dollar getrieben hat mit weiter steigender Tendenz,
  3. Trumps Ausgabenwut, die das US-Defizit ebenso auf Rekordhöhe treibt wie die Verschuldung, die nun bereits über 40 Billionen Dollar liegt, so dass die Neuverschuldung 6% des BIP übersteigt und die Zinsen für die neuen Staatskredite nur noch aus neuen Schulden beglichen werden können.
Trumps wirtschafts- und steuerpolitischer Kamikazekurs ist das Übel, doch Trump zeigt mit dem Finger auf andere. Natürlich. Zuletzt erklärte er allen Ernstes, die hohen Dieselpreise lägen nur daran, dass die Ukraine in ihrem Selbstverteidigungskampf gegen Russland deren Öl-Infrastruktur angreife und zerstöre. Das solle sie doch lieber lassen. Na klar...

Während sich Kevin Warsh nun zunehmend ins Fadenkreuz Trumpscher Attacken bewegt und damit seinem Vorgänger Jerome Powell nacheifert, kommt die Haltung der Fed außerhalb des Weißen Hauses gut an. Dort wird die demonstrierte Unabhängigkeit der US-Notenbang mit Erleichterung aufgenommen, wenngleich höhere Zinsen die Märkte durchaus belasten.

Wie so oft gehen das Positive und das Negative Hand in Hand und es liegt an jedem selbst, wem er folgt. Wobei Optimisten an der Börse auf lange Sicht die Gewinner sind, denn die Märkte steigen öfter als sie fallen und sie steigen stetig an, wenn auch bisweilen unter heftigen Schwankungen.

Optimismus zahlt sich aus. Nicht nur, aber vor allem an der Börse...

Sonntag, 6. September 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Trumps venezolanische Öl-Possenreiterei

Donald Trump hat den "größten Öl-Deal der Weltgeschichte" verkündet und meint damit den US-Zugriff auf die Öl-Reserven Venezuelas.

Und es ist wirklich ein großer Schritt, denn Venezuela verfügt mit geschätzt 303 Mrd. Barrel über die größten Öl-Reserven der Welt. Wenn die USA nun hierauf den Zugriff erhalten und damit dann insgesamt mehr als 7% aller bestätigten Öl-Vorkommen kontrollieren, könnte dies durchaus bisherige Kräfteverhältnisse rund um den Globus verschieben. Der Fokus auf den Nahen Osten würde sinken, das Gewicht "des Westens" steigen.

Der Deal zwischen Washington und Caracas sichert der Firma North American Blue Energy Partners für 100 Jahre die Förderrechte an insgesamt 17 venezolanischen Ölfeldern. Die USA halten 35% passiven Unternehmensanteil und ein Vorzugsrecht über 20% des künftig geförderten Öls zum Selbstkostenpreis. Das veranlasste Trump zu einer selbst beweihräuchernden Jubelarie und dem Versprechen, dass die Benzinpreise in den USA schnell und deutlich sinkenden würden.

Dummerweise besteht auch dieser Trump'sche Deal nicht den Praxistest. Ja, die USA sichern sich den Zugriff auf das venezolanische Öl. Ja, die USA haben die Öl-Vorräte übernommen und können die verkaufen. Das ist auch schon alles für die nahe Zukunft.

Denn Venezuelas Ölindustrie geht am Stock. Es müssen erst einmal zwei- und vielleicht sogar dreistellige Milliardensummen investiert werden, um ihr wieder Leben einzuhauchen. Zudem liegen dort keine produzierten Barrel in Ölfässern rum, sondern die sind alle noch in der Erde - verteilt über 17 Ölfelder. Die berichteten 303 Mrd. Barrel Öl sind also nicht verfügbar!

Zudem ist venezolanisches Öl sehr schwer und säurelastig. Es ist daher kaum geeignet für die Verarbeitung zu Benzin und auch nicht zum Auffüllen der gefährlich stark geleerten strategischen Öl-Reserven der USA. Darüber hinaus haben die USA kaum Raffineriekapazitäten frei, in denen dieses Öl überhaupt verarbeitet werden kann.

Viel Lärm um (fast) nichts

Konkrete Auswirkungen des Deals gibt es also nicht wirklich. Auf Sicht von drei und fünf Jahren könnten - nach den ersten Milliardeninvestitionen von Chevron und Co. - vielleicht 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag gefördert und Richtung USA verschifft werden. Tendenz dann steigend.

Aber selbst dann ist dieses raffinierte Öl eher für den asiatischen Markt interessant - was nicht heißt, dass die USA es nicht dorthin exportieren könnten. Aber eben auch nicht morgen, sondern erst in einigen Jahren. Wenn überhaupt. Denn ob sich noch irgendjemand an Absprachen bzw. erzwungene Verträge mit den USA hält, wenn Trump in zweieinhalb Jahren endlich aus dem Amt geschieden ist, wird sich noch zeigen.

Trump täuscht sich also mal wieder – auch sich selbst. Das merken inzwischen auch immer mehr US-Bürger und verweigern ihm die Gefolgschaft. Konsequenzen könnten sich aus den Midterm-Wahlen im November ergeben, wo Trumps Republikaner beste Chancen haben, ihre Mehrheit in beiden Kongresskammern zu verlieren. Es bleibt spannend…

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Sonntag, 23. August 2026

[Kissigs Kloogschieterei] The Old Economy strikes back?!

Seit der globalen Finanzkrise 2008/09 haben Technologiewerte die Substanzwerte abgehängt und an der Börse eine deutliche Überperformance verbucht. In den letzten Jahren waren die Magnificent 7 das Maß der Dinge, während KI zum Treiber wurde und ihr nachfolgend die Chipwerte.

Wer hier nicht investiert war, hatte das Nachsehen und konnte seinen Substanzwerten beim Dahinsiechen zusehen. Bis neulich. Denn seit dem Jahresstart vollzieht sich ein Wechsel, bei dem die "Old Economy" plötzlich wieder hip ist. Überraschung!?

Der Investitionshype rund um KI und Rechenzentren ist gewaltig und immer mehr Anleger machen sich Sorgen, ob sich diese Billionen-Investitionen auch wirklich auszahlen. Denn der Internetboom vor 25 Jahren legte die Basis für unsere heutige Welt voller Smartphones, Tablets, E-Mobilität und KI-Agenten, aber die Investitionen in die dafür nötige Infrastruktur, also die Glasfasernetze, killte fast alle Anbieter.

Und heute? Jetzt investiere die (einstigen) Börsenlieblinge Billionen Dollar in den Aufbau der KI-Infrastruktur. Kann das gutgehen? Ja, kann es. Wenn sie damit Geld verdienen, also vor allem die Infrastruktur auslasten und ordentlich bepreist betreiben können.

Aber auf diese Wette zu setzen, ist längst kein Selbstgänger mehr. Und so wenden sich die Anleger immer stärker Substanzwerten zu, die physische Infrastruktur besitzen, die nicht ohne Weiteres von KI ersetzt werden kann: Immobilien, Straßen, Häfen, Schienen, Telekommunikations- und Energienetze, Energieerzeugung. Value zeigt allen die Rücklichter Und das, obwohl die Zinsen auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen sind und damit die Renditen im Bereich der kapitalintensiven Infrastruktur drücken.

Hervorragende Investments waren zuletzt dort zu finden, wo beide Welten aufeinanderstießen und die eine (KI) die andere (Infrastruktur, Energie) mit zusätzlichem Schub versorgte. Und hier sollte auch künftig gutes Geld zu verdienen sein – Rücksetzer sind hier Kaufgelegenheiten, denn der Gewinn liegt, wie immer und überall, im Einkauf…

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Sonntag, 9. August 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Auferstanden aus Ruin(en)

Wir leben in volatilen Zeiten, wo kurzfristige Nachrichten das (Börsen-) Geschehen bestimmen und in immer kürzeren Abständen Kursbewegendes auf uns einprasselt. Die immer kürzere Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird durch immer reißerische Headlines noch verstärkt und hat das Gefühl etabliert, sofort Weltbewegendes zu verpassen, wann immer man mal fünf Minuten nicht auf sein Smartphone starrt.

Stopp! Durchatmen, zur Ruhe kommen! Das Wichtigste ist nicht die Schlagzeile, sondern das was hinter ihr steckt. Nicht der Trigger, sondern die Basics bestimmen die Richtung, jedenfalls die über die eigene Nasenspitze hinausgehende Realität.

Dummerweise ändert der Einsatz von KI das Spiel zu unseren Ungunsten, weil wir Menschen kaum noch hinterherkommen, während KI schon Millionen von Entscheidungen getroffen hat, bevor wir auch nur registriert haben, dass sich etwas bewegt.
"Beim Investieren geht es nicht darum, andere in ihrem Spiel zu schlagen. Es geht darum, sich selbst im eigenen Spiel zu kontrollieren."
Eine Voraussetzung zum Gewinnen ist, sich das Schlachtfeld selbst auszusuchen und darauf zu achten, dass die Vorteile auf der eigenen Seite liegen. Im KI-Zeitalter sind unsere Vorteile nicht Schnelligkeit oder Aktionismus, sondern Gründlichkeit und Geduld. (Nur) so können wir mithalten. Auch und gerade als Anleger.

Der AI-Trade ist nicht tot, aber...

Mithalten konnten auch KI-Werte. Nachdem die letzten Wochen Ängste überwiegten, dass sich die Billionen-Investitionen der Hyperscaler nicht in bare Münze auszahlen werden, und deshalb der ganze Sektor massiv abverkauft worden war, gab es zuletzt die Rolle rückwärts. Einige, wie Microsoft oder Amazon, verdienen schon üppig Geld mit ihren KI-Angeboten und so rollierte die Börse das zuvor aus ihnen abgezogene Geld zurück in den "AI-Trade". Und damit stiegen die Börsen auf neue Allzeithochs. Hurrah! Allerdings gilt das auch für den ollen DAX und der ist ja nun kaum technologielastig – die grundlegende Rotation in Value- und Nebenwerte hat in 2026 begonnen und nimmt weiter Fahrt auf. Aber momentan ist das noch kein Problem für AI & Friends. Es ist genügend Geld für alle am Start…

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Amazon, Microsoft auf der Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Sonntag, 26. Juli 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Waghalsige Öl-Manöver in trüben Gewässern

Der Iran-Krieg ist zurück. Naja, eigentlich war er nie wirklich weg, denn Trumps Pseudo-Friedensagreement war so löchrig, dass ganze Flugzeugträger hindurchgepasst hätten. Die einzige Einigkeit zwischen den USA und dem Iran bestand eigentlich darin, dass man sich nicht einig ist – und sich 60 Tage darüber streiten will, über was an sich eigentlich einigen müsste. Was auch immer, der Ölpreis war von seinen Kriegsangsthochs wieder zurück auf Los geschnellt – doch inzwischen ist alles wieder vorbei.

Es wird wieder geschossen, die Straße von Hormuz ist dicht, der weltweiten Öl-Versorgung fehlen 20% an Kapazität. Und doch gibt es Neues: der Iran soll seine Huthi-Verbündeten im Jemen aufgefordert haben, die Meerenge von Bab al-Mandab zu sperren. Bab al-Was? Genau, niemand kennt das, aber den Suez-Kanal, von dem hat man schon gehört. Asiens schnellste Verbindung nach Europa führt durch Ägyptens künstliche Wasserstraße ins Mittelmeer. Und an der südwestlichen Spitze der Arabischen Halbinsel liegt der Jemen.

Wird auch diese Route gesperrt, wird der Seeweg für arabisches Öl sehr viel länger. Die ersten Raketen auf Saudische Öl-Tanker wurden bereits von den Huthis abgeschossen und die Route ist de facto dicht. Damit steigen die Frachtraten und es wird weniger Öl transportiert, weil dieselben Tankerkapazitäten länger mit derselben Menge an Öl beschäftigt sind.

Neu ist allerdings auch, dass weltweit Staaten ihre strategischen Öl-Reserven auf den Markt geworfen haben, um den Öl-Preisschock abzumildern. Mit Erfolg, was den Preisauftrieb anging. Dummerweise sind die Reserven nicht unendlich und weitgehend geleert. Diese Zusatzangebot fällt also bald aus und kehrt sich dann in Zusatznachfrage um, denn der Iran-Krieg hat gezeigt, dass strategische Öl-Reserven elementar sind.

Es droht ein Dreifachpunch aus zwei Sperrungen wichtiger Schifffahrtsrouten und dem Versiegen der Öl-Reserveflut. Die sich gerade etwas beruhigenden Inflationsdaten dürften nun neue Nahrung kriegen, die dann weit nach 2027 hineinschwappen dürfte. Jedenfalls wenn die Sperrungen nicht sofort aufgehoben werden. Und danach sieht es nicht aus. Da kann auch das erhöhte Fördervolumen der OPEC+ allein und die aktuelle Nachfrageschwäche in Asien nicht mehr viel retten.

Die Inflation ist da. Und sie wird erstmal bleiben. So wie auch das erhöhte Zinsniveau. Das steht natürlich nicht auf den Titelseiten. Noch nicht. Aber das kommt. Und schlaue Anleger machen ihr Depot entsprechend sturmfest, um nicht voll unter die Räder zu kommen, wenn es hart auf hart kommt...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Sonntag, 12. Juli 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Die NATO- schwenkt auf Selbst(er)findungskurs

Der NATO-Gipfel in Ankara fand in einer Zeit der Unsicherheit und des Umbruchs statt. In der Ukraine wütet der russische Eroberungskrieg im vierten Jahr und ein Ende ist nicht abzusehen – auch weil die Ukraine sich als hartnäckiger Gegner erwiesen hat, der Putins "mehrtägige Spezialoperation" in einen ausgewachsenen Krieg verwandelt hat, in dem Russland längst von der Siegerstraße abgekommen ist. Und im Nahen Osten schießen Amerikaner und Iraner wieder aufeinander und Trump erklärte soeben das "Memorandum of Understanding", das den Weg zu einem Frieden ebnen sollte, für beendet. Überall rauchende Colts.

Es könnte eine Sternstunde des westlichen Verteidigungsbündnisses sein, doch die Allianz zeigt Schwächen – und auch die gehen auf Trump zurück. Schon länger kritisiert er die NATO-Verbündeten und stellt inzwischen der Nutzen der Verteidigungsallianz (für die USA) infrage. Im Kern hat er dabei gute Argumente auf seiner Seite und auch deshalb ist Bewegung in die Europäer gekommen, endlich ihre Verteidigung wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Die Bedrohung durch den russischen Bären für Mittel- und Westeuropa ist nicht mehr zu ignorieren – auch weil Trump sich als "Putins best Buddy" geoutet hat und am liebsten nur "beautiful deals" mit ihm abschließen will, die den USA – und vor allem dem Trump-Clan – Vorteile bringen. Eigennutz als dominierende Triebfeder.

Und Eigennutz ist es auch, was die NATO aktuell antreibt. Der eigene Schutz ist elementar, das Abnabeln von den USA ebenfalls. Wenn der "große Bruder" wankelmütig wird und vielleicht sogar zum Aggressor (Grönland), kann man sich weder auf seinen Beistand noch auf seine Waffensysteme verlassen. Die Europäer und NATO-Partner Kanada suchen den Schulterschluss zu einer "NATO-". Die Stärke der "europäischen NATO", wie Bundeskanzler Merz sie nannte, liegt in der eigenen Stärke.

Die Europäer müssen besser zusammenarbeiten, sie müssen ihre Waffensysteme besser koordinieren und aufeinander abstimmen und das gilt auch für die nachgelagerten Bereiche, wie Beschaffung, Wartung, Reparaturen. Vereinheitlichung und Standardisierung müssen staatliche Insellösungen ersetzen, um effizienter zu werden und im wahrsten Sinne schlagkräftiger. Die Alternative dazu zeigt sich in der Ukraine, wo ein fressgieriger Nachbar Millionen Leben zu opfern bereit ist, um seine imperialen Ziele durchzusetzen.

Europa muss aufrüsten und sich wieder selbst verteidigen können. Davon profitieren die heimischen Rüstungsunternehmen und so haben Rheinmetall, Hensoldt und Vincorion zuletzt Erfolge bei den Auftragseingängen zu verzeichnen. Der Trend geht dabei, natürlich, Richtung Drohnen und mobiler Angriffs- und Verteidigungssysteme und hier punkten die deutschen Hersteller vor allem durch eine Vielzahl an Joint Ventures und Kooperationen. Zudem bietet sich Deutschland als Industriestandort mit bestens ausgebildeten Facharbeitern als Standort für die Produktion amerikanischer Waffensysteme außerhalb der USA geradezu an - und die Kooperation von Rheinmetall mit Lockheed Martin zur Produktion der ATACMS-Raketen zeigt diesen neuen Trend.

Für Deutschland bietet sich hier auch eine andere Chance: die in größerem Umfang freigesetzten Mitarbeiter der strauchelnden Automobilindustrie stehen beinahe übergangslos der Rüstungsindustrie zur Verfügung. In einer Studie hat EY dargelegt, dass die 1,5% des BIP, die europäischen NATO-Staaten in sicherheitsrelevante Infrastruktur investieren müssen jährlich etwa 320 Mrd. Euro entspricht und das davon 62 Mrd. Euro auf Deutschland entfallen werden. Dies wird ein massiver Konjunkturimpuls und die Investitionen dürften eine jährliche Produktionswirkung von 822 Mrd. Euro auslösen und damit europaweit rund 4,4 Mio. Jobs schaffen, wovon auf Deutschland rund 723.000 entfallen sollten.

Profitieren wird unsere (teilweise marode) Infrastruktur, also Bauunternehmen und Betonhersteller. Aber ebenso wird mehr Geld in Energieinfrastruktur fließen und natürlich in den Schutz unserer Infrastruktur vor physischen Bedrohungen und Cyberattacken.
"Si vis pacem, para bellum (Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor)."
(Vegetius)
Es ist ein Ammenmärchen, dass Rüstungsinvestitionen verlorenes Geld seien, weil die erworbenen Waffensysteme anschließend nur rumstehen und Kosten verursachen würden. Auch durch sie entsteht Wertschöpfung, durch ihre Entwicklung, Produktion, Wartung, Nutzung, Instandhaltung, Pflege. Und vor allem dienen sie unserem Schutz. Deutschlands großer Wohlstand ist auch das Resultat daraus, dass seit 80 Jahren kein Krieg mehr unser Land in Schutt und Asche gelegt hat. So konnte der erarbeitete Wohlstand über mehrere Generationen weitergegeben werden. Für Deutschland, das zuvor etwa alle 40 Jahren verheerende Kriege erlebt hat, war das ein ganz neues Gefühl - allerdings weiß heute bei uns fast niemand mehr, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und jeden Tag aufs Neue sichergestellt werden muss. Deutschlands Mitgliedschaft in der EU und der NATO sind seine Garanten, nicht Friedensgebete und Mahnwachen.

Die Friedensdividende ist längst verspeist und nun ist wieder Realpolitik angesagt: Europa muss erkennen, dass es sich selbst am nächsten ist. Für Anleger bieten sich hier ebenfalls Chancen, denn die Wiederaufrüstung Europas ist eine Generationenaufgabe, die gerade erst Fahrt aufnimmt. Und Deutschlands Rüstungsschmieden spielen ganz vorne mit. Die erste Euphoriewelle ist verebbt und nüchternem Realitätsdenken gewichen: seit jeher eine solide Basis für gute Geschäfte und langfristig steigende Aktienkurse.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Hensoldt, Rheinmetall, Vincorion auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Sonntag, 28. Juni 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Mr. Market lässt die Würfel rollen

Die Temperaturen steigen auf den Siedepunkt und während sich so ziemlich jeder Vernunftbegabte auf die Suche nach dem nächsten Strand macht, scheinen auch die Börse ein bisschen verrückt zu spielen.

Die Nervosität ist greifbar, denn der bisherige Aufschwung wurde nur noch von wenigen Sektoren und Werten getragen, während die breite Masse eher nicht richtig vom Fleck kommt oder gar schon länger den Rückwärtsgang eingelegt hat. Dabei sind Stimmungsmacher und -killer gleichgeblieben und der größte Gambler ist immer noch Donald Trump.

Während die Fußball-WM für sportliche Highlights sorgt, kann Trump mit seinem Diktatfrieden im Nahen Osten nicht richtig punkten. Das beschlossene Memorandum of Understanding ist substanzlos und nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis – und trotzdem hat der Ölpreis um 30% korrigiert. Weil der Iran und die USA momentan gerade mal nicht aufeinander schießen und sogar in die Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder Leben kommt - an guten Tagen. Und das hat durchaus Folgen.

Einerseits entspannt sich die Öl-Versorgungslage in Asien und das nimmt Druck vom Ölpreis. Und der wiederum hat ja maßgeblich zum Inflationsschub beigetragen, der überall die Menschen in Schwierigkeiten bringt. Eine kurzfristige Entspannung ist hier nicht zu erwarten, denn die stark gestiegenen Erzeugerpreise werden ja gerade erst über die Konsumentenpreise an die Bevölkerung weitergereicht und damit wird der Preisauftrieb anhalten. Ein Abflauen des Preisdrucks ist erst in einigen Monaten zu erwarten und auch dann werden die Preise nicht fallen, sondern nur nicht mehr weiter ansteigen. Und das gilt auch nur, wenn der Papierfrieden anhält und sich die USA und Iran in ihren 60-tägigen Verhandlungen am Ende wirklich einigen. Realistisch besteht da kaum eine Chance, aber auf diese Chance setzen die Börsen.

Aktuell passieren gerade zwei Öl- und zwei LPG-Tanker die Straße von Hormus über die omanische Route (also nicht durch den Iran-Korridor), mit eingeschaltetem AIS, aber eben auch unter strenger Über- und Bewachung durch die US-Marine und die US-Luftwaffe. Washington bemüht sich mit aller Macht, die omanische Route offen zu halten. Das ist das neue Normal, mit dem die Welt und der Ölpreis klarkommen muss; egal, mit welchen Propagandafriedensbotschaften wir aus dem Nahen Osten und durch unsere Medien eingelullt werden.

Die reale Entwicklung hält damit weiterhin nicht mit der Börse mit. Das ist nicht weiter schlimm, denn das ist oft der Fall. Die Stimmung bestimmt die Kurse – und natürlich die Liquidität. Die ist bisher reichlich vorhanden und kann auch die Geldnachfrage durch Börsengänge und milliardenschwere Anleiheemissionen befriedigen.

So weit so gut. Doch wie es weiter geht, hängt entscheidend vom Duell USA gegen Iran ab. Allerdings weniger vom möglichen Aufeinandertreffen der Teams bei der Fußball-WM als beim Showdown im Nahen Osten. Es bleibt spannungsgeladen. Mr. Market lässt die Würfel rollen und jeder hofft auf "seine Farbe". Die zweite Halbzeit (des Jahres) wird kaum einfacher werden...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Dienstag, 16. Juni 2026

[Kissigs Kloogschieterei] IPOphorie: (Only) the SpaceX is the Limit...

Wir erleben eine niemals enden wollende Börsenparty, der irgendwie nicht die Luft auszugehen scheint; genauer gesagt: das Geld. Gerade erst wurde das IPO von SpaceX verarbeitet und hat viele Milliarden Dollar aus dem Markt gesaugt, die zuvor andernorts investiert waren - das sorgte für einige Börsenturbulenzen. Die Werbetrommel für den größten Börsengang aller Zeiten wurde maximal gerührt, selbst in Deutschland wurden Privatkunden von allen Banken und Brokern mit dem Thema umworben – ein Novum, denn bisher bekamen deutsche Anleger keinen Zugriff auf US-Börsengänge. Doch nun ist alles anders, denn jeder will den Erfolg dieses IPOs der Superlative. Und die Börse bekam, was sie bestellt hatte...

Sonntag, 31. Mai 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Börsen, grüßt mir die Sonne, grüßt mir die Sterne und grüßt mir den Mond...

"Extrabreit" ist eine Band aus meiner Jugend in den 1980er Jahren, als die "Reagonomics" eine gewaltige Hausse auslösten und die Börsen in bis dahin ungeahnte Sphären hochschoss.

Dabei hatten die Punkrocker von Extrabreit eher wenig mit Börse und Kursen am Hut, auch wenn ihr Titel "Kleptomanie" ziemlich gut in die Zeit der Insiderskandale und Gierexzesse an der Wall Street passte. Die Hausse verendete in Panik, als der "Schwarze Montag" am 19. Oktober 1987 den Dow Jones Index um 22% in die Tiefe riss - bis heute der prozentual größte Tagesverlust der Geschichte. 

"Schneller und immer schneller"

Das ist nun beinahe 40 Jahre her und es heißt "Geschichte widerholt sich nicht, aber sie reimt sich". Kürzlich schloss der NASDAQ 100 erstmals über 30.000 Punkten und auch die übrigen US-Indizes markieren weiterhin neue Allzeithochs. "Die Kurse haben immer Recht" ist immer öfter zu hören, aber das ist keine kluge Weisheit, denn die Kurse können schlagartig drehen und bilden somit keine solide Basis für Erkenntnisgewinne. Und doch sind die Kurse auch Fakten und bestimmen den Wert in unseren Depots – und oftmals unsere Stimmung.

Es geht also weiter aufwärts und man könnte meinen, dass nur die Gier treibenden Spieler ausgetauscht werden. Auf Rüstungswerte folgten KI-Gewinner, dann Chip-Werte und nun treibt SpaceX die Weltraumabenteurer auf immer neue Euphoriegipfel.

"Es ist die Liquidität, die die Märkte bewegt", erklärt uns Starinvestor Stanley Druckenmiller. Und Liquidität ist momentan mehr als reichlich vorhanden. Noch immer fließen große Mengen an Geld in ETFs, die steigenden Kurse führen zu einem immer größeren Volumen an Wertpapierkrediten und die Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für US-Banken setz dort viel bisher gebundenes Kapital frei, was auf der Suche nach Rendite in die Märkte strömt. Bullen auf Speed.

Nun stehen wahnsinnsgroße Börsengänge vor der Tür, die größten der Geschichte. Und die werden Unmengen an Liquidität absaugen, die dann nicht mehr für andere Investments zur Verfügung stehen. Zugleich pumpt sich die Inflation wieder mächtig auf und überschreitet in den USA bereits die Marke von 4%. Daher werden dort inzwischen eher wieder Zinsanhebungen diskutiert als Zinssenkungen. Und weitere Maßnahmen, um die Inflation zu bremsen – wie der Entzug von Liquidität durch die Notenbank.
"Preisstabilität bedeutet, dass sich niemand über die Preise beschwert."
(Fed-Chef Kevin Warsh Ende Mai 2026)
Die Party wird enden, das ist klar. Wann sie endet, hingegen nicht. Und auch nicht, ob sie mit einem Knall endet oder ihr einfach nur der Saft ausgeht. Solange die Musik spielt, spürt niemand die Erschöpfung, aber irgendwann ist auch die letzte Kraft vertanzt. Und manch einer wird mit einem heftigen Kater aufwachen, während andere nicht ganz so wild mitgefeiert haben, aber dafür später weniger leiden müssen.

"Wir warten nicht, wir starten, was immer auch geschieht"

Und doch… nach der Party ist vor der Party und dazwischen gibt es eine Erholungspause, um neue Kraft zu tanken. Denn langfristig steigen die Börsen trotz aller zwischenzeitlicher Turbulenzen um rund 10% pro Jahr. Und wer dieser Party fernbleibt, ob aus Angst oder Unwissenheit, findet anderswo kaum ähnlich starke Erfolgsaussichten.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Montag, 18. Mai 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Ein Märchen über Gipfelstürmer und dünne Luft. Echt zu schön?!

NASDAQ und S&P 500 feiern Rekorde und erklimmen ein neues Allzeithoch nach dem anderen. Dabei kann sollte einem ganz schön schwindelig werden. Denn diese "meistgehasste Hausse" wird vor allem durch KI-Wetten und Chipwerte angetrieben, während sich der Rest der Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt verwundert die Augen reibt.

Aber es auch eine Geschichte von stärker als erwartet sprudelnden Unternehmensgewinnen und Liquidität. Denn die neuen, leichteren US-Regeln für Banken-Eigenkapital setzt dort gewaltige Summen frei und diese machen sich umgehend auf die Suche nach Rendite. Sie fließen in Gold, in Rohstoffe, aber nicht so sehr in Anleihen, denn die sind angesichts vermutlich bald wieder steigender Zinsen keine gute Anlageform, und in Aktien. Vor allem in momentumgetriebene Werte, denn immer öfter haben Algorithmen die Hand am Zug, wenn es um Anlageentscheidungen geht. Und die spielen selten(er) das Fundamentalspiel, sondern setzen auf schnelle Gewinne. Auch so lässt sich Geld verdienen, doch sterbliche Anleger haben es hier natürlich schwer, mit den KI-Börsenbots mitzuhalten.

Es geht auch anders: Man sucht sich Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen heraus, die über einen starken und anhaltenden Burggraben verfügen und dennoch Wachstum bei Umsatz, Cashflow und Gewinnen versprechen. Man sucht Growth-Aktien zu Value-Preisen – was zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist, denn diese Kombination ist fast so selten wie ein Einhorn. Fast. Charlie Munger sagt, man müsste nur alle 10 Jahre ein solches Einhorn entdecken und dann einen Haufen Geld investieren. So würden Anleger Superrenditen einfahren, auch wenn sich ansonsten in ihrem Depot eher Mittelmaß die Klinke in die Hand gibt.
"Überrenditen" sind das Zauberwort. Fast jeder von uns hat mal eine Kursrakete im Depot gehabt, aber nur einige wenige haben lange genug daran festgehalten, um aus dem Verdoppler einen Verzehnfacher, einen Verhundertfacher oder einen Vertausendfacher heranwachsen zu lassen. Die ersten 100% fühlen sich grandios an, ganz außergewöhnlich, und man neigt dazu, seine "Gewinne mitzunehmen".
Gewinne sichern, bevor die Aktie wieder einbricht. Verständlich, aber töricht. Denn jede Superaktie erleidet auf ihrem Höhenflug mehrmals heftige Kursrücksetzer. (Nur) wer an Bord bleibt, kann die Erfolgswelle vollständig auskosten – und das Einhorn durchs Ziel reiten.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Sonntag, 3. Mai 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Capex Diem - Investiere was da wolle...

Die Earnings Season hat ihren Höhepunkt überschritten, nachdem mit Alphabet, Amazon, Apple, Meta und Microsoft gleich fünf der wertvollsten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt ihre Quartalszahlen vorgelegt haben. Und alle Augen richte(te)n sich auf… Capex.

Die Hyperscaler halten ihre KI-Investitionen auf Rekordhöhe und steigern sie noch. Doch bei der Frage, ob sie diese Investitionen auch in klingende Münzen umwandeln und daraus trag- und ausbaufähige Geschäftsmodelle formen können, trennt sich die Spreu vom Weizen? Dabei entscheidet sich hier das Auf oder Ab der Börsen in den nächsten Tagen, Wochen  und vielleicht sogar Jahren...

Sonntag, 19. April 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Biste wirklich schon bereit für die Inflationsdruckbetankung?

Die Stimmung an den Börsen hat sich wieder gedreht, nachdem am Golf nicht mehr geschossen wird. Der S&P 500 durchbrach erstmals die 7000er-Marke und markierte eine neues Allzeithoch, während der Fear-and-Greed-Index innerhalb von nur zwei Wochen vom Zustand "extremer Angst" ins "Gier-Terrain" hochschnellte. 

Doch es herrscht (nur) eine trügerische Ruhe, denn eine endgültige Einigung zwischen den USA und dem Iran ist weiterhin in weiter Ferne. Währenddessen nimmt die Earnings Season in den USA Fahrt auf und Anleger hoffen auf Antworten – doch die werden die Zahlen (noch) nicht liefern. Denn der wirkliche Hammer trifft uns erst in den nächsten Monaten. Und da kommt richtig was auf uns zu…

Mittwoch, 25. März 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Am Öle hängt, zum Öle drängt doch alles

Trumps Nahost-Krieg gegen den Iran entwickelt sich wie zu erwarten war. In der ersten Woche verkündete der US-Führer "wir haben gewonnen", nach Woche zwei hieß es "wir gewinnen" und anschließend rief er nach der Hilfe anderer Länder, insbesondere seiner europäischen Partner. Wie ratlos er und seine Kriegstreiber im Oval Office wirklich sind, offenbart seine Aussage, niemand habe ahnen können, dass der Iran seine Nahbarstaaten und die Straße von Hormus unter Feuer nehmen würde. Dabei haben Experten genau dieses Szenario vorhergesagt. Sein eigener Experte Nate Swanson hatte genau dies vier Tage vor dem Angriff auf den Iran in einem Artikel öffentlich dargelegt. Doch in Trumps Welt gibt es nur (s)eine Wahrheit und nur was er hören will, dringt zu ihm durch. Und die Welt blutet unter dem selbsternannten "Friedenspräsidenten".

Der Iran nutzt seine Möglichkeiten, um Druck auf die USA aufzubauen. Denn durch die Attacken kommt die globale Ölversorgung kräftig ins Stottern und das hat Folgen. Der Ölpreis steigt und vor allem wird Öl knapp. Selbst wenn viele Länder bereits ihre strategischen Ölreserven auf den Markt werfen. Öl steckt in fast jedem Produkt, ob in Margarine, Kosmetik, Reifen, Kleidung, Medikamenten. Und der deutliche Anstieg des Ölpreises verteuert deren Produktion und das wird schon bald die Unternehmen zu Preisanhebungen zwingen, die dann an die Verbraucher weitergegeben werden (müssen). Inflation feiert absehbar ihr Comeback. Und damit sinken die Chancen auf Zinssenkungen seitens der US-Notenbank, egal wer dort in Zukunft das Ruder übernehmen wird; inzwischen werden Zinsanhebungen sogar wieder zu einem realistischen Szenario und die Traumakombination aus Rezession und Inflation namens Stagflation geistert durchs Gebälk...

Mittwoch, 11. März 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Der Öl-Krieg(er)

Der Kampf ums Öl ist wieder voll entbrannt. Trump greift den Iran an, um dessen Regime zu beseitigen, weil dieses weiterhin nach der Atombombe strebe. Einen Regimewechsel in Teheran ist nicht das oberste Ziel, aber Mittel zum Zweck. Ein Nebeneffekt dabei ist… China. Denn über 90% des iranischen Öls fließt ins Reich der Mitte.

Erst vor zwei Monaten hatte Trump Venezuelas Staatschef Maduro in seine Gewalt gebracht und die neue venezolanische Führung ging auf Schmusekur – deren Öl fließt inzwischen Richtung USA. Und inzwischen auch ein bisschen nach Indien, um dort russisches Öl zu ersetzen.

Russland wiederum droht nun, Westeuropa den Öl- und Gashahn völlig abzudrehen – was die EU selbst bereits anpeilt, aber eben nicht sofort. Putin versucht händeringend sein Öl an den Mann zu bringen und das klappt vor allem in China. Und der Iran? Der reagiert auf den Angriff Israels und der USA nicht nur mit Gegenattacken auf diese beiden und US-Stützpunkte in der Region, sondern nimmt ganz gezielt arabische Nachbarstaaten unter Feuer. Und dort deren Öl-Produktion. Zudem erklärte der Iran die Sperrung der Straße von Hormus, durch die täglich zwischen 17 bis 20 Mio. Barrel Rohöl, Kondensate und Ölprodukte geschifft werden und damit 20% bis 30% des weltweiten täglichen Ölbedarfs.

Die großen Förderländer am Persischen Golf Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sind auf diesen Seeweg angewiesen. Und auch LNG ist tangiert, Europas erhoffte Alternative zu russischem Erdgas, denn etwa 20% des weltweiten Flüssigerdgases werden durch die Meerenge verschifft, insbesondere aus Katar. Katar musste seine Produktion stoppen, da die Anlagen von Iran angegriffen wurden. Iran will so die Energiemärkte preisschocken, um Druck auf die USA zu erzeugen. Doch zunächst trifft man China, denn größter Abnehmer von Katars LNG sind die Chinesen.

Panikmacher sprechen von Ölpreisen von 150 USD je Barrel oder werfen gleich 200 USD in den Raum. Das trifft auf fruchtbaren Boden und nachdem der Ölpreis seine zweitstärkste Tagesschwankung aller Zeiten hingelegt hat (nur während des Corona-Crashs war es noch mehr), liegen die Nerven blank. Aktuell muss man für Öl (WTI) wieder um die 85 USD bezahlen, was immer noch deutlich höher ist, als vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Kein schlechter Zeitpunkt, um sich mal die Fakten anzusehen. Und so hat Torsten Slok von Apollo Global Management mal die Auswirkungen eines anhaltenden Ölpreises auf die US-Wirtschaft bei 100 USD (WTI) dargelegt, die auf Modellen der Fed basieren:
  • Inflationsrate +0,7%
  • Kerninflationsrate +0,1
  • Arbeitslosenrate +0,1%
  • BIP -0,1%
Nicht unerheblich, aber auch nicht wirklich heftig. Bei 150 USD oder gar 200 USD je Barrel sähe die Sache natürlich komplett anders aus.

Mein Fazit

Im Kampf ums Öl gibt es mehr als einen säbelrasselnden Warlord und alle halten die Lunte ans Pulverfass. Europa sitzt – wieder einmal – zwischen den Stühlen. Man spielt keine militärische Rolle, keine politische und man ist auf Energielieferungen angewiesen, weil man selbst kaum welche hat. Der Leidensdruck nimmt zu, weil die Industrie wegen der hohen Preise bereits abwandert. Aber noch ist er nicht hoch genug, als dass er strukturelle Veränderungen erzeugen würde. Aber das kommt noch.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte soeben, die vollständige Abkehr von der Atomenergie sei ein "straegischer Fehler" gewesen und müssen korrigiert werden. Insbesondere Deutschland hat hier den Stecker gezogen unter Bundeskanzlerin Angela Merkel - und von der Leyen war damals Mitglied in deren Kabinett und entschiedene Befürworterin des Atom-Ausstiegs. Doch "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, klüger zu werden", sagte einst Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der war übrigens nicht nur weise, sondern Mitglied der CDU - wie auch Merkel, von der Leyen und der amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz. Ob aus der Erkenntnis auch ein Umdenken und dann Umschwenken wird? Kaum vorstellbar, denn Merz regiert nicht alleine, sondern mit der SPD, die unter ihrem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in dessen Rot-Grüner-Koalition einst den Atom-Ausstieg eingeleitet hat - und sklavisch daran festhält. Das  jüngste Landtagswahlergebnis mit magersüchtigen 5,5% scheinen da auch nichts zu bewegen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Apollo Global auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Dienstag, 24. Februar 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Back to Value

In früheren Zeiten haben sich Technologieaktien und Valuewerte in mehrjährigen Zyklen abgewechselt und wenn die eine Gruppe einige Jahre lang outperformt hatte, wechselten die Favoriten. Ein weitgehend vorhersagbares Muster.

Doch nach der Globalen Finanzkrise 2008/09 änderte sich das Spiel: Technologieaktien zogen schier unaufhaltsam davon, während klassische Unternehmen kaum von der Stelle kamen. Und so fuhren viele erfolgreiche Value Investoren schlechte(re) Ergebnisse ein und auch wenn sie durchaus Gewinne erzielten, blieben sie doch zumeist weit hinter ihren technologieaffinen Wettbewerbern zurück.

"Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich", heißt es. Und so wurde immer wieder eine bevorstehende Trendumkehr ausgerufen, wann immer die Börsen einen neuen Höchststand markierten und die Technologieaktien neue Bewertungsmaßstäbe setzten. Zuletzt war die immer stärker zunehmende Konzentration der Magnificent 7 im S&P 500 der Grund für den Abgesang auf die endlose Technologie-Hausse – und nun scheint es wirklich soweit zu sein. Dank KI.

Sicher, Künstliche Intelligenz ist ein Technologiethema und viele Technologiefirmen profitieren. Aber auch die Anwender von KI werden zunehmend zu Gewinnern, weil sie rationalisieren können, mit weniger Personal auskommen, schlanker, effizienter werden. Sie bauen ihre Margen aus und damit ihre Gewinne. Jedenfalls die Unternehmen, die nicht von KI disruptiert werden.
Und so erleben wir seit einiger Zeit ein Umdenken: Geld wird aus Technologiewerten abgezogen und in klassische Value-Branchen investiert. Seit dem Jahresstart liegt der Energiesektor mit einem Zuwachs von +20% klar vorne, gefolgt von Rohstoffen mit +17%, defensiven Konsumwerten mit +15% und Industrieunternehmen mit +11%. Die Informationstechnologie hinkt mit -3% klar hinterher und (beinahe) nur die Finanzwerte mit -6 % schneiden noch schlechter ab. Und der Absturz vieler geliebter und gehypter Technologiewerte geht ungebremst weiter, weil Anthropic mit seinem Claude Opus KI-Tool - gefühlt - an jedem neuen Tag ein weiteres Geschäftsmodell killt.

Folge einfach dem Geld

Anleger sollten dem neuen Narrativ aber nicht blind hinterherlaufen. Es gilt, wie immer: erst denken, dann handeln! Man sollte (nur) die Werte im Depot haben, die auf mittlere und lange Sicht absehbar Umsatz und Gewinne steigern können. Also nicht dem Hype hinterherlaufen oder dem neusten Trend, sondern den erkennbaren Profiteuren. Egal, ob sie dem Technologiesektor oder einer klassischen Branche angehören. Qualität gewinnt auf lange Sicht immer und überall. Man muss diesen Unternehmen - und ihren Aktien - nur auch die Gelegenheit geben, ihre Qualitäten auszuspielen. Geduld ist ein wesentlicher Schlüssel in der Börsenerfolsgleichung.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Sonntag, 8. Februar 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Hoffnungsvolle Orientierungslosigkeit

Donald Trump hat mit seiner Wahl von Kevin Warsh zu neuen Fed-Chef alle überrascht – und das erzeugt Unsicherheit. Trump fordert Zinssenkungen, Kevin Warsh gilt als Inflationsbekämpfer. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Doch Warsh nimmt seit einiger Zeit die Position ein, dass KI in den Unternehmen die Kosten erheblich senken und so Effizienzgewinne schaffen wird, was zu niedrigeren Preisen und sinkendem Inflationsdruck führen soll. Und das bietet Spielraum für niedrigere Zinsen.

Die Schattenseite von Warsh ist seine restriktive Haltung gegenüber der aufgeblähten Bilanz der Fed. Er will das "Quantative Easing" runterfahren und daran hatten sich die Börsen 15 Jahre lang gewöhnt. Die US-Notenbank pumpte Liquidität in die Märkte und kaufte in großen Stil Staats- und Unternehmensanleihen auf. Und sie stand stets mit der Gelddruckmaschine parat, wenn die Börsen zu husten begannen.

Die Begleiterscheinung dieser Fed-Politik war, dass natürliche Risiken reduziert wurden. Weit(er) in der Zukunft liegende Cashflows wurden ähnlich bewertet wie aktuelle und das sorgte für entsprechende Bewertungsaufschläge bei den Aktien. Nun kehrt das Risiko zurück und demzufolge werden sichere Cashflows attraktiver, während Versprechungen risikoreicher erscheinen. Realität ist die neue Realität. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber alle waren – und sind – vom Liquiditätsdoping der Fed abhängig und die Entwöhnung erzeugt Anpassungsstress.

Denn unter Warsh wird sich die Fed-Politik ändern und Risiko wird wieder Geld kosten. Dem entsprechend weicht Luft aus risikoreicheren und künstlich aufgepumpten Anlagen und im Gegenzug werden visible Cashflows und Gewinne wieder mehr wert. Überall, auch im KI-Sektor. Wer mit seinem Businessmodell heute schon Geld verdient, bleibt sexy. Wer erst in einigen Jahren liefern kann, verliert deutlich an Attraktivität. Ob es sich um einen Tech-Titanen handelt, ein Startup oder einen zyklischen Industriewert.

Anleger sollten daher unbedingt ihr Depot einem KI-Realitätstest unterziehen und sich die simple Frage stellen, ob und ggf. wie sehr das jeweilige Unternehmen von KI beeinflusst werden dürfte. Und zwar im Hinblick auf die Wehrhaftigkeit seines Burggrabens. Erodiert KI das Businessmodell, kann KI es teilweise oder sogar ganz ersetzen? Oder wird KI im Einsatz (nur) zum Effizienzgenerator?

Sonntag, 11. Januar 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Der Friedenspräsident und der Warlord

Der Jahresauftakt an den Börsen ist gelungen – auch weil Donald Trump seine Truppen nach Venezuela schickte und deren Präsidenten Maduro ab- und festsetzte. Inzwischen muss sich dieser in New York vor einem Gericht verantworten.

Trump selbst bezeichnet sich als Friedenspräsident und erklärte (vor seiner zweiten Wahl), er würde Kriege beenden und keine anfangen. Doch das hat er nun - allerdings nicht in seiner eigenen Wahrnehmung, denn er behauptet einfach, die USA würden sich gegen Terroristen und Drogenbosse zur Wehr setzten, sich also gegen Aggressoren verteidigen. Wie schön für ihn, dass er sich seine Wahrheit immer so hindrehen kann, wie sie ihm passt. Trump lebt in seiner eigenen Welt.

Handfeste Konsequenzen haben seine Aktionen zumindest: China und Russland ist mit Venezuela ein wichtiger strategischer Partner verloren gegangen und Putin steht erneut als Loser da. Seine Unterstützung ist kaum etwas wert, das haben schon Gaddafi in Libyen und Assad in Syrien zu spüren bekommen. Für China stellt sich die Lage etwas anders da, denn dort wird man sich durch Trumps Attacke eher bestätigt sehen in seiner kriegsrasselnden Position gegenüber der "abtrünnigen Provinz" Taiwan.

Die Folgen an dieser Stelle und zwar für die ganze Welt, sind noch nicht absehbar. Klar ist aber, dass Venezuelas Öl künftig in die USA fließen wird und dass weltweit die Krisenherde und Kriegsschauplätze eher zu- als abnehmen. Schlecht für den Ölpreis, gut für Rüstungswerte. Diese mittel- und langfristigen Entwicklungen müssen Anleger nun in ihren Depots abbilden – nicht sofort, nicht morgen, aber zu lange warten sollte man damit auch nicht.

Für Donald Trump als Anwärter auf den Friedensnobelpreis sollte die Messe nun gelesen sein. Oder etwa nicht? Auch hier bleiben erstmal alle Wettscheine gültig...

Sonntag, 21. Dezember 2025

Kissigs Kloogschieterei: Schlussspurt oder Schlappmachen? (Börse) entscheide dich!

Die Börsen biegen auf die Zielgerade ein und in den letzten Börsentagen entscheidet sich, ob das Jahr mit einem Plus oder Minus endet. Angesichts soeben erst wieder erzielter neuer Allzeithöchststände beim S&P 500 Index mag die Aussage etwas verwundern, aber nicht jeder hat nur in den breiten Markt investiert oder in die Magnificent 7 oder die KI-Boomwerte, die in diesem Jahr die Kurse angetrieben haben. Die breite Masse der Aktien hat kaum Gewinne vorzuweisen oder liegt sogar ordentlich im Minus – selbst herausragende Unternehmen, die unbeirrt ihre Umsätze und Gewinne weiter gesteigert haben. Wie Costco.

In der Rückschau ist es immer leicht, Gründe zu finden. Es erscheint einfach logisch zu sein, was richtig gewesen ist – weil man das Ergebnis kennt. Für den Blick nach vorn gilt das nicht und je weiter man vorausschaut, desto unklarer wird die Sicht. Sonst wäre es ja auch zu einfach.

Zum Jahresende hin findet auch das "Window Dressing" statt. Fondsmanager werfen die Loser aus dem Portfolio und kaufen lieber ein paar Gewinner hinzu, um bei der Jahresübersicht vorgaukeln zu können, sie hätten auf die richtigen Aktien gesetzt. Aber wer die Top-Performer des Jahres hält und dennoch nur eine magersüchtige Rendite vorzuweisen hat, ist eben trotzdem nur ein Blender.

Das Jahresultimo ist der Zeitpunkt, an dem alle Wetten abgerechnet werden. Gewinner und Verlierer werden bestimmt, aber eigentlich spielt diese Abrechnung keine Rolle. Denn die Entwicklung eines Unternehmens findet 365 Tage im Jahr statt und darauf sollten Anleger achten. Die Sprinter bekommen die höchste Aufmerksamkeit, aber die Börse ist ein Marathonlauf. Mein Fahrlehrer mahnte immer, vorausschauend zu fahren - und vorausschauend sollte man auch Investieren: immer offen sein für neuen Ideen und Gedanken, keine zu kurze Perspektive wählen, Risiken begrenzen, Geduld bewahren.

Es kommt darauf an, durchzuhalten, denn wer das Ziel nicht erreicht, kann gar nicht gewinnen!

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Costco auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Sonntag, 7. Dezember 2025

Kissigs Kloogschieterei: Back in black

Black ist beautiful and Black matters. Wir befinden uns mitten in der dunklen Jahreszeit; passend dazu haben die Amerikaner soeben Thanksgiving hinter sich gebracht und dazu gab es die Black Week zwischen dem Black Friday und Cyber Monday. Beinahe noch stärker als der Valentinstag sind diese Tage Kreationen der Wirtschaft, doch während der Valentinstag angeblich auf die Grußkartenindustrie zurückgehen soll, wurde der Begriff "Black Friday" ursprünglich im Januar 1966 von der Polizei in Philadelphia geprägt. Sie beschrieb damit den Freitag nach dem Erntedankfest wegen der chaotischen Szenen, als an diesem Tag viele Menschen in die Stadt strömten, um nach den Feiertagen einzukaufen. So richtig ins Bewusstsein kam uns der Tag dann, als Onlinegigant Amazon ihn adaptierte und zu einem virtuellen Kaufrauschfestival ausbaute. Inzwischen ist die Black Week sogar umsatzstärker als das Weihnachtsgeschäft, was ihre Bedeutung für die Konsumnachfrage und die Wirtschaftsleistung unterstreicht.

Während der Börsennovember von Korrekturgelüsten geprägt war, nimmt der Dezember in den ersten Tagen wieder seine vorherige Rekordfahrt auf. Die Kurse sind zurück im positiven Terrain, also back in Black. Das gilt ebenfalls für viele Unternehmenszahlen, die in der beinahe beendeten Earnings Season vorgelegt wurden. Zumindest was die viel beachteten Unternehmen angeht, denn abseits des KI-Hypes siecht die Wirtschaft eher vor sich hin. Hier zeigen sich die Bremsspuren von Trumps erratischer Wirtschaftspolitik und auch der Shutdown hat einen erheblichen negativen Einfluss gehabt. Es waren nicht nur zigtausende Bedienstete der Bundesbehörden in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt worden, sondern auch viele Aufträge und Projekte wurden von den Behörden nicht mehr bearbeitet – das wird sich in den Geschäftszahlen der Unternehmen niederschlagen; Wirtschaftsforscher sprechen von einem negativen Einfluss auf das BIP von bis zu 1,5 %.

Die Folgen könnten nicht unerheblich sein, denn wir nähern uns dem Jahreswechsel. Selbst wenn es sich lediglich um Verschiebungen handelt, werden sie nicht mehr im vierten Quartal und damit 2025 verbucht bzw. abgerechnet, sondern erst in 2026. Und damit dürften Umsätze und Gewinne der Unternehmen in 2025 entsprechend niedriger ausfallen als gedacht. Und wir wissen ja, was die Börse aus Prognoseverfehlungen macht. Es könnte also im ersten Quartal in der nächsten Earnings Season etwas ruppig(er) zugehen. Aber das bietet bekanntlich auch Chancen für kühle Rechner.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Amazon auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Sonntag, 23. November 2025

Kissigs Kloogschieterei: Der Winter naht und die Bären werden munter

Der Winter naht - und die Stimmung wird eisig. "Risk off" ist angesagt, von Euphorie ist nicht mehr viel zu spüren: im November haben die Börsen eine Kehrtwende vollzogen, weil auch die zuvor hochgejubelten KI-Aktien teilweise brutal abverkauft werden. Noch härter trifft es den Kryptobereich, wo der Bitcoin erstmals seit langer Zeit wieder unter die Marke von 90.000 USD gefallen ist.

Dabei hat sich an der Faktenlage nicht viel geändert, allerdings am Sentiment. Die Stimmung ist gekippt, der Shutdown in den USA hat erheblichen Anteil daran, denn er belastet die Wirtschaft massiv. Und die drohende Rezession wurde inzwischen zum wahrscheinlichen Szenario. Die Menschen ziehen daher ihr Geld aus ihren spekulativen Investments ab. Allerdings nicht immer freiwillig, denn viele haben Kryptos auf Kredit gekauft und die massiv fallenden Kurse lösen dann sog. "Margin Calls" aus, also die Aufforderung, Geld als Sicherheit nachzuschießen. Oder die Bitcoins zu verkaufen. Damit wird der Kredit getilgt – meistens. Denn wer zu gierig war und zu lange gewartet hat, bei dem deckt der Verkaufserlös den Kreditbetrag womöglich nicht vollständig. Und dann muss dieser aus anderen Quellen beglichen werden.

Warren Buffetts weise Warnung vor Spekulationen auf Kredit bleibt zeitlos: "Wenn du schlau bist, musst du keinen Kredithebel für deine Investments nutzen und wenn du dumm bist, solltest du keinen nutzen". Aber wer hört schon auf den besten Investor aller Zeiten? Und so lernt eine neue Generation von Anlegern eine alte Lektion - auch weil sie nicht bereit ist, aus den Fehlern anderer zu lernen. Also macht sie alle selbst und bezahlt dafür reichlich Lehrgeld. Aber auch das ist keine neue Entwicklung sondern wiederholt sich immer wieder aufs Neue, nicht nur an der Börse. Und selbstverständlich habe auch ich meine Börsen(aus)bildung mit teuren Fehlern, Selbstüberschätzung und teuren Fehlgriffen bezahlt. Gut angelegtes Geld.
Die Furcht vor einem "Krypto-Winter" macht die Runde, aber nicht nur Kryptos werden gnadenlos abverkauft und drücken damit die Stimmung und die Börsen. Auch spekulative Aktien und Qualitätswerte fliegen aus den Depots, weil die Anleger Panik haben. Und Emotionen sind schlecht fürs Geld. Dabei fährt man mit Qualitätsunternehmen viel besser. Sicher, auch deren Kurse sinken, wenn die Bären von der Leine gelassen werden, aber ihr Wert bleibt relativ stabil. Die Kurseinbußen sind nicht von Dauer und daher bieten sich hier attraktive Kaufchancen.
Die Megatrends Rüstung, KI, Energiehunger, Infrastruktur laufen weiter und hier sollte man engagiert sein – und bleiben. Die Börsen steigen entlang der "Wall of Worries", denn es finden sich immer Argumente für Pessimismus und fallende Kurse. Und doch steigen die Kurse weiter über alle Kriege, Pandemien, Wirtschaftskrise hinweg, auch wenn sie zeitweilig unter Wasser sind und mal heftig schwanken. Deine eigene Angst ist dein Risiko, die Angst der Massen ist deine Chance.
Also lass dich nicht einschüchtern. Die Bären wollen nur spielen...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig