Montag, 18. September 2017

Baruchs Börsenwissen: Entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns

Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland immer weiter auseinander, das kann man alle paar Monate irgendwo lesen. Gerne auch in einem Armutsbericht der Bundesregierung. Und ebenso regelmäßig kommen die Kommentatoren zu den immer gleichen Schlüssen: man müsse den Reichen nur mehr Geld wegnehmen und es den Armen geben, dann würde alles gut. Doch schon der erste Deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, warnte: "Das einzige, was Sozialisten vom Geld verstehen, ist dass sie es von anderen haben wollen". Neben der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch böse Kapitalisten gibt es aber auch weniger klischeehafte Erklärungsansätze. Und einen lieferte schon vor fast hundert Jahren Börsenlegende Bernard Baruch.

»Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns.«
(Bernard Baruch)

Auf der einen Seite steht der Konsum, die schier endlose Möglichkeit, Geld auszugeben. Die Menschen leisten sich immer mehr, immer kostspieligere Spielsachen, das neuste Iphone-Modell für jetzt 1.300 Euro, sündhaft teure Louis Vouitton-Handtaschen, Schuhe von Jimmy Choo oder einfach nur einen neuen Porsche. Und immer seltener haben sie das Geld dafür, sie kaufen immer häufiger auf Pump. Und wer glaubt, nur die Reichen würden es so machen, der irrt. Vor allem die einkommens- und vermögensschwachen Bevölkerungsschichten verschulden sich immer mehr und das rauf bis zur Hutschnur.

Das mag bei vergleichsweise niedrigen Zinsen nicht so ins Gewicht fallen, aber wenn das über das Girokonto läuft, kommen da schnell zweistellige Zinssätze zusammen. Auch das schmälert das Vermögen, dass man zu früh im Leben zu viel will und es sich auf Kredit leistet. Der Zinseszinseffekt kann also keine Wirkung entfalten, weil gar kein Vermögen angespart wird. Wer sich verschuldet, arbeitet für das Geld, die Zinsen anderer Leute. Nicht sehr clever...

Und dann sehen wir uns den zweiten Satz von Baruchs weisen Worten an: die Ärmeren sind primär auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen, während die Vermögenden immer häufiger von Zinsen, Mieten und Dividenden leben können. Nun könnte man behaupten, das liege daran, dass nur die Reichen sich Aktien oder Immobilien leisten können, aber das wäre zu kurz gesprungen. Die Erklärung ist ganz simpel, wenn auch nicht gerade charmant: der gewöhnliche Deutsche ist nicht schlau genug, er ist zu behäbig, zu bequem. Und ich entschuldige ich bei allen Lesern, die sich jetzt angesprochen fühlen, das war nicht nett. Aber nötig, glaubt mir. Und gerade ihr solltet unbedingt weiterlesen, denn lesen bildet. Und es kommt noch ein schlauer Rat von mir...

Jeder kann sich etwas zusammenreißen und weniger ausgeben als er im Monat an Einnahmen hat - Hartz-IV-Empfänger und andere Sozialschwache am Rande der Armutsgrenze mal ausgenommen. Aber jeder mit einem "normalen" geregelten Monatseinkommen kann etwas Geld zur Seite legen. Und was machen die Deutschen dann, wenn sie es überhaupt hinkriegen? Sie legen es auf Tagesgeldkonten, auf Sparbücher. Das ist dumm nicht sehr schlau. Und dafür gibt es keine sanftere Bezeichnung, denn wie man sein Geld anlegt, da hat jeder die Wahl. Und wer sich für Nullzinsen oder gar Negativzinsen entscheidet, wer also der Bank noch Geld hinterher schmeißt, der handelt dumm nicht sehr schlau.

 Quelle: FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 
Und diese Leute sind selbst schuld! Schaut man auf die Vermögensverteilung, darauf wie das Geld von den Deutschen angelegt wird, dann finden sich Aktien, Fonds, ETFs und Immobilien weit hinten. Niedrig bis gar nicht verzinste Bankguthaben und Lebensversicherungen, das sind der Deutschen bevorzugte Anlageformen. Kein Wunder, dass sie kein Vermögen ansammeln! Das ist einfach dumm nicht sehr schlau!

Cleverer sind die Reichen. Sie legen ihr Vermögen nämlich nicht in Geld an, sondern in Sachwerten, in Immobilien, in Aktien. Und diese bringen auf lange Sicht erhebliche Wertzuwächse, daraus speist sich der Vermögenszuwachs der cleveren Anleger.

Natürlich kommt hier bestimmt der regelmäßige Einwand, nur Reiche könnten sich Aktien oder Immobilien leisten. Aber das stimmt nicht, es ist eine Schutzbehauptung, um das eigene Versagen, das Unvermögen, zu kaschieren. Jeder kann Aktien kaufen oder Aktienfonds mit Raten besparen. Jeder kann Aktien oder Fonds kaufen, die in Immobilien investieren. Es machen nur zu wenige Leute. Und die, die es machen, sind nicht sofort reich. Nein, sie legen ihr Geld rentierlich an, es wächst, es gedeiht, es vermehrt sich. Durch Mieteinnahmen und durch Dividenden.

Reiche sind reich, weil sie weniger Geld ausgeben als sie einnehmen. Arme sind arm, weil sie mehr ausgeben als sie einnehmen. So einfach ist das im Grunde.

»Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.«
(Henry Ford)

Natürlich fällt es einem Reichen leichter, Geld auf die hohe Kante zu legen, als jemandem, der mit 1.000 Euro netto nach hause geht. Unbestritten. Aber auch dieser Mensch kann einen kleinen Teil seines Einkommens abzweigen und in rentierliche Anlagen stecken, zum Beispiel in Aktien- oder ETF-Sparpläne. Monat für Monat kommen mit der Zeit auch ansehnliche Beträge zusammen, die dann immer mehr an Erträgen abwerfen. Auf diese Weise wird man nicht reich, aber man kann Wohlstand aufbauen, ein kleines Vermögen. Jeder kann das, es liegt an jedem selbst. Und doch tun es die meisten nicht, sie haben immer eine Ausrede parat, weshalb sie das Geld für etwas anderes ausgeben müssen. Okay, können sie ja, es ist ihre Entscheidung. Aber dann sollen sie bitte auch nicht jammern, dass es anderen, die sich clever verhalten und ihr Geld für sich arbeiten lassen, so viel besser geht.

»Ausreden sind wie Arschlöcher. Jeder hat sowas.«
(aus Oliver Stones Antikriegsepos "Platoon")

Und wer dann doch eine Lehre für sich ziehen will, dem sei noch einmal das Konzept des Zinseszinses ans Herz gelegt. Wer es einmal begriffen hat, hat den Schlüssel zum eigenen Vermögensaufbau in Händen. Er muss ihn nur noch nutzen.

»Sei niemals abhängig von einem einzigen Einkommen. Investiere, um eine zweite Einkommensquelle zu schaffen.«
(Warren Buffett)

Und mit den Dividenden und Mieteinnahmen kann man sich ein separates Einkommen aufbauen, das einem sukzessive mehr Unabhängigkeit beschert vom Erwerbseinkommen und auch im Alter eine willkommene Ergänzung zur mageren Rente darstellt.

Kommentare:

  1. Guter Artikel Michael,

    Ich persönlich würde das Problem auf die fehlende finanzielle Bildung in Deutschland "schieben". Ich selber hatte keine Ahnung von der Börse, obwohl ich mich stetig für meine Finanzen und deren Mehrung interessiert habe. Erst durch die anhaltende Nullzins-Politik der EZB wurde ich durch einen Arbeitskollegen auf des Thema Börse gebracht. Letzten Endes habe ich mir mein jetziges Finanzwissen selbst erlesen. Außer mit "Börse vor acht" bin ich nie mit diesem Thema in Berührung gekommen, weder schulisch, oder privat.
    Mein Vorschlag: Vielleicht sollte man Schülern ein Jahr lang Tim Schäfers Blog lesen lassen. :-)

    beste Grüße Hans-Jürgen

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  2. Ich denke du hast recht.
    Es ja auch so viel leichter auf andere zu schimpfen (Politiker, Kapitalisten, usw) als bei sich selbst anzufangen.

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  3. Es wäre aber auch mehr als fair, wenn man klar und deutlich sagt, dass Politik und Gewerkschaften seit Anbeginn der Zeit am gleichen Strick ziehen und am liebsten unmündige Bürger heranziehen wollen. Dies dient der eigenen Daseinsberechtigung.
    Für den konkreten Fall äußert es sich in dem Irrsinn, dass alle Links der Mitte die Aktie verteufelt, anstatt zu erkennen, dass Arbeitskraft in Verbindung mit Kapital ein ziemlich gutes Team bilden. Statt dessen wir dem finanziell ungebildetem Bürger ein Mist wie Riester aufgetischt, oder Versicherungen propagiert - lieber Bürger, hier bist Du sicher, bloß nicht mal die eigene Birne anstrengen. Bislang war alles, was der Staat für den kleinen Mann gedacht hatte, ein Schuss in den Ofen. Einzig für das wirklich große Kapital gab und gibt es bis heute fein geplante Steuerschlupflöcher und Abschreibungsmöglichkeiten, die der kleine Mann gar nicht nutzen konnte (Abschreibungen Ost, Bauherrenmodelle, etc.).

    Hier ist anzusetzen, und beim verfügbaren Einkommen, das viel zu niedrig ist für die meisten Erwerbstätigen. Von 1.000 € netto kommt man im Arbeitsleben natürlich nie auf einen Betrag, der den Namen "Vermögen" verdient.

    Allerdings ist da auch Deine Partei, lieber Michael, keinen Deut besser als die linksorientierten Kräfte. Die CDU war nie willens, tatsächliche Vermögensbildung, bei der sich der Bürger selber aussuchen darf, in was er investieren möchte, dauerhaft und unumkehrbar zu fördern. Einzig der FDP scheint das ein Anliegen zu sein, aber die vertritt wiederum halt nicht den "kleinen Mann".

    Gruß
    Christian (watchingtheflood)

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    1. Moin Christian,
      ich gebe Dir Recht, dass (auch) die CDU keine gute Figur abgibt beim Thema Rente/Altersversorgung. Norbert Blüms "die Renten sind sicher" fand ich schon damals erschreckend, kurzsichtig und verantwortungslos.

      Meine Vorstellung zu Thema Aktie wäre, sie wirklich wieder zu fördern als das, was sie ist: ein Anteil am Produktivvermögen unserer Gesellschaft. Ich bin ein großer Freund der Idee "Volksaktie", ein großer Verfechter der Vermögenswirksamen Leistungen (die sollten deutlich erhöht und Aktienfonds und Direktinvestments in Aktien stärker gefördert werden), Belegschaftsaktien sollten gefördert werden, die Sparerfreibeträge erhöht werden und insbesondere für Aktiengewinne wieder eine Steuerfreiheit eingeführt werden - ob wie früher nach einem Jahr, nach zwei oder fünf Jahren, ist dabei zweitrangig. Eine Finanztransaktionssteuer halte ich für geboten - aber sie darf nicht Aktien und Fonds treffen, sondern Optionen, Derivate, Hochfrequenzhandel. Die Aktie ist kein Lotterielos, sondern ein Unternehmensanteil. Wir brauchen eine Aktienkultur in diesem Land und wir brauchen ein Pflichtfach Wirtschaft und Börse/Investieren an den weiterführenden Schulen.

      Hm, vielleicht muss ich einfach Bundeskanzlerin werden, damit sich das durchsetzt... :D

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    2. Zustimmung in allen Punkten!

      Viele Grüße
      Christian

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