Dienstag, 25. Juli 2017

Was ist... ein Dividendenaristokrat?

Viele börsennotierte Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre am Erfolg durch Zahlung einer Dividende. Die Dividendenrendite spielt daher für die Anlageentscheidung eine wichtige Rolle, doch kann sie auch künstlich hochgehalten werden, um das Unternehmen attraktiver aussehen zu lassen, als es auf den zweiten Blick ist. Dann werden zum Beispiel 10 Cents je Aktie als Dividende ausgeschüttet, während im Geschäftsjahr nur 5 Cents verdient wurden oder gar ein Verlust anfiel. In diesem Fall geht die Ausschüttung zulasten der Substanz des Unternehmens und wenn dies mehrmals passiert, ist das Unternehmen irgendwann ausgezehrt.

Die sog. "Dividendenaristokraten" sollen hier Abhilfe schaffen, denn zu diesem erlesenen Club gehören nach der Definition von Standard & Poors nur die Unternehmen, die in den vorausgegangenen 25 Jahren in Folge ihre Ausschüttungen erhöht oder zumindest konstant gehalten haben. Das ist keine Kleinigkeit, da sich in regelmäßigen Abständen starke Kurseinbrüche oder gar Aktiencrashs an der Börse ereignen, die nicht selten auf wirtschaftliche Schwächephase folgen oder diese auslösen. Man denke nur zurück an die Dot-Com-Blase im Jahr 2000, die Terroranschläge des 11. September 2001 oder die Immobilien- und Finanzkrise 2008/2009 mit jeweils Kurseinbrüchen weit im zweistelligen Bereich und erheblichen negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. In solchen Zeiten die Dividenden nicht zu kürzen, ist schon eine Glanzleistung und verdient daher auch eine entsprechende honorige Auszeichnung, wie sie das Prädikat "Dividendenaristokrat" darstellt.

In Deutschland gibt es keine solche lange Tradition der Dividendenausschüttungen, da bei uns die Altersversorgung traditionell auf der Gesetzlichen Rentenversicherung fußt und nicht auf privater Kapitalvorsorge, wie z.B. in den USA. Dort hat sich also der Fokus schon frühzeitig auf steige und hohe, möglichst steigende, Dividendenzahlungen gerichtet und die ältesten Dividendenaristokraten zahlen bereits seit 125 Jahren kontinuierlich Dividenden.


Und weil sich in Deutschland kein einziges Unternehmen findet, dass diesen Kriterien entspricht (Fresenius hob für 2016 das 24ste Mal in Folge die Dividende an und Fresenius Medical Care das 20ste Mal) und in Europa auch nur wenige, werden hierzulande auch weichere  Kriterien¹ angesetzt, um dem Grundprinzip Rechnung tragen zu können. So müssen die Unternehmen

  • in jedem der vergangenen zehn Jahre eine Dividende ausgeschüttet haben,
  • in mindestens sieben Jahren muss diese stabil oder höher ausgefallen sein,
  • die Dividendenrendite muss bei mindestens 3,5 Prozent liegen
  • die Eigenkapitalquote mehr als 30 Prozent betragen und
  • der Verschuldungsgrad gering ausfallen. 

So werden nur die Unternehmen ausgewählt, bei denen eine auch zukünftig konstante oder sogar steigende Dividende zu erwarten ist, die durch unternehmerische Erfolge erwirtschaftet wurde.

Die Aktienanlage in Titeln, die zu den Dividendenaristokraten gehören, lohnt sich für Anleger gleich doppelt. Denn sie erzeugt nicht nur einen regelmäßigen Strom an Mittelzuflüssen auf das eigene Konto, sondern Betrachtungen über Jahrzehnte hinweg haben ergeben, dass sich Aktienwerte mit attraktiven Dividendenausschüttungen unter dem Strich besser entwickeln, als Nichtzahler. Und den Aspekt der Kursentwicklung sollte man bei der Anlegeentscheidung nicht außer acht lassen, denn er ist wesentlicher Teil der Gesamtperformance einer Geldanlage.


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¹ Diese Kriterien sind nicht fest definiert und können sich je nach individueller Vorliebe des Listenerstellers partiell unterscheiden; die hier aufgeführten Kriterien legt z.B. die DZ Bank für ihre Auswahl zugrunde.

Kommentare:

  1. Fresenius hat den Status des Aristokraten mittlerweile erreicht.
    Gruß
    Alex

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    1. Nicht ganz: für das Geschäftsjahr 2016 hat Fresenius die 24ste Dividendenanhebung in Folge vorgenommen. ;-) Habe es aber jetzt im Artikel erwähnt.

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  2. Danke für den Überblick! Ich entscheide beim Aktienkauf zwar selten nach den Dividenden, aber es macht am Ende die Kuh ja doch ein bißchen fetter. ;-)

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    1. Für mich sind Dividenden ein gutes Argument, aber eben nur eines von mehreren. Die mittel- und langfristigen Aussichten des Unternehmens in Verbindung mit seiner Bewertung stehen im Vordergrund und eine attraktive Dividendenrendite ist dann das I-Tüpfelchen oben drauf.

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