Freitag, 27. Mai 2016

Blackstone, Carlyle, KKR: Fällt die Private Equity-Branche jetzt voll auf die Nase?

Die größtenteils amerikanischen Private Equity-Fonds, die auch freundlicher als Finanzinvestoren bezeichnet werden, haben ganz schön an Glanz verloren und ihre Aktienkurse befinden sich seit einem Jahr im Sinkflug. Die holprige Börsenverfassung macht ihnen einen Strich durch die Rechnung und die hohen Preise für Firmenbeteiligungen und -übernahmen ebenso. Dabei könnte das Umfeld eigentlich nicht besser sein, denn wegen des Niedrigstzinsniveaus werden die Finanzinvestoren mit Anlegergeldern geradezu überschüttet. Naja, wurden. Denn die Investoren verlieren zunehmend den Glauben in die Allmacht der Fondsmanager, auch bei schwierigen Börsenphasen attraktive Renditen einzufahren. Und so verzeichnen die PE-Fonds seit einiger Zeit Mittelabflüsse, was dazu führt, dass sie selbst weniger verdienen. Denn sie investieren ja nicht (nur) eigenes Geld in ihre Assets und Übernahmen, sondern vor allem Investorengelder. Und für das Verwalten und Investieren dieser Gelder beziehen die PE-Fonds Gebühren. Zumeist eine üppige Erfolgsprovision von rund 20% auf den erzielten Gewinn, aber auch um die 2% auf die Anlagesumme an Verwaltergebühren, unabhängig vom erzielten Ergebnis. Pro Jahr, wohlgemerkt! Und gerade dieses zweite Gebühr wird in Phasen, wo die Finanzinvestoren selbst keine attraktiven Erträge für ihre Kunden erwirtschaften, schnell zur Beutelschneiderei. Verglichen mit 0,1% auf dem Festgeldkonto sind 2% schon ziemlich üppig.

Während die Branche Mittelabflüsse zu verzeichnen hat, und zwar in zunehmendem Maße, schlägt sich Branchenprimus Blackstone vergleichsweise gut und legt sogar noch leicht zu. Allerdings erwartet Blackstone-Präsident Tony James einen branchenweiten Rückgang der AUM, der Assets under Management, von 25% in der nächsten Zeit. Und das wiederum reduziert nicht nur die Power, die die Finanzinvestoren dann für Käufe zur Verfügung haben, sondern auch empfindlich deren eigene Einnahmen aus Gebühren und Provisionen. Die Aussichten für Aktionäre der börsennotierten Finanzinvestoren, wie Blackstone Group L.P. oder KKR & Co. L.P. werden also trüber, der Gegenwind nimmt zu. Und zusätzlich dürften die hohen Verwaltergebühren nicht lange mehr zu rechtfertigen sein und das Vergütungsmodell der Finanzinvestoren stärker hin zu erfolgsabhängigen Provisionen ausgerichtet werden. Das wiederum wird einerseits die Gewinne der Finanzinvestoren und die für die Anleger erzielten ausschüttungsfähigen Gewinnen - und damit die Quartalsdividenden - heftiger schwanken lassen als bisher, und andererseits die PE-Fonds auch dazu veranlassen, öfter und schneller Gewinne bei Beteiligungen und Investments mitzunehmen, um eben diese Gewinne zu realisieren. Der eigentliche, smarte Ansatz von Blackstone und anderen ist aber gerade das antizyklische Agieren, dass sie sich besonders in den Branchen und Ländern umsehen, die total out sind und wo die preise am Boden liegen. Um nach Wiederentdecken dieser Assets durch den Markt dann Kasse zu machen und fette gewinne einzustreichen. Dieser Ansatz wird künftig schwerer durchzuhalten zu sein, denn er erfordert einen finanziell solide ausgestatteten Background und Geduld. Was in krassem Widerspruch steht zu dem Erfordernis, kurzfristig Gewinne erzielen zu müssen.

Es wird also (noch) schwieriger für die Private Equity-Branche und auch für ihre Anleger, insbesondere ihre Aktionäre. Der große Vorteil der Finanzinvestoren gegenüber den (über-)regulierten Banken und ihrem ausufernden Kostenapparat, schwindet. Ein möglicher stärkerer Börseneinbruch, z.B. aufgrund der traditionell schwächeren Sommer- und Herbstkurse und/oder eines möglichen Brexits, würde diesen Trend sogar noch verstärken. Die Börsenkurse der Finanzinvestoren würden dann überproportional betroffen sein, so dass es angeraten scheint, zunächst einmal das drohende Durchrütteln der Branche in den nächsten Monaten am Seitenrand abzuwarten, um dann anschließend günstiger die Aktien wieder einsammeln zu können. Antizyklisch eben...

Kommentare:

  1. Hallo,

    der Bericht ist aber sehr "negativ", besonders wo Sie Blackstone immer als Ankerinvestment beschrieben haben. Was raten Sie hier für die Zukunft? Raus aus den Hedgefonds und lieber den Fokus auf BDCs?

    beste Grüße
    Hannes

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    1. Moin Hannes,
      meine positive Sicht auf die Finanzinvestoren lag vor allem in den steigenden AUM begründet, aus denen sich die hohen Einnahmen (Provisionen und Gebühren) speisen, die dann als Erträge für die Aktionäre zur Verfügung stehen. Wenn nun der Blackstone-Präsident eine deutliche Warnung vor einem Rückgang von bis zu 25 Prozent der AUM in der Branche ausspricht, sollte man hellhörig werden - Tony James negativer Ausblick trifft nämlich genau die beiden Kernelemente, die für mich die entscheidenden Positivaspekte waren, losgelöst von den Börsenturbulenzen. Das hat mich daher sehr nachdenklich gemacht und auch vorsichtig, was die PE-Branche angeht. Jedenfalls bezogen auf die US-Größen.

      Alternativen sehe ich durchaus. Auf BDCs würde ich momentan auch nicht verstärkt setzen, deren Kurse haben sich gut erholt und hier bleibt abzuwarten, ob und in welchem Umfang ggf. Pleiten in der Öl- und Gasindustrie auch die von den BDCs finanzierten Unternehmen des Mittelstands in den USA treffen werden.

      Aber ich glaube weiterhin, dass sich die deutschen, kleineren Player in der PE-Branche gut schlagen und auch in ihren Spezialsegmenten weiter Kundengelder anziehen werden. Mit Aurelius, Deutsche Beteiligung, MPC Capital, Patrizia und Publity habe ich hier ja mehrere aussichtsreiche Werte, die im weiteren Sinn als Finanzinvestoren gesehen werden können, auf meiner Empfehlungsliste und alle mit der Einstufung "Kaufen".

      Was den amerikanischen Markt angeht, bin ich aktuell eher skeptisch. Anders als die deutschen Indizes stehen S&P und Dow nahe ihren Allzeithochs, obwohl sich die Unternehmensgewinne eher abgeschwächt haben. Die Bewertung der US-Märkte ist also vergleichsweise noch weiter angestiegen und dem entsprechend auch das Rückschlagspotenzial. Oder anders betrachtet: mögliche weitere Kurssteigerungen sind begrenzt, sofern nicht die Unternehmensgewinne deutlich anziehen. Das erwarte ich allerdings erstmal nicht, daher halte ich mich auch mit Investments in große US-Werte momentan eher zurück. Und auch das Steigerungspotenzial beim US-Dollar, das für deutsche Anleger in US-Werten (an deutschen Börsen) ja zusätzliche Chancen bietet, ist inzwischen eher begrenzt. Ein Absinken des Euros hin zur Parität erwarte ich in absehbarer Zeit nicht. Attraktiv bleiben hier Cisco, Corning und Starbucks. Und mit leichten Abstrichen auch Microsoft und Alphabet.

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    2. Hallo Hr. Kissig,

      Cisco würde mich aktuell auch interessieren. Bin dann aber doch noch zurückgeschreckt, der Wert ist die letzten Tage ja wirklich gut gelaufen. Ich hätte im Moment eher Sorge zu teuer zu kaufen. Ich hoffe da gibt es die nächste Zeit eher noch einen Rücksetzer der einen günstigen Einstieg ermöglich. Was meinen Sie?

      Dann wollte ich mal noch fragen ob Sie sich mal mit AT&T beschäftigt haben? Das scheint ein zuverlässiger Dividenden-Zahler zu sein. Nach den gängigen Kennwerten ist die Aktie auch nicht übermässig teuer.

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    3. Cisco... ist ein Infrastrukturwert mit enormen Cashflows und attraktiven Aktienrückkäufen. Die letzten Zahlen sind besser ausgefallen als erwartet, daher hat sich der Aktienkurs auch gut geschlagen. Ich denke, im Verlauf des Sommers/Herbstes werden wir bei einigen amerikanischen Blue Chips noch wieder günstigere Einstiegskurse sehen als heute. Ob es einen starken Rücksetzer geben wird, oder nur leicht niedrigere Kurse, weiß ich natürlich nicht.

      AT&T... gefällt mir nicht wirklich gut. Die haben Schwierigkeiten, ihre hohe Dividende mittels Free Cashflow zu verdienen. Ich würde hier generell den Wettbewerber Verizon (WKN: 868402) vorziehen, dessen Bilanz solider ausgerichtet ist und der von den Bewertungskennzahlen her in etwa vergleichbar aufgestellt ist. Auch Warren Buffett setzt auf Verizon, während er AT&T verkauft hat.

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    4. Hallo Hr. Kissig,

      herzlichen Dank für die wie immer schnelle und hilfreiche Antwort. Was mir bei den Kennzahlen von Verzion aufgefallen ist, die hohe Eigenkapitalrendite bzw. Verschuldungsgrad. Und die Verschuldung ist ja scheinbar erst in 2014 so stark hoch gegangen. Seit dem hat sich auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis stark in die falsche Richtung verändert. Ich konnte leider so auf die Schnelle nichts dazu finden. Sie scheinen schon etwas länger investiert zu sein, was ist denn da der Hintergrund? Und könnte die hohe Verschuldung ein Problem werden?

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    5. Alle US-Telekomwerte ersteiger(te)n neue Frequenzen und das zumeist über neue Schulden. Allerdings erwirbt man in den USA diese Lizenzen für die Ewigkeit, während sie in Deutschland ja nur für 10 oder 20 gelten und dann neu ausgeschrieben werden. Die US-Frequenzen stellen daher ein wirkliches Asset dar, da sie auch veräußerbar sind. Die Deutschen Frequenzen hingegen nicht; die Telekomfirmen können diese nur an die Regierung bzw. die Regulierungsbehörde zurückgeben, da an sie ja auch zumeist Ausbauziele und -verpflichtungen gebunden sind.

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  2. Hallo Michael,

    vielen Dank für das Update. Also Werte wie Triangle und Main Street eher auf Halten und lieber bei dt. Beteiligungsgesellschaften umsehen für neue Käufe.

    Beste Grüße
    Hannes

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  3. Hallo,

    da bin ich doch eher anderer Meinung. Gerade langfristig gesehen würde ich nach dem Rückschlag und dem derzeitig wieder normalen Kursnivieau ( siehe Chartbild!) doch eher wieder erste Positionen aufbauen oder gar nachkaufen. KKR will sich gerade von den WMF Investment trennen und bei Takata einsteigen, das hört sich gut an. Auch bei Blackstone bin ich eher positiv eingestellt.
    Herr Kissing, Sie waren ja auch aus steuerlichen Günden (Dividendenbesteuerung etc.) ausgestiegen, wie Sie erst letztens schrieben oder wie war das? Sollte man sich über solche Sachen nicht vorher informieren, bevor man Empfehlungen ausspricht?
    Das ist jedenfalls meine Meinung und stellt keine Anlageempfehlung dar, jeder sollte selbst wissen wo er sein Geld investiert und ob er auf Empfehlungen anderer hört!

    Gruß der Investor :-) !

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    1. Ja, man sollte sich umfassend informieren, bevor man investiert. Das betrifft auch die steuerlichen Aspekte. Dass die deutschen Finanzbehörden aber eine Änderung der Behandlung der Ausschüttungen der L.P.s vornehmen würden, konnte ich kaum voraussehen. Und auch nicht, welch großen bürokratischen Aufwand dies in der Praxis bedeuten würde. Künftig werde ich diesem Thema (Quellensteuer bei ausländischen Investments) aber eine größere Aufmerksamkeit widmen. So wie ich es auch bei Spin-offs tue, seitdem das deutsche Finanzamt diese Konzernaufteilungen "gerne" mal als Dividendenausschüttung behandelt und dann voll mit Abschlagsteuer besteuert. Auch hier habe ich mit der Zeit hinzugelernt. Meine Aussagen hier im Blog sind allesamt meine Meinung, keine glückselig machenden Wahrheiten, vor allem keine unumstößlichen. Jeder Anleger sollte sich umfassend informieren, bevor er Geld investiert - und sich seine eigenen Gedanken machen. So wie ich...

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    2. Martin Kellermann27. Mai 2016 um 12:52

      Was Spin-offs angeht, so gab es ja bei Google nach der Ausgabe der C-Aktien vor ca. zwei Jahren das Problem, dass die deutschen Steuerbehörden dies als Dividendenausschüttung bewerteten. In meinem Depot ist Google/Alphabet bis heute die größte Position - und ich beabsichtige nicht, diese zu reduzieren -, so dass dies eine ziemliche Einbuße bedeutete. Aber immerhin: Nach mehr als einem Jahr haben die Obersten Finanzbehörden diese Praxis im Juli 2015 zumindest für die seinerzeit öffentlichkeitswirksamen Fälle Google und Moeller-Maersk revidiert, und meine Bank hat die fehlerhafte Einbuchung korrigiert. Seither bin selbst nicht mehr von ähnlichen Fällen betroffen gewesen, aber offenbar verfahren die Steuerbehörden in anderen Fällen weiterhin in dieser Weise!?

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  4. Hallo Herr Kissig,
    obgleich Ihrer tollen Leistung mit diesem Blog finde ich ihren Umschwung bzgl. der PE-Gesellschaften schon etwas irritierend.
    Noch vor einigen Tagen hiess es, sie seien absolut überzeugt vom Geschäftsmodell und den Anteilen der PEs. Nun der 180°-schwenk?

    Tony James bezieht sich in seiner Aussage zudem auf Hedgefonds, für Blackstone (für die anderen kann ich nicht sprechen) macht dieser Teil Fonds aber nur knapp ein Viertel des Geschäfts aus. Langfristig gesehn sollte zudem doch die Zunahme der Geldmenge, speziell bei einem neuerlichen QE-Programm der FED, für weiter steigende AUM und somit Erträge sorgen. Blackstone versucht außerdem, gerade im Immobilienbereich Fonds aufzulegen, deren investierte Gelder möglichst niemals(überhastet) abgezogen werden können. Man setzt hier also auf Sicherheit und stetige Erträge und verzichtet auf starkes Wachstum und hohe Schwankungen.

    Sehe ich das falsch?

    Gruß

    Max

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    1. Moin Max,
      alles richtig verstanden, alles richtig dargestellt. Ich sage ja auch "nur", dass die Branche erhebliche Schwierigkeiten bekommen wird, wenn ihre Anleger wirklich erhebliche Gelder abziehen. Und dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies eintreten könnte, zunimmt. Erheblich. An der Alternativlosigkeit rentierlicher Anlagen hat sich nichts geändert. Und auch nicht daran, dass Banken keine Alternativen bieten und auch selbst zunehmend unter Druck geraten, ebenso die Versicherungen. Sie alle drängen aus ihrem angestammten Geschäftsfeld heraus in neue Bereiche vor, wo sie vermeintlich lukrative Anlagemöglichkeiten zu finden glauben. Manche geben ihr Geld lieber gleich Finanzinvestoren, als es selbst zu versuchen. Was prinzipiell ja schlau ist...

      Tony James bezieht sich auf Hedge Fonds und Blackstone finanziert diverse Hedge Fonds, stattet sie mit Geld aus. Dieses Geschäftsfeld steht massiv unter Druck - allerdings eben auch der Rest der Branche, die Finanzinvestoren selbst, denn auch diese haben ein ähnliches Vergütungsmodell, das sich aus einmaligen Erfolgsprovisionen speist und dann eben auch aus "starren" Verwalterprovisionen, die einen festen Prozentsatz auf die AUM ausmachen. Und hier sehe ich die Parallelen, auch die PE-Firmen wie Carlye, KKR und eben Blackstone haben zuletzt zunehmend Schwierigkeiten, die versprochenen Renditen auf die AUM zu erwirtschaften. Und damit steigt der Druck und die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Anleger Gelder abziehen und somit die AUM sinken. Blackstone hat sich hier bisher als echter Geldmagnet erwiesen und konnte seine AUM jedes Quartal weiter steigern, aber die Zuwachsraten sind doch merklich zurückgegangen über die letzten Quartale. Und eben auch die ausschüttungsfähigen Gewinne, die die Dividenden speisen.

      Ich bin und bleibe positiv eingestellt für die "alternativen Assetmanager", aber wenn ich die Verwaltergebühren bei Publity sehe, die 0,5% nehmen, und bei den großen "Star-PE-Firmen" aus den USA, wo das Drei- bis Vierfache üblich ist, dann tut sich hier eine große Lücke auf. Eine Lücke, die bei fast zweistelligen Renditen für die Anleger für wenig(er) Kritik sorgt, als wenn niedrige einstellige Renditen erwirtschaftet werden. Und die nächste Zeit ist hier nicht unbedingt mit Besserung zu rechnen, denn schaut man sich mal an, was am Markt los ist, dann sieht man die Probleme der großen US-PE-Firmen. Sie bekommen schlicht keine guten Targets mehr zu akzeptablen Preisen, da die Chinesen alles wegkaufen, was sich auf dem Markt befindet. Zu jedem Preis. Und wenn Blackstone 80 Mrd. an "Dry Powder" hat, dann ist das ein enormes Potenzial, das sich in AUM und in Erträge umsetzen ließe - sofern etwas Vernünftiges zu akzeptablen Preisen verfügbar wäre. So bleibt man aber zunehmend auf dem Cash sitzen und dann erwirtschaftet es eben keine Renditen für die Anleger, die aber dennoch die üppigen Gebühren zahlen müssen.

      Die von mir angeführten deutschen Assetmanager sind viel kleiner und in Nischen tätig. Des Weiteren haben sie eine viel moderatere Gebührenstruktur und daher haben sie diese Probleme noch nicht in gleichem Maß. Hier bieten sich noch enorme Chancen. Und die deutschen Aktien sind durch die Bank weg nicht so hoch bewertet wie die US-Werte. Diese Gemengelage lässt mich aktuell weniger die US-PE-Firmen als lukrative Investments ansehen, als die deutschen Spezialwerte Aurelius, Deutsche Beteiligung, MPC Capital, Patrizia und Publity.

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  5. "alles richtig verstanden, alles richtig dargestellt. Ich sage ja auch "nur", dass die Branche erhebliche Schwierigkeiten bekommen wird, wenn ihre Anleger wirklich erhebliche Gelder abziehen" Damit haben Sie ja recht, und auch damit, dass die Wahrscheinlichkeit zunimmt, aber ist sie dennoch schon so groß, dass man davor warnen muss? LG, Julia

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  6. Ich habe Ihren Blog erst vor ein paar Monaten gefunden und bin eigentlich sehr beeindruckt von Ihren detaillierten Analysen, zu den von Ihnen besprochenen Titeln. Allerdings irritiert auch mich immer stärker dieses hin und her in letzter Zeit. Ich habe mich durch so manche Seite hier gewühlt, mit Interesse den Artikel inkl. Diskussion zum Thema Stopp Loss verfolgt und über so einige Sprüche der Börsen-Gurus reflektiert. Alles hier zeigt irgendwie weg vom kurzfristigen Trading und Hit-and-run, hin zu langfristigen Investieren.

    Darum irritiert mich dieses U-turns die letzte Zeit doch ein gutes Stück. Das soll jetzt weniger als Kritik, sondern mehr als Reflektion verstanden werden. Ich möchte das gerne besser verstehen.

    Sie haben z.B. noch im Herbst vergangenen Jahres die Aareal Bank als "Die vermutlich solideste - und attraktivste - Bankaktie auf dem deutschen Kurszettel." bezeichnet, nur um wenige Monate später mehr oder weniger in einen Abgesang der ganzen Banken-Branche einzustimmen und spontan die komplette Position mit Verlust zu verkaufen. Seit dem ist der Wert immerhin noch um 10 Prozent gestiegen und hat vergangene Woche eine dicke Dividende ausgeschüttet. War das nicht irgendwie recht impulsiv?

    Bei Western Digital meinten Sie ja schon selber irgendwie auf dem Irrweg gewesen zu sein.

    Nun kommt aber noch Blackstone dazu, von denen Sie als "Langfristinvestor" kräftig Aktien gekauft haben und letzten Sommer meinten, "dass Blackstone noch ganz erhebliche Werte im Keller schlummern hat und dass man sich dort sehr gut darauf versteht, die jeweiligen Chancen und Risiken, die sich weltweit und in verschiedenen Branchen und Asset-Klassen bieten, zu bewerten und auszunutzen.". Noch im März war das eines Ihrer "Ankerinvestments" von dem Sie sich nun eigentlich aus steuerlichen Gründen getrennt haben. Doch plötzlich folgt auch hier, scheinbar nach einer Bemerkung von "Tony James", ein erneuter spontaner Abgesang auf die gesamte Branche.

    Herr Kissig, um mich zu wiederholen, mich irritiert das. Sind denn Ihrer Meinung nach die Zeiten so turbulent das dies zu so einem hin und her führt? Mich erinnert das immer mehr an diese impulsiven Verkaufs-Orgien der Börse wenn eine Unternehmen auch nur die Vorzeichen eines Schnupfen zeigt. Ich dachte eigentlich genau dem wollen Sie als Langfristinvestor entkommen?

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    1. Martin Kellermann29. Mai 2016 um 11:00

      Vielen Dank für diesen sehr instruktiven Beitrag!
      Auch ich lese diesen Blog seit einigen Monaten mit großer Begeisterung und halte ihn für das mit Abstand beste Forum seiner Art im deutschsprachigen Raum. Und auch mich haben in den letzten Wochen die gleichen Irritationen beschlichen, schon bei Aareal und SHW, mehr noch bei Blackstone, besonders dann aber bei Herrn Kissigs Überlegungen zu Nanostart.
      Allerdings, so muss ich einschränken, stört mich das nicht im Geringsten! Im Gegenteil: Es ist genau diese Offenheit und Bereitschaft zur Selbstkritik, die diesen Blog auszeichnet - ganz im Gegensatz zu den meisten "professionellen" Börsenkommentatoren, insbesondere den Tradern im DAF, die heute dies, morgen jenes erzählen und dann ggf. die abenteuerlichsten Begründungen herbeifabulieren, wenn das Prognostizierte nicht eintritt, aber selten irgendeinen Zweifel erkennen lassen.
      Jeder Privatinvestor, der sich von dieser medialen Berieselung unabhängig machen möchte und sich daher lieber an Buffett, Graham, Lynch etc. orientiert, hat aber doch mit den gleichen Unsicherheiten zu kämpfen: Man stellt Überlegungen an, kommt zu gewissen Ideen und investiert dann irgendwann, wenn man glaubt, dass die eigenen Thesen stimmig sind. Aber Hand aufs Herz: Wer kann sich schon frei machen von Zweifeln, Fehlentscheidungen, etc., insbesondere als bestenfalls halbinformierter Laie? Wer ist schon vollständig über alle steuerlichen Besonderheiten informiert? Wer tappt nicht hin und wieder in irgendeine Falle, gerade bei Small oder gar Micro Caps?
      Daher profitiere ich persönlich mehr von einem offenen, nicht kommerziellen Diskurs über die Hintergründe von Entscheidungen als von den (häufig windigen) "Empfehlungen" in den üblichen Börsenmedien.
      Und ich vermute, Herr Kissig wird im Moment genau von den Fragen umgetrieben, die mein Vorredner am Ende aufwirft.

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    2. Die "Schwierigekiet" liegt u.a. darin, dass ich in diesem Blog einerseits eine Empfehlungsliste führe und regelmäßig über diese Unternehmen berichte. Darüber hinaus habe ich auf rege Nachfrage hin hier auch meine (u.U. davon abweichenden bzw. diese ergänzenden) Depotaktionen eingestellt, zumeist im Investor-Update. Das führt zu Irritationen, gerade bei Neulesern des Blogs. Grundsätzlich geht es um langfristiges Investieren und um Buy & Hold. Ich habe jedoch bereits mehrfach über die letzten Jahre ausgeführt, dass ich auch einen gewissen "Spieltrieb" habe hinsichtlich meiner Aktienengagements. Manche Leute eröffnen hierfür ein zweites Depot, ich habe meine Aktien alle in einem. Daher habe ich meine Langfristpositionen, die ich seit Jahren nicht verändert habe (allenfalls stocke ich mal ab und zu auf oder reduziere eine Position, weil ihr Depotanteil durch Kurszuwächse zu große geworden ist) und auch kurzfristige Chancenwerte, gerade bei Kursabstürzen aufgrund von negativen Nachrichten, bei denen ich davon ausgehe dass sich der Kurs relativ schnell wieder erholen wird. Ströer war eine solche Spekulation, Amazon auch. Ich berichte auch mal über diese Aktien und meine Investments, aber diese "Trades" fallen natürlich nicht unter Value Investing oder Buy & Hold. Ich ringe imemr wieder mit mir, ob ich diese Trades überhaupt hier darlegen soll, eben weil dies im Hinblick auf die eigentliche Ausrichtung dieses Blog missverstanden werden oder zu Irritationen führen kann.

      Aareal Bank...
      ist die beste und solideste Bank in Deutschland. Ich habe sie von der Liste gestrichen (hier die ausführliche Begründung), weil die gesamte Branche unter Druck gerät durch die FinTechs, die Regulierung und die möglichen hohen Abschreibungen bei den Ölinvestments. Dazu ist noch die Wohnraumkreditrichtlinie gekommen, ein neue gesetzliche Regelung, die das Vergeben von Immobilienkrediten an Privatpersonen erheblich erschwert. Also genau das florierende Kerngeschäft der Aarealbank torpediert. Ich halte es hier mit John Maynard Keynes, der sagte: "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung". Wenn man also in eine Bank investieren möchte, dann bitte in die Aareal Bank. Mit Abstrichen vielleicht noch die Deutsche Pfandbriefbank oder die Merkur Bank. Aber die Branche an sich halte ich inzwischen für schlecht ausbalanciert, was das Chance-Risiko-Verhältnis angeht.

      weiter mit Teil 2

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    3. Teil 2

      Blackstone...
      Die beiden US-Finanzinvestoren Blackstone und KKR habe ich nichtvon der Empfehlungsliste und aus meinem Depot gestrichen. Ich habe aufgrund der steuerrechtlichen Andersbehandlung der MLPs und L.P.s seitens der deutschen Steuerbehörden alles entsprechenden Aktien gestrichen. Aus diesem Grund traf es auch Blackstone und KKR. Ich kann ja nichts daran ändern, dass mein Ankerinvestment Blackstone sich nun für mich aus diesen Gründen zu einem No-Go entwickelt hat. Es war und ist für mich aber auch keine Alternative, dann einfach nichts zu tun...

      Meine grundsätzlich positive Einstellung zu der Branche besteht weiterhin! Ich hatte allerdings beim Mitteilen der Verkäufe/Streichungen (Begründung hier) als mögliches Alternatives Investment einen ETF angesprochen, denn als Anleger entfällt dann die Steuerproblematik, da diese von dem ETF-Anbieter abgehandelt wird und man "ganz normale" Erträge wie bei einer DAX-Aktie erhält. Bisher habe ich bei dem ETF jedoch noch nicht zugeschlagen und das hat (auch) seinen Grund darin, dass die Priavte Equity-Branche evtl. vor einer turbulenten Phase steht. Weil sie nämlich seit einiger Zeit schlechtere Ergebnisse erwirtschaftet, als ihre Investoren erwarten. Und das dazu führen kann, dass Investoren Gelder abziehen. Tony James, immerhin Preäsident von Blackstone!, hat jetzt selbst noch einmal ausdrücklich davor gewarnt. Auch wenn er zuvorderst die Hedge Fonds meint (die Blackstone aber gerne und regelmäßig mit Geldern versorgt). Und dann steht noch eine mögliche Erschütterung wegen des Brexit-Referedums an und die ohnehin "schlechtere" Börsenzeit bis in den herbst hinein. Aus diesen Gründen steht für mich aktuell kein Investment in den PE-ETF an. Ich denke, dass man hier in den nächsten Wochen günstiger zum Zugriff kommen kann.

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    4. @Martin Kellermann

      Nun, bei SHW hat sich meine Spekulation voll ausgezahlt und ich hätte die Aktien auch weiterhin gehalten, aber... der Abgasskandal bei VW hat alles verändert. VW ist der mit Abstand größte Kunde von VW, das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich also dramatisch verändert. Und dann ist ein Nebeneffekt des Abgasskandals, dass die gesamte Autobranche stark Richtung E-Mobilität umgeschwenkt ist. Kein Geschäftsfeld von SHW und daher ein weiterer kritischer Punkt. Ich habe mich hier mit BYD, Delignit und MBB aussichtsreich positioniert. Aber den VW-Abgasskandal und die sich dadurch dramatisch verändernden Rahmenbedingung konnte ich bei meinem Einstieg nicht vorhersehen. Trotzdem kann ich sie ja nicht ignorieren und muss meine langfristigen Investments doch auch daraufhin abklopfen, ob die ursprünglichen Prämissen noch gelten, deretwegen ich eingestiegen bin. Und bei SHW ist das nicht mehr der Fall.

      Die grundsätzliche Kritik, dass (auch) ich nicht langfristig genug investiere und mich (noch) zu häufig aus dem eigentlichen Konzept bringen lasse, stimmt allerdings. Ich bin nicht perfekt, ich versuche an meinen Fehlern zu arbeiten und besser zu werden. Ich freue mich daher über die Kritik, auch wenn sie mir nicht gefällt, aber sie bringt mich weiter. Hier muss ich an den weisen Oscar Wilde erinnern, der sagte: "Es ist leichter über Geld zu schreiben, als Geld zu machen". Im Grunde bin ich ein einfacher Aktieninvestor und nur als Nebenprodukt ein Schreiberling, der über seine Investments berichtet und über die beste Art des Investieren philosophiert: das Value Investing.

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    5. Hallo Michael,

      an der Stelle möchte ich einmal ein ganz großes Lob für Dein Blog aussprechen. Ich lese es regelmäßig und erhalte hier viele Anregungen. Es ist aber doch so: jeder muss selbst darüber nachdenken, was er kauft und insofern finde ich es eher anregend, dass in letzter Zeit verstärkt auch Spekulationen erscheinen. Die Erläuterungen gibst Du ja mit, und es ist imho i.d.R. transparent, was Spekulationen sind und was Investments sind. Ich würde es bedauern, wenn Du Spekulationen nicht mehr behandelst - letztlich sind Deine Artikel Anregungen zum selber denken, und es ist schön, in einem Blog auch Spekulationen aus Value-Überlegungen heraus zu lesen.

      Deine Meinungsänderung über die PE Branche kam für mich nun nun auch etwas überraschend, insofern kann ich ein Stück weit die Kommentare zu diesem Artikel verstehen. Aber es hat bestimmt jeder schon einmal erlebt, dass er aufgrund neuer Erkenntnisse plötzlich seine Meinung ändern musste, insofern ist daran nichts schlechtes - im Gegenteil, ich selbst habe eher das Problem, dass mir meine Unternehmen nach einigen Jahren des Haltens und damit Beschäftigens ans Herz wachsen und ich nach mehreren Jahren zu wenig objektiv gegenüber stehe (wie z.B. bei AAPL, zu dem wir im letzten Sommer eine Diskussion hatten, bei der Du nun recht behalten hast) - ich sehe das als eine psychologische Schwäche bei mir und finde es als Stärke, dass Du da flexibler bist.

      Also, vielen Dank für das exzellente Blog.

      Andreas

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    6. Danke für die netten Worte, Andi.

      Zu meiner Einstellung zu den US-Finanzinvestoren kann ich eigentlich nur sagen, dass sich meine Meinung gar nicht so stark verändert hat, wie das wohl rübergekommen ist. Die Rechtsform der MLPs und LPs habe ich aus meinem Depot und von meiner Empfehlungsliste gestrichen, aus steuerlichen Gesichtspunkten, weil das deutsche Finanzamt hier eine neue, noch anlegerunfreundlichere Schiene fährt. Das traf auch die Blacstone Group L.P. und KKR & Co. L.P. Der vorstehende Artikel befasst sich mit einer schwierigen Situation für Hedgefonds, die Probelmatik trifft aber eben auch die Finanzinvestoren, ihre AUMs und ihr Vergütungsmodell. Hinzu kommt der Börsenkalender mit der tendenzielle eher schwierigen Herbstphase und einem möglichen Brexit am 23. Juni. Das führte mich zu der Aussage, ich würde momentan kein Neuengagement in die PR-Branche eingehen. Eine grundlegende Kehrtwende sehe ich hier nicht!. Eher die Frage, ob man jetzt investieren oder lieber noch einige Wochen warten sollte, um evtl. tiefere Kurse abpassen zu können. Und meine Einschätzung ist, dass die Chance auf tiefere Kurse relativ hoch ist, während das "Risiko", dass einem die Kurse der PE-Aktien in den nächsten Wochen nach oben weglaufen, eher gering erscheint. Und dem entsprechend würde ich momentan auch nicht in einen PE-ETF investieren, sondern mein Pulver hier trocken halten.

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  7. Noch mal kurz zu Verizon. Ich habe jetzt nicht groß recherchiert, gehe aber davon aus, dass die Verschuldung 2014 so stark gestiegen ist, weil man Vodafone aus Verizon Wireless rausgekauft hat. Der Deal wurde zwar schon 2013 verkündet, aber vielleicht erst 2014 umgesetzt.

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-09/vodafone-verizon-verkauf-usa

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