
Der amerikanische und der europäische Gasmarkt entwickeln sich zunehmend in unterschiedliche Richtungen. Während die USA dank ihrer enormen heimischen Erdgasförderung weiterhin von vergleichsweise niedrigen Energiepreisen profitieren, muss Europa für seine Gasversorgung erheblich tiefer in die Tasche greifen. Die Folgen reichen weit über die Energierechnungen von Haushalten und Unternehmen hinaus. Sie betreffen die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Industriezweige, beeinflussen Investitionsentscheidungen und könnten die wirtschaftliche Entwicklung beider Regionen auf Jahre hinaus prägen.
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| Quelle: Oliver Gross/X |
Am 2. November 2026 kostete eine Million britischer Wärmeeinheiten (MMBtu) am europäischen Handelsplatz TTF demnach 32,82 Dollar. Am amerikanischen Henry Hub waren es lediglich 2,91 Dollar. Erdgas war in Europa damit rund 11,3-mal so teuer wie in den USA. Ein derartiger Abstand ist für Unternehmen, deren Produktionskosten maßgeblich von Energie abhängen, ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.
Dabei handelt es sich nicht um eine kurzfristige Schwankung, sondern um das Ergebnis unterschiedlicher struktureller Voraussetzungen. Die USA verfügen über große eigene Erdgasvorkommen, eine leistungsfähige Förderindustrie und ein weitverzweigtes Pipeline-Netz. Europa hingegen ist nach dem Wegfall großer Teile der russischen Gaslieferungen stärker auf Importe angewiesen. Flüssigerdgas (LNG) aus den USA, Katar und anderen Förderländern hat die Versorgungslage zwar stabilisiert, ist aber mit zusätzlichen Kosten für Verflüssigung, Transport und Regasifizierung verbunden.
Warum die Gaspreise in Europa so viel stärker steigen
Die Entwicklung im vergangenen Jahr zeigt, wie weit sich die beiden Märkte auseinanderentwickelt haben. Der US-Gaspreis lag im November 2025 noch bei etwa 2,30 Dollar je MMBtu und stieg bis Anfang November 2026 "nur" auf 2,91 Dollar. Zwischenzeitlich gab es zwar Ausschläge, insbesondere im Frühjahr, doch insgesamt blieb das Preisniveau vergleichsweise stabil.
In Europa verlief die Entwicklung völlig anders. Der TTF-Preis bewegte sich Ende 2025 zunächst im Bereich von 11 bis 13 Dollar je MMBtu, kletterte im Jahresverlauf aber immer weiter nach oben. Besonders seit dem Sommer beschleunigte sich der Anstieg. Im September wurden bereits knapp 25 Dollar erreicht, im Oktober rund 28 Dollar und Anfang November schließlich 32,82 Dollar. Das entspricht mehr als einer Verdoppelung gegenüber dem Ausgangsniveau.
Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Faktoren und keine davon erzeugt für Europa Rückenwind. Das hat Konsequenzen, sowohl in Industrie und bei Bürgern, aber auch am Aktienmarkt...
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