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Freitag, 14. Oktober 2016

Steht SHW vor der Übernahme durch die chinesische Anhui ARN?

Beim Automobilzulieferer SHW scheint sich eine Übernahmeofferte anzubahnen. So berichtet "Die Vorstandswoche", angeblich habe ein Mitglied des Vorstands gegenüber den Analysten von Bankhaus Lampe bestätigt, dass derzeit Gespräche mit der chinesischen Anhui ARN, laufen würden, die eventuell SHW aufkaufen wollten. Sie bewerteten dieses Verhalten des Unternehmens als unanständig und kritisieren, dass eine solche Information nicht einzelnen Analysten zur Verfügung gestellt werden dürfe, sondern eine ad-hoc-pflichtige Meldung darstelle, die dem gesamten Kapitalmarkt zur Verfügung zu stellen sei. Dabei sei gerade SHW diesbezüglich Wiederholungstäter.

Losgelöst hiervon sieht "Die Vorstandswoche" aufgrund der zunehmenden Übernahmephantasie weiteres Kurspotenzial bei SHW.

Freitag, 18. März 2016

Investor-Update: Aareal Bank, Hypoport, KKR, Publity, SHW, Triangle Capital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

DAX kämpft mit der 10.000, Dow auf Jahreshoch
Die Stimmung an den Börsen ist weiterhin nervös, aber sie ist nicht mehr angespannt. Der Ölpreis hat sich von seinen Tiefs deutlich erholt und notiert wieder jenseits der $40-Marke; er kratzt an seinen Jahreshochs. Das gibt der Börse Auftrieb, denn es entspannt die Lage bei den Ölwerten, bei den ölproduzierenden Ländern, bei den Banken mit ihren Krediten, die sie im Öl-Sektor vergeben haben und auch die Notenbanken dürfen sich freuen, da ihr Ziel einer moderaten Inflation mit weiter sinkenden Energiepreisen kaum erreichbar ist.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index weiter gestiegen
Der DAX ringt wieder mit der Marke von 10.000 Punkten und liegt in diesem Jahr noch gute 5 Prozent im Minus, während der Dow Jones bei 17.600 Punkten bereits einen neuen Jahreshöchststand markiert.

Im Zuge dieser Entwicklung hat der Angst-und-Gier-Index weiter leicht zugelegt und notiert mit 79 Punkten inzwischen im oberen Viertel. Das ist noch nicht Besorgniserregend, aber es erhöht auch wieder die Gefahr, dass Anleger zu sorglos werden und unerwartete Rückschläge zu heftigeren Korrekturen ausufern können, weil zu viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden können. Andererseits sind die Cash-Quoten vieler institutioneller Anleger immer noch hoch und die geraten zunehmend unter Druck, weil ihnen die Märkte davon laufen und sie nicht dabei sind. Sie hoffen auf einen Rücksetzer, um wieder einsteigen zu können. Kommt der nicht, wird der Leidensdruck immer größer, auf immer höherem Niveau in den Markt einsteigen zu müssen. Value-Investoren haben es da leichter, die schauen auf die Bewertung, nicht auf den Kurs oder Indexstand.

Dienstag, 1. Dezember 2015

SHW stellt neue Strategie vor

Der auf Bremsanlagen, Kraftstoffpumpen und Motorkomponenten spezialisierte deutsche Automobilzulieferer SHW hat seine neue Strategie "SHW 2020" vorgestellt. Man erwartet drei wesentliche Trends in der Automobilindustrie: eine weiter steigende Nachfrage nach Mobilität, eine weitere Dominanz des Verbrennungsmotors, wobei Hybridfahrzeuge an Bedeutung gewinnen und so mehr Pumpen pro Fahrzeug benötigt werden und die weitere Verringerung der CO2-Emissionen.

Um von diesen Trends profitieren zu können, will SHW seine Produktion umstellen und teilweise verlagern. So möchte das SDAX-Unternehmen ab dem Jahr 2018 wieder deutlich mehr Umsatz generieren bei einem nachhaltigen und profitableren Wachstum. Dabei wird eine Steigerung der Erlöse bis zum Jahr 2020 zwischen 630 und 660 Mio. EUR angestrebt, nach aktuell 470 Mio. im laufenden Jahr. Die EBITDA-Marge soll dabei auf mindestens zwölf Prozent gesteigert werden. Allerdings werden sich die zusätzlichen Investitionen in 2016 und 2017 zunächst umsatz- und ergebnisbremsend auswirken.

>>> zur Meldung

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Kurzsturz bei Autozulieferern: Schnäppchen oder Value-Trap?

Vor gut einem Jahr stürzten die Kurse der Automobilzulieferer ab und ich überlegte, ob deutsche Autozulieferer wieder kaufenswert seien. Mit dem Ergebnis, dass die Bewertungen auf den ersten Blick günstig erschienen, dass sich Neu-Engagements unter Chance-Risiko-Aspekten nicht aufdrängten. Die sich eintrübenden Perspektiven der Autohersteller aufgrund der Russland-Sanktionen und der nachlassenden Nachfrage aus China waren für mich ganz entscheidende Faktoren. Tja, es kam anders... denn die Halbierung des Ölpreises nur kurze Zeit später sorgte für eine Art Sonderkonjunktur bei den Autoherstellern und für neue Absatzrekorde, vor allem in den USA. Dem entsprechend erholten sich auch die Aktienkurse der Autozulieferer wieder und legten rasant zu.

Déjà vu...
Und nun? Die Kurse stürzen wieder ab und neben den alten Faktoren gibt es neue. Der Börsencrash in China hat für eine Absatzflaute gerade deutscher Premium-Hersteller gesorgt und dann kam Diesel-Gate, der Abgasskandal bei VW. Die Kurse aller Autohersteller gingen in den Sturzflug über, weil man befürchtete, dass nicht nur VW bei der Einhaltung von Abgasrichtwerten betrogen haben würde, denn offensichtlich sind die Diesel-Schadstoffrichtwerte kaum einzuhalten oder eben nur durch extrem teurer Verfahren. Volkswagen steht unter Schock, zweistellige Milliardensummen stehen als Strafzahlungen im Raum, dazu kommen möglicherweise Schadenersatzforderungen von Behörden aus aller Herrenländer und von Kunden. Manch ein Schwarzseher meint schon orakeln zu müssen, dass VW als Ganzes vor der Pleite stehe.

Dieses Horrorszenario halte ich für maßlos übertrieben. Allerdings wird VW - und seine Aktionäre - heftig bluten müssen, der Schaden am Image der Marke VW und die damit verbundenen mittel- und langfristigen Eintrübungen für die Absatzzahlen sind kaum auszumalen. Fakt ist aber, dass VW erhebliche Summen aufwenden wird müssen und dass in Wolfsburg der Rotstift angesetzt wird. So werden nicht nur Sponsoring und Marketing drastisch runtergefahren, sondern auch Investitionen von 1 Milliarde jährlich stehen auf dem Prüfstand. Und natürlich die Motorenstrategie, denn die bisherigen "starken Männer", Piech und Winterkorn waren bekennende Verbrennungsmotorfans. Künftig wird VW, viel später als andere, verstärkt auf Elektromotoren setzen und auf Hybridantriebe. Und man wird die Modellvielfalt weiter reduzieren.

Auswirkungen auf die Zulieferer
Im Gegensatz zu früher bauen Autohersteller ihre Autos kaum noch selbst, ein Großteil der Komponenten stammen von Zuliefererbetrieben. Und natürlich wird VW auch bei diesen eine neue Sparrunde einläuten - als größter Autohersteller der Welt kann VW hier seine Einkaufsmacht stark ausspielen. Hier trüben sich die Perspektiven für die Zulieferer also ein, denn auch wenn VW neue Komponenten benötigen wird, werden diese unter ganz anderen Sparzwängen ausverhandelt werden (müssen). Und auch der Börsengang der Schaeffler-Gruppe stand durch die schlechten Rahmenbedingungen auf der Kippe und kam nur unter Abstrichen überhaupt über die Ziellinie.

Doch diese sich eintrübenden Aussichten sind nicht der alleinige Grund für den Absturz so vieler Kurse. Denn die Branche hat eigene Probleme und wartet reihenweise mit Prognosesenkungen und Gewinnwarnungen auf, die sich auf das laufende Jahr und die Folgejahre beziehen.

ElringKlinger ist der weltgrößte Hersteller von Zylinderkopfdichtungen. Zudem produziert der Konzern Spezialdichtungen, Kunststoff-Gehäusemodule sowie Abschirmteile für Motor, Getriebe, Abgassystem und den Unterboden. ElringKlinger gab Mitte September bereits die zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr heraus - weil man vom Erfolg überrollt würde. Man käme mit der Produktion gar nicht nach und müsse daher viele Aufträge fremdvergeben und das sei viel teurer und würden Margen und Gewinn massiv belasten. Schnelle Abhilfe ist hier nicht in Sicht.

Grammer ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Fahrzeuge, Lkws, Busse und Bahnen spezialisiert hat. Mit Präsentation der Halbjahreszahlen bestätigte man die Umsatzerwartungen, musste aber beim EBIT und dem zu erwartenden Gewinn zurückrudern.

Leoni ist ein weltweit tätiger System- und Entwicklungslieferant von Drähten, Kabeln und Bordnetz-Systemen. Das Angebotsspektrum umfasst Drähte und Litzen, Standard- und Spezialkabel, Lichtwellenleiter sowie komplette Kabelsysteme und Dienstleistungen für unterschiedlichste industrielle Anwendungen. Jüngst präsentierte man eine satte Gewinnwarnung aufgrund von Schwierigkeiten in der Sparte Bordnetze und -verkabelungen.

SHW entwickelt und fertigt sowohl Pumpen und Motorkomponenten wie auch Bremsscheiben und beliefert Lieferanten der Fahrzeugindustrie, Nutzfahrzeughersteller sowie namhafte Automobilhersteller in Europa und Nordamerika. SHW hat ebenfalls mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen, allerdings bereits seit Ende 2014. Die Probleme werden angegangen und die nötigen Investitionen in neue Anlagen sind bereits angeschoben und teilweise fertiggestellt. Trotzdem brachen die Kurse nach Präsentation der Halbjahreszahlen ein, denn zusätzlich ergab sich eine neue Baustelle, denn ein Großkunde hatte angekündigt, künftig einzelne Komponenten nicht mehr bei SHW zu beziehen, sondern in Eigenregie zu fertigen. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn bei SHW in den nächsten Jahren. Darüber hinaus stellt VW mit rund 25 Prozent den Hauptkunden der SHW AG und das dürfte in der momentanen Situation her kein Vorteil sein.

Einschätzung
An meiner Einschätzung vom letzten Jahr hat sich eigentlich nicht viel geändert, ich bin trotz der Kursrücksetzer und der nun vermeintlich niedrigen KGVs und hohen Dividendenrenditen eher skeptisch, was den Automobilsektor und insbesondere auch die Zulieferer angeht. Die Perspektiven haben sich weiter eingetrübt und der Abgasskandal wird hier noch einige Zeit belastend wirken. Es ist davon auszugehen, dass die Analysten-Schätzungen zu Umsatz, Gewinnen und Dividenden eher rückläufig sein werden, was die optischen günstigen Bewertungen der Aktien schnell relativieren dürfte. Aus meiner Sicht drängen sich Engagements in diesem Sektor zur Zeit nicht auf. Man sollte auch nicht vergessen, dass Autos zu den zyklischen Branchen gehören und die Konjunktur trübt sich momentan weltweit ja eher wieder ein.

Moment mal... wird jetzt vermutlich kommen, denn ich habe kürzlich SHW bei 20 EUR auf meine Empfehlungsliste genommen. Und da bleibt der Wert auch, denn die Probleme bei SHW sind schon länger bekannt und das Management hat sie bereits in Angriff genommen. Daher ist der neuerliche Einbruch um knapp 50 Prozent aus meiner Sicht übertrieben und dürfte auf mittlere Sicht eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen für Langfristanleger. Auch wenn die Branchenperspektiven hier eher trüb sind und bleiben.

Die Eintrübung im Automobilsektor kann auch Auswirkungen auf andere Unternehmen auf meiner
Empfehlungsliste haben, wie Delignit, M.A.X Automation oder MBB, die ja teilweise diese Branche beliefern. Alle drei Aktien sind daher momentan auch nur Haltepositionen und kein Nachkauf.

Freitag, 2. Oktober 2015

Investor-Update: KKR, SHW

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sell-Offs bieten Chancen
Eine eherne Börsenregel lautet, man solle niemals in ein fallendes Messer greifen. Soll heißen, in einen Kursabsturz hinein zu kaufen, bringt meistens Kursverluste mit sich, zumindest auf kurze Sicht. Ratsamer erscheint es abzuwarten, bis sich der Kursabsturz verlangsamt und in eine Kurserholung übergeht.

Nun, manchmal sind Kursabstürze aber heftige Übertreibungen und bieten so große Chancen, dass man einfach zugreifen muss. Ob man damit richtig liegt, erweist sich natürlich erst im Nachhinein. Ich habe diese Woche genutzt, um bei drei Unternehmen zuzulangen.

+ KKR & Co. L.P.
Der Kurs von KKR ist in der vergangenen Woche noch einmal deutlich gefallen und ich denke, dies ist eine inzwischen maßlose Übertreibung nach unten. Klar, KKR ist im Bereich der Öl- und Gasförderung aktiv und baut dieses Engagement zur Zeit noch aus, aber diese Investments hat man bereits im letzten Quartal 2014 massiv abgeschrieben. Klar, eine große Ol-Förderfirma aus dem KKR-Portfolio musste gerade Insolvenz anmelden. Klar, die Börsenturbulenzen beeinträchtigen KKRs Möglichkeiten, Beteiligungen zu Höchstpreisen an die Börse zu bringen. Aber sie setzen sie nicht außer Kraft! Denn aktuell läuft gerade das IPO des weltgrößten Zahlungsabwicklers First Data, bei dem KKR auch nach dem Börsengang das Sagen haben wird. Dieses Asset ist übrigens in KKRs Bilanz bereits längst auf 60% des Einkaufspreises abgewertet worden, denn KKR hatte First Data kurz vor der Finanzkrise für sehr viel Geld übernommen - und auch dank der Abschreibungen wird KKR nun doch noch Gewinne aus dem Investment ziehen. Außerdem hat man sich jüngst mit 10% an Oz Minerals beteiligt, einem australischen Kupfer-Förderer. Ein klassisch antizyklisches Investment. Und das gefällt mir, denn KKRs Investments sind ja mittel- und langfristiger Natur, erst nach einigen Jahren wird die Ernte eingefahren. Und dabei sollte man nicht übersehen, dass KKR noch etliche Engagements aus der Zeit der Finanzkrise in den Büchern hat, die heute mit großen Wertzuwächsen zu Geld gemacht werden (können). Da winken auf absehbare Zeit weiterhin üppige Erträge und Dividenden - die aufs Jahr hochgerechnete Dividendenrendite liegt bei knapp 11 Prozent! Ich habe meinen KKR-Bestand daher also zu knapp 14,50 EUR weiter ausgebaut.

+ SHW
SHW ist ein deutscher Automobilzulieferer und operiert damit nicht gerade in meiner Lieblingsbranche, wie ich vor gut einem Jahr bereits ausführte, als ich fragte, ob deutsche Autozulieferer wieder kaufenswert seien. Allerdings gibt es bei SHW nun eine Sondersituation, die die Aktie nach einem echten Schnäppchen aussehen lässt. Denn SHW hat das Problem, dass man zu erfolgreich ist, der Umsatz legt stark zu, die Gewinne sinken. Und das hat seinen Grund, denn SHW hat Kapazitätsprobleme, die Produkte aus dem Bereichen Bremsanlagen und Kraftstoffpumpen werden dermaßen von den großen Autoherstellern nachgefragt, dass SHW gar nicht genug produzieren kann. Deshalb müssen für Teilbereiche andere Unternehmen involviert werden, was zu deutlichen Mehrkosten führt. Das Management hat das Problem erkannt und das Investitionsprogramm soll hier Abhilfe schaffen - künftig ist also mit einer deutlichen Margen-Erhöhung zu rechnen und damit mit höheren Gewinnen. Allerdings gab es unlängst die Meldung, ein "bedeutender Kunde" wolle künftig Teilstücke von SHW-Komponenten selbst fertigen und daraufhin wurden die Gewinnprognosen deutlich zurückgenommen. Der Aktienkurs stürzte daraufhin ziemlich ab. Und nun kommt noch der Abgas-Skandal bei VW hinzu und SHW macht mit VW immerhin etwa ein Viertel seines Umsatzes. Zeit für eine weitere Verkaufswelle bei SHW, die zwischenzeitlich auf unter 20 EUR rutschten, also fast auf das Niveau während der Finanzkrise.

Der Kurseinbruch von weit mehr als 50% ist meiner Ansicht nach mehr als übertrieben und überbewertet die ohne Frage vorhandenen Probleme und daher habe ich mir zu 20 EUR ein paar SHW-Aktien ins Depot gelegt.


.: Cashquote
Meine Cashquote ist aufgrund der beiden Käufe nahe an die Marke von 20 Prozent gefallen, doch ich fühle mich damit nicht (mehr) unwohl. Da inzwischen jeder, wirklich jeder davon ausgeht, dass der Markt eigentlich nur weiter fallen kann, glaube ich, dass wir das Gröbste hinter uns haben und in etwa auf dem Börsenniveau sind, von dem aus die nächste Erholung einsetzen wird. Ob dies nun in der nächsten Woche oder einige Wochen später beginnt, kann ich natürlich nicht abschätzen. Auch steht nun die nächste Berichtssaison in den USA an und zuletzt sind die Prognosen derart zusammengestutzt worden, dass die Unternehmen sie kaum noch unterbieten können. Was Spielraum bietet für positive Überraschungen...

Mittwoch, 17. September 2014

Sind deutsche Autozulieferer wieder kaufenswert?

Manch einer reibt sich verwundert die Augen, denn viele deutsche Autozulieferer notieren zwischen 25 und 30 Prozent unter ihren Jahreshöchstständen und sind auf den ersten Blick günstig bewertet mit einstelligen KGVs und attraktiven Dividendenrenditen. Trotzdem kennen die Kurse seit Wochen nur eine Richtung, nach unten. Es stellt sich die Frage, ob man als Value-Investor hier nicht zugreifen sollte, obwohl die alte Börsenregel "Greife nie in ein fallendes Messer" eine der wichtigsten und richtigsten ist.

Schauen wir uns kurz einige Werte näher an (die Kurzportraits  stammen von finanzen.net):

Grammer AG
Die Grammer AG ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Fahrzeuge, Lkws, Busse und Bahnen spezialisiert hat. In Europa gehört das Unternehmen zu den Marktführern im Bereich der Herstellung von Offroad-Sitzsystemen. In den Wachstumsmärkten Asien und auf dem amerikanischen Kontinent arbeitet die Gesellschaft an der Etablierung des Portfolios. Zu den Kunden der Grammer AG gehören neben Automobil- und Fahrzeugherstellern unterschiedlicher Branchen auch Reparaturwerkstätten oder Großhändler, die über ein direktes Vertriebsnetz beliefert werden. Der Konzern beliefert seine Industrie- und Gewerbekunden mit Komplettausstattungen und -Systemen und verkauft außerdem einzelne Ersatzteile oder Sonderanfertigungen. Unter dem Dach der Grammer AG sind die Aktivitäten zahlreicher Tochter- und Beteiligungsunternehmen vereint. Mit ihnen ist der Konzern an mehreren internationalen Standorten vertreten, darunter China, Spanien, Slowenien, Japan, Großbritannien, Brasilien und die USA.

Aktienkurs: 33,65 EUR
Streubesitz: 97,14%
EPS 14/15e: 2,98/3,67
KGV 14/15e: 11,41/9,27
Dividende 14/15e: 0,79/0,94 EUR
Div.-Rendite 14/15e: 2,31%/2,78%

Leoni AG
Die LEONI AG ist ein weltweit tätiger System- und Entwicklungslieferant von Drähten, Kabeln und Bordnetz-Systemen. Das Angebotsspektrum umfasst Drähte und Litzen, Standard- und Spezialkabel, Lichtwellenleiter sowie komplette Kabelsysteme und Dienstleistungen für unterschiedlichste industrielle Anwendungen. Im Bereich Wiring Systems werden Kabelsätze und komplette Bordnetz-Systeme sowie Komponenten für die internationale Fahrzeugindustrie entwickelt, produziert und vertrieben. Die beiden Segmente bilden eine aufeinander aufbauende Wertschöpfungskette: Drähte, Litzen und Glasfaser sind die Grundlage für isolierte Kupferleitungen und -kabel bzw. Lichtwellenleiter. Diese werden konfektioniert, zu Kabelsätzen, Kabelsystemen sowie Bordnetz-Systemen weiterverarbeitet und als Komplettpaket inklusive ergänzender Services angeboten. Neben Produkten für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie umfasst das LEONI-Leistungsspektrum Spezialkabel nach Kundenspezifikation, montagefertige Kabelsysteme, verkabelte Module, Datenleitungen und Netzwerk-Komponenten, isolierte Starkstromleitungen, Steuerleitungen, Koaxial- und Instrumentenkabel, Netzanschlussleitungen, Kupferdrähte und -litzen sowie die Strahlenvernetzung von Kabeln und Rohren.

Aktienkurs: 46,10 EUR
Streubesitz: 87,10%
EPS 14/15e: 4,21/5,36
KGV 14/15e: 11,07/8,70
Dividende 14/15e: 1,36/1,71 EUR
Div.-Rendite 14/15e: 2,91%/3,68%

SAF Holland SA
SAF-HOLLAND S.A. ist ein führender globaler Anbieter von Bauteilen und Systemen für die Anhänger-, Auflieger-, Lastkraftwagen-, Sattelzugmaschinen-, Bus- und Wohnmobil-Industrie. Das Produktangebot umfasst Achs- und Fahrwerksysteme, Sattelkupplungen, Königszapfen, Anhängerkupplungen und Stützwinden. Zu den Kunden zählen neben Original Equipment Manufacturers (OEMs) und Original Equipment Suppliers (OESs) auch Endverbraucher und Service-Zentren. Zusätzlich verfügt das Unternehmen über eigene Forschungs-, Entwicklungs- und Testabteilungen.

Aktienkurs: 10,00 EUR
Streubesitz: 86,23%
EPS 14/15e: 0,86/1,10
KGV 14/15e: 11,79/9,19
Dividende 14/15e: 0,37/0,49 EUR
Div.-Rendite 14/15e: 3,66%/4,89%

SHW AG
Die SHW AG - 1365 gegründet und damit einer der ältesten Industriebetriebe Deutschlands - zählt heute zu den führenden Automobilzulieferern in Deutschland. Das Unternehmen entwickelt und fertigt sowohl Pumpen und Motorkomponenten wie auch Bremsscheiben und beliefert Lieferanten der Fahrzeugindustrie, Nutzfahrzeughersteller sowie namhafte Automobilhersteller in Europa und Nordamerika. Das Produktsortiment ist in den einzelnen Bereichen breitgefächert und enthält verschiedenartige Öl-, Wasser-, Vakuum- oder elektrische Pumpen sowie Sinterteile, Pumpenräder und unterschiedliche Bremsscheiben. Erklärtes Unternehmensziel ist insbesondere die Fertigung von Produkten, die zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emisionen beitragen. Darüber hinaus arbeitet der Konzern an neuen Technologien und Lösungen, um den Anforderungen des Automobilmarktes gerecht zu werden. Im Bereich Forschung & Entwicklung werden daher verschiedene Produkte zur Lösung von komplexen Problemen im Fahrzeugbau entwickelt. Im Vordergrund stehen dabei Materialien und Herstellungsverfahren für Leichtbauteile auf dem neuesten Stand der Technik. Insgesamt verfügt die SHW AG über vier Produktionsstandorte in Deutschland sowie über weitere in Kanada und Mexico.

Aktienkurs: 34,25 EUR
Streubesitz: 53,34%
EPS 14/15e: 2,73/3,43
KGV 14/15e: 12,57/9,99
Dividende 14/15e: 1,21/1,15 EUR
Div.-Rendite 14/15e: 3,52%/3,35%

Einschätzung
Von den Kennzahlen her sehen alle Unternehmen attraktiv aus und sie sind allesamt in ihren Bereichen gut bis hervorragend aufgestellt. Einige haben jüngst sogar ihre Jahresprognosen bestätigt, andere liegen nahe dran. Was könnte also die Skepsis gegenüber derart niedrig bewerteten Aktien nähren? Ich denke, es sind die Kunden, denn die Automobilindustrie ist eine stark zyklische und konjunktursensible Branche. Und die Zulieferer hängen zu einem erheblichen Teil von den Autokonzernen ab. Schaut man nun auf die Meldungen der vergangenen Monate, dann sieht man, dass sich der Automobilzyklus längst abkühlt: laut dem europäischen Autoverband ACEA lag der Zuwachs im August mit 2,1 Prozent zum Vormonat deutlich unter dem des Juli. In den großen Absatzmärkten wie Deutschland und Frankreich wurden sogar weniger Wagen verkauft. Dazu kommt zunehmende Zurückhaltung in China und die Russlandsanktionen treffen die Hersteller mit voller Wucht. Die Konsequenz wird sein, dass sie bei geringeren Absatzzahlen einerseits weniger Teile von ihren Zulieferern beziehen werden und darüber hinaus auch wieder auf Kostenoptimierungspotenziale schielen werden. Und auch hier fällt schnell der Fokus auf die Zulieferer und deren Margen.

Fazit
Die Zulieferbetriebe scheinen auf den ersten Blick günstig bewertet zu sein, dennoch steht und fällt diese Einschätzung ja mit den zugrundeliegenden Kennzahlen. Und wenn man perspektivisch davon ausgehen muss, dass die Zulieferer weniger absetzen und ggf. zu niedrigeren Preisen, dann werden die bisher genannten Zahlen und Prognosen nicht zu halten sein. Die Folge der wohl zu erwartenden Reduzierungen wären höhere KGVs/Bewertungen - und der Kurs hätte letztlich nur die zu erwartenden Entwicklung vorweggenommen. Und dann wären die vermeintlichen Kaufkurse doch nur Zwischenstationen auf dem Weg zu wirklich attraktiven Einstiegskursen gewesen.

Unter Chance-Risiko-Aspekten drängen sich Neuengagements zurzeit eher nicht auf, auch wenn die aktuelle Kennzahlenlage anderes vermuten lässt. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Zulieferer die Börsenstars des Vorjahres waren und hohe Kurssteigerungen zu verzeichnen hatten. Diese korrigieren sie jetzt. Und "nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann", mahnte schon Peter Lynch.