Mittwoch, 21. Dezember 2016

Baruchs Börsenwissen: Entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns

Die Schere zwischen arm und reich geht in Deutschland immer weiter auseinander, das kann man alle paar Monate irgendwo lesen. Gerne auch in einem Armutsbericht der Bundesregierung. Und ebenso regelmäßig kommen die Kommentatoren zu den immer gleichen Schlüssen: man müsse den Reichen nur mehr Geld wegnehmen und es den Armen geben, dann würde alles gut. Doch schon der erste Deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, warnte: "Das einzige, was Sozialisten vom Geld verstehen, ist dass sie es von anderen haben wollen". Neben der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch böse Kapitalisten gibt es aber auch weniger klischeehafte Erklärungsansätze. Und einen lieferte schon vor fast hundert Jahren Börsenlegende Bernard Baruch.

»Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns.«
(Bernard Baruch)

Auf der einen Seite steht der Konsum, die schier endlose Möglichkeit, Geld auszugeben. Die Menschen leisten sich immer mehr, immer kostspieligere Spielsachen, das neuste Iphone-Modell, sündhaft teure Louis Vouitton-Handtaschen, Schuhe von Jimmy Choo oder einfach nur einen neuen Porsche. Und immer seltener haben sie das Geld dafür, sie kaufen immer häufiger auf Pump. Und wer glaubt, nur die Reichen würden es so machen, der irrt. Vor allem die einkommens- und vermögensschwachen Bevölkerungsschichten verschulden sich immer mehr und das rauf bis zur Hutschnur.

Das mag bei vergleichsweise niedrigen Zinsen nicht so ins Gewicht fallen, aber wenn das über das Girokonto läuft, kommen da schnell zweistellige Zinssätze zusammen. Auch das schmälert das Vermögen, dass man zu früh im Leben zu viel will und es sich auf Kredit leistet. Der Zinseszinseffekt kann also keine Wirkung entfalten, weil gar kein Vermögen angespart wird. Wer sich verschuldet, arbeitet für das Geld, die Zinsen anderer Leute. Nicht sehr clever...

Und dann sehen wir uns den zweiten Satz von Baruchs weisen Worten an: die Ärmeren sind primär auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen, während die Vermögenden immer häufiger von Zinsen, Mieten und Dividenden leben können. Nun könnte man behaupten, das liege daran, dass nur die Reichen sich Aktien oder Immobilien leisten können, aber das wäre zu kurz gesprungen. Die Erklärung ist ganz simpel, wenn auch nicht gerade charmant: der gewöhnliche Deutsche ist zu dumm. Und ich entschuldige ich bei allen Lesern, die sich jetzt angesprochen fühlen, das war nicht nett. Aber nötig, glaubt mir. Und gerade ihr solltet unbedingt weiterlesen, denn lesen bildet. Und es kommt noch ein schlauer Rat von mir...

Jeder kann sich etwas zusammenreißen und weniger ausgeben als er im Monat an Einnahmen hat - Hartz-IV-Empfänger und andere Sozialschwache, die eher von der Hand in den Mund leben, mal ausgenommen. Aber jeder mit einem geregelten Monatseinkommen kann etwas Geld zur Seite legen. Und was machen die Deutschen dann, wenn sie es überhaupt hinkriegen? Sie legen es auf Tagesgeldkonten, auf Sparbücher. Das ist dumm.

 Quelle: FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 
Und die Dummen sind selbst schuld! Schaut man auf die Vermögensverteilung, darauf wie das Geld von den Deutschen angelegt wird, dann finden sich Aktien, Fonds, ETFs und Immobilien weit hinten. Niedrig bis gar nicht verzinste Bankguthaben und Lebensversicherungen, das sind der Deutschen Anlageformen. Kein Wunder, dass sie kein Vermögen ansammeln! Das ist einfach dumm!

Weniger dumm sind die Reichen. Sie legen ihr Vermögen nämlich nicht in Geld an, sondern  in Sachwerten. Und zwar in Immobilien, in Aktien. Und diese bringen auf lange Sicht erhebliche Wertzuwächse, daraus speist sich der Vermögenszuwachs der cleveren Anleger.

Natürlich kommt hier der regelmäßige Einwand, nur Reiche könnten sich Aktien oder Immobilien leisten. Aber das stimmt nicht, es ist eine Schutzbehauptung, um das eigene Versagen, das Unvermögen, zu verdecken. Jeder kann Aktien kaufen oder Aktienfonds. Jeder kann Aktien oder Fonds kaufen, die in Immobilien investieren. Es machen nur zu wenige Leute. Und die, die es machen, sind nicht sofort reich. Nein, sie legen ihr Geld rentierlich an, es wächst, es gedeiht, es vermehrt sich. Durch Mieteinnahmen und Dividenden.

Reiche sind reich, weil sie weniger Geld ausgeben als sie einnehmen. Arme sind arm, weil sie mehr ausgeben als sie einnehmen. So einfach ist das im Grunde.

Natürlich fällt es einem Reichen leichter, Geld auf die hohe Kante zu legen, als jemandem, der mit 1.000 Euro netto nach hause geht. Unbestritten. Aber auch dieser Mensch kann einen kleinen Teil seines Einkommens abzweigen und in rentierliche Anlagen stecken, zum Beispiel in Aktien- oder ETF-Sparpläne. Monat für Monat kommen mit der zeit auch ansehnliche Beträge zusammen, die dann immer mehr an Erträgen abwerfen. Auf diese Weise wird man nicht reich, aber man kann Wohlstand aufbauen, ein kleines Vermögen. Jeder kann das, es liegt an jedem selbst. Und doch tun es die meisten nicht, sie haben immer eine Ausrede parat, weshalb sie das Geld für etwas anderes ausgeben müssen. Okay, können sie ja, es ist ihre Entscheidung. Aber dann sollen sie bitte auch nicht jammern, dass es anderen, die sich clever verhalten und ihr Geld für sich arbeiten lassen, so viel besser geht.

»Ausreden sind wie Arschlöcher. Jeder hat sowas.«
(aus Oliver Stones Antikriegsepos "Platoon")

Und wer dann doch eine Lehre für sich ziehen will, dem sei noch einmal das Konzept des Zinseszinses ans Herz gelegt. Wer es einmal begriffen hat, hat den Schlüssel zum eigenen Vermögensaufbau in Händen. Er muss ihn nur noch nutzen.

Kommentare:

  1. Genau so ist es.
    Daumen hoch.

    Frohes Fest
    Sven

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  2. Es ist dumm einen Menschen als dumm zu bezeichnen, nur weil er sich im Kapitalismus nicht auskennt. Du schreibst hier seit 2011 also in einer Zeit, wo die Aktienkurse von einem Hoch zum Nächsten eilen.

    Im 2001 und Anfangs 2009 als die Kurse zum Teil um über 50% einbrachen galt ein Aktionär als "dumm" der "noch" investiert war. In solch einer schwierigen Zeit für Aktionäre "darf man" solche Texte veröffentlichen, nicht aber nach fünf Jahren Aktien-Hausse, die Nicht-investierten, als dumm bezeichnen. Das ist überheblich und "dummer" Mainstream.

    Man kann dich ja auch nicht als "dumm" bezeichnen, nur weil du dein Portfolio, entgegen deiner eigenen Strategie, mit Optionen absichern wolltest, dabei aber Geld verloren hast.

    Nein, das war ein Fehler, weil du versuchtest den Markt zu timen. Da hättest du auf "erfahrene" Investoren hören können, jenen hast du dannzumal aber kaum Gehör geschenkt.

    Vielleicht hast du jetzt ein Gehör?

    Sei überheblich beim Aussuchen deiner Investitionen, das heisst, denke selbst, schwimme gegen den Strom und fühle dich auch noch wohl dabei!(und da möchte ich dir ein Kompliment aussprechen) Sei aber demütig gegenüber deiner eigenen Möglichkeiten.


    Vor langer Zeit(über 30 Jahre, nachdem ich einiges an Lehrgeld bezahlt hatte, habe ich mir meine eigenen zehn Regeln fürs Investieren zurechtgelegt.

    Wie bewegt sich ein erfolgreicher Investor am Markt?


    Er blendet Emotionen aus, hält den Spieltrieb unter Kontrolle und bleibt objektiv.

    Er muss stets den Überblick für das große Ganze bewahren.

    Er ignoriert was andere Investoren sagen oder machen.

    Er darf niemals komplette Depotumschichtungen vornehmen. (Die Welt dreht sich weiter!)

    Er kauft und verkauft sukzessive.

    Er interessiert sich nicht für den idealen Einstiegs-, respektive Ausstiegszeitpunkt, da diesen zu erwischen reine Glücksache ist, nichts aber mit Investieren zu tun hat.

    Er wiegt Chancen und Risiken nüchtern ab.

    Er unterliegt niemals der Massenhysterie.

    Er wird nicht überheblich, wenn er mal Recht hat!

    Er steht zu seinen Fehlern und lernt daraus.


    Dein Blog, den ich gerne lese, ist einer der richtig guten im deutschen Sprachraum, deswegen erlaube ich mir auch hin und wieder einen Kommentar anzubringen, wenn ich anderer Meinung als du bin.

    In diesem Sinne wünsche ich dir frohe Festtage, mit freundlichen Grüssen aus der Schweiz.

    John Doe

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    1. Ich war mir sicher, dass die Bezeichnung "dumm" zu Widersprüchen reizt, sie bleibt aber dennoch richtig als Einschätzung des Verhaltens des deutschen Durchschnittsbürgers. Und auf lange Sicht ist es Banane, wann man in Aktien investiert. Und genau darum geht es mir ja, nicht die kurzfristigen Schwankungen ausnutzen zu wollen, sondern sich ein Vermögen aufzubauen.

      »Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
      (Warren Buffett)

      Jeder Tag im 20. Jahrhundert war der richtige, um Aktien zu kaufen. Jeder! Und jeder Tag im noch jungen 21. Jahrhundert ebenso. Der Dow Jones kratzt gerade an der Marke von 20.000 Punkten.

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  3. Hallo Herr Kissig, Ich finde, du sprichst da eine ganz wichtige Sache an. Es ist wichtig Leute für den Aktienmarkt zu begeistern, dennoch übe ich mich gegenwärtig in Zurückhaltung, weil das Chance-Risiko Verhältnis mit den hohen KGVs der guten Unternehmen nicht so extrem attraktiv ist. Ich würde mich freuen, dass viele Aktien- Neulinge zugreifen, wenn der Markt fällt, nicht wenn er steigt. Das bleibt jedoch eine Wunschvorstellung, außer sie profitieren über kostengünstige Sparpläne von den Kursschwankungen.
    Vielen Dank für die großartige Arbeit und Frohes Fest,
    Koenigsinvestor

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  4. Der Umstand, daß in Deutschland Billionen Euro ungenutzt auf Sparkonten herumliegen, spricht doch für sich. Bei der Wortwahl kann man anderer Meinung sein, das ändert aber nichts an den Fakten. Menschen, die diesen Blog lesen, wissen sicher mit der Ausdrucksweise umzugehen. Es verleiht der Aussage einen gewissen Nachdruck. Die Affinität für Aktien werden unsere Landsleute wohl in diesem Wirtschaftssystem nicht mehr entwickeln, dafür werden bei uns zu viele Halbwahrheiten erzählt und Ängste geschürt. Ein Schelm, wer dahinter Absicht vermutet. Dumme Menschen lassen sich nun mal leichter unter Kontrolle halten und dabei meine ich das Wort dumm gar nicht herabwürdigend, sondern benutze es lediglich als Zustandsbeschreibung unserer angeblichen Bildungsgesellschaft. Fakt ist, der gesunde Menschenverstand und eigenständige Denkweisen bleiben irgendwo zwischen RTL2, 3, 4 und facebook etc. auf der Strecke. Da sind wir dann auch ganz schnell bei der häufigen Überschuldung privater Haushalte. Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich nur vermelden, die Menschen mit den geringsten Rücklagen haben sehr oft die höchsten Ansprüche. Sie orientieren sich nämlich oft am Besitz anderer und dem, was der Mainstream vorgibt. Leider kommen sie aus der Falle nur schwer heraus, weil die Gesellschaft insgesamt zu einer Ranking- und Showveranstaltung verkommen ist. Kurz vor Weihnachten möchte ich denn auch auf das alte Sprichwort verweisen: Geben ist seliger denn nehmen. In diesem Sinne Euch allen frohes Fest und ein gutes Jahr 2017.

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  5. Inhaltlich stimme ich absolut zu!
    Ich würde allerdings nicht andere Leute als dumm bezeichnen und dann im nächsten Satz "Hartz" falsch schreiben...

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  6. "ach Kinners" (norddt. burschikos nett gemeint):
    nun seid doch nicht so akribisch, wer Michael hier schon ne Weile verfolgt, der weiß, dass er es gut meint.. und mit "dumm" sicher nicht pauschalisiert, sondern sich auf den Blog-Inhalt bezieht...
    Schöne Festtage allen, Grüße Toni

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  7. Großes Thema, aber die Politik ist Schuld (wie immer:-).
    Ich kann nicht verstehen, weshalb die Sperrfrist von einem Jahr für Gewinne abgeschafft wurde. Jetzt muss ich nach Jahren Haltedauer meine Gewinne zu 25 % versteuern. Das ist traurig.
    Kannst du schon einen Ausblick auf 2017 geben? Was sind deine Tops und Flops für 2017?

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  8. Vollkommen richtig.Nur sagt es keiner.Die Reichen.Wer oder was ist denn Reich.
    Nach der politischen Meinung fast jeder der Eigentum besitzt, also auch Aktienbesitzer.
    Das Risiko, was auch jemand mit jeder Entscheidung im Wertpapierbereich eingeht wird ausgeblendet.Davon redet niemand.
    Und ob ich Jahresberichte lese oder Comichefte ist auch gleich.Habe ich Erfolg bin ich verdächtig, habe ich Misserfolg haben es alle gleich gesagt.
    Jeder wie er mag.Aber irgendwann, wenn die Rente zu klein oder die Konsumwünsche zu groß sind werden wieder die Reichen schuld sein.



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