Montag, 29. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 52/2014

"Erzähle mir die Vergangenheit und ich werde dir die Zukunft erkennen".
(Konfuzius)

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Was ist... Quality Investing?

Bei der Anlagestrategie des Quality Investings steht die Qualität des Investitionsobjekts im Vordergrund, nicht so sehr der Preis oder die Wachstumsaussichten. Es stellt eigentlich eine Weiterentwicklung des klassischen Value Investings dar, denn es wendet viele von dessen Kriterien an. Dabei werden anhand von Kennzahlen die Bewertung des Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Aktienkurs gesetzt und so eine Unter- oder Überbewertung ermittelt, die Grundlage der Investitionsentscheidung ist.

Quality Investing setzt an diesem Punkt an und selektiert die Aktien, die über besondere Qualitätsmerkmale verfügen. Nur in diese wird auch investiert. Denn schon der Urvater der Fundamentalanalyse, Warren Buffetts Lehrer Benjamin Graham, hatte die Qualitätsproblematik bereits in den 1930er Jahren erkannt und eine Unterscheidung zwischen Quality- und Low-Quality-Aktien vorgenommen. Besonders in den Fokus kam Quality Investing nach dem Blatzen der Börsenblase 2001 und den darauf folgenden spektakulären Pleiten von WorldCom, Enron, Parmalat oder Comroad, wo Bilanzmanipulation und das Fälschen der Bücher zum normalen Tagesgeschäft zu gehören schien.

Neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen wird besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt ("Moat"). Eine starke Marke kann der Garant dafür sein, dass das Unternehmen Krisenzeiten besser durchsteht und dass es eine Preissetzungsmacht hat, die es ihm ermöglicht, höhere Preise - und damit Margen - zu erzielen als seine Wettbewerber.

"Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu
kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis".
(Warren Buffett)

Warren Buffett startete als Value Investor nach Benjamin Grahams Grundsätzen und nachdem er Charlie Munger traf und dieser ihm den Wert der Qualität in Bezug auf Investmententscheidungen beibrachte, wandelte sich Buffett immer mehr zu einem Quality Investor. Seine legendären Investments in See's Candies oder Coca Cola sind Ergebnisse diese Lernprozesses.

Montag, 22. Dezember 2014

Balda fordert Schadensersatz in Millionenhöhe

Die Balda AG hat heute bekannt gegeben, dass sie gegen ehemalige Organmitglieder Schadensersatzansprüche geltend machen wird und zwar gegen die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder Dr. Michael Naschke, Yu-Sheng Kai und Chun-Chen Chen und zugleich gegen den ehemaligen Alleinvorstands Rainer Mohr. Ihnen werden Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf von Aktien an der TPK Holding Co. im Juli 2011 vorgeworfen, aufgrund derer die TPK-Aktien erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem deutlich geringeren Preis veräußert werden konnten.

Das Schadenspotential soll sich nach derzeitiger Berechnung auf einen Wert im zweistelligen Millionenbereich belaufen. Inwieweit sich hieraus Mittelzuflüsse für die Gesellschaft erzielen lassen können, ist bisher nicht einzuschätzen. Die genannte Höhe würde aber eine signifikante Auswirkung auf das Ergebnis des Unternehmens haben; allerdings dürften sich die Rechtsstreitigkeiten eine geraume Zeit hinziehen.

Balda befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 51/2014

"Für jede Spekulationsblase liegt schon eine Nadel bereit. Jedes Mal, wenn es bumm macht, gibt es wieder ein paar Anleger, die eine alte Lektion neu lernen müssen".
(Warren Buffett)

Freitag, 19. Dezember 2014

Andere Ansichten zu Kalten Delistings an Deutsche Börsen

Gereon Kruse zeigt auf "boersengefluester" die Komplettübersicht der Delistings 2014 und immerhin gab 35 Unternehmen, die auf diese unsaubere Art und Weise ihre eigenen Anteilseigner um ihr Geld gebracht haben - mit Rückendeckung des Bundesgerichtshofs (BGH) wohlgemerkt, der in seinem Urteil vom November 2013 in eklatanter Verkennung der Lebensrealität die Rechte der Aktionäre kastriert hatte.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Andere Ansichten zu Baldas meilenweiter Unterbewertung

"Börse Online" meint, Balda würde "meilenweit unter Buchwert" notieren. Seit dem Verkauf der Anteile an TPK sitze man auf einem gigantischen Cash-Berg von 2,77 EUR je Aktie, so dass man das operative Geschäft mit angepeilten 73 bis 78 Mio. EUR Umsatz quasi umsonst bekomme. Der Aktienkurs notiere 40 Prozent unter dem Buchwert von 4,15 EUR und operativ schreibe man inzwischen wieder schwarze Zahlen, dank der vor zwei Jahren eingeleiteten Neuausrichtung. Bei einer Eigenkapitalquote von fast 92 Prozent sei zudem das Risiko überschaubar.

Balda befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Andere Ansichten zur Aktienkultur in Deutschland

"Die Aktienkultur in Deutschland und den USA" beleuchtet "Finanzen.net" und zeigt auf, dass es in Deutschland eine solche gar nicht wirklich gibt. Immerhin würden weniger als 14 Prozent der Über-14-jährigen in Aktien oder Aktienfonds investieren - die Deutschen setzten sogar noch verstärkt auf Sicherheit, also Sparbücher und Lebensversicherungen. Ganz anders die Amerikaner, wo breite Bevölkerungsschichten an den börsennotierten Unternehmen beteiligt seien und so am wirtschaftlichen Erfolg des Landes teilhätten.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Mein Gastbeitrag zum Value Investing im "Sachwert Magazin"

In der aktuellen Ausgabe 1/2015 des "Sachwert Magazin" ist ein Kommentar von mir zum Thema "Value Investing" abgedruckt worden - neben so illustren Experten wie Prof. Max Otte und Folker Hellmeyer (der übrigens wie ich aus der schönen Stadt Wedel im Westen Hamburgs stammt und ebenfalls am Johann-Rist-Gymnasium Abitur gemacht hat, wenn auch etwa 10 Jahre vor mir).

Intelligent investieren am Aktienmarkt: Value Investing

Value Investing ist simpel. Aber nicht einfach. Diese Wahrheit stammt von Investmentlegende Warren Buffett und sie bringt das Dilemma auf den Punkt: das Grundprinzip des Value Investings ist nicht schwer zu verstehen, aber es anzuwenden, seine Elemente richtig umzusetzen, hingegen schon. Denn sie prallen auf das menschliche Verhalten und das ist (leider) völlig anders konditioniert, als es für Langfristanleger gut ist.

"Good business, good management, good price".
(Warren Buffett)

Dies sind die drei Kernelemente, die passen müssen für ein gutes Investment. Im Prinzip ist das schon alles.

Good Business
Als Aktionär erwirbt man nicht bloß Aktien, man beteiligt sich an einem Unternehmen. Daher ist es entscheidend, dass dieses über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügt, am besten über eine monopolartige Marktstellung und/oder eine Wettbewerbsposition, die Konkurrenten nicht oder nur schwer einnehmen könnten. Und es muss damit gute Geschäfte machen, also eine anständige Eigenkapitalrendite aufweisen, wobei stetig steigende Dividendenausschüttungen ebenfalls positiv zu werten sind.

Value Investoren setzen auf Fakten, auf Unternehmenszahlen, nicht auf Stimmungen und Meinungen, die an der Börse kursieren. Die Psychologie treibt die Kurse kurzfristig, aber langfristig machen die unternehmerischen Erfolge den Kurs(anstieg). Denn der innere, der faire Wert des Unternehmens liegt in seiner Substanz und seiner Ertragskraft begründet, nicht in seinen PR-Meldungen.

Daher ziehen Value Investoren Bewertungskennziffern zu Rate, um ein Unternehmen zu bewerten: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote.

Good Management
Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte! Wenn ein Unternehmen von windigen Leuten geführt wird, kann es durchaus erfolgreich sein. Aber wenn diese Manager bereit sind, Kunden über den Tisch zu ziehen, haben sie wohl auch keine Skrupel, dies mit ihren Aktionären zu machen. Die Presse ist voll von Abzockgeschichten an der Börse. Daher ist es unerlässlich, nur auf Unternehmen zu setzen, die von ehrlichen und fähigen Managern geführt werden.

"Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment".
(Roland Könen)

Good PriceUnd zu guter Letzt muss der Preis stimmen, zu dem man die Aktien erwerben kann. Denn nur wenn man die Aktien deutlich unterhalb ihres fairen Werts kaufen kann, wird daraus ein gutes Investment. Manchmal muss man viele Monate warten, bis der Aktienkurs eines Unternehmens auf das gewünschte Niveau fällt, bevor man einsteigen kann. Dies kann durch eine vorübergehende Unternehmenskrise, eine schlechte Meldung, verhagelte Quartalszahlen oder eine allgemeine Marktpanik eintreten - wichtig ist, dass man geduldig auf den richtigen Moment zum Einstieg. wartet. Zuschlagen, wenn die "Sicherheitsmarge" zum fairen Wert groß genug ist, und das Risiko eines Fehlgriffs entsprechend gering. Denn Buffetts Regel Nummer eins lautet: "Niemals Geld verlieren!".

Der Autor Michael C. Kissig schreibt als Experte für Value Investing für intelligent-investieren.net.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Andere Ansichten zum Verkauf der britischen Telekom-Tochter EE

"Börse Online" wähnt den Telekom-Konzern "vor Milliardenverkauf von britischer Tochter" EE an die BT Group (Britsh Telekom). Man habe sich auf exklusive Verhandlungen geeinigt und am Ende könnte die Telekom Milliarden einnehmen und noch mit 12 Prozent größter Aktionär bei BT werden. Insgesamt belaufe sich die Kaufsumme auf 12,5 Mrd. Pfund und die Vertragsverhandlungen sollten im ersten Quartal nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Die Deutsche Telekom befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 15. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 50/2014

"Wenn man für jeden ausgegebenen Dollar nur 90 Cents einnimmt, ist Wachstum keine Lösung".
(Jack Welch)

Buffett übernimmt Charter Brokerage

Value Investor Warren Buffett macht es vor, wie das so funktioniert mit dem antizyklischen Investieren. Aufgrund des aktuellen Ölpreisverfalls um mehr als 30% machen Investoren momentan einen großen Bogen um alles, was nur irgendwie mit Öl zu tun haben könnte. Für Buffett hingegen sind das Kaufgelegenheiten, denn er orientiert sich nicht am aktuellen Börsengeschehen, ja noch nicht einmal an volkswirtschaftlichen Prophezeiungen, sondern rein am Unternehmen, seinen Kennzahlen, seinem Management, seiner Fähigkeit, operative Cashflows zu generieren.

Und er hat ein Faible für den Finanzsektor. Konsequent kombiniert er dies mit seinem neusten Schachzug und erwirbt für seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway die in der Ölbranche tätige Charter Brokerage von Arsenal Capital Partners. Dem Vernehmen nach dürfte der Kaufpreis bei gut 500 Mio US-Dollar gelegen haben. Charter Brokerage organisiert Rückerstattungen von Steuern und Zoll in der Ölindustrie und Buffett ist überzeugt, bei "einem hochwertigen Unternehmen mit beständig starken Geschäftszahlen, das gut zu Berkshire Hathaway passt", zugegriffen zu haben.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Wie Anleger mit Sicherheit indirekt vom Ölpreisverfall profitieren

Der Ölpreis stürzt regelrecht ab, Gold verliert stetig an Glanz (und Wert), Rohstoffe fallen insgesamt. Und mit dem Absinken der Rohstoffpreise fallen auch die Aktienkurse der jeweiligen Rohstoffproduzenten auf immer neue Tiefs, seien es die Goldschürfer, die Ölförderer oder - Equipmentfirmen oder die Minenbetreiber. Je niedriger der Preis des jeweiligen Rohstoffs, desto geringer die Margen, die die Produzenten erzielen und umso größer der Kostendruck, den sie haben. Überkapazitäten sind eher die Regel als die Ausnahme und so werden die weniger rentierlichen Anlagen stillgelegt und es wird auf weniger neue Ausstattung gesetzt. Was wiederum den Zulieferern zusetzt und deren Kurse zum Einsturz bringt. Beschleunigt hat sich zuletzt insbesondere der Verfall des Ölpreises, der in nur wenigen Wochen um mehr als 40 Prozent kollabierte - WTI sank erstmals seit 5 Jahren wieder unter die Marke von 60 US-Dollar, nachdem es im Oktober noch bei über 100 US-Dollar notierte.

Was den deutschen Autofahrer freut, da die purzelnden Ölpreise sich auch auf seiner Tankrechnung bemerkbar machen, bringt den einen oder anderen in Bedrängnis: so sehen sich Russland (neben den Wirtschaftssanktionen des Westens aufgrund der Ukraine-Krise) und Venezuela einem drohenden Staatsbankrott gegenüber, weil ihre Haushalte von Ölpreisen von 100 US-Dollar und mehr abhängen. Und in den USA bekommt die aufstrebende Fracking-Industrie heftigen Gegenwind, weil sich ihre Projekte bei Ölpreisen von unter 70 US-Dollar auch kaum mehr tragen.

Die Auswirkungen werden auch in Anlegerkreisen zunehmend diskutiert. "Private-Equity-Firmen leiden unter Ölpreisabsturz" titelte das "Wallstreet Journal Deutschland" und beschreibt führende Private-Equity-Firmen wie KKR & Co. und den Wertverlust, den ihnen ihre Öl- und Gasförderbeteiligungen aufgrund des 30-prozentigen Ölpreisverfalls beschert haben. Und weshalb sie dennoch auf weitere Zukäufe in diesem Bereich setzen. Christian Kirchner fragt in seinem Blog "menschen.zahlen.sensationen": "Juckt ihnen auch der Finger in Sachen Öl?" und legt dar, weshalb Direktinvestments in Rohstoffe keine gute Idee sind und welche Auswirkungen der Preisverfall noch haben kann. "Die Börsenblogger" fragen sich, ob "bei Öl eine Preisstabilisierung in Sicht" sei und bei "Value Shares" wird der "Abschlag auf den Buchwert beim norwegischen Unternehmen Prosafe" thematisiert und ob dies ein guter Zeitpunkt sei, um dessen Aktien zu erwerben. Ins gleiche Horn stößt "Der Value Blog" mit seiner "Analyse von Subsea 7".

Diese Überlegungen kommen nicht von ungefähr, denn in dieser Gemengelage winkt antizyklischen Investoren die Gunst der Stunde. Wer genug Geld und einen langen Atem hat, für den dürfte jetzt die richtige Zeit sein, sich hier strategisch zu positionieren - es herrscht ein Käufermarkt, da viele Unternehmen händeringend auf der Suche nach frischem Kapital sind. Dennoch muss sich der Privatanleger selbstkritisch fragen, ob er diese beiden Voraussetzungen wirklich erfüllt. Denn der Preisverfall und damit die Kurseinbrüche können noch einige Zeit andauern und nicht viele Privatanleger kommen gut mit hohen Kursverlusten klar. Auch ist es schwierig, die Unternehmen herauszupicken, die diese Krise überhaupt überstehen werden. Denn die allseits erwartete "Marktbereinigung" bedeutet letztlich nichts weniger, als dass es zu Zusammenschlüssen und Pleiten kommen wird. Und Übernahmen. Das Risiko, hier aufs falsche Pferd zu setzen, sollte durch die möglichen Chancen nicht ausgeblendet werden.

Es gibt allerdings noch einen anderen Weg, in die Branche zu investieren und  möglicherweise zu niedrigsten Kursen am Drehen des Marktes zu profitieren. Denn eine Branche, die es geradezu zur Lebensmaxime gemacht hat, in Krisensituationen zuzugreifen, sind die Finanzinvestoren. Auch aufgrund des niedrigen Zinsniveaus fließen ihnen immer mehr Geldmittel zu, für die sie Investitionsmöglichkeiten suchen (müssen). Und zurzeit werden sie auch in der Ölindustrie fündig. Auf einer von der New York Times initiierten Konferenz sagte Stephen Schwarzman, Chef des Finanzinvestors Blackstone Group, er sehe die besten Chancen für Rohstoffe seit vielen Jahren. Blackstone lege gerade einen zweiten Energiefonds mit einem Einlagenlimit von 4,5 Milliarden US-Dollar auf. Viele Leute hätten sich viel Geld auf Basis höherer Energiepreise geliehen und die bräuchten jetzt mehr Kapital. Er sagte überdies vermehrt Restrukturierungen voraus und dabei werde es auch Opfer geben. Nachdem der erste vergleichbare Investmentpool der Gesellschaft, der 2012 aufgelegt wurde mit einem Volumen von 2,5 Milliarden US-Dollar, bisher nach Gebühren bis zum 30. September eine annualisierte Rendite von 44 Prozent vorweisen konnte, dürfte die Nachfrage nach dem neuen Fonds seitens reicher Großinvestoren entsprechend hoch sein.

Privatanleger können allerdings auch profitieren. Denn Blackstone ist an seinen Fonds selbst mit eigenen Mitteln beteiligt und verdient darüber hinaus noch am Management dieser Fonds. Wer also Blackstone-Aktien kauft, erwirbt auch einen Teil dieses interessanten Investments mit. Andererseits wird das Risiko schon dadurch gestreut, dass Blackstone eben nicht nur in diesem Bereich engagiert ist, sondern auch in Aktien, Anleihen und Immobilien. Je nachdem, wo die Macher der weltweit agierenden Investmentgruppe lukrative Chancen wittern, wird zugeschlagen. Gerne in Krisenregionen und in Krisenzeiten, um dann in der Phase der wirtschaftlichen Erholung hinein die Früchte zu ernten. Dabei gehen auch Investments dieser Profis mal schief und führen zu Verlusten. Diese fallen aufgrund der verwalteten Milliarden allerdings nicht ganz so ins Gewicht, als würde ein Privatanleger selbst ein solches Investment tätigen und Schiffbruch erleiden. Allerdings ist das Geschäft der Finanzinvestoren schon sehr zyklisch, so dass die aktuell sehr üppigen Dividendenrenditen von 6 bis 9 Prozent (und die recht niedrigen KGVs von teilweise unter 10) durchaus schwankungsanfällig sind und nicht einfach so auf die Zukunft fortgeschrieben werden können. Dennoch sind die Aktien von Finanzinvestoren gerade auch für Privatanleger eine interessante Depotbeimischung, da sie verglichen mit Banken weitaus weniger reguliert sind und somit mehr Möglichkeiten haben, interessante Assets zu erwerben. Und man kann dabei auf den Eigennutz der handelnden Personen setzen, sind diese doch mit erheblichen eigenen Geldbeträgen in ihren Firmen investiert. Anders als Bankmanager treffen sie Verluste unmittelbar und im umgekehrten Fall profitieren sie ebenso direkt von den wirtschaftlichen Erfolgen ihrer Firmen. Positiver Nebeneffekt ist, dass die amerikanischen Finanzinvestoren Blackstone Group L.P. und KKR & Co. L.P. ihre Erfolge vierteljährlich mit ihren Anlegern teilen und sich auch deutsche Anleger dank dieser Quartalsdividenden einen ungewohnt stetigen Geldfluss alle drei Monate sichern können.

Blackstone Group und KKR & Co. befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Was ist... Value Investing?

Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Wertpapiere ausschließlich unter Bezug auf deren realwirtschaftlichen Gegenwert, den so genannten inneren Wert, getroffen werden. Dieser wird zumeist mittels der Fundamentalanalyse ermittelt. Der innere Wert wird dann mit den aktuellen Börsenkursen verglichen und so gezielt zeitweilige Ineffizienzen der Finanzmärkte bei der Preisbildung ausgenutzt: bei zu niedrigen Preisen wird gezielt gekauft und gegebenenfalls bei zu hohen Preisen ebenso gezielt wieder verkauft.

»Wenn die Verluste minimiert werden, erzeugen durchschnittliche Gewinne überdurchschnittliche Ergebnisse.«
(Benjamin Graham)

Das erklärte Ziel der Strategie liegt vor allem in der Vermeidung von Verlusten und unangemessen niedriger Renditen auf das eingesetzte Kapital. Als gewollter Nebeneffekt stellen sich dabei in der Regel für die jeweilige Anlageklasse überdurchschnittlich hohe Erträge ein.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Beim Value Investing geht es also konkret um die Suche nach unterbewerteten Unternehmen. Darüber hinaus sollte ein Unternehmen über ein herausragendes Geschäftsmodell verfügen und möglichst hohe Wettbewerbsvorteile haben. In einem zweiten Schritt wird die zukünftige Ertragskraft in Relation zur aktuellen Bewertung des Unternehmens gesetzt. Als Maßgabe für den inneren Wert eines Wertpapiers können dabei der Substanz- oder Liquidationswert, der Ertragswert oder das realwirtschaftliche Wachstum dienen. Weil jedoch die Ermittlung des inneren Werts gewissen Schwierigkeiten unterliegt und meist nur eine ungefähre Schätzung erlaubt, operieren Value Investoren mit einer sog. Sicherheitsmarge ("Margin of Safety"), also einem ausreichenden Abstand zwischen dem Preis und dem geschätzten inneren Wert des Wertpapiers. Sie wird zumeist zwischen 30 und 50% angesetzt. Denn je tiefer der Kaufpreis zum inneren Wert, desto geringer ist das Risiko mit der Anlage Geld zu verlieren. Die Sicherheitsmarge ist das zentrale Anlagekonzept beim Value Investing.

»Value Investing ist eine Philosophie; keine bloße Ansammlung von Anlageinstrumenten, sondern eine Frage der Einstellung, eine intellektuelle Grundlage.«
(Lawrence A. Cunningham)

Als Urvater des Value Investing gilt der US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und legendäre Investor Benjamin Graham mit seinem 1934 erschienenen Buch "Security Analysis", das noch heute als die „Bibel“ des Value Investing gilt. Es beeinflusste neben Warren Buffett auch John Templeton, Philip A. Fisher und Peter Lynch.

Freitag, 12. Dezember 2014

KKR & Co. verkauft Fotolia an Adobe

Finanzinvestor KKR hat eine weitere Beteiligung gewinnbringend verkauft. Für 800 Mio. US-Dollar geht die Online-Fotoagentur Fotolia mit ihren 34 Mio. Bildern an den Softwaregiganten Adobe Systems. KKR hatte seinen 50%-Anteil an Fotolia erst 2012 für 150 Mio. US-Dollar erworben und in einen seiner Beteiligungsfonds eingebracht. Mit diesem Exit kan KKR sein eingesetztes Kapital in kurzer Zeit weit mehr als verdoppeln.

KKR & Co. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Wie Blackstone den Heiligen Geist ums Tafelsilber erleichterte

Blackstone Group L.P hat wieder in Europa zugeschlagen und erwarb 19 Einhandelsimmobilien in den Niederlanden und Portugal. Der Finanzinvestor setzt seine breit diversifizierte globale Investitionsstrategie damit erfolgreich fort.

Niederlande
Das von CBRE Global Investors erworbene Portfolio besteht aus insgesamt 107.500 m² Verkaufsfläche, die in attraktiven Lagen von Innenstädten und Wohngebieten von Nootdorp, Utrecht, Leusden und anderen Städten liegen. Zu den Ankermietern zählen Einzelhändler wie Ahold, Blokker und H&M.

Portugal
Das Portfolio in Portugal besteht aus fünf Einzelhandelsimmobilien mit insgesamt 65.000 m² Verkaufsfläche, die im Einzugsgebiet der Hauptstadt Lissabon liegen. Mieter sind portugiesische Marktführer wie Continente und Modelo.

Über die Preise ist nichts zwar bekannt, allerdings erwirbt Blackstone das Portfolio in Portugal aus Fonds, die von der Novo Banco Group verwaltet wurden. Das bis vor kurzem noch Banco Espirito Santo ("Bank vom Heiligen Geist") benannte Kreditinstitut war unlängst in Schieflage geraten und musste vom portugiesischen Staat gerettet werden. Die Bank ist nun gezwungen, sich von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten zu trennen, was sich auf den Verkaufspreis negativ ausgewirkt haben dürfte.

Für Blackstone sollte sich auch dieses Engagement auszahlen, denn die Finanzprofis investieren antizyklisch in Krisenregionen und profitieren, wenn sie ihre Engagements in der Phase der wirtschaftlichen Erholung wieder versilbern.

Blackstone Group befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Kauft Aurelius britisches Recyclingunternehmen Eco Plastics?

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius ist nach Aussage ihres Chefs und Großaktionärs Dr. Dirk Markus aktuell in Gesprächen über weitere Zu- und Verkäufe. Bisher gibt es hierzu noch nichts Konkretes. Nun vermeldet allerdings das Bundeskartellamt, es würde die Übernahme des auf die Verwertung von Kunststoffabfällen spezialisierte britischen Unternehmens Eco Plastics Ltd. durch Aurelius prüfen. Hat Aurelius also doch schon in England zugeschlagen? In den letzten drei Börsenhandelstagen hat der Kurs der Aurelius-Aktie jedenfalls schon mal um 10 Prozent zugelegt und findet sich auch heute weit vorn auf der Gewinnerliste. Die Aussichten für Deutschlands vermutlich interessanteste Beteiligungsgesellschaft sind jedenfalls weiterhin sehr gut.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.




Ergänzung vom 12.12.2014

Heute gab Aurelius die Übernahme bekannt. ECO Plastics betreibt in Hemswell eine der weltweit größten und modernsten Kunststoffrecyclinganlagen. Die Anlage verfügt über eine jährliche Kapazität von ca. 150.000 Tonnen PET-Flaschen, was in etwa 35% der pro Jahr in Großbritannien recycelten Plastikflaschen entspricht. AURELIUS war bereits in der Vergangenheit mit Wellman International, Europas größtem Recycler von Einweg-PET-Flaschen und führendem Produzenten von Polyester-Fasern erfolgreich in diesem Markt aktiv und will ECO Plastics "durch operative und finanzielle Unterstützung langfristig strategisch neu ausrichten".

Montag, 8. Dezember 2014

Andere Ansichten zu neuen Zukäufen von Aurelius

Im "Deutschen Anleger Fernsehen" (DAF) nimmt Markus Horntrich, Chefredakteur beim Anlegermagazin "Der Aktionär, die Aktien von Aurelius unter die Lupe und verweist auf Aussagen des CEO Dr. Markus, wonach bis Ende Januar zwei Zukäufe anstünden. Hierunter sei, so werde speukliert, eine Schönheitsklinik in Großbritannien, sollte diese frei von Rechtsstreitigkeiten sein und eine saubere Geschäftsabwicklung ermöglichen. Zudem sei die hohe Dividendenrendite von Aurelius, zwischen 6 und 7 Prozent, äußerst attraktiv für Anleger.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Andere Ansichten zu Blackstones weiteren Verkäufen von Hilton-Anteilen

"Hilton-Anleger brauchen starke Nerven" meint "boerse.ard.de". Operativ laufe es hervorragend, belastend würden sich lediglich die Anteilsverkäufe des Großaktionärs Blackstone Group auswirken, die ihren Anteil von 66 auf 57 Prozent verringern wollten durch den Verkauf von weiteren 90 Millionen Aktien. Ähnliche Aktionen seien auch in Zukunft zu erwarten, habe Blackstone doch die Absicht, sich mittelfristig komplett aus dem Hotelkonzern zurückzuziehen. Seitdem Blackstone die im Jahr 2007 für 26 Mrd. US-Doller erworbene Hilton-Gruppe im vergangenen Jahr an die Börse gebracht habe, sei deren Kurs dennoch um 30 Prozent gestiegen.

Blackstone Group befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 49/2014

"Breite Diversifikation ist nur dann nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen".
(Warren Buffett)

Balda AG: Attraktive Unterbewertung?

Die Balda AG hat einen enormen Absturz und eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Einst ein gefeierter Star am deutschen Börsenhimmel, als man noch die Hartschalen für Nokia-Handys herstellte und vom Erfolg des damaligen Weltmarktführers profitierte, ging es dann konsequent bergab. Hausgemachte Probleme und Querelen haben nicht nur Anleger vergrault, sondern auch das operative Geschäft nachhaltig gestört - und auch die Führungsriege wurde nicht nur einmal gewechselt.

Inzwischen sieht die Welt für Balda wieder etwas anders aus. Ein neuer CEO lenkt die Geschicke, ein neuer 30-Prozent-Großaktionär (und Aufsichtsratschef) zieht im Hintergrund die Fäden und eine Neuausrichtung auf den Bereich Plastik, insbesondere für die Medizintechnik, bringt operativ die Wende. Das EBIT scheint die Pluszone erreicht zu haben, so zeigen es die jüngst veröffentlichten Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2014/15. Die Balda AG erwirtschaftete in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2014/15 einen Konzernumsatz von 20,7 Mio. EUR nach 17,5 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum und das EBIT liegt bei 0,4 Mio. EUR. Es scheint so, als würde der operative Turnaround greifen und hier wird die Sache nun auch langsam interessant.

"Turnarounds seldom turn."
(Warren Buffett)

Denn Balda sitzt auf Geld, viel Geld, um genau zu sein. Dieser Cash- und Festgeldbestand von fast 200 Mio. EUR stammt aus dem Verkauf der Anteile an dem taiwanesischen Touch-Screen-Unternehmen TPK. Ein Großteil der Erlöse wurde bereits in Form von üppigen Dividenden an die Anteilseigner weitergereicht und hat zu dem schrecklichen Chartbild beigetragen, denn gute 4 EUR an Kursreduzierungen in den letzten vier Jahren sind auf diese Sonderausschüttungen zurückzuführen. Setzt man das Nettoumlaufvermögen von rund 195 Mio. EUR ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung von 159 Mio. EUR (58,89 Mio. Aktien bei einem Kurs von 2,70 EUR), deutet dies auf eine signifikante Unterbewertung hin. Ausführlich dargelegt hat dies jüngst Daniel Koinegg in seinem Bargain-Magazine. Weitere Ausschüttungen sind aktuell nicht geplant und so stellt sich die Frage, was Balda mit dem Geld anfangen will. Denn Unternehmen, die sinnlos Geld streuen, um Geschäft hinzuzukaufen, sind selten ein gutes Investment.

In einem aktuellen Interview mit Börse Online äußert sich der neue Firmenlenker Oliver Oechsle zu den Plänen des Unternehmens. Man denke über Zukäufe nach, insbesondere für den Bereich Medizintechnik. Hier sehe man die Zukunft für Balda.

"Unser idealer Partner wäre ein Unternehmen, das sich im Markt der Medizintechnik bewährt hat, international gut aufgestellt ist und räumlich zu Balda passt. Eine solche Akquisition würde uns helfen, die Internationalisierung voranzutreiben und die Profitabilität zu steigern".
(Oliver Oechsle, CEO Balda AG)

Man kann also davon ausgehen, dass Balda bereits auf der Suche nach einem entsprechenden Unternehmen ist; abzuwarten bleibt allerdings, ob diese mögliche Akquisition wirklich den Parametern entspräche und zu einem vernünftigen Preis unter Dach und Fach zu bringen wäre. Aktuell hat Balda schon zwei örtliche Standbeine, eines in Deutschland und eines in den USA. Ein Zukauf kann hier die Balance einseitig verschieben und ggf. die gerade erst zusammenwachsenden Unternehmenskulturen negativ beeinträchtigen. Entsprechend kritisch wäre ein Zukauf auch unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten - es muss halt vieles passen. Zu oft hat Balda in der Vergangenheit die Selbstbeschäftigung im Fokus gehabt und nicht das Voranbringen des operativen Geschäfts.

Ein weiterer kritischer Aspekt sind die - inzwischen nur verhalten geäußerten - Vermutungen, der neue Großaktionär plane, Balda in Richtung Solarenergie neu aufzustellen. Das wäre der Kursentwicklung wohl kaum zuträglich und würde erhebliche neue Fragen aufwerfen. Momentan deutet allerdings nichts darauf hin, dass es solche Bestrebungen wirklich gäbe. Und auch ein weiterer negativer Aspekt muss mit ins Kalkül gezogen werden: so hat Gereon Kruse auf boersengefluester.de neulich ein mögliches Delisting der Balda AG ins Gespräch gebracht. Man muss nicht gesondert erwähnen, dass dies zumeist mit einschneidenden Kursverlusten für Aktionäre einhergeht, denn das Einstellen der Börsennotierung stellt schon ein erheblichen Einschnitt in die Verfügbarkeit des Vermögens dar. Auch wenn der BGH dies in seinem realitätsverkennenden Delisting-Urteil anders sieht.

Der Abstieg aus dem SDAX hat dem Aktienkurs nicht gut getan und es könnte sein, dass das Unternehmen noch mehr aus dem Fokus institutioneller Anleger verschwindet. Zumindest covern aktuell noch zwei Analysehäuser den Wert und Warburg Research stuft Balda als "Halten" ein mit einem Kursziel von 3,90 EUR, während First Berlin das Votum "Kaufen" vergibt mit einem Kursziel von 4,40 EUR.

Eine Investition in die Balda AG ist kein Selbstgänger, kein "No-Brainer", sondern durchaus mit weiteren Risiken behaftet. Dennoch scheinen die positiven Aspekte zu überwiegen, die aus einer erfolgreichen Konsolidierung des operativen Geschäfts herrühren und der deutlichen Unterbewertung des Aktienkurses. Der hohe Cashbestand bietet hier eine erhebliche Sicherheit, solange er eben nicht unsinnig verpulvert wird. Hier muss man entscheiden, ob man dem neuen Management diesbezüglich das entsprechende Vertrauen entgegenbringt. Bejaht man dies, kann sich eine Turnaround-Spekulation in Aktien der Balda AG mittel- und langfristig als sehr lukrativ herausstellen. Dennoch sollte man den Wert nur als kleine Depotbeimischung verstehen, denn es bestehen nach wie vor unübersehbare Risiken.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Lese-Tipp: "Gierig. Verliebt. Panisch. Wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden"

Autorin: Jessica Schwarzer

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Börsenbuchverlag
Auflage: 1 (15. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3864702143
ISBN-13: 978-3864702143

"Gierig. Verliebt. Panisch.: Wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden" ist ein Buch über das emotionale gesteuerte Verhalten der Anleger in ihrem Mikrokosmos Börse, das sich so deutlich von der realen Welt unterscheidet. Denn die evolutionserprobten Verhaltensmuster verleiten uns hinsichtlich der Aktiengeschäfte oftmals zum genau falschen Verhalten.

Das kurzweilige Buch befasst sich mit der Börsenpsychologie und bietet eine Fülle von Ansichten bekannter und unbekannter Situationen, mit denen Anleger sich konfrontiert sehen. Es stellt eine Art Wegweiser dar, um aus diesem - oft irrigen - Verhalten zu lernen. Gewürzt wird das Ganze mit einer Reihe von Börsenweisheiten und bietet so ein unterhaltsames Lesevergnügen. Tiefschürfende psychologische Studien sollte man allerdings nicht erwarten - und die meisten Leser werden sagen: "zum Glück".


Samstag, 6. Dezember 2014

Lese-Tipp: "Cashflow-Investing: Die besten Dividenden Aktien auswählen"

Autoren: Arne Sand und Max Schott

Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: FinanzBuch Verlag
Auflage: 2 (11. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898798852
ISBN-13: 978-3898798853

Das Buch gibt einen umfassenden und doch kurzweiligen Einblick in den Investmentansatz, mit dividendenstarken Aktien einen stetigen Geldfluss und so ein zusätzliches passives Einkommen zu erzeugen. Es konzentriert sich auf langfristig orientierte Anleger und erläutert die entscheidenden Parameter für ein erfolgreiches Cashflow-Investing. Der Schreibstil der Autoren ist leicht verständlich und die Beispiele sind praxisnah, so dass das Werk sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene zu empfehlen ist.


Andere Ansichten zu den Folgen des Ölpreisabsturzes für Private-Equity-Firmen

"Private-Equity-Firmen leiden unter Ölpreisabsturz" titelt das "Wallstreet Journal Deutschland" und beschreibt führende Private-Equity-Firmen und den Wertverlust, den ihnen ihre Öl- und Gasförderbeteiligungen aufgrund des 30-prozentigen Ölpreisverfalls beschert haben. Und weshalb sie dennoch auf weitere Zukäufe in diesem Bereich setzen.

KKR & Co. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 5. Dezember 2014

Legendäre Investoren: Sir John Templeton

Sir John Marks Templeton (* 29. November 1912 in Winchester, Tennessee, USA; † 8. Juli 2008 in Nassau, Bahamas) gründete 1954 den Templeton Growth Fund, Inc., einen der am Anlagevermögen gemessen weltweit größten Investmentfonds.

Sir John Templeton
Er wurde von Königin Elisabeth II. geadelt und gehörte zu den Pionieren der Investmentbranche. Sein Templeton Growth Fund war mit seinen spektakulären Gewinnen 50 Jahre lang das Maß der Dinge an der Wall Street. Dabei beherzigte Templeton stets die Prinzipien des Value Investings und blieb seinem Credo treu, günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen.

Templetons Aufstieg zum "wohl größten globalen Stock-Picker des Jahrhunderts", so das US-Anlegermagazin Money 1999, begann in der Baisse des Jahres 1939 auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise zu Beginn  des Zweiten Weltkriegs. Damals, als alle Anleger ihre Aktien zu jedem Preis auf den Markt warfen, lieh er sich 10.000 Dollar und kaufte querbeet Unternehmen, deren Aktienkurse unter 1 Dollar gesunken waren. Als er nach einigen Jahren diese Aktien verkaufte, war er ein reicher Mann, da beinahe alle diese Aktien erheblich im Kurs gestiegen waren.

Er lebte also seine Maxime vor, in Zeiten des größten Pessimismus einzusteigen, diese unterbewerteten Aktien über einen längeren Zeitraum zu halten und dann teuer wieder zu verkaufen. Er war überzeugt, dass man andere Aktien als alle anderen kaufen müsse, weil man ansonsten eben auch keine andere, bessere, Rendite aufweisen könne. Und sein Templeton Growth Fund bestätigte dies, denn zwischen dem Zeitpunkt der Auflage 1954 und dem Verkauf der Investmentgesellschaft an die Franklin Investment-Gruppe im Jahr 1992 für 440 Mio. Dollar erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,5 Prozent. Seine Anlagephilosophie bewährte sich auch kurz nach der Jahrtausendwende, als die Internetblase platzte und die Kurse weltweit abstürzten. Getreu seinem Motto des antizyklischen Investierens hatte er da bereits den größten Teil seiner Tech-Aktien verkauft und sein Fonds verlor zwischen 2000 und 2003 nur 2 Prozent, während der MSCI-World-Index um fast 40 Prozent in die Tiefe stürzte.

Der stets bescheidene und sparsame Milliardär starb 2008 auf den Bahamas an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde 95 Jahre alt.


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Andere Ansichten zu Garantiezins versus Dividendenrendite

Mit der zum Jahreswechsel anstehenden weiteren Senkung des Garantiezinses bei Lebensversicherungen beschäftigt sich "boerse.ard.de" und beleuchtet unter dem Titel "Garantiezins versus Dividendenrendite" welch ernüchternden Renditen Kunden hier bevorstehünden. Die ausgeprägte Aversion deutsche Anleger gegen Aktien dürfe sie nicht von der  Beimischung dividendenstarker Aktien abhalten, die gerade in angelsächsischen Ländern neben den Immobilien als Hauptstütze der Altersversorgung gälten.

Scherzer & Co. AG überzeugt nicht (mehr) richtig

Soeben hat die Investment-Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co. ihren aktuellen Nettoinventarwert (NAV) per 30. November gemeldet und dieser liegt bei unveränderten 1,76 EUR je Aktie. Der Aktienkurs notiert aktuell rund 17 Prozent darunter, ein Abschlag, der nicht unüblich ist.

Ich habe die auf deutsche Nebenwerte und Sondersituationen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft ja schon einige Zeit auf meiner Empfehlungsliste und auch bereits mehrfach über sie berichtet. Insbesondere bei Squeeze-outs haben die Kölner immer wieder ein goldenes Händchen bewiesen und in den letzten Jahren den Wert des Unternehmens stetig gesteigert. Doch nun scheint zunehmend Sand im Getriebe zu sein.

Scherzer fährt eine nicht ganz risikolose Strategie und setzt bei seinen Investments auch gerne Fremdkapital ein. Das sorgt für eine Hebelwirkung und bei steigenden Kursen für zusätzliche Freude. Doch der jüngste Kursabschwung setzte der Scherzer-Aktie heftig zu, der NAV sank deutlich. Doch während sich die Börsen wieder erholten, bliebt der NAV der Scherzer-Engagements ggü. dem Vormonat unverändert - auf Jahressicht bleibt kaum ein Zugewinn. Wenn man bedenkt, dass die von Scherzer erzielten Gewinne vom Unternehmen versteuert werden müssen und man als Anleger später noch einmal für die erzielten Kursgewinne mit der Scherzer-Aktie beim Fiskus zahlen darf, sollte man hier schon eine herausragende Performance seitens des Scherzer-Managements erwarten dürfen. Insbesondere was die Sondersituationen angeht, zuvorderst also Squeeze-outs, hat man als Privatanleger ansonsten kaum eine reelle Chance, auf die richtige Strategie zu setzen.

Nach gut 15 Monaten auf meiner Empfehlungsliste stehen rund 16% Kursgewinne zu Buche, was sich durchaus sehen lassen kann. Es gab in dieser Zeit allerdings ertragreichere Investments in einem Bullenmarkt sollten gerade auch Nebenwerte eine überdurchschnittliche Performance bieten. Die angehäuften Nachbesserungsrechte sind immer für eine positive Überraschung gut und ich werde die weitere Entwicklung mal abwarten.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Jungheinrich steigt in den MDAX auf

Der Hamburger Hersteller von Flurförderfahrzeugen Jungheinrich wird geadelt und steigt in Deutschlands erste Börsenliga auf, genauer: in den MDAX, den Index für die mittelgroßen börsennotierten Gesellschaften. Wie die Deutsche Börse mitteilte, wird Jungheinrich dort die Aktien des Bezahlfernsehsenders Sky Deutschland ersetzen, dessen Streubesitzanteil auf unter zehn Prozent gesunken sei. Die Änderung wird am 4. Dezember umgesetzt.

Jungheinrich befindet sich auf meiner Empfehlungliste.

Versicherungsaktien: Renditen runter, Risiko rauf

Versicherungsaktien erscheinen auf vielen Kauflisten, weil sie im Vergleich zum Gesamtmarkt recht moderat bewertet sind und nicht selten üppige Dividendenrenditen aufweisen können. Das klingt nach guten Investments...

Doch ein paar Flöhe hat der Hund schon. Denn die Versicherungsbranche leidet erheblich unter der lang anhaltenden Zinsflaute, legt sie doch das Geld ihrer Versicherten bevorzugt in langfristige Zinspapiere an. Und wenn die Hochprozenter auslaufen finden sich heutzutage kaum noch attraktive Anlagemöglichkeiten bei vertretbaren Risiken. Mit der Folge, dass die Renditen sinken. Dem begegnet man durch das erneute Absenken des sog. Garantiezinssatzes, den die Kunden der Kapital- und Rentenversicherungen erhalten. Vor einigen Jahren lag dieser noch bei 4 Prozent, nun wird er auf 1,25 Prozent schrumpfen. Es kommen zwar noch die Überschussbeteiligungen hinzu, aber diese sind eben nicht garantiert.

Das Hauptzugpferd der Assekuranzen, die Kapitallebensversicherung, wird also für Kunden zunehmend unattraktiv, trotz der ebenso wenig zündenden Konkurrenz aus der Bankenbranche, denn für Spareinlagen oder Termingelder bekommt man auch fast keine Zinsen mehr gutgeschrieben. Auch wenn es für Privatkunden bisher noch keine Negativzinsen gibt. Erste Lebensversicherer haben schon angekündigt, keine Dividenden mehr zahlen zu können oder zu wollen.

Den Rückversicherern machen hingegen versicherungsfremde Konkurrenten das Leben schwer, denn auch andere große Anleger, wie Pensionsfonds, suchen derzeit händeringend nach Anlagemöglichkeiten. Und so stoßen sie in dieses vermeintlich attraktive Geschäftsfeld vor, so dass die Branchenriesen wie die Munich Re inzwischen Marktanteile verlieren. Bewusst, weil sie sich auf kein Prämien-Dumping einlassen wollen, denn diese Lehre haben sie teuer bezahlt, als sie es vor einigen Jahren anders machten und dann massiv draufzahlen mussten. Andererseits haben Versicherungsunternehmen in den vergangenen Jahren auch nicht wirklich vom Boom der Sachanlagen profitieren können, wie ein Blick auf die Allianz zeigt. Deutschlands größter Versicherer hat seinem Geschäftsbericht 2013 zufolge 89 Prozent seines Geldes in Anleihen investiert und nur 7 Prozent in Aktien. Weitere 2 Prozent jeweils in Immobilien und Cash. Die Kunden profitierten also weder von den rasant steigenden Immobilienpreise noch von den Rekordständen an den Börsen.

Die Erstversicherer stehen also unter Renditedruck, die Rückversicherer ebenfalls. Preiserhöhungen lassen sich aber schwer durchsetzen, also versuchen sie selbst, in fremde Anlagemärkte vorzudringen, um höhere Renditen zu erzielen. Die Immobilienpreise in Deutschland steigen auch deshalb an. Und immer häufiger tummeln sich Versicherungen in Infrastrukturprojekten oder im Bereich der regenerativen Energien, weil sich hier sichere Renditen erzielen lassen. Und treiben damit auch hier die Preise in die Höhe. Dabei sind die Risiken keinesfalls banal, wie die immer wieder auftauchenden Verzögerungen bei Offshore-Windparks zeigen oder die langjährigen Erfahrungen mit Immobilien, die zumeist kurze Phasen mit Wertsteigerungen erfahren, ansonsten aber eher stagnierende bis fallende Preise aufweisen.

Doch was bedeutet das für die Anleger von Versicherungsaktien? Zunächst einmal sollte man verstehen, dass die optisch niedrigen Bewertungen (z.B. KGV oder KBV) nicht gänzlich unverdient sind und eben nicht unbedingt auf Schnäppchen hinweisen. Und die teilweise üppigen Dividenden sind auch nicht in Stein gemeißelt - auch sie müssen erst verdient werden. Die Munich Re hat hier in der Vergangenheit öfter mal auf die Rücklagen zugegriffen, um die Dividendenzahlungen zu glätten und keine Senkung vornehmen zu müssen. Und die Ankündigung der Allianz, künftig die Hälfte des Jahresgewinns an die Aktionäre auszukehren anstatt der bisherigen rund 40 Prozent, sollte auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Branche kriselt. Wie schnell aus vermeintlich sicheren "Witwen- und Waisenpapieren" Kapitalvernichter werden können, haben die Versorger vorgemacht. Eon und RWE waren solide Aktien mit hoher Dividendenrendite. Wie gerne wären Sie Aktionär dieser beiden gewesen in den vergangenen Jahren?

Ins Bild passt, dass eben der Stresstest für die Versicherungsbranche durchgeführt wurde. Das wenig überraschende Ergebnis ist, dass die Branche anfällig ist durch eine lang anhaltende Niedrigzinsphase. Und kämen noch deutlich sinkenden Assetpreise (z.B. bei Immobilien) hinzu, würde dieses kombinierte Krisenszenario fast die Hälfte von Europas Versicherungsunternehmen in ernsthafte Bedrängnis bringen. Die Widerstandskraft der Branche wurde dabei gemessen an den Kennziffern und Kapitalquoten, die ab 2016 unter dem Oberbegriff "Solvency II" in Kraft treten.

Fazit
Versicherungsunternehmen sind nicht per se gefährdet, aber die Aussichten für diese Branche verschlechtern sich zunehmend. Die vermeintlich attraktiven Bewertungen von Versicherungsaktien sollten das in den Kursen schlummernde Risiko nicht verdecken und auch die vergleichsweise hohen Dividendenrenditen sind zunehmend risikobehaftet. Neuengagements in diesem Bereich drängen sich eher nicht auf und wenn, dann allenfalls als Depotbeimischung. Anleger auf der Suche nach attraktiven Dividendenrenditen sollten sich lieber anderen Branchen zuwenden und auf etwas Rendite verzichten zugunsten eines besseren Chance-Risiko-Mixes.




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Weitere Artikel zum Thema:

27.08.2013 Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer
08.11.2012 Dividendenwerte schlagen Lebensversicherungen!

Montag, 1. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 48/2014

"Zweifel ist eine Frage der Intelligenz".
(Klaus von Dohnanyi)