Samstag, 14. Januar 2017

Kimberly Clark: Der unerkannte Champion

▸ Kissigs Kolumne vom 18. April 2016, Aktien Magazin 10/2016 

Manchmal gelingt Unternehmen ein echter Marketing-Coup, wenn nämlich das eigene Produkt zum Begriff wird. Der Pritt-Stift von Henkel ist so ein Geniestreich, Tesafilm von Beiersdorf oder der Edding. „Hast du mal ein Kleenex?“ ist auch so eine gängige Redewendung, wenn man mal ein Taschentuch braucht. Bei der Werbung kommt es ja darauf an, einen Markennamen bekannt zu machen und den Bedarf nach diesem Produkt zu wecken. Das geht ganz schön ins Geld, aber wenn man den Begriff Kleenex hört, weiß man sofort, um was es sich handelt und wofür man es braucht.

Was der Konsument in der Regel nicht weiß und was ihm auch völlig egal sein kann, ist der Hersteller dieses Produkts. Für Anleger hingegen ist diese Information Geld wert, denn wir sprechen von Konsumgütern, den langweiligen Dingen des täglichen Bedarfs, an die man nicht viele Gedanken verschwendet. Hier gibt es selten wirkliche Innovationen, Käufer campen nicht vor den Läden und es bilden sich keine langen Schlangen kreischender Teenager, wenn es mal wieder ein Produktupdate gibt. Und auch auf Partys wird kaum über Toilettenpapier oder Windeln gesprochen, da sind andere Themen hipper. Doch gerade diese kleinen Helferlein des Alltags, die jeder ständig benötigt, lassen Anlegerherzen höher schlagen, denn es besteht ein reger und steigender Bedarf, ohne selbst das alles verändernde Internet und der Drang in die mobile Welt ist keine Konkurrenz. Jedenfalls wäre mir bisher keine App bekannt, die beim Naseputzen helfen könnte und auch eine cloudbasierte Lösung scheint kaum vorstellbar…

Latente Goldgräberstimmung
Börsenaltmeister André Kostolany erinnerte immer gerne daran, dass während des Goldrausches nicht unbedingt die Goldsucher reich wurden, sondern vor allem diejenigen, die ihnen die nötigen Utensilien verkauften: Schaufeln, Spitzhacken oder auch Jeans. Das waren sichere Einnahmequellen, egal ob der Goldsucher nun auf eine Goldader stieß oder enttäuscht aufgeben musste.

In der Welt der nützlichen Nebensächlichkeiten ist Kimberly-Clark zuhause. Die Mutter des Kleenex wurde 1872 von John Kimberly, Havilah Babcock, Charles Clark und Frank Shattuck als Papierhersteller gegründet und expandierte hierauf aufbauend in viele weitere Bereiche. Neben den Konsumentenprodukten ist Kimberly-Clark besonders stark bei Hygiene- und Verbrauchsmaterialien positioniert und bei uns bekannte Marken sind u.a. Camelia, DryNites, Huggies, Kleenex, Servus oder Hakle. Die Produkte des Unternehmens sind eine gefühlte Selbstverständlichkeit, was dazu führt, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Nachfrage nicht sinkt. Wird das Geld knapper, spart man nicht unbedingt zuerst am Toilettenpapier.

 Kimberly-Clark Corp. (Quelle: finanzen.net
Dabei bestechen die Produkte durch ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis, sind nicht unbedingt billig, aber eben auch nicht zu teuer. Die große Nachfrage nach ihnen macht es auch für große Handelskonzerne wie Walmart interessant, sie im Sortiment zu haben. In Deutschland finden sich die Produkte nicht nur in den Supermärkten und Discountern, sondern auch in den Regalen der Drogerieketten und daher reißt der Absatz nicht ab. Nach Firmenangaben nutzen jeden Tag fast 25 Prozent der Weltbevölkerung Produkte von Kimberly-Clark. Und stetiger Absatz bedeutet einen hohen Cashflow und Cashflows sind das Treibmittel für die Börsenkurse, das sieht man auch beim Kimberly-Clark auf den ersten Blick. Geradezu wie an der Perlenschnur hochgezogen wirkt der Kurs, jede kleine Korrektur wird innerhalb kürzester Zeit wieder ausgeglichen und der Kurs steigt auf neue Höhen. Und das ist nicht verwunderlich, denn eine steigende und alternde Weltbevölkerung vergrößert ständig das Nachfragepotenzial nach den Produkten, dazu kommt der sich erst öffnende Markt in Asien, der hohes zusätzliches Wachstum verspricht. Neue Produktionsmethoden machen die Produkte weniger energieintensiv in der Herstellung und ressourcenschonender in der Produktion, was die Umwelt schont und auch die Kosten senkt.

Kimberly-Clark kommt nach der Abspaltung seiner Krankenhausbedarfssparte Halyard auf ein organisches Wachstum von 4 Prozent pro Jahr und erzielt eine Profitmarge von 19 Prozent. Das Management ist aufgrund des zweistelligen Wachstums in den Schwellenländern sogar so optimistisch, dass es kürzlich seine Gewinnprognose angehoben hat.

Noblesse oblige
Kimberly-Clark gehört zwar nicht dem Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten US-Unternehmen an der New York Stock Exchange an, aber man gehört zu einem anderen illustren Kreis, den sog. Dividendenaristokraten. Das sind jene Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividendenausschüttungen jedes Jahr kontinuierlich gesteigert haben und die daher als besonders solide und attraktiv für Renditejäger gelten. Kimberly-Clark hat kürzlich erst seine vierteljährliche Dividendenzahlung um vier US-Cents auf nun 92 US-Cents angehoben und damit das 44. Jahr infolge. Damit kommt das Unternehmen auf eine ansehnliche Dividendenrendite von 2,7 Prozent. 

Darüber hinaus verwöhnt das Unternehmen seine Aktionäre auch mit einem ausgedehnten Aktienrückkaufprogramm, wodurch die Anzahl der ausstehenden Aktien reduziert und somit der Gewinn je Aktie erhöht wird. Und je weniger Aktien es gibt, desto höher der auf jede einzelne Aktie entfallende Gewinnanteil. Die soliden Cashflows und die Aktienrückkäufe dürften ein Garant dafür sein, dass die Aktienkurse weiter steigen und auch die Dividendenausschüttungen.

Mit Kimberly-Clark legt sich der Anleger eine Aktie in sein Depot, die selbst in Krisenzeiten nur selten starke Kurseinbrüche hinnehmen muss. Das Geschäftsmodell ist beinahe als krisenresistent zu bezeichnen und daher hat sich der Aktienkurs immer wieder schnell von Rücksetzern erholt. Die Produkte sind immer gefragt und der demografische Wandel sowie die wachsende Weltbevölkerung lassen die Nachfrage weiter ansteigen. Eine Aktie, die man getrost für Jahre oder gar Jahrzehnte ins Depot legen kann, ohne dass man sich großartige Gedanken darüber machen müsste. Solide, bodenständig und renditestark, das sind – neben langweilig – die Attribute, die Kimberly-Clark auszeichnen und zu einem Basisinvestment für wertorientierte Langfristanleger machen.


In der aktuellen Ausgabe 01/2017 des Aktien Magazins findet sich ein brandaktueller Artikel von Tim Schäfer zu Kimberly Clark 

Kommentare:

  1. Naja, ich hätte eher gefragt: haste mal nen Tempo? Kleiner Scherz, der Artikel ist informativ.

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  2. Kimberley-Clark ist mir ein Begriff dank dieses Herrn: https://www.youtube.com/watch?v=nphHqdHYF3M

    Obwohl mir das Scott-Klopapier nicht gerade zugesagt hat. Es ist viel zu dünn. Ich hab mir eine Rolle aus den USA mitgebracht.

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  3. Ich hatte KMB etwa Ende Februar letzten Jahres gekauft, als ich mein Depot anlegte - und im Sommer ungefähr bei Null-Gewinn wieder verkauft (bei ca. 125€), weil ich auf Seeking Alpha ein paar negative Artikel gelesen hatte - das Papier sei überbewertet, hieß es da, die Aussichten nicht so gut. In diesen Tagen ist der Preis ziemlich gefallen, aber viele halten die Aktie immer noch ziemlich hoch bewertet. Persönlich denke ich, dass man jetzt einsteigen könnte, aber ich ziehe es vor, noch zu warten. Es ist ja gut möglich, dass - Trump-Euphorie-Unsicherheit und alles - eine Korrektur nicht mehr fern ist, und dann sollte auch dieses Papier noch mal rutschen.

    Jetzt ist es für mich so was wie Coca Cola - ich weiß, Buffett steht darauf - auch ein "Dividenden-Aristokrat" und ein Witwen-und-Waisen-Papier, dass wohl langfristig ziemlich sicher etwas abwerfen wird. Aber langfristig sind wir dann auch alle tot... sorry für den Defätismus.

    Übrigens, Du gibst die Dividende mit 2,7% and, auf Google finance sind es 3,21 - meintest Du nach Steuern?

    Und, noch was ganz anderes, ein Papier, zu dem ich gerade Informationen suche, ist die Carlyle Group LP - wohl auch eine Art Beteiligungsgesellschaft, sehr international agierend, und wie es scheint, nicht besonders hoch bewertet - die hatten wohl 2014 ihr großes Jahr, auch 2015 war nicht so schlecht, 2016 war mau - ich frage mich, ob es da bald wieder nach oben gehen könnte, denn finanziell scheinen sie solide. Meine Fähigkeiten, finanzielle Statements zu interpretieren, sind allerdings begrenzt. -Ach ja, die Dividende ist auf Google finance nahezu 12%.

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    1. Moin Lukas,
      diesen Artikel hatte ich Mitte April für das Aktien Magazin verfasst und daher sind nicht alle Zahlenabgaben auf dem neusten Stand. So viel zur Dividendenrendite. ;-) Als grundsätzliche Einschätzung zum Unternehmen fand ich den Artikel aber durchaus noch brauchbar - ich sage ja niemandem, dass er die von mir vorgestellten Werte kaufen soll. Meine Artikel sollen eher zum eigenen Überlegen anregen.

      Was die Carlyle Group angeht, kann ich Dir nicht weiterhelfen. Die Rechtsform ist eine L.P. (Limited Partnership) und mit der habe ich aufgrund der steuerlichen Problematik in Deutschland abgeschlossen (habe mich dazu vor knapp 9 Monaten bzgl. Blackstone Group LP ausgelassen, damals meine größte Depotposition und eines meiner Ankerinvestments). Wo LP drauf steht, schaue ich nicht mehr genauer rein, da dies für mich ein K.O.-Kriterium ist.

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    2. 1) Das ursprüngliche Veröffentlichungs-Datum hätte ich gleich sehen sollen, sorry. Und ja, der Artikel ist sicher noch relevant.

      2) Ich erinnere mich an Deinen Artikel zur Streichung von Blackstone, ich wusste nur nicht mehr, dass das mit der Rechtsform LP zusammenhing. Ich selbst habe meinen Wohnsitz im Ausland, da habe ich andere Bedingungen.

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