Freitag, 7. Juli 2017

Aurelius kann's (doch) noch: Beteiligungsverkauf und Prognoseanhebung

Der Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA scheint sich langsam von der Short-Attacke von Gotham City zu erholen und wieder zur Normalität zurückzukehren. Nachdem Ende April die bisher größte Beteiligung Secop mit einem positiven Ergebniseffekt von rund 100 Mio. Euro verkauft werden konnte, verdoppelte Aurelius kurzerhand die Dividendenausschüttung auf satte 4 Euro je Aktie und startete ein drittes Aktienrückkaufprogramm. Die Dividende wurde inzwischen ausgeschüttet und die Aktienrückkäufe laufen. Alles also wieder in vertrauten Bahnen?

Die letzten Tagen hatten einige Short-Spekluanten ihre Short-Positionen wieder deutlich ausgebaut und nun dürften sie ziemlich kalt erwischt worden sein. Denn Aurelius kann den größten Verkauf seiner Unternehmensgeschichte vermelden. So veräußert Aurelius die Getronics-Gruppe für 220 Mio. Euro an den strategischen Investor Bottega InvestCo S.à r.l., hinter dem als Mehrheitsgesellschafter der US-amerikanisch/brasilianische Unternehmer Nana Baffour steht, der in Brasilien mit der Grupo Cimcorp auf dem Markt für IT-Services präsent ist.

Aurelius hatte Getronics im Mai 2012 von der niederländischen KPN übernommen und seither erfolgreich neu positioniert. Durch insgesamt fünf Add-on-Akquisitionen, die während der Zugehörigkeit zum Aurelius-Konzern vollzogen wurden, konnte die Getronics-Gruppe sowohl geografisch expandieren als auch ihr Produktportfolio deutlich ausbauen. Der letzte Neuzugang zur Getronics-Familie war im April 2016 der Erwerb des Cloud-Geschäftes CMC (Colt Managed Cloud) der Colt Group S.A. Aktuell erzielt die Getronics-Gruppe mit 4.500 Mitarbeitern einen profitablen Umsatz von rund 500 Mio. Euro in 20 Ländern auf drei Kontinenten.

Deutliche Prognoseanhebung
Aufgrund des erfolgreichen Exits hebt Aurelius die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2017 an. Aurelius rechnet nun damit, dass das EBITDA des Gesamtkonzerns im laufenden Geschäftsjahr 2017 auf voraussichtlich über 650 Mio. Euro (bisher: über 500 Mio. Euro) steigen wird. Denn mit dem Exit konnte Aurelius sein bei Getronics investiertes Kapital um ca. das 18,5-fache steigern und wird nach vorläufigen Berechnungen hieraus einen positiven Effekt auf das EBITDA des Gesamtkonzerns für das Jahr 2017 von voraussichtlich rund 160 Mio. Euro erzielen.

 Aurelius (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Das Image von Aurelius als erfolgreicher Finanzinvestor und "gutes Zuhause für Unternehmen" wurde durch die Short-Attacke und die erhobenen Vorwürfe stark beschädigt und ist nach wie vor angekratzt. Mit dem Getronics-Verkauf kann Aurelius nun zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit einen Verkauf im dreistelligen Millionenbereich vorweisen und belegt damit, dass sein Geschäftsmodell weiterhin funktioniert und die Vorwürfe von Gotham, die Beteiligungen würden unter dem Dach von Aurelius ausgequetscht und ihre Werte vernichtet, kaum Substanz haben. Zumal Gotham behauptet hatte, die gesamte Aurelius-Sparte IT Service und Systems habe lediglich einen Wert von 12,7 Mio. Euro und Geotronics als (größter) Teil dieser Sparte nun für 220 Mio. Euro verkauft werden konnte. So viel dazu...

Als Risikofaktor bleibt die Art und Weise, wie Aurelius mit seinen Erfolgen bilanziell umgeht, denn bereits zum Zeitpunkt des Einkaufs wird der vermutliche Sanierungserfolg als Gewinn ausgewiesen und auch als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Stellt er sich dann wie erwartet ein, ergibt sich kein Problem - bleibt der Sanierungserfolg hingegen aus, belastet er die künftigen Ergebnisse, da er ja bereits verfrühstückt wurde. Das macht Aurelius anfälliger für Short-Attacken, aber auch normale Konjunkturschwankungen als es bei strikt nach HGB bilanzierenden Beteiligungsgesellschaften wie Bavaria oder Blue Cap der Fall ist. Wer in Aurelius investiert muss wissen, dass er sich mit den Chancen auch erhöhte Risiken einkauft. Andererseits scheint Aurelius sich gefangen zu haben und kann eindrucksvoll belegen, dass sein Geschäftsmodell weiterhin intakt und man in der Lage ist, attraktive Deals durchzuziehen. Seinem Ziel, in 2017 noch 2 bis 3 weitere Gesellschaften zu verkaufen und noch weitere 3 bis 5 Unternehmen zu kaufen, ist Aurelius-Chef Dr. Markus jedenfalls wieder einen großen Schritt näher gekommen.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Korrigiert mich wenn ich falsch liege. Aber in der Bilanz von Aurelius war die Firma etwas höher bewertet als nun beim Verkauf raus kommt. So ganz haltlos scheint also die Kritik von Gotham City nicht zu sein, auch wenn es bei weitem nicht so schlimm ist als behauptet.

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  2. Benjamin Radermacher7. Juli 2017 um 11:41

    Genau das Gegenteil ist der Fall. Commerzbank hatte den NAV von Getronics auf 200 Mio geschätzt, also genau 10% unterhalb des jetzt erzielten VK-Preises. Das konterkariert auch die Befürchtungen von Michael, wonach der Ruf angeschlagen und daher keine vernünftigen Preise für die Beteiligungen erzielbar seien.
    Ein weiteres Indiz für die Stärke des Managements ist für mich, dass die Meldung des Exits genau nach Ablauf des Aktienrückkaufprogramms lanciert worden ist, sodass zwei Hedgefonds, die auf fallende Kurse spekuliert und ihre LV-Positionen ausgebaut hatten, nun böse erwischt worden sind.

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    1. Auf der Aurelius Seite wird der Bereicht IT Services mit 255 Millionen angegeben. Habe ich da was übersehen und die haben in dem Bereich auch noch andere Beteiligungen?

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  3. Benjamin Radermacher7. Juli 2017 um 13:49

    Ich habe die heutige TelKo zum Verkauf von Getronics mitverfolgt. Hier meine Notizen:
    1. Ich fragte nach den Auswirkungen auf die Dividende. Die Antwort war, dass es mögliche Dividendenerhöhungen geben wird sowie ein mögliches weiteres ARP. Die Standarddividende wird wohl wie geplant in den 0,1 € Schritten erhöht und die Partizipationsdividende dürfte auch wieder hoch ausfallen. Es kam der nette Hinweis, dass die Exit-Pipeline weiter gefüllt ist und zusätzliche News abgewartet werden bis da eine Verlautbarung zur Dividende kommen wird.
    2. Zukauf der weiteren Firmen, die zusammen mit Getronics verkauft worden sind, wurde ausschlie0lich durch Getronics finanziert. Das erreichte Multiple von >18 ist somit sehr deutlich erklärbar.
    3. Gotham spielt keinerlei Rolle mehr für das Tagesgeschäft und es gab auch keinerlei Auswirkungen auf die Verhandlungen mit dem Käufer. Das Thema ist aus Aurelius-Sicht damit vom Tisch.
    4. Es wird nicht nur weitere Exits geben sondern auch Zukäufe. Diese werden allerdings aus Bordmitteln getätigt, sodass mehr Raum für ARP und Dividende bleiben dürfte. Aurelius hat folglich auch ohne den Exit genug Cash um weiter einkaufen zu gehen. Ich vermute auf die Schnelle, dass es sich daher um Unternehmen in Sondersituationen handelt, die evtl. noch eine Mitgift erhalten. Auch möglich wären lediglich kleinere Zukäufe. Aber das ist nur Spekulation meinerseits.

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  4. Vielen Dank für die interessanten und aufschlussreichen Bemerkungen!

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  5. Nicht unbedingt die seriöseste Quelle, aber dennoch:
    http://www.deraktionaer.de/aktie/aurelius--der-10--dividendengorilla-325930.htm

    Der Verfasser rechnet im kommenden Jahr mit einer Dividende um die 5 Euro.

    VG
    Thomas

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