Mittwoch, 6. Juni 2018

Einfach gedacht: Warum Angestellte unbedingt Aktien haben sollten...

Die Deutschen setzten auf Erwerbsarbeit und auf Sparbuchzinsen. Angesichts von Negativzinsen ist das Sparbuch offensichtlich eine ganz miese Idee, aber es spricht nichts dagegen, für Geld zu arbeiten. Es kommt eben darauf an, was man dann mit diesem Geld anstellt. Und das macht einen großen Unterschied.

Einfach gedacht bekommen Arbeiter und Angestellte für ihre Erwerbstätigkeit einen Lohn/Gehalt, aber das ist weniger, als sie erarbeitet haben. Denn ein Teil des von ihnen erwirtschafteten Ertrags fließt an das Unternehmen, das sie beschäftigt. Für die meisten Deutschen ist hier schon das Ende des Geldes erreicht. Leider. Doch andere sind etwas cleverer...


Wenn wir verstanden haben, dass nicht alles erarbeitete Geld an uns fließt, sondern ein Teil einbehalten wird, können wir ja auch darüber nachdenken, wie wir an diesen zweiten Teil kommen. Lenins Antwort war Revolution, aber wie grandios das gescheitert ist, kann jeder in den Geschichtsbüchern nachlesen. Lenins Erben heißen nämlich Putin und sind gewählte Diktatoren, die das Volk nach Strich und Faden ausbluten und sich möglichst viel in die eigene Tasche stecken. Aber das ist eine andere Geschichte...

Reden wir über... Aktien
Zum Glück gibt es auch einfachere und unblutigere Wege, um an mehr Geld zu kommen. Ich denke hier an so ein Konstrukt, das nennt sich Mitarbeiteraktie. Dabei geben Aktiengesellschaften ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, vergünstigt Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen. Finde ich einen sehr schlaue Idee! Erstmal kann ich etwas für vielleicht nur 70 Cents kaufen, was aktuell an der Börse für 100 Cents verkauft wird. Relativ gesehen also ein Schnäppchen. Und dann beinhaltet eine Aktie ja auch noch einen Anteil am Unternehmensgewinn. Und der speist sich... genau, aus dem Abschöpfen des Mehrertrags seiner Mitarbeiter.

Ist ein Mitarbeiter also zusätzlich noch Aktionär seines Arbeitgebers, fließt ihm auf diese Weise ein zusätzlicher Teil seines erwirtschafteten Geldes zu. Er erhält insgesamt also einen höheren Anteil von seiner erbrachten Arbeitsleistung als ein Arbeitnehmer ohne Mitarbeiteraktien.

Es ist also clever, Aktien an (s)einem Unternehmen zu halten!

Spätestens hier stürmen die Mahner die Bühne und verkünden, Mitarbeiteraktien seien Teufelszeug! Sie würden ein Klumpenrisiko für den Arbeitnehmer darstellen und diesen in eine total einseitige Abhängigkeit führen. Er sei von seinem Arbeitgeber ja bereits stark abhängig, weil er hier sein Arbeitseinkommen bezieht und gefeuert werden kann oder das Unternehmen könnte einfach pleite gehen. Dann stünde er ohne Einkommen da - und wäre er bei der Pleite auch noch durch Aktien an diesem Unternehmen beteiligt, wäre er seine Ersparnisse auch gleich noch los. Autsch, das schmerzt gleich doppelt.

Daher ist diese Kritik durchaus berechtigt. Allerdings springt sie deutlich zu kurz, denn es gibt eine ganz einfache Methode, dieses Risiko zu reduzieren: man setzt nicht nur auf das eigene Unternehmen und die von diesem abgeschöpften Arbeitsentgelte der Kollegen, sondern man streut sein Risiko und kauft auch jeweils ein paar Aktien von Unternehmen, bei denen z.B. die eigenen besten Freunde arbeiten. Geht eine dieser Firmen pleite, sind die anderen nicht gleich mit betroffen. Und das Risiko, seinen Arbeitsplatz und damit sein Einkommen zu verlieren, das hat man auch, wenn man kein Aktionär ist. Dies ist hier also kein Risikoerhöhungsfaktor, sondern das latente Lebensrisiko eines jeden Angestellten.

Die Konsequenz aus diesen Überlegungen ist, dass man gleich auf mehrere unterschiedliche Aktien zurückgreifen könnte und so nicht nur von der eigenen Arbeitskraft den Nutzen zieht, sondern auch ein wenig von der Leistung von anderen. Was uns zu Bernard Baruch führt, der schlau anmerkte, es gäbe nur zwei Methoden Geld zu verdienen: entweder man arbeite für Geld, oder das Geld arbeite für uns. Tja, wer als Angestellter Aktien hält, hat beides. Und das finde ich ausgesprochen clever...

Anders ausgedrückt: wer Aktien kauft, ist clever. Wer nicht, der nicht.

Kommentare:

  1. Ich halte Mitarbeiteraktien auch für ein sinnvolles Instrument, Mitarbeiter am Erfolg eines Unternehmens über das persönliche Gehalt zu beteiligen. Dadurch kann auch die Identifikation mit dem Unternehmen erhöht werden, Mitarbeiterfluktuation kann reduziert werden. Das Argument mit dem Klumpenrisiko verstehe ich auch. Aber wie Du sehr richtig beschreibst, Michael, diesem Risiko kann man sehr leicht begegnen, indem man auch noch Aktien anderer Unternehmen erwirbt, bei denen man nicht beschäftigt ist. So ist man auch noch am Erfolg anderer Unternehmen beteiligt - und das sogar, obwohl man dort nicht beschäftigt ist und dort keinen Lohn und kein Gehalt bezieht. Diversifikation ist also auch möglichst, selbst wenn man die Chance und die lohnenswerte Möglichkeit hat, Mitarbeiteraktien (ggf. sogar zum steuerbegünstigten Vorteilspreis) zu beziehen.
    Viele Grüße
    DerFinanzstratege.

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  2. Danke für den prägnanten Artikel, so bewusst war mir das nicht mit dem zweiten Teil des erarbeiteten Gelds.
    Ich halte auch Mitarbeiteraktien, bin mir des Risikos bewusst und der Chance (20% Abschlag beim Kaufpreis!+ die üblichen Renditechancen von Aktien).
    Und ich halte Aktien von anderen Unternehmen sowie ETFs.

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  3. Von BASF kenne ich ein schönes Modell für "Mitarbeiteraktien" (bei den Tarifangestellten die ich kenne, ggf. gibts im AT Bereich noch andere Regelungen).
    Einmal im Jahr kann ein Teil des Bonus in 10 Aktien umgewandelt werden. Für die folgenden 10 Jahre, vorausgesetzt man ist noch Mitarbeiter, erhält man jedes Jahr eine Aktie kostenfrei dazu.
    Nach 10 Jahren hat man so 155 Aktien angesammelt, 100 gekaufte, 55 kostenfrei.

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    1. Das ist sogar für jahrlich zwei Zehnerpakete der Fall. Wer lang genug dabei ist, bekommt quasi pro gekaufter Aktie viele Jahre später bei voraussichtlich viel höheren Kursen eine Aktie geschenkt und muss diese nur versteuern...
      Ein absoluter no brainer!!!!!

      Und man glaubt es gar nicht, wie viel MA dies nicht nutzen, weil ja Aktien Spekulation sind. Das sagen sogar Mitarbeiter, die bei selbigem Unternehmen seit Jahrzehnten angestellt sind und ruhig und gediegen jeden Krise durchschiffen. Man kann dies leider nur mit dem Begriff der finanziellen Dummheit beschreiben.

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    2. Danke für deinen tollen Betreig, du sprichst mir so aus der Seele!
      Diese Mitarbeiter braucht doch jeder Konzern ;-)

      Ich lasse die Leute dummes Zeug reden und investiere einfach weiter. Wer nicht will, hat schon ;-)

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  4. Ob 1 bzw. 2 Zehnerpakete ist soweit ich weiß u.a. abhängig ob man z.B. direkt in Ludwigshafen bei BASF sitzt (2 Zehnerpakete) oder bei einer Tochter z.B. in Düsseldorf (1 Zehnerpaket).
    Aber in beiden Fällen, wie du schon sagst, ein no brainer.

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  5. Durch Belegschaftsaktien der Fa. Linde freundete ich mich vor ca. 20 Jahren mit Aktien an. Das Jahr 2001 war natürlich der reinste Horror für einen fast Neuling. Aber ich bin dabei geblieben :-)).
    Danke für die sehr guten Beiträge!
    Marie

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  6. Meine ersten Mitarbeiter Aktien habe ich 1992 erworben, damals gab es noch die Mercedes Benz AG.
    Das war der Einstieg in mein Leben als "Investor", es wird den Mitarbeitern in den großen Firmen sehr einfach gemacht sich an dem Erfolg der Wirtschaft zu Beteiligen. Viele meiner Kollegen in der Produktion ( 90% ) nutzen diese Möglichkeit nicht, da wird lieber die jährliche Gewinnbeteiligung "Verurlaubt" und die Aktie als Spekulation gesehen. Im laufe der Jahre habe ich natürlich ein breit gestreutes Depot aufgebaut, wenn ich meinen Kollegen erzähle das ich jetzt auf meine Dividenden Steuern zahlen muss weil der Freistellungsbetrag nicht mehr reicht, dann werde ich immer ungläubig angeschaut. Meine derzeitige Beteiligung an meinen Arbeitgeber liegt bei ca 5%, jedes Jahr wenn es neue vergünstigte Aktien gibt werden die alten mit Gewinn verkauft und das Geld in andere Aktien investiert, so wird der Anteil Belegschaftsaktien automatisch immer weniger und das Klumpenrisiko schwindet !
    Dank meiner Investitionen ist es mir möglich demnächst in die 4 Tage Woche zu starten und einige Jahre früher in Rente zu gehen!
    Natürlich gibt es immer ein Risiko bei Aktien, aber das Risiko bei Anleihen oder Bargeld ist auch nicht bei Null Prozent, die Firma Siemens und viele andere gut geführte Unternehemn gibt es seit über hundert Jahren und die haben 2 Weltriege, große Depression, Währungsreformen und diverse Wirtschaftskrisen überlebt...

    Buy&Hold-Investor

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