Montag, 4. Juli 2016

Warren Buffetts goldende Regeln des Value Investings

"Die Disziplin eines Value Investors liegt darin, ein hervorragendes Unternehmen mit einem fähigen Management und guten Perspektiven zu finden – und auf den richtigen Einstiegskurs warten zu können. Damit hat es Warren Buffett schon auf den Punkt gebracht. Mehr ist es im Grunde nicht.

Investiere langfristig
Der Anlagehorizont sollte mindestens 5 Jahre betragen. Das erfordert Disziplin und Geduld, die Benjamin Graham als die oberste Tugend eines Investors bezeichnet. Warren Buffetts bevorzugte Anlagedauer ist "für immer" und so hält er seine größten Positionen  American Express, Coca Cola oder Wells Fargo  schon seit Jahrzehnten, durch alle Börsenturbulenzen hindurch. Er meint, "wer nicht bereit ist, eine Aktie 10 Jahre zu halten, sollte sie keine 10 Minuten besitzen". Und  Charlie Munger, Buffetts Partner bei Berkshire Hathaway, bemerkt: "Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn du abwartest". "Investieren ist, wenn du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt".

"Es ist möglich Geld - und zwar beträchtliche Summen - an der Börse zu verdienen. Aber nicht durch Käufe und Verkäufe, die man aufs Geratewohl startet. Die mächtigen Gewinne gehen dem intelligenten, sorgfältigen und geduldigen Investor zu. Kaufen Sie, wenn die Aktienpreise tief sind, und geben Sie die Papiere nicht aus der Hand. Eine große Schar von Menschen scheint diesen einfachen Grundsatz nicht zu erfassen. Sie fürchten sich vor Gelegenheitskäufen. Sie kaufen erst, wenn sie meinen, jedes Risiko vermieden zu haben. Meistens kaufen sie zu spät."
(Jean Paul Getty)

Wähle gezielt aus
Investiere nur in hervorragende Unternehmen, die von einem herausragenden Management geführt werden. Buffett formuliert es so: "Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis". Es geht also nicht darum, den günstigsten Einstiegskurs zu erwischen oder die Aktie mit dem höchsten Kurssteigerungspotenzial, sondern solide, stetig wachsende Unternehmen, die in einem gefestigten Markt tätig sind.

Konzentriere Deine Investments
Das Depot sollte nicht viel mehr als 10 Werte umfassen, sonst verliert man schnell den Überblick. Buffetts humoriger Rat zu diesem sog. "Focus Investing": "Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen".

Investiere viel in Wenige
Buffett meint, man müsse so viel Mut und Überzeugung aufbringen, wenigstens 10 Prozent seines Kapitals in eine Geldanlage stecken zu können. Ansonsten sollte man lieber gleich die Finger davon lassen. Und zum allseits beliebten Thema Diversifikation meint er, die wäre nur nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen würden.

Vermeide Panik, nutze sie!
"Der größte Fehler, den Anleger machen können liegt darin, Kauf- oder Verkaufsentscheidungen von den aktuellen Schlagzeilen abhängig zu machen", sagt Buffett. Dabei liegt es in der Natur des Menschen, mit der Herde laufen zu wollen. An der Börse ist dieses Verhalten jedoch teuer! "Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden", rät Buffett. Und er lebt es vor: so stieg er bei American Express oder der Washington Post ein, als diese in der größten Krise ihrer Unternehmensgeschichte waren. Buffett war überzeugt, dass das Management das Unternehmen durch diese Krise führen und zu neuer Größe führen würde. Die andren Anleger warfen die Aktien körbeweise auf den Markt, Buffett kaufte in großen Mengen. Und wurde so Milliardär. Auch bei Wells Fargo stieg er in einer Krisensituation ein oder bei Goldman Sachs und Bank of America während der Bankenkrise 2008. Gegen den Strom, gegen die Panik. "Ich kaufe gern, wenn die Kurse fallen. Und je stärker sie fallen, umso mehr kaufe ich", sagt Buffett und beim Kauf von Tomaten wird jede Hausfrau zustimmen. Aber bei Aktien? Die Herde kauft gerne, wenn die Aktien hoch gestiegen sind, nicht wenn es sie zu Ausverkaufskursen günstig einzusammeln gibt. Doch hierin liegt der Schlüssel zum Börsenerfolg: im antizyklischen Investieren, gegen den Strom der Börse zu schwimmen, sich der Psychologie der Massen, diesem Herdentrieb der Lemminge, zu widersetzen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    streuen ist zwar eine gute Sache, man sollte es aber nicht übertreiben mehr als 10 Aktien aus 4 unterschiedlichen Branchen reicht völlig aus. Es nervt, dass
    sogenannte Experten behaupten man sollte am besten über Fonds in hunderte
    Aktien investieren, die einzigen die davon profitieren sind die Fonds Emittenten nicht aber die Anleger.

    Value Investing funktioniert, weil sie die Aktie als das anerkennt was sie ist, eine unternehmerische Beteiligung, daher kann ich nicht verstehen warum so viele Leute denken man müsse mit Aktien traden, oder kannst du die das erklären?

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    1. Ich habe ja selbst auch ein konzentriertes Depot, in dem einige Werte den Großteil ausmachen und dann noch eine Reihe von kleineren Positionen etwas zusätzliche Würze reinbringen. Bei meinen Kernpositionen fahre ich auch ganz konsequent den "Beteiligungsansatz", bei den kleineren Positionen lasse ich durchaus auch mal den Spieltrieb durchkommen und setze auch mal auf kurzfristigere Kursbewegungen, z.B. wenn Quartalszahlen anstehen oder bei signifikanten Kurseinbrüchen, die ich nicht für gerechtfertigt halte, wie z.B. bei Genworth Financial oder Gladstone Capital.

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  2. Hallo Michael,

    was hältst du eigentlich von Eyemaxx Real Estate, die sind in den letzten Jahren stark gewachsen, haben aber leider einen negativen Cashflow, ich bin da skeptisch, oder gibt es bei Immobiliengesellschaften und auch bei Beteiligungsgesellschaften ausnahmen?
    Ein positiver Cashflow ist doch essenziell für ein Unternehmen. KTG Agrar ist ja insolvent, obwohl die stark gewachsen sind, der Cashflow war auch hier negativ. Die hatten allerdings ein fetten Schuldenberg angehäuft, deshalb habe ich die Finger von dem Unternehmen gelassen zum Glück!

    Hoffentlich kannst du mir weiter helfen. Danke

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    1. Bei KTG Agrar gab es seit Jahren negative Berichte, weil der Cashflow zu niedrig war und man operativ eben nicht genug verdient hat, um die horrenden Schulden bedienen zu können. Man hat dies durch Verkäufe bei Grundstücken kompensiert und die steigenden Grundstückspreise dann als Vermögenszuwachs und Beruhigungspillen für die Anleger vermarktet. Dass es Probleme spätestens bei Rückzahlung der Anleihe geben würde, war ziemlich offensichtlich - nun ist es bereits bei der Zinszahlung zum Kollaps gekommen, letztlich also "nur" früher als erwartbar...

      Zum Projektentwickler Eyemaxx kann ich nicht so viel sagen. Sieht auf den ersten Blick ziemlich günstig aus, aber der starke Fokus auf Fachmarktzentren in Zentraleuropa ist nichts für mich. Auch die neue Sparte Pflegeheime reißt mich nicht vom Hocker. Mit Seniorenresidenzen ist unterm Strich kaum Geld zu verdienen, auch wenn Investoren das gerne versprochen wird. Und es gibt bei Pflegeheimen ziemliche Überkapazitäten, denn die immer älter werdende Gesellschaft will lieber zuhause und ambulant gepflegt werden. Eyemaxx ist also eher keine Aktie für mich.

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