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Donnerstag, 9. Juli 2026

[Kissigs Börsentheater] Warren Buffett meint, das beste Geschäft sei eine Lizenzgebühr auf das Wachstum anderer. Einfach (und) clever...

Börsenlegende Warren Buffett erklärt, wie man einfach zu Geld kommt: "Das beste Geschäft ist eine Lizenzgebühr auf das Wachstum anderer, die selbst wenig Kapital benötigt". Man kann sich dann einfach zurücklehnen und das Geld anderer Leute für sich selbst arbeiten lassen. Je erfolgreicher sie sind, desto mehr Kohle streicht man dabei ein. Klingt (zu) perfekt? Schon möglich, aber, es gibt eine ganze Reihe von Businessmodellen, die genau auf diesem Konzept aufbauen.

Asset Manager fahren ein solches Businessmodel, da sie Provisionen für das Managen des Kapitals ihrer Investoren und auf die realisierten Gewinne erhalten. Apollo Global Management, BlackRock, Blackstone Group, Brookfield, KKR & Co sind Experten darin und je größer ihre Assets under Management (AuM) werden, desto besser skalierbar wird ihr Geschäft. In Deutschland finden wir hierzu mit Patrizia, einen weitgehend auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Asset Manager.

Lizenzgebühren erhält auch, wem Rechte gehören, zum Beispiel an Filmen oder Songs. Während der Corona-Phase fanden kaum Konzerte statt und so haben viele Künstler ihre Songbibliothek zu Geld gemacht durch den Verkauf ihrer Songrechte. Blackstone hat dazu Hipgnosis übernommen mit einem Bruttovermögen von rund 2,2 Mrd. Dollar an Musikkatalogen und Tantiemen mit so bekannten Künstlern wie Justin Bieber, Bob Dylan, Shakira, Bruce Springsteen und den Red Hot Chili Peppers. Inzwischen wurde Hipgnosis von Blackstone in Recognition Music umbenannt und ein Großteil der Songrechte an Sony Music Publishing veräußert.

Mit einem weiteren dieser Lizenzgebühr-Modelle haben wir es bei Börsenbetreibern und Brokern zu tun. Sie nehmen Provisionen ein, wenn Anleger aktiv handeln oder über Depotgebühren. Je aktiver Anleger sind, je größer ihr Depotvolumen, desto höher sind die Provisionseinnahmen. Die Deutsche Börse ist hier zu nennen, Charles Schwab und Intercontinental Exchange.

Ein weiteres Lizenz-Business spielt sog. "Royalties" ein und Mineral sowie Surface Rights - also umsatz- und/oder gewinnabhängige Erträge aus Landeigentum. So etwas wird vor allem im Rohstoffsektor vereinbart und ein "Royalty-Pure-Play" ist z.B. Texas Pacific Land, die riesige Gebiete im Permian Basin (Texas und New Mexico) halten, wo andere nach Öl und Gas bohren. Und an der Wasserver- und -entsorgung verdienen, ihr Land für Wind- und Solarfarmen zur Verfügung stellen - und für ein erstes KI-Rechenzentrumsprojekt von Chevron und Microsoft. Ins gleiche Horn, nur ohne Öl/Gas und ein paar Nummern kleiner, stößt LandBridge. 

Mein Fazit

Lizenzgebühren sind eine einfache Geschäftsidee. Einfach (und) clever. Und als Aktionäre können wir genauso einfach daran mitverdienen. Die Gewinne explodieren nicht, aber sie fließen stetig und sorgen so für einen anhaltenden Cashflow-Strom - und entfachen so über die Jahre ganz von selbst die ungeheure Kraft des Compounding. Echt simpel...

Disclaimer: Habe Apollo Global Management, BlackRock, Blackstone Group, Brookfield, Intercontinental Exchange, KKR, LandBridge, Patrizia, Texas Pacific Land auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

••• Überarbeite Fassung eines Artikels aus Juli 2023

Dienstag, 9. Juni 2026

[Einfach gedacht] Private Equity: Europas Rüstungsindustrie als neues Battlefield?!

Der europäische Rüstungssektor ist stark fragmentiert und das gilt ganz besonders für Deutschland. Viele mittelständische Unternehmen prägen das Bild und immer mehr von ihnen steuern auf das gleiche Problem zu: eine ungelöste Nachfolgeregelung.

Viele Gründer und/oder Firmeninhaber sind inzwischen in einem Alter, wo sie sich zur Ruhe setzen möchten (oder müssen) und im Gegensatz zu früheren Generationen ist es heute nicht mehr der Normalfall dass sich eine oder mehrere Mitglieder der Gründerfamilie in das "Familienbusiness" einsteigen und die Unternehmertradition fortsetzen. Also wird im schlimmsten Fall der Betrieb eingestellt und das Know-how geht verloren, oder es findet sich ein interessierter Käufer. Und da gibt es die Wettbewerber oder Firmen, die sich ein neues Standbein im inzwischen wieder boomenden Rüstungsbereich aufbauen wollen, oder aber Private Equity. Und das ist für die betreffenden Unternehmen oft Segen und Fluch zugleich.

Mittwoch, 20. Mai 2026

OHB geht steil – und KKR verzehnfacht mal eben seinen Einsatz

SpaceX strebt an die Börse und im Windschatten von Elon Musks Weltraumfirma heben auch alle anderen Space-Aktien ordentlich ab. Das ist bei der Bremer OHB nicht anders. Und "mein" Finanzinvestor KKR & Co. verdient daran ordentlich mit.

Die OHB SE führt eine Unternehmensgruppe, die sich zu den führenden unabhängigen Kräften in der europäischen Raumfahrtindustrie zählt. Das Geschäft ist in drei Segmente unterteilt. Im Segment SPACE SYSTEMS konzipiert, entwickelt und realisiert OHB komplette Raumfahrtsysteme, insbesondere erdnahe und geostationäre Satelliten für die Umwelt- und Wetterbeobachtung, die zivile und militärische Aufklärung, die Telekommunikation und die Navigation. Außerdem steht der Bereich Weltraumsicherheit im Fokus. Im Segment AEROSPACE werden kleine Trägerraketen entwickelt und gefertigt. Für große Trägerraketen, hauptsachlich für das europäische Ariane-Programm, werden wesentliche Komponenten, Tanks und Strukturen zugeliefert.

Das (noch halbwegs) börsennotierte Unternehmen war vor zwei Jahren im Wege eines "Going Private" von der Börse genommen worden durch die Gründerfamilie Fuchs und den Finanzinvestor KKR. Damals wurden 44 Euro je Anteil bezahlt und KKR hält seitdem 28,6% aller Anteile.

Nun explodieren die Geschäfte bei OHB geradezu und das nötige Finanzierungsvolumen steigt immens – OHB strebt daher zurück an die Börse. Und in diesem Zusammenhang will KKR den Großteil seiner Beteilung versilbern. Ein tolles Geschäft, denn KKR ließt den OHB-Einstieg seinerzeit 338 Millionen Euro kosten und dieser Anteil ist nach rund zwei Jahren aktuell knapp 3,5 Milliarden Euro wert!

Eine glatte Verzehnfachung in dieser kurzen Zeit ist auch für einen so erfolgreichen Finanzinvestor wie KKR kein Alltagsgeschäft und dürfte nach Vollendung zu einem stattlichen Ergebnisbeitrag führen: OHB wird nach der Kursvervielfachung nun mit rund 11 Milliarden Euro wert, während es KKR auf knapp 75 Milliarden Euro Börsenkapitalisierung bringt. Aber KKRs Assets under Management liegen bei 758 Milliarden USD per Ende März 2026. Da fällt OHB kaum auf. Aber in den Earnings von KKR wird man die Erfolgsprovision schon spüren.
Billig kaufen, teuer verkaufen ist KKRs Geschäftsmodell. Bei OHB hat sich das wieder einmal satt bewährt…

Disclaimer: Habe KKR auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Dienstag, 12. Mai 2026

[Einfach gedacht] RELOADED: Wie hoch sind die Risiken bei "Private Credit" wirklich?

"Die Risiken bei Private Credit steigen" lautete mein Intro, als ich mir die Situation vor einem halben Jahr angesehen habe. Und ich lag mit meiner Einschätzung relativ gut im Wind, auch wenn sich die Gründe für die stürmische See teilweise verändert haben. Die Folgen sind gleich geblieben und so haben die Anleger mit Schlagseiten und Wassereinbrüchen zu kämpfen. Aussicht auf Besserung besteht nicht - noch nicht. Erst dürfte es noch schlimmer werden, bevor es wieder besser wird. Aber das muss keine wirklich schlechte Nachricht sein...

Montag, 4. Mai 2026

[Einfach gedacht] Sell in May? Na klar doch, join the Losers Game...

Die Börsenbewertungen sind hoch und zumindest die US-Börsen feiern neue Rekordstände. Dennoch fühlen sich viele nicht mehr wohl mit den erreichten Kursniveaus und kramen die olle Börsen(un)weisheit des "Sell in may and go away" aus der Mottenkiste.

Das Argument dafür ist die unterschiedliche Börsenentwicklung in den beiden Jahreshälften: die sechs Monate zwischen November und April verbuchen statistisch gesehen deutlich größere Kurszuwächse als der Zeitraum zwischen May und Oktober abwirft. Und dann fallen eine Reihe von finsteren Börsencrashs in den Spätherbst sowie das Platzen der Dotcom-Bubble in den März, so dass es sich in dieser Zeit auch emotional zwiespältig anfühlt, investiert zu sein.

Also ist "sell in may" doch eigentlich ein guter Ratschlag? Ja! Wenn man unbedingt verlieren will...

Dienstag, 28. April 2026

Mit dem VanEck Dividend Leaders ETF einfach ganz entspannt satte Renditen einfahren?!

Anleger sind ständig auf der Suche nach Rendite und das am besten ohne Risiko. So ganz ohne geht das natürlich nicht, denn Chance und Risiko sind die beiden Seiten derselben Medaille. Also muss man Risiken akzeptieren und so geht es beim Investieren nicht um Risikovermeidung, sondern um Risikokontrolle, wie uns schon Benjamin Graham lehrte.

Doch wie wäre es, wenn man sich die Sache echt einfach machen könnte, und sein Geld so investiert, dass einfach immer mehr Geld aufs Konto zurückfließt, während die Risiken weitgehend gezähmt sind? Und dennoch die Chance auf zusätzliche Kursgewinne winkt? Gibt's doch gar nicht? Naja...

Freitag, 24. April 2026

[Einfach gedacht] Secondaries: Blackstone macht aus der Not eine Tugend - und eine Gewinnmaschine

Blackstone ist der weltgrößte Alternative Asset Manager. Das Geschäftsmodell ist dabei rein auf das Vermögensmanagement ausgerichtet und damit ein "Asset-light-Business", denn Investments mit eigenem Geld tätigt man  nicht. Das von Investoren eingeworbene Kapital investiert Blackstone in jede erdenkliche Gelegenheit, überwiegend aber in Unternehmen, Immobilien und "Private Credit". So generiert man einen Strom aus Provisionseinnahmen, der zu einen aus stetigen Managementprovisionen besteht für das Verwalten der inzwischen rund 1,3 Billionen Dollar an Assets under Management (AuM) sowie an Erfolgsprovisionen, also einer Beteiligung an Verkaufsgewinnen. Doch während die Managementprovisionen stetig und steigend sprudeln, stottert der Gewinnmotor bei Exits schon seit dem Boomjahr 2021. Und so verlegt sich Blackstone immer öfter auf Börsengänge seiner Beteiligungen und auf... Sekundärtransaktionen?!

Montag, 20. April 2026

[Einfach gedacht] Strafzollrückerstattungen laufen an: Geldsegen für Costco?! Und dann...

Donald Trump hatte eine wahre Strafzollorgie losgetreten und alles und jeden besteuert bezollt. Er behauptet weiterhin, die Zölle würden von den bösen ausländischen Unternehmen gezahlt, die die USA ausbeuten würden. Doch die Realität sieht anders aus, wie Erhebungen zeigen: gut 90% der Zölle werden an die US-Verbraucher weitergegeben, die damit (fast) die ganze Last trage. De facto erweisen sich die Zölle als verklausulierte Steuererhöhungen.

Das ist aber nicht der Grund, weshalb der Oberste Gerichtshof der USA am 20. Februar einen Großteil der Trump'schen Zölle für rechtswidrig erklärt hat. Nein, die Rechtsgrundlage war ist fehlerhaft, denn Trump hatte sich bei der Verhängung auf ein Gesetz über nationale Notstände aus dem Jahr 1977 berufen. Und das kassierte der Gerichtshof ein - mit Folgen. Denn die auf dieser Grundlage erhobenen Zölle sind rechtswidrig eingefordert worden und müssen an die Unternehmen zurückgezahlt werden. Und hier geht es um dreistellige Milliardenbeträge.

Gerichtsunterlagen zufolge hatten bis zum 9. April bereits fast 56.500 Unternehmen Schritte unternommen, um eine Rückerstattung der gezahlten Zölle in Höhe von insgesamt rund 127 Milliarden Dollar zu beantragen. Die US Customs and Border Protection (CBP) muss nun die Unterlagen zu mehr als 53 Millionen Wareneinfuhren in die Vereinigten Staaten prüfen und schätzt, dass 330.000 Unternehmen betroffen sind. Die gezahlten Zölle haben Einnahmen in Höhe von 166 Milliarden Dollar für den US-Haushalt generiert und müssen nun zurückerstattet werden.

Zwar verhängte Trump unmittelbar im Anschluss an das Urteil sofort neue Zölle auf Basis eines anderen Gesetzes, aber diese gelten erst ab dem Zeitpunkt des Erlasses. Eine Rückwirkung ist ausgeschlossen und so werden nun Milliarden fließen. Dabei gehört Costco zu den Unternehmen, die bereits frühzeitig auf Rückzahlung geklagt haben und sich als einer der größten Einzelhändler erhebliche Rückerstattungen ausmalen kann. Die Frage ist, was damit angefangen werden soll.

Während "normale" Unternehmen versucht sein könnten, die Zollrückerstattungen einfach einzusacken (zugunsten der Aktionäre), fährt Costco ja einen anderen unternehmerischen Ansatz, der auf "geteilter Skaleneffizienz" beruht: man verkauft nur an Mitglieder und erzielt durch die Mitgliedsbeiträge den Großteil seiner Einnahmen und Gewinne. Im Gegenzug gibt man alle Einkaufsvorteile an die Mitglieder weiter, zuzüglich eines geringen Aufschlags, so dass diese bei Costco immer am günstigsten einkaufen können.
Und diesem Ansatz logisch folgend, würde Costco die Zollrückerstattungen wohl eher nicht in Form einer Sonderdividende an die Aktionäre auskehren oder für ausgedehnte Aktienrückkäufe nutzen, sondern wohl eher den Mitgliedern erstatten durch eine Gutschrift auf ihre Mitgliedskarten - zumindest teilweise.

Aber auch das wäre eine großartige Idee, denn man würde damit die Mitgliedschaft aufwerten und das Vertrauen in Costco als Ort des günstig(st)en Einkaufens und der höchsten Kundenzufriedenheit weiter ausbauen. Mehr Mitglieder wiederum treiben das "Flywheel" noch stärker an und das kommt auch den Aktionären zugute. Also mir...

Disclaimer: Habe Costco auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Donnerstag, 27. November 2025

Leserfrage: "Was halten Sie von dem Angebot der PartnerFonds AG, deren Aktien in solche der Blue Cap AG zu tauschen?"

Heute bekam ich eine Leserfrage zur Blue Cap AG, wo ich ja einige Jahre Aktionäre war und fette Beute gemacht habe. Aber die Zeiten sind längst vorbei, denn nachdem Gründer und Chef Dr. Schubert die Aktienmehrheit verkauft hat, wendete sich alles zum Schlechte(re)n. Und bis heute hängen tiefschwarze Gewitterwolken über dem Unternehmen, denn das 27-prozentige Aktienpaket, das die PartnerFonds AG i.L. hält, soll muss unbedingt abgestoßen werden. Zur Not auch mit der Brechstange...

Mittwoch, 26. November 2025

Leserfrage: "Der Kurs von Costco fällt weiter. Was verschlechtert das Sentiment und wo siehst du die Bodenbildung?"

Ich bekam gerade eine Leserfrage zu Costco Wholesale, einem meiner liebsten und erfolgreichsten Investments. Gundula sorgt sich, weil der Kurs von Costco fällt und sie wollte von mir wissen, was auf die Stimmung drückt und wo eine Bodenbildung zu erwarten ist. Gute Fragen.

Ich hab zwar keine Christallkugel, die mir die Zukunft zeigt, aber das bedeutet nicht, dass ich mir keine Gedanken darüber machen würde, wohin die weitere Reise bei Costco geht...

Dienstag, 11. November 2025

[Einfach gedacht] Wie hoch sind die Risiken von "Private Credit" wirklich?

Die Risiken bei "Private Credit" steigen und wachsen sich zu einer systemischen Gefahr aus - so muss man schlussfolgern, wenn man den Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate glaubt. Und JPMorgan-Chef Jamie Dimon warnte bereits von "Kakerlaken" in den Bankbilanzen, nachdem Abschreibungen auf Kreditausfälle zunahmen. Dimon wird auch nicht müde, auf die Alternativen Asset Manager einzuprügeln - nachvollziehbar, denn die nehmen den Banken seit Jahren lukratives Geschäft weg.

Inzwischen nimmt das allerdings absurde Züge an, denn Dimons eigene Bank JPMorgan Chase hat sich bei der Kreditvergabe an Private-Equity-Sponsoren mit 47 Mrd. Dollar an Kreditfazilitäten für Fondsmanager sogar an die Spitze der Bewegung gesetzt. Nicht ganz überraschend, denn die Ratingagentur Moody's hat festgestellt, dass sich die US-Banken zu einer wichtigen Triebkraft von Private Credit entwickelt haben und im ersten Halbjahr 2025 rund 300 Mrd. Dollar an Darlehen für private Kreditfonds bereitstellten. Dabei leiten die Banken zunehmend Finanzierungen an private Kreditgeber weiter, anstatt sie direkt an hochverzinsliche oder nicht geratete Kreditnehmer zu vergeben, da sie dies als sichereren Weg ansehen, um am Wachstum der Anlageklasse teilzuhaben und gleichzeitig ein direktes Risiko zu vermeiden.

Wie es aussieht, hat Jamie Dimon Recht. Er spielt ja auch auf beiden Seiten des Netzes und kann damit irgendwie gar nicht falschliegen. Also blicken wir einfach mal darauf, wie führende Private Credit-Profis die aktuelle Lage einschätzen - und die Risiken...

Sonntag, 28. Juli 2024

[Einfach gedacht] (Kein) Drama, Baby?! Die Zinswende frisst sich auch durch dein Depot...

Seit vielen Jahren zeigen Technologiewerte allen anderen Branchen die Rücklichter. Wer die Magnificent Seven nicht im Depot hatte, verbuchte kaum Erfolge an der Börse. Und auch im laufenden Jahr geht bisher ohne NVIDIA nicht wirklich was. Doch das könnte sich jetzt ändern und wer sich falsch entscheidet, könnte viel Geld verlieren.

Es geht um die Zinswende. Die Inflation befindet sich auf dem Rückzug und US-Notenbank-Chef Jerome Powell steuert auf eine erste Zinssenkung zu. Vielleicht schon im September. Die Wetten dazu stehen inzwischen bei 80 %. Es geht nur um 25 Prozentpunkte, das ist für sich alleine genommen kein Game Changer. Außerdem zeigen Zinsänderungen immer erst mit sechs bis neun Monaten Verzögerung Wirkung in der Wirtschaft. Trotzdem wäre eine Zinssenkung ein starkes Signal und die Börsen laufen der Realität sowieso einige Monate voraus. Beides zusammen könnte also für einen Stimmungsumschwung sorgen. Und die Börsen haben bereits reagiert. So erlebten Technologieaktien einen ersten kleinen Ausverkauf, wobei der technologielastige NASDAQ fast 3 % verlor. Auf der anderen Seite stieg der breit gefasste Russel 2000 Index um über 3,5 % an.

Die Frage ist, ob dies die lang erwartete Wende ist. Denn eigentlich wechseln sich Technologiewerte und Value Aktien alle paar Jahre Börsenfavoriten ab, aber seit 2009 dominierend die Technologiewerte. Die Bewertungen klaffen dem entsprechend weit auseinander. Technologieaktien weisen oft KGVs von über 50 auf und nicht selten zweistellige Kurs-Umsatz-Verhältnisse. Nebenwerte und Value-Aktien wiederum sind so günstig bewertet wie seit 15 Jahren nicht mehr. Einige zu Recht, weil sie wirtschaftliche Probleme haben, aber viele werden auch einfach in Sippenhaft genommen. Und genau hier könnte sich eine große Chance auftun – wenn man es denn richtig anstellt...

Sonntag, 17. Dezember 2023

[Einfach gedacht] Der völlig unterschätzte Dividendenstar: Costco Wholesale aus einem anderen Blickwinkel

Costco Wholesale ist der drittgrößte Einzelhändler der Welt hinter Walmart und Amazon und seit Jahren fester und führender Bestandteil meines Depots. Gerade erst wurde wieder ein neues Allzeithoch markiert und erstmals die Marke von 600 Euro überschritten - und ein Ende das Wachstums ist nicht in Sicht. Costco war, ist und bleibt (zu) hoch bewertet, aber wer sich davon nicht abschrecken lässt und konsequent in den ab und zu stattfindenden Kurseinbrüchen einsteigt bzw. aufstockt, macht eigentlich nie was falsch: Im Frühjahr 2021 brach der Kurs auf knapp 250 Euro ein, Mitte 2022 auf 400 Euro und das ganze erste Halbjahr 2023 dümpelte der Kurs um die 450 Euro vor sich hin - ich habe hier jeweils aufgestockt, wobei ich natürlich nie den günstigsten Kurs erwischt habe. Aber das ist auch gar nicht nötig bei einer solchen Compounding-Maschine...

Samstag, 23. September 2023

Leserfrage: "Wie sehen Sie die aktuelle Situation bei Opendoor, ich mache mir Sorgen?"

Ein Blogleser stellte mir eine interessante Frage und ich habe meine Antwort mal in einen Artikel gegossen: "Können Sie bitte kurz etwas zu der aktuellen Situation von Opendoor sagen, ich mache mir Sorgen".

Eine verständliche Reaktion nach dem erneuten kräftigen Kursrücksetzer in den letzten Tagen. Nach dem Jahreshoch am 2. August bei 4,80 Euro hat sich der Kurs in sieben Wochen mehr als halbiert. Seit dem Jahresstart liegt er mit 2,40 Euro noch immer rund 125 % im Plus, aber das ist kein Trost für Anleger, die zu höheren Kursen eingestiegen sind und jetzt vielleicht satt im Minus liegen. Ich habe daher die Entwicklung mal aus meiner Sicht eingeschätzt...

Sonntag, 17. September 2023

Kissigs Kloogschieterei: Energie als Treiber

Die Energiepreise haben weitreichende Wirkungen auf unser Leben, die Wirtschaft, die Unternehmen, das Klima. Die globale Erwärmung ist eine Generationenaufgabe und die Menschheit tut – wie üblich – zu wenig zu spät. Ankündigungsminister Robert Habeck hat sein Heizungsgesetz durch den Bundestag gebracht und es ist ein zahnloser Tiger geworden. Anstelle des Verbots neuer Gasheizungen gibt es ein Weiter so – für Hausbesitzer und Bauwillige durchaus ein Grund zur Freude. Aber damit steht nun fest, dass Deutschland die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen nicht mehr einhalten kann. Aus. Vorbei.

(Fast) alles hängt am Ölpreis

Dabei stand natürlich immer schon fest, dass Deutschland das Weltklima nicht im Alleingang retten kann. Man muss nur auf die globale Nachfrage nach Öl sehen. 1985 lag diese bei rund 60 mb/d (Mio. Barrel pro Tag), 2023 wurde die 100er-Marke mit Schmackes durchbrochen. Eigentlich ging es immer nur weiter aufwärts. Die Globale Finanzkrise 2008 sorgte für einen kleinen Rücksetzer, Corona für zwei Jahre starken Rückgang. Aber das wurde längst wieder aufgeholt und überkompensiert und eben erst markierte Öl ein neues Mehrjahreshoch.

Dabei treibt Energie und besonders der Ölpreis die Preise an und damit die Inflation. Er stellt einen Bremsfaktor dar für die Unternehmen und die Wirtschaft, auch wenn US-Finanzministerin Janet Yellen weiterhin öffentlich an einem 'Soft Landing' der US-Wirtschaft festhält. Dank wieder steigender Inflationswerte, der 'zweiten Welle', mehren sich die Zweifler dieses Szenarios und die Aussicht auf eine harte Rezession findet wieder mehr Anhänger.
Anleger sollten sich darauf vorbereiten, dass die ruckeligen Zeiten noch länger anhalten werden. In Deutschland vollzieht die Konjunktur bereits eine kräftige Bauchlandung, in den USA hält sie sich noch wacker. Es scheint angeraten, auf Unternehmen zu setzen, die in solchen Phasen gut über die Runden kommen oder sogar von ihnen profitieren können. Das Prädikat 'Krisengewinner' kann man als Schimpfwort verstehen oder es nüchterner betrachten: als Chance...

Sonntag, 3. September 2023

Kissigs Kloogschieterei: Es ist (nur) die zweite Inflationswelle, also kein Grund zur Panik!?

Die Inflation hatte sich in den USA bereits der 2-Prozentschwelle angenähert, aber dann zog sie wieder an. Mit knapp 3 % ist sie zwar noch weit von ihrem vorherigen Höchststand entfernt, aber ihr Ansteigen löst neue Ängste aus, insbesondere vor einer zu harten Reaktion der US-Notenbank. Deren Chef Jerome Powell hat sich jüngst geäußert und die Inflationsbekämpfung weiter als oberstes Ziel herausgestellt. Dabei machte er jedoch auch deutlich, dass die FED die Entwicklung anderer Faktoren, wie die Wirtschaftsleistung, die Arbeitsmarktdaten und die Entwicklung der Mieten wieder stärker berücksichtigt, um die Gratwanderung zwischen Inflationseindämmung und Abwürgen der Wirtschaft bestmöglich hinzubekommen. Wie herausfordernd dies ist, benannte Powell ungewohnt deutlich:
"Wir navigieren nach den Sternen - bei bewölktem Himmel."
(Jerome Powell, August 2023)
Das Muster der Inflationsentwicklung ist schon lange bekannt: nach einer ersten Welle kommt es zur Beruhigung, dann folgt eine zweite Welle und schließlich eine kleine dritte. Die erste und höchste haben wir hinter uns gebracht, die zweite nimmt gerade Fahrt auf. Während die erste Welle aus den starken Preiserhöhungen herrührt, ist die zweite der Konsequenz daraus geschuldet: den Lohnsteigerungen. Denn die gestiegenen Preise belasten die Verbraucher, die mit Verzögerung dann höhere Löhne bekommen. Für die Unternehmen ist das ein zweischneidiges Schwert. Sie haben unter den hohen Einkaufspreisen gelitten und zumeist wenig an ihren Preiserhöhungen verdient. Und nun müssen die deutlich höhere Löhne bezahlen, so dass ihre Gewinne schrumpfen. Alle Faktoren bremsen die Wirtschaftsleistung, die auch noch mit höheren Zinsen und damit Kosten für Unternehmen und Bürger einhergeht. Also setzen die Unternehmen den Rotstift an und entlassen dabei auch Personal. Die höheren Löhne kommen also nicht allen zugute. Andererseits bilden die schlankeren und effizienteren Unternehmen die Basis für den nächsten Aufschwung.

Dienstag, 22. August 2023

[Einfach gedacht] Zeigt Berkshires wachsender Cash-Berg wirklich Buffetts Angst vor einem Börsencrash?

Warren Buffett hortet einen Cash-Berg von 147,4 Mrd. USD, wie seine Investmentholding Berkshire Hathaway Ende des 2. Quartals 2023 ausgewiesen hat. Ende März waren es noch 130,6 Mrd. USD und Ende 2022 sogar 'nur' 128,6 Mrd. Das ist ein neuer Rekord und angesichts der fulminanten Börsenrallye im 1. Halbjahr, dem bevorstehenden 'launischen Börsenherbst', herausfordernder Wirtschaftslage und wieder haussierender Crash-Prognosen deuten Beobachter dies gern als Buffetts Vorbereitung auf einen drohenden Börsencrash.

Aber das ist wohl eine Fehlinterpretation, denn (fast) alle Fakten sprechen eine andere Sprache...

Freitag, 10. März 2023

[Einfach gedacht] Investieren kann so einfach sein... wie das Pflanzen eines Baumes

Investieren ist wie einen Baum zu pflanzen: Man pflanzt und anfangs muss man sich ein bisschen drum kümmern, vielleicht düngen, ab und zu mal gießen. Dann der erste Spross, die Freude ist groß! Niemand würde doch jetzt das Bäumchen ausreißen, oder? Man lässt ihn einfach wachsen, bei Sonne, Sturm und Schnee. Ab und zu schaut man ihn sich mal an, erfreut sich an seinem Wachstum, bisweilen erstaunt darüber, wie weit er schon gediehen ist. Man lässt ihn wachsen und ab und zu denkt man sich, man könnte ihn auch fällen, das Holz verkaufen und damit schöne Profite einstreichen. Oder einfach nur Platz schaffen für einen anderen Baum. Weil der vielleicht noch schneller wächst und noch schöner wird. Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Dienstag, 23. August 2022

[Einfach gedacht] Bieten in einer Börsenkorrektur die größten Verlierer das größte Potenzial oder (immer noch vergleichsweise teure) Qualitätswerte?

Wir haben eine ausgewachsene Börsenkorrektur erlebt, das mieseste 1. Börsenhalbjahr seit 40 Jahren. Seitdem haben sich die Kurse wieder deutlich erholt und rückwirkend stellt sich der Einbruch als Kaufgelegenheit dar. Wie so oft und eigentlich immer in den letzten hundert Jahren. Denn langfristig steigen die Börsen, allen Katastrophen, Paniken und Crashs zum Trotz.

Doch nicht jede abgestürzte Aktie erholt sich wieder und egal, ob man bei steigenden oder fallenden Kursen Aktien kauft, es kommt stets darauf an, die besten, die richtigen Aktien auszuwählen. Aber woran erkennt man sie und bieten die am stärksten  abgestürzten Werte nicht auch die größten Erholungschancen? Nun, das kommt drauf an...

Sonntag, 3. April 2022

[Einfach gedacht] Eine Aktiendividende könnte das Dividendendilemma von Mutares lösen

Bei Mutares nähert sich die Hauptversammlung und damit rückt das Thema Dividende wieder in den Mittelpunkt. Denn Dividendenfans kaufen gerne Aktien von Unternehmen mit hoher Dividendenrendite. Zu denen gehörte Mutares in den letzten Jahren. CEO Robin Laik hatte bereits Mitte 2019 Mutares als "dividendenfreudiges" Unternehmen positioniert und die Dividendenrendite lag damals um die 10 %.

Doch Mutares hat erst vor einigen Monaten eine große Kapitalerhöhung durchgezogen und diese damit begründet, dass man "gerade jetzt in diesem Umfeld" eine Jahrhundertchance an Möglichkeiten vor der Nase hat. Auf der Buyside hat sich die Lage nun sogar noch verbessert. Auf der Sellside nicht. Hier will Mutares abwarten und keinesfalls zu niedrige Verkaufspreise akzeptieren. Richtig so! Aber... wenn man nichts verkauft, kommt kein Geld rein (außer durch die Ergebnisbeiträge bzw. Gewinnabführungen der inzwischen gut laufenden Töchter). Schüttet man nun also auch noch eine (zu) hohe Dividende aus, schmilzt das freie Kapital deutlich. Doch... genau das braucht man gerade jetzt, eben weil sich so viele Möglichkeiten bieten und Mutares fast überall zum Zuge kommen kann. Mutares hat damit ein Dividendendilemma.

CIO Laumann hat sich kürzlich hinsichtlich der Dividende für das Geschäftsjahr 2021 auch schon weit aus dem Fenster gelegt, als er eher "einen Fortschritt als einen Rückschritt" ankündigte. Ich hoffe, es werden max. 0,10 EUR auf die letztjährige Ausschüttung oben drauf gelegt. Ein Hintertürchen gibt es allerdings noch. Für 2020 gab es eine Basisdividende von 1,00 EUR je Aktie und eine ertragsabhängige Performance-Dividenden von 0,50 EUR. Theoretisch könnte Mutares also auf die Basisdividende auf 1,10 EUR anheben und die Performance-Dividenden entfallen lassen.

Meine Einschätzung

Mir wäre daher eine niedrigere Dividende lieber. Bei 1,10 EUR je Aktie läge die Dividendenrendite bei rund 4,8 % und damit wäre sie vergleichsweise attraktiv. Aus meiner Sicht hoch genug. Dies würde jedoch wohl vom Kapitalmarkt als Taschenspielertrick aufgefasst und als Kürzung wahrgenommen werden. Und Mutares will es sich wohl kaum mit seinen Aktionären verscherzen. Daher wird es wohl mindestens 1,50 EUR geben.

Mutares könnte natürlich auch so schlau sein, dass sie künftig eine Aktiendividende anbieten. So kommt/bleibt einiges von dem Geld im Unternehmen und steht weiterhin fürs operative Business zur Verfügung. Und das bisschen an Extraverwässerung sollte auch kein Problem sein.

Disclaimer: Habe Mutares auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.