Donnerstag, 16. Mai 2019

Blue Cap und PartnerFonds: So oder so könnte das noch was werden...

Gerade erst haben sich die Gewitterwolken bei Blue Cap etwas aufgehellt, nachdem man auf Entspannungskurs zum Großaktionär PartnerFonds AG gegangen ist und sich ein einvernehmlich(er)es Vorgehen abzeichnet: Dr. Schubert wird als Blue Cap-CEO von Bord gehen und der Vorstand bis zum Jahresende auf bis zu drei Mitglieder ausgeweitet. Daneben wird der Aufsichtsrat um einen auf vier Posten erweitert und die beiden jetzt von PartnerFonds vorgeschlagenen Kandidaten finden auch die Unterstützung von Dr. Schubert/Blue Cap. Einer von ihnen gehört zum Evoco-Team, die seit Kurzem mit 18,34% der Anteile neuer größter Aktionär bei der PartnerFonds AG sind (vor Dr. Schubert mit rund 8%).

Anlässlich des Frankfurter Eigenkapitalforums hat Dr. Schubert sich zur künftigen Zusammenarbeit der beiden drei Unternehmen geäußert und deutlich gemacht, dass eine wie auch immer geartete Verschmelzung von Evoco oder Blue Cap mit PartnerFonds ausgeschlossen sei. Soweit so gut. Doch es bleibt - vor allem aus Sicht der Blue Cap-Aktionäre - die Frage, wie es dann weitergehen soll, zumal der hohe Abschlag des Aktienkurses auf den NAV (17,50 zu 30 Euro) ja maßgeblich an diesen unsicheren Zukunftsaussichten hängt. Und genau dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht...


Dass die Fusion bzw. das Zusammengehen als Ganzes nun vom Tisch ist, ist durchaus positiv zu bewerten. Denn es reduziert Ängste und Unsicherheiten, dass am Ende vielleicht die freien Blue Cap-Aktionäre die leidtragenden sind, die über den Tisch gezogen werden zugunsten des Großaktionärs PartnerFonds AG.


Alternative(n), einfach gedacht...

Doch es stellt sich natürlich die Frage nach der Alternative. Dazu muss man sich zunächst noch einmal die Ausgangslage ansehen (in aller Kürze und Unschärfe). Die PartnerFonds AG hat viele "unwillige" Altaktionäre, die dem Vorgängerunternehmen mal Geld geliehen haben - es war ein Beteiligungsfonds. Der fuhr in der Finanzkrise voll gegen die Wand und konnte die Gelder nicht zurückzahlen an die Anleger. Der Fonds wurde in eine AG umgewandelt und die Gläubiger zwangsweise zu Aktionären gemacht. Da kein Geld zur Verfügung steht und die Aktien nicht an einer Börse notiert sind, nützte das den Anlegern gar nichts, denn sie kamen nicht an ihr Geld. Seit mehr als 10 Jahren! Die PartnerFonds AG agiert inzwischen als Beteiligungsgesellschaft und hat einige Unternehmen gekauft. Und die Blue Cap AG (jedenfalls 44% davon). Geld hat man noch immer keines. Die Blue Cap AG hingegen sitzt auf einem üppigen Cash-Berg.

Blue Cap (Quelle: wallstreet-online.de)
Und nun... Evoco und Dr. Schubert ziehen weitgehend an einem Strang, davon ist auszugehen, und Äußerungen der Beteiligten deuten ebenfalls in diese Richtung. Gemeinsam verfügen sie über 26,34% der Stimmrechte bei der PartnerFonds AG und damit über die Sperrminorität. Und da viele der Altaktionäre dort mit Vorstand Oliver Kolbe und dem Aufsichtsrat unzufrieden sind (bei der letzten HV wurde denen die Entlastung verweigert!), dürften Evoco/Dr. Schubert auf der PartnerFonds-Hauptversammlung eine breite Mehrheit hinter sich haben. Vermutlich wird der Aufsichtsrat ebenfalls neu besetzt und auch der Vorstandsposten dürfte kurz- bis mittelfristig eine Neubesetzung erfahren.

Hieraus ergibt sich nun mein Gedankengang zur künftigen Zusammenarbeit der beiden oder sogar drei Gesellschaften.

Durchaus denkbar ist, dass Dr. Schubert und Evoco bei der PartnerFonds AG das Ruder übernehmen und Blue Cap als Tochter eigenständig bleibt. Bei der PartnerFonds wollen viele Altaktionäre raus (wie das Kaufangebot von Evoco zu 1,50 Euro ja gezeigt hat) und dazu brauchen sie Geld. Daher könnte ich mir vorstellen, dass PartnerFonds ihre aktuellen Beteiligungen zu Geld machen will/wird (und damit meine ich nicht die Blue Cap AG). Des Weiteren wäre aus Sicht der PartnerFonds AG sinnvoll und lukrativ, weitere Blue Cap-Aktien zu erwerben. Denn momentan gibt es die im Wert von 30 Euro zum Schnäppchenpreis von 17,50 Euro. Und für "die Börse" sind die nebulösen Absichten der PF als Großaktionär der Hemmschuh, der einen satten NAV-Abschlag rechtfertigt. Aus Sicht der PartnerFonds-Leute besteht vermutlich (hoffentlich!) deutlich weniger Unklarheit über ihre Absichten. Insofern wäre hier der NAV-Abschlag in der aktuellen Größenordnung noch weniger gerechtfertigt.

Gegebenenfalls könnte sogar die eine oder andere Beteiligung aus dem PartnerFonds-Portfolio in die Blue Cap AG wandern. Das war ja auch ursprünglich wohl mal angedacht und daher ist es auch weiterhin eine nicht ganz ausgeschlossene Option. Jedenfalls wenn es bewertungstechnisch Sinn macht für beide Unternehmen. Aber das ist für mich eher ein Randaspekt; die Beteiligungen könnten auch "einfach" zu Geld gemacht werden.


(Wohl) das Ziel: PartnerFonds als Beteiligungsgesellschaft mit "nur" einem Asset

Am Ende könnte die PartnerFonds AG zu einer reine nicht-börsennotierten Beteiligungsgesellschaft werden (wie Dr. Schuberts Southern Blue GmbH selbst ja auch eine ist), die als hauptsächliches/einziges Asset ihre Beteiligung an der Börsennotierten Blue Cap AG hat.

Operativ tätige sonstige Beteiligungen würde man aus der PartnerFonds AG entfernen; entweder durch Einbringung in die Blue Cap oder durch Verkauf. Die frei werden Mittel verwendet man für das Auszahlen der "unwilligen" Altaktionäre und den Ankauf weiterer Blue Cap-Aktien.

Ich denke, das ist in etwa der "neue" Plan von Dr. Schubert und Evoco. Und aus Sicht eines Blue Cap-Aktionärs fände ich den viel besser als die bisherigen Gedankenspiele und unzulänglichen Versuche... Was allerdings auch bedeuten würde, dass der NAV-Abschlag des Aktienkurses von knapp 13 Euro bzw. mehr als 40% nicht einmal mehr ansatzweise gerechtfertigt wäre!

Disclaimer
Blue Cap befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael, danke, das klingt sehr plausibel. Aber gibt es denn Mechanismen, die sicherstellen dass Verkäufe der PF an die von ihr beherrschte Blue Cap zu marktgerechten Konditionen erfolgen? Klar: offensichtlich nicht marktgerecht geht nicht, weil sich dadurch der Blue Cap Vorstand wahrscheinlich der Untreue schuldig machen würde. Aber letztlich gibt es dabei immer einen Spielraum und da die Blue Cap der PF nicht 100% gehört, gibt es einen Anreiz für die PF, ihre Assets möglichst teuer an die BC zu verkaufen. Möglicherweise gibt es Handhabe, auf die Tochter Druck auszuüben, teuer zu kaufen? Danke für Deine Einschätzung / Gruß Andreas

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    1. Einen Automatismus gibt es hier nicht; es gehört zur Aufgabe eines Vorstands, zum Wohle der Aktionäre bwz. des Unternehmens tätig zu sein. Wenn er dies unterlässt oder sogar ggf. vorsätzlich das Vermögen des Unternehmens/der Aktionäre schädigt, macht er sich strafbar und schadensersatzpflichtig. Hier sind dann allerdings ggf. die Gerichte zu bemühen. Wie es aktuell ja die mic AG gegenüber ihren ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern tut, wie u.a Oliver Kolbe.

      Sollte ein Großaktionär diesen Druck aufbauen und damit den die freien Aktionäre schädigen, dann haben diese u.U. auch gegen den Großaktionär Schadensersatzansprüche. Aber auch diese bekommen sie nicht automatisch zugestanden, sondern müssten sich diese notfalls gerichtlich erstreiten.

      Bzgl. der Blue Cap kann man sagen, dass Dr. Schubert als CEO ja gerade bei diesem Punkt den Konflikt mit Großaktionär PartnerFonds/Kolbe nicht gescheut und sich ausdrücklich zum Wahl der Blue Cap eingesetzt hat.

      Da jetzt genau dieser Aspekt so dermaßen in Rampenlicht steht, kann ich mir kaum vorstellen, dass jemand hier ernsthaftes Interesse haben könnte, "unsauber" zu agieren.

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    2. Hallo Michael,

      danke für Deine Einschätzung. Und ja: ich denke, es hängt vom künftigen Vorstand der BC ab, wie hoch solch ein Risiko ist und auch davon, ob sich mittelfristig die Verantwortlichen bei der PF ändern. Die für den erweiterten Aufsichtsrat der BC vorgeschlagenen Leute stimmen jedenfalls erstmal optimistisch.

      Persönlich kenne ich auch (im Bankensektor) Verhältnisse zwischen Töchtern und Mutterkonzerm. Oft bestehen die Töchter sehr auf ihrer Eigenständigkeit und reagieren ungehalten, wenn die Mutter zu sehr versucht hineinzuregieren. Das hängt dann aber auch sehr von den handelnden Personen ab - kommt ein Vorstand oder BL von der Mutter oder ist er schon lange in der Tochter. Je nach diesen Bindungen wird dann eher im Sinne der Tochter oder Mutter gehandelt. Das ist rein juristisch nicht steuerbar.

      Ich denke aber auch, dass die Konstellation bei BC sich in den letzten Tagen sehr verbessert hat und dass man nun endlich auf fairen Umgang miteinander hoffen kann.

      Viele Grüße
      Andreas

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  2. Hallo Michael,
    was ich nicht verstehe, von was will denn die PF weitere Blue Cap Anteile erwerben, wenn kein Geld da ist?

    VG
    Joe

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    1. Wenn ein Unternehmen kein/zu wenig Geld hat, hat es ja grundsätzlich drei Möglichkeiten. Es leiht sich Geld (Fremdkapital), es macht eine Kapitalerhöhung (Eigenkapital) oder es verkauft Vermögen.

      Alle drei Wege stünden der PartnerFonds AG offen. Sie kann Kredite aufnehmen und diese mit den zugekauften Blue Cap-Aktien zusätzlich besichern. Oder sie kann eine Kapitalerhöhung durchführen, wobei die "unwilligen" Altaktionäre wohl kaum mitziehen würden, aber vermutlich Dr. Schubert und Evoco. Oder sie verkauft eine oder mehrere ihrer Portfoliounternehmen. Ob an die Blue Cap, die Evoco oder an jemand anderen, wäre dabei egal aus Sicht der PartnerFonds AG hinsichtlich der Mittelbeschaffung.

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  3. Michael,
    sehr interessant, Dein Artikel. Meine Schlussfolgerung lautet allerdings anders: ich bin so froh, dass ich aus Blue Cap seinerzeit bei über 20 ausgestiegen bin, und Dir würde ich das gleiche jetzt empfehlen. Sei froh und dankbar für die 17,50: Schubert 'raus, das Gerangel wird natuerlich weitergehen, und Partnerfonds - wie war das noch mal? "Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte?"

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    1. Im Gegenteil, Lukas, ich habe meine Blue Cap-Position wieder erhöht. Und die Zeit der "schlechten Leute" bei der PartnerFonds AG nähert sich auch ihrem Ende, denn dort übernimmt Evoco mehr und mehr die Kontrolle. Backed by Doc Schubert. Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass sein ursprünglicher Plan doch noch stattfindet. Nur eben anders. Aber nicht minder erfolgreich. Und der NAV-Abschlag von 13 Euro ist aus meiner Sicht keinesfalls (mehr) gerechtfertigt...

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