Montag, 24. August 2015

Ist BB Biotech ein Investment wert?

"Die Geister, die ich rief"... So kann's kommen, mich erreichen immer mehr Leserfragen zu Einzelwerten, vermutlich ist das auch der großen Unsicherheit aufgrund der aktuellen Marktkorrektur geschuldet. Ich kann leider nicht jede Anfrage ausführlich hier im Blog beantworten, denn ich würde zu gar nichts anderem mehr kommen. Aber auf die eine oder andere versuche ich auch weiterhin, hier zeitnah einzugehen.

Die heutige Leserfrage betrifft die Schweizer Biotech-Investmentholding BB Biotech.

Profil

Die BB Biotech AG ist eine der größten Beteiligungsgesellschaften der Welt, die über ihre Tochtergesellschaften ausschließlich in Unternehmen der Bio- und Gentechnologie sowie der Pharmaindustrie investiert. Der Verwaltungsrat des Unternehmens, darunter ein Nobelpreisträger, verfügt über langjährige Erfahrung in der Biotechnologie und der pharmazeutischen Industrie. Für die Fundamentalanalyse und die Vermögensverwaltung der BB Biotech wird auf die Molekularbiologen, Ärzte und Finanzspezialisten der Bellevue Asset Management Gruppe zurückgegriffen. BB Biotech investiert ausschließlich in Unternehmen, die ein ausgezeichnetes Management, eine solide Wirtschafts- und Technologiebasis und eine gesunde Finanzstruktur aufweisen können. Beteiligungen sind unter anderem Dendreon, Lupin Pharmaceuticals, novo nordisk, Human Genome Sciences und Radius. (Quelle: comdirect.de)

Leserfrage von T.S.

Hallo Herr Kissig,
in der letzten Zeit kamen Sie dem Wunsch einiger Leser nach, ein Unternehmen aus Ihrer Sicht zu bewerten. Daher möchte ich auch einmal eine Anfrage an Sie stellen, ob Sie BB Biotech näher unter die Lupe nehmen könnten? Beteiligungsunternehmen scheinen doch einen gewissen Reiz auch auf Sie zu haben, denkt man an KKR, Blackstone oder Aurelius. Es wäre schön. wenn Sie bei Gelegenheit auf BB Biotech in Ihrem Blog eingehen könnten. Vielen Dank im Voraus.
Sommerliche Grüße aus Mallorca
T.S.

Meine Einschätzung
Bevor ich auf das Unternehmen eingehe, muss ich mal ein paar (er)klärende Worte vorweg schicken: ich habe nicht Medizin studiert, ich habe keine Ahnung von der Biotech-Branche und kann nicht einschätzen, ob ein in der Entwicklung befindlicher Wirkstoff auch Wirkung entfalten kann oder gar in den Genuss von Kostenübernahmen seitens der Krankenkassen kommen wird - nicht in Deutschland und andernorts schon mal gleich gar nicht. Ich fokussiere mich also ausschließlich auf das Unternehmen BB Biotech.

BB Biotech ist kein Fonds, sondern eine Schweizer Aktiengesellschaft, die allerdings verschachtelte Beteiligungsstrukturen aufweist (Sub-Holding-Domizile wie Curacao oder Mauritius) und so ihre Steuerquote unter die Schweizerische Gewinnsteuerquote von 7,8% drückt. Die Umsätze und Ergebnisse werden in Schweizer Franken (CHF) ermittelt, was ein mehrfaches Währungsrisiko beinhaltet: der weitaus größte Teil der Beteiligungen befindet sich in den USA, deren Ergebnisse werden in CHF umgerechnet und dann in EUR für deutsche Investoren.

Bis vor Kurzem war BB Biotech in Deutschland noch im TecDAX vertreten, musste diesen aber im Juni verlassen. Das hatte alleine börsenregulatorische Gründe, denn BB Biotech ist nicht nur in Deutschland, sondern auch an den Börsen in Italien und der Schweiz notiert. Doch nur wenn mindestens ein Drittel der Handelsumsätze an den Börsen Frankfurt und Xetra abgewickelt werden, kann eine Aktie Mitglied im TecDAX sein. Und diese Vorgaben erfüllte BB Biotech nicht mehr.

 BB Biotech (Quelle comdirect)
Die Biotechbranche
Um die Jahrtausendwende waren Biotechs neben Internet- und Telekommuniaktionswerten schon einmal die Börsenlieblinge und es kamen fast täglich neue Unternehmen an die Börse. Sie alle hatten gemein, dass sie in ganz frühen Phasen der Wirkstoffentwicklung steckten und Unsummen an Geld "verbrannten", während Gewinne allenfalls in weiter Ferne am Horizont auszumachen waren. Der Absturz beim Platzen der Dotcom-Blase zog auch die Biotechs mit und erst vor drei Jahren begann die Branche mit einem neuerlichen Hausse-Trend. Inzwischen gibt es neben den Frühphasen-Unternehmen auch viele gereifte Firmen, die mit Produkten am Markt sind und enorme Umsätze und gewinne machen. Das bringt eine ganz andere Qualität für Anleger mit sich, weil es nicht mehr nur um Hoffnungen und Phantasien geht, sondern um handfeste Ertragsaussichten und Unternehmensgewinne.

Für Anleger ist es allerdings schier unmöglich abzuschätzen, welche Sektoren besonders lukrativ sind (Krebs, Herz-Kreislauf, Hepatitis, HIV) und welche Therapieansätze bzw. Wirkstoffe hier wirklich Chancen bieten. Denn von 10.000 Wirkstoffen schafft es mal gerade ein einziger zum marktfähigen Medikament - und dieses eine Medikament muss dann in der Phase seines Patentschutzes die enormen Entwicklungskosten aller 10.000 Wirkstoffe mit verdienen. Im Durchschnitt liegen diese Kosten bei rund 1 Mrd. USD.

 (Quelle: BB Biotech) 
Expertise und Beteiligungen
Hier kommt BB Biotech ins Spiel, denn das Unternehmen beschäftigt eine Reihe von Experten, die sich genau hierauf konzentrieren und auf Basis von deren Einschätzung werden die Investitionsentscheidungen getroffen. Dabei investiert BB Biotech in einige wenige Ankerinvestments, also etablierte Firmen, die bereits Medikamente am Markt haben und somit Gewinne erzielen, und würzt das Portfolio mit einer Vielzahl von kleineren Beteiligungen. Dabei liegt der Schwerpunkt bei börsennotierten Aktiengesellschaften aus den USA, aber es finden sich auch europäische Unternehmen im Portfolio ebenso wie nicht-börsennotierte Werte. In der Regel ist BB Biotech in rund 35 Unternehmen investiert. Die 6 Ankerinvestments sind zur Zeit Celgene, Incyte, Isis Pharmaceuticals, Gilead, Actelion und Radius Health.

Geschäftszahlen des 1. Halbjahres
BB Biotech erzielte einen Nettogewinn für das 1. Halbjahr von 716.8 Mio. CHF (261.1 Mio. CHF fn der Vorjahresperiode), resultierend aus Dividendenzahlungen der Beteiligungen und vor allem aus Zuschreibungen aufgrund der deutlich gestiegenen Aktienkurse. So ist denn auch die relevante Steuerungsgröße der Net-Asset-Value (NAV), der im 1. Halbjahr um 21,5% in CHF, 38.7% in EUR und 29.1% in USD anstieg. Das verwaltete Kundenvermögen von BB Biotech stieg dank der Zuwächse im 2. Quartal bis Ende Juni auf ungefähr 4 Mrd. CHF.

Aufgrund der von mir bereits angesprochenen mehrfachen Währungsunsicherheiten sowie der starken Abhängigkeit von der Entwicklung der Aktienkurse der Beteiligungen ist es schwierig, die Gewinne für dieses Jahr und die Zukunft zu prognostizieren. Die Datenbank von Börse Online gibt den geschätzten Gewinn je Aktie für 2015 mit 30 EUR an und für 2016 mit 40 EUR, was zu KGVs deutlich unterhalb von 10 führen würde. Allerdings bleibt abzuwarten, inwieweit die aktuellen Börsenturbulenzen zu Revidierungen dieser Gewinnschätzungen führen werden. Die Dividendenrendite ist jedenfalls sehr attraktiv, denn zuletzt schüttete BB Biotech hier im März 11,40 EUR aus, was beim aktuellen Aktienkurs von 240 EUR eine Rendite von 4,7% p.a. ergäbe.

Abschlag zum NAV ist kein Kaufgrund!
Der Aktienkurs von BB Biotech notiert regelmäßig deutlich unterhalb des NAV, zumeist zwischen 10 und 20 Prozent. Dies alleine stellt allerdings keinen Kaufgrund dar, denn da der Abschlag dauerhaft vorhanden ist und nur leicht schwankt, ist auch künftig nicht davon auszugehen, dass dieser "Mehrwert" realisiert werden kann!

 BB Biotech (Quelle: comdirect) 
Fazit
BB Biotech setzt auf einen zukunftsträchtigen Markt, in dem auch Mehrwert geschaffen wird durch spektakuläre Firmenübernahmen. Insbesondere die großen Pharmakonzerne versuchen verstärkt, Biotech-Firmen mit attraktiven Produktpipelines zu übernehmen, um so eigene Forschung zu sparen und ihre eigene Medikamentenpipeline auf Vordermann zu bringen.

Die Aktienkurse der Biotechs sind sehr schwankungsanfällig, in beide Richtungen. BB Biotech bietet für Investoren, die sich mittel- und langfristig in diesem Segment engagieren wollen, eine attraktive Gelegenheit. Denn aufgrund der Zusammensetzung des Portfolios und der Expertise des Managements sichert man sich hier die besten Chancen im Markt. Dabei ist BB Biotech moderat bewertet und schüttet eine hohe Dividende an seine Aktionäre aus.

Allerdings sollte nicht unterschätzt werden, dass der Aktienkurs von BB Biotech extrem vom allgemeinen Börsenumfeld abhängt und von der Entwicklung der Biotech-Branche im Speziellen. Für Anleger, die hier investieren wollen, bietet sich ein Engagement in BB Biotech jedenfalls viel eher an, als in Einzelwerten dieser Branche.

Was ich nicht beurteilen kann ist, ob der Kurs bei 240 EUR und der aktuelle Zeitpunkt eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen. Dazu sind die Börsen aktuell viel zu nervös und das allgemeine Marktumfeld dermaßen negativ, so dass es ratsam erscheint, lieber noch einige Wochen abzuwarten, bis sich der Markt beruhigt hat. Ein Investment in BB Biotech erscheint aussichtsreich, wenn an der Börse wieder Zahlen und Fakten regieren und nicht Panik und Gier.

Kommentare:

  1. Interessanter Beitrag und Du hast Recht:
    Im Moment eine sehr schwierige und unübersichtliche Phase in eine solche Anlage zu investieren...
    Viele Grüße

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  2. Halli Hallo Herr Kissig, kennen Sie Stralem & Co. Senior VP Irene Bergman!

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    1. Nein, ich kennen weder die Firma noch die Dame.

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  3. Die gibt es schon länger als Buffett

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