Montag, 29. April 2019

Warren Buffetts goldene Regeln des Value Investings

"Good business, good management, good price", das sind die Kernelemente einer guten Investition. Damit hat es Warren Buffett schon treffend auf den Punkt gebracht, denn mehr ist es im Grunde nicht.

Investiere langfristig

Der Anlagehorizont sollte mindestens fünf Jahre betragen. Das erfordert Disziplin und Geduld, die Benjamin Graham als die oberste Tugend eines Investors bezeichnet. Warren Buffetts bevorzugte Anlagedauer ist "für immer" und so hält er seine großen Positionen American Express, Coca Cola oder Wells Fargo schon seit Jahrzehnten, durch alle Börsenturbulenzen hindurch. Er meint, "wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, sollte sie keine zehn Minuten besitzen". Und Charlie Munger, Buffetts Partner bei Berkshire Hathaway, bemerkt: "Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn du abwartest. (...) Investieren ist, wenn du einige großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt".


Wähle gezielt aus

Investiere nur in hervorragende Unternehmen, die von einem herausragenden Management geführt werden. Buffett formuliert es so: "Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis". Es geht also nicht darum, den günstigsten Einstiegskurs zu erwischen oder die Aktie mit dem höchsten Kurssteigerungspotenzial, sondern solide, stetig wachsende Unternehmen, die in einem gefestigten Markt tätig sind.

»Es ist möglich Geld - und zwar beträchtliche Summen - an der Börse zu verdienen. Aber nicht durch Käufe und Verkäufe, die man aufs Geratewohl startet. Die mächtigen Gewinne gehen dem intelligenten, sorgfältigen und geduldigen Investor zu. Kaufen Sie, wenn die Aktienpreise tief sind, und geben Sie die Papiere nicht aus der Hand. Eine große Schar von Menschen scheint diesen einfachen Grundsatz nicht zu erfassen. Sie fürchten sich vor Kaufgelegenheiten. Sie kaufen erst, wenn sie meinen, jedes Risiko vermieden zu haben. Meistens kaufen sie zu spät.«
(Jean Paul Getty)

Konzentriere Deine Investments

Das Depot sollte nicht viel mehr als 10 Werte umfassen, sonst verliert man schnell den Überblick. Buffetts humoriger Rat zu diesem sog. Focus Investing: "Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen".

Buffett meint, man müsse so viel Mut und Überzeugung aufbringen, wenigstens 10 Prozent seines Kapitals in eine Geldanlage stecken zu können. Ansonsten sollte man lieber gleich die Finger davon lassen. Und zum allseits beliebten Thema Diversifikation meint er, die wäre nur nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen würden.

»Die Disziplin eines Value Investors liegt darin, ein hervorragendes Unternehmen mit einem fähigen Management und guten Perspektiven zu finden - und auf den richtigen Einstiegskurs warten zu können.«
(Warren Buffett)

Vermeide Panik - nutze sie!

"Der größte Fehler, den Anleger machen können liegt darin, Kauf- oder Verkaufsentscheidungen von den aktuellen Schlagzeilen abhängig zu machen", sagt Buffett. Dabei liegt es in der Natur des Menschen, mit der Herde laufen zu wollen. An der Börse ist dieses Verhalten jedoch teuer! "Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden", rät Buffett. Und er lebt es vor: so stieg er bei American Express oder der Washington Post ein, als diese in der größten Krise ihrer Unternehmensgeschichte waren. Buffett war überzeugt, dass das Management das Unternehmen durch diese Krise führen und zu neuer Größe führen würde. Die anderen Anleger warfen die Aktien körbeweise auf den Markt, Buffett kaufte in großen Mengen. Und wurde so Milliardär. Auch bei Wells Fargo stieg er in einer Krisensituation ein oder bei Goldman Sachs und Bank of America während der Bankenkrise 2008. Gegen den Strom, gegen die Panik. "Ich kaufe gern, wenn die Kurse fallen. Und je stärker sie fallen, umso mehr kaufe ich", sagt Buffett und beim Kauf von Tomaten wird jede Hausfrau zustimmen. Aber bei Aktien? Die Herde kauft gerne, wenn die Aktien hoch gestiegen sind, nicht wenn es sie zu Ausverkaufskursen günstig einzusammeln gibt. Doch hierin liegt der Schlüssel zum Börsenerfolg: im antizyklischen Investieren, gegen den Strom der Börse zu schwimmen, sich der Psychologie der Massen, diesem Herdentrieb der Lemminge, zu widersetzen.


Meine Lese-Tipps
▶ "Buffett. Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten" von Roger Lowenstein
▶ "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett und David Clark
▶ "Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren" von Lawrence A. Cunningham
▶ "Investieren mit Warren Buffett. Sichere Gewinne mit der Fokus-Strategie" von Robert G. Hagstrom
▶ "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" von Mary Buffett und David Clark
▶ "So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien" von James Pardoe
▶ "Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schroeder
▶ "Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist" von Gisela Baur
▶ "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom

Kommentare:

  1. Demnach wäre jetzt ein guter Einstieg bei Bayer, oder?
    Die ganzen Prozesse müssten ja weitestgehend schon eingepreist sein, das Unternehmen ist an für sich top. Das Management... Man weiß es noch nicht...

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    1. Bayer käme mir nun gerade nicht in den Sinn als Kaufkandidat. Für die Aktie spricht doch eigentlich nur, dass sie stark gefallen ist. Dagegen spricht, dass es dafür sehr handfeste Gründe gibt. Und zwar der Zukauf von Monsanto. Bayer hat sich hier ein Milliardenrisiko ins Boot geholt mit mehr als 10.000 anhängigen Klagen in den USA alleine wegen Glyphosat. Aber auch weitere Produkte stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und/oder die Umwelt massiv zu schädigen. Des Weiteren ist/war Monsanto in Deutschland sehr umstritten, weil man hier ständig genmanipuliertes Saatgut testen und in den Verkauf bringen wollte. Und in den USA hat man sich sehr fragwürdiger Methoden bedient, indem man gentechnisch "verbessertes" Saatgut an die Bauern verkauft hat, das gegen die eigenen Pestizide immun war - wenn aber der Landwirt dieses Saatgut nicht (von Monsanto) gekauft hat, sein Nachbar aber das entsprechende Pestizid auf seinen Feldern versprüht hat (und in den USA geschieht das immer noch gerne per Flugzeug), dann ist die eigene Ernte verreckt. Insgesamt kann man sagen, dass der "gute" Bayer-Konzern sein Image völlig in die Tonne gekloppt hat, weil man nun fast nur noch als böser Agrar- und Chemiegigant wahrgenommen wird. Von Buffetts Maxiome "good management, good business, good price" kann man das gute Management nicht bejahen und das gute Business auch nicht mehr. Und ob der Preis/Kurs wirklich gut ist, wird sich zeigen. Ich kann dem Unternehmen nicht mehr viel abgewinnen, die Risiken sind enorm, die Chancen durchwachsen und das Image ist auf Jahre verbrannt. Warum sollte man bei Bayer sein Geld investieren, wenn es doch so viele andere Unternehmen gibt, die solche Makel nicht aufweisen?

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  2. Weil die meisten so denken wie Sie... ist das genau mein Investmentcase. Klar macht man mit Bayer keinen 10bagger aber ein 2-3 bagger ist ist in den nächsten Jahren mehr als drin.

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    1. oder vielleicht auch nicht

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    2. Die Risiken sind bei/für Bayer doch überhaupt nicht einschätzbar - nicht nur die ggf. Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe, sondern auch das mögliche Verbot der betroffenen Mittel/Produkte. Der Imageschaden hingegen ist massiv und dauerhaft. Den wieder auszubügeln wird lange dauern - und solange das Glyphosat-Debakel anhält wird an eine Verbesserung des Images nicht zu denken sein. Insofern ist eine Verdopplung oder Verdreifachung des Kurses zwar "drin", aber das ist reine Spekulation, reines Zocken. Eine auf Wahrscheinlichkeiten und fundierten Annahmen beruhender Investmentcase ist das allerdings nicht. Und daher nichts für mich. Zum Zocken gibt's andere Glücksspiele...

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  3. Klassisches possibility vs probability Problem. Am Ende wird weniger pasieren als pasieren kann. Ich kaufe ein Unternehmen dass normalweise mit einem Multiple von ca. 20 gehandelt wird und vertraue auf die Macht des "regression to the mean". Bis dahin kassiere ich mehrere tausen Euro an Dividende jedes Jahr. Die meisten tun sich beim Investieren so schwer, weil einfach zu simpel ist.

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  4. Ein gutes Beispiel für schlechtes Image ist Rocket Internet. Eigentlich ein Unternehmen was sehr erfolgreich arbeitet. Aber das Image der Samwer hat sehr gelitten. Das der Kurs seit ein paar Jahren nicht wirklich vom Fleck kommt hat viel mit dem Image zu tun.
    Denn die Samwer Devise heisst: "Am Ende immer für mich" und das sie es können haben sie bewiesen und beweisen es immer noch und mit Rocket Internet kann man auf dem Samwer-zug aufspringen. Ich selber war auch bis letztes jahr dabei, aber ich habe bessere Unternehmen gefunden, die einfach ein besseres Image haben und genau so gut arbeiten.

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    1. Mich interessieren nur die cashflows und assets, alles subjektive kümmert mich nicht. Ich versuche auch nicht zu antizipieren wo der Kurs nächstes oder übernächstes Jahr steht. Ich kaufe auch Waffenproduzenten und Tabakkonzerne, wenn der Preis stimmt.

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    2. Moritz, du hattest mal bestimmte Kennzahlen genannt, für die ein Unternehmen für dich kaufenswert ist. Wie lauten die denn gleich nochmal? Und woher hast du diese? Persönliche Erfahrungen oder bestimmte Literatur?

      LG
      Djerun

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    3. Ich investiere strickt nach Anleitung, wie es Joel Greenblatt, David Dreman und Peter Lynch in ihren Büchern beschreiben. Vor allem versuche ich nicht schlauer als diese Jungs zu sein und erfinde das Rad nicht neu. Was man als Investor schon mitbringen muss ist Disziplin und vor allem viel Geduld und man sollte Volatillität nicht als Risiko (Beta) sondern Chance sehen. Jemand der nicht bereit ist zu akzeptieren, dass ein Großteil seines Vermögens sich zeitweise um mehr als 50% verkleinert, hat nichts an der Börse verloren. Ich hatte diese Woche in nur zwei Tagen einen Minus von ca. 10% und absolut eine ordentliche 6stellige Summe. Ende des letzten Jahres war ich ca 50% im Minus. Wenn man ein Small/micro- Contrairian Porfolio fährt, ist es nichts Ungewöhnliches und die für meisten auch nicht zu ertragen. Um den Markt langfristig outzuperformen muss man auch anders als der Markt handeln.

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    4. Hallo Moritz,

      ist nicht gerade Dreman letztendlich krachend gescheitert??

      Wo siehst du zzt. Chancen? Wäre ATVI ein Investment-Case für dich?

      Beste Grüße
      JK

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    5. Der Dreman ist ja nicht nur steinalt, sondern auch steinreich. So würde ich auch gerne scheitern... Ich weiß nur dass er seinen Fond verkauft hat und sogar an die Deutsche Bank glaube ich. Als er dann 2009 anfing Aktien aus dem Finanzsektor aufzusammeln hat er nicht bedacht, dass er nun Angestellter war und nun nicht mehr eigenständig investieren konnte, wurde er einfach rausgeschmissen... Contairian und Value funktioniert nicht, wenn man gekündigt werden kann. Das ist auch der Grund warum Buffet langfristig so gut performen konnte. Weil er nämlich nicht gefeuert werden konnte, wenns mal nicht so gut lief. Das hat er übrigens oft genug erwähnt.

      ATVI ist viel zu Teuer und in einer heißen Branche, also weder was für den Lynch noch für mich

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  5. Bin mit Bayer aber nicht verheiratet und gehe auch nicht davon aus, dass jedes Investment so läuft wie ich es mir wünsche. Wenn ich im Schnitt 6 von 10 mal richtig liege, bin ich mehr als zufrieden mit der Rendite.

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  6. Verstehe manchmal nicht, warum wir Deutsche mit den USA auf Milliarden-Euro-Ebene nie gute Erfahrungen sammeln bzw. haben können.

    Der Deal war, ist und wird schlecht - für Bayer. Punkt. Unglaublich viel Geld für ein Unternehmen das m. E. keine wirklichen Wettbewerbsvorteile aufzeigt und noch mit erheblichen rechtlichen Risiken verbunden ist. Selbst wenn alles klappen sollte, sehe ich dennoch keinen Mehrwert für Bayer. Entgeht mir da vielleicht etwas, Moritz? Oder ist für das Investment nur Zocken, als Hoffnung + fallender Preis = steigender Kurs..

    Kein Investment für mich, nicht mal fürs Zocken.
    Da ist mir die Deutsche Lufthansa fürs Zocken lieber, oder Südzucker.

    Allen viel Spaß beim Geld "verdienen".
    DennisDurmas

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