Dienstag, 8. August 2017

Erneute Prognoseanhebung: Deutsche Beteiligungs AG zielt auf Gewinnverdopplung

Sie hat es schon wieder getan: die Deutsche Beteiligungs AG hat ihre Zahlen zum abgelaufenen 3. Geschäftsquartal vorgelegt (ihr Geschäftsjahr endet am 30. September und wusste einmal mehr zu überzeugen. Und nicht nur das. Sie hat sogar die im Mai erst erhöhten Jahresziele nochmals angehoben! Doch der Reihe nach...

Die DBAG weist nach den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2016/2017 ein Konzernergebnis von 78,6 Mio. Euro aus. Darin enthalten sind insbesondere die sechs bisherigen Exits und anders als bei der Prognoseanhebung im Mai nun auch die Verkaufsgewinne von Formel D, ProXES und Schülerhilfe. Ich hatte ja auf die zu erwartenden positiven Effekte ausgiebig hingewiesen. Und diese drei Deals waren nicht zu unterschätzen, denn nahezu die Hälfte des Ergebnisses nach den ersten neun Monaten (78,6 Mio. Euro ggü. 34,5 Mio. Euro im dritten Quartal 2015/2016) sind hierauf zurückzuführen. Das Konzernergebnis zum 30. Juni 2017 führt zu einer Rendite auf das Eigenkapital je Aktie von 22,1% nach neun Monaten.

Erfreulich ist, dass zu dem überdurchschnittlich guten Konzernergebnis nach drei Quartalen beide Geschäftsfelder der DBAG beitrugen. Im Segment Private-Equity-Investments wirkten sich neben den erfolgreichen Veräußerungen auch höhere Ergebniserwartungen der verbliebenen Portfoliounternehmen positiv aus. Des Weiteren kam dem Wertansatz dieser Unternehmen das höhere Bewertungsniveau an den Kapitalmärkten zugute.

Der Großteil des Nettogewinns stammt mit über 75 Mio. Euro aus dem Beteiligungsgeschäft. Hierbei erhöhte sich der Fair Value der Beteiligungen trotz der Beteiligungsverkäufe aufgrund der Zukäufe und des allgemeinen positiven Marktumfelds um rund 72 Mio. Euro, wodurch der Portfoliowert im Verlauf der ersten neun Monate um über 55 Mio. Euro auf fast 360 Mio. Euro gestiegen ist.


 DBAG (Quelle: wallstreet-online.de
Der Start der Investitionsperiode des im September 2016 geschlossenen DBAG Fund VII und die damit verbundenen höheren Erträge aus der Beratung dieses Fonds sind Grundlage des im Vorjahresvergleich deutlich besseren Ergebnisses des Segments Fondsberatung. Auch im dritten Quartal wurden Investitionsentscheidungen getroffen: Neu vereinbart wurden zwei Management-Buy-outs (MBOs): Mit der Vitronet Projekte GmbH, einem Dienstleistungsunternehmen für die Telekommunikationsbranche, wurde erstmals eine mehrheitliche Beteiligung im Marktsegment der kleineren MBOs strukturiert. Die duagon AG, ein Anbieter von Netzwerkkomponenten für die Datenkommunikation in Schienenfahrzeugen, ist das erste MBO der DBAG in der Schweiz und bereits die dritte Beteiligung des DBAG Fund VII. Der Fonds ist weniger als ein Jahr nach dem Zeichnungsschluss zu mehr als 20 Prozent investiert.

Folgerichtig konnten neben dem erfreulichen Ergebnis der Private Equity Investments auch die Zahlen aus der Fondsberatung überzeugen. Nachdem das Ergebnis vor Steuern in der Vorjahresperiode mit -1,3 Mio. Euro noch negativ ausgefallen und durch Einmaleffekte belastet war, wurde in diesem Jahr ein positives Ergebnis von 3,1 Mio. Euro erzielt. Dies hat vor allem an den zusätzlichen Erträgen aus dem neuen DBAG Fund VII gelegen.

Erneute Prognoseanhebung
Für die verbleibenden Wochen bis zum Ende des Geschäftsjahres am 30. September 2017 ist der Vorstand der DBAG zuversichtlich. „Wir erwarten auch für das laufende vierte Quartal ein positives Konzernergebnis, gespeist aus positiven Beiträgen beider Segmente“, heißt es in der Quartalsmitteilung unter Hinweis auf die Bedingung weitgehend unveränderter Bewertungsverhältnisse am Kapitalmarkt am Ende des Geschäftsjahres. Für das gesamte Geschäftsjahr 2016/2017 wird ein Konzernergebnis erwartet, das leicht, also um bis zu zehn Prozent, über dem zum aktuellen Stichtag erreichten Konzernergebnis.

Meine Einschätzung
Das bedeutet nichts anderes, als dass die DBAG nun von einem Jahresergebnis von mind. 86,5 Mio. ausgeht anstelle der Prognoseanhebung im Mai, als man noch 56 Mio. Euro in Aussicht stellte. Zum Vergleich: im Geschäftsjahr 2015/2016 standen am Ende 46,3 Mio. Euro unter dem Strich. Die DBAG peilt also beinahe eine Gewinnverdopplung an und auf Basis eines Aktienkurses von 42,50 Euro ergäbe sich ein KGV von knapp 7!

Die DBAG hat eine hervorragenden Ruf in der Branche und kann einen sehr langen und sehr erfolgreichen Track-Record aufweisen. Sie verdient nicht nur direkt über ihre Co-Investments an den Beteiligungen in den von ihr gemanagten Fonds, sondern auch an den hierfür eingenommenen Gebühren. Dies sorgt für einen stetigen und steigenden Strom an Einnahmen, losgelöst vom schwankungsanfälligeren Erfolg beim Verkauf von Beteiligungen. Sie verfügt über eine Eigenkapitalquote von mehr als 90 Prozent und ist seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt unterwegs. Ihre Ausrichtung als Asset-Manager, der Beteiligungs-Fonds auflegt und sich an diesen über Co-Investments auch selbst beteiligt, funktioniert hervorragend. Dabei ist das Risiko begrenzt, während die breite Diversifikation im DBAG-Portfolio die Aktie zu einem "Best-of-Deutscher-Mittelstand-Investment" macht.

Die erneute Anhebung der Jahresprognosen zeigen, welches Potenzial im DBAG-Ansatz steckt - und damit in der Aktie, die für langfristig orientierte Anleger ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis aufweist. Die jüngsten Erfolgsmeldungen, bei denen das eingesetzte Kapital innerhalb weniger Jahre vervielfacht werden konnte, dürften dem Aktienkurs weiter Auftrieb geben und die 40-Euro-Marke nur ein Zwischenschritt auf dem weiteren Weg nach oben sein. Und wir können auch davon ausgehen, dass wir eine deutliche Dividendenanhebung sehen werden, so dass im nächsten März anstatt der diesjährigen 1,20 Euro eher 1,30 oder sogar 1,40 Euro ausgeschüttet werden dürften.

Die DBAG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eine der größten Positionen in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    kleine Nachfrage: müssen Beteiligungsgesellschaften wie DBAG nicht anhand des Net Asset Value (=NAV) anstatt des KGV bewertet werden? Wie aussagekräftig ist hier das KGV?

    VG

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    1. Grundsätzlich ist bei Beteiligungsgesellschaften die Bewertung anhand des NAV der bessere/sicherere Ansatz. Also bei Aurelius, bei MBB, bei Bavaria, bei Blue Cap usw. Aber... die DBAG ist keine klassische Beteiligungsgesellschaft im engeren Sinne, sie ist ein Asset Manager. Sie wirbt Investorengelder ein (über Fonds, sog. AIF) und investiert diese Gelder in Unternehmensbeteiligungen. Hieraus erzielt sie Provisionseinnahmen. Allerdings, und das ist der klassische Ansatz, beteiligt sie sich jeweils als Co-Investor an diesen Investments und zwar mit bis zu 20%. Werden die Beteiligungen also wieder verkauft, erzielt die DBAG auf diesen Eigenanteil den entsprechenden Gewinnzuwachs, während der Rest den Fondsinhabern zugute kommt. Der Vorteil der DBAG aus diesem Ansatz: man erzielt einerseits über Jahre stetige Provisionseinnahmen und andererseits kassiert man beim erfolgreichen Verkauf nachher dennoch mit. Und weil man nicht mehr zu 100% in die jeweiligen Beteiligungen investiert, sondern 80% der Investmentsumme von anderen Investoren stammt, kann man insgesamt das fünffache Volumen stemmen und so die Beteiligungen breiter streuen sowie größere Ziele anvisieren.

      Daher ist die NAV-Bewertung für die DBAG nicht wirklich zielführend. Und das aktuelle Aufgeld von 45% auf den NAV lässt mich hier nicht zittern. Die immer weiter steigenden und dauerhaften Provisionseinnahmen relativieren dies doch sehr...

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  2. Ich frage mich, wieso die angepeilte Gewinnverdoppelung und alle die guten Nachrichten in letzter Zeit nicht zum Anspringen des Kurses führen und dieser nicht über das bereits im Mai erreichte Niveau hinauskommt. Hier scheint Geduld gefragt zu sein ...

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    1. Naja, der Kurs der DBAG hat sich ja ziemlich gut entwickelt die letzten Monate. Und da man nach IFRS bilanziert, hängen die Quartals- und Jahresergebnisse auch immer von der aktuellen Börsenverfassung ab. Und die DBAG wird mit einigem Aufschlag auf den NAV gehandelt, das könnte einige Interessenten bremsen. Wobei ich die NAV-Betrachtung bei Beteiligungsgesellschaften für vernünftig halte, bei einem Asset Manager wie der DBAG hingegen für wenig zielführend.

      Sollte die DBAG noch ein oder zwei Exits tätigen können in diesem Jahr und zwar mit ähnlichem Erfolg wie bei den bisherigen, dürfte der Kurs die Marke von 45 Euro nehmen und bis Ende 2018 eher Richtung 50 Euro streben.

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