Freitag, 18. März 2016

Investor-Update: Aareal Bank, Hypoport, KKR, Publity, SHW, Triangle Capital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

DAX kämpft mit der 10.000, Dow auf Jahreshoch
Die Stimmung an den Börsen ist weiterhin nervös, aber sie ist nicht mehr angespannt. Der Ölpreis hat sich von seinen Tiefs deutlich erholt und notiert wieder jenseits der $40-Marke; er kratzt an seinen Jahreshochs. Das gibt der Börse Auftrieb, denn es entspannt die Lage bei den Ölwerten, bei den ölproduzierenden Ländern, bei den Banken mit ihren Krediten, die sie im Öl-Sektor vergeben haben und auch die Notenbanken dürfen sich freuen, da ihr Ziel einer moderaten Inflation mit weiter sinkenden Energiepreisen kaum erreichbar ist.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index weiter gestiegen
Der DAX ringt wieder mit der Marke von 10.000 Punkten und liegt in diesem Jahr noch gute 5 Prozent im Minus, während der Dow Jones bei 17.600 Punkten bereits einen neuen Jahreshöchststand markiert.

Im Zuge dieser Entwicklung hat der Angst-und-Gier-Index weiter leicht zugelegt und notiert mit 79 Punkten inzwischen im oberen Viertel. Das ist noch nicht Besorgniserregend, aber es erhöht auch wieder die Gefahr, dass Anleger zu sorglos werden und unerwartete Rückschläge zu heftigeren Korrekturen ausufern können, weil zu viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden können. Andererseits sind die Cash-Quoten vieler institutioneller Anleger immer noch hoch und die geraten zunehmend unter Druck, weil ihnen die Märkte davon laufen und sie nicht dabei sind. Sie hoffen auf einen Rücksetzer, um wieder einsteigen zu können. Kommt der nicht, wird der Leidensdruck immer größer, auf immer höherem Niveau in den Markt einsteigen zu müssen. Value-Investoren haben es da leichter, die schauen auf die Bewertung, nicht auf den Kurs oder Indexstand.

In der letzten Woche gab es wieder einige Veränderungen in meinem Depot.

- Aareal Bank
Die Aareal Bank hat geliefert, meine Investmentthese hat funktioniert. Es wird eine deutliche Anhebung der Dividende geben und die Geschäfte laufen hervorragend. Okay, ich war zu früh und zu hoch eingestiegen, so dass ich trotz der imposanten Kurserholung noch immer auf einem Verlust sitze. Allerdings...

Ich habe mir gründlich Gedanken gemacht über das Bankwesen und die langfristigen Entwicklungen. Natürlich ist das Filialsterben keine neue Problematik und es war auch schon auf dem Radar, als ich die Aareal Bank erstmals gekauft hatte. Doch inzwischen betrifft dies alle Banken und das Tempo verschärft sich. Die Commerzbank baut seit Jahren Filialen ab, was an noch durch die Doppelversorgung wegen der Dresdner Bank-Übernahme erklären konnte. Doch dann kam die Uni Credit und erklärte, ihre Tochter Hypovereinsbank werde die Hälfte aller Filialen in Deutschland schließen. Die Volksbanken und Sparkassen reduzieren ebenfalls seit Jahren Dependancen und auch die Deutsche Bank setzt jetzt hier massiv den Rotstift an, dem fast ein Drittel der Filialen zum Opfer fallen werden.

Dabei geht es nicht (mehr) nur um Effizienzgewinne, sondern inzwischen ums nackte Überleben. Die überbordende staatliche Regulierung zwingt die Banken dazu, mehr Controller vorzuhalten als Kundenberater. Ich habe regelmäßig Gespräche zum Geschäftsverlauf mit dem Chef unserer örtlichen Stadtsparkasse (die noch eigenständig ist) und was der mir erzählt zum Thema Kontrolle, ist abenteuerlich. Die Sparkassen werden nicht nur von der BaFin geprüft, sondern auch von der EZB und vom Sparkassenverband. Die haben inzwischen die Hälfte des Jahres Revisoren dieser Institutionen im Haus. Und denen müssen hoch qualifizierte Sparkassenmitarbeiter zuarbeiten. Dann kommt noch Basel III mit seinen Eigenkapitalvorschriften und die EZB mit der Null-Zins-Politik hinzu. Die Personalkostenquote steigt auch dank der letzten hohen Tarifabschlüsse steil an, während die Erträge sinken.

Unter dem Strich drängt alles mit zunehmender Geschwindigkeit Richtung Filialausdünnung und Online-Beratung bzw. Online-Abschluss. Hiervon wird mittelfristig auch die Aareal Bank betroffen sein, die ja ein reiner Immobilienfinanzierer ist. Ihr Geschäftsmodell steht auf zunehmend tönernen Füßen und sie muss sich etwas einfallen lassen. Ich denke, dass mittelfristig bereits erhebliche Probleme auf die Banken zukommen und der gesamte Sektor es schwer haben wird, sich zu behaupten. Die Kurse vieler Institute liegen bereits am Boden, allerdings ist hier noch viel Luft nach unten. Nach der Finanzkrise haben sich die europäischen Banken jedenfalls nicht annähernd so berappelt wie die US-Institute, für die die Problematik in ähnlicher Form besteht (daher steht bei mir auch Wells Fargo unter Beobachtung hinsichtlich eines Streichens von der Empfehlungsliste, auch wenn es die wohl beste Bankaktie der Welt ist). Ich fürchte, dass der Banksektor in ein ähnliches Siechtum verfallen könnte wie die deutschen Versorger, allen voran Eon und RWE. Ich steige daher bei der - noch - gut positionierten Aareal Bank aus und setze auf den Gewinner der Entwicklung: Hypoport. Unter dem Strich hat mir das Engagement bei der Aareal Bank knapp 8% an Verlust eingebracht, jedenfalls bezogen auf meinen Erstkauf und die Wertung auf der Empfehlungsliste, denn ich hatte Ende Januar bei €25 ja Aktien nachgekauft.

+ Hypoport
Der Finanzdienstleister Hypoport ist im weiteren Sinne ein Fintech-Unternehmen und bedient mit seinen drei Sparten unterschiedliche Segmente. Der unbedeutendste Bereich ist die Beratung und Finanzierungsabwicklung für institutionelle Kunden beim Sozialen Wohnungsbau, dann ist man hinter Marktführer Interhyp zweitstärkster Anbieter bei der Online-Finanzierungsvermittlung an Privatkunden, die man über die Tochter Dr. Klein bedient, und man hat über die Tochter Europace, wo man für institutionelle Kunden, vor allem Banken, Finanzierungen und Finanzprodukte online abwickelt, de facto eine Monopolstellung in Deutschland.

Im letzten Jahr hat Hypoport den Kursturbo gezündet und die Aktie hat sich um mehrere hundert Prozent in die Höhe geschraubt. Vom Höchstkurs bei rund €80 ist der Wert inzwischen wieder deutlich zurückgekommen und nach der großen Anfangseuphorie bietet sich hier eine interessante langfristige Einstiegsgelegenheit, die ich bei knapp unter €58 wahrgenommen habe.

Die Filialbanken stehen vor dem Umbruch, es werden immer mehr Filialen geschlossen werden, weil beinahe alle Bankprodukte online abgewickelt werden können. Selbst die Beratung wird immer mehr standardisiert und so onlinefähig. Im B2C-Bereich hat Hypoport mit Interhyp und Check24 starke Gegenspieler, aber mein Fokus richtet sich auf das Monopol Europace. Denn die Zahl der Partner steigt weiterhin stark an, immer mehr Banken wickeln ihre Geschäfte auch über Europace ab. Zuletzt kommen verstärkt die Volksbanken und Sparkassen hinzu. Damit reduzieren diese ihre Kosten und können im Wettbewerb gegen Banken mit hohem Kostenapparat durch Filialen besser bestehen. Diese schließen weitere Filialen und so wandern mehr Kunden in die Onlinevermittlung ab und das erhöht nun selbst wieder den Druck auf die Banken. Der Trend ist eindeutig und er läuft stark in Richtung Hypoport.

Dabei ist Hypoport keine klassische Value-Aktie, das Wachstum ist zwar rasant, aber das KGV von knapp 20 zeigt auch keine Unterbewertung an. Ich würde sogar sagen, Hypoport ist bei €65 fair bewertet. Allerdings sollte man an die weisen Worte Warren Buffetts denken, der sagte, man solle nicht auf den Einkaufspreis schauen, sondern darauf, was das Unternehmen (und damit seine Aktien) in ein paar Jahren wert sein werden. Und das tat ich und ich kam zu dem Schluss, dass Hypoport weiter wachsen wird, dass man mit der Technik von Europace ein einzigartiges Produkt hat, das sich hervorragend skalieren und damit die Margen weiter wachsen lässt. Und man hat eine Quasi-Monopolstellung und die Banken müssen sich auf Europace einlassen, um überhaupt noch konkurrenzfähig bleiben zu können. Das nennt man einen ökonomischen Burggraben!

+ KKR & Co. L.P.
Der Finanzinvestor KKR habe ich nun fast anderthalb Jahre auf meiner Empfehlungsliste und nach anfänglichen Kursgewinnen und üppigen Dividendenausschüttungen machte die Aktie ab Mitte letzten Jahres keine große Freude mehr: Kurshalbierung, Dividendenkürzung, große Engagements im Öl- und Gassektor. Ich hatte meinen Bestand auch auf eine kleine Position reduziert und halte nun den Zeitpunkt für gekommen, ihn wieder auszubauen. Einerseits ziehen die Ölpreise wieder an und das nimmt Druck aus zwei großen Beteiligungen von KKR, die in der Restrukturierungs- und Refinanzierungsphase sind. Andererseits ist KKR viel weniger stark im Immobilienbereich tätig als mein Sektorfavorit Blackstone Group, sondern man setzt stärker auf Unternehmensbeteiligungen. Hier hat man diverse Schätzchen im Portfolio, die sich hervorragend zu Geld machen lassen - WMF ist nur eines davon, wo man sich aktuell um einen Verkauf bemüht und mit knapp 30 Interessenten spricht. Dabei sollen Preise zwischen €1,2 Mrd. und €1,8 Mrd. angesteuert werden; Gebote können noch bis Montag abgegeben werden, was KKRs Einsatz verdoppeln bzw. verdreifachen würde.

Der Kurseinbruch bei KKR lag aber auch an deren börsennotierten Beteiligungen. So hatte der weltgrößte Zahlungsabwickler First Data einen holprigen Börsenstart, als KKR ihn letztes Jahr an die Börse schleppte, und zuletzt stand der Kurs mächtig unter Druck. Und dann ist man noch Großaktionär an der Apothekenkette Walgreen Boots Alliance, deren Aktienkurs auch mächtig gelitten hatte im Börsenausverkauf zum Jahresstart. Hier schlummert eine Menge Potenzial und KKR hat noch reichlich Geld in der Hinterhand, um stark im Übernahmegeschäft mitzumischen. So übernimmt man für rund $1,1 Mrd. die Verteidigungselektronik-Sparte von Airbus, wie soeben vermeldet wurde.

Selbst die bei $0,16 eingefrorene Quartalsdividende bietet auf dem aktuellen Niveau eine attraktive Dividendenrendite von 4,25% und zusätzlich kauft KKR eigene Aktien zurück, da man sie für unterbewertet hält - das sieht auch die Investmentbank Oppenheimer so, die KKR einen fairen Wert von $23 zumisst, also rund 70% Kurspotenzial. Bei knapp unter €12 habe ich wieder begonnen, meine Position auszubauen.

Publity
Erst seit kurzem habe ich Publity in meinem Depot und schon eine fette Dividende eingestrichen. Der Kurs ist allerdings viel stärker eingebrochen, als es aufgrund des Dividendenabschlags von €2 gerechtfertigt wäre. Der Grund liegt in der Kapitalerhöhung, die zu €36 durchgezogen wurde und das nur einen Tag, nachdem die Hauptversammlung die Dividendenausschüttung und frisches Kapital genehmigt hatte. Diese Umstände, hohe Ausschüttung als zu versteuernder Mittelabfluss und sofortige Kapitalerhöhung, kommen nicht gut an an der Börse und der Kurs leidet. Für mich ist dies jedoch vor allem eine Chance, weitere Aktien noch günstiger einsammeln zu können. Denn die momentanen Irritationen werden sich legen und es wird wieder das operative Geschäft in den Vordergrund drängen - und das ist letztlich die Triebfeder für den Aktienkurs.

Ich habe daher zu €36 meine große Depotposition verdoppelt, sie ist nun die größte Position in meinem Depot, vor Aurelius und Blackstone. Teilweise als langfristiges Investment und auf der anderen Seite zum Teil auch als Tradingposition, denn die schnelle Durchführung der Kapitalerhöhung legt nahe, dass Publity an vielen neuen Immobilienzukäufen dran ist, für die man das Geld dringend benötigte. Und genau hierauf setzte ich ja mit meinem Investment. Kann Publity in den nächsten Wochen also diverse Zukäufe und Erfolge vermelden, dürfte sich der Aktienkurs schnell wieder über die Marke von €40 erholen. Auch bei Aurelius und WCM hatte vor einigen Wochen die innerhalb eines Tages durchgezogene 10-Prozent-Kapitalerhöhung kurz den Aktienkurs negativ belastet, bevor neue Höchststände erreicht wurden.

- SHW
Den Automobilzulieferer SHW hatte ich auf meine Empfehlungsliste und in mein Depot genommen, weil der Aktienkurs um mehr als 50% abgestürzt war und dies durch die operativen Schwierigkeiten in diesem Ausmaß nicht gerechtfertigt war. Insbesondere die Engpässe bei der Galvanisierung führten zu hohen Kosten, da man die Kundenaufträge nicht selbst abarbeiten konnte, sondern diese von anderen Unternehmen teuer abwickeln lassen musste. Hier hat man gegengesteuert und investiert kräftig.

Doch seit meinem Einstieg ist einiges passiert und das hat Auswirkungen auf SHW, jedenfalls langfristig. VW ist der größte Kunde von SHW und VW hat enorme Probleme wegen des Abgasskandals. Da SHW Benzinpumpen für Verbrennungsmotoren herstellt, hofft man hier kurzfristig profitieren zu können. Allerdings hat VW (völlig verdient!) nun große Absatzprobleme. Und man krempelt die Neuentwicklung seiner Modelle komplett um, will weg von Diesel und Benzin, hin zu reinen E-Autos. Und dieses Ziel verfolgt nicht nur VW alleine, auch BMW ist hier ganz vorne mit dabei. Anders, als viele dachten, steht der Verbrennungsmotor doch auf der Kippe. Sah es einige Zeit so aus, dass sich E-Autos nicht durchsetzen und die Anbieter auf Hybrid-Technik setzen würden (und hier hätte SHW durch eine höhere Anzahl von Pumpen durchaus profitieren können), wird nun sogar die Bundesregierung Förderprogramme für E-Autos auflegen und die Batteriehersteller überschlagen sich geradezu mit Kapazitätsausweitungen. Des Weiteren gibt es von vielen großen Unternehmen massive Ausbauoffensiven für E-Ladestationen.

Das alles wird nicht morgen das Geschäft von SHW betreffen, aber in einigen Jahren bricht ein erheblicher Teil des Geschäfts weg. Es ist nicht auszuschließen, dass sich SHW neu erfindet und hier gegensteuern kann. Oder sich alleine auf die Bremssparte fokussiert, denn akkurat bremsen müssen auch E-Autos. Meine Investmentprämisse jedenfalls geht so nicht mehr auf und ich nehme die Gewinne mit. Da ich bei €20 eingestiegen bin, bleiben nach weniger als sechs Monaten unter dem Strich knapp 22% an Gewinn übrig. Mit dieser Rendite bin ich sehr zufrieden.

- Triangle Capital
Der sehr teure Handschlag, den der TCAP-CEO zum Abschied seitens der Gesellschaft bekommt, drückt mir mächtig auf die Stimmung. Nicht nur, dass (deshalb) die Bonusdividende gestrichen wird, dieses teure und meiner Ansicht nach völlig unnötige Geschenk wird die Ergebnisse von TCAP belasten, mindestens im ersten Quartal. Ich habe daher nach dem 7. März, dem Ex-Dividendendatum, meine Anteile glattgestellt und warte erst einmal die weitere Entwicklung bei TCAP ab. Diese Dividendenausschüttung habe ich jedenfalls noch mitgenommen...


.: Cashquote
Neben den Käufen bei KKR und Hypoport hat insbesondere die Verdopplung meiner Publity-Position viel Geld verschlungen, das ich nicht ganz durch die üppigen Dividendeneinnahmen und die Verkäufe der Aareal Bank, SHW und Triangle Capital decken konnte. Die Käufe gingen auch zulasten meiner Cash-Quote, die nun bei knapp 12% liegt. Das ist für meinen Geschmack zu niedrig und ich gehe hier ein Risiko ein, denn ich spekuliere darauf, dass sich die Publity-Aktien von dem Kursschock wieder erholen werden und ich einen Teil meines Bestands dann wieder höher veräußern werde. Ob das so aufgeht, wird sich zeigen. Ansonsten muss ich mir Gedanken machen, welche Position(en) ich reduziere, um wieder auf ein ausreichendes Cash-Polster von mindestens 15% zu kommen.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissing,
    nachdem Sie ja auch sehr stark auf Immobilien setzen (publity, Wcm, Blackstone) frage ich mich ob Sie die Helma Eigenheimbau auf dem Schirm haben. Könnens Sie zu dem Wert etwas sagen?

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    1. Ich setze mit Publity und WCM auf Gewerbeimmobilien in Deutschland, nur Blackstone investiert auch in Wohnimmobilien. Allerdings vor allem in den USA und weniger in Deutschland.

      Bei deutschen Wohnimmobilien bin ich weiterhin skeptisch. Es gibt den Trend hin zu Ballungszentren, weg vom flachen Land. Insofern gibt es einen partiellen Boom und ansonsten viel Tristesse. Wir hatten eine Immobilien-Sonderkonjunktur durch die Finanzkrise in den südlichen Eurostaaten, weil viele Griechen und Italiener ihr Geld außer Landes und in Deutschland in Sicherheit gebracht haben - die haben fast zu jedem Preis Immobilien gekauft. Des Weiteren haben wir nun ein Flüchtlingsproblem und die Flüchtlinge werden nach dem sog. Königsteiner Schlüssel verteilt. Heißt, dass dorthin viele Flüchtlinge kommen, wo bisher auch schon viele Menschen wohnen. Also in die Metropolen. Und auch die Unternehmen wird es verstärkt hierhin ziehen, weil sie dort ihre Arbeitskräfte finden, nicht auf dem flachen Land. Dabei wird der zunehmende "Facharbeitermangel" der deutschen Wirtschaft nicht durch die Flüchtlinge zu mildern sein, denn von denen sind 30% Analphabeten, die Hälfte hat keinen Schulabschluss. Und alle haben die Sprachbarriere zu überwinden. Das bedeutet, dass sie dauerhaft nur geringschwellige Jobs ausführen können, von denen wir im Hochlohnland Deutschland eh nur wenige haben (Hafen- oder Lagerarbeiter, Pizzabote, Hausmeisterservice, Hilfsarbeiter, Zeitungsausträger, Tankwart).

      Unter dem Strich glaube ich, dass der Höhepunkt bei den Wohnimmobilien näher kommt, in den Metropolen allerdings die Preise noch etwas steigen können. Die Preise für Gewerbeimmobilien liegen noch deutlich unter den Preisen von vor der Finanzkrise, da ist durchaus noch Steigerungspotenzial.

      Zu Helma Eigenbau konkret... scheint moderat bewertet und ziemlich erfolgreich. Genauer habe ich den Wert nicht auf dem Schirm und kann daher nicht viel mehr dazu sagen.

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    2. Die Argumente von dir zu Wohnimmobilien teile ich auch, deswegen würde ich mich auch vor einer vonovia oder deutschen wohnen aktuell hüten. Aber selbst wenn wir ein Preisrückgang hätten sollten doch Bauträger wie die helma keine Probleme haben bzw. sogar noch profitieren, solange das Zinsumfeld so günstig bleibt und der Trend zum Eigenheim anhält.
      Vielleicht beschäftigen Sie sich ja mal mit dem Wert, ich glaube er würde ihrer Empfehlungsliste ganz gut stehen :)

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    3. Ob der Trend zum Eigenheim anhält, da bin ich mir nicht so sicher. Der Drang, in die Städte zu ziehen, führt zu mehr Geschosswohnungsbau, nicht unbedingt zu mehr Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern. Diese sind klassischerweise stärker im Speckgürtel um die Metropolen herum und in ländlichen Gegenden zu finden. Deutschland wird älter, aber die Älteren verlassen ihre Häuser und ziehen in (altersgerechte) Wohnungen. Deutschland hat immer weniger Kinder und kinderlose Paare ziehen seltener in große Einfamilienhäuser. Die Bevölkerungsstatistik wird momentan "aufgehübscht" durch höhere Geburtenraten bei sozial weniger gut situierten Familien und durch eine enorme Zahl von Flüchtlingen. Allesamt keine Zielgruppe für teures Wohneigentum, sondern für Geschosswohnungsbau. Ob dieser als Eigentum oder als Kapitalanlage zur Vermietung genutzt wird, lasse ich mal außen vor. Da alle in die Metropolen drängen, steigen hier auch die Grundstückspreise stark an, was das Bauen noch teurer macht. Dies wird aktuell noch durch die niedrigen Zinsen kompensiert, weil sich dadurch höhere Kaufpreise finanzieren lassen bei gleicher monatlicher Ratenhöhe. Drehen aber die Zinsen, fallen die nächsten Lohnerhöhungen niedriger aus, gibt es einen wirtschaftlichen Dämpfer in Deutschland, gibt es einen Nachfrageknick bei Neubauten, jedenfalls bei Häusern.

      Inwieweit Helma hiervon betroffen wäre, oder ob die auch Geschosswohnungbau anbieten, müsste man sich genau ansehen. Die sehr positive Entwicklung der Vorjahre einfach in die Zukunft fortzuschreiben, sollte man jedoch unterlassen. Ich werde mir das Unternehmen bei Gelegenheit aber mal näher ansehen - bisher setze ich ja indirekt auf eine gute Konjunktur beim Wohnungsbau und bei Renovierungen/Sanierungen, indem ich Hornbach Baumärkte auf der Liste habe und einen großen Gewinner bei energetischen Sanierungen, Steico.

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    4. Kurz- bis mittelfristig ist Helma sicherlich interessant, da dank der niedrigen Zinsen sehr viele bauen. Auch Leute die es sich ansonsten gar nicht leisten können. Im Jahr 2015 gab es soviele neue Einfamilienhäuser wie seit 2009 nicht mehr. Ich denke in den nächsten 3 Jahren dürfte das noch weiter wachsen. Fast alle Fertighausbauer und Bauunternehmen in unserer Gegend (Bayern) sind aktuell bis auf 1,5 Jahre ausgebucht.

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  2. Hi Michael,
    ich finde sehr interessant dass du inzwischen auch auf die Hypoport aufmerksam geworden bist. Ich habe zwar noch einen Teil meiner Position da, aber vermute dass sie erst einmal eine Weile stagniert bis es wieder aufwärts geht. Die Bewertung ist ja inzwischen schon relativ hoch, kann nichtsdestotrotz bei guter immobilienkonjunktur noch wesentlich weiter steigen.
    Interessant ist vor allem, dass jedes zusätzliche Umsatzwachstum bei Europace in zusätzliche Gewinne führt weil quasi keine Kosten dafür entstehen. Gleichzeitig wurden aber neue Zukunftsfelder benannt, insbesondere bei Ratenkrediten und bei dem hochautomatisirten verwalten und halten von Versicherungsbestand gibt es riesiges Potential. Dazu hast du nicht erwähnt, dass der Konzern auf einer Nettocashposition sitzt und einen höchst seriös wirkenden Vorstand hat.

    Bei Aareal würde ich deiner Argumentation aber widersprechen. Aareal hat quasi keine Filialen, deshalb ist die Bank auch weniger von dem Filialsterben bedroht und muss an der Stelle nicht mit schrumpfenden Geschäft wegen der Digitalisierung kämpfen - nur wer Filialen besitzt muss auch welche schließen. Dazu kommt, dass Niedrigzinsen für verschiedene Arten von Banken unterschiedliche Bedeutung haben: Sparkassen (und Volksbanken) haben eigentlich einen großen Wettbewerbsvorteil, weil die Leute ihr erspartes einfach zu schlechten Konditionen traditionell bei ihnen anlegen und sie sich daher extrem günstig refinanzieren können, wesentlich günstiger als am Markt. Wenn man am Markt aber auch 0% oder sogar weniger zahlt verschwindet dieser eigentliche Wettbewerbsvorteil gegenüber Marktfinanzierten Hypothekenbanken (Aareal, dt. Pfandbriefbank/HRE, etc) Diese bekommen so einen neuartige Wettbewerbsvorteil gegenüber Sparkassen! Die Berlin Hyp hat neulich einen Pfandbrief mti negativer Rendite ausgegeben, und in dem Bereich können spätestens auch die Sparkassen nicht mithalten - denn Provatkunden lassen sich negative Zinsen nicht gefallen.
    Aareal profitiert also möglicherweise sogar von den niedrigen Zinsen. Die scharfe Bankenregulierung hingegen ist etwas, was alle Banken beschäftigt im Wettbewerb. Die Banken geben diese höheren Kosten daher an die Kunden weiter, wichtiger ist, wer im aktuellen Umfeld kapitalstark genug ist und die Wettbewerbsfähigsten Konditionen anbieten kann. Was das angeht bin ich bei der Aareal sehr optimistisch, ich werde demnächst auch noch eine genauere Analyse dazu schreiben.

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    1. Tobi, gute Argumente. Doch die Aareal Bank mag die bestpositionierte Bank in Deutschland sein, das Gesamtumfeld ist für alle Banken jedoch katastrophal. Die Regulierung betrifft aber nur die regulären Banken, es gibt auch Unternehmen in der Finanzbranche, die von dieser Regulierungswut nicht behindert werden und daher enorme Vorteile haben. Ich meine Finanzinvestoren. Bei den Amis sind das KKR oder Blackstone, hierzulande sind das Aurelius aber auch insbesondere Deutsche Beteiligung oder Publity, die Investoren über ihre Fonds attraktiv rentierende Anlagemöglichkeiten bieten. Und daran Provisionen und gebühren verdienen. Im Bereich dieser "Alternativen Assetmanager" dürfte mehr Geld zu verdienen sein als im klassischen Bankgeschäft.

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  3. Hallo Michael,

    ein spannendes Thema. Noch sind die "Alternativen Assetmanager" auch noch günstig bewertet.Und sollte das Thema Immobilien zu heiß laufen haben die, anders als Banken wohl auch ein breiteres Anlageumfeld.
    Aber ich gebe zu das z.B. bei Preisen unter 14 € für die Deutsche Bank der Zocker in mir einfach durchgegangen ist.
    Langfristg ist wohl aber bei der Geldpolitik alles ungewiß.

    Dank für die tollen Themen im Blog.

    Paul

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