Donnerstag, 13. August 2015

Killt der Ölpreisverfall jetzt auch noch die Raffinerie-Margen?

Seit einem Dreivierteljahr darben die Ölproduzenten, weil der schnelle Absturz des Ölpreises Ende 2014 von über 100 USD je Barrel (WTI) auf unter 50 USD die US-Fracking-Industrie und die kanadischen Ölsand-Wäscher vor enorme Herausforderungen stellt. Denn ihre Fördermethoden sind sehr teuer und liegen oftmals zwischen 70 und 90 USD je Barrel. Die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen zeichnen die empfindlichen Einbrüche in den Bilanzen adäquat nach.

Und die Preise werden sich auch in absehbarer Zeit nicht erholen, wenn man der Weltbank folgt, die ein nochmaliges Absinken um weitere 10 USD vorhersagt, da der Iran als einer der großen Player zurück auf den Weltmarkt drängt. Wie zuverlässig allerdings die Öl-Prognosen der Weltbank in den letzten Jahren waren, hat Daniel Koinegg vom Bargain Magazin kritisch hinterfragt.

Relativ unbeschadet durch die Branchenkrise kommen bisher die großen Öl-Multis, was auch daran liegt, dass sie nicht nur Öl fördern, sondern zumeist auch im nachgelagerten Geschäft aktiv sind, z.B. den Raffinerien, wo das Öl weiterverarbeitet und veredelt wird. Denn Spuren von Öl steckt in Nahrungsmitteln, Kosmetik, beinahe in jedem Produkt, das wir im Supermarkt kaufen können. Wenn auch bisweilen nur in marginalen Mengen.

Wo jedoch sehr viel Öl drinsteckt, sind unsere Autos. Und ich meine nicht nur in den Teilen, sondern vor allem im Tank. Die Raffinerien machen aus Rohöl auch Benzin, das wir an den Tankstellen kaufen, um unsere Verbrennungsmotoren damit zu füttern. Und die Raffinerien haben in den letzten Monaten glänzende Geschäfte gemacht, ihre Margen sind sogar noch deutlich gestiegen - und damit auch die Profite, was den Ölmultis eine willkommene Kompensation in ihren Zahlenwerken beschert hat. Die Aktienkurse von ExxonMobil, Chevron, Royal Dutch Shell, BP usw. haben sich dem entsprechend weit weniger negativ entwickelt, als die der reinen Explorationswerte. Ganz zu schweigen von Phillips 66, die ausschließlich Raffinerien betreiben und ein großes Tankstellennetz unterhalten (in Deutschland die JET). Deren Aktienkurs erklimmt momentan neue Allzeithochs.

Benzin-Lagerbestände explodieren
Doch damit könnte bald Schluss sein! Denn während zuletzt die Lagerbestände bei Rohöl wieder leicht zurückgingen, explodierten sie hingegen bei Benzin. Sie lagen um 300.000 Barrel über den erwarteten 811.000 Barrel und das mitten in der Hauptreisezeit, wo die Treibstoff-Vorräte üblicherweise abgebaut werden.

Statt das viel zu billige Rohöl direkt einzulagern, nehmen viele Erzeuger wenigstens noch die noch einigermaßen intakten Raffinerie-Margen mit. Die Produktion von Benzin und Destillaten (darunter auch Diesel) steigt daher in Rekordhöhen und das wird zum Ende der Spitzenverbrauchssaison zu einem massiven Überangebot an Destillaten und Benzin führen, wenn es auf diesem hohen Niveau weitergeht. Die unvermeidliche Folge von Überangeboten ist ein starker Preisverfall auch bei den Endprodukten, wodurch auch dort die Margen zusammenschmelzen dürften wie Schokoladeneis im Sommer.

Für die Ölmultis eine schwierige Situation: drosseln sie die Raffinerie-Kapazitäten, um das Angebot dort zu kürzen und die Margen zu erhalten, steigen die Lagerbestände an Rohöl wieder deutlich an. Denn zusätzliche Nachfrage nach Öl scheint sich am Weltmarkt kaum zu bilden. Die andere Alternative wäre, weniger Öl zu fördern. Das würde die Lagerbestände nicht weiter ansteigen lassen, das Angebot reduzieren und den Ölpreis stabilisieren - aber eben auch tiefe Schneisen durch die Bilanzen der Ölmultis ziehen. Es könnte daher ratsam sein, auch die Aktien der Öl-Unternehmen zu verkaufen, die bisher relativ unbeschadet durch die Krise steuerten - oder gar von ihr profitierten, wie Phillips 66. Es ist nämlich gut möglich, dass deren Aktienkurse sich bald auf den gleichen Weg machen, wie die ihrer Branchenkollegen, der Öl-Ausrüster und Fracker.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen